Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

In der Anlage demokratisch

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

22.04.2008. Die Welt investiert Energie in das Sparhaus und stellt fest: Es spart gar nicht. Die taz würdigt die Theaterkritik 2.0 in Gestalt der Nachtkritik. Die NZZ findet: Das Theater von Zittau überstrahlt die sächsische Provinz. Die SZ feiert den Bürgerjournalismus (zumindest den amerikanischen). Die Berliner Zeitung beobachtet den Propagandakrieg um Tibet im Internet. Die FAZ fragt: Warum sind die Franzosen bei Lovis Corinth so scheu?

Die Welt, 22.04.2008

Das Energiesparhaus ist eine fromme Lüge, meint Dankwart Guratzsch, der für den Feuilleton-Aufmacher die Erkenntnisse des Dortmunder Architekturprofessors Günther Moewes zitiert: "Gerade die Baubranche zählt weltweit zu den größten Ressourcenfressern. Ihre Produkte verschlingen nicht nur Landschaft in zerstörerischen Dimensionen, sondern verzehren allein in Gestalt der Baustoffe eine Energie in derartigen Größenordnungen, dass die Lebensgrundlagen künftiger Generationen buchstäblich aufgefressen werden - von Wohnungsausstattung und zivilisatorischem Luxus ganz zu schweigen."


Weitere Artikel: Wieland Freund meldet, dass der Sohn Dmitri Nabokovs das letzte Manuskript seines Vaters doch nicht verbrennen will. Eckhard Fuhr spießt Äußerungen der stellvertretenden  Börsenvereinsvorsitzenden Viola Taube, die ausgerechnet Goethe als tote Schulbuchlektüre bezeichnete. Hanns-Georg Rodek liest eine Biografie über den Nosferatu-Darsteller Max Schreck. Besprochen werden ein neues Album der Gruppe Kettcar und ein "Fidelio" unter Claudio Abbado in Mailand.

In einem Esasy auf der Forumsseite behauptet der Soziologe Gerhardt Amendt, dass ein Unterschied zwischen Frauen und Männern besteht.

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Die Tageszeitung, 22.04.2008

Patricia Hecht würdigt die schöne Seite nachtkritik.de, auf der Theaterrezensionen schon am Morge nach der Aufführung zu lesen sind. "Auch in den Dramaturgien der großen Häuser wird morgens auf die Nachtkritik geschaut, was an den ansteigenden Klickzahlen zu sehen ist: die Nachtkritik als eine Art Informations- und Servicespielzeug für Theaterschaffende. 'Das Paradoxe an der Seite ist zwar, dass das Tempo die Möglichkeit zur Reflexion nicht unbedingt fördert', sagt Christof Belka von der Berliner Schaubühne. 'Aber die Nachtkritik hat sich sehr schnell sehr gut etabliert.' Nicht nur die Bandbreite der Theater, die in der Kritik vorkommen, ist größer als im Print und zeigt ein demokratisches Verständnis von Theater. Auch die Autorität der Kritiker wird zur Disposition gestellt. Zum einen werden nach Art des 'Perlentauchers' die Stimmen anderer zu denselben Vorstellungen zusammengefasst und verlinkt. Zum anderen können Leser Kritiken und Stücke kommentieren -und das ist die wohl revolutionärste Neuerung, die die Nachtkritik für den Theaterbereich mit sich bringt."


Weiteres: Wolfgang Ullrich versteht den Versandhändler Manufactum als frühen Marker für Schwarz-Grün. Im Gespräch mit Isolde Charim weist die Stadtsoziologin Saskia Sassen den weltweiten Migranten eine Pionierrolle in der Veränderung des Nationalbegriffs zu.

Der Axel-Springer Verlag und die taz werden künftig in der Rudi-Dutschke-Straße liegen. Letzere stellte vor drei Jahren einen dementsprechenden Antrag, jetzt hat das Oberverwaltungsgericht die Beschwerde von Springer abgewiesen. Hier wird gefeiert.

Besprochen werden eine Schau mit den Werken von Chris Marker im Museum für Gestaltung Zürich und Johan Simons' Inszenierung von Joseph Roths Roman "Hiob".

Außerdem Tom.

