Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
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Alma Guillermoprieto: Havanna im Spiegel

Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
- Politkowskaja
- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.02.2007. Im Titel-Forum lehnt Wolfram Schütte jeden Vergleich zwischen Klaus Manns "Mephisto" und Maxim Billers "Esra" ab. In der Berliner Zeitung macht der Ethnologe Werner Schiffauer die mangelnde Integrationsbereitschaft der Deutschen verantwortlich für den Rückgang von Einbürgerungsanträgen. Im Perlentaucher glaubt der niederländische Jurist Paul Cliteur nicht an eine Befriedung von Islamisten durch gemäßigte Aufklärer. Im Streit um die Übersetzerhonorare hält die NZZ ein Einkommen von 1000 Euro für unglaubwürdig. In der SZ wirft die Übersetzerin Brigitte Grosse den Verlagen vor, gestiegene Kosten ausgerechnet dem schwächsten Glied in der Verwertungskette aufzubürden.
Titel-Magazin | Die Tageszeitung | Perlentaucher | Berliner Zeitung | Die Welt | Der Tagesspiegel | Weitere Medien | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Titel-Magazin, 07.02.2007
Wolfram Schütte greift einen Artikel von Georg M. Oswald, Schriftsteller und Jurist, auf, der in der SZ vom 5. Februar das Bundesverfassungsgericht höflich aufgefordert hat, Maxim Billers Roman "Esra" und Alban Nikolai Herbsts Roman "Meere" nicht wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte der in den Romanen beschriebenen, aber real existierenden Geliebten zu verbieten (mehr hier). Das Urteil in Sachen Erben Gründgens gegen Klaus Manns Roman "Mephisto" von 1968 (Auszug) will Schütte überhaupt nicht als Argument gelten lassen: "Hier & heute hat nämlich nicht ein Erbe postum gegen die Verletzung des öffentlichen Ansehens seines Adoptivvaters in einem vor 32 Jahren erschienenen Roman geklagt, sondern drei Personen, die sich erkennbar in actu bloßgestellt sahen: in gerade publizierten Büchern. (...) Hätte man im Falle Klaus Manns sogar von einem politischen, denunziatorischen Notwehrakt des deutschen Emigranten im Kampf gegen den Faschismus & seine Mitläufer sprechen können, so trifft dergleichen auf die beiden Gegenwartsbücher nicht zu; eher um kalkulierte Akte einer literarischen Ausbeutung privater erotischer Erlebnisse, gegen die sich ihre Opfer in ihrer Not zur Wehr setzen, indem sie ihr Persönlichkeitsrecht einklagen."
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Die Tageszeitung, 07.02.2007
In der taz zwei porträtiert Robert Misik Ulf Poschardt, Chefredakteur der deutschen Ausgabe von Vanity Fair (hier das Original), die ab heute am Kiosk liegt, als Leitfigur des "hippen, zeitgeistigen Bobospießertums". "Was den Poschardt-Typus aber vom Traditionsspießertum unterscheidet, ist, dass er den neoliberalen Neiddiskurs mit dem Geist der Revolte, dem Poprebellentum und dem Erbe von Punk und Nonkonformismus kurzschließt. Seine Thesen ernten meist höhnische Kritik und gelegentlich auch Zustimmung, dabei hätten sie so etwas wie eine zustimmende Ablehnung verdient. Denn da ist gewiss mehr dran, als unsereinem lieb sein kann: das Freiheitspathos der Revolte hat erst die radikalindividualistischen Subjekte geschaffen, die der Postfordismus benötigte."
Auf der Meinungsseite erklärt die Politologin Luise Baghramian, Mitbegründerin eines Frauenhauses, im Interview, welche Folgen der Mord an Hatun Sürücü vor zwei Jahren (mehr hier), das Urteil gegen ihren jüngsten Bruder und die anschließende Diskussion um "Ehrenmorde" hatte. "Erst haben alle gedacht: Nun wird wieder über die MigrantInnen hergezogen. Aber daneben gab es auch andere Töne: Das Problem sind nicht immer die anderen, die rassistisch sind. Auch bei uns selbst läuft etwas schief." Mit Brüdern oder Vätern versuche man nur selten zu reden. "Manche werden erst wirklich wütend, wenn sie mitbekommen, dass die Frau sich an uns gewandt hat. Dann wird sie erst recht eingesperrt. Aber es gibt auch Fälle, dass Brüder von sich aus bei uns Unterstützung suchen, etwa weil der Vater die Mutter oder die Schwester schlägt."
