Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Perlentaucher-Autoren
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
- Politkowskaja
- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Kauf dir aber kein neues Auto
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
29.10.2008. Die Feuilletons wenden auch heute ihren ganzen Sachverstand den Finanzmärkten zu. Die FR liest George Soros' jüngstes Buch über den Crash und lernt, dass Märkte politisch sind. Alle besprechen Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm "Let's Make Money". Gawker meldet, dass die ersten Zeitungen in den USA ihr Erscheinen auf Papier einstellen. In der Berliner Zeitung widerspricht der Historiker Bert Hoppe der These, die Massenvergewaltigungen nach 1945 seien von der sowjetischen Führung geduldet worden.
Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Die Welt | Weitere Medien | Neue Zürcher Zeitung | Berliner Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Rundschau, 29.10.2008
George Soros hat im Mai in seinem Buch "Das Ende der Finanzmärkte" die Krise zum Teil vorausgesagt. Aber jeder muss seine Erfahrungen selbst machen, meint Arno Widmann. "Menschen folgen entgegen der Grundannahme der Nationalökonomie gerade nicht ihren Interessen, sondern dem, was sie - unter welchen Einflüssen auch immer - dafür halten. Mit anderen Worten: es gibt keine politikfreie Ökonomie. Die Märkte sind immer auch politische Märkte. Damit ist aber auch klar: Es gibt keine sicheren Erkenntnisse, sondern alle Erkenntnisse, so Soros, sind notwendig falsch oder doch, wie er hinzufügt, auf spätere Korrekturen angewiesen."
Weitere Artikel: Eva Schweitzer informiert auf den Medienseiten über die Wahlkampfberichterstattung in den USA. Christian Thomas denkt in einer Times Mager über den Wahltag als "Ground Zero" nach.
Besprochen werden: Volker Löschs Inszenierung von "Marat/Sade" im Deutschen Schauspielhaus Hamburg, eine "Parsifal"- Aufführung in Valencia unter Regie von Filmemacher Werner Herzog, die Ausstellung einer Privatsammlung niederländischer Gemälde in der Kasseler Wilhelmshöhe und das Buch "Der Kaiser von China" von Tilman Ramstedt (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Die Welt | Weitere Medien | Neue Zürcher Zeitung | Berliner Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Aus den Blogs, 29.10.2008
Via Gawker. Gestern zitierten wir in der Magazinrundschau Marc Andreesen, der den Zeitungen zurief: Stellt die Printausgabe ein! Heute berichtet die New York Times, dass der The Christian Science Monitor genau das angekündigt hat: Ab April will er seine tägliche Printausgabe einstellen und online weitermachen. Im Print wird es nur noch ein wöchentliches Magazin geben. Der Monitor ist eine nicht sehr auflagenstarke (52.000), aber respektierte und mit sieben Pulitzerpreisen ausgezeichnete Zeitung. Er ist die erste amerikanische Qualitätszeitung, die diesen Schritt wagt. "John Yemma, Redakteur des Monitors, erklärte, dass man mit dem Umzug ins Internet die acht Auslandsbüros halten und dabei noch Kosten sparen könne. (...) 'Jeder redet über neue Modelle', sagte Mr. Yemma, 'dies ist ein neues Modell.'"
Via BoingBoing. Bald wird man uns nicht nur an unseren gescannten Körper, biometrischen Daten, RFID-Funkchip, e-Gesundheitskarten, Maut-Kontrolle, Kreditkartenfahndung, Telefon-, Internet- und Videoüberwachung erkennen, sondern auch an unseren Emotionen. Das staatlich finanzierte amerikanische GreenDot Projekt arbeitet schon daran: "Das Ziel des Projekts ist es, Personen anhand ihrer Bewegungen zu erkennen und den emotionalen Zustand einer Person, ihren kulturellen Hintergrund und andere Merkmale zu ermitteln. (...) Das Forschungsteam baut eine große Datenbank menschlicher Emotionen auf und benutzt dafür Kabelfernseh-Aufnahmen und Videodownloads aus dem Internet. Mittels vergleichbarer Techniken, wie sie in der Spracherkennung benutzt werden, stellt das Projekt auf das Lernen von Maschinen ab (eine Technik der Künstlichen Intelligenz) um Computersysteme darauf zu trainieren, die in einem Video festgehaltene Körpersprache eines Individuums mit den Daten anderer Subjekte zu vergleichen." (Online bestaunen kann man Versuche mit Obama, McCain und Bush sowie mit Sarkozy, Merkel, Clinton und Obama.)
