Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Maulwurfsmäßig in stockdunklen Röhren

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

11.03.2008. In der FR will Ivan Nagel den von Roman Herzog formulierten "Schrecken der Hessenwahl für beide Volksparteien" nicht teilen. Der FR liegt auch am Perlentaucher. In der Welt schreibt der polnische Journalist Jan Skorcynski über die gravierenden Unterschiede von 1968 in Ost und West. Wirres.net seufzt anlässlich der Guardian-Liste der 50 wichtigsten Blogs der Welt: Deutschland bräuchte eine Ariana Huffington. Die FAZ wirft einen Blick in die wunderbare Welt des Hörbuch-Downloads. In der NZZ beschreibt Navid Kermanis sein Unbehagen beim Beten in der Öffentlichkeit.

FR, 11.03.2008

Vor einigen Tagen hatte Roman Herzog in der SZ vorgeschlagen, nach der Hessenwahl das Wahlrecht so zu ändern, dass Minderheitsregierungen verhindert werden. Der Autor und Theaterintendant Ivan Nagel erhebt auf zwei FR-Seiten staatsbürgerlich politischen Einspruch: "Roman Herzog begründet seine Sorgen nicht damit, dass die paradiesischen Verhältnisse vorbei sind, in denen die beiden großen Parteien CDU und SPD sich darauf verlassen konnten, dass die dritte, kleine FDP in unregelmäßigen Abständen umschwenkt; auch nicht damit, dass eine zweite kleine Partei, die lang verketzerte grüne, sich erst allzu zögernd mit der Umfaller-Rolle anfreundet. Der Anlass für Herzogs Sorgen ist: der Sturz in Instabilität, der unserer Republik droht, wenn sich die Wähler (im Gegensatz zu den Politikern) von vier auf fünf Parteien umstellen sollten. Kurz: Herzogs Vorschlag handelt nicht von der Regierbarkeit Deutschlands, sondern vom Schrecken der Hessenwahl für beide 'Volksparteien'." Nagels Einspruch ist übrigens auch eine furiose Abrechnung mit der Berichterstattung über Andrea Ypsilantis angeblichen "Wählerbetrug".

Johannes Leppers Vertrag als Intendant in Oberhausen wird trotz guter Auslastung des Hauses nicht verlängert. Er habe jenseits der Theaterinszenierungen nicht genug Events geschaffen, lautet der Vorwurf. Stefan Keim findet diese Entwicklung bedenklich. "Eine der größten Qualitäten des deutschen Theaters war es bisher, auch Forum der Aufreger und Querköpfe zu sein. Nichts gegen sympathische Intendanten, aber es darf nicht zum Dogma der Kulturpolitiker werden, aus den Chefetagen der Bühnen ein Land des Lächelns zu machen."

Weiteres: Hans-Klaus Jungheinrich berichtet über das Forum Neue Musik in Frankfurt. Hans-Jürgen Linke analysiert in der Times mager selbst erfüllende Streikandrohungen. Besprochen werden Marianne Rosenbergs Konzert in Frankfurt und Jenny Erpenbecks Roman "Heimsuchung".

Die sechzehnseitige Literaturbeilage eröffnet Ina Hartwig mit einer Hymne auf Clemens Meyers Erzählungen "Die Nacht, die Lichter".

Ausgerechnet diesen Artikel haben wir gestern auf der Medienseite übersehen: Ein "G'schmäckle" hat für Daland Segler die Vergabe von Eurotopics an das Journalistennetzwerk n-ost. Bisher hatte der Perlentaucher diesen europäischer Newsletter für die Bundeszentrale für politische Bildung erstellt (mehr hier): "Pikantes erhält dieser Wechsel durch zweierlei: Der Journalist Olaf Sundermeyer ist Autor bei n-ost; er hat aber am 29. Juni '07 einen langen Artikel in der FAZ veröffentlicht, in dem er den Perlentaucher indirekt angreift und ihm das Abgreifen von 'Staatsknete' unterstellt. Ein Zitat: 'Wenn das hier nicht Berlin wäre, wo die Subvention eine Art Alltagskultur ist, man käme unweigerlich auf den Bund der Steuerzahler.' Und im Beirat von n-ost sitzt auch Werner d'Inka, einer der Herausgeber jener Zeitung, in der der Sundermeyer-Text erschienen ist: der FAZ. Doch D'Inka hat von der Bewerbung 'beiläufig in meiner Funktion als Beirat' erfahren und versichert, dass er mit Autor Sundermeyer erst jetzt, aus Anlass der Eurotopics-Entscheidung, einen Mail-Kontakt gehabt habe."

