Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

30.06.2007. In der Welt berichtet Dan Diner von Bestrebungen, den Islam mit westlichen Gesetzen zu versöhnen. Die NZZ begleitet den russischen Schriftsteller Warlam Schalamow an den Kältepol der Grausamkeit. Götz Aly will in der Berliner Zeitung die Landesbibliothek im Flughafen Tempelhof unterbringen. Die tolerante FR gesteht der hessischen Kulturministerin schließlich zu, so dumm zu sein, wie sie will.

Die Welt, 30.06.2007

Das ist eine gehaltvolle Ausgabe heute. In der Literarischen Welt beschreibt Dan Diner muslimische Bestrebungen in Amerika und Europa, den Islam mittels einer "Fiqh al-Aqalliyyat", einer Jurisprudenz muslimischer Minderheiten in der Diaspora, mit den weltlichen Gesetzen des Westens kompatibel zu machen. Die Juden mussten sich im 19. Jahrhundert einer ähnlichen Aufgabe unterziehen. "Die Versöhnung zwischen den Anteilen des eigenen und jenen des fremden Gesetzes konnte im Judentum diasporischer Tradition durch den Grundsatz 'Dina de-Malchuta Dina' gelingen. Kann vom islamischen 'Fiqh al-Aqalliyyat' als einer Form des kollektiven 'Itschihad' eine ähnliche Wirkung ausgehen? Der interpretatorischen Tendenz nach sieht es ganz so aus."


Weitere Artikel: Vor zwei Wochen hatte Louis Begley in der Literarischen Welt den Antiamerikanismus als ein Missverständnis der Europäer beschrieben, die Amerika mit der Regierung Bush verwechselten. In der heutigen Ausgabe bezweifelt der Historiker Walter Laqueur, dass eine neue Regierung daran etwas ändern würde: Großmächte werden nunmal nicht geliebt. Bernadette Conrad spaziert mit Jonatham Lethem durch Brooklyn und seine Bücher. Hendrik Werner spricht mit Jan Costin Wagner über dessen Roman "Das Schweigen". Elmar Krekeler besucht eine Spezialistin für arabische Küche, die in Kairo aufgewachsene und heute in London lebende Jüdin Claudia Roden (Rezepte). Besprochen werden unter anderem Erik Lindners Familienbiografie "Die Reemtsmas" und Astrid Paprottas "meisterhafter" Krimi "Feuertod".

Im Feuilleton macht sich Matthias Heine Gedanken über 20 geköpfte Leichen, die vorgestern im Fluss Tigris trieben. Geköpft wurde zwar auch schon in anderen Ländern, aber im Islam habe die Sache eine gewisse Methode: "Dessen Geschichte ist arm an philosophisch-erbaulichen Bekehrungsgeschichten und reich an Eroberungszügen, bei denen die Besiegten schlicht vor die Wahl gestellt werden, sich der siegreichen Religion anzuschließen oder ihre Häupter zu büßen. Bezeichnenderweise führt ausgerechnet Saudi-Arabien, das Heimatland Bin Ladens und die unerschöpflich sprudelnde Geldquelle aller Hassprediger und Terroristen, das Schwert in seiner Landesflagge."

Weitere Artikel: Dankwart Guratzsch besucht das restaurierte Pfarrhaus von Johannes Bugenhagen in Wittenberg. Sven F. Kellerhoff berichtet von einem Streit zwischen Hubertus Knabe und Rainer Eppelmann über die Frage, ob die PDS-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung am Stipendienprogramm "Aufbruch 1989" mitwirken soll. Wieland Freund billigt in einem Kommentar die geplante Umstrukturierung der Münchner Zentrale des Goethe-Instituts: Der Schließung von Goethe-Instituten im Ausland sei ein Abbau der Verwaltung allemal vorzuziehen. Berthold Seewald versteht die Entscheidungen des Welterbe-Kommitees der Unesco nicht mehr. Elk. schickt Notizen aus Klagenfurt (16.55 Uhr: Auf der kasachischen Eisenbahn mit Lutz Seiler. Soll man Autoren wirklich reisen lassen?") Ulrich Weinzierl wandert auf den Spuren des Gesamtkunstwerkers Kolo Moser. Manuel Brug beschreibt die erfolgreiche Pendelei Kent Naganos zwischen Montreal, Berlin und München. Tilmann P. Gangloff plädiert dafür, die Altersfreigabe von Filmen zu überdenken. Und auf der Forumsseite macht sich der Autor Hans Arthur Marsiske Gedanken über das Auslaufmodell des technisch unverfälschten Menschen.

