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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Sei heiter! Hab es leicht!

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

29.03.2008. Die Feuilletons diskutieren Geert Wilders' Anti-Islam-Video "Fitna". Die NZZ zeigt, wie man sich auch mit dem Islam auseinandersetzen kann: historisch-kritisch. Außerdem schildert Vladimir Arsenijevic in der NZZ, wie sich in Serbien die aggressive Wut des Verlierers aufstaut. In der SZ überlegt Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger, womit Zeitungen Geld verdienen könnten. Die Welt erlebt ein Ausstellungswunder in der Provinz. Und die taz meldet, dass 36 der 100 teuersten Künstler der Welt aus China kommen.

NZZ, 29.03.2008

In Literatur und Kunst fordert der serbische Schriftsteller Vladimir Arsenijevic seine Landsleute dazu auf, sich mit der Realität eines unabhängigen Kosovos zu arrangieren. Es sei absurd, wie Belgrader Politiker den "Widerstand gegen den gesunden Menschenverstand" zur patriotischen Pflicht erklärten: "Mit Hilfe der populistischen Medien schaffen sie es, der frustrierten und traumatisierten serbischen Gesellschaft die aggressive Wut des Verlierers aufzuprägen. Serbien, so die Überzeugung, darf nicht nachgeben. Stolz hat Serbien die Entscheidung getroffen, die Realität abzulehnen. Es akzeptiert sie einfach nicht! Nicht nur jetzt, sondern nie mehr. Zum Teufel mit der Realität! ?Kosovo ist Serbien!? Und Schluss!!"

Außerdem zeigt diese sehr gehaltvolle Beilage, wie die Auseinandersetzung mit dem Islam auch aussehen kann: Die Arabistik-Professorin Angelika Neuwirth erklärt in einem sehr gelehrten Text, warum das Projekt "Corpus Coranicum" in seiner historisch-kritischen Exegesen den Koran in der europäischen Spätantike verortet und damit die Aufteilung der arabischen Geschichte in eine Zeit der Unwissenheit und eine islamische aufhebt. Der Islamwissenschaftler Tilman Nagel beschreibt die machtpolitischen Anfänge des Islams. Und Navid Kermani schreibt in der Reihe Bildansichten über Gerhard Richters Fenster im Kölner Dom.

Im Feuilleton kann Angela Schader den zum Teil schon wieder aus dem Internet genommenen Film "Fitna" des niederländischen Populisten Geert Wilders nicht ernst nehmen: "Der Film, der für westliche Aufgeklärtheit plädieren möchte, nimmt sein Maß ziemlich exakt an propagandistischen Machwerken islamistischer Provenienz; und er wartet seinerseits lediglich mit der bekannten antiislamischen Polemik auf."

Iso Camartin erklärt, warum das Bündnerromanische "Allegra!" sein Lieblingsgruß ist: "Schweizer und Schweizerinnen gelten als zurückhaltende, ernste, unaufgeregte und eher scheue Naturen. Ihre Lebensfreude ist ihren Gesichtern keineswegs an jedem Ort und zu jeder Tagesstunde abzulesen. Nun trifft man jemanden, der einem sagt: 'Allegra!' Und dir damit sagt: Du hast allen Grund, dich zu freuen! Sei heiter! Hab es leicht! Beweg dich vergnügt und lustvoll voran! Sei kein Kind von Traurigkeit! Frisch auf! Munter weiter! Es soll dir dabei gut gehen!"

Jörg Seifert berichtet über das vom Urban Think Tank entwickelte Projekt einer Luftseilbahn, mit der ein dicht bebabuter Stadtteil im venezolanischen Caracas erschlossen werden soll. Besprochen werden Leos Janaceks Oper "Die Ausflüge des Herrn Broucek" in Genf und Bücher, darunter Jan Philipp Reemtsmas Essay "Vertrauen und Gewalt", Bruno Schulz? Familiengeschichte "Die Zimtläden".

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Spiegel Online, 29.03.2008

Gemeldet wird, dass das Internetportal Liveleak Geert Wilders Islam-Video "Fitna" aus dem Netz genommen hat. Begründung: "Unmittelbar nach Veröffentlichung des Films seien Drohungen gegen die Mitarbeiter von Liveleak eingegangen, diese seien 'sehr ernster Natur' gewesen. Würde das Video länger online stehen, sei 'direkt das Leben unserer Mitarbeiter gefährdet', heißt es in der Erklärung weiter. Liveleak bleibe 'nichts anderes übrig, als Fitna von unserer Seite zu nehmen'. Auf der Seite Wikileaks ist er aber noch zu sehen.

