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- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
"Weiterbildung ist in Redaktionen ein Fremdwort"
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
12.10.2007. Fast alle Zeitungen gratulieren Doris Lessing zum Literaturnobelpreis. Die FR erkennt auf der Londoner Kunstmesse Frieze Grenzen der Subversion. Die NZZ beschreibt die Unfähigkeit der Zeitungsverlage, klug auf das Internet zu reagieren. Die taz möchte endlich gewürdigt wissen, dass die RAF immerhin Nazis ermordete.
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Weitere Medien, 12.10.2007
Doris Lessing ist die dritte britische Nobelpreisträgerin für Literatur (nach Naipaul 2001 und Pinter 2005) in sechs Jahren. Macht nix. In einem ersten Kommentar erklärt John Mullan im Guardian (unter einem wirklich zauberhaften Foto von Lessing), warum er sie trotzdem für die perfekte Wahl hält: Ihr Roman "Das goldene Notizbuch" war 1962 gewagter Stoff. "It brought to the English novel a heady brew of new material: political debate, psychotherapy sessions, disastrous sex. It is the earliest novel I know of to include matter-of-fact mentions of pre-menstrual tension and tampons."
Und Claire Amistead findet: "Even though, at 87, the best of her writing is probably behind her, it is wonderful that her importance should finally be acknowledged by the Swedish academy. For Lessing has done more than most writers to articulate the issues of the 20th century. In doing so - as several fans declared at a Guardian book club - she has changed lives."
Die New York Times schreibt sehr freundlich über Lessings Preis - nur das Wort "britisch" kommt ihr nicht über die Lippen. Lessing wird vorgestellt als "the Persian-born, Rhodesian-raised and London-residing novelist". Die Washington Post titelt dagegen kurz und bündig: "Britain's Lessing wins Nobel for literature".
Und hier noch ein tolles Foto von Doris Lessing im italienischen Il Messagero: Da sitzt sie auf den Stufen ihres Hauses wie eine Bäuerin und palavert mit den Reportern.
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Berliner Zeitung, 12.10.2007
Jens Balzer hält den Nobelpreis für Doris Lessing für eine gute Entscheidung und für eine Art nachholende Gerechtigkeit: "Von den Funktionären der alten Literaturkritik wurde Lessings Werk stets mit Argwohn betrachtet; kein Wunder, dass Reich-Ranicki die Entscheidung spontan als 'enttäuschend' diskreditierte. Aus der 'angelsächsischen Welt' hätte er viel lieber 'John Updike oder Philip Roth' als Preisträger gesehen. Wie Updike und Roth, hat Lessing ihre Karriere mit Selbstfindungsromanen begonnen. Allerdings nicht mit Männerselbstfindungsromanen, sondern mit Frauenselbstfindungsromanen; sie beschreibt nicht das Ringen des mittelständischen Mannes mit Sexsucht und Bindungsangst, sondern das Ringen der mittelständischen Frau mit Bindungsangst."
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Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2007
Auf der Medien- und Informatikseite beschreiben Leif Kramp und Stephan Weichert die Auswirkung der durch das Internet ausgelösten Medienrevolution auf die Qualitätspresse. "'Wir werden immer Journalisten brauchen', meint Jay Rosen, Journalismusprofessor an der New York University und Herausgeber von PressThink, einem der bekanntesten Journalismus-Blogs. Er kritisiert aber zugleich die Lernunfähigkeit der Zeitungsverlage: 'Weiterbildung ist in den Redaktionen ein Fremdwort.' Das erkenne man schon daran, dass Online-Redaktionen bis vor kurzem noch sowohl redaktionell als auch räumlich getrennt von ihren Print-Kollegen arbeiten mussten: 'Die Newsroom-Kultur steht Veränderungen feindlich gegenüber und sieht im Paradigma des Sich-neu-Erfindens einen Witz, der auf Gurus zutrifft, nicht aber auf Journalisten'." (In der Zeit hatte Götz Hamann vor einigen Wochen noch andere Gründe für die Zeitungskrise benannt: Die Verleger - oft an Renditen von 13 bis 20 Prozent gewöhnt - ziehen zu viel Geld aus den Zeitungen.)
