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- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Peter Nadas: Parallelgeschichten

Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
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- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
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- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
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- Das Ende der Berliner Seiten
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- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
24.05.2007. Die deutsche Filmkritik ist sich einig: Fatih Akins Film verdient die Goldene Palme - neben all den anderen Filmen, die die Goldene Palme ebenfalls verdienen. In der Zeit greift die Chansonsängerin Ingrid Caven die Fassbinder-Nachlassverwalterin Juliane Lorenz als moralisch ungeeignet für ihren Posten an. Außerdem recherchierte ein gut verkleideter Günter Wallraff für das neue Zeitmagazin über die muz-Arbeitsbedingungen in deutschen Callcentern. Die FAZ konstatiert aus Anlass des Kasus Kapuscinski Überdruss über die Stasiaktenfledderei in Polen. In der FR fürchtet Richard Wagner um die junge rumänische Demokratie.
Die Zeit | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Zeit, 24.05.2007
"Ohne Stil keine Moral, und ohne Moral kein Stil", beschreibt Schauspielerin und Chansonsängerin Ingrid Caven in einem großartigen Interview mit Katja Nicodemus das Programm der Künstler-Truppe um Rainer Werner Fassbinder: "Von uns geblieben ist, dass wir wild waren und heftig waren, dass irgendwie alles Rock'n'Roll war. Es war eine enorm aggressive Kraft, die sich aber über einen Stil veräußert hat." Dann aber greift sie die Chefin der Fassbinder-Foundation, sozusagen die illegitime Nebenwitwe, scharf an: "Ich und viele andere auch halten Juliane Lorenz für moralisch ungeeignet, dieses Erbe zu verwalten, nicht nur weil sie das Ganze auf einer Riesenlüge aufgebaut hat. Sie hat fast alle engen Fassbinger-Mitarbeiter ausgeschlossen, die um dieses Lügengespinst wissen, zum Beispiel Peter Berlin, Isolde Barth, Renate Leiffer, Günther Kaufmann und andere. Es wird ein recht einfältiger Geniekult betrieben, während die alltäglichen und gelebten Hintergründe dieses Werks unterschlagen werden."
Weiteres: Wütend beschreibt Evelyn Finger im Aufmacher, mit welch geringen Entschädigungen die Opfer der DDR abgespeist werden, während sich die früheren Funktionäre immer höhere Renten einklagen: "Der gegenwärtige Entwurf zum 3. SED-Unrechtsbereinigungsgesetz sieht nun eine Opferrente von mageren 250 Euro vor, zahlbar allerdings nur an sozial Bedürftige." Mit Schrecken nimmt Jens Jessen die Botschaft des Ökodenkers Jeremy Rifkin auf, dass die Menschen alle eine genografische Familie bilden. "Man muss nicht unbedingt die Atriden bemühen, um sich besorgt zu fragen, ob eine Menschheit, die sich als Familie sieht, nicht erst recht zum Messer greifen wird." Katja Nicodemus hat in Cannes eine "bisher begeisternde Jubiläumsausgabe" erlebt.
Besprochen werden Peter Steins "Wallenstein"-Marathon in Berlin, das Bochumer Theaterfestival "Ohne Alles", die aus dem New Yorker Metropolitan Museum entliehene Ausstellung französischer Meister "Schöne Franzosen" in der Berliner Nationalgalerie, David Finchers in Cannes gezeigter Thriller "Zodiac", die Ignatz-Bubis-Ausstellung im Jüdischen Museum in Frankfurt und Neues aus der Rubrik Diskothek.
Der Literaturteil hat sich ganz der Lyrik verschrieben. Im Aufmacher bespricht Iris Radisch das 25. Jahrbuch der Lyrik, Georg Diez fragt sich, warum die deutsche Poplyrik oft so trübsinnig ist. Für das Dossier zeichnet Andrea Böhm ein Porträt des "Brandstifters von Afrikas", Liberias Ex-Präsident Charles Taylor, dem ab Juni in Den Haag der Prozess gemacht wird. Im Politikteil beschreibt Martin Klingst in seiner Reportage "Herr Yu, Frau Hu und ihre Richter", welche Fortschritte China auf dem Weg zum Rechtsstaat gemacht hat - und wie weit der Weg noch ist.