Stichwörter: Geert Wilders

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Welt, 29.03.2008

Ein "Ausstellungswunder" in der Provinz kündigt Eckhard Fuhr an. Am Sonntag wird das Kunstmuseum Solingen zum "Museum der verfolgten Künste". Es basiert auf der Sammlung des Journalisten Jürgen Serke, der die Lebenswege von Autoren erforscht hat, die unter Nationalsozialismus und Kommunismus zu leiden hatten. Serke selbst schreibt zu seiner Sammlung in der Literarischen Welt und erinnert an den Fotografen Wilfried Bauer, dessen Fotografien der verfemten Dichter in der Beilage und in Solingen zu sehen sind. "Heute ist es für jeden sichtbar, dass sie als Wahrheitszeugen den großen Todesmühlen des 20. Jahrhunderts Paroli geboten haben. Ihr Leben ist die unerbittliche Lektion über das Thema Literatur und Moral in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie waren es, die sich gegen die Fangnetze des Eindeutigen, der Ideologien, Systeme, dem Banalkonsum dieser nicht festlegbaren einmaligen Existenz gewehrt haben. Bauer holte die Ketzer wider den Kommunismus fast als Heilige heim in seinen Bildern, aus einer Epoche großer Bösartigkeit - auch im Westen, wo man sie lange nicht verstehen wollte."

Im Feuilleton erläutert Michael Pilz, wie die britischen Alt-Punker Morrissey und Billy Bragg eine zeitgemäße Definition des Patriotismus finden wollen - auf jeweils eigenen Wegen. Hannes Stein besucht in New York einen Vortrag von Irshad Manji, islamische Aufklärerin aus Kanada und Direktorin des "Moral Courage Projects" der New York University.

Besprochen wird der Auftritt Placido Domingos in Händels "Tamerlano" im Teatro Real in Madrid, eine Ausstellung über den Architekten Bruno Möhring in der von ihm erdachten Zeche Zollern und Klaus Hoffmanns Album "Spirit".

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TAZ, 29.03.2008

Chinesische Kunst boomt. Henrike Thomsen hat die Zahlen: "Die Geschäftsstatistiker rangieren China im globalen Kunstmarkt jetzt hinter den USA und Großbritannien an der dritten Stelle, die zuvor Frankreich innehatte. 75 chinesische Werke haben in den vergangenen Monaten die Millionengrenze durchbrochen, 36 Chinesen sich 2007 unter den 100 weltweit teuersten Künstlern befunden - darunter der kometenhafte Zhang Xiogang, der mit seinen Kleinfamilien-Porträts, Siebdrucken des Tiananmen-Platzes und Soldatenfotos selbst den langjährigen Marktstar Jeff Koons überflügelte. Vor allem Verkäufe in China selbst haben stark zu dieser Entwicklung beitragen. Der Statistik zufolge steigerten Auktionshäuser dort zwischen 2006 und 2007 ihre Geschäftstätigkeit um 78 Prozent. "

Weitere Artikel: Barbara Oertel schildert den mysteriösen Fall der in Berlin verschwundenen russischen Künstlerin Anna Mikhalchuk. Karen Henjes empfiehlt zur Vertiefung der Tibet-Kenntnisse Eliot Pattisons Krimireihe "um den politisch verfolgten chinesischen Ermittler Shan und den buddhistischen Mönch Lokesh".

In der zweiten taz gibt es anlässlich der Veröffentlichung von Geert Wilders' "Fitna"-Video ein Pro (Deniz Yüzel) und Kontra (Ulrike Herrmann) zum Thema absolute Meinungsfreiheit. Auf den vorderen Seiten berichtet Gunda Schwantje über Reaktionen auf das Video: "'Fitna'zeigt nun weitgehend Bekanntes und wird als relativ mild eingeschätzt." Daniel Bax kommentiert knapp: "Plumper kann Islamkritik kaum sein." Außerdem in der taz zwei: Natalie Tenberg erzählt die Erfolgsgeschichte des indischen Autobauers Tata.

Besprochen werden eine Reihe neuer CDs mit deutscher Rockmusik von Kettcar bis Superpunk (Thomas Winkler vernimmt keinerlei Aufbruchssignale) und Bücher, darunter Micha Brumliks neues Buch "Kritik des Zionismus" und die Neuübersetzung von Bruno Schulz' Prosabuch "Die Zimtläden" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Im Dossier des taz mag lesen wir von einer Prostitutions-Recherche der Journalistin Leila Djamila zum Thema "Was ich in Damaskus wert bin". Ulrich Gutmair hat Hintergründe zur Renaissance des Palästinensertuchs.

Und Tom.

