Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Patricia B. McConnell: Das andere Ende der Leine

Michael Stolleis: Sozialistische Gesetzlichkeit

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
- Politkowskaja
- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.02.2007. Im Titel-Forum lehnt Wolfram Schütte jeden Vergleich zwischen Klaus Manns "Mephisto" und Maxim Billers "Esra" ab. In der Berliner Zeitung macht der Ethnologe Werner Schiffauer die mangelnde Integrationsbereitschaft der Deutschen verantwortlich für den Rückgang von Einbürgerungsanträgen. Im Perlentaucher glaubt der niederländische Jurist Paul Cliteur nicht an eine Befriedung von Islamisten durch gemäßigte Aufklärer. Im Streit um die Übersetzerhonorare hält die NZZ ein Einkommen von 1000 Euro für unglaubwürdig. In der SZ wirft die Übersetzerin Brigitte Grosse den Verlagen vor, gestiegene Kosten ausgerechnet dem schwächsten Glied in der Verwertungskette aufzubürden.
Titel-Magazin | Die Tageszeitung | Perlentaucher | Berliner Zeitung | Die Welt | Der Tagesspiegel | Weitere Medien | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Titel-Magazin, 07.02.2007
Wolfram Schütte greift einen Artikel von Georg M. Oswald, Schriftsteller und Jurist, auf, der in der SZ vom 5. Februar das Bundesverfassungsgericht höflich aufgefordert hat, Maxim Billers Roman "Esra" und Alban Nikolai Herbsts Roman "Meere" nicht wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte der in den Romanen beschriebenen, aber real existierenden Geliebten zu verbieten (mehr hier). Das Urteil in Sachen Erben Gründgens gegen Klaus Manns Roman "Mephisto" von 1968 (Auszug) will Schütte überhaupt nicht als Argument gelten lassen: "Hier & heute hat nämlich nicht ein Erbe postum gegen die Verletzung des öffentlichen Ansehens seines Adoptivvaters in einem vor 32 Jahren erschienenen Roman geklagt, sondern drei Personen, die sich erkennbar in actu bloßgestellt sahen: in gerade publizierten Büchern. (...) Hätte man im Falle Klaus Manns sogar von einem politischen, denunziatorischen Notwehrakt des deutschen Emigranten im Kampf gegen den Faschismus & seine Mitläufer sprechen können, so trifft dergleichen auf die beiden Gegenwartsbücher nicht zu; eher um kalkulierte Akte einer literarischen Ausbeutung privater erotischer Erlebnisse, gegen die sich ihre Opfer in ihrer Not zur Wehr setzen, indem sie ihr Persönlichkeitsrecht einklagen."
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Die Tageszeitung, 07.02.2007
In der taz zwei porträtiert Robert Misik Ulf Poschardt, Chefredakteur der deutschen Ausgabe von Vanity Fair (hier das Original), die ab heute am Kiosk liegt, als Leitfigur des "hippen, zeitgeistigen Bobospießertums". "Was den Poschardt-Typus aber vom Traditionsspießertum unterscheidet, ist, dass er den neoliberalen Neiddiskurs mit dem Geist der Revolte, dem Poprebellentum und dem Erbe von Punk und Nonkonformismus kurzschließt. Seine Thesen ernten meist höhnische Kritik und gelegentlich auch Zustimmung, dabei hätten sie so etwas wie eine zustimmende Ablehnung verdient. Denn da ist gewiss mehr dran, als unsereinem lieb sein kann: das Freiheitspathos der Revolte hat erst die radikalindividualistischen Subjekte geschaffen, die der Postfordismus benötigte."