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Neue Zürcher Zeitung, 30.06.2007

In der Beilage Literatur und Kunst erinnert Ulrich M. Schmid an den russischen Schriftsteller Warlam Schalamow, der unglaubliche vierzehn Jahre im sibirischen Lager Kolyma verbingen musste. "Am Kältepol der Grausamkeit - mit diesem Ausdruck charakterisierte Alexander Solschenizyn die Kolyma-Lager - verflüchtigt sich nicht nur die Moral, sondern auch der Überlebenswille der Menschen. Alle geistigen Regungen weichen einer bleiernen Apathie, auch der Tod wird nur noch als letztes Glied einer langen Reihe von Erniedrigungen wahrgenommen. Schalamow reduziert die Erwartungen an Leben und Sterben auf das absolute Minimum: 'Es gab einen geheimen, leidenschaftlichen Wunsch, eine letzte Sturheit - den Wunsch, irgendwo im Krankenhaus zu sterben, auf der Pritsche, im Bett, wenn andere Menschen es sehen, und sei es dienstlich, aber nicht draußen, nicht in der Kälte, nicht unter den Stiefeln des Konvois, nicht in der Baracke unter Schimpfen, im Schmutz und in der völligen Gleichgültigkeit aller.'"


Weiteres: Gott ist in der Bibel nicht eindeutig männlich, referiert der emeritierte Theologe Othmar Keel und greift damit den Initiatoren der "Bibel in gerechter Sprache" unter die Arme. In seiner Rede für die Vernissage der neuen Zürcher Bibel skizziert der emeritierte Literaturwissenschaftler Alois M. Haas die Entstehungs- und Editionsgeschichte der Heiligen Schrift. Die Schriftstellerin Ilma Rakusa betrachtet Vittorio Carpaccios Bild "Traum der heiligen Ursula". Rainer Weiss erinnert an den Schriftsteller Jörg Fauser.

Im Feuilleton vermisst Claudia Schwartz bei David Chipperfields Entwurf für das gemeinsame Eingangsgebäude auf der Museumsinsel nicht die Moderne, aber die Vision. Angela Schader resümiert ein offenbar ein wenig zu wissenschaftliches Treffen von internationalen Vertretern der Judaistik und Islamistik auf Schloss Elmau. Wir reden zwar über Kinder, der Alltag mit ihnen wird nicht thematisiert, meint Sieglinde Geisel. Andrea Köhler war in New York bei Günter Grass und Norman Mailer.

Besprochen werden Bücher, darunter Boris Pasternaks Gedichtband "Definition der Poesie", Colson Whiteheads Roman "Apex" und ein Band mit "Psalmen" von Said.

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Berliner Zeitung, 30.06.2007

Der Historiker Götz Aly erneuert den Vorschlag, im bald leer stehenden riesenhaften Flughafen Tempelhof die im Augenblick zerstreute Berliner Landesbibliothek unterzubringen. Drumherum könnte eine Kulturwerkstatt emporwachsen. "Geisteswissenschaftliche Zentren könnte dort ebenso ihren Ort finden wie Verlage und Medienunternehmen, Künstleragenturen und Architekturbüros. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sollte die Vorarbeiten für ihr im fernen Friedrichshagen geplantes Außenmagazin einstellen. Warum kann das nicht in Tempelhof untergebracht werden, mitten in der Stadt und öffentlich zugänglich, in einen schon vorhandenen, glänzend geeigneten Gebäude? Anders als in Berlin vorgesehen, lässt das Britische Museum gerade ein riesiges, für das interessierte Spezialistenpublikum leicht erreichbares Depot in der Londoner City errichten - auf sündhaft teurem Baugrund."

