Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Genetisch erworbene leuchtende Hautlappen

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

31.07.2008. Die FR und die SZ berichten über chinesische Zensur und die Kooperation westlicher Organisationen- blamiert hat sich hier unter anderem das IOC. Im Freitag schreibt der Journalist Ulf G. Stuberger eine Erwiderung auf Carolin Emckes RAF-Buch: Nicht nur die Terroristen schweigen, sondern auch die Staatsorgane, besonders über ihre Unfähigkeit, die Verbrechen aufzuklären. Der Perlentaucher berichtet über eine Initiative, die einen Appell Pascal Bruckners aufgreift: Bokyottiert Durban 2. Die SZ setzt sich mit der infernalischen Karriere des Radovan Karadzic auseinander.

Der Freitag, 31.07.2008

Die bekannte Keramikerin Hedwig Bollhagen ist in mehreren Recherchen (zum Beispiel hier) als Arisierungsgewinnlerin dargestellt worden. Daraufhin wurde in Potsdam bei der Historikerin Simone Ladwig-Winters ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches zu dem in der Presse meist fraglos wiederholten Ergebnis kam, dass Bollhagen "weder Anhängerin noch Förderin des Nationalsozialismus" gewesen sei. Matthias Krauß sieht's im Freitag ein bisschen anders: "Es bleibt ein Rätsel, warum die Keramikerin nach Ansicht der Gutachterin die antijüdischen Rahmenbedingungen der Jahre 1933/34 'nicht gezielt' zu ihrem Vorteil genutzt haben soll, als sie gemeinsam mit ihrem damaligen Geliebten, dem einflussreichen Nazi Heinrich Schild, der bedrängten Jüdin Margarete Heymann-Loebenstein deren Marwitzer Keramikbetrieb überaus vorteilhaft abkaufte."


Der Journalist Ulf G. Stuberger hat Carolin Emckes RAF-Buch gelesen und gibt zu bedenken, dass nicht nur die Terroristen, sondern auch die Staatsorgane schweigen, was das Zeug hält, gerne auch über ihre Unfähigkeit, die Verbrechen aufzuklären: "Er verdeckt, verschweigt, verbirgt und vertuscht in Sachen RAF, wo es nur geht. Ungezählte Akten zu diesem Komplex werden immer noch als Staatsgeheimnisse unter Verschluss gehalten, sogar neue Vorgänge werden zu neuen Geheimakten erklärt. Die Anzahl der Staatsgeheimnisse im Zusammenhang mit der RAF nimmt nicht ab, sondern zu. Die größte Schlappe der deutschen Nachkriegsjustiz soll unter dem Teppich bleiben: Keines der RAF-Verbrechen ist bislang aufgeklärt worden, da täuscht sich Emcke gewaltig, die lediglich die letzten Taten als unaufgeklärt beschreibt. Alle Verurteilten wurden nur als 'Mittäter' bestraft."

nach oben

Frankfurter Rundschau, 31.07.2008

Der europäische Satellitenbetreiber Eutelsat soll die Ausstrahlung des Peking-Kritischen Sender New Tang Dynasty Television gestoppt haben, um die Gunst der Parteiführung zu gewinnen, berichtet Henrik Schmitz auf der Medienseite und beruft sich dabei auf die Organisation Reporter ohne Grenzen: "Im Internet veröffentlichte Reporter ohne Grenzen die Abschrift eines Telefonats, das ein als Mitarbeiter des chinesischen 'Propaganda-Ministeriums' getarnter Demokratie-Aktivist mit einem Eutelsat-Repräsentanten in China geführt haben soll. Und der plauderte ein paar spannende Details aus: 'Es war unser Vorstandschef in Frankreich, der entscheiden hat, das NTD-TV-Signal zu stoppen.' Zwar gebe es tatsächlich ein technisches Problem mit dem Satelliten W5, doch sei seine Funktion nur zum Teil eingeschränkt. Die Abschaltung NTD-TVs sei als 'freundliche Geste' in Richtung China zu verstehen, äußert der Eutelsat-Repräsentant in dem Telefonat." Das Transkript ist auf den französischen Seiten von Reporters sans frontieres nachzulesen).


Ganz entzückt ist Heike Kühn von Laurent Charbonniers "atemberaubender" Dokumentation "Animals in Love", empfiehlt aber unbedingt die unkommentierte Version: "Sehen, welche dramatischen Tollheiten männliche Tiere begehen, um sich von der Konkurrenz abzuheben; begreifen, dass nicht nur genetisch erworbene leuchtende Hautlappen, die blausten Füße, die funkelndsten Federn, das furcheinflößendste Geweih becircen, sondern auch ein Schnabel für Schnabel ausgepolstertes Liebesnest aus Blüten."

