Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!

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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
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- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Der biedere Untergang
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- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
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- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
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- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
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- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Er stinkt und fasziniert
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
05.09.2008. Die Jungle World erkundet mit Theodor Lessing akademischen Antisemitismus und jüdischen Selbsthass. In der Welt erzählt Christoph Schlingensief, wie es ist, wenn es plötzlich im Leben knallt. In der FR schildert Barbara Frischmuth, wie die türkische AKP die Gunst der Intellektuellen verspielte. Die NZZ warnt vor dem Aussterben der italienischen Denkmalschützer. Die Tages-Post nimmt Gerhard Schröders Reden für Russland auseinander. Die FAZ führt mit Bernhard Bueb.
Jungle World | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Weitere Medien | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Jungle World, 05.09.2008
Ausnahmsweise zitieren wir mal einen Gedenkartikel: Stefan Frank erinnert an den Philosophen, Gerichtsreporter, Kulturkritiker und Psychologe Theodor Lessing: "Eines der heute bekanntesten Bücher Lessings ist das über den 'jüdischen Selbsthass'. Wer die heutige antisemitische Bewegung studieren will, in der auch jüdische Antisemiten eine Rolle spielen (vor allem im 'linken' und akademischen Antisemitismus), sollte es lesen. Die Tatsache, dass es zu allen Zeiten radikale Antisemiten gibt, die selbst Juden sind oder waren, deutet Lessing (von dem, das muss leider erwähnt werden, antisemitische Beschimpfungen gegen einen ihm verhassten Literaturkritiker überliefert sind, was Lessings Buch umso verblüffender macht) so: 'Es ist nun eine der tiefsten und sichersten Erkenntnisse der Völkerpsychologie, dass das jüdische Volk unter allen Völkern das erste, ja vielleicht das einzige Volk war, welches die Schuld am Weltgeschehen einzig in sich selber gesucht hat. Auf die Frage: 'Warum liebt man uns nicht?' antwortet seit alters die jüdische Lehre: 'Weil wir schuldig sind'."
Und noch einen spannenden Artikel haben wir gefunden: Anton Landgraf erklärt, warum Moskau im Falle Transnistriens kein Interesse hat, die kleine Enklave von Moldawien loszuschlagen: "Anders als in Georgien kann Russland mit dem Status quo in einer der ärmsten Gegenden Europas durchaus leben. Mit der merkwürdigen Enklave im eigenen Land hat Moldau keine Chance, sich dem Westen anzunähern. Transnistrien bietet lukrative Verdienstmöglichkeiten, die Verkehrsanbindung ist für illegale Geschäfte sehr günstig. Der ukrainische Hafen Odessa ist kaum 90 Kilometer von der transnistrischen Hauptstadt Tiraspol entfernt. Die Grenze wird von einer OSZE-Mission nur oberflächlich kontrolliert. Geschmuggelt wird alles, womit sich Geld verdienen lässt, Nahrungsmittel und Zigaretten, aber auch Waffen, Drogen und Menschen."
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Die Welt, 05.09.2008
Regisseur Christoph Schlingensief spricht mit Wilfried Mommert über sein "Fluxus-Oratorium" mit dem Titel "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" und darüber, wie es es, wenn es plötzlich knallt im Leben - und man an Krebs erkrankt: "Ich kann mit dem katholischen Kram eigentlich nicht mehr im angelernten Sinne umgehen, auch wenn mir der Katholizismus noch immer näher ist, er ist greifbarer, archaischer, unangenehmer, er stinkt und fasziniert mehr als mancher Calvinismus oder trockengelegter Sektenkram. Aber wenn ich das große Leid auf der ganzen Welt und in vielen persönlichen Tragödien auf den Stationen oder Chemo- und Strahlen-Wartezimmern sehe, dann geht mir das jetzt noch stärker unter die Haut, so stark, dass ich dadurch meine zunächst lebensbedrohende Erkrankung relativieren konnte. Es gibt immer Schlimmeres, aber was ich erlebt habe, kam mir wie eine Art Vorhölle vor, und ich hoffe, dass mir das im Fegefeuer angerechnet wird, auch wenn der Papst da anderen Unfug verbreitet."