Auf den Kulturseiten stellt Friederike Gräff eine neue Vortragsreihe des Hamburger Instituts für Sozialforschung vor, die Heinz Bude eröffnet hat: "Wie weiter mit Marx?" "Marx wende sich nicht an ein vom schlechten Gewissen geplagtes Bürgertum. Sondern an diejenigen, die auf der Suche seien nach einem Theoretiker, der unsere Hinnahmefähigkeit in Frage stelle. 'Jemand, der nicht sagt: So funktioniert es. Sondern fragt: Wie wollen wir leben?'"
Besprochen werden eine Ausstellung mit Fotos der amerikanischen Künstlerin Collier Schorr im Badischen Kunstverein in Karlsruhe und der Sammelband "Die RAF und der linke Terrorismus" von Wolfgang Kraushaar (siehe hierzu unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Und hier Tom.
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Perlentaucher, 07.02.2007
Ian Buruma vertritt in "Murder in Amsterdam" eine postmodernistische Auffassung, die die radikale Aufklärung mit dem radikalen Islamismus gleichsetzt. Aber so lassen sich religiöse Eiferer nicht befrieden. Job Cohen, Bürgermeister von Amsterdam kann ein Lied davon singen, meint der niederländische Jurist Paul Cliteur. "Und Cohen: er gilt vielen als viel zu weich. Er benutzt keine kräftige Sprache gegenüber ethnischen und religiösen Minderheiten. Er ist ein Mann des 'Dialogs' und 'Respekts', der sich fast jeder Kritik enthält, die die Gefühle religiöser Minderheiten stören könnte. Doch Cohen wurde namentlich in dem Brief kritisiert, den Bouyeri auf dem Körper von Theo van Gogh zurückließ."
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Berliner Zeitung, 07.02.2007
In Deutschland stellen immer weniger Türken einen Antrag auf Einbürgerung. Der Ethnologe Werner Schiffauer macht im Interview die mangelnde Integrationsbereitschaft der Deutschen dafür verantwortlich, die vor allem die zweite Generation der Einwanderer abschrecke. "Diese zweite Generation ist jetzt um die 30, 35 Jahre, sie besteht aus Bildungsbürgern, die deutsche Schulen und Universitäten besucht haben, und ohne den Druck von außen wären sie nach dem 11. September nicht so stark in Leitungspositionen gerückt, wie es der Fall ist. Denn dazu waren die Gemeinden viel zu patriarchalisch organisiert. Das ist die Chance, die sich durch die öffentliche Hysterie ergeben hat, denn diese zweite Generation will in ihrem Gros die Gemeinden reformieren und sie in Europa verankern. Auf der anderen Seite zerstört das vorherrschende Misstrauen viel von diesen Bemühungen. Reformpositionen werden von der Mehrheitsgesellschaft oft als Fassade, als Doppelzüngigkeit und Manipulation ausgelegt. Dies bestätigt dann wieder diejenigen in den Gemeinden, die der Meinung sind, dass die deutsche Gesellschaft sowieso den Islam nicht akzeptieren wird, und dass man als Muslim letztlich nur in einer islamischen Gesellschaft leben kann."
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Die Welt, 07.02.2007
Zweimal Berlinale einen Tag vor dem Start. Eckhard Fuhr lässt sich vom kulinarischen Programmschwerpunkt zu Zeitdiagnostik inspirieren: "Das Grunddilemma bürgerlicher Existenz im globalen Kapitalismus wird man am Ende allerdings doch nicht klein kochen können. Das Bürgerideal von Beständigkeit, Traditionsbewusstsein und Familiensinn wird von der Ökonomie, die den Bürger nährt, immer verhöhnt werden."
