Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Alma Guillermoprieto: Havanna im Spiegel

Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!

Ewige Werte
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- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
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- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Genetisch erworbene leuchtende Hautlappen
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
31.07.2008. Die FR und die SZ berichten über chinesische Zensur und die Kooperation westlicher Organisationen- blamiert hat sich hier unter anderem das IOC. Im Freitag schreibt der Journalist Ulf G. Stuberger eine Erwiderung auf Carolin Emckes RAF-Buch: Nicht nur die Terroristen schweigen, sondern auch die Staatsorgane, besonders über ihre Unfähigkeit, die Verbrechen aufzuklären. Der Perlentaucher berichtet über eine Initiative, die einen Appell Pascal Bruckners aufgreift: Bokyottiert Durban 2. Die SZ setzt sich mit der infernalischen Karriere des Radovan Karadzic auseinander.
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Der Freitag, 31.07.2008
Die bekannte Keramikerin Hedwig Bollhagen ist in mehreren Recherchen (zum Beispiel hier) als Arisierungsgewinnlerin dargestellt worden. Daraufhin wurde in Potsdam bei der Historikerin Simone Ladwig-Winters ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches zu dem in der Presse meist fraglos wiederholten Ergebnis kam, dass Bollhagen "weder Anhängerin noch Förderin des Nationalsozialismus" gewesen sei. Matthias Krauß sieht's im Freitag ein bisschen anders: "Es bleibt ein Rätsel, warum die Keramikerin nach Ansicht der Gutachterin die antijüdischen Rahmenbedingungen der Jahre 1933/34 'nicht gezielt' zu ihrem Vorteil genutzt haben soll, als sie gemeinsam mit ihrem damaligen Geliebten, dem einflussreichen Nazi Heinrich Schild, der bedrängten Jüdin Margarete Heymann-Loebenstein deren Marwitzer Keramikbetrieb überaus vorteilhaft abkaufte."
Der Journalist Ulf G. Stuberger hat Carolin Emckes RAF-Buch gelesen und gibt zu bedenken, dass nicht nur die Terroristen, sondern auch die Staatsorgane schweigen, was das Zeug hält, gerne auch über ihre Unfähigkeit, die Verbrechen aufzuklären: "Er verdeckt, verschweigt, verbirgt und vertuscht in Sachen RAF, wo es nur geht. Ungezählte Akten zu diesem Komplex werden immer noch als Staatsgeheimnisse unter Verschluss gehalten, sogar neue Vorgänge werden zu neuen Geheimakten erklärt. Die Anzahl der Staatsgeheimnisse im Zusammenhang mit der RAF nimmt nicht ab, sondern zu. Die größte Schlappe der deutschen Nachkriegsjustiz soll unter dem Teppich bleiben: Keines der RAF-Verbrechen ist bislang aufgeklärt worden, da täuscht sich Emcke gewaltig, die lediglich die letzten Taten als unaufgeklärt beschreibt. Alle Verurteilten wurden nur als 'Mittäter' bestraft."
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Frankfurter Rundschau, 31.07.2008
Der europäische Satellitenbetreiber Eutelsat soll die Ausstrahlung des Peking-Kritischen Sender New Tang Dynasty Television gestoppt haben, um die Gunst der Parteiführung zu gewinnen, berichtet Henrik Schmitz auf der Medienseite und beruft sich dabei auf die Organisation Reporter ohne Grenzen: "Im Internet veröffentlichte Reporter ohne Grenzen die Abschrift eines Telefonats, das ein als Mitarbeiter des chinesischen 'Propaganda-Ministeriums' getarnter Demokratie-Aktivist mit einem Eutelsat-Repräsentanten in China geführt haben soll. Und der plauderte ein paar spannende Details aus: 'Es war unser Vorstandschef in Frankreich, der entscheiden hat, das NTD-TV-Signal zu stoppen.' Zwar gebe es tatsächlich ein technisches Problem mit dem Satelliten W5, doch sei seine Funktion nur zum Teil eingeschränkt. Die Abschaltung NTD-TVs sei als 'freundliche Geste' in Richtung China zu verstehen, äußert der Eutelsat-Repräsentant in dem Telefonat." Das Transkript ist auf den französischen Seiten von Reporters sans frontieres nachzulesen).
