Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Diskussion bis aufs Blut

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

22.01.2008. In der FR meint Ulrich Beck: Das Klima erwärmt auch den Nationalstaat. In der Welt erklärt Martin Scorsese, warum er sich für die Rettung alter Filme einsetzt. In der SZ kritisiert Slavenka Drakulic, dass Kroatien seine Kriegsverbrecher unbehelligt lässt. Der SZ wird auch unheimlich, wenn sie die Reaktionen auf Jens Jessens Spießer-Video liest: Der Spießer schlägt zurück. Die FAZ verabschiedet den Buchhändler alter Schule. Die taz feiert den Jazzer Tyshawn Sorey.

Frankfurter Rundschau, 22.01.2008

In einer Rede, die Ulrich Beck im Schloss von Celle-Saint-Cloud nahe Paris hielt, vertritt der Soziologe die Ansicht, dass dem Klimawandel nur mit einer Quadratur des Kreises zu begegnen ist, nämlich einer nationalstaatliche Form von globalisierter Politik: "Klimarisiken stärken Staaten und Zivilbewegungen, weil sie diesen Akteuren neue Möglichkeiten der Legitimation und neue Aktionsräume eröffnen; andererseits schwächen sie das globalisierte Kapital, weil Investitionsentscheidungen Klimarisiken zur Folge haben, Märkte destabilisieren und die Macht des schlafenden Riesen, den der Konsument darstellt, erwecken können. Hieraus entsteht eine alternative Möglichkeit für neoliberale Politik, sei es auf der nationalen oder globalen Bühne: die Zivilgesellschaft mit dem Staat verbinden, was bedeutet, eine kosmopolitische Form der Staatlichkeit zu schaffen."


Weitere Artikel: Der hundertste Geburtstag des Hebbel-Theaters, der mit einem Themenwochenende zur amerikanischen Reeducation begangen wurde, hat Tom Mustroph verdeutlicht, dass Umerziehung meistens danebengeht. Harry Nutt zählt in einer Times mager die Haarisse im Berliner Holocaust-Mahnmal.

Besprochen werden die Aufführung der von Karl Amadeus Hartmanns Oper "Simplicius Simplicissimus" in Hannover, Pierre Audis Inszenierung von Jean-Philippe Rameaus "Castor et Pollux" an der Amsterdamer Oper, eine szenische Lesung mit Gedichten aus Guantanamo im Landestheater Schwaben und ein Auftritt der Rockband Linkin Park in Frankfurt.

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Der Tagesspiegel, 22.01.2008

Mit zwei Männern und dem von ihnen verbreiteten  Mumpitz setzt sich Christiane Peitz auseinander - mit dem scientologischen Superstar Tom Cruise nämlich und dem Cruise-Bewunderer Frank Schirrmacher: " Man könnte das Spektakel um Tom Cruise als Rummel um ein wildgewordenes, aber letztlich harmloses Alphatier abtun. Wären da nicht andere Alphatiere wie Frank Schirrmacher, der Cruise in seiner abwegigen Bambi-Laudatio im November zum mutigen 'Querdenker' stilisiert hatte... Parallel zum Cruise-Aufreger stieg letzte Woche auch die Schirrmacher-Erregungskurve erneut, weil der mächtige Medienmann Jugendkriminalität, muslimischen Fundamentalismus und die 'tödlichen Ideologien des 20. Jahrhunderts' in engen Zusammenhang gebracht hat. Der Mainstream-Held Cruise und der patriotische Mehrheits-Verteidiger Schirrmacher: Beide reden wirr. Eine bizarre, unheimliche Parallele. "

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Aus den Blogs, 22.01.2008

Die ehemalige Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld kommentiert in der Achse des Guten einen Satz Jens Jessens, der über das Lenin-Porträt in seinem Büro sagte, der Kommunismus sei tot, aber der Bolschewismus 'einmal ganz allgemein als Terror der Mehrheit begriffen', sei unsterblich. "Zwar heißt Bolschinstwo tatsächlich Mehrheit, aber daraus folgt nicht, dass die Bolschewiki jemals die Mehrheit repräsentiert haben. Tatsächlich war es eine kleine, aber straff organisierte Minderheit, die den Oktoberputsch ausführte und die Macht ergriff. Mit dem roten Terror gelang es dieser Minderheit, ihre Macht zu zementieren. Mehr als siebzig Jahre hat eine Minderheit die Mehrheit um ihre Lebenschancen gebracht. Der reale Kommunismus mag tot sein, seine Legenden sind im Kopf des Feuilletonchefs unserer führenden Zeitgeist-Postille höchst lebendig. Kein Wunder, dass die Schüler unseres Landes bei jeder Umfrage durch Unkenntnis der Geschichte auffallen."