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SZ, 29.03.2008

Heute auch, wenngleich deutlich gekürzt, im Print nachzulesen: Die seit gestern online stehenden, nicht über die Maßen optimistischen Überlegungen des Guardian-Chefredakteurs Alan Rusbridger zur Zukunft der Zeitung: "Die Lage ist sehr schwierig. In Großbritannien können wir nur noch mit einer Mischkalkulation überleben. Es gibt kein schlüssiges Geschäftsmodell mehr, das es uns erlaubt, den journalistischen Auftrag ohne Zusatzgeschäfte zu erfüllen. Wir sind gezwungen, uns neue Wege ausdenken, um Geld zu verdienen. Viele Zeitungen entwickeln also mit viel Enthusiasmus und auch Aggressivität digitale Angebote und finden sogar zu einem internetgerechten 'Storytelling'. Allerdings kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie alle überleben werden, weil das Internet keine ausreichende Grundlage bietet, um alle zu finanzieren."

Weitere Artikel: Kai Strittmatter berichtet aus Istanbul: Die Tulpen kommen wieder, Erinnerungen an die große türkische Tulpenära werden wach. In einem kurzen Streifzug reiht Andreas Bernard den Transrapid ein in die Geschichte gescheiterter Technologien. Knapp kommentiert werden die Nominierungen für den Deutschen Filmpreis (hier die Liste im pdf-Format). Lothar Müller schreibt zum Tod des Diplomaten und Publizisten Erwin Wickert. Auf der Literaturseite erzählt Klaus Brill, wie sich Prag an seine große Vergangenheit als bedeutende Herkunftsstadt deutschsprachiger Literatur zu erinnern beginnt.

Besprochen werden die große Wolfgang-Tillmans-Ausstellung im Berliner Hamburger Bahnhof, der Action-Film "Jumper", die Berliner Ausstellung "Mythos Germania" zu Hitlers und Speers Berlin-Plänen, Thorsten Lensings und Jan Heins "Onkel Wanja" in den Berliner sophiensaelen und knapp auch zwei Bücher, darunter Mario Lacruz' Roman "Auf Abendwegen" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Im Aufmacher der SZ am Wochenende ruft Hilmar Klute auf zum Widerstand gegen "Rauchverbote, Sexratgeber und Ernährungshinweise". Michael Gernandt erzählt eine Geschichte des Olympia-Boykotts. Abgredruckt wird Günter Herburgers Geschichte "Die Winzlinge und der Jugenstil". Im Interview spricht der Wirtschaftsnobelpreisträger James Heckman über Chancen, die Steigerung von Lebenschancen insbesondere: "Wenn man benachteiligte Kinder sehr früh fördert, sind die ökonomischen Effekte enorm; wenn man sie erst im Jugendalter unterstützt, sind die Effekte minimal."

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Berliner Zeitung, 29.03.2008

"Verdient, so viel steht fest, hat "Fitna" die Aufregung nicht, schreibt Michaela Schlagenwerth zu Geert Wilders' Film: "Es ist ein populistisches, billiges Pamphlet, das Videoschnipsel zusammenhanglos und ohne Quellenangaben montiert und damit die Angst vor der 'Islamisierung' schüren will... Tatsächlich riskiert Wiilders zwar mit seinen Provokationen sein Leben, mit dem Erfolg, dem ihm seine Hasspropaganda beschert, zeigt er sich aber unverhohlen zufrieden. Auf Wilders' politischer Agenda steht es, die Einwanderung weiterer Muslime in die Niederlande zu verhindern; außerdem will er ihnen den Gottesdienst verbieten sowie weitere bürgerliche Rechte entziehen. Dass er damit gegen die Grundrechte verstoße, so ließ er unlängst einen Reporter der Zeitschrift Stern wissen, schere ihn nicht."

Im Interview versucht der britische Historiker und Italien-Spezialist Paul Ginsborg zu erklären, warum die Italiener einen Silvio Berlusconi für wählbar halten und wohin er das Land nach seiner voraussichtlichen Wiederwahl steuern wird: "Italien ist schon jetzt in einer strukturellen politischen und ökonomischen Krise, ja im Niedergang: Es hat ein massives demografisches Problem, der Arbeitsmarkt ist verkrustet und junge Leute finden keine Jobs mehr, um nur die größten Probleme zu nennen. Zu erwarten ist, dass es weitere wertvolle Zeit verlieren wird. Das Land steht vor einer langen Phase der Stagnation, und das ist sehr traurig, denn es ist ein großartiges Land. Zu erwarten ist auch, dass Berlusconi zu Ende bringt, was er letztes Mal nicht geschafft hat: die Justiz endgültig zu seinem Werkzeug zu machen."