Das Feuilleton: Schlechte Luft und dann zieht's noch - Uwe Justus Wenzel kommt auf der Buchmesse über das Arrangement mit den Rauchern ins Grübeln: "Die, die nicht rauchen und also gute Luft atmen wollen, sollen drinnen bleiben (ja, sie sollen, denn irgendwer muss ja drinnen bleiben), drinnen in der - auch ohne Rauch - leicht stickig werdenden Luft. Einerseits. Andererseits müssen, nein dürfen die, die rauchen und also eigentlich an das Element unreiner und unfrischer Luft gewöhnt sind, nun raus an die frische Luft (die dann, noch ein Widerspruch, wie beschrieben, als unfrische, von Rauchschwaden durchzogene in den eigentlich rauchfrei sein sollenden Raum strömt)." Wie sich dieser "doch dialektisch und historisch zu nennende, doppelte Widerspruch" kurzzeitig auflöste, darf man online leider nicht lesen.
Weitere Artikel: Romeo Giger führt uns durch den Lesekontinent Doris Lessing. As. beschreibt Lessing kurz als querköpfige Quotenfrau. Gü. meldet ein eher laues Echo bei den Literaturkritikern auf der Buchmesse.
Besprochen werden eine Schau zum Werk des portugiesischen Architekten Pancho Guedes im SAM in Basel, Pierre-Yves Borgeauds Musikfilm "Retour a Goree" mit Youssou N'Dour und Robert Wyatts CD "Comicopera".
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Der Tagesspiegel, 12.10.2007
"Sie ist ein hinreißendes Monument ihrer selbst, aber eben ein Monument", kommentiert Gregor Dotzauer den Nobelpreis für Doris Lessing, deren "bestechende" Intelligenz und "beneidenswerte britische Schlagfertigkeit" er nur rühmen kann. Aber: "In den siebziger Jahren wäre Doris Lessings Auszeichnung mit dem Nobelpreis eine mutige Entscheidung gewesen. Im Jahr 2007 hat sie etwas Anachronistisches - was bei aller möglichen Kritik an Lessings Moralismus einzig und allein aufs Konto des Stockholmer Nobelpreis-Komitees geht. Ihre Bedeutung für die Literatur des 20. Jahrhunderts ist unbestritten. Man kann aber auch nicht behaupten, dass sie, gemessen an den zahllosen internationalen Preisen, die sie erhalten hat, nicht erkannt worden wäre."
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Frankfurter Rundschau, 12.10.2007
"Man kann darüber streiten, ob der Preis für Doris Lessing um 30 oder um 20 Jahre zu spät kommt", schreibt Ina Hartwig. "Sicher ist: Lessing hat sich mit ihrem bekanntesten Werk, dem 'Goldenen Notizbuch' aus dem Jahr 1962 in die Köpfe der Leser und - vor allem - Leserinnen eingebrannt. Die deutsche Übersetzung erschien erst nach den großen Gefechten der Emanzipation, 1978; und um diese Zeit herum muss ich es auch gelesen haben, eine Gymnasiastin auf der Suche nach was auch immer. Damals hatte das Buch etwas mitzuteilen. Es elektrisierte; in meinem eigenen Exemplar finden sich Anstreichungen, die auf innige Anteilnahme schließen lassen."
Auf der Londoner Kunstmesse Frieze geht es schwer subversiv zu, wie Sandra Danicke protokolliert: Jake und Dinos Chapman bemalen 20-Pfund-Noten von Besuchern, der Amerikaner Rob Pruitt macht es nach. "Pruitt malt mit Edding, statt mit Fineliner, Fünf-Pfund-Noten tun es bei ihm auch, und das Ergebnis ist eine Sprechblase aus dem Mund der Königin: 'You're totally common'. Das hat man jetzt davon." Aber es gibt natürlich Grenzen: "die arabisch beschrifteten, kostenlosen Plakate von Jeremy Deller mag dann doch kaum jemand mitnehmen. Das ist nun wirklich zu riskant ohne Übersetzung."
Weitere Artikel: Rudolf Maria Bergmann rauft sich die Haare über die Stadtplaner von Würzburg, die gerade wieder eine "klotzige" Wohnanlage des Sankt-Bruno-Werks am derzeit noch schönen Nikolausberg durchgewunken haben. Auf einer von der Buchmesse geschickten Times mager versinkt Peter Michalzik in einer Leseperformance des flämischen Autros Tom Lanoye.
Besprochen werden Martin Heckmanns' Komödie "Ein Teil der Gans" am Deutschen Theater Berlin, das Album "Final Attraction" der deutschen Boyband Cinema Bizarre sowie ein Band mit allen "Sondermann"-Zeichnungen von Bernd Pfarr.