Und Hanns-Georg Rodek kommentiert Günter Rohrbachs jüngste Filmkritikerbeschimpfung im Spiegel und hält Grundsätzliches fest: "Filmkritik ist keine Enthauptungsmaschine, sondern entfaltet ihre schönste Wirkung im Positiven: im Wegfreischlagen für Werke, die es verdient haben."
Weitere Artikel: Für eine Katastrophe, die nur Verlierer hinterlässt, hält Sven Felix Kellerhoff die Entscheidung, den Direktorenposten des Fritz-Bauer-Instituts mit dem eh schon arg ausgelasteten Raphael Gross zu besetzen. Matthias Heine gratuliert der Sängerin Juliette Greco zum Achtzigsten. Uwe Schmitt berichtet von seinem Superbowl-Abend - und er war dabei, als Florian Henckel von Donnersmarck in Washington seinen Film "Das Leben der Anderen" vorstellte. Auf der Medien-Seite bereitet Ulrike Simon uns auf die heute erscheinende erste deutsche Vanity Fair-Ausgabe vor.
Besprochen werden Marguerite Donlons "Romeo und Julia"-Ballett in Saarbrücken, eine Inszenierung von Pietro Mascagnis "Iris" in Chemnitz und Operinszenierungen von Rossinis "Der Prüfstein" und einem Bartok/Janacek-Doppel.
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Der Tagesspiegel, 07.02.2007
Armin Petras, seit vier Monaten Intendant des Berliner Gorki-Theaters, stellt im Interview das Stück "Mala Zementbaum" vor. Geschrieben hat er es zusammen mit Thomas Lawinky, dem Schauspieler, der sich nach der Spiralblock-Affäre (mehr hier und hier) als ehemaliger inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit outete. "Es gehört zu den Themen, die sich - genau wie 'Baumeister Solness', 'Prinz Friedrich von Homburg' oder 'Cafe Vaterland', was Ende Februar Premiere hat - mit unserer programmatischen Spurensuche beschäftigen: Was ist in den letzten zwanzig, in den letzten hundert, in den letzten dreihundert Jahren in dieser Stadt passiert? Für uns war klar, dass das Kapitel Stasi, Zusammenbruch der DDR im Moment wiederkommt, dass es die Menschen interessiert. Erstaunlicherweise gibt es im Theater gar keine Reflexion darüber. Nur diesen inzwischen sehr berühmten Film." Am Freitag ist Premiere.
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Weitere Medien, 07.02.2007
Hingewiesen sei noch auf einen Artikel bei Heise online: Dort wird berichtet, dass Apple-Chef Steve Jobs Musik im iTunes-Store am liebsten ganz ohne Kopierschutz verkaufen würde. Aber da seien die bösen Konzerne - Universal Music, Sony BMG, Warner Music und EMI - vor. Sollen wir das glauben? Aber lesen Sie selbst.
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Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2007
Joachim Güntner schreibt zum Übersetzerstreit, den Thomas Steinfeld in der SZ mit dem Vorwurf neu entfacht hat, die Übersetzer verkennten "das kulturelle Apriori", wenn sie besser bezahlt werden wollen. Dabei arbeite Steinfeld mit "Statistiken der Buchhändlervereinigung und deren Interpretation durch die Verleger", meint Güntner, die Behauptung, Übersetzungen gehen kontinuierlich zurück, sei schlichtweg falsch. "Ein 'Plus von 13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr' verzeichnet das Periodikum 'Buch und Buchhandel in Zahlen' in seiner jüngsten Ausgabe." Aber auch an Übersetzer Burkhart Kroeber übt Güntner Kritik, der im Perlentaucher auf Steinfeld geantwortet hat (was Güntner verschweigt): "Wenn ein gefragter Übersetzer wie Burkhart Kroeber klagt, 'wir müssen von etwa 1000 Euro pro Monat leben', dann ruiniert er nicht nur seine eigene Glaubwürdigkeit, sondern die der ganzen Zunft."
