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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner

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- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
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- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
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- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
"Weil ich ein Künstler bin"
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
26.11.2007. Im Tagesspiegel gewinnt Kerstin Decker aus den Erinnerungen Florian Havemanns ein recht unvorteilhaftes Bild der Dissidenz. In der FR dagegen betrachtet Yaak Karsunke diese Erinnerungen als "monströs aufgeschwemmte Klatschkolumne". Für die taz besucht Gabriele Goettle eine Märchenerzählerin. In seinem Blog beschreibt Rainald Goetz die Schwierigkeit des Schreibens über Journalismus.
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Der Tagesspiegel, 26.11.2007
Die Autorin Kerstin Decker liest für den Tagesspiegel am Sonntag die vielerwarteten Erinnerungen von Florian Havemann, in denen sich herausstellt, dass selbst Dissidenten keine Engel sind. Vor allem Biermann missfällt ihr: "Biermann. Es gibt Menschen, auf die man sich im Notfall verlassen kann - und die anderen. Biermann gehört ziemlich eindeutig zur zweiten Gruppe, das haben viele in Ost - und später in West! - bezeugt. Und die Unterzeichner des Protests gegen die Ausbürgerung Biermanns wurden nie müde zu betonen, dass es nicht um Biermann ging, nicht um die Person, nur um den Fall. Ein Prahler, ein Geck, ein Aufreißer, der selbst vor Margot Honecker nicht haltmachte? Biermann selbst schreibt, M. H. habe bei ihm zu Hause 'mit zusammengeklemmten, ideologisch weggeknickten Knien' hochoffiziös in dem Sessel gesessen, der sonst Robert Havemann vorbehalten war. Ja, mein Gott, der Mann ist Künstler."
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Frankfurter Rundschau, 26.11.2007
Florian Havemanns Autobiografie "Havemann" ist ein Produkt der "Tonnen-Ideologie" des Ostblocks, schimpft Yaak Karsunke. Je mehr Beleidigungen, desto besser. "Wolf Biermann und Robert Havemann sind nicht die einzigen Hassobjekte in dieser monströs aufgeschwemmten Klatschkolumne; wer immer ein bisschen erfolgreicher ist als der Verfasser, hat eine gute Chance, mit Verbalinjurien, Indiskretionen, Unterstellungen und Verdächtigungen an den Pranger gestellt zu werden. Am liebsten wäscht Florian Havemann anderer Leute schmutzige Wäsche - und anschließend die eigenen Hände in Unschuld. Er war es ja gar nicht, er konstatiert doch nur, gibt halt seine eigene Sicht wieder in endlosen Selbstbespiegelungen, die beweisen sollen, was er für ein sensibler, reflektierter und kreativer Kopf ist, 'weil ich ein Künstler bin', wie er mehrfach beteuert."
Weiteres: Harry Nutt fragt sich, ob es richtig ist, wie Kulturstaatsminister Bernd Neumann vor allem in das kulturelle Erbe zu investieren. Arno Widmann war in München, als dort der Deutsche Theaterpreis vergeben wurde. Stephan Hilpold glaubt nach dem Auftakt mit vier Erstaufführungen, dass Andreas Beck als neuer Intendant des Wiener Schauspielhauses zumindest schon mal das richtige Umfeld geschaffen hat. In der Times mager kommt Ina Hartwig auf Günter Grass' Klage gegen die SS-Passage in Michael Jürgs Biografie zurück.
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Die Tageszeitung, 26.11.2007
Gabriele Goettle besucht in diesem Monat eine Märchenerzählerin für Erwachsene. "Es gibt immer Tee. Der Samowar ist mein bester Mitarbeiter! Ich bin festlich gekleidet, es gibt einen Leuchter, vielleicht einen Teppich, meinen Stuhl aus Damaskus. Ich forme mit meiner Stimme, mit meinem ganzen Körper die Erzählung, ich gehe herum oder ich sitze. Manchmal sitze ich aber auch einfach nur mit den Leuten zusammen an einem Tisch und erzähle. Man braucht ja eigentlich nichts weiter. Das ist ja das Gute! Und ich praktiziere natürlich freies Erzählen, im Unterschied zur Europäischen Märchengesellschaft, die auswendig Gelerntes vortragen lässt. Aber da sitzt sie leider einem Irrtum auf. Wortgetreue Wiedergabe gab es bei Epen und auch Mythen, besonders auch bei schriftlosen Völkern. Aber die Märchen wurden traditionell immer variiert und verändert. Im Kleide der Märchen wurden ja auch politische Botschaften versteckt und weitergetragen."
In der zweiten taz resümiert Ronald Düker ein Europa-Gespräch von Frank-Walter Steinmeier und Jürgen Habermas im Berliner Willy-Brandt-Haus. Philipp Gessler gratuliert dem Filmregisseur Rosa von Praunheim zum 65. Geburtstag.
Und Tom.
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Die Welt, 26.11.2007
Wolf Lepenies schreibt zum 150. Todestag von Joseph von Eichendorff. Jeannette Neustadt berichtet von der Verleihung der "Faust"-Theaterpreise in München. Eckhard Fuhr glossiert die Diskussion zwischen Jürgen Habermas und Außenminister Frank-Walter Steinmeier über Europa in Berlin. Dankwart Guratzsch freut sich, dass jetzt auch Hannover ein Schloss wiederaufbauen darf: die Volkswagenstiftung spendiert 20 Millionen für Herrenhausen, die Sommerresidenz der Welfen. Hildegard Strauberg berichtet, dass Dresden die Gründung eines Welt-Kulturforums nach Davoser Vorbild plant. Ulrike Simon spricht mit Caren Miosga über ihre ersten Monate als Moderatorin der Tagesthemen.
Auf den Forumsseiten räumt Soziologe Gunnar Heinsohn zwar ein, dass es den genetischen Beweis für ethnische Intelligenzunterschiede nicht gibt, ist sich aber dennoch sicher, dass diese existieren. Schließlich gebe es auch keine Garantien, dass Umwelteinflüsse komplett ausgeglichen werden könnten.
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Aus den Blogs, 26.11.2007
Rainald Goetz denkt in seinem Blog bei Vanity Fair über das Wesen des Online-Journalismus nach und kommt dann auch zu einigen deprimierenden Erwägungen über den Journalismus selbst, nämlich, dass es "absurderweise überhaupt nicht gegen die real praktizierte publizistische Berufsehre" verstoße, wenn "Bekannte sich gegenseitig öffentlich fördern, protegieren, besprechen, dass ein Lob ein Gegenlob oder ein Jobangebot hervorbringt, weil die nepotistische Verflechtung aller mit allen der von allen akzeptierte Normalfall ist. Positives kann man folglich nicht sagen, das Negative sowieso nicht, da droht Klage, Sanktion, Gegenrecherche und Exkommunikation des Sprechers, aber natürlich auch des verantwortlichen Chefs aus dem Kreis der anderen wichtigen Mitmacher."
Der Perlentaucher ist ja bisher zu faul dazu. Nun gibt es einen "Sonntagstaucher" (der auch noch so heißt) bei Medienlese: Sonntags in den Feuilletons.
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Neue Zürcher Zeitung, 26.11.2007
Der Sinologe Roland Altenburger erinnert an die Entdeckung des Handschriftenschatz von Dunhuang, den europäische Forscher 1907 zum nachhaltigen Ärger Chinas gehoben - geraubt oder gerettet haben: "Spätere Forschungen haben ergeben, dass die Höhle rund neun Jahrhunderte vor ihrer Entdeckung versiegelt und später offenbar vergessen worden war. Nach neuesten Erkenntnissen gilt es als am wahrscheinlichsten, dass die alarmierende Nachricht von der Eroberung und Zerstörung des mit Dunhuang eng verbundenen buddhistischen Reichs Khotan durch die islamischen Karakhaniden, im Jahr 1006, den unmittelbaren Anlass für die Füllung und Schließung der Höhle gab. Es wird zudem vermutet, dass es sich bei dem Manuskriptschatz ursprünglich um eine intakte buddhistische Klosterbibliothek gehandelt hatte und nicht etwa, wie Stein vermutete, um eine Altpapierhalde, denn viele Tausende von Schriftrollen wurden in Dutzendbündeln säuberlich verpackt und sogar etikettiert vorgefunden."
Weiteres: Roman Bucheli resümiert ein Symposion zum Stand der europäischen Literaturkritik in München. Besprochen werden die Ausstellung zu John Everett Millais in der Tate Britain, das Festival "Taktlos" in Bern und Christina Paulhofers Inszenierung von "Antonius und Cleopatra" am Theater Basel.