Auf der Meinungsseite erklärt die Politologin Luise Baghramian, Mitbegründerin eines Frauenhauses, im Interview, welche Folgen der Mord an Hatun Sürücü vor zwei Jahren (mehr hier), das Urteil gegen ihren jüngsten Bruder und die anschließende Diskussion um "Ehrenmorde" hatte. "Erst haben alle gedacht: Nun wird wieder über die MigrantInnen hergezogen. Aber daneben gab es auch andere Töne: Das Problem sind nicht immer die anderen, die rassistisch sind. Auch bei uns selbst läuft etwas schief." Mit Brüdern oder Vätern versuche man nur selten zu reden. "Manche werden erst wirklich wütend, wenn sie mitbekommen, dass die Frau sich an uns gewandt hat. Dann wird sie erst recht eingesperrt. Aber es gibt auch Fälle, dass Brüder von sich aus bei uns Unterstützung suchen, etwa weil der Vater die Mutter oder die Schwester schlägt."
Auf den Kulturseiten stellt Friederike Gräff eine neue Vortragsreihe des Hamburger Instituts für Sozialforschung vor, die Heinz Bude eröffnet hat: "Wie weiter mit Marx?" "Marx wende sich nicht an ein vom schlechten Gewissen geplagtes Bürgertum. Sondern an diejenigen, die auf der Suche seien nach einem Theoretiker, der unsere Hinnahmefähigkeit in Frage stelle. 'Jemand, der nicht sagt: So funktioniert es. Sondern fragt: Wie wollen wir leben?'"
Besprochen werden eine Ausstellung mit Fotos der amerikanischen Künstlerin Collier Schorr im Badischen Kunstverein in Karlsruhe und der Sammelband "Die RAF und der linke Terrorismus" von Wolfgang Kraushaar (siehe hierzu unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Und hier Tom.
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Perlentaucher, 07.02.2007
Ian Buruma vertritt in "Murder in Amsterdam" eine postmodernistische Auffassung, die die radikale Aufklärung mit dem radikalen Islamismus gleichsetzt. Aber so lassen sich religiöse Eiferer nicht befrieden. Job Cohen, Bürgermeister von Amsterdam kann ein Lied davon singen, meint der niederländische Jurist Paul Cliteur. "Und Cohen: er gilt vielen als viel zu weich. Er benutzt keine kräftige Sprache gegenüber ethnischen und religiösen Minderheiten. Er ist ein Mann des 'Dialogs' und 'Respekts', der sich fast jeder Kritik enthält, die die Gefühle religiöser Minderheiten stören könnte. Doch Cohen wurde namentlich in dem Brief kritisiert, den Bouyeri auf dem Körper von Theo van Gogh zurückließ."
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Berliner Zeitung, 07.02.2007
In Deutschland stellen immer weniger Türken einen Antrag auf Einbürgerung. Der Ethnologe Werner Schiffauer macht im Interview die mangelnde Integrationsbereitschaft der Deutschen dafür verantwortlich, die vor allem die zweite Generation der Einwanderer abschrecke. "Diese zweite Generation ist jetzt um die 30, 35 Jahre, sie besteht aus Bildungsbürgern, die deutsche Schulen und Universitäten besucht haben, und ohne den Druck von außen wären sie nach dem 11. September nicht so stark in Leitungspositionen gerückt, wie es der Fall ist. Denn dazu waren die Gemeinden viel zu patriarchalisch organisiert. Das ist die Chance, die sich durch die öffentliche Hysterie ergeben hat, denn diese zweite Generation will in ihrem Gros die Gemeinden reformieren und sie in Europa verankern. Auf der anderen Seite zerstört das vorherrschende Misstrauen viel von diesen Bemühungen. Reformpositionen werden von der Mehrheitsgesellschaft oft als Fassade, als Doppelzüngigkeit und Manipulation ausgelegt. Dies bestätigt dann wieder diejenigen in den Gemeinden, die der Meinung sind, dass die deutsche Gesellschaft sowieso den Islam nicht akzeptieren wird, und dass man als Muslim letztlich nur in einer islamischen Gesellschaft leben kann."
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Die Welt, 07.02.2007
Zweimal Berlinale einen Tag vor dem Start. Eckhard Fuhr lässt sich vom kulinarischen Programmschwerpunkt zu Zeitdiagnostik inspirieren: "Das Grunddilemma bürgerlicher Existenz im globalen Kapitalismus wird man am Ende allerdings doch nicht klein kochen können. Das Bürgerideal von Beständigkeit, Traditionsbewusstsein und Familiensinn wird von der Ökonomie, die den Bürger nährt, immer verhöhnt werden."