Ganz entzückt ist Heike Kühn von Laurent Charbonniers "atemberaubender" Dokumentation "Animals in Love", empfiehlt aber unbedingt die unkommentierte Version: "Sehen, welche dramatischen Tollheiten männliche Tiere begehen, um sich von der Konkurrenz abzuheben; begreifen, dass nicht nur genetisch erworbene leuchtende Hautlappen, die blausten Füße, die funkelndsten Federn, das furcheinflößendste Geweih becircen, sondern auch ein Schnabel für Schnabel ausgepolstertes Liebesnest aus Blüten."
Weiteres: Julia Kospach besucht im griechischen Mani den britischen Reiseschriftsteller Patrick Leigh Fermor, der 1933 von Rotterdam zu Fuß nach Konstantinopel gewandert ist ("Die Zeit der Gaben"). Arno Widmann schreibt zum 75. Geburtstag des verehrten Cees Nooteboom. In Times mager sucht Hans-Jürgen Linke nach einem Fabrikanten, der eine geräuschlose Klimaanlage für Festspielhäuser produzieren könnte.
Besprochen werden die Uraufführung von E.T.A. Hoffmanns Singspiel "Liebe und Eifersucht" in München, die Narnia-Fortsetzung "Prinz Kaspian" und Jan Kounens Beigbeder-Verfilmung "39,90", mit der Daniel Kothenschulte kurzen Prozess macht: "Aus einem dummen Buch ist ein dämlicher Film geworden, und schlimmer noch: einer, der wie sein Held Octave glaubt, mit seiner bescheidenen Weisheit ganz allein zu stehen."
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Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2008
Sieglinde Geisel hat eine echte Rarität endeckt: einen politischen Flüchtling aus der Schweiz! Der Künstler Adam Meister verweigerte 1986 den schweizer Militärdienst und flüchtete nach Ost-Berlin, wo er seither als Sans-Papier unter dem Namen Adam Tellmeister lebt und in seinen Aktionen schon mal rät: "Praktisch denken, Särge schenken". Sehr angetan bespricht Eva Clausen die Ausstellung der Galleria Borghese über den Renaissancemaler Correggio in Rom, die dank einer Gegenüberstellung mit Werken aus der Antike, Aufschluss über die Beziehung des Meisters zur alten Kunst gibt. "Reichlich Zank" hat bei den Salzburger Festspielen Tradition, weiß Peter Hagemann nach der Lektüre von Gisela Prossnitz' und Robert Kriechbaumers Chronik über die Opernfestivitäten zu berichten.
Besprochen werden das viel gelobte Regiedebüt "XXY" der Argentinierin Lucia Puenzo sowie Noemie Lvovskys Familienkomödie "Faut que ca danse" und Bücher, darunter die Erzählungen "Karma und andere Stories" von Rishi Reddi (mehr ab 14 Uhr in der Bücherschau des Tages).
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Die Tageszeitung, 31.07.2008
Heute fast alles Kino. "Fluchtbewegungen als Leitmotiv" macht Anke Leweke im aktuellen israelischen Kino aus, beispielhaft etwa im nächste Woche anlaufenden Film "Sweet Mud" von Dror Shaul oder Amos Kolleks "Restless". "Seit seinen Anfängen hat das israelische Kino eine radikale Kehrtwendung vollzogen. Dominierte zu Beginn ungebrochene Aufbruchstimmung, erzählen die Filme nun von Stagnation und Lethargie. Auf Kinobildern, die vor sechzig Jahren, also kurz nach der Staatsgründung entstanden, strahlen Menschen im ungebrochenen Optimismus. (...) Die Kamera schwingt sich in die Totale auf und gibt den Blick frei auf einen Zukunft versprechenden Horizont. Mittlerweile sind diese Felder von Stacheldraht durchzogen und von Wachtürmen umstellt. Auch die Gemeinschaft ist zerrüttet."
Weitere Artikel: Dietmar Kammerer berichtet über die Zensur von Apichatpong Weerasethakukls Film "Syndromes and a Century" in dessen Heimat Thailand: Gestrichen werden müssen vier Szenen mit einem Gitarre spielenden Mönch, zwei Mönchen mit einem elektrischen Spielzeug, eine Gruppe whiskeytrinkender Ärzte und eine Liebesszene. Begründung: Verunglimpfung des Ansehens von Religion und Gesellschaft. Eine "seltsame Retroästhetik" getragen von "brutalistischen Holzsäulen" entdeckte Julia Grosse im temporären Sommerpavillon der Serpentine Gallery im Londoner Hyde Park, der in diesem Jahr von Frank O. Gehry gebaut wurde. Auf den Tagesthemenseiten empört sich Georg Blume über das IOC, das die Sperrung chinakritischer Websites durch die Pekinger Regierung mitträgt. In tazzwei betreibt Christian Bartels Sinnsuche und fragt sich, was Henri Nannens Lieblingsblatt Stern, der nun 60 Jahre alt wird, eigentlich sein will.
Besprochen werden Laurent Charbonniers Dokumentation "Animals in Love", Jan Kounens Verfilmung von Frederic Beigbeders Bestseller "39,90 - Neununddreißigneunzig" und eine rekonstruierte DVD-Fassung von Frank Borzages "The River" (USA 1929).
Schließlich Tom.
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Perlentaucher, 31.07.2008
Vor einigen Wochen veröffentlichte der französische Autor Pascal Bruckner im Perlentaucher seinen Appell "Boykottiert Durban2". Hier beschrieb er, wie der Menschenrechtsbegriff im Menschenrechtsrat der UNO in sein Gegenteil verkehrt wird. Eine Gruppe von Intellektuellen hat Bruckners Aufruf, die für April 2009 geplante Nachfolgekonferenz der Konferenz von Durban zu boykottieren nun aufgegriffen: "Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner - Journalisten, Publizisten, Wissenschaftler und Künstler - schließen uns Bruckners Appell an und fordern die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union - insbesondere Deutschland - auf, die 'Durban 2'-Konferenz zu boykottieren und sich für eine umfassende Reform des UN-Menschenrechtsausschusses einzusetzen." Unterzeichnet haben unter anderem Pascal Bruckner selbst, Necla Kelek und Lars Gustafsson.
Der Freitag | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Perlentaucher | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Zeit
Die Welt, 31.07.2008
Hannes Stein besucht eine Ausstellung über den "Holodomor" in New York. Er will die Frage, ob dies ein Genozid gewesen sei, nicht beantworten, zeigt aber, wie systematisch gemordet wurde: "1932 bekamen ukrainische Bauern keine Pässe mehr. Praktisch bedeutete dies, dass die Leibeigenschaft (die 1861 unter dem Zaren aufgehoben worden war) wieder eingeführt wurde: Die Bauern durften sich nicht mehr von ihrer Scholle wegbewegen. Die Ukraine wurde sodann umstellt, die Straßen in die Städte wurden blockiert."
Weitere Artikel: Eckhard Fuhr sieht im Aufmacher die durch den Berliner Finanzsenator Sarrazin ausgesprochene Empfehlung für Pullover statt Heizkostenzuschüssen nicht als Beweis sozialer Kälte, sondern als Plädoyer für die "uralte Kulturtechnik, die eigene Körperwärme durch gewirkte Schafwolle zu konservieren" und leitet zwanglos zur Geschichte der Schafzucht im Ötztal über. Hendrik Werner schreibt eine Glosse über die wegen Renovierung geschlossene Vatikan-Bibliothek, deren Internetadresse zum Trost aufgemöbelt wurde. Jörg von Uthmann berichtet über die besonders von Gratisblättern ausgelöste Zeitungskrise in Frankreich. Bettina Krogemann und Gerhard Charles Rump resümieren die Auseinandersetzungen um echte oder gefälschte Immendorffs. Holger Keitling besucht eine Berliner Festival von Comicverfilmungen. Besprochen werden Filme, darunter der zweite Teil der "Narnia"-Trilogie.
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Süddeutsche Zeitung, 31.07.2008
Die Aufmacherseite handelt von Radovan Karadzic.
Dr. Dabic war keinen Tarnung, sondern die andere Seite ein- und der selben Person, meint Slavenka Drakulic. Sie fühlt sich in die zweite Existenz des Radovan Karadzic ein und schildert auch sein Alltagsleben: "Sein Lieblingscafe war das 'Verrückte Haus', wo er gelegentlich die Gusla spielte, ein Volksinstrument mit nur einer Saite. Er trank Rotwein der Marke 'Bärenblut', er aß Vollkornbrot und Yoghurt. Eine Verkäuferin in einem nahegelegenen Supermarkt fand ihn sympathisch. Er soll eine Geliebte mit Namen Mila gehabt haben und wurde oft Hand in Hand mit ihr gesehen."
Der bosnisch-amerikanische Autor Aleksandar Hemon erinnert an die Rolle der Literatur in Karadzics infernalischer Karriere und besonders an Petar Petrovic Njegos' episches Gedicht "Der Bergkranz" von 1847, in dem schon einmal die Auslöschung von Muslimen besungen wird: "Karadzic war gut vertraut mit der serbischen epischen Dichtung... Er sah sich selbst als den Helden eines epischen Gedichts, das eine entfernte, zukünftige Generation einst singen würde."