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Aus den Blogs, 22.04.2008

Via Achse des Guten wurden wir noch auf einen Artikel in der Welt von Stefan Wirner aufmerksam. Wirner analysiert darin - mit Blick auf Tibet - das taktisches Verhältnis der "Linken" zu den Menschenrechten: "Die Linke hat kein grundsätzliches Problem mit der Religion - es kommt ihr schlicht darauf an, in welchen Diensten diese steht. Wenden sich religiöse Führer gegen den Westen und die Demokratie, so sind sie durchaus ein möglicher Bündnispartner. Die Tageszeitung Junge Welt, die dem radikalen Spektrum der Linkspartei nahesteht, brachte es in einem Kommentar auf den Punkt: 'Khomeini war der Inspirator einer antiimperialistischen Volkserhebung, die das Antlitz der Region entscheidend verändert hat. Der Dalai Lama ist ein schmieriger Kostgänger des Westens, der die Vergangenheit einer parasitären Mönchsdiktatur verkörpert.'"

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Neue Zürcher Zeitung, 22.04.2008

Dirk Pilz singt ein kleines Hohelied auf das Theater von Zittau, das mit engagierten Produktionen zum deutsch-polnischen verhältnis oder zum Rechtsextremismus die sächsische Provinz überstrahlt. "Theater entsteht hier in einem und für einen konkreten Kontext, ohne dem lähmenden Druck überregionaler Konkurrenz ausgesetzt zu sein. Die Provinz kann auch Schutzraum für eine experimentierfreudige, wirklichkeitsnahe Bühne sein - und ist zugleich der lebende Beweis dafür, dass man in Ostdeutschland keinesfalls auf die vielmals geschmähten Kulturwüsten trifft."


Freundlich nimmt Uwe Justus Wenzel die neue Suhrkamp-Reihe edition unseld auf, die sich der Verbindung von geistes- und naturwissenschaftlichen Denkkulturen verpflichtet hat: "Nicht alle der acht ersten Bände der 'edition unseld' zeugen von einem souveränen spielerischen Intellekt, nicht alle sind ausgegoren, keiner ist unentbehrlich - und doch hat ein jeder Kontakt mit dem, was an der Zeit wäre."

Besprochen werden Klassizismus-Ausstellungen in London, eine Schau zur Veroneser Druckkunst im Leipziger Museum für Druckkunst, Giacomo Meyerbeers lange nicht aufgeführte Grand Opera "L'Africaine" in Gelsenkirchen, Jan Ross' weltgeschichtlicher Parforceritt "Was bleibt von uns?" sowie zwei Monografien zur neuen Architektur in Spanien (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Rundschau, 22.04.2008

Arno Widmann geriet zufällig in den Gesangskurs von Bariton Roman Trekel und wollte eine halbe Stunde zuhören. Nach sieben Stunden hockte er immer noch da. "'Wo sind Sie?', fragt Trekel. 'Ich zähle den Takt', antwortet ihm eine Sopranistin. Sie muss den Takt zählen, um in ihm zu bleiben. Sie kann nicht daran denken, die Phrase als eine ganze zu singen und doch nicht aus dem Takt zu geraten. Also stellt sich Trekel in voller Länge vor sie hin und atmet - während sie singt - mit ihr. Er kann sich nicht zurückhalten und singt dann doch ein paar Töne mit. Das freut die junge Frau und sie vertraut sich dem Voratmer an wie einem Tanzpartner und plötzlich hat sie es raus. Sie ist glücklich und mit ihr ist es der Saal." (Hier singt Trekel Bachs Arie "Mit Verlangen")


Weiteres: Eher kritisch betrachtet Christian Thomas das Vorhaben des Künstlers Gregor Schneider, einen Sterbenden auszustellen. In Times Mager sieht Elke Buhr wie nach Frankfurt jetzt auch der tolle Kunststandort Berlin zerbröselt wird; in Berlin scheint besonders ein Herr Neff dazu beizutragen. Roland Mischke listet die Mängel auf, die das Denkmalschutzgremium Icomos in Deutschland kritisiert hat.

Auf der Medienseite schildert Viktor Funk die Vorteile des digitalisierten Buchs - für Leser und Verlage.

Besprochen werden die Ausstellung "Visite" in der Bundeskunsthalle Bonn (da sieht man, wie fragwürdig eine staatlich gestützte Kunstsammlung ist, meint Peter Iden), zwei Beispiele für Doku-Theater am Kölner Schauspiel: Feridun Zaimoglus und Günter Senkels Stück "Schattenstimmen" in der Inszenierung von Nora Bussenius und Alvis Hermanis' Inszenierung einer "Kölner Affäre", Sebastian Baumgartens Inszenierung von "Der Meister und Margarita" am Düsseldorfer Schauspielhaus ("Der Abend hat Rhythmus und Stil", lobt Stefan Keim) und Bücher, darunter der Briefwechsel zwischen Hans Fallada und seiner Frau Anna Ditzen (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Berliner Zeitung, 22.04.2008

Einen Propagandakrieg sieht Daniel Baumann im Internet um Tibet toben, etwa auf der Seite Anti-CNN.com. Spitzenreiter bei Youtube ist angeblich das Video "Tibet war, ist und wird immer ein Teil Chinas sein" eines in Kanada lebenden Chinesen. "Das Regime in Peking profitiert von den Auswanderern als Kennern der westlichen Medien. Totalitären Regimen ist es eigen, durch Zensur eine totalitäre Weltsicht zu verbreiten. PR-Abteilungen in Demokratien sind dagegen darin geschult, ihre Weltsicht auf einem Markt der Meinungen zu verbreiten. Das Internet aber ist in der Anlage demokratisch, chinesische Auswanderer haben das verstanden. Sie wissen, dass sie um die Meinungsführerschaft konkurrieren müssen und preschen deswegen mit eigenen Pro-China-Filmen vor. Dabei zeigt sich, dass das Engagement und die Zahl der Chinesen, die sich im Netz auskennen und politisch äußern, die Kräfteverhältnisse im Meinungsstreit um Tibet zu ihren Gunsten entscheiden. Allein die Flut von Einträgen und Videos spülen Gegenstimmen an die Enden der Trefferlisten."

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Der Tagesspiegel, 22.04.2008

Der Musikkritiker Ed Ward erinnert sich an 1968 in Amerika. War nicht alles Hippie damals. "All die Musik, von der eine grundlegende Veränderung ausgehen sollte, war im Besitz von Konzernen. Einige von ihnen, wie Elektra Records, waren nicht groß, aber groß genug. Andere wie Columbia, eine Tochter von CBS, die jene Musik verbreiteten, die 'sie' nicht verhaften konnten, waren groß genug, um die New York Yankees und eine große Anzahl Fernsehsender zu besitzen. The Beatles und Insect Trust waren bei EMI. Das Unternehmen stellte elektronische Ortungsgeräte her, die in Vietnam eingesetzt wurden. Zehn Jahre später lehrte uns Punk, wie jeder von uns ein Unternehmen werden konnte. Eigentlich ein sehr 68-mäßiger Gedanke."

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Die Zeit, 22.04.2008

Kaum ist man Journalist bei zeit.de kann man schon auf andere Autoren im Internet herabblicken. David Hugendick schreibt in einem Artikel über Literaturkritik im Netz über Nutzerkritiken bei Amazon: "Wer erhellende, fundierte Artikel sucht, watet durch einen Brei aus Halbwissen und Geschmacksurteilen. Hier spricht der Mann von der Straße, unredigiert, aus dem Bauch."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2008

Die Franzosen scheuen noch vor Lovis Corinth, dessen Werke gerade in einer Ausstellung im Pariser Musee d'Orsay zu sehen ist, schreibt Werner Spies: "Nicht nur die Themen machen zu schaffen. Schwierigkeiten mit der speckigen, durch den Fleischwolf gequirlten Farbe, Abscheu vor einem Künstler, der sich wie ein Abdecker auf die Leiber wirft, kann man der Reaktion vieler Besucher entnehmen. Blut, Innereien, Bilder wie 'Im Schlachthaus', die selbstzerfleischenden Selbstbildnisse, die das Motiv 'Ecce Homo' in den Vordergrund rücken, schrecken ab. Und dabei treffen wir hier zweifellos auf die eigenständigsten Darstellungen im Werk. Man spürt in ihnen eine rabiate Absage an gefällige Augenschmatzerei. Mit seinen Schrunden und Falten bringt sich der Maler in einer Ahnenreihe unter, die von Rembrandt, Jordaens bis Beckmann, Soutine und Baselitz reicht."


Weitere Artikel: Vorabgedruckt wird Siegfried Lenz' neuestes Buch, die Novelle "Schweigeminute". Vorgestellt wird sie von Marcel Reich-Ranicki, der staunt: Es ist, eine Premiere im Lenzschen Werk, eine Liebesgeschichte. Und sonst? "Respekt, Diskretion, Dezenz, Takt: das sind die Vokabeln, die sich mir zunächst aufdrängen." Unfreundlich kommentiert Patrick Bahners Barack Obamas Aussagen zur Religion und seinem Pastor. In der Glosse geht es um Gottfried Benn und um Stiere. Günter Gillessen gibt seinem Unverständnis darüber Ausdruck, dass der zwar im Dritten Reich oppositionelle, aber auch nationalkonservative und wenig demokratiefreundliche Historiker Gerhard Ritter an der Freiburger Universität nicht mehr so gut angesehen ist. Annika Müller schildert den Fall des russischen Pianisten Grigorij Sokolow, der nicht mehr in England auftreten will, weil er keine Lust hat, ein neues biometrisches Visum zu erwerben.

Dirk Schümer hat eine Performance besucht, bei der Peter Greenaway Leonardo da Vincis "Abendmahl" cineastisch belebte. Aus der Schweiz berichtet Jürg Altwegg vom bevorstehenden Ende der häuslichen Sturmgewehre und damit auch des verteidigungspolitischen "Sonderfalls Schweiz". Auf der Forschung-und-Lehre-Seite verteidigt Mitverfasser Peter Weingart die viel - auch in der FAZ - kritisierten "Leitlinien für die wissenschaftliche Politikberatung". Auf der Medienseite informiert Matthias Rüb über einen investigativen Bericht der New York Times, der "Verbindungen zwischen dem Verteidigungsministerium, seinen Pensionären, der Rüstungslobby und den Medien" - Rüb würde allerdings gerne wissen: "Wo liegt der Skandal?"

Besprochen werden das jüngste Album des Bratschers Garth Knox, die Kölner Uraufführung von Feridun Zaimoglus und Günter Senkels Theaterstück "Schattenstimmen", Inszenierungen von Luigi Cherubinis "Medee" und Pierre Bartholomees "La Lumiere Antigone" in Brüssel, eine Kasseler Ausstellung über den "König Lustik" Jerome Bonaparte, ein Berliner Billy-Bragg-Konzert und Karen Russells Erzählungen "Schlafanstalt für Traumgestörte" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 22.04.2008

Anders als in Deutschland blüht in den USA der Bürgerjournalismus (und anders als deutsche Ansätze zu Internetjournalismus werden amerikanische Ideen von deutschen Journalisten freundlich begrüßt). Tobias Moorstedt stellt auf der Medienseite einige Portale vor, die den amerikanischen Wahlkampf mit Laienjournalisten begleiten und schon manche Themen setzten, etwa Scoop 08 und Videothevote. Am prominentesten ist mal wieder Ariana Huffington dabei mit dem Portal Off the Bus: "Das Besondere an den OTB-Artikeln ist auch, dass man nicht nur ein fertig editiertes Produkt zu sehen bekommt, sondern die Roh-Daten und Quellenverweise jederzeit einsehen kann. Diese Transparenz teilt sich der Kollektiv- Journalismus mit Wikipedia, bei dem man im Artikel-Hintergrund auch immer die Geschichte seiner Entstehung, die Änderungen und Debatten einsehen kann. Und genau wie bei Wikipedia Fehler relativ schnell entdeckt und wieder korrigiert werden, baut auch Arianna Huffington auf die Selbstheilungskräfte der Community."


Im Feuilleton fragt Gustav Seibt, was das Fach Geschichte an den Schulen heute noch leisten kann und soll, und er fordert eine Kanonbildung: "Wichtig aber ist, dass Namen wie Augustus oder Nero fallen. Warum? Weil europäische Herrscher jahrhundertelang daran gemessen wurden, ob sie ein 'Augustus', ein starker Friedensfürst, oder aber ein 'Nero', ein grausamer Tyrann, waren." Thomas Steinfeld meditiert über Amy Winhouse, Duffy und andere Neo-Retro-Soulsängerinnen als Wiedergängerinnen von Dusty Springfield. Tobias Lehmkuhl besucht die neue Dauerausstellung der Gedenkstätte Sachsenhausen. Holger Liebs resümiert Reaktionen auf Gregor Schneiders Projekt, einen Sterbenden öffentlich auszustellen. Der Rechtsprofessor Tonio Walter wendet sich gegen seinen Kollegen Michael Pawlik, der Terroristen juristisch als "Feinde" definiert sehen will (und diese Theorie unter anderem in der FAZ vertritt, was hier vornehmerweise verschwiegen wird, hier unser Resümee). Henning Klüver besucht die Mailänder Möbelmesse. Jens Bisky besucht eine Berliner Tagung über Calvin und die Reformierten.

Auf der Literaturseite erzählt Dirk Heißerer eine im Dreigroschenheft dokumentierte Episode aus dem Leben des jungen Bert Brecht. Hans-Peter Kunisch verfolgte ein von Ilija Trojanow organisiertes Treffen asiatischer Autoren in Berlin. Besprochen wird einer der ersten Bände aus der Edition Unselds, Bernard Stieglers "Logik der Sorge - Verlust der Aufklärung durch Technik und Medien".

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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