Widerstand lässt sich immer demonstrieren, zum Beispiel mit diesem supermilitanten Chanelschuh (Variationen hier).
Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Die Welt | Weitere Medien | Neue Zürcher Zeitung | Berliner Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Welt, 29.10.2008
Beeindruckt zeigt sich Hanns-Georg Rodek von Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm "Let's Make Money", der versucht, die komplizierten Kreisläufe des Geldverkehrs und seiner Profiteure ins Bild zu bannen: "Die meisten Medien im Finanzkrisenherbst 2008 bemühen sich so redlich wie vergeblich, ihren erschreckten Nutzern zu erklären, was um sie herum geschieht. Diese Vergeblichkeit hat viel damit zu tun, dass sie sich in Details und Fachbegriffen - Subprime, Private Equity, asset-backed - verlieren. Wagenhofer fährt stattdessen mit der Kamera zurück, und plötzlich sehen wir statt dem Detail das gesamte Gemälde. Es gibt viele redende Köpfe in 'Let's Make Money', aber das ist kaum zu vermeiden - und was sie zu sagen haben, klingt oftmals ungeheuerlich."
Weitere Artikel: Wolf Lepenies erkennt in den gerade laufenden Finalspielen des Baseballsaison Parallelen zu den amerikanischen Wahlen. Friedrich Pohl ist begeistert von Heinz Strunks Roman "Die Zunge Europas". Siegfried Tesche unterhält sich mit dem James-Bond-Regisseur Marc Forster über den neuesten Film der Reihe. Sven Felix Kellerhoff besucht die neu eingerichtet Berliner Gedenkstätte für die "Stillen Helden", die Juden vor den Nazis retteten.
Besprochen werden die große Peter-Doig-Ausstellung in der Schirn, Ralf Stabels Studie "Im Tänzer - Der Tanz und die Staatssicherheit" und eine "Parsifal"-Inszenierung Werner Herzogs inValencia.
Auf der Forumsseite warnt der Verfassungsrechtler Horst Dreier (der neulich wegen seiner liberalen Einstellung zur Stammzellforschung von der Kandidatur als Verfassungsrichter weggemobt wurde) vor allzu beliebigen Änderungen am Grundgesetz: "Viele der in den letzten Jahren erfolgten Grundgesetzänderungen zeichnen sich durch große Detailliertheit und stetig wachsenden Textumfang aus. Das macht sich im Grundrechtsteil des Grundgesetzes besonders nachteilig bemerkbar, wenn neben die schönen schlanken Sätze der Urfassung nun aufgeblähte und mit Spezialregelungen gespickte Textungetüme treten, die nur noch Spezialisten verständlich sind."
Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Die Welt | Weitere Medien | Neue Zürcher Zeitung | Berliner Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Weitere Medien, 29.10.2008
Bohumil Dolezal, einer der bekanntesten tschechischen Publizisten, kritisiert in Lidove noviny die Angriffe auf das Prager Institut für die Erforschung des Totalitarismus (Ustr) und die Wochenzeitung Respekt nach den Veröffentlichungen über die mutmaßliche Verstrickung Milan Kunderas in einen Verratsfall 1950. Die Veröffentlichung der Fotokopie eines Polizeivermerks, der Kunderas Verrat vermuten lässt, "ist natürlich mit Risiken verbunden: erstens, dass der Text eine Fälschung ist und der Verrat nicht stattgefunden hat. Es gibt aber ein noch größeres Risiko: dass sich das Bemühen durchsetzt, zu lügen, zu verschweigen und die Wahrheit unter den Teppich zu kehren, vor allem, wenn es um Prominente geht." Es gehe nicht nur um Angriffe aus der Presse auf Ustr und Respekt, sondern auch um massive Einmischungen der Politik in den Fall. "Die Demokratie gründet sich auf das Vertrauen in die Öffentlichkeit, in deren Fähigkeit, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Darauf, dass sie keinen Kurator benötigt. Bei uns setzt sich - wie man sieht -, ein solches Vertrauen nur sehr schwer durch."