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Süddeutsche Zeitung, 30.06.2007

Von einer beunruhigenden Tendenz weiß Alex Rühle zu berichten: Der Kreationismus - also die mit der buchstäblichen Bibelauslegung begründete Ablehnung der Evolutionstheorie - ist nicht länger nur ein amerikanisches Problem: "Hierzulande geht man von 1,3 Millionen Evangelikalen aus, die die Bibel wortwörtlich auslegen und folglich auch die wissenschaftliche Evolutionslehre ablehnen. Die Zahl der Schulverweigerer aus fundamentalistischen Gründen wächst. Neben der Sexualkunde und dem gemischt-geschlechtlichen Sportunterricht ist die Evolutionstheorie eines der Hauptargumente der Eltern, wenn sie ihre Kinder vom Unterricht abmelden. Bernhard Wolf, der Sektenbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, klagt darüber, dass sich allerorten kleine Zentren 'fundamentalistischer Extremisten' immer besser miteinander vernetzten, um eigene Schulen gründen zu können."


Eine ganze Seite ist den Münchner Opernfestspielen gewidmet. In erster Linie geht es um die Uraufführung von Unsuk Chins (mehr) Oper "Alice in Wonderland". Im Interview drückt die Komponistin ihre Unzufriedenheit mit Achim Freyers Inszenierung aus und erklärt, dass sie selten derart zugänglich komponiert habe: "Von C-Dur bis zu Geräuschen sind darin alle nur denkbaren klanglichen Materialien versammelt; die Musik spricht den Hörer sehr unmittelbar an." In weiteren Artikeln geht es um den von Chin ungeliebten Bühnenkünstler Achim Freyer und um eine von Diana Thater kuratierte Ausstellung zu "Alice in Wonderland". Außerdem freut sich Reinhard J. Brembeck über den schnellen Erfolg des neuen Staatsopernorchester-Leiters Kent Nagano.

Weitere Artikel: Über den Zustand der deutschen Popmusik nach dem Blumfeld-Abschied denkt Dirk Peitz nach. Christiane Schlötzer war beim von der UN veranstalteten "Friedensseminar" für Medienleute aus dem Nahen Osten in Tokio. Silvia Stammen berichtet von der Salzburger Sommerszene. Gottfried Knapp gratuliert dem Künstler Reiner Ruthenbeck zum Siebzigsten. Auf der Literaturseite informiert Johan Schloemann über den aktuellen Stand des Googleschen Bücher-Scan-Projekts: "Oxford ist bald fertig." Franz Kotteder freut sich - mit ganz München, wie es scheint - über den Abschied der Kulturdezernentin Lydia Hartl und auf den neuen Mann Hans-Georg Küppers.

Besprochen werden eine Ausstellung mit von Europa träumender deutscher Malerei des 19. Jahrhunderts in der Münchner Neuen Pinakothek, William Friedkins beim Münchner Filmfest gezeigter neuer Film "Bug" und Bücher, nämlich Peter Webers Roman "Die melodielosen Jahre" und der Roman "Schattenfuchs" des isländischen Autors Sjon.

Im Aufmacher der SZ am Wochenende erinnert Willi Winkler an den schon lange verschollenen, vor einem Jahr verstorbenen Pink-Floyd-Gründer Syd Barrett. Helmut Schödel porträtiert die Wiener Polizeireporterin Alexandra Wehner. Tina Hüttl hat Dorothea Mehlis getroffen, die die DDR-Modezeitschrift Sibylle prägte. Auf der Historienseite geht es um Sultan Saladin. Abgedruckt wird die Erzählung "In der Alarmkurve" des Autors Thomas Glavinic. Im Interview spricht der Hip-Hop-Star 50 Cent über "Verantwortung" und die relative Harmlosigkeit von Hip-Hop: "Viele Leute beschweren sich, dass Hip-Hop so übermäßig aggressiv sei - aber die sollten sich mal das Fernsehprogramm reinziehen."

