Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Platt wie leere Briefumschläge

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

07.02.2008. In der nachtkritik erklärt Roman Pawlowski, wie die Kaczynskis das polnische Theater politisiert haben. In der taz skizziert Adam Krzeminski, was wir über die Polen nicht wissen. Die SZ berichtet über eine Klage gegen Jan T. Gross' Buch "Angst". In Spiegel online kritisiert Theaterintendant Ulrich Khuon den grenzenlosen Kulturbegriff deutscher Feuilletons. In der NZZ überlegt der Schriftsteller Meja Mwangi, wer für die Gewalt in Kenia verantwortlich ist. Ein bisschen pervers fühlt sich Jeanne Moreau in der Zeit.

nachtkritik, 07.02.2008

In einem interessanten Text schreibt der Theaterkritiker der Gazeta Wyborcza, Roman Pawlowski, über das polnische Theater, das sich in Reaktion auf die Kaczynskis und ihre Gängelungsversuche extrem politisiert hatte. Mit der Abwahl der rechten Regierung sei dies nicht obsolet geworden: "Die Regierungsübernahme durch die liberale Bürgerplattform entbindet die polnischen Künstler nicht von der Pflicht zur kritischen Gegenwartsanalyse, im Gegenteil. Befreit von der Sorge um die eigene Unabhängigkeit, können sie sich nun den Ursachen der gesellschaftlichen Konflikte zuwenden. Ein solches Theater gab es in Polen, bevor die Kaczyńskis an die Macht kamen. Ein Theater, das gesellschaftliche Bedrohungen und Missstände beim Namen nannte, lange bevor die Politik sie entdeckte. Für dieses Theater standen junge Dramatiker wie Przemysław Wojcieszek, Paweł Demirski, Tomasz Kaczmarek der Marek Pruchniewski. Sie zeigten das neue, kapitalistische und europäische Polen, seine Generationskonflikte, seine Konsumversessenheit, seine Ängste und Vorurteile."

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Spiegel Online, 07.02.2008

Ach, die Kultur bekommt zu viel Subventionskohle? So sahen das jedenfalls kürzlich Thomas Steinfeld ("Hässlich ist der Papst, aber es stört ihn nicht, denn er ist stark", SZ vom 28.11.07, hier als pdf zu lesen) und Nils Minkmar ("Mehr Kultur braucht kein Mensch", FAS vom 25.11.07). Ulrich Khuon, Intendant des Thalia Theaters, bittet die Herren Redakteure, sich doch an die eigene Nase zu fassen. Besonders fuchsig macht ihn die Behauptung, heute gelte ja rein alles als Kultur, weshalb so wahllos gefördert werde. "Da möchte man gern fragen: Wer ist denn vorangeschritten bei jenem ausufernden, grenzenlosen Kulturbegriff? Sind es nicht die Feuilletons, die jede, aber auch wirklich jede Debatte, die schockhaft an uns vorbeizieht, breit treten und die entlegensten Phänomene, wie beispielsweise die Möblierung von Fernseh-Talkshows (FAS) und die Rückkehr der Schokoladenkultur ('Moctezumas später Triumph', SZ), seitenweise zerreden?"

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Die Tageszeitung, 07.02.2008

"Es gibt eine enorme Asymmetrie der Wahrnehmung des anderen", sagt der polnische Publizist Adam Krzeminski auf der Meinungsseite über das deutsch-polnische Verhältnis. "Anders als die Franzosen, Amerikaner oder Russen existieren wir Polen kaum im Bewusstsein der Deutschen. Da geht es nicht nur um das Problem der polnischen Opfer. Ich nenne das die Unkenntnis des polnischen Aspekts der deutschen Geschichte. Während die deutsch-französische Erbfeindschaft bekannt und verarbeitet ist, ist Polen immer noch der 'unbekannte Nachbar'".


"Das Festival zeigt auch im siebten Jahr seit Kosslicks Amtsantritt großes Interesse an den Verwerfungen der globalisierten Welt", stimmt Cristina Nord im Feuilleton auf die Berliner Filmfestspiele ein, die heute abend eröffnet werden.