Der Grazer Biochemiker Gottfried Schatz erklärt, warum Wissenschaft nicht nur die Wahrheit liefert, "die uns die Lüge zeigt" und Proteinporträts auch Kunst sind: "Die Porträts von Aquaporin befriedigen mein Sehnen nach Schönem - und damit mein Herz." Besorgt meldet die NZZ außerdem, dass der Cellist und Dirigent Mstislaw Rostropowitsch schwer erkrankt ist.
Anuschka Albertz' Studie zur Rezeptionsgeschichte der Schlacht an den Thermopylen "Exemplarisches Heldentum" sowie Kunstbände und Wissensbücher für Kinder (siehe dazu auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 07.02.2007
Brigitte Grosse, Übersetzerin von Georges-Arthur Goldschmidt, macht sich im Honorarstreit für Übersetzer stark für die Berufsgruppe, die im Verlagswesen am Ende der Nahrungskette steht. "Die gestiegenen Kosten beim schwächsten Glied der Kette wieder hereinholen zu wollen, ist so unredlich, als würde ein Manager, der sich verspekuliert hat, das Geld an der Putzfrau einsparen wollen. Mit einem großen Unterschied: Urheber und Verwerter brauchen einander, um ihr Metier überhaupt ausüben zu können. Ohne (Welt-)Literatur gibt es auch keinen Buchmarkt."
Thomas Urban informiert über Attacken von Polens Rechten gegen den liberalen Publizisten Adam Michnik: "Ein neues Wort hat Einzug in die polnische Presse gefunden: Michnikowszczyzna, die Michnik-Herrschaft. Das klingt hässlich und ist auch so gemeint. Das Wort bezeichnet einen angeblichen Werteverfall, für den die polnische Rechte den Chefredakteur der linksliberalen Gazeta Wyborcza, Adam Michnik, verantwortlich macht. Dem schwerkranken Michnik, der in Westeuropa für sein Ringen um Demokratie mehrfach ausgezeichnet wurde, werden nahezu alle Schattenseiten der polnischen Demokratie angehängt. Sein angebliches Motiv: Er wollte alte kommunistische Seilschaften schützen."
Weiteres: In der Serie "Bei der Arbeit" porträtiert Sonja Zekri den Filmschauspieler Jürgen Tarrach, der nach zwölf Jahren auf die Theaterbühne zurückgekehrt ist. Petra Steinberger berichtet über ein marxistisches Online-Archiv, das ausgerechnet von der chinesischen Regierung bekämpft wird. Gerhard Matzig kritisiert Leipziger Städtebaupläne, wonach in der Innenstadt ein gewaltiges Einzelhandelszentrum entstehen soll. Jens-Christian Rabe resümiert eine zunächst gut besuchte Lesung von Peter Sloterdijk im Münchner Literaturhaus, in deren Verlauf sich der Philosoph "als beinharter, überraschenderweise auch: ganz und gar humorloser, Kulturelitist offenbarte". Gunnar Herrmann erklärt, weshalb sich der dänische Autor Leif Davidsen als Opfer des Karikaturenstreits sieht. Thomas Thiemeyer berichtet über eine Tagung zur Frage nach der angemessenen Darstellung von NS-Verbrechen. Johannes Willms gratuliert Juliette Greco zum 80. Geburtstag und Henner von Hesberg dem klassischen Archäologen Paul Zanker zum 70. Geburtstag. Gemeldet werden die Nominierungen der Kandidaten für den Preis der Leipziger Buchmesse.
