Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Heute in den Feuilletons
Er stinkt und fasziniert
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
05.09.2008. Die Jungle World erkundet mit Theodor Lessing akademischen Antisemitismus und jüdischen Selbsthass. In der Welt erzählt Christoph Schlingensief, wie es ist, wenn es plötzlich im Leben knallt. In der FR schildert Barbara Frischmuth, wie die türkische AKP die Gunst der Intellektuellen verspielte. Die NZZ warnt vor dem Aussterben der italienischen Denkmalschützer. Die Tages-Post nimmt Gerhard Schröders Reden für Russland auseinander. Die FAZ führt mit Bernhard Bueb.
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Jungle World, 05.09.2008
Ausnahmsweise zitieren wir mal einen Gedenkartikel: Stefan Frank erinnert an den Philosophen, Gerichtsreporter, Kulturkritiker und Psychologe Theodor Lessing: "Eines der heute bekanntesten Bücher Lessings ist das über den 'jüdischen Selbsthass'. Wer die heutige antisemitische Bewegung studieren will, in der auch jüdische Antisemiten eine Rolle spielen (vor allem im 'linken' und akademischen Antisemitismus), sollte es lesen. Die Tatsache, dass es zu allen Zeiten radikale Antisemiten gibt, die selbst Juden sind oder waren, deutet Lessing (von dem, das muss leider erwähnt werden, antisemitische Beschimpfungen gegen einen ihm verhassten Literaturkritiker überliefert sind, was Lessings Buch umso verblüffender macht) so: 'Es ist nun eine der tiefsten und sichersten Erkenntnisse der Völkerpsychologie, dass das jüdische Volk unter allen Völkern das erste, ja vielleicht das einzige Volk war, welches die Schuld am Weltgeschehen einzig in sich selber gesucht hat. Auf die Frage: 'Warum liebt man uns nicht?' antwortet seit alters die jüdische Lehre: 'Weil wir schuldig sind'."
Und noch einen spannenden Artikel haben wir gefunden: Anton Landgraf erklärt, warum Moskau im Falle Transnistriens kein Interesse hat, die kleine Enklave von Moldawien loszuschlagen: "Anders als in Georgien kann Russland mit dem Status quo in einer der ärmsten Gegenden Europas durchaus leben. Mit der merkwürdigen Enklave im eigenen Land hat Moldau keine Chance, sich dem Westen anzunähern. Transnistrien bietet lukrative Verdienstmöglichkeiten, die Verkehrsanbindung ist für illegale Geschäfte sehr günstig. Der ukrainische Hafen Odessa ist kaum 90 Kilometer von der transnistrischen Hauptstadt Tiraspol entfernt. Die Grenze wird von einer OSZE-Mission nur oberflächlich kontrolliert. Geschmuggelt wird alles, womit sich Geld verdienen lässt, Nahrungsmittel und Zigaretten, aber auch Waffen, Drogen und Menschen."
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Die Welt, 05.09.2008
Regisseur Christoph Schlingensief spricht mit Wilfried Mommert über sein "Fluxus-Oratorium" mit dem Titel "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" und darüber, wie es es, wenn es plötzlich knallt im Leben - und man an Krebs erkrankt: "Ich kann mit dem katholischen Kram eigentlich nicht mehr im angelernten Sinne umgehen, auch wenn mir der Katholizismus noch immer näher ist, er ist greifbarer, archaischer, unangenehmer, er stinkt und fasziniert mehr als mancher Calvinismus oder trockengelegter Sektenkram. Aber wenn ich das große Leid auf der ganzen Welt und in vielen persönlichen Tragödien auf den Stationen oder Chemo- und Strahlen-Wartezimmern sehe, dann geht mir das jetzt noch stärker unter die Haut, so stark, dass ich dadurch meine zunächst lebensbedrohende Erkrankung relativieren konnte. Es gibt immer Schlimmeres, aber was ich erlebt habe, kam mir wie eine Art Vorhölle vor, und ich hoffe, dass mir das im Fegefeuer angerechnet wird, auch wenn der Papst da anderen Unfug verbreitet."