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FR, 29.03.2008

Der Dirigent Paavo Järvi berichtet im Gespräch mit Stefan Schickhaus über die Unterschiede zwischen seinen Stammorchestern in Frankfurt und Cincinnatti: "Dem deutschen Orchester fehlt manchmal die letzte Spur Brillanz, aber die Musiker haben mehr von dem, was ich 'inneres Verstehen' nennen möchte." Christian Schlüter schreibt über die Filme der Woche - die diesmal am Donnerstag nicht in die Kinos, sondern ins Internet kamen: Geert Wilders jetzt wieder vom Netz genommenes Video "Fitna" und die Lidl-Überwachungsvideos beim Stern. Christine Diller hat sich mit Christian Stückl, dem Regisseur des in München seit drei Jahren laufenden Erfolgsstücks "Brandner Kaspar und das ewig' Leben", und seinem Hauptdarsteller Maximilian Brückner unterhalten. Marcia Pally konstatiert in ihrer New-York-Kolumne: Keiner setzt sich mehr hin, denn "Gemütlichkeit ist eine Sünde, die kein New Yorker erträgt". Boris Schlepper kommentiert den Einzug von Hugendubel und Weltbild in die Buchabteilungen des Karstadt-Konzerns.

Besprochen werden Janet Jacksons neue CD "Discipline" und Gisela Gettys, Jutta Winkelmanns und Jamal Tuschicks Buch "Die Zwillinge oder Vom Versuch Geist und Geld zu küssen" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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FAZ, 29.03.2008

Wie schon gestern online, stellt sich Nils Minkmar heute im Print in der Debatte um den Islam-Film "Fitna" auf die Seite seines vom Tode bedrohten Machers, Geert Wilders. Die stärkste Waffe im Arsenal der Demokratie seien die Grundrechte, meint Minkmar: "Zu diesen Grundwerten zählt die Kunst- und Meinungsfreiheit. Es gibt keinen Grund, sie präventiv auszuknipsen, wenn Geert Wilders sich ihrer bedienen möchte. Zu diesen Grundwerten zählt aber auch das Verbot der Folter und des Angriffskriegs. Wer, wie Jan Peter Balkenende, erst den Krieg gegen den Irak unterstützt und dann einen seiner Bürger am Ausdruck seiner Ängste hindern will, verrät die westlichen Prinzipien. Jene europäischen Muslime hingegen, die die Zensur von ‚Fitna’ verurteilen und an einer künstlerischen oder publizistischen Entgegnung arbeiten, halten sie hoch."

Weiteres: Dirk Schümer sammelt Reaktionen aus den Niederlanden, wo erst Alarmstufe Rot herrschte und dann das "große Abwiegeln". Joseph Hanimann besucht die Ausstellung zum Mythos Babylon im Pariser Louvre. Lorenz Jäger sinniert in der Randspalte über die Bedeutung des Sternzeichens Widder. Jürgen Dollase rechtfertigt den Pfälzer Kurt Beck, der Schweineschnauze zu seinem Lieblingsgericht erklärt hat. Andreas Platthaus schreibt den Nachruf auf den Journalisten und Diplomaten Erwin Wickert.

Auf der Medienseite berichtet Thomas Scheen vom schikanösen Umgang Simbabwes mit ausländischen Journalisten: Nur eine handvoll Reporter wurde zu den Wahlen ins Land gelassen.

Besprochen werden Christian Stückls Peer-Gynt-Inszenierung in München, Manifestationen der britischen Klassik in New York, auf der Plattenseite Udo Lindenbergs laut Edo Reents "rockige und zeitlos gute" Platte "Stark wie zwei", REMs Album "Accelerate" und ein Konzertmitschnitt von Wladimir Vogels Sprechgesang "Thyl Claes" von 1966. Und Bücher, darunter Walter Kempowskis Tagebuch von 1991 "Somnia" und Peter Rühmkorfs neuer Gedichteband "Paradiesvogelschiss" (mehr in unserer Bücherschau des Tages).

Bilder und Zeiten übernimmt aus dem Guardian einen Essay des britischen Philosophen John Gray, der sich gegen den radikalen Atheismus eines Christopher Hitchens oder Richard Dawkins wendet und den den Glauben an die universale Demokratie für irrationaler hält hält als jeden Religion (mehr hier und hier das Original).

In der Frankfurter Anthologie stellt Gert Ueding Heinrich Heines Gedicht "Rückschau" vor:

"Ich habe gerochen alle Gerüche
In dieser holden Erdenküche;
Was man genießen kann in der Welt,
Das hab ich genossen wie je ein Held!.."

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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