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Süddeutsche Zeitung, 26.11.2007
Mit vier Erstaufführungen von jungen Autoren hat Andreas Beck seine Intendanz am Wiener Schauspielhaus begonnen. Till Briegleb unterstützt diese Risikofreude, auch wenn nicht alles gelingt: "Herrn Becks Gespür für Text beweist sich aber nur eine Stunde später mit der Uraufführung von 'hamlet ist tot. keine schwerkraft'. Denn den bisher unbekannten Autor dieses Stückes, Ewald Palmetshofer, hat Beck für das erste Jahr gleich zum Hausautor gemacht, und die realistische Studie über schwelende Verletzungen rechtfertigt diese Entscheidung mit knappen Dialogskalpellen. Der unter Nettigkeiten schwelende Hass zwischen alten Freundinnen, die sich wegen eines Mannes in die Verachtung begeben haben, wird ebenso gemein ausgekostet wie die Wundheit einer Mutter, die Oma nicht mehr im Haus erträgt."
Weitere Artikel: Ernüchtert berichtet Jens Bisky über eine Europa-Diskussion von Jürgen Habermas und Frank-Walter Steinmeier im Berliner Willy-Brandt-Haus, bei der sich zeigte, wie weit universalistische Aufklärung und Alltagspolitik voneinander entfernt sein können. Erzürnt attestiert Christiane Kohl Dresden, das jetzt alte Eichen gefällt hat, die der Waldschlösschenbrücke im Weg standen, eine grassierende "Kulturlosigkeit". In Oxford debattiert man über die Einladung David Irvings in einen studentischen Debattierclub, berichtet Alexander Menden. Thomas Steinfeld beweist dem Vatikan, dass die Wiedereinführung gregorianischer Kirchenmusik das Rad der Verweltlichung vorantreiben und nicht zurückdrehen würde. Bei einer Münchner Klimadiskussion muss Jeanne Rubner eingestehen, dass Craig Venters geplante Bakterienkolonien zwar faszinierend sind, Hans Joachim Schellnhubers Forderungen nach Emissionszielvorgaben aber realistischer. Harald Eggebrecht gratuliert zum sechzigsten Geburtstag des Münchner Zentralinstituts für Kunstgeschichte.
Auf der Literaturseite gibt der Lektor Martin Hielscher Antworten auf die sechs häufigsten Fragen an seinen Berufsstand.
Besprochen werden die Schau "Turner, Hugo, Moreau - Entdeckung der Abstraktion" in der Frankfurter Kunsthalle Schirn, ein Konzert des polnischen Pianisten Rafal Blechacz in München, Vanessa Jopps Weihnachtskomödie "Meine schöne Bescherung", DVD-Neuveröffentlichungen wie Hans-Jürgen Syberbergs Kalr-May-Film "Bloody Dark Grounds", und Bücher wie Axel Gotthards Studie über das Raumgefühl "In der Ferne" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2007
Lorenz Jäger stellt den neuen Feuilletonroman der FAZ vor, eine Dokumentarrecherche Hans Magnus Enzensbergers über den Reichswehr-General von Hammerstein, der sich zwischen den beiden Totalitarismen bewegte. Iring Fetscher erklärt den Polen aus der Geschichte ihres Adelsparlaments, dass sie eigentlich bei der EU für ganz andere Abstimmungsmodi hätten stimmen müssen. Hubert Spiegel nutzt die Klage Günter Grass' gegen seinen Biografen Michael Jürgs, der in der neuesten Auflage seiner Biografie behauptete, Grass habe sich "freiwillig" zur SS gemeldet, um noch einmal in der Wunde zu bohren. Jordan Mejias wirft einen Blick auf den Streik der Bühnenarbeiter am Broadway. Kerstin Holm erzählt neueste Episoden der putinistischen Kunstzensur bei Ausstellungen im In-und Ausland.
Auf der Medienseite berichtet Oliver Jungen über das Fernsehfilm-Festival in Baden-Baden. Für die letzte Seite ergeht sich Eberhard Rasthgeb in Europas größtem Biosupermarkt, dem LPG-Biomarkt in Berlin-Prenzlauer Berg. Dieter Bartetzko porträtiert die Gründerin der Berliner Architekturgalerie Aedes, Kristin Freireiss, die die Ehrenbürgerwürde der TU Braunschweig bekommt. Und Andreas Rossmann fragt sich, wes mit der übrig gebliebenen Sakralkunst aufgelassener Kirchen in NRW geschehen soll.
Besprochen werden eine (von Irene Bazinger dringend empfohlene) Dramatisierung der Schubertschen "Winterreise" durch Regisseur Michael Thalheimer am Deutschen Theater Berlin, eine Ausstellung mit Fotos Norbert Vogels in Leipzig, eine Ausstellung über Eichendorff in Frankfurt, Volker Schmidts Stück "Mountainbiker" in Heidelberg und einige Bücher, darunter eine Monografie über Noam Chomsky und Georges-Arthur Goldschmidts neuester Roman "Die Befreiung" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