Und Hanns-Georg Rodek kommentiert Günter Rohrbachs jüngste Filmkritikerbeschimpfung im Spiegel und hält Grundsätzliches fest: "Filmkritik ist keine Enthauptungsmaschine, sondern entfaltet ihre schönste Wirkung im Positiven: im Wegfreischlagen für Werke, die es verdient haben."
Weitere Artikel: Für eine Katastrophe, die nur Verlierer hinterlässt, hält Sven Felix Kellerhoff die Entscheidung, den Direktorenposten des Fritz-Bauer-Instituts mit dem eh schon arg ausgelasteten Raphael Gross zu besetzen. Matthias Heine gratuliert der Sängerin Juliette Greco zum Achtzigsten. Uwe Schmitt berichtet von seinem Superbowl-Abend - und er war dabei, als Florian Henckel von Donnersmarck in Washington seinen Film "Das Leben der Anderen" vorstellte. Auf der Medien-Seite bereitet Ulrike Simon uns auf die heute erscheinende erste deutsche Vanity Fair-Ausgabe vor.
Besprochen werden Marguerite Donlons "Romeo und Julia"-Ballett in Saarbrücken, eine Inszenierung von Pietro Mascagnis "Iris" in Chemnitz und Operinszenierungen von Rossinis "Der Prüfstein" und einem Bartok/Janacek-Doppel.
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Der Tagesspiegel, 07.02.2007
Armin Petras, seit vier Monaten Intendant des Berliner Gorki-Theaters, stellt im Interview das Stück "Mala Zementbaum" vor. Geschrieben hat er es zusammen mit Thomas Lawinky, dem Schauspieler, der sich nach der Spiralblock-Affäre (mehr hier und hier) als ehemaliger inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit outete. "Es gehört zu den Themen, die sich - genau wie 'Baumeister Solness', 'Prinz Friedrich von Homburg' oder 'Cafe Vaterland', was Ende Februar Premiere hat - mit unserer programmatischen Spurensuche beschäftigen: Was ist in den letzten zwanzig, in den letzten hundert, in den letzten dreihundert Jahren in dieser Stadt passiert? Für uns war klar, dass das Kapitel Stasi, Zusammenbruch der DDR im Moment wiederkommt, dass es die Menschen interessiert. Erstaunlicherweise gibt es im Theater gar keine Reflexion darüber. Nur diesen inzwischen sehr berühmten Film." Am Freitag ist Premiere.
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Weitere Medien, 07.02.2007
Hingewiesen sei noch auf einen Artikel bei Heise online: Dort wird berichtet, dass Apple-Chef Steve Jobs Musik im iTunes-Store am liebsten ganz ohne Kopierschutz verkaufen würde. Aber da seien die bösen Konzerne - Universal Music, Sony BMG, Warner Music und EMI - vor. Sollen wir das glauben? Aber lesen Sie selbst.
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Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2007
Joachim Güntner schreibt zum Übersetzerstreit, den Thomas Steinfeld in der SZ mit dem Vorwurf neu entfacht hat, die Übersetzer verkennten "das kulturelle Apriori", wenn sie besser bezahlt werden wollen. Dabei arbeite Steinfeld mit "Statistiken der Buchhändlervereinigung und deren Interpretation durch die Verleger", meint Güntner, die Behauptung, Übersetzungen gehen kontinuierlich zurück, sei schlichtweg falsch. "Ein 'Plus von 13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr' verzeichnet das Periodikum 'Buch und Buchhandel in Zahlen' in seiner jüngsten Ausgabe." Aber auch an Übersetzer Burkhart Kroeber übt Güntner Kritik, der im Perlentaucher auf Steinfeld geantwortet hat (was Güntner verschweigt): "Wenn ein gefragter Übersetzer wie Burkhart Kroeber klagt, 'wir müssen von etwa 1000 Euro pro Monat leben', dann ruiniert er nicht nur seine eigene Glaubwürdigkeit, sondern die der ganzen Zunft."