Weiteres: Julia Kospach besucht im griechischen Mani den britischen Reiseschriftsteller Patrick Leigh Fermor, der 1933 von Rotterdam zu Fuß nach Konstantinopel gewandert ist ("Die Zeit der Gaben"). Arno Widmann schreibt zum 75. Geburtstag des verehrten Cees Nooteboom. In Times mager sucht Hans-Jürgen Linke nach einem Fabrikanten, der eine geräuschlose Klimaanlage für Festspielhäuser produzieren könnte.

Besprochen werden die Uraufführung von E.T.A. Hoffmanns Singspiel "Liebe und Eifersucht" in München, die Narnia-Fortsetzung "Prinz Kaspian" und Jan Kounens Beigbeder-Verfilmung "39,90", mit der Daniel Kothenschulte kurzen Prozess macht: "Aus einem dummen Buch ist ein dämlicher Film geworden, und schlimmer noch: einer, der wie sein Held Octave glaubt, mit seiner bescheidenen Weisheit ganz allein zu stehen."

nach oben

Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2008

Sieglinde Geisel hat eine echte Rarität endeckt: einen politischen Flüchtling aus der Schweiz! Der Künstler Adam Meister verweigerte 1986 den schweizer Militärdienst und flüchtete nach Ost-Berlin, wo er seither als Sans-Papier unter dem Namen Adam Tellmeister lebt und in seinen Aktionen schon mal rät: "Praktisch denken, Särge schenken". Sehr angetan bespricht Eva Clausen die Ausstellung der Galleria Borghese über den Renaissancemaler Correggio in Rom, die dank einer Gegenüberstellung mit Werken aus der Antike, Aufschluss über die Beziehung des Meisters zur alten Kunst gibt. "Reichlich Zank" hat bei den Salzburger Festspielen Tradition, weiß Peter Hagemann nach der Lektüre von Gisela Prossnitz' und Robert Kriechbaumers Chronik über die Opernfestivitäten zu berichten.


Besprochen werden das viel gelobte Regiedebüt "XXY" der Argentinierin Lucia Puenzo sowie Noemie Lvovskys Familienkomödie "Faut que ca danse" und Bücher, darunter die Erzählungen "Karma und andere Stories" von Rishi Reddi (mehr ab 14 Uhr in der Bücherschau des Tages).

nach oben

Die Tageszeitung, 31.07.2008

Heute fast alles Kino. "Fluchtbewegungen als Leitmotiv" macht Anke Leweke im aktuellen israelischen Kino aus, beispielhaft etwa im nächste Woche anlaufenden Film "Sweet Mud" von Dror Shaul oder Amos Kolleks "Restless". "Seit seinen Anfängen hat das israelische Kino eine radikale Kehrtwendung vollzogen. Dominierte zu Beginn ungebrochene Aufbruchstimmung, erzählen die Filme nun von Stagnation und Lethargie. Auf Kinobildern, die vor sechzig Jahren, also kurz nach der Staatsgründung entstanden, strahlen Menschen im ungebrochenen Optimismus. (...) Die Kamera schwingt sich in die Totale auf und gibt den Blick frei auf einen Zukunft versprechenden Horizont. Mittlerweile sind diese Felder von Stacheldraht durchzogen und von Wachtürmen umstellt. Auch die Gemeinschaft ist zerrüttet."


Weitere Artikel: Dietmar Kammerer berichtet über die Zensur von Apichatpong Weerasethakukls Film "Syndromes and a Century" in dessen Heimat Thailand: Gestrichen werden müssen vier Szenen mit einem Gitarre spielenden Mönch, zwei Mönchen mit einem elektrischen Spielzeug, eine Gruppe whiskeytrinkender Ärzte und eine Liebesszene. Begründung: Verunglimpfung des Ansehens von Religion und Gesellschaft. Eine "seltsame Retroästhetik" getragen von "brutalistischen Holzsäulen" entdeckte Julia Grosse im temporären Sommerpavillon der Serpentine Gallery im Londoner Hyde Park, der in diesem Jahr von Frank O. Gehry gebaut wurde. Auf den Tagesthemenseiten empört sich Georg Blume über das IOC, das die Sperrung chinakritischer Websites durch die Pekinger Regierung mitträgt. In tazzwei betreibt Christian Bartels Sinnsuche und fragt sich, was Henri Nannens Lieblingsblatt Stern, der nun 60 Jahre alt wird, eigentlich sein will.