Weitere Artikel: Diedrich Diederichsen schreibt über Luis Bunuel, dem die diesjährige Berlinale-Retrospektive gewidmet ist. Angesicht der vielen Filme aus dem Umfeld der Popindustrie wagt Kirsten Riesselmann schon mal Prognose, wer alles über den roten Teppich am Potsdamer Platz schreiten könnte. Andreas Resch gibt einen Überblick über das Programm der Berlinale-Reihe Perspektiven Deutsches Kino. Aus New York berichtet Daniel Schreiber, wie im amerikanischen Fernsehen die Berichte über die Vorwahlen die Defizite ausgleichen, die durch den Streik der Drehbuchautoren entstanden sind.

Eine einsame Besprechung ist Kasi Lemmons Biopic über den legendären schwarzen Radiomoderator Petey Greene, "Talk to me", gewidnet

Und Tom.

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Frankfurter Rundschau, 07.02.2008

Wie leitet man erfolgreich einen mittelständischen Verlag? Vittorio E. Klostermann gibt im Interview Auskunft: "Natürlich gibt es auch bei einem geisteswissenschaftlichen Verlag Quersubventionen von Titeln. Heidegger musste jedoch nie von anderen Programmteilen mitgetragen werden. Er hat eher geholfen, andere zu unterstützen. Allerdings bewegt sich das öffentliche Interesse an Heidegger sehr in Wellen. Die Nachfrage steigt, wenn in den USA oder in Frankreich Heidegger zum wiederholten Male neu entdeckt wird. Sie sinkt, wenn sein Liebäugeln mit dem Nationalsozialismus thematisiert wird."


Weiteres: Ina Hartwig schickt einen spöttischen Glückwunsch an Alice Schwarzer, die von Harald Schmidt für den diesjährigen Börne-Preis ausgewählt wurde. Besprochen werden Mike Nichols' neuer Film "Der Krieg des Charlie Wilson" (für Daniel Kothenschulte "ein Film von der Sorte, wie sie eigentlich schon lange nicht mehr gemacht werden: Eine politische Farce über eine unglaubliche Fußnote in der Geschichte des Kalten Krieges, exzellent besetzt mit Stars, die sich bereitwillig gegen den Strich bürsten lassen"), Robin Swicords Film "Der Jane Austen Club", Jay Russells Loch-Ness-Film "Mein Freund der Wasserdrache"("exakt der Film, den ich als Siebenjähriger geliebt hätte", lobt Daniel Kothenschulte), eine Hannah-Höch-Schau im Baseler Museum Tinguely und Ulf Stolterfohts Gedichtband "holzrauch über heslach" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2008

"Was braucht es, um aus einem anständigen Menschen ein Monster zu machen? Zornige Empörung, gezielte Manipulation, die Hoffnung auf Belohnung oder ein Gefühl der Unbesiegbarkeit?", fragt erschüttert der Schriftsteller Meja Mwangi angesichts der blutigen Unruhen im einst so stabilen Kenia. "Hätte man die Gewalt verhindern können? Seit mindestens drei Jahrzehnten gehört es zum Usus, dass aggressive Parteiführer ihren Gegnern mit Feuerbrand und Chaos drohen; dass Bevölkerungsgruppen bedroht und schikaniert werden, wenn sie andere politische Ansichten haben; dass man Mitbürgern, die einer anderen Ethnie angehören oder aus einer anderen Region stammen, mit Vertreibung und Plünderung droht, wenn sie nicht 'richtig' wählen. Es ist dokumentiert, dass Politiker ganzen Stammesgruppen empfohlen haben, sich 'platt wie leere Briefumschläge' zu machen, wenn sie nicht von einer Welle von Vergewaltigungen, Brandstiftung und Mord überrollt werden wollten."


