Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

"Handgemachter Techno"

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

30.11.2007. In der FR spricht Amartya Sen über nationalen und religiösen Identitätswahn. Die NZZ meint: Der Islam kann Österreich gar nicht k.u.kratzen. Die Jungle World kritisiert konservative Feuilletonisten und die proiranische deutsche Außenpolitik. Die SZ befasst sich mit dem Genre des Videoblogs von Kollegen. Die taz schildert die Eichstätter Verzweiflung über den Mangel an Arbeitslosen. Die FAZ feiert Thetan Cruise, der von Titan Schirrmacher geehrt wurde. Wegen seiner Courage, den Stauffenberg zu spielen.

Neue Zürcher Zeitung, 30.11.2007

Hin und wieder muss auch in Österreich ein Islamist verhaftet werden, doch meist hält sich die Aufregung in Grenzen, berichtet Paul Jandl. Die einstige k.u.k. Monarchie blicke immerhin auf eine Geschichte als Vielvölkerstaat zurück, der seit der Einverleibung Bosniens und Herzegowinas 1878 mit dem Islam lebe. Die Situation heute umreißt Jandl so: "Hatten 2001 rund 14 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund, so sind es 2007 über 16 Prozent. Die meisten Zuwanderer leben in Wien. Bereits ein Drittel der Stadtbewohner ist nicht in Österreich geboren. Wer allerdings reflexartig die Balkanisierung des Landes fürchtet, der kann beruhigt werden. Die Mehrzahl der neuen Bürger kommt nicht mehr aus klassischen Gastarbeiterländern, sondern aus der EU. Die stärkste Gruppe von Zuwanderern bilden die Deutschen. Kann es sein, dass in Österreich der Kampf der Kulturen bisher weniger scharf ausgefallen ist als anderswo? Selbst das Kopftuch war bisher kein Streitthema. Eher im Gegenteil. Als die Stadt Wien vor kurzem die neue offizielle Arbeitskleidung ihres Reinigungspersonals präsentierte, war auch ein Dienstkopftuch für muslimische Frauen dabei."


Besprochen werden Dimiter Gotscheffs Inszenierung von Heiner Müllers "Anatomie Titus Fall of Rome" (über die Dirk Pilz sich das "Grau der Beliebigkeit" senken sah), eine Ausstellung zu Hans Poelzig in der Akademie der Künste in Berlin, die Schau "Begegnung mit der Vergangenheit" zum 100-jährigen Jubiläum des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo, die neue Ausgabe des Schreibhefts zu Ezra Pound und das Comeback-Album "8 Diagrams" des Wu-Tang Clan (dem wir die "wirtschaftliche und künstlerische Strategie der Diversifizierung" verdanken", die heute "im Popzirkus Standard ist", wie Matthias Daum es ausdrückt).

Die Medienseite ist dem hochauflösenden Fernsehen HDTV gewidmet, das ab dem 3. Dezember in der Schweiz frei empfangbar sein wird, wie S.B berichtet und Albrecht Gasteiner näher erklärt.

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Weitere Medien, 30.11.2007

Pro Mosebach und contra Internet. Peter Dierlich kommt in der Jungle World noch mal auf den Debattenherbst zurück und findet strenge Worte über die konservativen Wortführer: "Es gibt nur ein paar korrekt gekleidete Herren, die sich konservativ und elitär gebärden und in den Feuilletons mit ihrem Abiturzeugnis herumwedeln. Sie reden von Traditionen, Tugenden und Werten und von der Familie und sind dabei genauso hilflos wie die Achtundsechziger, von denen sie sich noch immer unterdrückt und bevormundet fühlen... Doch eines haben sie ihren vermeintlichen Feinden, die zu überrollen sie sich nun anschicken, immerhin voraus: Die Achtundsechziger erreichten das Stadium ihrer kompletten Lächerlichkeit erst nach anderthalb Jahrzehnten, unsere selbstbewussten Konservativen aber haben dasselbe in ein paar Wochen geschafft."


Im politischen Teil der Jungle World kritisiert Matthias Küntzel die in den Medien wenig reflektierte, aus Handelsinteressen begründete proiranische Politik der Deutschen (die auch Timothy Garton Ash neulich in deutlichen Worten anprangerte): "Wir leben in Zeiten einer übergroßen Koalition. Die Abgeordneten, die die Aufgabe hätten, das Regierungsgebaren zu kontrollieren, schweigen, während sich die Medien in der Rolle des Erfüllungsgehilfen exekutiver Macht gefallen. Das iranische Regime droht mit der Vernichtung Israels. Deutschland steht in vorderster Reihe, aber nicht bei jenen, die das Unheil abzuwenden suchen, sondern bei jenen, die ihm den Weg bereiten."