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Die Tageszeitung, 12.10.2007
Der neue Kulturchef der taz, Andreas Fanizadeh, gibt seinen Einstand und beklagt im Aufmacher, dass über die RAF in erster Linie in juristischem Sinne diskutiert wird, als "Polizeijournalismus von Spiegel und Co.", während der politische Aspekt - die Bundesrepublik wimmelte von Entscheidungsträgern mit Nazivergangenheit - untergehe: "Gerade vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, wie wenig Beachtung in den derzeitigen Diskussionen Werke wie das von Lutz Hachmeister ('Schleyer. Eine deutsche Geschichte') finden. Dabei wären sie ein möglicher Schlüssel zu Verständnis und Selbstverständnis einer Gesellschaft und ihres Establishments, gegen das die Jugend in den 1960er-Jahren aufbegehrte und die RAF in den 1970ern Amok lief. Wendehälsen wie dem früheren Nazi Schleyer fehlte zeit ihres Lebens jegliches Unrechtsbewusstsein für das, was sie aktiv zum Untergang der Weimarer Republik oder dem Aufbau des Dritten Reiches beigetragen hatten. 'Entjudung', Massenmord und Okkupation waren ihnen so selbstverständlich wie das Einfordern von Managerposten im neuen demokratischen Deutschland."
"Gut, dass sie da ist", schreibt Renee Zucker über die frischgekürte Nobelpreisträgerin Doris Lessing auf den Seiten der Tagesthemen. "Ob wir es tatsächlich mit einer meisterhaften Schriftstellerin zu tun haben, darf bezweifelt werden. Aber im Fall Doris Lessings ist das gar nicht wichtig." (Solche Freunde möchte man nicht haben.)
Weiteres: Brigitte Werneburg bemerkt, dass das hundertjährige Kaufhaus des Westens in Berlin ziemlich viel mit dem Osten zu schaffen hat. In seiner Buchmessen-Kolumne teilt Dirk Knipphals die Kritikerkollegen bei der Mittagspause in Literatureuphoriker, Literaturnostalgiker und Literaturverwalter ein. Eine Besprechung stellt drei neue Brazil-Alben vor.
Und Tom.
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Die Welt, 12.10.2007
Nicht richtig anfreunden kann sich Hendrik Werner mit der Entscheidung, den Nobelpreis an die Schriftstellerin Doris Lessing zu vergeben. Moralische geht bei ihr über literarische Qualität, befindet er nicht nur über ihren ersten großen Erfolg, den Roman "Afrikanische Tragödie" von 1950: "Wer sich seiner hehren Gesinnung sicher sein kann, braucht sich um stilistische Fragen nicht zu scheren." Wieland Freund rückt sie in die "feminine Romantradition Großbritanniens". Leicht gekürzt abgedruckt wird Lessings bisher unveröffentlichte Erzählung "Henne und Ei".
Weitere Artikel: Madonna plant, ihre Plattenfirma Warner zu verlassen und für zehn Jahre für 120 Millionen Dollar beim Konzertveranstalter "Live Nation" unter Vertrag zu gehen - damit, konstatiert Michael Pilz, wäre der "Umbruch" des Musikbusiness vom CD- zum Live-Markt endgültig vollzogen. Peter Zander staunt über gleich vier Hollywood-Filme deutscher Regisseure.
Besprochen werden Heiner Goebbels' Theater-Installation "Stifters Dinge" (im Gegensatz zu den meisten Kollegen findet Kai Luehrs-Kaiser sie "ein wenig peinlich"), die Berliner Uraufführung von Martin Heckmanns' neuem Stück "Teil der Gans", Stephen Simons Film "Gespräche mit Gott" und eine "Carmen" in Riga mit der Mezzosopranistin Elina Garanca.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2007
Den Literaturnobelpreisglückwunsch für Doris Lessing hat eine der Autorin offenkundig zugetane Ingeborg Harms verfasst: "In ihrem üppigen Werk hat Doris Lessing mit intellektueller Schärfe und nötigem Sarkasmus eine reiche Parallelwelt zum Aktualitätenwahn der Gegenwart geschaffen. Ihre Bücher bleiben im Gespräch mit einer literarischen Tradition, die für Jahrhunderte Maßstab des geistigen Lebens war. Doris Lessing ist die Botschafterin der Einsamkeit, und sie porträtiert das Leben in Gedanken als eine Alternative, die mit den Jahren immer plausibler wird." Rasch ins Blatt genommen wurde auch Sabine Brandts Besprechung von Lessings neuem Roman "Die Kluft". Über Doris Lessings Neffen Gregor Gysi schreibt Tilmann Lahme.