Besprochen werden Laurent Charbonniers Dokumentation "Animals in Love", Jan Kounens Verfilmung von Frederic Beigbeders Bestseller "39,90 - Neununddreißigneunzig" und eine rekonstruierte DVD-Fassung von Frank Borzages "The River" (USA 1929).

Schließlich Tom.

nach oben

Perlentaucher, 31.07.2008

Vor einigen Wochen veröffentlichte der französische Autor Pascal Bruckner im Perlentaucher seinen Appell "Boykottiert Durban2". Hier beschrieb er, wie der Menschenrechtsbegriff im Menschenrechtsrat der UNO in sein Gegenteil verkehrt wird. Eine Gruppe von Intellektuellen hat Bruckners Aufruf, die für April 2009 geplante Nachfolgekonferenz der Konferenz von Durban zu boykottieren nun aufgegriffen: "Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner - Journalisten, Publizisten, Wissenschaftler und Künstler - schließen uns Bruckners Appell an und fordern die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union - insbesondere Deutschland - auf, die 'Durban 2'-Konferenz zu boykottieren und sich für eine umfassende Reform des UN-Menschenrechtsausschusses einzusetzen." Unterzeichnet haben unter anderem Pascal Bruckner selbst, Necla Kelek und Lars Gustafsson.

nach oben

Die Welt, 31.07.2008

Hannes Stein besucht eine Ausstellung über den "Holodomor" in New York. Er will die Frage, ob dies ein Genozid gewesen sei, nicht beantworten, zeigt aber, wie systematisch gemordet wurde: "1932 bekamen ukrainische Bauern keine Pässe mehr. Praktisch bedeutete dies, dass die Leibeigenschaft (die 1861 unter dem Zaren aufgehoben worden war) wieder eingeführt wurde: Die Bauern durften sich nicht mehr von ihrer Scholle wegbewegen. Die Ukraine wurde sodann umstellt, die Straßen in die Städte wurden blockiert."


Weitere Artikel: Eckhard Fuhr sieht im Aufmacher die durch den Berliner Finanzsenator Sarrazin ausgesprochene Empfehlung für Pullover statt Heizkostenzuschüssen nicht als Beweis sozialer Kälte, sondern als Plädoyer für die "uralte Kulturtechnik, die eigene Körperwärme durch gewirkte Schafwolle zu konservieren" und leitet zwanglos zur Geschichte der Schafzucht im Ötztal über. Hendrik Werner schreibt eine Glosse über die wegen Renovierung geschlossene Vatikan-Bibliothek, deren Internetadresse zum Trost aufgemöbelt wurde. Jörg von Uthmann berichtet über die besonders von Gratisblättern ausgelöste Zeitungskrise in Frankreich. Bettina Krogemann und Gerhard Charles Rump resümieren die Auseinandersetzungen um echte oder gefälschte Immendorffs. Holger Keitling besucht eine Berliner Festival von Comicverfilmungen. Besprochen werden Filme, darunter der zweite Teil der "Narnia"-Trilogie.

nach oben

Süddeutsche Zeitung, 31.07.2008

Die Aufmacherseite handelt von Radovan Karadzic.


Dr. Dabic war keinen Tarnung, sondern die andere Seite ein- und der selben Person, meint Slavenka Drakulic. Sie fühlt sich in die zweite Existenz des Radovan Karadzic ein und schildert auch sein Alltagsleben: "Sein Lieblingscafe war das 'Verrückte Haus', wo er gelegentlich die Gusla spielte, ein Volksinstrument mit nur einer Saite. Er trank Rotwein der Marke 'Bärenblut', er aß Vollkornbrot und Yoghurt. Eine Verkäuferin in einem nahegelegenen Supermarkt fand ihn sympathisch. Er soll eine Geliebte mit Namen Mila gehabt haben und wurde oft Hand in Hand mit ihr gesehen."

Der bosnisch-amerikanische Autor Aleksandar Hemon erinnert an die Rolle der Literatur in Karadzics infernalischer Karriere und besonders an Petar Petrovic Njegos' episches Gedicht "Der Bergkranz" von 1847, in dem schon einmal die Auslöschung von Muslimen besungen wird: "Karadzic war gut vertraut mit der serbischen epischen Dichtung... Er sah sich selbst als den Helden eines epischen Gedichts, das eine entfernte, zukünftige Generation einst singen würde."