Außerdem geht es der Zeit wirtschaftlich so gut, dass sie ihr Magazin wiederauflegen kann: Zum Start gibt es eine Reportage von Günter Wallraff, der gut getarnt in einem CallCenter System-Lottoscheine verkauft hat: "Ich setze das Headset auf. Mir wird eine ältere Dame aus Süddeutschland zugeschaltet. Sie hört sich geduldig mein Sprüchlein an und sagt: 'Nein, da hab ich eigentlich kein Interesse.' Ich bedanke mich artig. Der Coach neben mir schüttelt den Kopf. Er rät mir, beim nächsten Mal zu sagen: 'Aber Sie haben doch Interesse, Geld zu gewinnen, oder?!' Beim nächsten Anruf bemerke ich, dass mir der Drang fehlt, einer jungen Mutter, ein weinendes Kind im Hintergrund, mit derlei Suggestivfragen auf die Pelle zu rücken. Ein älterer Mann klagt: 'Ich lebe von Hartz IV. Wissen Sie, die zwölf Euro bräuchte ich dringend, aber zum Leben.' - 'Dann entschuldigen Sie bitte die Störung', sage ich, 'es tut mir aufrichtig leid.' Der Coach reagiert verärgert: 'Da hast du ja einen Sentimentalen hingelegt!' Als ich ihm den Fall schildere, sagt er nur: 'Ihr braucht hier keine Gewissensbisse zu haben. Euer Gewissen könnt ihr zu Hause lassen!'"
Und auf der Seite eins kann Chefredakteur Giovanni di Lorenzo selbstbewusst Jürgen Habermas widersprechen, der meint, der Markt könne die Qualitätspresse nicht mehr gewährleisten, in der Not müsse ihr staatlich geholfen werden. "Wo die Akzeptanz auf dem Markt nicht mehr als Indikator für die eigene Leistung angesehen wird, können sich durch Subventionen alimentierte Journalisten leicht ins Autistische verlieren."
Die Zeit | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Rundschau, 24.05.2007
Daniel Kothenschulte schreibt filmsatt und hochzufrieden aus Cannes: "Es ist ein Festival, wie man es schon lange nicht erlebt hat!" In Fatih Akins Wettbewerbsbeitrag "Auf der anderen Seite" haben ihn vor allem "drei überragende" Darsteller beeindruckt: "Tuncel Kurtiz, unvergessen aus den Yilmaz-Güneys-Filmen, spielt Nejats Vater mit stiller Wucht als sanften Patriarchen. Hanna Schygulla berührt nicht nur das nostalgische Cannes mit einem Wiedersehen als Lottes Mutter - und erzählt jedem, der es hören will, Akin erinnere sie an den jungen Fassbinder. Und schließlich ist da eine ungemein kraftvolle junge Schauspielerin in der Rolle der tragischen jungen Revolutionärin: Nurgül Yesilcay ist ein geborener Filmstar, das wird in Cannes kaum übersehen werden, der Himmel ist ihr Limit." (Hier ihre Homepage)
Richard Wagner fürchtet, dass die jüngsten Affären Rumäniens noch ungefestigte demokratische Institutionen beschädigen: "Im Endeffekt appelliert der sich als Saubermann präsentierende Staatspräsident an die Straße und beschuldigt das Parlament, als Interessenvertreter der korrupten, räuberischen, neureichen Klasse zu agieren. Damit wird letzten Endes das Parlament als Institution entwertet. Das aber ist Wasser auf die Mühlen jener Teile der rumänischen Gesellschaft, die ohnehin wenig von den konstitutionellen Institutionen hält. Wahr ist, dass die politische Klasse insgesamt wenig zur Vertrauensbildung beigetragen hat, aber wer an die Straße appelliert, erklärt die Institutionen der Demokratie damit auch für überflüssig."
Weitere Artikel: Martina Meister stellt "la photo officielle", Philippe Warrins Herrscherporträt von Sarkozy vor. Jörg Plath stellt das europäische "Halma"-Netzwerk für literarische Einrichtungen vor. Tim Gorbauch interviewt Deutschlands ersten relevanten Punk, Fehlfarben-Sänger Peter Hein, zum Comeback der Gruppe. Ralph Giordano hat eine verschleierte Frau mit einem Pinguin verglichen. So what, fragt Harry Nutt in Times Mager, "Generationen katholischer Nonnen" mussten sich so nennen lassen.