Weiteres: Ulrich Weinzierl bestaunt die große Van-Gogh-Schau in der Wiener Albertina, die natürlich wieder alle Rekorde bricht: "Die Versicherungssumme der gezeigten Werke beträgt schwer vorstellbare drei Milliarden Euro. Deshalb musste die Republik Österreich per Nationalratsbeschluss die Staatshaftung erhöhen." Ulrich Baron schreibt in der Reihe zur "Neuen Museumslust" über Hamburgs Völkerkundemuseum. Kai-Hinrich Renner ärgert sich über das ZDF, das im "heute journal" den BBC-Chef Mark Thomson erklären ließ, wie sinnvoll starke Internet-Auftritte öffentlich-rechtlicher Medien sind. Thomas Lindemann schwärmt von dem neuen, ganz anderen Computerspiel "Spore" und unterhält sich auch mit dessen Erfinder Will Wright. Hanns-Georg Rodek spricht mit dem kasachischen Regisseur des Action-Thrillers "Wanted", Timur Bekmambetov. Rodek berichtet auch, dass Abu Dhabi nun auch in die Produktion von Kinofilmen einsteigen will.
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Frankfurter Rundschau, 05.09.2008
Julia Kospach unterhält sich mit der österreichischen Schriftstellerin und Türkei-Kennerin Barbara Frischmuth über die nicht immer einfach zu erkennenden Frontverläufe in der Türkei der Gegenwart: "Viele Intellektuelle, die mit der in sich verknöcherten, kemalistischen Politik nicht mehr allzu viel am Hut hatten, haben Recep Erdogan von der islamistischen AKP gewählt. Interessanterweise hat die Intellektuellen an den Islamisten deren moderne, stadtplanerische Seite interessiert, und vor allem die Tatsache, dass sie nicht so nationalistisch waren wie viele Kemalisten... Ich habe das Gefühl, dass Erdogan und Staatspräsident Abdullah Gül jetzt zu weit gegangen sind. Sie wollten ihre Macht zu schnell etablieren. Das macht böses Blut und lässt sie auch viele moderne, junge Leute, die keinem Dresscode gehorchen und sich um den Islam gar nicht kümmern, wieder verlieren."
Gleich zwei Artikel berichten vom Festival in Venedig. "Ausgezeichnet" findet Heike Kühne die Auswahl in der Reihe "Orizzonti" mit Filmen wie Avi Mograbis "Z 32". Ein ideologisch etwas bedenkliches "Montagekunstwerk" ist Kathryn Bigelows Irakkriegerfeier "The Hurt Locker" für Daniel Kothenschulte - den Goldenen Löwen aber gönnt er Marco Bechis' Doku-Drama "Bird Watchers". Außerdem schreibt Kothenschulte zum Tod des Trickfilmregisseurs Bill Melendez. In einer Times Mager von Elke Buhr geht es um Schwabenfeindlichkeit im Berliner Szene-Viertel Prenzlauer Berg.
Besprochen werden die Ausstellung "In der Wüste der Moderne" im Berliner Haus der Kulturen der Welt, die von Andreas Homoki inszenierte, von Marc Albrecht dirigierte Amsterdamer Aufführung von Richard Strauss' "Frau ohne Schatten", ein von Dietmar Loeffler zusammengestellter Liederabend unter dem Titel "Zum Teufel mit Goethe!" im Frankfurter Schauspiel und Bücher, nämlich Stewart O'Nans Roman "Letzte Nacht" und ein Band mit Max Frischs Poetikvorlesungen "Schwarzes Quadrat" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Die Tageszeitung, 05.09.2008
Wiebke Porombka stellt die neueste Masche vor, mit der Verlage für ihre Autoren und deren Bücher werben: den Buchtrailer. Einen solchen hat Kiepenheuer & Witsch nun für Christian Kracht, dessen neuer Roman "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" in zwei Wochen erscheint, auf YouTube und der Verlagshomepage ins Netz gestellt. Die interessante Frage sei nun, "was solche Filme als Konkurrenz für Texte bedeuten. Der Trailer zu Krachts Roman ist einigermaßen großartig, perfekt durchkomponiert. Das auf Großbildleinwand und in Kinolautstärke - da raschelt keiner in seiner Popcorntüte. Wenn in zwei Wochen der Roman von Kracht erscheint, wird man entscheiden können, ob der Effekt vergleichbar ist."
Weiteres: Tim Caspar Böhme fragt sich, ob die Gründung eigener Plattenlabels für Techno-Clubs ein Ausweg aus der Musikindustrie-Misere sein können. "Frappierend genau" beobachtet Kathryn Bigelow in ihrem Wettebewerbsbeitrag "The Hurt Locker" das, was man das "Handwerk des Soldaten" nennen könnte, findet Cristina Nord im "Lidokino". Daniel Bax stellt das neue Album von Calexico "Carried to Dust" vor. Und in der tazzwei werden einige Abschiedsbriefe von älteren Menschen dokumentiert, die sich das Leben genommen haben; sie stammen aus der umfangreichen Sammlung der rechtsmedizinischen Abteilung der Berliner Charite.
Hier Tom.
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Weitere Medien, 05.09.2008
In der katholischen Tages-Post nimmt Ingo Langner die Russland-Rede von Gasmann Schröder auseinander: "Weil ihm sein Rollenbuch als 'His Masters Voice' das offenbar vorgibt, vergaß Schröder auch nicht zu erwähnen, dass 'aus seiner Sicht' eine Mitgliedschaft Georgiens in der Nato ausgeschlossen sei - und übrigens auch die der Ukraine. Da Schröders Sicht sich vermutlich von der Putins nicht wesentlich unterscheidet, sollte sich die Nato ab sofort auf einen militärischen Konflikt an der ukrainischen Grenze einstellen. Denn bekanntlich leben auch in der Ukraine Menschen mit russischem Pass, und nach einem Gesetz, das 2006 vom russischen Parlament durchgewinkt worden ist, ist es die Pflicht der russischen Soldaten, ihren Landsleuten auch außerhalb der russischen Grenzen brüderliche Hilfe nicht zu verweigern..."
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Neue Zürcher Zeitung, 05.09.2008
Thomas Fitzel berichtet, dass der Denkmalschutz in Italien schwer zu tragen hat an der Masse der Aufgaben und der katastrophalen Unterfinanzierung. Der Präsidenten des Obersten Denkmalrates, Salvatore Settis, kämpft gegen den Ausverkauf der Kulturlandschaft und angesichts rigider Sparmaßnahmen der Regierung gegen die Marginalisierung seiner überalterten Behörde. Settis bilanziert die Einsparungen im Kulturbereich auf etwa 1 Milliarde Euro in den nächsten drei Jahren. Vor allem in Sizilien ist es um die Position der Denkmalschützer schlecht bestellt: Sie "sind dort sehr viel direkter dem politischen Druck ausgesetzt, also zu verkaufen, zu vermieten und den privaten Interessen zu gehorchen. Wer sich diesem Druck nicht beugt, wird versetzt."
Weitere Artikel: Marianne Zelger-Vogt wirft einen Blick nach Bayreuth und auf die Aufgaben der neuen Doppelspitze, das "magisches Zentrum des Wagner-Kults" zu öffnen und in die Zukunft zu führen.
Außerdem erzählt eine Ausstellung in Wien "Blutige Geschichten": In der Österreichischen Nationalbibliothek wird eine Kulturgeschichte des Mordes entworfen.
Marco Frei hat sich im Phono-Spektrum neue Vertonungen von Beethovens Symphonien angehört.
Im Dossier Sachbuch werden Karin Wengers Dokumentation vom israelischen "Checkpoint Huwara", "Konflikt, Gewalt, Kriminalität und abweichendes Verhalten" des Soziologen Volker Bornschier und die Studie "Mit dem Fremden politisieren" von Damir Skenderovic und Gianni D'Amato besprochen.
(Mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2008
Der wegen seiner Disziplinfreude umstrittene Ex-Leiter des Elite-Internats Salem, Bernhard Bueb, hat ein neues Buch geschrieben. Er vermisst, wie er in der FAZ zusammenfassen darf, Entschlossenheit zum Führen beim Schulleitungspersonal und erklärt darum erst mal, wie das geht mit dem Führen: "Politisch erfolgreich handelt, wer etwas von Führung versteht. Aber gute Führung fällt nicht vom Himmel. Sie wächst aus einer Atmosphäre entschlossenen Handelns, die an Schulen weitgehend fehlt. Dafür muss zuerst eine Führungskultur an Schulen aufgebaut werden, die diesen Namen verdient. Die Rolle eines Schulleiters, sein Selbstverständnis, seine Befugnisse, seine Führungsinstrumente, seine Bezahlung und seine institutionell gesicherte Macht - all das muss modernen Führungstheorien entsprechen."
Weitere Artikel: Beim immer noch nicht berauschenden Festival in Venedig hat Michael Althen immerhin gute Filme von Agnes Varda und Jonathan Demme gesehen. Eduard Beaucamp erinnert in seiner Kunst-Kolumne an "Polit-Pop" aus der DDR. In der Glosse staunt Jordan Mejias, was sich die republikanische Rechte von ihrem neuen Liebling Sarah Palin so alles zumuten lässt. Irene Bazinger spricht mit Stephan Märki, dem Generalintendanten des Deutschen Nationaltheaters Weimar, über das "Weimarer Modell", das die Fortexistenz des Theaters sichern half. Gina Thomas informiert über das gestern vorgestellte Kulturprogramm zu den Olympischen Spielen 2012. Oliver Jungen kommentiert kurz Peter Handkes freiwilligen Rückzug von der Buchpreis-Longlist. Der Industriekletterer und technische Leiter der neuen Berliner Kunsthalle Holger Nawrocki wird von Marcus Jauer porträtiert. Auf einen nicht mehr einsehbaren, gegen die Regenbogenfahne als Symbol des schwul-lesbischen Pace-Synkretismus gerichteten, "gedankenreichen" Artikel des Nachrichtenportals der Kongregation für die Evangelisierung der Völker macht Lorenz Jäger aufmerksam. Uwe Walter erinnert an den vor hundert Jahren geborenen Althistoriker Arnaldo Momigliano, Swantje Karich gratuliert dem Künstler Dennis Oppenheim zum Siebzigsten. Niklas Maak schreibt zum Tod der Kunstkritikerin Doris Schmidt.
Besprochen werden eine von Andreas Homoki inszenierte, von Marc Albrecht dirigierte Aufführung von Richard Strauss' Oper "Frau ohne Schatten" in Amsterdam, Timur Bekmambetows Film "Wanted" und Bücher, darunter der nun in einem französischen Verlag erstmals vollständig erschienenen Briefwechsel zwischen F. Scott Fitzgerald und seiner Tochter Scottie die "Oxforder Oktavhefte" Kafkas in der Stroemfeld-Ausgabe (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 05.09.2008
Franziska Augstein stellt das politische Pamphlet "Churchill, Hitler und der unnötige Krieg" des rechten US-Politikers Pat Buchanan vor, in dem der Autor behauptet, den wahren Schuldigen für "fast alles Üble" des Zweiten Weltkriegs gefunden zu haben, nämlich Churchill. "Churchills Konzentration auf den Zweiten Weltkrieg sei Schuld daran, dass Britannien sein Empire verloren habe. Für Hitlers Ziele, die Buchanan umdefiniert, hegt er Sympathien: Hitler habe lediglich die ungerechten Landverluste, die der Versailler Vertrag festlegte, revidieren wollen." Trotzdem gefällt Augstein das Buch: "Als bornierter ,America First’-Mann, der er ist, wäre er vermutlich auch ein schlechter Staatschef, nicht besser als George W. Bush. Aber seine vernichtenden Kommentare über dessen Politik sind lesenswert. Sie treffen sich im Ergebnis mit der Kritik der Linken und Liberalen an Bush. Eine solche Bewertungsallianz der Rechten, Ultrarechten, Linken und Liberalen geschmiedet zu haben - das ist eine Leistung von George W. Bush."
Weiteres: Alexandra Mangel schildert den großen ersten Fall, mit dem sich die Arbeitsstelle für Provenienzforschung zu beschäftigen hat: ein Hauptwerk der Klassischen Moderne, Lyonel Feiningers Bild "Kirche in Niedergrundstedt bei Weimar". Alexander Kissler stellt das dieser Tage erscheinende "Schwarzbuch Waldorf" des Journalisten Michael Grandt vor, das sich mit der dubiosen esoterisch-okkulten Weltanschauung der Waldorfpädagogik beschäftigt. Andrian Kreye denkt über das Prinzip autoritärere Bauchentscheidung in der Politik und die impulsive "Rechtshirn-Methodik" des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain nach. In seiner Reisekolumne "Nackt in Nowosibirsk" erzählt Georg Klein von der Begegnung mit einem dort ansässigen Installationskünstler und dessen jüngstem Werk. "holi" informiert über die Absage der großen deutschen Parteien an einem Kunstprojekt von Christoph Büchel im Kasseler Fridericianum, der für eine "Parteienmesse" auch die NPD eingeladen hatte.
Besprochen werden eine Ausstellung im Getty Museum bei Los Angeles über den Barock-Bildhauer Gian Lorenzo Bernini, Alain Patels Choreografie von Bachs "Matthäus-Passion" in Bochum und Bücher, darunter eine von Alfred Brendel besorgte Auswahl aus den Tagebüchern von Friedrich Hebbel, Tariq Alis aktuelle Besichtigung von Pakistan sowie Kinder- und Jugendbücher (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen
Ein Fingernagel in ihrer Suppe
04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen. Mehr lesen
Ein Trost am Rand meines Grabes
03.03.2010. Liao Yiwu schickt seinen deutschen Lesern einen Trauergesang für die Dongxiao - die taz bringt ihn. Philip Gourevitch trägt außerdem im New Yorker einige sehr interessante Links zu Liao bei. Der NZZ geht das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug: Sie fragt, was aus dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung geworden ist. In Sachen Leistungsschutzrechte spielt die Bundesjustizminsterin im Magazin promedia auf Zeit.In der FR schreibt der chilenische Autor Ariel Dorfman über das Erdbeben. Mehr lesen
Ich saß bereits im Flugzeug
02.03.2010. Die Debatte über Ryszard Kapuscinski geht weiter. Laut Welt war er ein parteilicher Autor, der es mit der Wahrheit nicht so genau nahm. In der NZZ erklärt Martin Pollack, warum er die Biografie nicht übersetzen will - nicht wegen ihrer Wahrheiten, sondern wegen ihres Tons. Die FAZ beklagt den Einfluss der Sammler auf den heutigen Kunstbetrieb. In der SZ fordert Ulrich Johannes Schneider: Digitalisiert die Bücher! Die taz präsentiert die furiose Geigerin Patricia Kopatchinskaja und NPR das neue Album der Gorillaz. Mehr lesen
Eine Kultur der Jetzigkeit
01.03.2010. Die SZ berichtet über die Demontage eines Denkmals in Polen: Ryszard Kapuscinski wird vorgeworfen, dass er nicht nur dem Regime recht nahe stand, sondern auch ganz schön geflunkert hat. Die NZZ ist auf dem Quivive und hat herausgefunden, dass Brooklyn inzwischen angesagter ist als Manhattan, vor allem bei den "Helicopter Moms". Die FAZ liest mit Staunen Cory Doctorows Roman "Little Brother". Das Blog Carta meldet, dass die SZ 21 Stellen in der Redaktion streicht. Mehr lesen
Tack, und der Ton ist weg
27.02.2010. In der NZZ erklärt der Pianist Krystian Zimerman den Unterschied zwischen Lautstärke und Dynamik. Die taz war dabei als Frank Schirrmacher Martin Walser pathologisch nannte und Walser Schirrmacher quotensüchtig. In der Welt polemisiert Sonja Margolina gegen die Gesinnungskontrolle der liberalen Mainstream-Medien. Sascha Anderson (im ND) und Josef Haslinger (im Standard) nehmen Stellung zu Helene Hegeman. Die FR beobachtet, wie She She Pop auf der Bühne mit ihren Väter diskutieren. In der FAZ erklärt die "Human-Resources-Managerin" Anke Maruschka, wie man seinen Mitarbeitern kündigt. Die SZ weiß auch nicht, warum sie gerade beim Computerspiel "Heavy Rain" Probleme hat, jemanden zu erschießen. Mehr lesen