Weiteres: Ulrich Weinzierl bestaunt die große Van-Gogh-Schau in der Wiener Albertina, die natürlich wieder alle Rekorde bricht: "Die Versicherungssumme der gezeigten Werke beträgt schwer vorstellbare drei Milliarden Euro. Deshalb musste die Republik Österreich per Nationalratsbeschluss die Staatshaftung erhöhen." Ulrich Baron schreibt in der Reihe zur "Neuen Museumslust" über Hamburgs Völkerkundemuseum. Kai-Hinrich Renner ärgert sich über das ZDF, das im "heute journal" den BBC-Chef Mark Thomson erklären ließ, wie sinnvoll starke Internet-Auftritte öffentlich-rechtlicher Medien sind. Thomas Lindemann schwärmt von dem neuen, ganz anderen Computerspiel "Spore" und unterhält sich auch mit dessen Erfinder Will Wright. Hanns-Georg Rodek spricht mit dem kasachischen Regisseur des Action-Thrillers "Wanted", Timur Bekmambetov. Rodek berichtet auch, dass Abu Dhabi nun auch in die Produktion von Kinofilmen einsteigen will.
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Frankfurter Rundschau, 05.09.2008
Julia Kospach unterhält sich mit der österreichischen Schriftstellerin und Türkei-Kennerin Barbara Frischmuth über die nicht immer einfach zu erkennenden Frontverläufe in der Türkei der Gegenwart: "Viele Intellektuelle, die mit der in sich verknöcherten, kemalistischen Politik nicht mehr allzu viel am Hut hatten, haben Recep Erdogan von der islamistischen AKP gewählt. Interessanterweise hat die Intellektuellen an den Islamisten deren moderne, stadtplanerische Seite interessiert, und vor allem die Tatsache, dass sie nicht so nationalistisch waren wie viele Kemalisten... Ich habe das Gefühl, dass Erdogan und Staatspräsident Abdullah Gül jetzt zu weit gegangen sind. Sie wollten ihre Macht zu schnell etablieren. Das macht böses Blut und lässt sie auch viele moderne, junge Leute, die keinem Dresscode gehorchen und sich um den Islam gar nicht kümmern, wieder verlieren."
Gleich zwei Artikel berichten vom Festival in Venedig. "Ausgezeichnet" findet Heike Kühne die Auswahl in der Reihe "Orizzonti" mit Filmen wie Avi Mograbis "Z 32". Ein ideologisch etwas bedenkliches "Montagekunstwerk" ist Kathryn Bigelows Irakkriegerfeier "The Hurt Locker" für Daniel Kothenschulte - den Goldenen Löwen aber gönnt er Marco Bechis' Doku-Drama "Bird Watchers". Außerdem schreibt Kothenschulte zum Tod des Trickfilmregisseurs Bill Melendez. In einer Times Mager von Elke Buhr geht es um Schwabenfeindlichkeit im Berliner Szene-Viertel Prenzlauer Berg.
Besprochen werden die Ausstellung "In der Wüste der Moderne" im Berliner Haus der Kulturen der Welt, die von Andreas Homoki inszenierte, von Marc Albrecht dirigierte Amsterdamer Aufführung von Richard Strauss' "Frau ohne Schatten", ein von Dietmar Loeffler zusammengestellter Liederabend unter dem Titel "Zum Teufel mit Goethe!" im Frankfurter Schauspiel und Bücher, nämlich Stewart O'Nans Roman "Letzte Nacht" und ein Band mit Max Frischs Poetikvorlesungen "Schwarzes Quadrat" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Die Tageszeitung, 05.09.2008
Wiebke Porombka stellt die neueste Masche vor, mit der Verlage für ihre Autoren und deren Bücher werben: den Buchtrailer. Einen solchen hat Kiepenheuer & Witsch nun für Christian Kracht, dessen neuer Roman "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" in zwei Wochen erscheint, auf YouTube und der Verlagshomepage ins Netz gestellt. Die interessante Frage sei nun, "was solche Filme als Konkurrenz für Texte bedeuten. Der Trailer zu Krachts Roman ist einigermaßen großartig, perfekt durchkomponiert. Das auf Großbildleinwand und in Kinolautstärke - da raschelt keiner in seiner Popcorntüte. Wenn in zwei Wochen der Roman von Kracht erscheint, wird man entscheiden können, ob der Effekt vergleichbar ist."
Weiteres: Tim Caspar Böhme fragt sich, ob die Gründung eigener Plattenlabels für Techno-Clubs ein Ausweg aus der Musikindustrie-Misere sein können. "Frappierend genau" beobachtet Kathryn Bigelow in ihrem Wettebewerbsbeitrag "The Hurt Locker" das, was man das "Handwerk des Soldaten" nennen könnte, findet Cristina Nord im "Lidokino". Daniel Bax stellt das neue Album von Calexico "Carried to Dust" vor. Und in der tazzwei werden einige Abschiedsbriefe von älteren Menschen dokumentiert, die sich das Leben genommen haben; sie stammen aus der umfangreichen Sammlung der rechtsmedizinischen Abteilung der Berliner Charite.
Hier Tom.