Besprochen werden Gore Verbinskis dritter "Fluch-der-Karibik"-Film ("Habt Erbarmen, lasst es enden!" fleht Michael Kohler angesichts des lustlosen Spektakels), Julien Temples Dokfilm über die Anfänge des Punk und seinen Freund, den verstorbenen Sänger von The Clash, "Joe Strummer: The Future Is Unwritten", und Rodrigo Morenos Film "El custodio"(den Heike Kühn "begnadet" findet.)
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Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2007
In der schönen Reihe "An der Klimafront" schreibt heute der südafrikanische Theaterautor Zakes Mda. Für ihn ist vor allem der Emissionshandel eine weitere Methode, der Erde so schnell wie möglich den Garaus zu machen: "Auch mein Heimatland Südafrika hofft, aus dem Klimawandel kurzfristigen Profit zu schlagen. Bereits kreisen Berater und Experten in Sachen Emissionshandel wie Geier über dem Land und spähen nach umweltfreundlichen Komponenten in bereits existierenden Projekten, die sich dann als Emissionsgutschriften nach Europa verschachern lassen. Derweil sehen sich die Menschen in marginalisierten städtischen Quartieren und ländlichen Regionen mit der Kehrseite der Medaille konfrontiert. So müssen sich etwa die Bewohner eines Armenviertels in Durban mit einer Giftmülldeponie arrangieren, welche die Bewohner seit Jahren krank macht: Aber nein, sie darf nicht geschlossen werden, denn nun soll daraus Methangas abgeleitet und in 'saubere' Energie konvertiert werden - was sich wiederum als Emissionsgutschrift verkaufen lässt."
Kurz meldet Joachim Güntner, dass der russische Zoll Bilder für die Dresdner Ausstellung "Learning from Moscow" beschlagnahmt hat. Mit der Begründung, die Fracht könne zu "internationalen Verstimmungen" führen.
Besprochen werden die Ausstellung "Ereignis Weimar - Anna Amalia, Carl August und das Entstehen der Klassik 1757-1807" im Schlossmuseum Weimar und Bücher, darunter Simone de Beauvoirs Tagebücher aus den Jahren 1926/27 und Sabahattin Alis Roman "Der Dämon in uns" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Die Tageszeitung, 24.05.2007
Cristina Nord schreibt aus Cannes über Fatih Akins neuen Film "Auf der anderen Seite". Bert Rebhandl grübelt über Diäten und Fettleibigkeit. Alexander Camman blättert durch die Zeitschrift "Du", deren aktuelle Ausgabe Popstar Madonna gewidmet ist. In seiner dvdesk-kolumne legt uns Ekkehard Knörer heute Gena Rowlands und John Cassavetes wunderbaren Film "Die erste Vorstellung" ans Herz. Andreas Busche bespricht Julien Temples Dokumentarfilm über The-Clash-Frontmann Joe Strummer "The Future Is Unwritten".
Und Tom .
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Die Welt, 24.05.2007
Begeistert berichtet Hanns-Georg Rodek aus Cannes von Fatih Akins "Auf der anderen Seite": "Soviel Zündstoff auch weiter im deutsch-türkischen, moslemisch-christlichen Verhältnis steckt, Fatih Akin betreibt - im Gegensatz zur Politik und zu Michael Winterbottom - eher De-Eskalation. Es gibt schon eine Menge Normalität in 'Auf der anderen Seite', und was für wen 'die andere Seite' ist, lässt sich nicht mehr so einfach definieren."
Weiteres: Dirigent Riccardo Muti beschreibt, wie er dazu kam, für die Salzburger Festspiele die Opernkomponisten der Neapolitanischen Schule wie Domenico Cimarosa auszugraben. Sven Felix Kellerhoff stellt klar, dass auch die angeblich neuen Beweise im Mordfall J. F. Kennedy nur beweisen, dass Lee Harvey Oswald ein Einzeltäter gewesen ist. Michael Loest unterhält sich mit der Band Wir sind Helden über ihr neues Album "Soundso".
