Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

LSD in der Baumschule

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

30.09.2008. Zum siebzigsten Jahrestag des Münchner Abkommens findet Ian Buruma in Project Syndicate strenge Worte für den "seltsam machtlosen" Westen - vor allem nach der georgischen Erfahrung. Auch die taz und die SZ beziehen den Jahrestag des Abkommens auf Georgien. Die NZZ berichtet über die Kontroverse um den rumänischen Germanisten Andrei Corbea-Hoisie. In der New York Times sagt Tom Wolfe das Armageddon der Hedge Funds für das heutige Datum an. Die FAZ bestaunt die Würde der Pflanzen in der Schweiz.

Neue Zürcher Zeitung, 30.09.2008

Markus Bauer informiert über die Securitate-Kontroverse um den rumänischen Germanisten Andrei Corbea-Hoisie. In der rumänischen Zeitung Observator Cultural verneint dieser jetzt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe (hier und hier), er habe für die Securitate gearbeitet; gesteht aber die "'schnell zum Albtraum gewordene und aus heutiger Sicht unverzeihliche Schwäche, einmal das Gespräch mit einem Boten der Institution akzeptiert zu haben'. Er bestreitet aber, 'dass ich die Oppositionellen...bespitzelt habe; wahr ist dagegen, dass ich mich in der Redaktion einer kleinen studentischen Zeitschrift, die ich damals betreute und von der ich Anfang 1989 entfernt wurde, ständig und konsequent bemühte, im Kampf mit der Parteizensur für ihre Unbotmäßigkeit bekannte Autoren aus diesem Kreis und aus dem ganzen Lande zu veröffentlichen'. Das moralische Argument, das Hoisie anführt, besteht in der Frage, 'ob jemals eine vermeintliche Sünde von dem geleisteten, von der Gesellschaft anerkannten Guten nicht doch ausgeglichen werden kann'".


Außerdem berichtet Gabriele Detterer, dass in Florenz heftig über städtebauliche Maßnahmen, wie die Sanierung der Uffizien, die Wiedereinführung der Straßenbahn oder die Planung des Neubaugebietes Castello, gestritten wird.

Besprochen werden ein Mahler-Zyklus mit Kirill Petrenko und dem Symphonieorchester Vorarlberg und Bücher, darunter zwei jetzt auf Deutsch erschienene Romane von Ahmet Hamdi Tanpınar (1901-1962), Christoph Geisers Roman "Wenn der Mann im Mond erwacht" und "Der afrikanische Freund", ein Roman von Johannes Gelich (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 30.09.2008

Vor 70 Jahren wurde das Münchner Abkommen geschlossen, mit dem Deutschland, England, Frankreich und Italien die Zerstückelung der Tschechoslowakei besiegelten - um Hitler zu befrieden. Doch man hatte Hitler falsch eingeschätzt: Mit dem Sudetenland war er noch lange nicht zufrieden. Gustav Seibt blickt auf Georgien und denkt über das ewige Dilemma des Appeasements nach: "Auch hier ist die Einschätzung des Gegenübers von Wichtigkeit für die Frage, was sich aus den Fehlern der dreißiger Jahre lernen lässt. Weniger der moralische Charakter der russischen Staatsführung steht dabei zur Debatte - über ihn darf man so schlecht denken wie nur möglich -, sondern ihre Rationalität. Und diese ist nicht nur ein psychologisches Problem im Sinne Kissingers; zu fragen ist nach der Natur des heutigen russischen Regimes."


Weitere Artikel: Andrian Kreye ahnt, warum die Bücher von Dieter Bohlen ("Der Bohlenweg. Planieren statt sanieren") und Bushido ("Bushido") so erfolgreich sind: "Beide bedienen damit eine tiefgreifende Demokratiemüdigkeit, die sich nach einer Art frühkapitalistischer Vormoderne sehnt." Marc Felix Serrao schreibt zum Achtzigsten des Schriftstellers Elie Wiesel, Holger Liebs zum Siebzigsten des Bildhauers Ulrich Rückriem.

Und Harald Eggebrecht schreibt zum 100. Geburtstag des Geigers David Oistrach. Hier der erste Satz von Tschaikowskys Violinkonzert mit Oistrach, Gennadi Roschdestwenski und den Moskauer Philharmonikern:



Besprochen werden die Ausstellung "Himmlisch-Herrlich-Höfisch. Peter Paul Rubens, Johann Wilhelm von der Pfalz und Anna Maria Luisa de" Medici" im Düsseldorfer Museum Kunst Palast, die Inszenierung von Charlotte Roches "Feuchtgebiete" am Neuen Theater Halle, die Inszenierung von Daniel Kehlmanns "Die Vermessung der Welt" am Staatstheater Braunschweig, Marc Schölermanns Horrorfilm "Pathology", die neue CD von Martin Frys ABC und Bücher, darunter Helene Uris Campus-Roman "Nur die Stärksten überleben" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 30.09.2008

Was will Russland? fragt Gustav Seibt in der SZ, ohne die Frage zu beanworten. Christian Semler weiß es auch nicht und zieht auf der Meinungsseite seinerseits Lehren aus dem Münchner Abkommen 1938: "Wann war es den Appeasern möglich, das Wesen der Hitler'schen Außenpolitik zu erkennen? Diese Frage ist unter Historikern umstritten. (...) Ich selbst meine, dass mit dem Münchner Abkommen von 1938, das den einzig demokratisch gebliebenen Staat Mitteleuropas, die Tschechoslowakei, opferte, die Kompromisslinie überschritten war. Hitler wollte unbedingt den Krieg, das war in den Verhandlungen von München erkennbar. Gemessen an diesem Befund wäre es die Aufgabe heutiger Kritiker einer Beschwichtigungspolitik gegenüber dem Iran und vor allem gegenüber Russland nachzuweisen, dass hinter der proklamierten Friedenspolitik dieser Mächte der feste Wille steht, einen Krieg zu entfesseln. An einer solchen Beweisführung fehlt es aber gerade bei den heutigen Appeasementkritikern." (Galt das nicht auch für die Kritiker von Chamberlain?)


Tobias Rapp hörte fürs Feuilleton am Sonntag in Leipzig Wolfgang Voigts Bruckner-Sampling-Projekt Gas: "Was war das für eine Aufregung gewesen, als diese Musik das erste Mal erschien! Nationalismusverdacht! Darf-man-das?-Diskussionen! Und jetzt? Zusammen sitzt man im Theater und lässt sich von dem dunklen Strom donnernder Klangmagmas davontragen. Nicht nur das: Je länger man sich die wunderbaren Visuals anschaut, die Voigt zusammen mit der Künstlerin Petra Hollenbach entwickelt hat und die Bäume, Blätter, Blüten, Hölzer und Lichter in den verschiedensten Bewegungsstadien zeigen, desto stärker wird einem klar: Deutscher Wald bei Wolfgang Voigt, das heißt vor allem LSD in der Baumschule, Stroboskop im Unterholz, Acid auf der Blumenwiese."

Weiteres: Rudolf Stumberger erzählt, wie Bayern sich gerade fühlt. Sebastian Moll beschreibt die Reaktion der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten auf die Finanzkrise. Besprochen werden die Inszenierung von Charlotte Roches "Feuchtgebieten" im Neuen Theater in Halle an der Saale, die CD "Future Chaos" von Bomb the Bass und Samuel Salzborns "Geteilte Erinnerung. Die deutsch-tschechischen Beziehungen und die sudetendeutsche Vergangenheit" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Und Tom.