Weiteres: Susanne Ostwald bereitet auf die heute eröffnende Berlinale vor. Besprochen werden ein Beethoven-Konzert von Ivo Pogorelich, auf der Filmseite Mike Nichols' Politkomödie "Der Krieg des Charlie Wilson" und Sean Penns "Into the Wild" sowie Bücher, darunter Panajotis Kondylis' Arbeiten "Machtfragen" und Erich Hackls Erzählungen "Als ob ein Engel" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Welt, 07.02.2008

Der Regisseur Constantin Costa-Gavras, Jury-Präsident der heute abend eröffnenden Berlinale (mehr hier), spricht im Interview über politische Filme, die deutsche Besetzung Griechenlands und 1968. Volker Gebhardt berichtet über eine Schweizer Aids-Studie, die einiges Nachdenken auslösen wird: Die Autoren stellen nämlich fest, dass HIV-infizierte Menschen bei entsprechender Behandlung nicht mehr ansteckend sind (hier eine Zusammenfassung als pdf). Paul Badde berichtet über die Proteste arabischer Kritiker und Schriftsteller sowie Tariq Ramadans, die Teilnahme Israels als Gastland der Turiner Buchmesse zu verhindern (mehr hier). Im Kinojahr 2007 sind die Besucherzahlen zurückgegangen, die Stimmung in der Branche ist aber trotzdem gut, berichtet Hanns-Georg Rodek. Jan-Christoph Deißner stellt die Band "I am Kloot" vor. Hendrik werner schreibt zum Tod des Schriftstellers Dieter Noll.


Besprochen werden die Ausstellung "Unsere Russen, unsere Deutschen" im Schloss Charlottenburg in Berlin, Mike Nichols Film "Der Krieg des Charlie Wilson", Alastair Fothergills Dokumentarfilm "Unsere Erde", die Bestsellerverfilmung "Der Jane-Austen-Club" und Martin Walz' Musik-Liebeskomödie "Märzmelodie".

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Der Tagesspiegel, 07.02.2008

Christiane Peitz unterhält sich mit dem Jury-Präsidenten der Berlinale, Constantin Costa-Gavras über das politisches Kino und die Macht der Bilder: "Bildern von der Wirklichkeit begegne ich mit großem Respekt. Sie haben eine außergewöhnliche Kraft. Die Macht der Bilder liegt ja schon in unserer Biologie begründet. Es ist ein Urinstinkt: Wir können der Gefahr nur entgehen, wenn wir sie früh genug sehen. Heute sind die Bilder allgegenwärtig, mein Freund Jorge Semprun fürchtet sogar, dass wir eines Tages überhaupt nicht mehr schreiben und lesen und alles über Bilder lernen."

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Berliner Zeitung, 07.02.2008

Zur heutigen Eröffnung der Berlinale bedauert Anke Westphal, dass der osteuropäische Film kaum noch bei der Berlinale vertreten ist: "Das ist schade, schließlich verfügte die Berlinale als einstiges Frontstadtfestival da über Kompetenz. Immerhin läuft, wenn auch außer Konkurrenz im Wettbewerb, Andrzej Wajdas Film 'Katyn' über die sowjetischen Massaker an polnischen Offizieren und Intellektuellen. Im Ganzen ist Osteuropa auf der Berlinale jedoch so schlecht vertreten wie auf kaum einem anderen internationalen A-Filmfestival. Und man mag auch nicht glauben, was seitens der Berlinale immer wieder vorgebracht wird: dass nämlich gute Filme aus Osteuropa nun mal nicht im Angebot waren. Woanders sind sie ja zu sehen."

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Die Zeit, 07.02.2008

"Und außerdem sind wir doch alle ein bisschen pervers", schreibt Jeanne Moreau in einer Hommage auf Luis Bunuel, dem die heute beginnende Berlinale ihre Retrospektive widmet und mit dem Moreau die "Tagebücher einer Kammerzofe" drehte.


Thomas Assheuer preist schon mal den im Wettbewerb laufende Film "There Will Be Blood" von Paul Thomas Anderson, der auch im Interview mit Assheuer über das politische Kino Hollywoods spricht: "Ich weiß, dass wir einen Film über Öl und Religion gedreht haben, ich bin ja nicht blöd. Dennoch wollte ich keinen Film machen, der bloß ein politisches Statement darstellt. Vielmehr wollte ich einen ganz altmodischen Zweikampf drehen, einen Kampf auf Leben und Tod. Politische Filme können gefährlich werden, wenn sie nicht mehr unterhaltsam sind." (Der Berlinale ist auch das Magazin gewidmet, in dem es unter anderem ein Interview mit Tilda Swinton gibt).