Die New York Times schreibt über Ingo Schulzes Roman "Neue Leben": "Dieser sehr lange Roman beschreibt die moralische, soziale und ökonomische Plünderung (Ostdeutschlands - Anm.PT) durch den einfallenden Kapitalismus - hemmungslos in der Abwesenheit einer ausgleichenden Kraft. Anders als Mr. Schulzes frühere Werke, hat dieses Buch einen Ton von ungemilderter Trostlosigkeit. Diese Trostlosigkeit liegt nicht nur über der neuen Situation, sondern auch über der Gesellschaft vor dem Mauerfall, die er zuvor in ihrer menschlichen Komplexität behandelt hat. 'New Lives' ist ganz Verachtung - für das Alte wie für das Neue."
Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Die Welt | Weitere Medien | Neue Zürcher Zeitung | Berliner Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 29.10.2008
Der Philosoph und Reformkatholik Otto Kallscheuer betrachtet die religiöse Rhetorik, die im amerikanischen Wahlkampf bekanntlich eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Allein schon, weil John McCain so selten in der Kirche gesehen worden war, brauchte er die wiedergeborene Sarah Palin. "Barack Obama und Sarah Palin ziehen zwei unterschiedliche Register der zivilreligiösen Rhetorik der Vereinigten Staaten: das Register der im rechten Glauben geeinten Community und dasjenige des universalistischen Auftrags an Amerika. Ralph Waldo Emerson sprach einst von der 'Partei der Erinnerung' und der 'Partei der Hoffnung'."
Besprochen werden die große Schau "Design Cities" im Design Museum London, die Ausstellung "Tag, Nacht, Halbmond" der Schweiz-Japanerin Leiko Ikemura im Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen, Peter Longerichs Himmler-Biografie, Hansjörg Schertenleibs Roman "Das Regenorchester" und Peter Adolphsens Prosastück "Das Herz des Urpferds" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Die Welt | Weitere Medien | Neue Zürcher Zeitung | Berliner Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Berliner Zeitung, 29.10.2008
Der Historiker Bert Hoppe antwortet seinem Kollegen Hubertus Knabe, der anlässlich der "Anonyma"-Verfilmung die Massenvergewaltigunen durch sowjetische Soldaten nach dem Krieg zu systematisch verübten Verbrechen erklärt hatte: "Derartigen Hinweisen waren schon die deutschen militärischen Aufklärungsstellen nachgegangen - und hatten keine Belege dafür finden können. Eine Befragung von 45 gefangenen Rotarmisten durch die Gefangenensammelstelle des Armeeoberkommandos 9 ergab im Februar 1945 vielmehr ein für die Wehrmacht überraschendes Bild: 'Die Aussagen deuten ohne Ausnahme darauf hin, dass strenge Befehle der Oberen Führung der Roten Armee vorliegen, die Zivilbevölkerung schonend zu behandeln, insbesondere den Besitz nicht geflohener Einwohner nicht anzutasten.' Die Realität sah anders aus - die These freilich, die sowjetische Führung hätte die Gewalt unterbinden können, hätte sie nur den Willen gehabt, lässt sich nicht halten."
Holm Friebe und Kathrin Passig geben als neue Parole aus, dass Emails total passe sind, absolut 10. September.
Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Die Welt | Weitere Medien | Neue Zürcher Zeitung | Berliner Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Tageszeitung, 29.10.2008
Auf der Meinungsseite verhandelt Ilija Trojanow in einem Schlagloch die neue Aktualität von Karl Marx, wie sie sich derzeit in der Kneipe erleben lässt: "'Es gibt viele Marxens', bemerkte mein Freund, 'da findet man allerhand Anregungen.' 'Nun', antwortete ich, 'es gibt im Marxismus mehr Strömungen als Flüsse.' 'Du übertreibst' - mein Freund G. stand schon, er musste weiter in die nächste flüssige Verkaufsstelle. 'Das Panorama reicht von den Anarchomarxisten bis zu den Nationalsozialisten, dessen Führer sich damit brüstete, er habe die Ideen von Marx verwirklicht - siehe'Gespräche mit Hitler' von Hermann Rauschning.' 'Also ist Marx für dich ein Irrlicht?' 'Nicht nur. In seinem kapitalen Werk schreibt Marx, der Kapitalismus werde in Schlamm und Blut geboren. Der marxistische Pfad hat sich als schlammigster und blutigster Umweg zum Kapitalismus erwiesen.'"
Dass Zivilcourage sich bis heute nicht an der Universität studieren lässt, zeigt laut Klaus Hillenbrand die neueröffnete Gedenkstätte "Stille Helden" der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, welche die Rettung von Juden in der Nazizeit durch einige Tausend "anständige Deutsche" dokumentiert. "Diese beiden werden nicht mehr zusammenkommen", lautet das Fazit von Christiane Müller-Lobeck über eine Hamburger Veranstaltung, auf der Ex-Spiegelmann Moritz von Uslar versuchte, aus Ex-Spiegelchef Stefan Aust den "seelenverwandten Teilzeitmelancholiker herauszukitzeln. " Durchaus mehr als der "solitäre Kulturkreative der Linkspartei" sei Konstantin Wecker befindet Peter Unfried nach dem Besuch eines Berliner Konzerts des Liedermachers.
Besprochen wird die Textsammlung "1968 in Jugoslawien - Studentenproteste und kulturelle Avantgarde zwischen 1960 und 1975" (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Und noch Tom.
Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Die Welt | Weitere Medien | Neue Zürcher Zeitung | Berliner Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 29.10.2008
Burkhard Müller berichtet über die Kafka-Konferenz im tschechischen Liblice, bei der sich alle als Opfer fühlen konnten. In der NYRB-Reihe beschreibt heute Garry Wills, welche Folgen ein Wahlsieg der Republikaner für die amerikanische Verfassung hätte (englische Fassung). Jörg Häntzschel bekam eine Mail mit der Betreffzeile: "How Joerg can change America", und schon verbrachte er ein Wochenende als Freiwilliger in Obamas Telefonkampagne. Stefan Koldehoff schreibt über die Zusammenarbeit der Sammlung Rau mit dem Remagener Arp-Museum. Joachim Kaiser schreibt in seinem siebten Geburtstagsartikel über Beckett. Stefan Koldehoff singt dem scheidenden Berliner Museumsgeneral Peter-Klaus Schuster ein Abschiedslied. Auf der Medienseite lobt Christopher Keil die interessanten und vor allem konzentrierten Vorträge auf dem Londoner Medientag, der diesmal vom RTL-Group-Chef Gerhard Zeiler geleitet wurde.
Besprochen werden Dany Boons Filmkomödie "Willkommen bei den Sch'tis" (Daneben gibt es ein Interview mit dem Regisseur über Vorurteile, Straßenkünstler und seine Mutter: "Als ich meine Mutter anrief, um ihr zu sagen, dass wir wohl den größten Kinoerfolg Frankreichs geschafft haben, war sie erst einmal still. Und dann hat sie gesagt: 'Kauf dir aber kein neues Auto.'"), eine Wagner Gala mit dem Bayreuther Festspielorchester und Christian Thielemann beim Musikfestival Abu Dhabi Classics, einige CDs, die Uraufführung von Justine del Cortes Stück "Sex" im Zürcher Schiffbau, ein Münchner Beethovenkonzert mit dem Pianisten Rudolf Buchbinder und den Stuttgarter Radiosinfonikern unter Roger Norrington und Johannes Gelichs Roman "Der afrikanische Freund" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Frankfurter Rundschau | Aus den Blogs | Die Welt | Weitere Medien | Neue Zürcher Zeitung | Berliner Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2008
Begeistert ist Verena Lueken nicht von Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm "Let's Make Money". Aber gut sei der Film immer dann, wenn Wagenhofer nicht gleich eine Antwort wisse. Zum Beispiel in einer Episode mit Baumwollpflückern in Burkina Faso: "'Wir werden nach Europa kommen, wenn unser Land kaputt ist', sagt der Agrarökonom Yves Delisle, 'wie hohe Mauern auch immer ihr bauen werdet.' Zu diesem Thema hat Gerhard Schwarz, der Leiter der Wirtschaftsredaktion der Neuen Zürcher Zeitung, seine ganz eigenen Vorstellungen. Während Geld und Güter frei durch die Welt reisen, sollten Menschen, die vor der Armut fliehen, Eintritt bezahlen. Wie in einem Tennisclub, so stellt er sich das vor. Für Zitate wie dieses lohnt sich der Film dann doch."