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Die Welt, 30.11.2007

Im Feuilletonaufmacher feiert Holger Kreitling zum 70. Geburstag Ridley Scotts die auf DVD erscheinende restaurierte Fassung seines Klassikers "Blade Runner". Rüdiger Sturm unterhält sich mit dem Regisseur. In der Leitglosse kommentiert Uwe Wittstock den Abgang des Eichborn-Chefs Matthias Kierzek Gerhard Charles Rump annonciert die Versteigerung von Kennedy-Fotos in München. Paul Badde freut sich auf die neue Enzyklika des Papstes, die maßgeblich von Kardinal Van-Thuan Nguyen mitgeprägt wurde. Jacques Schuster meldet, dass sich die jüdische Gemeinde Bremens gegen den Hannah-Arendt-Preis für Tony Judt wendet, der in der New York Review of Books eine harsche Kritik an Israel veröffentlicht hatte. Gerwin Zohlen besucht die in der Nähe des Auswärtigen Amtes entstehenden Townhouses für begüterte Neuberliner. Und Ulrich Weinzierl gerät angesichts der Meldung dass die Wiener Piano- und Flügelfabrik Bösendorfer, die gegen Steinway schon längst keine Chance mehr hat, nun an Yamaha verkauft wird, keinewegs in kulturpessimistische Stimmung.


Besprochen werden einige neue Rock-CDs und ein "Idomeneo" in Magdeburg.

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Frankfurter Rundschau, 30.11.2007

Im Gespräch mit Michael Hesse geht der Wirtschaftswissenschaftler und Autor Amartya Sen noch einmal gegen die immer wieder praktizierte Verflachung des eigentlich multidimensionalen Menschen vor. "... es ist doch sehr schwer einzusehen, warum wir jemanden gänzlich oder primär als Mitglied einer so genannten Zivilisation ansehen sollen, die sich ausschließlich durch die Religion definiert - oder, um in Huntingtons Kategorien zu bleiben, als Mitglied der 'islamischen Welt', der 'westlichen Welt' oder der 'buddhistischen Welt'. So reduziert man Menschen auf diese eine Dimension - in diesem Fall auf ihre Religionszugehörigkeit. Dabei gibt es so viele andere Zugehörigkeiten, wie Sprache, Literatur, Nationalität, Beruf, Lebensstellung, Erziehung, politische Bindungen, soziale Überzeugungen."

Michael Santen spricht mit David Ensikat vom Tagesspiegel, dem wohl einzigen Nachruf-Redakteur Deutschlands. In der Times mager kommentiert Christian Thomas die halbstündige Zeitverschiebung in Venezuela, die der "Halunke" Chavez initiiert hat.

Besprechungen widmen sich einer Schau mit hundert Filmplakaten aus den Sechzigern im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt, einer Ausstellung der Skulpteurin Eva Grubinger in der Frankfurter Schirn, einer CD mit Heiner Goebels' Oper "Landschaft mit entfernten Verwandten" und Dimiter Gotscheffs Inszenierung von Heiner Müllers "Titus Andronicus" am Deutschen Theater ("Das Sprechen ist das Merkwürdigste an der Aufführung. Egal ob die Schauspieler brüllen oder das Publikum quasi intim ansprechen, sie sagen vor allem: Sieh, ich spreche", bemerkt Peter Michalzik spitz).

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Die Tageszeitung, 30.11.2007

Auf den Tagesthemenseiten berichten Astrid Geisler und Volker Derlath aus dem oberbayerischen Eichstätt, wo eine Arbeitslosenquote von 1,13 Prozent viele Unternehmer in den Wahnsinn treibt und sich mancher wieder eine "gesunde" Quote wünscht. "Wenn man den 34-Jährigen aus dem Tritt bringen will, muss man ihn auf Arbeitslosigkeit ansprechen. Er zögert einen Augenblick. 'Ganz ehrlich', sagt er dann vorsichtig und schiebt die Ärmel seines wollweißen Ralph-Lauren-Pullis hoch. 'Ich selbst kenn keinen einzigen Arbeitslosen.' Ihm sei auch nicht klar, wie man in dieser Region keinen Job finden könne."