Weiteres: Der Dresdner Dichter und "bekennende Sachse" Thomas Rosenlöcher erklärt, warum er sich noch immer gegen die Waldschlösschenbrücke wehrt. Christian Schüle fürchtet um das Kulturradio des WDR, das "leichtgewichtiger" werden soll.

Besprochen werden das Uraufführungsprojekt "60 Jahre Deutschland" in der berliner Schaubühne, Andrea Breths Inszenierung von Simon Stephens "Motortown" in Wien, die Aufführung von Puccinis "Tosca" ohne Sänger in Berlins Volksbühne ("Hier wird Widerstand geleistet", versteht Volker Hagedorn), eine Ausstellung zu Maurizio Cattelan im Bregenzer Kunsthaus und das Album "Rest Now, Weary Head!" der Band Get Well Soon.

Im Aufmacher des Literaturteils bespricht Georg Diez Philip Roth? Roman "Exit Ghost". Im Dossier begeben sich Stephan Lebert und Stefan Willeke auf das gefährliche Gebiet Neuköllner Schulen.

Im Wirtschaftsteil können Götz Hamann und Marcus Rohwetter selbst kaum glauben, dass der Fast-Monopolist Microsoft mit seinem Übernahmeangebot an Yahoo tatsächlich mehr Wettbewerb ins Netz bringen könnte. Aber der tatsächliche Monopolist Google brauche Konkurrenz: "40 Prozent des weltweiten Werbemarktes im Netz hat Google erobert. Vergangenes Jahr hat der Konzern rund 16 Milliarden Dollar erwirtschaftet, ein Wachstum von 60 Prozent vorgelegt und eine Umsatzrendite von mehr als 30 Prozent brutto - Beleg dafür, dass Google keinen echten Konkurrenten hat."

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Süddeutsche Zeitung, 07.02.2008

Jan Thomas Gross' Buch "Angst - Geschichte eines moralischen Niederganges", das sich mit den Mordtaten an Holocaust-Überlebenden in den ersten beiden Nachkriegsjahren in Polen auseinandersetzt, könnte ein Fall für die Gerichte werden, berichtet Thomas Urban. In der vergangenen Legislaturperiode nämlich sei unter Präsident Jaroslaw Kaczynski ein entsprechendes Gesetz verabschiedet worden: "Wer öffentlich das polnische Volk der Beteiligung, der Organisierung oder der Verantwortung für kommunistische und nationalsozialistische Verbrechen bezichtigt, unterliegt einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren." Allerdings deuten Urban zufolge die ersten Signale der Staatsanwaltschaft darauf hin, "dass das Verfahren eingestellt wird".


Weitere Artikel: "Die Methode, die der Meister lehrte, bestand vor allem in der Leerung", bringt Volker Breidecker in seinem Nachruf auf Maharishi Mahesh Yogi dessen Weisheit auf den Punkt. Jens Bisky schreibt den Nachruf für den 80jährig verstorbenen DDR-Bestsellerautor Dieter Noll. Franziska Augstein freut sich über den guten Ruf der Deutschen und sieht deshalb keine Notwendigkeit, deutsche Soldaten nach Südafghanistan zu schicken. "midt" erörtert die Funktion des Handys für die Intrigendramaturgie des Theaters, Anke Sterneborg spricht mit Mike Nichols über seinen neuen Film "Der Krieg des Charlie Wilson".

Auf der Medienseite unterhalten sich Thomas Schuler und Christopher Keil mit dem Spiegel-Geschäftsführer Mario Frank über die Trennung von Stefan Aust und den multimedialen Ausbau der Marke Spiegel.