Weitere Artikel: Der Entwicklungspsychologe Wassilis Fthenakis schlägt Alarm: "Jungen [sind] heute die gefährdete und benachteiligte Gruppe. Es müsste eine Gesellschaft erschüttern, wenn ein Geschlecht, egal welches, diese systematische Benachteiligung erfährt." In der Glosse berichtet Jordan Mejias von einer Operavision, die er in San Francisco hatte. In Buchmessenskizzen geht es unter anderem um Nobelpreisreaktionen und das Alfamobil. Joachim Müller-Jung berichtet vom Potsdamer Klimaforum. Joseph Hanimann war bei der Eröffnung des neuen Einwanderungsmuseums in Paris, der "Cite nationale de l'histoire de l'immigration". Jürg Altwegg informiert, dazu passend, über heftige Auseinandersetzungen in Frankreich um DNA-Untersuchungen und andere Einwanderungsfragen. Thomas Wagner gratuliert dem Künstler Robert Mangold zum Siebzigsten. "wgl" schreibt zum Tod des kurdisch-türkischen Schriftstellers Mehmet Uzun.
Besprochen werden die Berliner Uraufführung von Martin Heckmanns' neuem Stück "Ein Teil der Gans", eine Theaterversion von Lars von Triers jüngstem Film "The Boss of it All" in Mannheim und eine Inszenierung von Fassbinders "Die dritte Generation" in Stuttgart, Jan Bonnys Film "Gegenüber", das Mstislaw Rostropowitsch gewidmete Cello-Festival der Kronberg Academy und Bücher, darunter Fritz Sterns Erinnerungen "Fünf Deutschland und ein Leben" und Gert Loschützs Erzählungsband "Das Erleuchtete Fenster" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 12.10.2007
"Nein, nach rein literarischen Gesichtspunkten kann diese Wahl nicht erfolgt sein", meint Lothar Müller über die Auszeichnung Doris Lessings mit dem Literaturnobelpreis. "Eine große Stilistin würdigt sie nicht, ebensowenig eine Autorin, die der Kunst des Erzählens neue Formen erschloss, so wie dies Coetzee oder Imre Kertesz getan haben. Die Akademie ratifiziert die symbolische Bedeutung einer Autorin in dem Moment, in dem ihr Werk bereits zu verblassen beginnt."
Daneben sind einige, meist positive Reaktionen von Umberto Eco bis Gregor Gysi versammelt - die Mutter Gysis war die Schwester von Doris Lessings zweitem Ehemann.
Weitere Artikel: Hubertus Breuer befragt den Historiker Gregory Clark über dessen These, der englische Mittelstand habe mit der erfolgreichen Verbreitung seiner kapitalistischen Gene die industrielle Revolution ausgelöst. Kai Strittmatter meldet, dass Arat Dink, Redakteur bei der armenisch-türkischen Zeitschrift Agos und Sohn Hrant Dinks, nun wie sein Vater gemäß Paragraf 301 als Beleidiger des Türkentums verurteilt wurde. Johannes Willms berichtet von den über Bücher und Interviews ausgetragenen Scharmützel zwischen Nicolas Sarkozy und Bernard-Henri Levy, bei dem BHL zu verlieren droht. Die perfekte Kopie von Paolo Veroneses "Hochzeit zu Kana", die jetzt wieder im Kloster San Giorgio in Venedig hängt, hat laut Henning Klüver in Italien eine Diskussion über die Aura des Originals ausgelöst. Hellmut Flashaar gratuliert dem Gräzisten Wolfgang Kullmann zum achtzigsten Geburtstag, Willibald Sauerländer dem Kunsthistoriker Martin Warnke zum Siebzigsten. Michael Struck-Schloen beschreibt die Suche eines Nachfolgers für den scheidenden Kölner Opernintendanten Christoph Dammann. Alexander Kissler prophezeit dem im vergangenen Jahr gestarteten "Ameranger Disput" über die Religion eine erfolgreiche Zukunft.
Besprochen werden eine Retrospektive zum Architekten Le Corbusier im Vitra Design Museum in Weil am Rhein, Sebastian Schugs "überzeugende" Bühnenadaption von Lars von Triers "Idioten" in Heidelberg und Christiane J. Schneiders Version des noch nicht in Deutschland erschienen Trier-Films "The Boss of It All" als "Klamotte" in Mannheim, ein Konzert des Pianisten Jonathan Gilad mit Brahms und Schubert im Münchner Herkulessaal und Bücher, darunter Michael Ondaatjes Roman "Divisadero" sowie Harald Weinrichs geistesgeschichtlicher Abriss "Wie zivilisiert ist der Teufel?" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





