Stöbern nach Themen

Durchsuchen Sie unsere Bücherdatenbank nach Themen, Ländern, Epochen, Erscheinungsjahren oder Stichwörtern.

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Rowohlt-Autoren trinken und rauchen

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

14.03.2008. Musik als Beruf? Die FR empfiehlt die Ausbildung zum Musikfeldwebel. Die NZZ schickt eine Liebeserklärung an alle Rowohlt-Autoren. In der Welt erklärt Aharon Appelfeld, warum Angela Merkel in der Knesset Deutsch sprechen soll. Die Blogbar geißelt Marktmacht und Mittelmaß der Medienmoloche. Die taz feiert Metal. Die Berliner Zeitung findet ein dickes Geldbündel im Bauch eines chinesischen Fisches. In der FAZ wirft Necla Kelek den Islamverbänden Hochmut und Taktiererei vor. In der SZ plädiert Ingo Schulze für ein Einheitsdenkmal in Leipzig.

FR, 14.03.2008

Christian Schlüter empfiehlt nach einem Besuch der Frankfurter Musikmesse jungen Nachwuchstalenten das Musikkorps der Bundeswehr. "Die Ausbildung zum Musikfeldwebel dauert vier Jahre; sie beginnt mit einer 'musikfachlichen Eignungsprüfung' und setzt sich nach einer 'allgemeinmilitärischen Ausbildung' sowie der 'musikfachlichen Ausbildung' auf der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule fort; es folgen schließlich die 'musikfachliche Abschlussprüfung beim Ausbildungsmusikkorps' und die 'Verwendung in einem Musikkorps der Bundeswehr'. Bleibt anzumerken, dass es hier mitnichten nur um Marschmusik geht. Neben der schon erwähnten Bigband spielen unsere Musiksoldaten in Orchestern eher klassischen Zuschnitts, es gibt sogar kammermusikalische Kleinformationen."

Der scheidende Chefredakteur der Welt, Christopher Keese hat seinem Nachfolger Thomas Schmid und dem als Vize zurückkehrenden Ulf Poschardt einige Baustellen hinterlassen, notiert Axel Brüggemann: "Unruheherd ist die 'Service und Entwicklungsredaktion', die intern 'Gulag' genannt wird. 49 Mitarbeiter von Morgenpost, Welt und Welt am Sonntag sollen sich hier um neue Projekte kümmern. Bislang erfolglos. Das 'Online-Asien-Portal' und das 'Online-Jugendportal' wurden bereits aufgegeben, ebenso wie die geplante Altenbeilage '55Plus' und eine Mitgliederzeitung für Herta BSC. Das Projekt 'Mantel- und Themenseiten' hat über 90 Seiten produziert, die niemand haben wollte."

Weitere Artikel: Daniel Schreiber trifft die Autorin Siri Hustvedt in ihrem Brownstone-Haus im Brooklyner Stadtteil Park Slope und redet über Hustvedts neuen Roman "Die Leiden eines Amerikaners" und natürlich George Bush. Volker Schmidt hofft in der Times mager, dass sich die Teilnehmer an dem vom Deutschlandfunk angekündigten Gedichtwettbewerb für Schüler sich nicht am PR-Jargon des DLF-Programmdirektors Günter Müchler orientieren. Arno Widmann meldet, dass das Frankfurter Städel mit der Aufnahme von 210 Fotografien auf einen Schlag zum ersten Anlaufpunkt für Fotokunst in Frankfurt wird.

Besprochen werden Philipp Stölzls Inszenierung von Gounods Oper "Faust", eine CD des Tilman Rossmy Quartetts, eine Anton-Radl-Ausstellung im Frankfurter Museum Giersch sowie Bücher, darunter Lewis Hydes Buch "Die Gabe" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

nach oben

Aus den Blogs, 14.03.2008

Deutliche Worte zur "Kooperation" von WDR und WAZ schreibt Don Alphonso in der Blogbar: "Dass die WAZ damit mutmaßlich für immer die Klappe halten wird, wenn es um Online und WDR geht, ist so offensichtlich wie zusammengekniffene Holtzbrinckmietmäuler von Zoomer, Tagesspiegel und Zeit beim Thema StudiVZ & Datenschutz. Das hat mit Pressefreiheit so gut wie nichts mehr zu tun, hier wird versucht, ein Kartell zu schmieden und auf Kosten der Allgemeinheit eine Marktmacht der Moloche zu begründen, die durch ihre schiere Größe das Netz mit ihrem Mittelmaß vollscheißt."

Stichwörter: Pressefreiheit, WDR

nach oben

NZZ, 14.03.2008

"Verglichen mit anderen deutschen Verlagen ähnlichen Kalibers ließe sich sagen: Rowohlt ist nicht so gediegen wie S. Fischer, nicht so nüchtern wie C. H. Beck, nicht so intellektuell wie Suhrkamp. Dafür spritziger, beweglicher, frecher, modischer", schreibt Joachim Güntner zum hundertjährigen Bestehen des Rowohlt Verlags. Noch treffender sein Zitat von Erich Kästner: "Rowohlt-Autoren trinken und rauchen."

Weiteres: Alessandro Topa berichtet von den bevorstehenden Parlamentswahlen im Iran: "Wahlstimmung will nicht aufkommen, nachdem ein Großteil der reformwilligen Kandidaten vom Wächterrat disqualifiziert worden ist." Besprochen werden eine Ausstellung zum Fotografen Julius Shulman in der Galerie Archizoom der EPF Lausanne, Luca Ronconis Homer-Interpretationen für das Mailänder Piccolo Teatro, Meredith Monks neues Album "Impermanence", Tony Russells Country-Geschichte "Country Music Originals".

Auf der Medienseite zeigt "ras" zwar Verständnis für Zeitungen, die sich für ihre Websites Videos günstig beschaffen wollen, misstraut der Kooperation zwischen WDR und WAZ aber dennoch: "Indem dieselben Beiträge nur auf diversen Plattformen abgespielt werden, entsteht eher eine Ein- denn eine Vielfalt."

Außerdem annonciert S.B. den von NBC und News Corp. lancierten Video-on-Demand-Service namens Hulu, der bisher allerdings nur Amerikanern TV-Serien und Filme gratis anbietet und sich durch Werbung finanzieren will. Und Tom Schuler kommt noch einmal auf die heikle Doppelrolle von Michael Bloomberg als New Yorker Bürgermeister und Medienunternehmer zu sprechen.

Anzeige

Twitterfeed der Verlage

nach oben

Spiegel Online, 14.03.2008

"Google verschenkt YouTube" lautet die Überschrift zu einem Artikel von Christian Stöcker. Gekostet hat YouTube ja noch nie etwas und in eigene Umgebungen einbinden konnte man die Videos bisher auch. Die Neuerung jetzt besteht darin, dass Website-Betreiber mit YouTube ab sofort machen können, was sie wollen: "Gestern hat Google wieder strategisch gehandelt - mit der Ankündigung des Tochterunternehmens YouTube, das Videoportal zum Baukasten für jedermann zu machen. Künftig darf sich jeder eine eigene Videoseite mit YouTube-Hilfe bauen - und sogar Werbeeinnahmen dafür kassieren. Im Klartext: YouTube verschenkt sich selbst. An jeden, der es haben will. Das ist ein riskanter und sehr teurer, aber durchaus erfolgversprechender Schachzug."

Feridun Zaimoglu spricht im Interview über die romantische Liebe und unromantische Integration: "Ich bin grundoptimistisch. Der deutsche Weg ist vielleicht unspektakulär, aber sehr effektiv. Die angeblichen multikulturellen Paradiese wie Frankreich oder Holland sind doch alle abgefackelt. Natürlich gibt es in Deutschland Probleme und Defizite, aber im Vergleich stehen wir gut da. Was ich auf den Tod nicht abkann, ist, wenn man auf einfache Menschen herabsieht, wenn ihr Glaube als Abfallprodukt der Moderne abgetan wird. Ich komme selbst aus Barackenverhältnissen, ich kann diese Arroganz der Macht nicht ertragen."

nach oben

Welt, 14.03.2008

Der Schriftsteller Aharon Appelfeld erklärt im Interview, warum er, anders als manche Abgeordnete, die dort kein Deutsch hören wollen, dafür ist, dass Angela Merkel vor der israelischen Knesset spricht: "So viele Juden haben Deutsch gesprochen, so viele wunderbare Schriftsteller haben Deutsch geschrieben. Sicher, alle die ins Lager kamen, haben ein Deutsch gehört, das nicht literarisch war. Aber nicht die Sprache ist wichtig, sondern ihr Inhalt."