Besprochen werden Robin Swicords Regiedebüt "The Jane Austen Book Club", ("Der Autorin hätte es womöglich gefallen, dieser pragmatische Umgang mit ihren Romanen", mutmaßt Fritz Göttler), Israel Adrian Caetanos Film "Der Rote Bär" über das argentinische Krisenjahr 2002, Martin Walz' Berliner Romanze "Märzmelodie", Volker Koepps letzter Ostpreußenfilm "Holunderblüte", Johan Simons Inszenierung der "Entführung aus dem Serail" am Amsterdamer Opernhaus (für die Jörg Königdorf nur das böse Wort "Budenzauber" übrig hat) und Bücher, darunter Andrew Delbancos Melville-Biografie sowie Kinder- und Jugendbücher (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2008

Auf der Kinoseite findet sich ein großes Interview mit den Filmemachern Rosa von Praunheim, Doris Dörrie und dem Nachwuchsregisseur Luigi Falorni ("Feuerherz") über das Kinomachen in Deutschland. Für die Filmhochschullehrer Praunheim und Dörrie scheinen seltsame Selbsterfahrungstrips der Königsweg zum Kino. Dörrie etwa: "Ich habe das ganze letzte Seminar im Hofbräuhaus unterrichtet, wo die Studenten sich morgens um zehn mit den Stammgästen zusammentun mussten. Oder ich bin mit ihnen lange vor Hape Kerkeling pilgern gegangen nach Santiago de Compostela, wo die Reibung durch die eigenen Füße zustande kam und natürlich auch durch all die Verrückten, die da mitpilgern."


Verena Lueken stimmt auf die heute beginnende Berlinale ein, die mit viel Prominenz aufwarten kann, gibt dabei aber zu bedenken: "Vielleicht sollte man sich bei alldem aber doch auch daran erinnern, dass neben den Stars und neben den Themen noch etwas anderes zum Kino gehört, und das sind die Bilder, die Form. Man wird den Eindruck nicht los, dass daran kaum noch jemand denkt, wenn von der Berlinale und ob sie wohl ein Erfolg wird, die Rede ist." Zur Berlinale gibt es auch eine zwölfseitige Beilage, in der unter anderem Martin Scorsese über seinen Rolling-Stones-Film spricht.

Weitere Artikel: Günter Krabbe erzählt die Geschichte Barack Obamas und erklärt, warum dieser streng genommen kein Afroamerikaner ist. Peter Arnds, der normalerweise in Kansas lehrt, jetzt aber in Kabul als Englischlehrer arbeitet, schildert seine nicht unbedingt ermutigenden Erfahrungen in der afghanischen Hauptstadt. In der Glosse erklärt Patrick Bahners, warum Roland Koch mit seinem Wahlkampf nicht nur das bürgerliche Publikum für dumm verkauft hat. Jordan Mejias weiß von frischem Wind in der New Yorker Filiale des Goethe-Instituts. Im "Deutschlandhaus" in Berlin-Kreuzberg wird, wie Regina Mönch berichtet, die Dauerausstellung zu Flucht und Vertreibung ihren Standort finden. Ulrich Olshausen porträtiert Nils Landgren, den neuen Leiter des Jazzfests Berlin. Joachim Müller-Jung schreibt den Nachruf auf den amerikanischen Mikrobiologen und Nobelpreisträger Joshua Lederberg. Auf der Medienseite schildert Oliver Bilger den Fall der kritischen moldauischen Journalistin Natalja Morar, der nach einem Auslandsaufenthalt die Wiedereinreise nach Russland verweigert wird.

Besprochen werden die große Münchner Mark-Rothko-Retrospektive, die Frankfurter Ausstellung "Das Ägypten des Nagib Machfus", die Londoner Tschechow-Inszenierung "Three Sisters on Hope Street", gleich dreimal "Faust" in Parma, Alastair Fothergills Dokumentation "Unsere Erde", und Bücher, darunter Rick de Marinis Kriminalroman "Kaputt in El Paso" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Vom Verenden des Verstehens

26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen

Grenzen spielen eine ambivalente Rolle

25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen

Belebung der Leiber

24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen

Pragmatische Theorie der Tücke

23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus.  In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Gelegentlich auch finster und bizarr

22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen

Figur der Jederzeitlichkeit

21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen.  Mehr lesen

Auch bei geringsten dynamischen Graden

19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen

Das Theater, es lebt, es lebt

18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen

Sie rezensieren, loben und verbreiten auch

16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen

Viel mit der Hand abgeschrieben

15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen

Von bürgerlichen Medien empfohlen

14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen

Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt

12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen

Auch das Spiel folgt Regeln

11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen

Man versucht, die Revolution herauszuhalten

10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen

Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf

09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen

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