Besprochen werden Berlins eigene Ausstellung zu französischen Meistern in der Alten Nationalgalerie, eine Schau zu David Lynch in der Fondation Cartier in Paris, der dritte Teil von "Pirates of the Caribbean" und Julien Temples Joe-Strummer-Porträt "The Future is Unwritten".
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Süddeutsche Zeitung, 24.05.2007
"Nun also auch Ryszard Kapuscinski!" schreibt Thomas Urban. "Auch der berühmte Reporter und preisgekrönte Autor, dessen Bücher über den Orient, über Afrika, Lateinamerika und die Sowjetunion in viele Sprachen übersetzt wurden, hat Berichte für den polnischen Staatssicherheitsdienst SB geschrieben. Decknamen: 'Vera Cruz' und 'Poet'. Vor ihm wurden in jüngster Zeit bereits andere Intellektuelle als Zuträger enttarnt: der Romanschriftsteller Andrzej Szczypiorski, der Dichter Zbigniew Herbert, der Romancier, Lyriker und Dramatiker Henryk Grynberg, einer der großen Erzähler jüdischen Leids, sowie der Gründer des berühmten Breslauer Pantomimetheaters Henryk Tomaszewski. Der Philosoph und Soziologe Zygmunt Bauman war gar in der Stalinzeit Offizier des Geheimdienstes, was er verschwiegen hatte." Kapuscinski, "darüber sind sich die Auswerter seiner Akte einig", habe niemandem geschadet. "Doch war er offenbar stolz darauf, vom Geheimdienst für so wichtig genommen zu werden."
Auch Tobias Kniebe schreibt aus Cannes: "Fatih Akin, der nach dem Triumph von 'Gegen die Wand' mächtig unter Druck stand und sich auch selbst unter Druck gesetzt hat, findet hier genau jene Qualität wieder, die ihn als Regisseur auszeichnet: eine beinah kindliche Unschuld des Blicks. Tiefer als je zuvor setzt er sich mit philosophischen und politischen Themen auseinander, und wenn 'Gegen die Wand' ein Rock-n-Roll-Song über die Liebe war, dann ist dies eine Ballade über Tod und Vergebung. Ein hoher Anspruch, und teilweise spürt man etwas wie ein Knirschen in der doch recht komplexen Konstruktion, aber sehr bald weiß man: Dies ist ein Regisseur mit der Gabe, selbst ein so vielfach belastetes Thema wie politischen Widerstand so selbstverständlich zu inszenieren, als habe es vor ihm noch nie jemand gemacht."
Weitere Artikel: Der Münchner Anwalt und Justiziar des Beck-Verlags, Bernhard von Becker, verteidigt das Urheberrecht gegen einen Artikel von Reto M. Hilty, dem Direktor am Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, der in der SZ vom 12.4. Wissenschaftsverlagen vorgeworfen hatte, die Forschung zu behindern. Sonja Zekri ärgert sich über Ralph Giordanos Warnung vor einer antisemitischen Allianz zwischen Rechtsextremen und Islamisten, die sie zu grob gedacht findet. Julie Delpy unterhält sich mit Marcus Rothe über ihre Komödie "2 Tage Paris". Werner Burkhardt gratuliert dem Avantgardesaxophonisten Archie Shepp zum siebzigsten Geburtstag. Jürgen Berger schickt einen höchst beeindruckten Bericht von den Mühlheimer Theatertagen, insbesondere von einem Theaterabend, den Lars Noren mit Anne Tismer über den Amokläufer von Emsdetten einstudiert hat. Ijoma Mangold informiert über die letzten Volten in der Schlacht um den Suhrkamp-Verlag,
Besprochen werden die Neo-Rauch-Schau im New Yorker Metropolitan Museum, die Ausstellung "Made in Germany" die gleichzeitig an drei hannoveraner Standorten, nämlich der Kestnergesellschaft, dem Kunstverein und dem Sprengel-Museum zu sehen ist, Nicholas Hytners Film "The History Boys", Gore Verbinskis dritter "Pirates of the Caribbean"- Film ("Weiter gehts nun nimmer", schreibt Fritz Göttler nach Inaugenscheinnahme dieses "Blockbuster-Stilllebens"), Niels Arden Oplevs Film "Der Traum", Bruno Dumonts Thriller "Twentynine Palms" und Peter Kurzecks Roman "Oktober und wer wir selber sind" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2007
Die Stasi-Akten Ryszard Kapuscinskis haben nur äußerst belanglose Äußerungen des berühmten Reporters hervorgebracht, berichtet Stefanie Peter, die nun auch einen Stimmungswandel in Polen feststellt: "Wo die Regierung der Brüder Kaczynski sich doch die lustracja, also die 'Durchleuchtung' der Stasivergangenheit aller möglichen politisch missliebigen Zeitgenossen, auf die Fahnen geschrieben hatte, scheint nun die überwiegend ablehnende und empörte Reaktion auf die Skandalisierung, die sich dieser Tage auch in den Diskussionsforen großer Tageszeitungen im Fall Kapuscinski niederschlägt, die öffentliche Toleranzgrenze dieser großen Aktenfledderei aufzuzeigen."