Der Grazer Biochemiker Gottfried Schatz erklärt, warum Wissenschaft nicht nur die Wahrheit liefert, "die uns die Lüge zeigt" und Proteinporträts auch Kunst sind: "Die Porträts von Aquaporin befriedigen mein Sehnen nach Schönem - und damit mein Herz." Besorgt meldet die NZZ außerdem, dass der Cellist und Dirigent Mstislaw Rostropowitsch schwer erkrankt ist.
Anuschka Albertz' Studie zur Rezeptionsgeschichte der Schlacht an den Thermopylen "Exemplarisches Heldentum" sowie Kunstbände und Wissensbücher für Kinder (siehe dazu auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 07.02.2007
Brigitte Grosse, Übersetzerin von Georges-Arthur Goldschmidt, macht sich im Honorarstreit für Übersetzer stark für die Berufsgruppe, die im Verlagswesen am Ende der Nahrungskette steht. "Die gestiegenen Kosten beim schwächsten Glied der Kette wieder hereinholen zu wollen, ist so unredlich, als würde ein Manager, der sich verspekuliert hat, das Geld an der Putzfrau einsparen wollen. Mit einem großen Unterschied: Urheber und Verwerter brauchen einander, um ihr Metier überhaupt ausüben zu können. Ohne (Welt-)Literatur gibt es auch keinen Buchmarkt."
Thomas Urban informiert über Attacken von Polens Rechten gegen den liberalen Publizisten Adam Michnik: "Ein neues Wort hat Einzug in die polnische Presse gefunden: Michnikowszczyzna, die Michnik-Herrschaft. Das klingt hässlich und ist auch so gemeint. Das Wort bezeichnet einen angeblichen Werteverfall, für den die polnische Rechte den Chefredakteur der linksliberalen Gazeta Wyborcza, Adam Michnik, verantwortlich macht. Dem schwerkranken Michnik, der in Westeuropa für sein Ringen um Demokratie mehrfach ausgezeichnet wurde, werden nahezu alle Schattenseiten der polnischen Demokratie angehängt. Sein angebliches Motiv: Er wollte alte kommunistische Seilschaften schützen."
Weiteres: In der Serie "Bei der Arbeit" porträtiert Sonja Zekri den Filmschauspieler Jürgen Tarrach, der nach zwölf Jahren auf die Theaterbühne zurückgekehrt ist. Petra Steinberger berichtet über ein marxistisches Online-Archiv, das ausgerechnet von der chinesischen Regierung bekämpft wird. Gerhard Matzig kritisiert Leipziger Städtebaupläne, wonach in der Innenstadt ein gewaltiges Einzelhandelszentrum entstehen soll. Jens-Christian Rabe resümiert eine zunächst gut besuchte Lesung von Peter Sloterdijk im Münchner Literaturhaus, in deren Verlauf sich der Philosoph "als beinharter, überraschenderweise auch: ganz und gar humorloser, Kulturelitist offenbarte". Gunnar Herrmann erklärt, weshalb sich der dänische Autor Leif Davidsen als Opfer des Karikaturenstreits sieht. Thomas Thiemeyer berichtet über eine Tagung zur Frage nach der angemessenen Darstellung von NS-Verbrechen. Johannes Willms gratuliert Juliette Greco zum 80. Geburtstag und Henner von Hesberg dem klassischen Archäologen Paul Zanker zum 70. Geburtstag. Gemeldet werden die Nominierungen der Kandidaten für den Preis der Leipziger Buchmesse.