Die taz-Kultur ist gespalten über Florian Havemanns 1000-seitiger Abrechnung mit seinem Vater Robert Havemann, mit Wolf Biermann und dem eigenen Leben. Jörg Magenau ist begeistert: "Dass man keine der unglaublichen Geschichten ungeprüft glauben darf, ist die Grenze, in der es sich bewegt. Doch innerhalb dieser Grenzen ist es in seiner Maßlosigkeit, seinem hypertrophen Egozentrismus, seiner Ungerechtigkeit und seiner teilweise unerträglichen Geschwätzigkeit vor allem dies: faszinierende Literatur." Rudolf Walther ist angewidert: "Die Peinlichkeiten, die Havemann über sein eigenes Sexualleben und die bodenlosen Gerüchte über dasjenige anderer ausbreitet, belegen nur, was der Autor selbst einräumt: 'Havemann [ist] eine Form des Exhibitionismus', und zwar der vulgären Art."

Weiteres: Ernst Klee, ein Vorreiter der deutschen Behindertenbewegung, wird mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille geehrt, wie Oliver Tolmein informiert. Besprochen werden neue  Techno-Platten.

Und Tom.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2007

Von einem Ereignis welthistorischen Ausmaßes ist, aus Aktualitätsgründen, erst einmal nur online zu lesen. Der bedeutende Nazi-Widerstandskämpfer und scientologische Thetan Tom Cruise erhielt gestern Abend, wie Oliver Jungen berichtet, den Bambi - und mitnichten für seine schauspielerischen Leistungen: "Der wichtigste Preisträger der diesjährigen Bambi-Verleihung war zweifellos Tom Cruise, der eine Auszeichnung in der wohl schönsten Kategorie erhielt: Courage. Mut habe Cruise bewiesen durch seinen Einsatz für den Film 'Valkyrie' und insbesondere durch die Übernahme der Rolle des Claus Schenk Graf von Stauffenberg." Gratulieren müssen wir auch dem journalistischen Titanen Frank Schirrmacher, der Cruise' mutige Tat öffentlich machte und nun die Laudatio halten durfte sowie natürlich dem von ihm mitherausgegebenen Widerstandsblatt FAZ, das es wagt, von diesem Ereignis in angemessener Ausführlichkeit zu berichten. (Einen weiteren Bambi erhielt übrigens der andere große Nazi-Widerständler Johannes Heesters.)


In Sachen französischer Kulturpolitik vollzieht sich, wie Jürg Altwegg informiert, unter der Regierung Sarkozy gerade ein "Epochenbruch": "In Frankreich, wo das Mäzenatentum wenig entwickelt ist, leitet Sarkozy eine Kulturrevolution ein, die mit der Tradition der Gaullisten und der Sozialisten bricht. Die Kulturfinanzierung wird entstaatlicht und privatisiert. Das Ende der 'exception culturelle' hat begonnen."

Weitere Artikel: In der Glosse bringt uns Rose-Maria Gropp auf den neuesten - wenn auch nicht sonderlich neuen - Stand der Dinge in Sachen Kulturgüterstreit zwischen dem Land Baden-Württemberg und Haus Baden. Über trashliterarische Kommentare auf das putinistische Russland informiert Kerstin Holm. Kritisch äußert sich Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Wiener Albertina, zu den jüngsten Michelangelo-Werkenteignungsversuchen.

Von italienischen Plänen zu Wahlrechtsreformen nach deutschem Vorbild berichtet Dirk Schümer. Klaus Ungerer hat sich mit der Computerspieleentwicklerin Jane Jensen unterhalten. Thomas Thiel stellt den Markt der Serviceroboter vor und legt uns insbesondere den Haushalts- und Krankenpflege-Helfer Twendy-One (sic!) ans Herz, der leider erst 2015 reif sein wird für den Massenmarkt. Jordan Mejias gratuliert dem Autor und Filmregisseur David Mamet zum Sechzigsten.

Besprochen werden die neue Ausstellung im wiedereröffneten Leipziger Grassi-Museum für angewandte Kunst, die Edward-Steichen-Ausstellung im Pariser Jeu de Paume, die Varian-Fry-Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste, Dimiter Gotscheffs Inszenierung von Heiner Müllers "Anatomie Titus Fall of Rome" am Deutschen Theater Berlin, Leander Haußmanns Sachbuch-Verfilmung "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" und Bücher, darunter die Reisetexte "Geht so" des Fehlfarben-Sängers Peter Hein sowie auf der Sachbuch-Seite Simon Reynolds Geschichte des Postpunk "Ript It Up And Start Again" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Außerdem hat die FAZ heute eine Literatur-Beilage, in deren Aufmacher Henning Ritter den Supplementband zur Frankfurter Proust-Ausgabe feiert. Wir werden sie in den nächsten Tagen auswerten.