Weitere Artikel: Thomas Kielinger hat anlässlich von Karl Marx' 125. Todestag dessen Grab in London besucht, wo er auf Delegationen aus Vietnam und Kuba traf. Von der Verleihung des Buchpreises zur Europäischen Verständigung an Geert Mak berichtet Eckhard Fuhr. Tilman Krause porträtiert den Belletristik-Preisträger Clemens Meyer. Berthold Seewald kommentiert den rein textphilologisch begründeten Umstand, dass der letzte Harry-Potter-Band in zwei Teilen verfilmt wird - weshalb die Serie noch bis 2011 in den Kinos präsent ist. Warum die Stadt Freiburg die private Kunsthalle des Kugelschreiberproduzenten Jürgen A. Messmer abgelehnt hat, erklärt Stefan Tolksdorf. Rüdiger Sturm beschreibt den großen Erfolg neuer 3-D-Filme, deren Bilder dank besserer Technik jetzt schärfer sind denn je. Uta Beier berichtet von der alljährlich um Uta von Naumburg ausbrechenden Uta-Manie.

Auf der Forum-Seite erzählt Herbert Kremp eine "Kulturgeschichte des Wortbruchs" von Barschel bis Ypsilanti.

Besprochen werden Pariser Inszenierungen von Kleists "Penthesilea" und "Das Käthchen von Heilbronn", Philipp Stölzls Inszenierung von Charles Gounods "Faust" in Basel ("klar formuliert", lobt Wibke Gerking) und Frank Göhres Freidich-Glauser-Biografie "Mo. Der Lebensroman des Friedrich Glauser".

nach oben

TAZ, 14.03.2008

Metal ist längst Kunst, lernen wir aus Julian Webers Besprechung von drei neuen Alben des Genres. "'Annwn' ist ein Soloalbum für Gitarre, das gleichviel mit Cecil Taylor und Ingwie Malmsteen zu tun hat. Barrs Hände klettern schneller auf den Skalen seiner Gitarre hoch, als David Lee Roth mit pinker Trekking-Hose den Canyon durchsteigt. Lichtgeschwindigkeit ist Trumpf und die Klangfarbe strikt höhenlastig. Zunächst hat es den Anschein, Barr habe zu viel von der verbotenen Frucht der New Wave of British Heavy Metal genascht. Aber der Bad-Taste-Wahnsinn des amerikanischen Gitarristen hat Methode, indem er das Weiche, Jaulende und Einschmeichelnde des 80er-Genremetal in die digitale Echokammer überführt, wo er die Zutaten zu kakophonischen Loops zerkocht."

Weitere Artikel: Dirk Knipphals eröffnet die Leipziger Buchmesse in der taz und wundert sich bei Häppchen im Gewandhaus über den eigenen Provinzialismus und den seiner Zunft. William Gibson, dessen neuer Roman "Quellcode" gerade erschienen ist, gesteht Ulrich Gutmair seine Faszination für YouTube und seine Vorliebe für schmale Bücher. Auf YouTube gibt es auch Novelty Songs, also Lieder von Unbekannten, von denen Tobias Rapp zwei angeblich sehr lustige präsentiert: "Drei Tage Wach" von Lützenkirchen und "Ficken Geld Drogen Nutten" von MushiFlo & Scher ft. Ikko Frisch.

Im Medienteil schreiben Chris Tryhorn, ein Kollege vom Guardian, und Klaus Raab über die fortbestehenden Differenzen zwischen Mecom und der Redaktion der Berliner Zeitung.

Und Tom.

nach oben

Berliner Zeitung, 14.03.2008

Michaela Schlagenwerth kommentiert die Berichterstattung in der FAZ über die Islamkonferenz: "Schwerer wiegt der zweite Vorwurf, den ein an der Arbeitsgruppe 'Islamismus und Sicherheit' beteiligter Verfassungsschützer über die FAZ lanciert hat. Demnach hätten die Vertreter des Koordinierungsrats der Muslime eine Formulierung abgelehnt, nach der vom Islamismus eine große Gefahr für Deutschland ausgehe, mit der Begründung, dass dies '"nur" das Lagebild der Sicherheitsbehörden' sei. Das ist unhaltbar, denn in den Zwischenergebnissen der Konferenz heißt es ausdrücklich, dass 'in Deutschland eine ernstzunehmende Gefahr eines Terroranschlages besteht, der unter Berufung auf den Islam legitimiert wird' und es die Verantwortung aller sei, 'islamistischen Bestrebungen in einem gesamtgesellschaftlichen Schulterschluss entgegenzuwirken'."

Auf der Medienseite amüsiert sich Bernhard Bartsch über Meldungen in der China Daily: "Das will man doch wissen: Dass ein betrogener Ehemann einen Schönheitssalon stürmt und der Kosmetikerin, die gerade seine untreue Frau behandelt, die Finger bricht. Oder dass Behinderte mit Hilfe von Puppen masturbieren lernen. Oder dass ein Müllsammler einen Fisch mit einem dicken Geldbündel im Bauch findet. Oder dass ein Bauer seinen Hühnern Stechschritt beibringt und ein anderer sich in eine Ente verliebt. Oder, oder, oder."

nach oben

FAZ, 14.03.2008

Zur dritten Zusammenkunft der Islamkonferenz schreibt die islamkritische Publizistin Necla Kelek einen Brief an die Vorsitzenden deutscher Islamverbände, der mit neun konkreten Forderungen endet und so beginnt: "Lieber Herr Alboga, lieber Herr Köhler, lieber Herr Kizilkaya und lieber Herr Yilmaz vom 'Koordinierungsrat der Muslime', Ihre beständigen Angriffe auf uns, die säkularen Muslime, Ihre andauernde Negation unseres Muslimseins, Ihre unsägliche Taktiererei, Ihr auf nichts gründender Hochmut haben uns gezeigt, dass mit Ihnen kein Staat zu machen ist. Jedenfalls keiner, der unseren Vorstellungen von Demokratie und Säkularität entspricht. Wir haben Ihnen und Ihren Verbänden viel zu lange die Deutungshoheit überlassen, was muslimisches Leben in Deutschland ist."

Weitere Artikel: Medienkritisch nähert sich Tobias Rüther dem Sex-Skandal um den jetzt zurückgetretenen New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer - genauer gesagt dem Umgang von New York Times und Co. (hier der Text in der New York Times, hier bei Salon.com) mit dem online verfügbaren Material der namentlich bekannten Prostituierten, deren Dienste Spitzer für viel Geld in Anspruch nahm. Gina Thomas informiert über den britischen Streit um ein gehörloses Paar, das per künstlicher Befruchtung ein seinerseits taubes Kind bekommen möchte, aber per Gesetzesneuregelung wohl nicht darf. Außerdem vermeldet sie noch eine Boykottaktion orthodox jüdischer Schülerinnen, die sich weigerten, in einer Englisch-Prüfung Fragen zu Shakespeare zu beantworten - aus Protest gegen die Shylock-Figur des Dramatikers. Marcus Jauer hat sich mit dem Spiegel-Redakteur und Romanautor Dirk Kurbjuweit über dessen Politiker-Roman "Nicht die ganze Wahrheit" unterhalten.

Impressionen aus der von einer Schießerei mit Todesfolge erschütterten Buchmessenstadt Leipzig und von Geert Maks Dankesrede zur Verleihung des Buchpreises zur Europäischen Verständigung liefert Richard Kämmerlings. Glücklich, aber nicht restlos, ist Konstanze Crüwell darüber, dass die DZ-Bank zeitgenössische Fotografien aus ihrer Sammlung nun dem Frankfurter Städel Museum überlässt. Ernst Horst hat einen Münchner Vortrag der französischen Historikerin und Germanistin Helene Miard-Delacroix gehört, in dem sie deutschen mit französischem Links-Terrorismus verglich. Mit Entsetzen vermeldet Arnold Bartetzky, dass Abrissprämien die bislang tadellose Restaurierungspolitik des sächsischen Freiberg "völlig korrumpiert" haben. Manfred Lindinger erklärt, was wir vom Gecko lernen können. Andreas Platthaus gratuliert dem Comic-Künstler Gerhard Seyfried zum Sechzigsten.

Besprochen werden die große Peter-Doig-Retrospektive in der Tate Britain, eine Berliner Retrospektive der Fotografin Bettina Rheims, Philipp Stölzls Baseler Inszenierung von Charles Gounods "Faust" (die Lotte Thaler "wenig durchdacht" findet), ein Berliner Konzert der Elektroniker Autechre, Regina Schillings Dokumentation "Bierbichler" und Bücher, darunter das Buch des 1963 verstorbenen New-Yorker-Journalisten A.J. Liebling "Zwischen den Gängen" (hier eine Leseprobe) (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

nach oben

SZ, 14.03.2008

Der Schriftsteller Ingo Schulze hält wenig von einem Einheitsdenkmal in Berlin. Eigentlich müsste es nämlich in Leipzig stehen. Und der dazugehörige Nationalfeiertag verschoben werden. "Der 9. Oktober bedeutete, für Freiheit und Demokratie, Gerechtigkeit und Würde viel, womöglich alles, zu riskieren. Es wäre die Vergegenwärtigung von Ungehorsam und Gewaltlosigkeit, von Heiterkeit und Phantasie, von einem Denken und Handeln, das das eigene Wohl und Wehe mit dem aller anderen verknüpft. Man würde sich zudem daran erinnern, dass es auch auf der anderen Seite Anstand und Mut gab, auch Helden, Funktionäre, die es ablehnten, Polizei und Armee auf die Demonstranten zu hetzen und die sich durchsetzen konnten."

Der Historiker Oliver Rathkolb beschreibt Gerhard Persche im Interview über die von ihm kuratierte Ausstellung über die Wiener Staatsoper und den "Anschluss" 1938, wie tief auch die Künstlerszene drinsteckte. "Die für mich wirklich beschämende Tatsache - ich moralisiere hier ganz bewusst - ist, dass die Vertriebenen nach 1945 auch bei den Philharmonikern, die sich gerne als solidarische Gemeinschaft präsentieren, nicht zumindest finanziell in den gleichen Stand gesetzt wurden wie vor 1938, was zum Beispiel in der Deutschland selbstverständlich war. In Österreich wurde dies mit allen Mitteln auf das Schäbigste hintertrieben."

Weitere Artikel: Thomas Steinfeld entnimmt dem Internetmagazin Slate, dass Popsongs immer mehr Wörter beinhalten und diagnostiziert ein Misstrauen in die Musik. Volker Breidecker fasst eine Luzerner Tagung über den mit der Bildvermehrung einhergehenden Bedeutungsverlust der Bilder zusammen. Im Literaturteil durchforstet Volker Breidecker die Programme der letzten linken Verlage. Auf der Medienseite stellt Nikolaus Piper Dominic Carter vor, der in der Bronx der Siebziger aufwuchs und nun der bekannteste Journalist des politikbetonten New Yorker Lokalsenders NY1 ist.

Besprochen werden die "allzu freundliche" Ausstellung zu "Macht und Freundschaft. Berlin - St. Petersburg 1800-1860" im Berliner Martin-Gropius-Bau, Aufführungen von Henrik Ibsens "Baumeister Solness" und Lorenz Langeneggers "Nah und hoch hinaus" in Mannheim, Christoph Willibald Glucks Reformoper "Alceste" zum Auftakt des Gluck-Festivals in Nürnberg, Regina Schillings filmisches Porträt des bayerischen Schauspielers Josef "Bierbichler" und Bücher wie Pascal Bruckners "Der Schuldkomplex" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

nach oben

Drucken | Empfehlen auf Facebook | Twittern | Share on Google+

Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

Gesamtes Archiv Heute in den Feuilletons