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Neue Zürcher Zeitung, 22.01.2008

Hubertus Adam erinnert an die zahlreichen modernen Bauten von Iowa, als dessen architektonisches Wahrzeichen also völlig zu Unrecht der Silo gelte: Schließlich habe schon 1914 Louis Sullivan die Merchants National Bank in Grinnell gebaut und in Mason City finde sich Ensemble mit Bauten von Frank Lloyd Wright und anderen Vertretern der Prairie School. Aus Portugal berichtet Thomas Fischer, dass der bisher als TV-Magnat und konservativer Zeitungsverleger in Erscheinung getretene Pais do Amaral neuerdings auch Buchverlage aufkauft und damit die Literatuszene sehr verunsichert.


Besprochen werden die Berliner Inszenierung von Verdis "Un ballo in maschera" (und in der vor allem Tenor Piotr Beczala mit "betörendem Schmelz in strahlenden Höhen" Marianne Zelger-Vogt erfreute) und Bücher, darunter Enrique Vila-Matas' Roman "Doktor Pasavento", Haris Vlavianos' Gedichte "Nach dem Ende der Schönheit", Georg M. Oswalds Justizsatire "Vom Geist der Gesetze" sowie Heiko Haumanns Band "Die russische Revolution 1917" (mehr ab 14 Uhr in unserer Büchershau des Tages).

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Die Welt, 22.01.2008

In der Reihe "Deutsches Filmerbe" unterhält sich Paul Beddies mit Martin Scorsese über die Frage, warum er sich für die Erhaltung alter Filme einsetzt, die er in einer Welt-DVD-Bibliothek herausbringen will: "Wir haben in den USA einen ganz gefährlichen Trend. Wir genügen uns selbst. Die Kulturen anderer Länder, von denen wir uns ernährt haben, die uns so groß gemacht haben, interessieren uns kaum noch. Es ist eine Ignoranz zu beobachten, die gefährlich ist."


Weitere Artikel: Thomas Lindemann erklärt die Figur des "Endgegners" in Videospielen. Volker Blech unterhält sich mit Anne-Sophie Mutter über Herbert von Karajan. Andrea Seibel besucht die Gerhard-Richter-Ausstellung in Baden-Baden und schwärmt vom Verhältnis zwischen Sammler Frieder Burda und dem Maler. Hannes Stein erklärt, was es mit Tom Cruises Frage "Wanna Clean this Place up" in seinem Scientology-Propagandavideo auf sich hat.

Besprochen werden eine CD des Pianisten Pierre-Laurent Aimard mit Bachs "Kunst der Fuge" und Luigi Nonos "Prometeo" und ein "Maskenball" an der Berliner Staatsoper.

Auf der Interviewseite interviewt Annette Kuhn den Fotografen Werner Kranwetvogel, der in Nordkorea die Massenspektakel in den Stadien zu Ehren der großen Führer aller Generationen fotografierte.

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Die Tageszeitung, 22.01.2008

In der zweiten taz reagiert Mürvet Öztürk, Vorsitzende des Bundes der Alevitischen Frauen, auf den gestrigen Artikel von Necla Kelek, die die Aleviten aufgefordert hatte, sich dem Problem von Verwandtenehe und Kindesheirat zu stellen, statt gegen einen Tatort zu protestieren. Dazu Öztürk im Interview: "Das hört sich ja so an, als gebe es in der gesamten Gemeinde sexuellen Missbrauch. Falls es Missbrauchsfälle gibt, dann ist es unsere Aufgabe als Verband, sich auf diese zu konzentrieren und den Betroffenen auch zu helfen, wenn sie es aus eigener Kraft nicht schaffen sollten, sich zu Wehr zu setzen. Aber wie kommt man eigentlich dazu, immer gleich zu ethnisieren und zu verallgemeinern? Diese mangelnde Sachlichkeit und Differenzierung ist ein grundlegendes Problem im Diskurs hierzulande."