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Der Freitag, 30.11.2007

Der in Wien und Bukarest lebende Autor Jan Koneffke schreibt über die Vergangenheitsbewältigung in der rumänischen Öffentlichkeit und Kulturszene, etwa über den Fall des Journalisten Carol Sebastian, der lange eine Aufarbeitung forderte und selbst, wie sich jetzt herausstellte, für die Securitate IM war: "Wie in Mungius Film 'Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage' hatte seine Freundin eine Abtreibung vornehmen lassen. Mit dem Wissen um diese Straftat setzte der Geheimdienst Carol Sebastian unter Druck. Wenn seine Freundin nicht im Gefängnis landen sollte, müsse er kollaborieren - und der Student unterschrieb."

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Süddeutsche Zeitung, 30.11.2007

Auf einer ganzen Seite geht es um afrikanische Musik. Jonathan Fischer erzählt von den elektrischen Likembe-Orchestern in Kinshasa, von denen einige heute abend im Haus der Kulturen der Welt in Berlin auftreten: "Große Xylophone mischen ihr Gongen in den Beatkreisel. Pfeifen sirren, und eine Sirene geht heulend los, während die Gruppe vielstimmig den Chant aufnimmt. Handgemachter Techno. Urbane Geisterbeschwörung. Dank der Tonabnehmer - es sind zweckentfremdete Magnetspulen von Schrottautos - und einer übersteuerten Anlage schwimmt der Likembe-Rock in Rückkopplungen wie die Papayaschalen in den Pfützen vor dem Club." Werner Bloch stellt das "Orchestra Baobab" aus Dakat vor (mehr).


Ob nun Gero von Randow, Matthias Matussek, Harald Martenstein oder Volker Weidermann. Sie alle sind Journalisten und sie alle haben eigene Videoblogs, die Ijoma Mangold, der noch keines hat, als neue journalistische Form zwischen Print, Internet und Fernsehen wahr- und auseinandernimmt (Mangolds Text ist nur beim SZ-Jugendableger jetzt.de online zu lesen.) "Im Videoblog geht es auffallend häufig um Mögen und Nicht-Mögen. Gerne auch in ausdrücklich privater Ausrichtung. In einem herkömmlichen Medium muss der Journalist immer zumindest den Schein einer verallgemeinerungsfähigen These, die es auf den Gesellschaftszustand insgesamt abgesehen hat, anstreben. Ist diese Form gewahrt, kann man dann durch die Blume seine mehr persönlichen Invektiven fahren. Solche Umständlichkeiten sind im Videoblog nicht mehr nötig." (Ach so, dann dient das Printformat vor allem der Wahrung des Scheins?)

Weiteres: Burkhard Müller freut sich über die unerwarteten Kunstgenüsse in der so plötzlich aus dem Nichts aufgetauchten Sammlung Gunzenhauser in Chemnitz. Bernhard Prinz von Baden hat mit Hilfe von drei Professoren festgestellt, dass Kunstwerke im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro ihm und nicht Baden-Württemberg gehören, wie Bernd Dörries weiterträgt. Milosz Matuschek fordert nach der Einladung von David Irving nach Oxford ein europaweites Gesetz gegen die Leugnung des Holocaust. Fritz Göttler wünscht dem Regisseur Ridley Scott alles Gute zum Siebzigsten. Karl Bruckmaier schreibt zum Tod von Fred Chichin, Gründer des französischen Popduos Les Rita Mitsouko.

Im Medienteil begutachtet Jörg Häntzschel die neuen Redaktionsräume der New York Times, wo Online und Print Hand in Hand arbeiten, und freut sich besonders über den Verzicht auf Boulevard-Elemente beim Web-Auftritt, der im eigenen Haus ja nicht ganz durchgehalten wird.

Buchrezensionen widmen sich unter anderem der in den USA herausgegebenen "Neuen Geschichte der deutschen Literatur" und zwei Ausgaben von Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Vom Verenden des Verstehens

26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen

Grenzen spielen eine ambivalente Rolle

25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen

Belebung der Leiber

24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen

Pragmatische Theorie der Tücke

23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus.  In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Gelegentlich auch finster und bizarr

22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen

Figur der Jederzeitlichkeit

21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen.  Mehr lesen

Auch bei geringsten dynamischen Graden

19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen

Das Theater, es lebt, es lebt

18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen

Sie rezensieren, loben und verbreiten auch

16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen

Viel mit der Hand abgeschrieben

15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen

Von bürgerlichen Medien empfohlen

14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen

Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt

12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen

Auch das Spiel folgt Regeln

11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen

Man versucht, die Revolution herauszuhalten

10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen

Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf

09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen

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