Weitere Artikel: Franziska Brüning resümiert den französischen Streit um den Karikaturisten Sine, der wegen einer angeblich antisemitischen Äußerung entlassen wurde. Christopher Schmidt singt aus Anlass des Sommers ein Lob des Schattens. Besprochen werden erste Konzerte in Salzburg, die Wiederaufnahme von Tankred Dorsts "Ring"-Inszenierung in Bayreuth, Filme, darunter "Unter Kontrolle" von Jennifer Lynch (ja, sie ist die Tochter), und Bücher, darunter das neueste Werk von Martin Mosebach.
Auf der Medienseite schreibt "cbu" über das Ende von Burdas Green-Glamour-Zeitschrift Ivy samt Internetadresse und über die Einstellung des Handy-Fernsehens im gleichen, von der Anzeigenkrise bedrängten Hause.
Auf der SZ-Online finden wir ein Dossier über das IOC und die Internetzensur, die nun laut einer Auskunft des IOC-Pressemanns Kevan Gosper akzeptiert wird, weil China "nun einmal ein kommunistisches Land" sei und "sich nicht vorschreiben lässt, ob es das Internet zensiere oder nicht". Henrik Bork kommentiert: "Diese Kehrtwende so kurz vor Beginn der Spiele ist eine Frechheit. Denn derselbe Kevan Gosper und auch IOC-Präsident Jacques Rogge hatten noch in diesem Monat öffentlich behauptet, die Berichterstattung während der Pekinger Sommerspiele werde frei sein. Als Beispiel für diese Freiheit hatten sie ausgerechnet immer wieder jenen 'unzensierten Zugang' zum Internet genannt."
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2008
"Wie hätten die Verantwortlichen der großen Film- und Fernsehstudios in Hollywood wohl auf ein solches Projekt reagiert? Eine Komödie mit dem Namen 'Dr. Horrible's Sing-Along Blog' (Dr. Horribles Blog zum Mitsingen), deren titelgebender Held (Neil Patrick Harris) ein im Grunde gutmütiges Möchtegern-Verbrechergenie mit zum Scheitern verurteilten Welteroberungsphantasien ist. Ein verrückter Wissenschaftler, der mittels einer Strahlenkanone seinen Erzfeind Captain Hammer (Nathan Fillion) - seinerseits ein narzisstischer Superheld, dessen alberner Name nur von seinem lächerlichen Kostüm übertroffen wird - zur wehrlosen Statue erstarren lassen will. Ein Verlierer, der in die ebenso hübsche wie herzensgute Penny (Felicia Day) aus dem Waschsalon verliebt ist, sich aber nicht traut, sie anzusprechen. Erzählt als Sondheim'sches Musical, mit der Ästhetik eines B-Movies." Regisseur Joss Whedon hat gar nicht erst gefragt, sondern ihn selbstfinanziert und ins Internet gestellt, erzählt Carlos Corbelle. Natürlich ist es ein Coup: "nicht nur in künstlerischer, sondern auch in kommerzieller Hinsicht".
Weitere Artikel: Christian Geyer ist sehr unzufrieden mit den Richtern am Bundesverfassungsgericht: Ihr Raucherurteil hätte irgendwie "substantieller", mit mehr "Sorgfalt (in) der Begründung" ausfallen sollen. Die Familienanwältin Esther Caspary schlägt erst vor, die nur religiös geschlossene Ehe wie in den Vereinigten Staaten zu behandeln - plädiert dann aber für eine Abweichung, die das amerikanische Modell auf den Kopf stellt. Brita Sachs bewundert den Münchner Neubau für die Sammlung Brandhorst. Regina Mönch informiert über die Datenbank mit Hitlers Sammlung für ein Museum in Linz, die das Deutsche Historische Museum ins Netz gestellt hat.
Auf der Medienseite berichtet Henning Hoff über Internetangebote, mit denen sich klassische Fernsehsender von Neugründungen wie Joost oder Babelgum abheben wollen. Schlechte Noten bekommt die neue Suchmaschine Cuil von Marco Dettweiler. Eine Meldung informiert uns, dass die ARD ihr Büro in Tel Aviv geschlossen habe, weil sie vermutet, dass ihr palästinensischer Kameramann von der Hamas gefoltert wird. (Es war das Büro in Gaza, und laut ARD ist der Mann wieder frei.)
Auf der letzten Seite stellt Gesine Hindemith den ehemaligen Handyverkäufer Paul Potts vor, der mit seiner Darbietung der Arie "Nessun dorma" in einer britischen Castingshow so berühmt wurde, dass jetzt die Telekom mit ihm wirbt. (Um ihren Amateurstatus zu betonen?) Dirk Schümer berichtet über einen albernen Streit zwischen den holländischen Schriftstellern A.F.TH und Arnon Grunberg. Tilman Spreckelsen stellt uns die Dame Cundrie la surziere etwas genauer vor.
Auf der Seite Forschung und Lehre liest Inka Wahl zwei Studien zur "Ungerechtigkeitssensibilität". Reinhart Meyer-Kalkus stellt die Forschung Michel Chions zu audiovisuellen Visionen vor. Und Martina Lenzen-Schulte berichtet von einer Studie Bostoner Diabetesforschung, wonach Fett am Hintern okay ist, Fett am Bauch dagegen nicht.
Besprochen werden E.T.A. Hoffmanns Singspiel "Liebe und Eifersucht" bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen, die Wiederaufnahme von Tankred Dorsts "Rheingold" und "Walküre" in Bayreuth und die Ausstellung "Dubai Next" im Feuerwehrhaus auf dem Vitra Campus, Weil am Rhein.
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Die Zeit, 31.07.2008
Vielleicht wird das frömmelnde Fantasy-Epos "Prinz Kaspian von Narnia" den Kampf um Marktanteile gewinnen, aber nicht den um die Kinderseelen, glaubt Georg Seeßlen in einem Text über die ideologischen Schlachten unter den Fantasy-Produzenten: "Der Film 'Prinz Kaspian von Narnia' ist seiner dreifachen Aufgabe nicht gewachsen, zugleich familientaugliche Unterhaltung, religiöse Erbauung und politische Metaphorik für die ausgehende Bush-Ära und ihr Weltbild zu sein. Das Kindlich-Naive, das Düster-Brutale und das Christlich-Reaktionäre brechen auseinander. Und damit sagt der Film vielleicht eine interessante Wahrheit. Nämlich die, dass unsere Sehnsucht nach Märchen und Mythos beinahe überall hineinzuretten ist. Aber nur begrenzt in die Propaganda."
Weiteres: Für Claus Spahn ist der Gral in Stefan Herheims Bayreuther "Parsifal" kalt geblieben, der "große Wagner-Offenbarungssog" hat sich nicht eingestellt. In der Randspalte kommt Jens Jessen zu dem Schluss, dass Radovan Karadzic, Naturmedizin und ethnische Säuberungen doch zusammenpassen und dass "der Schrecken des Naturzustandes die Zumutungen der Zivilisation bei Weitem überwiegt". Karsten Krohn betrachtet New Yorks neue Lust an der Stararchitektur und der sozialen Verdrängung. Peter Bürger denkt darüber nach, warum sich die einstigen Antagonisten der Geschichtsphilosophie, Walter Benjamin und Jacob Burckhardt, immer ähnlicher werden, je gebrochener unser heutiges Verhältnis zur Geschichte werde. Thomas Assheuer gratuliert dem Theologen Johann Baptist Metz zum Achtzigsten. Viola Shafik schreibt den Nachruf auf den ägyptischen Regisseur Youssef Chahine.
Besprochen werden Andrea Breths Dostojewski-Inszenierung "Verbrechen und Strafe" bei den Salzburger Festspielen und die Ausstellung "Female Trouble" in der Münchner Pinakothek der Moderne.
Im Aufmacher des Literaturteils preist Volker Ullrich Jochen Köhlers Biografie Helmuth James von Moltkes. Das Dossier führt uns ins große Weltcasino zu den Managern der Hedgefonds. Und natürlich wirft auch Olympia seine Schatten voraus, die Zeit widmet dem Sport und China einen Schwerpunkt, wobei Angela Köckritz unter anderem konstatiert: "Recht bleibt in China, was dem Staat nützt."
Archiv: Heute in den Feuilletons
Notschrei eines blutjungen Originalgenies
09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis. Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen
Härteste Türpolitik
08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen
Verhängt die Fenster
06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen
Pneumatische Prozesse
05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Wie Einbrecher in der Nacht
04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen
So viel wie ein junges Nashorn
03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen
Irgendwo in einer fernen Wolke
02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur. Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen
Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio
01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen
Circa anderthalb goddamns pro Seite
30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt. Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen
Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit
29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen
Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie
28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen
Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor
27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen
Mit einem Martini und einem Orden
26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen
Menschenfreundliche Wortwundverbände
25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann. Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen
Tempel des digitalen Zeitalters
23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen