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Die Tageszeitung, 30.06.2007

Eva Behrendt zieht eine Bilanz des ersten Jahrs von Armin Petras' Intendanz am Maxim Gorki Theater: Eine Einladung zum Theatertreffen (Jan Bosses "Leiden des jungen Werthers", daneben "ziemlich viel Mittelmaß", aber immerhin war es im letzten Jahr das Berliner Theater "mit der höchsten Betriebstemperatur". Sonja Eismann porträtiert die "Queen of Cool" Beth Ditto, die demnächst mit ihrer Band Gossip zur Minitournee nach Deutschland kommt.


Im taz mag erzählt der Fotograf Bernd Hartung von einer Star-Operation eines afrikanischen Mädchens, die er für die Christoffel-Blindenmission fotografierte. Frank Sandmann hat die in der Nachkriegszeit erfolgreiche Schlagersängerin Leila Negra ("Mach nicht so traurige Augen, weil du ein Negerlein bist") getroffen. Unter der Seitenüberschrift "Bluff" schreibt Till Ehrlich über den katalanischen Koch-Revolutionär Ferran Adria. Friederike Graeff porträtiert Magda Mosiewicz, die Vorsitzende der polnischen Grünen.

Besprochen werden das Album "Attack Decay Sustain Release" von Simian Mobile Disco, die Hannoveraner Dreifach-Ausstellung "Made in Germany" und Curtis Hansons Film "Lucky You". Auf den Literaturseiten gibt es unter anderem Rezensionen zu Taric Ramadans bisher nur in englischer Sprache erschienenem Mohammed-Buch "In the Footsteps of the Prophet" und zu den Tagebüchern der argentinischen Dichterin Alejandra Pizarnik.

Und Tom.

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Frankfurter Rundschau, 30.06.2007

Ziemlich entsetzt ist Arno Widmann von Äußerungen der hessischen Kultusministerin Karin Wolff, die Bibel und Wissenschaft in Sachen Schöpfung in schöner Harmonie sieht: "Sie sieht, so erklärte sie in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, keinen Widerspruch zwischen der biologischen Evolution und der biblischen Erklärung für die Entstehung der Welt. Das ist ihr gutes Recht. In einer freien Gesellschaft darf jeder auch so dumm sein, wie er gerne möchte. Allerdings muss man sich fragen, ob das Kultusministerium der richtige Aufenthaltsort für Propagandisten solcher Überzeugungen ist, oder ob es nicht doch andere Anstalten für sie gibt."


Weitere Artikel: In der Serie, in der Schriftstellerinnen und Schriftsteller über die Jugend nachdenken, erinnert sich heute die 1974 geborene Autorin Antje Ravic Strubel "An die gelangweilten Körper in den Bänken, die schlaffen Antworten auf Lehrerfragen, die straff gestylten Haare, die engen Jeans, an Westturnschuhe, die verboten waren, was keinen aus dem Grüppchen interessierte, auch an Osmose, Integralen, Heine war das Desinteresse groß. Heine und Osmose interessierten mich. Aber ich stand in den Pausen abseits."

Weiteres: Harry Nutt kommentiert die geplanten Umstrukturierungen in den Goethe-Instituten. Über neue Welterbe-Stätten, zu denen Heidelberg wiederum nicht gehört, informiert Christian Thomas. Besprochen wird eine Ausstellung zu neuer amerikanischer Architektur im Deutschen Architektur-Museum Frankfurt.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2007

Richard Kämmerlings rekapituliert die Diskussion, die junge deutsche Lyriker auf den Seiten der Sonderausgabe der Literaturzeitschrift Bella triste um ihre Profession führen. Jürgen Kaube wundert sich über die nun wiederholte Einschätzung von Hessens Kulturministerin Karin Wolff, dass Schöpfung und Evolution ja gar kein Widerspruch sind. Bernard Andrea bestaunt die Statue der Hadrian-Gattin Vibia Sabina in Tivoli. Gemeldet wird, dass in Frankfurt das vierte spanische Cervantes-Institut in Deutschland entsteht. Hausgourmet Jürgen Dollase plädiert für "aromatische Abrüstung". Patrick Bahners resümiert das Treffen der Proust-Gesellschaft in Münster, auf dem es um die Briefe und den Menschen hinter dem Autor ging. Wiebke Hüster verfolgt das Tanzfestival Montpellier Danse. Angela Heinick zeigt sich entzückt von der Renovierung des Spiegelsaals in Versailles.


Die Schallplatten- und Phonoseite wartet mit Darbietungen von Schubert-Liedern der Band Franui und Barbara Sukowa auf, präsentiert Roger Chapmans Album "One More Time for Peace" und einige Zarzuela-Arien in neuer Fassung. Auf der Medienseite berichtet Jürg Altwegg von der Führungskrise bei Le Monde. Nina Rehfeld kolportiert die forschen Äußerungen Rupert Murdochs zur Zukunft des Wall Street Journals unter seiner Ägide und Seite-Drei-Mädchen mit Universitätsabschluss..

Besprochen werden die Retrospektive "Looking for Alfred" zum Filmkünstler Johan Grimonprez in der Münchner Pinakothek der Moderne, eine Aufnahme mit Gesprächen von Hubert Fichte und Lil Picard in New York 1975/76, Arnold Stadlers Roman "Komm, wir gehen" und Gedichte von Eugen Gomringer.

In der Wochenendbeilage Bilder und Zeiten wird Silvia Bovenschens (mehr) Dankesrede für den Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik abgedruckt. "Die hohe Ehre, die dieser Preis beinhaltet, wird mich auf diesem Gestühl nicht so besonnen können - wie sie es vielleicht, ohne das Flügelwachs zu schmelzen, täte -, stünde ich jetzt vor Ihnen. Das habe ich früher auch nicht gewusst, dass die Empfindung von Ruhm und Ehre weitgehend gebunden ist an körperliche Präsenz. Man muss, um sie wahrnehmen zu können, von Balkonen winken, Treppen hinunterschreiten oder an einem Pult stehen und Dankesreden halten. Das ist mir nicht mehr möglich. Trotzdem, glauben Sie mir, ich freue mich sehr über diese Ehrung."

Desweiteren spricht Frank Schirrmacher mit Richard von Weizsäcker über die Rettung der Heilandskirche in Sacrow. Und Tilmann Lahme überlegt, was aus dem Nachlass von Schriftstellern in Zeiten von E-Mail und SMS wird.

In der Anthologie präsentiert Joachim Sartorius Gertrud Kolmars Gedicht "Aus Westend".

"Der Morgen war so hell und froh -
Ein Wagen kam von ferne
Und brachte eine Ladung Stroh
gemächlich zur Kaserne..."

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Vom Verenden des Verstehens

26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen

Grenzen spielen eine ambivalente Rolle

25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen

Belebung der Leiber

24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen

Pragmatische Theorie der Tücke

23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus.  In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Gelegentlich auch finster und bizarr

22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen

Figur der Jederzeitlichkeit

21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen.  Mehr lesen

Auch bei geringsten dynamischen Graden

19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen

Das Theater, es lebt, es lebt

18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen

Sie rezensieren, loben und verbreiten auch

16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen

Viel mit der Hand abgeschrieben

15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen

Von bürgerlichen Medien empfohlen

14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen

Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt

12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen

Auch das Spiel folgt Regeln

11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen

Man versucht, die Revolution herauszuhalten

10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen

Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf

09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen

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