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Weitere Medien, 05.09.2008
In der katholischen Tages-Post nimmt Ingo Langner die Russland-Rede von Gasmann Schröder auseinander: "Weil ihm sein Rollenbuch als 'His Masters Voice' das offenbar vorgibt, vergaß Schröder auch nicht zu erwähnen, dass 'aus seiner Sicht' eine Mitgliedschaft Georgiens in der Nato ausgeschlossen sei - und übrigens auch die der Ukraine. Da Schröders Sicht sich vermutlich von der Putins nicht wesentlich unterscheidet, sollte sich die Nato ab sofort auf einen militärischen Konflikt an der ukrainischen Grenze einstellen. Denn bekanntlich leben auch in der Ukraine Menschen mit russischem Pass, und nach einem Gesetz, das 2006 vom russischen Parlament durchgewinkt worden ist, ist es die Pflicht der russischen Soldaten, ihren Landsleuten auch außerhalb der russischen Grenzen brüderliche Hilfe nicht zu verweigern..."
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Neue Zürcher Zeitung, 05.09.2008
Thomas Fitzel berichtet, dass der Denkmalschutz in Italien schwer zu tragen hat an der Masse der Aufgaben und der katastrophalen Unterfinanzierung. Der Präsidenten des Obersten Denkmalrates, Salvatore Settis, kämpft gegen den Ausverkauf der Kulturlandschaft und angesichts rigider Sparmaßnahmen der Regierung gegen die Marginalisierung seiner überalterten Behörde. Settis bilanziert die Einsparungen im Kulturbereich auf etwa 1 Milliarde Euro in den nächsten drei Jahren. Vor allem in Sizilien ist es um die Position der Denkmalschützer schlecht bestellt: Sie "sind dort sehr viel direkter dem politischen Druck ausgesetzt, also zu verkaufen, zu vermieten und den privaten Interessen zu gehorchen. Wer sich diesem Druck nicht beugt, wird versetzt."
Weitere Artikel: Marianne Zelger-Vogt wirft einen Blick nach Bayreuth und auf die Aufgaben der neuen Doppelspitze, das "magisches Zentrum des Wagner-Kults" zu öffnen und in die Zukunft zu führen.
Außerdem erzählt eine Ausstellung in Wien "Blutige Geschichten": In der Österreichischen Nationalbibliothek wird eine Kulturgeschichte des Mordes entworfen.
Marco Frei hat sich im Phono-Spektrum neue Vertonungen von Beethovens Symphonien angehört.
Im Dossier Sachbuch werden Karin Wengers Dokumentation vom israelischen "Checkpoint Huwara", "Konflikt, Gewalt, Kriminalität und abweichendes Verhalten" des Soziologen Volker Bornschier und die Studie "Mit dem Fremden politisieren" von Damir Skenderovic und Gianni D'Amato besprochen.
(Mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2008
Der wegen seiner Disziplinfreude umstrittene Ex-Leiter des Elite-Internats Salem, Bernhard Bueb, hat ein neues Buch geschrieben. Er vermisst, wie er in der FAZ zusammenfassen darf, Entschlossenheit zum Führen beim Schulleitungspersonal und erklärt darum erst mal, wie das geht mit dem Führen: "Politisch erfolgreich handelt, wer etwas von Führung versteht. Aber gute Führung fällt nicht vom Himmel. Sie wächst aus einer Atmosphäre entschlossenen Handelns, die an Schulen weitgehend fehlt. Dafür muss zuerst eine Führungskultur an Schulen aufgebaut werden, die diesen Namen verdient. Die Rolle eines Schulleiters, sein Selbstverständnis, seine Befugnisse, seine Führungsinstrumente, seine Bezahlung und seine institutionell gesicherte Macht - all das muss modernen Führungstheorien entsprechen."
Weitere Artikel: Beim immer noch nicht berauschenden Festival in Venedig hat Michael Althen immerhin gute Filme von Agnes Varda und Jonathan Demme gesehen. Eduard Beaucamp erinnert in seiner Kunst-Kolumne an "Polit-Pop" aus der DDR. In der Glosse staunt Jordan Mejias, was sich die republikanische Rechte von ihrem neuen Liebling Sarah Palin so alles zumuten lässt. Irene Bazinger spricht mit Stephan Märki, dem Generalintendanten des Deutschen Nationaltheaters Weimar, über das "Weimarer Modell", das die Fortexistenz des Theaters sichern half. Gina Thomas informiert über das gestern vorgestellte Kulturprogramm zu den Olympischen Spielen 2012. Oliver Jungen kommentiert kurz Peter Handkes freiwilligen Rückzug von der Buchpreis-Longlist. Der Industriekletterer und technische Leiter der neuen Berliner Kunsthalle Holger Nawrocki wird von Marcus Jauer porträtiert. Auf einen nicht mehr einsehbaren, gegen die Regenbogenfahne als Symbol des schwul-lesbischen Pace-Synkretismus gerichteten, "gedankenreichen" Artikel des Nachrichtenportals der Kongregation für die Evangelisierung der Völker macht Lorenz Jäger aufmerksam. Uwe Walter erinnert an den vor hundert Jahren geborenen Althistoriker Arnaldo Momigliano, Swantje Karich gratuliert dem Künstler Dennis Oppenheim zum Siebzigsten. Niklas Maak schreibt zum Tod der Kunstkritikerin Doris Schmidt.