Michael Althen ist in seiner Cannes-Kolumne ergriffen von Fatih Akins neuem Film "Auf der anderen Seite", der die deutsch-türkischen Geschichten zweier Todesfälle anmutig miteinander verwebt: "Das wahre Ereignis des Films ist aber Hanna Schygulla, die als Mutter der deutschen Freundin nach Istanbul kommt und dort dem Leben ihrer Tochter nachzuspüren versucht. Sie bezieht dasselbe Quartier wie zuvor die Tochter, und als sie das Haus verlässt und im Vorübergehen zwei alte Schachspieler grüßt, da wiederholt sie unwissentlich genau die Geste der Tochter. Schöner kann man nicht von der inneren Verbundenheit zwischen Mutter und Tochter erzählen."
Weitere Artikel: Christian Geyer kommentiert das gestrige Verfassungsgerichtsurteil zur Gleichbehandlung unehelicher Kinder. Hubert Spiegel ist empört über die Pläne der Polizei, Geruchskonserven zum Aufspüren von Verfassungsfeinden einzusetzen. Edo Reents mokiert sich in der Leitglosse über Ralph Giordanos Vergleich von burkatragenden Frauen mit Pinguinen. Heinrich Wefing begrüßt die verschärfte Überwachung der Parkordnung durch die "recht eigentlich in Notwehr" handelnden Preußischen Schlösser und Gärten. Der ungarische Autor Peter Zilahy schreibt eine Reminiszenz über Fußballspiele mit deutschen Kollegen. Wolfgang Sandner gratuliert dem Saxofonisten Archie Shepp zum Siebzigsten. Jordan Mejias liest amerikanische Zeitschriften, die sich mit Wikipedia, ihrem Gründer Jimmy Whales und anderen Internetutopisten befassen.
Auf der Filmseite schreibt Verena Lueken zum hundertsten Geburtstag von John Wayne. Außerdem wundert sie sich über den Misserfolg des neuesten Films von Olivier Assayas in Cannes. Auf der Medienseite berichtet Jürg Altwegg über das Ende der Ära Jean-Marie Colombanis als Herausgeber von Le Monde, dem die einflussreiche Societe des redacteurs eine endgültige Abfuhr erteilte. Michael Reinsch meldet, dass ARD und ZDF dem Radsport und somit sich selbst treu bleiben. Gemeldet wird, dass die Urheber des Brandanschlags auf das Auto des Bild-Chefs Kai Diekmann der Bild-Zeitung laut Bekennerschreiben vorwerfen, "eine bedeutende Säule für den Erhalt des kapitalistischen Systems in der BRD" zu sein.
Für die letzte Seite besucht Jordan Mejias den Council on American-Islamic Relations, der in den USA die Sache der Muslime vertreten will. Siegfried Thielbeer geht der Frage nach, ob der dänische Rechtspopulist Morten Messerschmidt in volltrunkenem Zustand rechtsextremes Liedgut vortrug. Und Andreas Rossmann porträtiert den Leiter des Festivals Moers, Reiner Michalke.
Besprochen wird Terence Kohlers Neuinszenierung von Ludwig Minkus' und Marius Petipas Ballett "La bayadere" in Karlsruhe.
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