Als "das Beste, was die New Yorker Szene seit langem zu bieten hat", preist Christian Broecking im Kulturteil das erste eigene Album "That/Not" von Tyshawn Sorey, in das hier reingehört werden kann. "Die Liste der Leute, die ihn beeinflusst haben, ist entsprechend lang, sehr lang. Neben Martin Luther King Jr. und Luigi Nono nennt er auf seiner eigenen Webseite auch Karlheinz Stockhausen, David Bowie und den jungen deutschen Posaunisten Johannes Lauer. Vier beeindruckende Duo-Aufnahmen, die die beiden vor einem halben Jahr in New York machten, sind momentan ebenfalls im Internet zu hören. Dass der junge Afroamerikaner mit einer solch illustren Referenzliste zwischen E und U und Schwarz und Weiß den neotraditionalistischen Jazzkanon am Lincoln Center bewusst ignoriert, liegt auf der Hand."

Weiteres: Henrike Thomsen konstatiert einen Hang zur Wiederholung in der Kunst, um diesen gleich mit Deleuze zu erklären. Christiane Müller-Lobeck schildert, wie die Hamburger CDU mit dem Verbot von Taschenmessern und anderen Wafffen die Hamburger Reeperbahn sicherer machen will. Dietmar Kämmerer erfährt auf dem 13. Internationale Bremer Symposium zum Film mehr über die Ähnlichkeit von Kino und Traum. Eine Besprechung ist Sebastian Nüblings Inszenierung von Mathieu Kassovitz' Film "Hass" als "Underdog-Comedy" an den Münchner Kammerspielen gewidmet.

Und Tom.

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Süddeutsche Zeitung, 22.01.2008

In Kroatien gibt es Männer, die so viel wissen, dass sie unantastbar sind, selbst wenn sie als Kriegsverbrecher verdächtigt werden. Die Schriftstellerin Slavenka Drakulic erzählt die Geschichte von Branimir Glavas (mehr hier), der seine Opfer zum Trinken von Batteriesäure gezwungen haben soll und als Politiker seit 1991 der Strafverfolgung entgeht. "Bei der jüngsten Parlamentswahl wurde er Kandidat der 2006 von ihm selbst gegründeten Partei 'Kroatische Demokratische Versammlung von Slawonien und Baranja' (HDSSB) und als solcher zum sechsten Mal ins Parlament gewählt. Und Glavas konnte mit Unterstützung rechnen: Schon ein paar Tage vor der ersten Zusammenkunft des Parlaments verkündete der neue und alte Premierminister von Kroatien, Ivo Sanader, dass Glavas aus der Haft entlassen und an der Arbeit des neuen Parlaments teilnehmen werde." (Eine interessante Auseinandersetzung mit Slavenka Drakulic' Buch "Keiner war dabei" legte neulich Dunja Melcic vor.)


Nur online zeigt sich Ruth Schneeberger entsetzt von den Reaktionen auf Jens Jessens Spießer-Video (mehr hier). "Angefeuert durch Bild und FAZ, tobt nun eine Welle der Empörung in Internetforen, Blogs, und Userkommentaren. Was dort zu lesen ist, ist zuweilen justiziabel: Man solle dem 'Deutschland-Hasser', diesem 'hinterhältigen und verdorbenen Gesellen', dem 'charakterlosen Wurm' auf die 'Fresse hauen', den 'ekelhaften Rotfaschisten' auf den 'Müllhaufen der Geschichte' werfen, das 'widerliche linke Schwein' in der U-Bahn so verprügeln, 'dass er sich für den Rest seines Lebens von Flüssignahrung ernähren muss'. (...) Auch das ist Gewalt. Sie drohen, sie beleidigen, sie hetzen und sie rüpeln. Das Ganze ist längst kein Spaß mehr. Zwei Verlierergruppen der Gesellschaft, die chancenlosen Jugendlichen und die Alten, sind aufeinander losgelassen. Dazu gesellt sich eine Gruppe offenbar gewaltbereiter Spießer, die nichts unversucht lässt, die Diskussion bis aufs Blut zu führen."