Besprochen werden eine von Andreas Homoki inszenierte, von Marc Albrecht dirigierte Aufführung von Richard Strauss' Oper "Frau ohne Schatten" in Amsterdam, Timur Bekmambetows Film "Wanted" und Bücher, darunter der nun in einem französischen Verlag erstmals vollständig erschienenen Briefwechsel zwischen F. Scott Fitzgerald und seiner Tochter Scottie die "Oxforder Oktavhefte" Kafkas in der Stroemfeld-Ausgabe (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 05.09.2008
Franziska Augstein stellt das politische Pamphlet "Churchill, Hitler und der unnötige Krieg" des rechten US-Politikers Pat Buchanan vor, in dem der Autor behauptet, den wahren Schuldigen für "fast alles Üble" des Zweiten Weltkriegs gefunden zu haben, nämlich Churchill. "Churchills Konzentration auf den Zweiten Weltkrieg sei Schuld daran, dass Britannien sein Empire verloren habe. Für Hitlers Ziele, die Buchanan umdefiniert, hegt er Sympathien: Hitler habe lediglich die ungerechten Landverluste, die der Versailler Vertrag festlegte, revidieren wollen." Trotzdem gefällt Augstein das Buch: "Als bornierter ,America First’-Mann, der er ist, wäre er vermutlich auch ein schlechter Staatschef, nicht besser als George W. Bush. Aber seine vernichtenden Kommentare über dessen Politik sind lesenswert. Sie treffen sich im Ergebnis mit der Kritik der Linken und Liberalen an Bush. Eine solche Bewertungsallianz der Rechten, Ultrarechten, Linken und Liberalen geschmiedet zu haben - das ist eine Leistung von George W. Bush."
Weiteres: Alexandra Mangel schildert den großen ersten Fall, mit dem sich die Arbeitsstelle für Provenienzforschung zu beschäftigen hat: ein Hauptwerk der Klassischen Moderne, Lyonel Feiningers Bild "Kirche in Niedergrundstedt bei Weimar". Alexander Kissler stellt das dieser Tage erscheinende "Schwarzbuch Waldorf" des Journalisten Michael Grandt vor, das sich mit der dubiosen esoterisch-okkulten Weltanschauung der Waldorfpädagogik beschäftigt. Andrian Kreye denkt über das Prinzip autoritärere Bauchentscheidung in der Politik und die impulsive "Rechtshirn-Methodik" des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain nach. In seiner Reisekolumne "Nackt in Nowosibirsk" erzählt Georg Klein von der Begegnung mit einem dort ansässigen Installationskünstler und dessen jüngstem Werk. "holi" informiert über die Absage der großen deutschen Parteien an einem Kunstprojekt von Christoph Büchel im Kasseler Fridericianum, der für eine "Parteienmesse" auch die NPD eingeladen hatte.
Besprochen werden eine Ausstellung im Getty Museum bei Los Angeles über den Barock-Bildhauer Gian Lorenzo Bernini, Alain Patels Choreografie von Bachs "Matthäus-Passion" in Bochum und Bücher, darunter eine von Alfred Brendel besorgte Auswahl aus den Tagebüchern von Friedrich Hebbel, Tariq Alis aktuelle Besichtigung von Pakistan sowie Kinder- und Jugendbücher (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Notschrei eines blutjungen Originalgenies
09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis. Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen
Härteste Türpolitik
08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen
Verhängt die Fenster
06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen
Pneumatische Prozesse
05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Wie Einbrecher in der Nacht
04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen
So viel wie ein junges Nashorn
03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen
Irgendwo in einer fernen Wolke
02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur. Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen
Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio
01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen
Circa anderthalb goddamns pro Seite
30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt. Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen
Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit
29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen
Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie
28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen
Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor
27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen
Mit einem Martini und einem Orden
26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen
Menschenfreundliche Wortwundverbände
25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann. Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen
Tempel des digitalen Zeitalters
23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen