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Weitere Medien, 30.09.2008

Auch Ian Buruma überlegt in Project Syndicate mit Blick auf Georgien, was die Lehre aus dem Münchner Abkommen ist: "Als die USA beschlossen, die mörderischen Schergen Saddam Husseins aus Kuwait zu verjagen, skandierten deutsche Demonstranten: 'Kein Blut für Öl!' (...) Nun würden Georgien und die Ukraine gern erwarten, dass Europäer und Amerikaner ihr Blut vergießen würden, um sie gegen Russland zu verteidigen. Die Entscheidung ist simpel: Falls die Europäer bereit sind, für Georgien oder die Ukraine in den Kampf zu ziehen, sollte man diese Länder zum NATO-Beitritt auffordern. Andernfalls nicht. Doch statt ihre Wahl zu treffen, können sich wichtige europäische Länder - u.a. Deutschland - nicht entscheiden. Erst locken sie mit der NATO-Mitgliedschaft als Zuckerbrot, und dann ziehen sie das Angebot zurück und überlassen es den Amerikanern, sich ohne die nötige Konsequenzen in heroischen Phrasen zu ergehen. All dies lässt das westliche Bündnis inkohärent und trotz seines enormen Reichtums und der amerikanischen Militärmacht seltsam machtlos erscheinen. Es ist Zeit, dass sich die europäischen Demokratien entscheiden. Sie können weiter vom Schutz durch die USA abhängig bleiben und aufhören zu jammern, oder sie können ihre Kapazitäten zur Verteidigung Europas entwickeln, so wie sie es selbst definieren möchten."


Vor einigen Tagen hat der Schriftsteller Tom Wolfe im New York Observer erklärt, in der Wall Street arbeiteten eh nur Idioten. Wo die Herren des Universums jetzt tätig sind, enthüllte er vorgestern in der New York Times: "Vor allem in Greenwich, Conn.. Die heißesten, brillantesten und ehrgeizigsten jungen Männer habe die Investment Banken schon vor sechs Jahren für Hedge Funds verlassen. (...) Ihre Hedge Funds mögen hier und da geplatzt sein, aber anders als die Investment Banken sind die meisten noch im Geschäft. Wie Schildkröten haben sie sich blitzschnell in ihren Verteidungsstellungen zurückgezogen. Ihr Armageddon, wenn überhaupt, wird frühesten in zwei Tagen kommen, das heißt am Dienstag, den 30. September."

Gehört die New York Times bald einem indischen Mogul? Quasi als Prozesskostenhilfe? Laut einem Artikel in der britischen Times liegen die zwei reichsten - und zerstrittensten - Brüder der Welt im Rechtsstreit - wegen eines Artikels in der New York Times. "Anil Ambani, der sechstreichste Mann der Welt mit einem Vermögen von 23 Milliarden Pfund, hat seinen älteren Bruder Mukesh, den fünftreichsten Mann der Welt mit einem Vermögen von 23,5 Milliarden Pfund, auf 1,2 Milliarden Pfund verklagt. Laut Gerichtsakten behauptet Anil, Mukesh habe seine Reputation beschädigt, als er in einem Interview mit der New York Times angedeutet habe, sein jüngerer Bruder 'sammle Informationen über die Schwächen der Mächtigen'." Anil hat auch die New York Times verklagt. Wir gehen davon aus, dass der NYT-Reporter Anand Giridharadas die Aussage von Mukesh auf Band hat, aber ein Rechtsstreit mit Anil Ambani dürfte auch so entsetzlich teuer werden!

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Berliner Zeitung, 30.09.2008

Jörg Sundermeier kommentiert Sigrid Löfflers Abschied von Literaturen und betet, das die Zeitschrift nicht, wie Löffler es befürchtet, zu einem Servicemagazin umgebaut wird: "In einem Magazin wie Literaturen findet man immer noch, was man vor Jahrzehnten etwa am Spiegel liebte, nämlich Kritiken, die leichtgewichtiger sind als die in den Literaturzeitschriften, und dennoch mehr über die Ästhetik eines Autors zu sagen haben als 'Josef ist nett' oder 'Den Martin kennt in Frankfurt jeder'."

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Frankfurter Rundschau, 30.09.2008

Unmöglich fand Christian Schlüter die Reaktionen von SPD und Grünen nach der Bayernwahl. Immerhin hat die CSU trotz aller Verluste 43 Prozent der Stimmen erzielt, trotzdem wollte SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget über eine Regierungskoalition verhandeln: "Noch unverschämter war nur die bayerische Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause. Kurzerhand stellte sie den Regierungsanspruch der CSU in Abrede: 'Es kann nicht sein, dass derartige Loser meinen, sie könnten politische Verantwortung in Bayern übernehmen.' Hat sie wirklich 'Loser' gesagt?! In der Tat, auf diese Weise - mit oder ohne neoliberales Vokabular - entledigt sich die Politik ihrer selbst. So viel undemokratischer Geist war selten."


Weiteres: Universal Design wird zum Problemlöser und kommt damit dem Benutzer entgegen, statt ihm durch komplizierte Bedienung von Handys oder Computern das Leben schwer zu machen, hofft Oliver Herwig: "Dinge sollen einfach wieder Dinge sein, ohne technisches Brimborium." In einer Times Mager ist Arno Widmann erleichtert, wenn ihm einmal die Worte fehlen.

Besprochen werden eine Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne in Marbach zu W.G. Sebald ("archäologische Erinnerungsarbeit", die einen zum Besucher im "Spiegelkabinett des Dr. Sebald" macht). Installationen von Natascha Sadr Haghighian und dem Spanier Ibon Aranberri im Frankfurter Kunstverein. Besprochen werden zudem Aribert Reimanns "Lear", dirigiert von Sebastian Weigle und inszeniert von Keith Warner in der Oper Frankfurt, Sebastian Baumgartens Inszenierung von Mozarts Requiem an der Komischen Oper Berlin sowie das Theaterstück "Die Panne" im Rahmen der "Nachtschwärmer"-Reihe im Schauspiel Frankfurt.

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Der Tagesspiegel, 30.09.2008

Wird die taz durch das CSU-Debakel in den Ruin getrieben?, fragt der Tagesspiegel in einer Meldung: "Sie hatte Neuabonnenten versprochen, für jeden Prozentpunkt der CSU unter der 50-Prozent-Hürde die Zeitung einen Monat kostenlos auszuliefern. Angesichts des Ergebnisses von 43 Prozent vor dem Komma erhalten nun die Neukunden sieben Monate lang die taz geschenkt."

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Die Welt, 30.09.2008

Im Gespräch mit Wieland Freund erzählt Paul Auster von seinem unheimlichen Gefühl, seit dem Jahr 2000 in einer Parallelwelt zu leben: "Al Gore wurde zum Präsidenten gewählt, aber der Sieg wurde ihm mittels juristischer und politischer Manöver gestohlen. In der wirklichen Welt jedoch geht soeben Gores zweite Amtszeit zu Ende. In der wirklichen Welt hat der Irak-Krieg nie stattgefunden. In der wirklichen Welt hat es - vielleicht, vielleicht - auch den 11. September nie gegeben. Mit diesem Gefühl von Unwirklichkeit und Unverbundenheit habe ich acht Jahre lang gelebt. Es war ein Albtraum, Bush beim Regieren zuzusehen."


Weitere Artikel: Für den Aufmacher versetzt sich der Autor Georg M. Oswald nochmal in seine Figur des bayerischen Landtagsabgeordneten Filser, um über die jüngsten Erdrutsche in Bayern zu reflektieren ("Herr Filser ist für Neuwahlen"). Gerhard Charles Rump glossiert den Ärger zwischen konkurrierenden Kunstmessen in Hamburg. Sven Felix Kellerhoff stellt den neuen Ploetz vor. Gernot Facius berichtet über immer neue Entdeckungen von Bibelübersetzungen vor Luther. Rainer Haubrich meldet, dass die Schinkelsche Bauakademie in Berlin unter der Ägide einer privaten Stiftung nun tatsächlich wieder aufgebaut wird. Rüdiger Suchsland hat in San Sebastian den Film "Tiro en la cabeza" des Regisseurs Jaime Rosales gesehen, der über den Terrorismus der Eta nachdenkt und in Spanien Debatten auslöst (zum Beispiel hier in El Pais und hier in El Mundo). Michael Loesl unterhält sich mit dem Popduo Rosenstolz.

Besprochen wird eine Dramatisierung von Mozarts Requiem unter Regisseur Sebastian Baumgarten an der Komischen Oper Berlin. Die Magazinseite bringt eine Reportage Clara Morgensterns aus dem nach der Niederschlagung der Mönchsrevolte und dem Tropensturm geschundenen Burma.