Weitere Artikel: Franziska Brüning resümiert den französischen Streit um den Karikaturisten Sine, der wegen einer angeblich antisemitischen Äußerung entlassen wurde. Christopher Schmidt singt aus Anlass des Sommers ein Lob des Schattens. Besprochen werden erste Konzerte in Salzburg, die Wiederaufnahme von Tankred Dorsts "Ring"-Inszenierung in Bayreuth, Filme, darunter "Unter Kontrolle" von Jennifer Lynch (ja, sie ist die Tochter), und Bücher, darunter das neueste Werk von Martin Mosebach.

Auf der Medienseite schreibt "cbu" über das Ende von Burdas Green-Glamour-Zeitschrift Ivy samt Internetadresse und über die Einstellung des Handy-Fernsehens im gleichen, von der Anzeigenkrise bedrängten Hause.

Auf der SZ-Online finden wir ein Dossier über das IOC und die Internetzensur, die nun laut einer Auskunft des IOC-Pressemanns Kevan Gosper akzeptiert wird, weil China "nun einmal ein kommunistisches Land" sei und "sich nicht vorschreiben lässt, ob es das Internet zensiere oder nicht". Henrik Bork kommentiert: "Diese Kehrtwende so kurz vor Beginn der Spiele ist eine Frechheit. Denn derselbe Kevan Gosper und auch IOC-Präsident Jacques Rogge hatten noch in diesem Monat öffentlich behauptet, die Berichterstattung während der Pekinger Sommerspiele werde frei sein. Als Beispiel für diese Freiheit hatten sie ausgerechnet immer wieder jenen 'unzensierten Zugang' zum Internet genannt."

nach oben

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2008

"Wie hätten die Verantwortlichen der großen Film- und Fernsehstudios in Hollywood wohl auf ein solches Projekt reagiert? Eine Komödie mit dem Namen 'Dr. Horrible's Sing-Along Blog' (Dr. Horribles Blog zum Mitsingen), deren titelgebender Held (Neil Patrick Harris) ein im Grunde gutmütiges Möchtegern-Verbrechergenie mit zum Scheitern verurteilten Welteroberungsphantasien ist. Ein verrückter Wissenschaftler, der mittels einer Strahlenkanone seinen Erzfeind Captain Hammer (Nathan Fillion) - seinerseits ein narzisstischer Superheld, dessen alberner Name nur von seinem lächerlichen Kostüm übertroffen wird - zur wehrlosen Statue erstarren lassen will. Ein Verlierer, der in die ebenso hübsche wie herzensgute Penny (Felicia Day) aus dem Waschsalon verliebt ist, sich aber nicht traut, sie anzusprechen. Erzählt als Sondheim'sches Musical, mit der Ästhetik eines B-Movies." Regisseur Joss Whedon hat gar nicht erst gefragt, sondern ihn selbstfinanziert und ins Internet gestellt, erzählt Carlos Corbelle. Natürlich ist es ein Coup: "nicht nur in künstlerischer, sondern auch in kommerzieller Hinsicht".


Weitere Artikel: Christian Geyer ist sehr unzufrieden mit den Richtern am Bundesverfassungsgericht: Ihr Raucherurteil hätte irgendwie "substantieller", mit mehr "Sorgfalt (in) der Begründung" ausfallen sollen. Die Familienanwältin Esther Caspary schlägt erst vor, die nur religiös geschlossene Ehe wie in den Vereinigten Staaten zu behandeln - plädiert dann aber für eine Abweichung, die das amerikanische Modell auf den Kopf stellt. Brita Sachs bewundert den Münchner Neubau für die Sammlung Brandhorst. Regina Mönch informiert über die Datenbank mit Hitlers Sammlung für ein Museum in Linz, die das Deutsche Historische Museum ins Netz gestellt hat.

Auf der Medienseite berichtet Henning Hoff über Internetangebote, mit denen sich klassische Fernsehsender von Neugründungen wie Joost oder Babelgum abheben wollen. Schlechte Noten bekommt die neue Suchmaschine Cuil von Marco Dettweiler. Eine Meldung informiert uns, dass die ARD ihr Büro in Tel Aviv geschlossen habe, weil sie vermutet, dass ihr palästinensischer Kameramann von der Hamas gefoltert wird. (Es war das Büro in Gaza, und laut ARD ist der Mann wieder frei.)

Auf der letzten Seite stellt Gesine Hindemith den ehemaligen Handyverkäufer Paul Potts vor, der mit seiner Darbietung der Arie "Nessun dorma" in einer britischen Castingshow so berühmt wurde, dass jetzt die Telekom mit ihm wirbt. (Um ihren Amateurstatus zu betonen?) Dirk Schümer berichtet über einen albernen Streit zwischen den holländischen Schriftstellern A.F.TH und Arnon Grunberg. Tilman Spreckelsen stellt uns die Dame Cundrie la surziere etwas genauer vor.

Auf der Seite Forschung und Lehre liest Inka Wahl zwei Studien zur "Ungerechtigkeitssensibilität". Reinhart Meyer-Kalkus stellt die Forschung Michel Chions zu audiovisuellen Visionen vor. Und Martina Lenzen-Schulte berichtet von einer Studie Bostoner Diabetesforschung, wonach Fett am Hintern okay ist, Fett am Bauch dagegen nicht.

Besprochen werden E.T.A. Hoffmanns Singspiel "Liebe und Eifersucht" bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen, die Wiederaufnahme von Tankred Dorsts "Rheingold" und "Walküre" in Bayreuth und die Ausstellung "Dubai Next" im Feuerwehrhaus auf dem Vitra Campus, Weil am Rhein.

nach oben

Die Zeit, 31.07.2008

Vielleicht wird das frömmelnde Fantasy-Epos "Prinz Kaspian von Narnia" den Kampf um Marktanteile gewinnen, aber nicht den um die Kinderseelen, glaubt Georg Seeßlen in einem Text über die ideologischen Schlachten unter den Fantasy-Produzenten: "Der Film 'Prinz Kaspian von Narnia' ist seiner dreifachen Aufgabe nicht gewachsen, zugleich familientaugliche Unterhaltung, religiöse Erbauung und politische Metaphorik für die ausgehende Bush-Ära und ihr Weltbild zu sein. Das Kindlich-Naive, das Düster-Brutale und das Christlich-Reaktionäre brechen auseinander. Und damit sagt der Film vielleicht eine interessante Wahrheit. Nämlich die, dass unsere Sehnsucht nach Märchen und Mythos beinahe überall hineinzuretten ist. Aber nur begrenzt in die Propaganda."


Weiteres: Für Claus Spahn ist der Gral in Stefan Herheims Bayreuther "Parsifal" kalt geblieben, der "große Wagner-Offenbarungssog" hat sich nicht eingestellt. In der Randspalte kommt Jens Jessen zu dem Schluss, dass Radovan Karadzic, Naturmedizin und ethnische Säuberungen doch zusammenpassen und dass "der Schrecken des Naturzustandes die Zumutungen der Zivilisation bei Weitem überwiegt". Karsten Krohn betrachtet New Yorks neue Lust an der Stararchitektur und der sozialen Verdrängung. Peter Bürger denkt darüber nach, warum sich die einstigen Antagonisten der Geschichtsphilosophie, Walter Benjamin und Jacob Burckhardt, immer ähnlicher werden, je gebrochener unser heutiges Verhältnis zur Geschichte werde. Thomas Assheuer gratuliert dem Theologen Johann Baptist Metz zum Achtzigsten. Viola Shafik schreibt den Nachruf auf den ägyptischen Regisseur Youssef Chahine.

Besprochen werden Andrea Breths Dostojewski-Inszenierung "Verbrechen und Strafe" bei den Salzburger Festspielen und die Ausstellung "Female Trouble" in der Münchner Pinakothek der Moderne.

Im Aufmacher des Literaturteils preist Volker Ullrich Jochen Köhlers Biografie Helmuth James von Moltkes. Das Dossier führt uns ins große Weltcasino zu den Managern der Hedgefonds. Und natürlich wirft auch Olympia seine Schatten voraus, die Zeit widmet dem Sport und China einen Schwerpunkt, wobei Angela Köckritz unter anderem konstatiert: "Recht bleibt in China, was dem Staat nützt."

nach oben

Archiv: Heute in den Feuilletons

Muss ich etwas zu sagen haben?

20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen

Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche

19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen

Arrondierte Männergruppen

18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen

Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach

17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten.  Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und  des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Ein Mann wie Winnetou

16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz  von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen

Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert

15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen

Ich war verstört

13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas.  Mehr lesen

Zeitung lebt

12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen

Damals war die Zukunft heute

11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen

Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen

10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter,  meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In  taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen

Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel

09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen

Schwirren und fliegen und sausen

08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen

Denken Sie an Klaviersaitendraht

06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen

Antipathie gegen Beton und Stahl

05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen

Ein Fingernagel in ihrer Suppe

04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen.  Mehr lesen

Gesamtes Archiv Heute in den Feuilletons