Im Tagesspiegel wird die Angelegenheit heute auch gemeldet.

nach oben

Welt, 11.03.2008

Sowohl in den west- als auch in den osteuropäischen Ländern gab es 68er-Bewegungen, schreibt der polnische Journalist Jan Skorzynski in einem Project-Syndicate-Essay, aber die Unterschiede waren größer als die Gemeinsamkeiten. Und am unterschiedlichsten waren die Folgen für die Akteure: "Nach 1968 traten die protestierenden Studenten nach und nach in das politische und geistige Establishment ihrer jeweiligen Länder ein. Die polnischen Dissidenten fanden sich im Gefängnis oder im Exil wieder. Mehrere tausend von ihnen wurden von ihren Universitäten ausgeschlossen, und nach politisch motivierten Prozessen wurden 80 von ihnen inhaftiert. Die Behörden entließen außerdem prominente Professoren, die die Studenten beeinflusst und unterstützt hatten. Die düsterste Antwort des Regimes, eine antisemitische Säuberungsaktion, führte zum Exodus von mehr als 10.000 Menschen, denen auch die Staatsbürgerschaft entzogen wurde."

Im Feuilleton kommentiert Eckhard Fuhr die Absurdität der Diskussion um die Waldschlösschenbrücke: "Die Unesco beharrt darauf, dass einer von Menschen geschaffenen Kulturlandschaft nur dann die Welterbeweihe zusteht, wenn die Menschen sich unsichtbar machen und ihren Verkehr maulwurfsmäßig in stockdunklen Röhren abwickeln. Auf der einen Seite des Flusses sollen sie von einem Schlund geschluckt und auf der anderen Seite wieder ausgespuckt werden. Dann stören sie nicht das brückenfreie Panorama."

Weitere Artikel: Hendrik Werner unternimmt einen Streifzug durch Publikationen von Übersetzungen kroatischer Literatur - denn Kroatien ist Gastland der morgen beginnenden Leipziger Buchmesse, und er stellt fest: "Besagter Krieg, der so genannte Balkankonflikt, ist und bleibt der dominierende Impulsgeber der aktuellen kroatischen Literatur." Der zum Islam übergetretene Autor Peter Schütt beklagt eine mangelnde Lachbereitschaft heutiger Muslime, die dem häufiger überlieferten Bild des lachenden Propheten so misslich entgegensteht. Hanns-Georg Rodek interviewt den Schauspieler Jürgen Vogel und den Regisseur Dennis Gansel über ihren Film "Die Welle". Stefan Toiksdorf besucht das vom Mäzen Reinhold Würth gebaute Musee Würth France Erstein an der elsässisch-deutschen Grenze. Rolf Giesen besuchte eine Messe für Animationsfilme in Babelsberg.

Besprochen werden eine Ausstellung mit Fotos Bettina Rheims' in Berlin und Richard Strauss' "Intermezzo" in Zürich, ein Konzert der gerade angesagten Band Hot Chip (hören) in Berlin. Auf der Magazinseite schreibt Hannes Stein über die von Vladimir Nabokovs Sohn Dmitri periodisch wiederholten Drohungen, ein unveröffentlichtes Manuskript seines Vaters zu verbrennen.

Stichwörter: Berlin, Dissidenten, Islam, Sohn

nach oben

NZZ, 11.03.2008

Das Beten im öffentlichen deutschen Raum ist eine komplizierte Angelegenheit, meint Navid Kermani und erzählt, wie er es bei einer Tagung zusammen mit Ilija Trojanow versuchte. "Nicht, dass es schlimm wäre, das nicht, aber ich merke, dass ich Situationen, in denen mein Glaube zur Demonstration gerät, nach Möglichkeit vermeide, selbst wenn es, wie in diesem Fall mit Ilija, sofort eine andere, innigere Gemeinschaft herstellt, die nach dem Gebet anhält, ohne dass es angesprochen würde, vielleicht so wie Schwule, die unter Heteros ebenfalls etwas teilen, ohne deswegen ein Paar sein zu müssen, oder doch anders, weniger fassbar, so bildet sich ein Betender ein."

Besprochen werden die Aufführung von Richard Strauss' Opera domestica "Intermezzo" im Zürcher Opernhaus (von einem "Glücksfall in der dürftigen Rezeptionsgeschichte des Werkes" schwärmt Marianne Zelger-Vogt), eine Meraner Schau zu den österreichischen Architekten Helmut Dietrich und Much Untertrifaller, die unter anderem für das Festspielhaus Bregenz verantwortlich zeichnen, die Ausstellung zu Karl Valentin im Berliner Gropius-Bau und Bücher, darunter Assaf Gavrons Roman "Ein schönes Attentat", Cormac McCarthys seit der Verfilmung durch die Coen-Brüder wieder in den Blickpunkt geratene Erzählung "Kein Land für alte Männer" sowie Martin Pollacks Reportagenband "Warum wurden die Stanislaws erschossen?" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Anzeige

Twitterfeed der Verlage

nach oben

TAZ, 11.03.2008

Werner Girgert konstatiert im prosperierenden Istanbul zwar einige hässliche Prenzlauer-Berg-Prozesse der Gentrifizierung, gibt aber viel auf die Tradition von Improvisation und Integration der stark angewachsenen Stadt. "Sechzig Prozent des inzwischen auf 5.500 Quadratkilometer angewachsenen Stadtgebietes gehen nach Schätzungen von Experten auf diese zunächst illegal errichteten Siedlungen zurück, für die sich rasch die Bezeichnung Gecekondu etablierte, was so viel heißt wie 'über Nacht gebaut'. Einmal errichtet, verhinderte das türkische Recht, dass die provisorischen Hütten ohne weiteres wieder abgerissen werden konnten. Mehrere Amnestiegesetze führten seit 1966 dazu, dass aus den Besetzern zumeist städtischen oder staatlichen Bodens nach und nach stolze Grundbesitzer wurden."

Weiteres: Alexander Cammann blättert sich durch die Literaturzeitschriften BELLA triste, Schreibheft und Akzente. Helmut Höge trägt allerlei Erkenntnisse über Nasszellen-Kultur und den "deutschen Sonderweg zum Gully" im Toilettenbereich zusammen. Arno Raffeiner erfährt vom House-Veteran und Sänger Robert Owens, dass jetzt hoffentlich wieder mehr gesungen wird in der Szene. Und Tim Caspar Boehme tanzt beim Konzert des Elektronik-Duos Autechre im Berliner Club Berghain.

Auf der Medienseite kann sich Frank Überall nicht vorstellen, dass der Deutsche Presserat sich in seiner jetzigen Verfassung auch noch das Internet kümmern kann.

Und Tom.

Stichwörter: Integration, Internet, Sänger

nach oben

Aus den Blogs, 11.03.2008

wirres.net kommentiert die vom Guardian publizierte Liste der angeblich fünfzig wichtigsten Blogs der Welt, an deren Spitze das von der Millionärin Ariana Huffington finanzierte Blog Huffington Post steht: "abgesehen davon, dass wir im deutschsprachigem raum auch jemanden wie ariana huffington gebrauchen könnten, jemand der nicht nur geld, sondern auch idealismus, enthusiasmus und vor allem so viel begeisterungsfähigkeit mitbringt, dass er oder sie lahmarschige voll-, halb- oder viertelpromis zum ins internet schreiben motivieren könnte - abgesehen davon zeigt die analyse des guardian wie wichtig eine person wäre, die den aufbau eines solchen angebots nicht für irgendeinen grossverlag zur pfründenrettung, bzw. für die rendite, durchzieht, sondern die aus leidenschaft publiziert und schreibt."

Der Guardian schreibt zur Huffington Post: "The history of political blogging might usefully be divided into the periods pre- and post-Huffington. Before the millionaire socialite Arianna Huffington decided to get in on the act, bloggers operated in a spirit of underdog solidarity. They hated the mainstream media - and the feeling was mutual."

Stichwörter: Blogs, Guardian

nach oben

SZ, 11.03.2008

Auf der Literaturseite lässt sich Johan Schloemann von dem Oxforder Philologen Martin L. West erklären, was es mit unser aller Urvolk, den Indogermanen, eigentlich auf sich hat: "Dieses 'Volk' ist zwar hypothetisch, aber die gängigen Theorien lokalisieren es in Osteuropa und Zentralasien, in den Gegenden nördlich des Schwarzen und des Kaspischen Meeres. Und es scheint klar, dass es ein Hirtenvolk war, das aber auch schon ein wenig Landwirtschaft hatte." Und sehr interessant: "Die Urindogermanen scheinen das Leben nach dem Tod in der Unterwelt, oder wo immer es stattfindet, für nicht sehr vielversprechend gehalten zu haben. Fortlebender Ruhm auf Erden, das ist es, was zählt. Und er muss durch Dichter gestärkt und bewahrt werden."

Kai Strittmacher berichtet, dass Tayyip Erdogan zum Weltfrauentag die türkischen Frauen aufgerufen hat, mehr Kinder in die Welt setzen: "'Die wollen die türkische Nation auslöschen. Nichts anderes wollen sie', klagte der Premier. Er vergaß dann zwar, dem Publikum mitzuteilen, wer hinter den heimtückischen Plänen stecke, hatte dafür aber die Gegenstrategie schon parat: 'Damit unser Volk jung bleibt, solltet ihr mindestens drei Kinder machen.' Er meinte pro Frau, nicht pro Volk."

Weiteres: Der kosovarische Journalist Veton Surroi schreibt einen Brief an seinen toten Vater, der höchstens von einem gleichberechtigten Kosovo, aber nie von einem unabhängigen träumte. Mona Naggar berichtet von der vorsichtigen Öffnungspolitik der saudi-arabischen Buchmesse: Erstmals durften Buchhändlerinnen teilnehmen. Alex Rühle, sonst kein Freund von Pop-Autobiografien, kann Mark Oliver Everetts "Things The Grandchildren Should Know" als "Gegenprogramm zum Narzissmus des Popgeschäfts" wärmstens empfehlen. Henning Klüver erklärt uns den Streit um den Papyrus von Artemidor. Christine Brinck weist darauf hin, dass George Bush - im Gegensatz zu Al Gore - in einem Ökohaus wohnt und die Amerikaner überhaupt viel umweltbewusster sind als die Deutschen Obermülltrenner ihnen zubilligen möchten.

Besprochen werden eine Ausstellung zum "Action Painting" in der Fondation Beyeler und eine Werkschau der Architektengemeinschaft Coop Himmelb(l)au im Museum für Angewandte Kunst in Wien.

Außerdem gibt es heute die Literaturbeilage zur Leipziger Buchmesse, Im Aufmacher bespricht Jens Bisky Marcel Beyers Roman "Kaltenburg".

nach oben

FAZ, 11.03.2008

Christian Deutschmann gibt eine Einführung in die derzeit noch vielfach von Rechtemanagement behinderte "wunderbare Welt des Hörbuch-Downloads". In den USA habe Random House Audio gerade den Kopierschutz aufgegeben, mit überraschendem Ergebnis: "Dem Freigabe-Entschluss, so die Geschäftsführung, sei eine Testphase vorausgegangen, bei der fünfhundert Hörbuchtitel ohne Kopierschutz angeboten wurden. Keiner dieser Titel sei später in den illegalen Tauschbörsen aufgetaucht, wohl aber solche von CDs, deren Kopierschutz zuvor 'gecrackt' worden sei. Beruht der Reiz illegaler Verbreitung also ausschließlich auf dem Knacken der Kopierschutzcodes? Lässt sich daraus mit anderen Worten schließen, dass Kunden, denen Vertrauen entgegengebracht wird, den Verführungen zum Datenklau brav widerstehen?"

Weitere Artikel: Beim Pariser "Salon du livre" ist Israel Gastland - Jürg Altwegg berichtet von heftigen arabischen Protesten. Mark Siemons setzt sein olympisches China-Wörterbuch fort, von H wie "Höflichkeit" bis K wie "Körper". Von einem ziemlich trostlosen Wahlkampf in Spanien berichtet - glücklich, dass er vorbei ist - Paul Ingendaay. In der Glosse nähert sich Jochen Hieber dem SPD-Vorsitzenden Kurt Beck mit Tiermetaphern. Karol Sauerland hat in Warschau eine Tagung zur polnischen antisemitischen Kampagne von 1968 besucht. In Stuttgart freut sich Timo John über den gelungenen architektonischen Umbau der alten Arbeitersiedlung "Postdörfle". Zum Abschied von Peter Raue als Vorsitzender des "Vereins der Freunde der Nationalgalerie" schreibt Camilla Blechen. Tilman Spreckelsen gratuliert der Kinderbuchautorin Käthe Recheis zum Achtzigsten. Auf der Medienseite meldet Nina Rehfeld, dass die Internet-Erfolgsserie "Quarterlife" im amerikanischen Fernsehen katastrophal geflopt ist.

Besprochen werden eine kleine Ausstellung im Louvre mit Werken des Michelangelo-Konkurrenten Baccio Bandinelli, Jens-Daniel Herzogs Züricher Inszenierung von Richard Strauss' Oper "Intermezzo", Marianne Rosenbergs Frankfurter Tournee-Auftakt ("Diese Frau besteht aus tausend Widersprüchen", gibt Dieter Bartetzko benommen zu Protokoll), zwei CDs mit "Peter und der Wolf" unter der Leitung Herbert von Karajans und Reinhard Kaiser-Mühleckers Roman "Der lange Gang über die Stationen" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

nach oben

Drucken | Empfehlen auf Facebook | Twittern | Share on Google+

Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

Gesamtes Archiv Heute in den Feuilletons