Besprochen werden Sylvester Stallones Comeback "Rocky Balboa" von Sylvester Stallone ("ein großes melancholisches Alterswerk"), eine Ausstellung zur Geschichte der Piktogramme im Kunstmuseum Stuttgart, Hans Neuenfels' Inszenierung von Garcia Lorcas Schauspiel "Bernarda Albas Haus" am Schauspiel Köln, zwei Konzerte mit Werken von Isabel Mundry und Jörg Widmann im Rahmen der Salzburger Mozartwochen, das zweite Album der englischen Gruppe Bloc Party, und Bücher, darunter der Roman "Zoli" von Colum McCann und eine Geschichte der Kindheit von Hugh Cunningham (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2007
Im Aufmacher entwirft Christian Geyer eine auf ein einziges Gesicht zugespitzte mediale Seinsphilosophie. Aber lesen Sie selbst: "Die Natur hat ganz von selbst dafür gesorgt, dass unter den hundert Nachrichtengesichtern, die in unseren Fernsehanstalten kommen und gehen, nur ein Einziges das Antlitz der Erde umgestaltet: eben jenes von Anne Will (das hat naturgemäß auch etwas mit der Tautologie des Evolutionsgedankens zu tun: was ist, das ist)." Womit aber die entscheidende Frage noch nicht geklärt ist: "Wer kommt bei den 'Tagesthemen' nach Anne Will?" (Hier die Website des Anne-Will-Fanclubs.)
Weitere Artikel: In der Glosse freut sich Jürgen Kaube, dass das Fritz-Bauer-Institut jetzt nicht, wie zu befürchten war, abgewickelt, sondern, in die Obhut des Frankfurter Jüdischen Museums gegeben, sogar finanziell und personell gestärkt wird. In seinem Update informiert Oliver Tolmein über die Desinformation der Sterbehilfeorganisation "Dignitas", die in einem Schweizer Musterprozess keineswegs, wie sie selbst insinuiert Recht bekommen hat. Der Richter Friedrich Kiechle erläutert, warum die Rückgabe von Ernst Ludwig Kirchners "Straßenszene" seiner Auffassung nach rechtswidrig war. Norbert Krampf hat der Elektroavantgarde bei der Transmediale in Berlin gelauscht. Nach langem Hin und Her kann Vollzug gemeldet werden: Wolf Biermann wird Ehrenbürger Berlins. Aus London berichtet Gina Thomas von wachsendem Unmut darüber, dass das Victoria and Albert Museum Kostüme von Kylie Minogue ausstellen will. Bernard Andreae gratuliert dem Archäologen Paul Zanker zum Siebzigsten und Dieter Bartetzko der Sängerin Juliette Greco zum Achtzigsten. Aufgelistet werden die auf der Shortlist für den Deutschen Bücherpreis vertretenen drei mal fünf Titel.
Auf der letzten Seite beklagt Dieter Bartetzko mangelnde Antikenkenntnis der Internetkundigen, da ein "Trojaner" keinesfalls die heimlich sich einschleichende Software sein dürfte, wo Odysseus doch der Einschleicher war, der umgekehrt Troja im Bauch eines Pferdes bezwang. Andreas Kilb porträtiert die erfolgreichen Neuköllner Quartiersmanager Renate Muhlak und Gilles Duhem, denen der Senat jetzt allerdings gekündigt hat.
Besprochen werden Sylvester Stallones "zutiefst bewegender" Comeback-Film "Rocky Balboa", Inszenierungen von Jacques Offenbachs "Hoffmans Erzählungen" in Berlin ("konzeptionell stark") und von Pietro Mascagnis selten gespielter "Iris" in Chemnitz ("allzu dürftige Abstraktion").
Rezensionen gibt es zu einer Untersuchung über Seilschaften und Netzwerke, einem Band mit Texten von Schriftstellern, die darüber schreiben, was sie sehen, wenn sie Malerei betrachten und einer Neuausgabe von Johann Joachim Spaldings "Betrachtung über die Bestimmung des Menschen" aus dem Jahr 1748 (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Muss ich etwas zu sagen haben?
20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen
Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche
19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen
Arrondierte Männergruppen
18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen
Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach
17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten. Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen
Ein Fingernagel in ihrer Suppe
04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen. Mehr lesen