Weitere Artikel: Italien trifft, wie Dirk Schümer weiß, die Finanzkrise besonders hart, da helfen auch die Beschwichtigungsparolen von Berlusconi & Co. wenig. In der Glosse schildert Paul Ingendaay den Fall eines achtzehnjährigen Marokkaners, der an der Tafel des Schulzimmers im Erbauungsspruch "Gott, König und Vaterland" den König durch seinen Lieblingsverein Barca ersetzt hatte und jetzt wegen Beleidigung des Königs für anderthalb Jahre im Gefängnis sitzt. Hubert Spiegel war im tschechischen Libice, wo man sich an die am selben Ort 1963 stattgefundene Kafka-Konferenz erinnerte. Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe, gerade Gastprofessorin in Washington, erklärt, dass sie jetzt ein Wettbüro in der US-Hauptstadt eröffnet hat. Von bischöflichem Widerstand gegen die von Papst Benedikt wieder eingeführte tridentinische Messe in England weiß Gina Thomas zu berichten. Rüdiger Suchsland porträtiert die - wie sie nicht gerne hört: sechzehnjährige - Helene Hegemann, deren in Hof begeistert aufgenommener Film "Torpedo" heute an der Berliner Volksbühne zu sehen ist. Andreas Rossmann informiert darüber, dass die Sammlung Rau nun auf Dauer im Arp-Museum unterkommt. Martin Kämpchen fragt, was aus der Aufmerksamkeit für die Literatur des Buchmessen-Gastlands Indien 2006 geworden ist. Auf der DVD-Seite werden unter anderem eine Edition der Filme Christine Noll Brinckmanns und eine zehnteilige Helmut-Qualtinger-Werkschau empfohlen.
Besprochen werden die Eröffnungsausstellung mit Videos von Candice Breitz in der provisorischen Berliner Kunsthalle, die Peter-Doig-Ausstellung in der Frankfurter Schirn, ein Lesung mit Musik mit Alfred Brendel und Pierre-Laurent Aimard in Frankfurt und Bücher, darunter Evelyn Grills Roman "Das römische Licht" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Vom Verenden des Verstehens
26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen
Grenzen spielen eine ambivalente Rolle
25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen
Belebung der Leiber
24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen
Pragmatische Theorie der Tücke
23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus. In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
201212345678910111220111234567891011122010123456789101112200912345678910111220081234567891011122007123456789101112200612345678910111220051234567891011122004123456789101112200312345678910111220021234567891011122001123456789101112
Archiv: Heute in den Feuilletons
Gelegentlich auch finster und bizarr
22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen
Figur der Jederzeitlichkeit
21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen. Mehr lesen
Auch bei geringsten dynamischen Graden
19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen
Das Theater, es lebt, es lebt
18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen
Sie rezensieren, loben und verbreiten auch
16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen
Viel mit der Hand abgeschrieben
15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen
Von bürgerlichen Medien empfohlen
14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen
Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt
12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen
Auch das Spiel folgt Regeln
11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen
Man versucht, die Revolution herauszuhalten
10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen
Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf
09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen