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Titel-Magazin, 30.09.2008

Der Deutsche Buchpreis dient den Verkaufsinteressen der deutschen Buchhandelsketten und dem Selbsttrost einer irrelevant gewordenen Literaturkritik, meint Wolfram Schütte in Antwort auf Daniel Kehlmann (hier) im Titel-Magazin: "Wer einmal mitbekommen hat, wie stolz Kritiker sind, dass sie diesen oder jenen deutschen Autor 'gemacht' haben (indem sie als Juror für seine Auszeichnung 'gekämpft' haben), kennt den Selbstwert steigernden Surplus solcher aktiven Beförderungshilfe im Literaturbetrieb."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2008

Geradezu revolutionär sind die Vorschriften des neuen Schweizer Tierschutzgesetzes. Meerschweinchen, Papageien und andere Tiere müssen mindestens in Paaren gehalten werden. Hundebesitzer brauchen einen Führerschein mit Theorie- und Praxistraining. Tierversuche mit Menschenaffen sind ausgesetzt. Jürg Altwegg berichtet über entsetzte Wissenschaftler und begeisterte Ethiker. Der Biologe Klaus Ammann, zuvor Direktor des Botanischen Gartens in Bern, "hat ... das Land, in dem er eine rapide um sich greifende Wissenschaftsfeindlichkeit ausmacht, verlassen und arbeitet in Delft. Den Spott der Welt der Wissenschaft hat sich die Schweiz mit der 'Würde der Pflanzen' zugezogen. Sie wurde von der 'Eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Außerhumanbereich' definiert: 'Die Würde der Kreatur gilt auch für Pflanzen. Ihre willkürliche Schädigung ist moralisch unzulässig.'"


Weitere Artikel: Der Dichter Charles Simic, Poet Laureate der USA 2006/7, erklärt, dass er der schlechten Laune, die ihm die US-Politik mitsamt Bankenkrach und Präsidentschaftskandidaten bereitet, mit dem Ansehen von Buster-Keaton-Filmen begegnet. Deren Komik beschreibt er dann ausführlich. In der Glosse kommentiert Hannes Hintermeier das Stühlerücken und Wändewackeln nach den Wahlen im Süden. In der Serie zum Abschluss von Hans-Ulrich Wehlers Gesellschaftsgeschichte macht sich der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht Gedanken zum Altern der Sozialhistorie und ihres Objektivitätsbegriffs. Über die Äußerungen des Schriftstellers Tom Wolfe, dass am Finanzkrach die Computer schuld seien, macht sich Oliver Jungen lustig. Gerhard Rohde blickt voraus auf die Cello-Meisterkurse der "Kronberg Academy". Konstanze Krüwell beglückwünscht den Bildhauer Ulrich Rückriem zum Siebzigsten, Joseph Croitoru gratuliert dem Schriftsteller Elie Wiesel zum Achtzigsten. Auf der Medienseite staunen Hajo Friedrich und Martin Wittmann, dass die EU ganz offen Millionen ausgibt für ihr genehme Berichterstattung im Fernsehen.

Besprochen werden die Inszenierung von Aribert Reimanns "Lear"-Oper zur Spielzeiteröffnung an der Frankfurter Oper, Ivo van Hoves Inszenierung einer "Rocco und seine Brüder"-Adaption bei der Ruhrtriennale, Nina Gühlstorffs Heidelberger Theaterversion von Sven Regeners "Herr Lehmann"-Roman, eine Ausstellung zum Einfluss der Niederländer auf die italienische Malerei in Florenz, Julia Loktevs Film "Day Night Day Night", neue Alben und Editionen zum hundertsten Geburtstag des Jahrhundergeigers David Oistrach, und Jakob Heins neuer Roman "Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Vom Verenden des Verstehens

26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen

Grenzen spielen eine ambivalente Rolle

25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen

Belebung der Leiber

24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen

Pragmatische Theorie der Tücke

23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus.  In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Gelegentlich auch finster und bizarr

22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen

Figur der Jederzeitlichkeit

21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen.  Mehr lesen

Auch bei geringsten dynamischen Graden

19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen

Das Theater, es lebt, es lebt

18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen

Sie rezensieren, loben und verbreiten auch

16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen

Viel mit der Hand abgeschrieben

15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen

Von bürgerlichen Medien empfohlen

14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen

Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt

12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen

Auch das Spiel folgt Regeln

11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen

Man versucht, die Revolution herauszuhalten

10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen

Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf

09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen

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