Weitere Artikel: Susan Vahabzadeh meldet, dass Oliver Stone ein Filmporträt von George W. Bush drehen will. Amerikanische Intellektuelle finden die im Vergleich mit den USA oft schmucklosen Reden europäischer Politiker faszinierend, weil hier Inhalte im Vordergrund stehen, verrät der Politikwissenschaftler Bryan Garsten im Gespräch mit Johan Schloemann. Für Chopins b-Moll-Klaviersonate und Robert Schumanns "Kreisleriana" nimmt sich Joachim Kaiser eine "Zwischenzeit". Florian Kessler resümiert ein Münchner Podiumsgespräch zwischen den Gen-Unternehmer Craig Venter und dem Evolutions-Autor Richard Dawkins. Christine Dössel schreibt den Nachruf auf den Schweizer Schauspieler Urs Hefti.

Besprochen werden Verdis "Maskenball" an der Staatsoper in Berlin, Aufführungen von Jan Neumanns "Kredit" und John Fords "Schade, dass sie eine Hure war" im Kleinen Haus des Frankfurter Schauspiels, eine von Gerhard Richter selbst kuratierte Ausstellung mit "Bildern aus privaten Sammlungen" im Museum Frieder Burda in Baden-Baden und Bücher, darunter Hans Küngs zweiter Band der Erinnerungen "Umstrittene Wahrheit" und Rolo Diez' Krimi "Wüstenstaub" (mehr in unserer Bücherschau des Tages).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2008

Der Buchhändler alter Schule macht's nicht mehr lang, meint jedenfalls Hannes Hintermeier: "Man muss keine Kulturkrise ausrufen, weil sich ein Berufsbild ändert. Aber es bleibt im Fall der Ware Buch ein unauflösbarer Zweifel, wie denn gehaltvolle Beratung - Sortiment kommt von sortieren - zu organisieren sei, wenn man auf Personal setzt, das nicht weiß, wie man Balzac schreibt oder wo man Bücher bestellt, die nicht beim Grossisten auf Lager sind. In der schönen neuen Einkaufswelt geht es mehr denn je darum, das Buch als erlebnisbegleitendes Mehrzweckprodukt zu makeln: Lesen muss es offenbar niemand mehr."


Weitere Artikel: Scharf kritisiert Regina Mönch die geplante Versetzung des mit - für den Geschmack der Senatorin wohl: zu viel - Verve gegen kriminelle Jugendliche vorgehenden Berliner Oberstaatsanwalts Roman Reusch. In der Glosse befasst sich Gina Thomas mit der womöglich nachlassenden Qualität der Unterwäsche bei Marks & Spencer. Von Schweizer Diskussionen über die vielen deutschen Professoren an heimischen Universitäten berichtet Jürg Altwegg. Außerdem porträtiert er den französischen Autor Dominique Fernandez, der zu einer "Schlüsselfigur" des französischen Literaturbetriebs geworden ist. Kristina Pezzei informiert über einen Berliner Kongress zu Problemen der "Global Cities". Auf dem Weg zur neuen Antarktisstation Neumeyer III war Karoline Stürmer durchs Packeis unterwegs. Gerhard Stadelmaier schreibt einen Nachruf auf den Burg-Schauspieler Urs Hefti, Edo Reents auf den Musiker John Stewart. Stephan Sahm zitiert eine Umfrage, die herausfand, dass die deutsche Bevölkerung die Forschung an embryonalen Stammzellen stärker denn je ablehnt. In der seit ein paar Wochen auf der Forschung-und-Lehre-Seite geführten Diskussion über die exzellenzfördernde Rückbindung der Max-Planck-Institute an die Universitäten mischt sich jetzt Max-Planck-Präsident Peter Gruss ein und warnt vor diesem Schritt. Auf der Medienseite vermeldet Jordan Mejias die Kündigung des Los-Angeles-Times-Chefredakteurs, der nicht so sparen will, wie es die Eigentümer verlangen.

Besprochen werden Jossi Wielers und Sergio Morabitos Berliner Inszenierung von Verdis "Maskenball", Roland Schimmelpfennigs Uraufführung von Justine del Cortes Stück "Ratte", Ludger Engels' Inszenierung der "Orestie" in Aachen, ein Konzert von Jens Friebe in Berlin und neue CDs, darunter das dritte Album "Do You Like Rockmusic" von British Sea Power und der Band "Leben ohne Poesie" mit Gedichten von Peter Handke (dazu mehr in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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