Besprochen werden Sylvester Stallones Comeback "Rocky Balboa" von Sylvester Stallone ("ein großes melancholisches Alterswerk"), eine Ausstellung zur Geschichte der Piktogramme im Kunstmuseum Stuttgart, Hans Neuenfels' Inszenierung von Garcia Lorcas Schauspiel "Bernarda Albas Haus" am Schauspiel Köln, zwei Konzerte mit Werken von Isabel Mundry und Jörg Widmann im Rahmen der Salzburger Mozartwochen, das zweite Album der englischen Gruppe Bloc Party, und Bücher, darunter der Roman "Zoli" von Colum McCann und eine Geschichte der Kindheit von Hugh Cunningham (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2007
Im Aufmacher entwirft Christian Geyer eine auf ein einziges Gesicht zugespitzte mediale Seinsphilosophie. Aber lesen Sie selbst: "Die Natur hat ganz von selbst dafür gesorgt, dass unter den hundert Nachrichtengesichtern, die in unseren Fernsehanstalten kommen und gehen, nur ein Einziges das Antlitz der Erde umgestaltet: eben jenes von Anne Will (das hat naturgemäß auch etwas mit der Tautologie des Evolutionsgedankens zu tun: was ist, das ist)." Womit aber die entscheidende Frage noch nicht geklärt ist: "Wer kommt bei den 'Tagesthemen' nach Anne Will?" (Hier die Website des Anne-Will-Fanclubs.)
Weitere Artikel: In der Glosse freut sich Jürgen Kaube, dass das Fritz-Bauer-Institut jetzt nicht, wie zu befürchten war, abgewickelt, sondern, in die Obhut des Frankfurter Jüdischen Museums gegeben, sogar finanziell und personell gestärkt wird. In seinem Update informiert Oliver Tolmein über die Desinformation der Sterbehilfeorganisation "Dignitas", die in einem Schweizer Musterprozess keineswegs, wie sie selbst insinuiert Recht bekommen hat. Der Richter Friedrich Kiechle erläutert, warum die Rückgabe von Ernst Ludwig Kirchners "Straßenszene" seiner Auffassung nach rechtswidrig war. Norbert Krampf hat der Elektroavantgarde bei der Transmediale in Berlin gelauscht. Nach langem Hin und Her kann Vollzug gemeldet werden: Wolf Biermann wird Ehrenbürger Berlins. Aus London berichtet Gina Thomas von wachsendem Unmut darüber, dass das Victoria and Albert Museum Kostüme von Kylie Minogue ausstellen will. Bernard Andreae gratuliert dem Archäologen Paul Zanker zum Siebzigsten und Dieter Bartetzko der Sängerin Juliette Greco zum Achtzigsten. Aufgelistet werden die auf der Shortlist für den Deutschen Bücherpreis vertretenen drei mal fünf Titel.
Auf der letzten Seite beklagt Dieter Bartetzko mangelnde Antikenkenntnis der Internetkundigen, da ein "Trojaner" keinesfalls die heimlich sich einschleichende Software sein dürfte, wo Odysseus doch der Einschleicher war, der umgekehrt Troja im Bauch eines Pferdes bezwang. Andreas Kilb porträtiert die erfolgreichen Neuköllner Quartiersmanager Renate Muhlak und Gilles Duhem, denen der Senat jetzt allerdings gekündigt hat.
Besprochen werden Sylvester Stallones "zutiefst bewegender" Comeback-Film "Rocky Balboa", Inszenierungen von Jacques Offenbachs "Hoffmans Erzählungen" in Berlin ("konzeptionell stark") und von Pietro Mascagnis selten gespielter "Iris" in Chemnitz ("allzu dürftige Abstraktion").
Rezensionen gibt es zu einer Untersuchung über Seilschaften und Netzwerke, einem Band mit Texten von Schriftstellern, die darüber schreiben, was sie sehen, wenn sie Malerei betrachten und einer Neuausgabe von Johann Joachim Spaldings "Betrachtung über die Bestimmung des Menschen" aus dem Jahr 1748 (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Notschrei eines blutjungen Originalgenies
09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis. Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen
Härteste Türpolitik
08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen
Verhängt die Fenster
06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen
Pneumatische Prozesse
05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Wie Einbrecher in der Nacht
04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen
So viel wie ein junges Nashorn
03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen
Irgendwo in einer fernen Wolke
02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur. Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen
Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio
01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen
Circa anderthalb goddamns pro Seite
30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt. Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen
Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit
29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen
Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie
28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen
Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor
27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen
Mit einem Martini und einem Orden
26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen
Menschenfreundliche Wortwundverbände
25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann. Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen
Tempel des digitalen Zeitalters
23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen



