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- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
27.10.2006. Jürgen Habermas hat keine Zettel gegessen, auch und gerade keine Zettel aus seiner Hitlerjugendzeit. So das einhellige Urteil unserer Feuilletons nach harter Recherche. Die FAZ nennt die diesbezügliche Cicero-Geschichte "dämlich". Und in der SZ erzählt Hans-Ulrich Wehler wie's wirklich war. Die NZZ findet die Begeisterung für Blogs und Blogger naiv. In der taz erklärt György Dalos, warum weder Rechte noch Linke den Aufstand der Ungarn gegen die Sowjets 1956 für sich reklamieren können. Die FR ist enttäuscht von den Memoiren von Altkanzler Gerhard Schröder.
Süddeutsche Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Die Welt | Der Tagesspiegel | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 27.10.2006
Andreas Zielcke will von den NS-Vorwürfen gegen Jürgen Habermas nichts wissen. Jürgen Busches Cicero-Beitrag sei "Infamie", Joachim Fests Passage in seinen Erinnerungen "wider besseres Wissen" geschrieben worden. Danach soll Habermas einen Zettel verschluckt haben, auf dem möglicherweise Belastendes stand. Als Zeugen der Verteidigung zitiert Zielcke den Historiker Hans-Ulrich Wehler. "Habermas sei kein HJ-Führer gewesen; schon wegen seiner Körperbehinderung hätten die Nazis ihn nie und nimmer eine Vorgesetztenfunktion übernehmen lassen. Tatsächlich habe der damals etwa 14-Jährige innerhalb der HJ für Jugendliche Kurse zur Ersten Hilfe gegeben, für die er als 'Feldscher' ausgebildet worden sei. Zu seinen Aufgaben als Leiter dieser Kurse habe es gehört, Kursteilnehmer, die den festgelegten Stunden fernblieben, mit sogenannten 'Aufforderungsschreiben' zu pünktlicher Anwesenheit zu mahnen. Diese Schreiben seien vorgefertigte Formulare gewesen, in die der Kursleiter lediglich die Daten des Teilnehmers eintrug, versehen mit seiner Unterschrift." Einen solchen Zettel erhielt Wehler, der habe ihn Habermas später zugeschickt, und das war's schon. Verschluckt habe Habermas nie was.
Weitere Artikel: Unter einem prächtigen Totenkopf aus dem Jahr 1600 evoziert Gustav Seibt aus gegebenem Anlass die christliche Wirkungsgeschichte des menschlichen Schädels als Symbol für den Tod. Reinhard Brembeck und Fritz Göttler sprechen mit dem Regisseur William Friedkin über seine Inszenierungen von Richard Strauss' "Salome" und Wolfgang Rihms "Das Gehege" an der Bayerischen Staatsoper. Thomas Medicus erinnert an die selige Zeit von 1961 bis zum Mauerfall, als West- und Ostberlin von ihren jeweiligen Regierungen mit Subventionen überschüttet wurden. Für Robert Stockhammer sollte der Streit um das französische Verbot der Leugnung des Genozids an den Armeniern auch in Deutschland zu einer Diskussion über die rechtliche Gleichbehandlung aller Genozid-Leugnungen führen. Tobias Moorstedt schaut bei den Lemonheads vorbei, die bald auch durch Deutschland touren. In Heidelberg musste jetzt das Theater wegen baulicher Mängel geschlossen werden, meldet Jürgen Berger.
Besprochen werden Roger Donaldsons Film "Mit Herz und Hand", und Bücher, darunter Gerhard Schröders erste Bilanz "Entscheidungen", die von Karstadt angeregte "Chronik 125 Jahre Deutschland" sowie die Originalfassung von Mary Shelleys "Frankenstein" auf Deutsch (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Neue Zürcher Zeitung, 27.10.2006
Auf der Medien- und Informatikseite findet S.B. die Begeisterung für Blogs und Blogger bestenfalls naiv. Statt Bürgerjournalismus ziehen in die Blogosphäre zunehmend PR und Werbung ein: "Im Auftrag der Software-Firma Mindjet hat die Zürcher PR-Agentur Jenni Kommunikation Bloggern mit Wohnsitz in der Schweiz Gratisexemplare der Mindmanager- Software angeboten. Jeder fünfte Schweizer Blogger habe das Angebot angenommen, heißt es in einem von der PR-Agentur im Namen von Mindjet verschickten Erfolgsbericht. "Die Blogger begrüßen es, von uns als Zielgruppe und als Meinungsbildner erkannt zu werden."
Heribert Seifert empfiehlt begeistert Gerhard Henschels "Gossenreport": wenigstens einer, der die Bild-Zeitung nach wie vor verabscheuungswert findet.
Im Feuilleton resümiert Joachim Güntner die deutsche Unterschicht-Debatte. Jürgen Ritte stellt französische Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt vor und fragt sich, warum Jacques Roubauds Multiroman "Nous, les moins-que-rien, fils aines de personne" (Wir, die Nichtse und Niemandes Söhne) für keinen der großen Literaturpreise nominiert wurde.
Besprochen werden Verdis "Othello" an der Wiener Staatsoper, William Forsythes Installation "Heterotopia" in Zürich und eine Ausstellung des kanadischen Konzeptkünstlers Iain Baxter in der Villa Arson in Nizza.
Auf der Filmseite schreibt Geri Krebs über die jüngsten spanischsprachigen Filmproduktionen, die sie beim 54. Filmfestival San Sebastian gesehen hat. Andre Amsler gratuliert dem Zürcher Filmpionier Rene Boeniger zum Neunzigsten. Und che. erinnert an den vor hundert Jahren geborenen Schauspieler Sigfrit Steiner. Besprochen werden Gela Babluanis Film "13 (Tzameti)" und Marcelo Mangones Film "La demolicion".
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Die Tageszeitung, 27.10.2006
Auf der Meinungsseite erklärt György Dalos, warum weder Rechte noch Linke den Aufstand der Ungarn gegen die Sowjets 1956 für sich reklamieren können. "Die Studenten zogen am 23. Oktober 1956 vor das Rundfunkgebäude, um ihre Solidarität mit der polnischen KP zu bekunden. Sie hatten noch nicht mal Megaphone dabei. Sie forderten vorsichtig 'ungarisch-sowjetische Freundschaft auf Basis der Gleichrangigkeit'. Dann kamen die Arbeiter aus den Außenbezirken hinzu - und schlossen sich der Demo an. Das hat den Charakter des Ganzen verändert. Nun wurde gefordert: 'Wer Ungar ist, zieht mit uns.' Das Nationale kam vor dem Sozialen. Die Studenten haben die Kontrolle über die Demo verloren. Ich erinnere mich daran, dass es sowieso kaum Kontrollen auf der Straße gab: keine Staatssicherheit, keine Polizei auf der Straße. Die Polizei war sowieso nicht ausgebildet für solche Einsätze. Sie hatte noch nicht mal Gummiknüppel. Die gab es erst später, unter Kadar. Sie hießen 'komprimierter Marxismus', oder 'Kadarwurst.'"
Im Kulturteil kommentiert Dirk Knipphals kurz das Habermas-Bashing in Cicero. Cristina Nord hat auf der Viennale Dschungelfilme gesehen.
Besprochen werden Michaela Melians Dia-/Sound-Installation "Föhrenwald" in den Berliner Kunst-Werken, Sacha Baron Cohens Film "Borat" und CDs von Animal Collective, Urlaub In Polen und The Early Years.
Schließlich Tom.
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Die Welt, 27.10.2006
"Genial einfach" findet Gerwin Zohlen die Idee, nicht die fertigen Häuser, sondern die Inspirationsquellen des Architekten Oswald Mathias Ungers in der Neuen Nationalgalerie in Berlin auszustellen. "In bequemer Breite und räumlicher Ausdehnung wandert man hier entlang an Architekturmodellen aus Holz und Alabastergips, rastet am Modell des Pergamon-Museums, das Ungers erweitert, grübelt über dem der Hamburger Galerie der Gegenwart, die manchen - immerhin! - an den Gefühlen gerissen hat, und staunt über die strahlend weißen Hochhäuser; man streift hinüber zu den "Ikonen", den Modellen vom Parthenon in Athen, dem Pantheon in Rom und dem Kenotaph für Newton von Louis-Etienne Boulee, die Ungers sich von Bernhard Grimm bauen ließ, verliert sich in einem Modell aus Kork und Terrakotta aus dem 18. Jahrhundert, das den Konstantinsbogen in Rom wiedergibt."
Weiteres: Hendrik Werner sucht nach der richtigen Variante der Habermas'schen Verschluckvorfalls. Michael Stürmer sammelt geschichtlich-kulturelle Splitter rund um den Totenkopf. Christian Seel lässt sich von Ulrich Deppendorf, Fernsehdirektor beim WDR, über die Notwendigkeit von Schmonzetten am Freitag aufklären. Besprochen wird Jerry Lee Lewis' "seltsames" Album "Last Man Standing".
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Der Tagesspiegel, 27.10.2006
Heuchlerisch findet die Juristin Sibylle Tönnies die Aufregung um die Fotos deutscher Soldaten, die in Afghanistan mit einem Totenschädel und blankem Schwanz posierten: "Von jeher stellt das Militär blutjunge Kerle an die Waffen (die Genfer Konvention erlaubt das Einziehen von Fünfzehnjährigen). Von jeher macht sich das Militär die Gehorsams- und Sterbebereitschaft zunutze, die das Ergebnis von Unreife ist. Will man diesen Vorteil nutzen, so darf man sich andererseits nicht über frivole Verspielheit beklagen. Denn alles kann man nicht haben: die nützliche Unreife und die nötige Abgeklärtheit, die verbietet, mit einem Schädel dummes Zeug zu machen."
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Frankfurter Rundschau, 27.10.2006
Richard Meng liest die Memoiren des Altkanzlers Gerhard Schröder: "Die 516, mit breitem Weißrand versehenen Textseiten sollen so etwas sein wie das Destillat seines Politikerlebens. Die ultimative Selbst-Erklärung, entstanden nach Erinnerungsgesprächen mit seinem langjährigen Sprecher Uwe-Karsten Heye, der den Text dann großteils verfertigt hat. Ein Vorstoß 'zum Grund' der Dinge, so jedenfalls Schröder. Um so enttäuschender - man kann auch sagen: verständlicher -, dass sich kaum ein Schröderscher Gedanke verändert hat. Alles war richtig so."
Weitere Artikel: Peter Michalzik kommentiert die Gerüchte um Habermas' Essgewohnheiten. Christian Thomas meditiert über Totenkopfschändung in Geschichte und Gegenwart. Besprochen wird William Forsythes Choreografie "Heterotopia" in Zürich.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2006
In einer Geschichte für Cicero hat der Journalist Jürgen Busche eine offensichtlich alte Legende aufgewärmt: Jürgen Habermas soll einen Zettel aus seiner Hitlerjugendzeit, der ihm nach dem Krieg von seinem HJ-Kameraden Hans-Ulrich Wehler zugesteckt wurde, verschluckt haben. Alles eine bloße Legende, schreibt Christian Geyer, der bei Habermas und Wehler nachgefragt hat, und nennt den Cicero-Titel über Habermas "dämlich": "Soll hier im Windschatten der Affäre Grass eine Habermas-Suggestion erzeugt werden? Wie billig, wie abgeschmackt, wie geschichtsklitternd. Busche kann dem Gerücht nicht ein einziges neues Faktum hinzufügen, das es auch nur in die Nähe der Verifizierbarkeit rücken würde. Statt dessen sieht er in einer aberwitzigen Logik in den Dementis von Habermas und Wehler den 'Kern der Geschichte bestätigt' und mutmaßt, auf dem Papier müsse noch anderes als das Vorgedruckte gestanden haben - Kompromittierendes."
Jürgen Dollase versucht in einem Interview mit dem Documenta-Leiter Roger M. Buergel herauszufinden, warum dieser den Koch Ferran Adria nach Kassel einladen will, stößt aber nur auf das in der Kunstszene übliche Diskursgelee: "Was mich am Kochen interessiert - auch aus einer anthropologischen Perspektive -, ist die Begegnung mit Andersheit, das Moment der Verstehensirritation, auch durchaus dieses Moment der Negativierung von Wahrnehmungsmodi."
Weitere Artikel: Michael Hanfeld interviewt zu den von unseren Jungs arrangierten Vanitas-Motiven den in Afghanistan tätigen Bundeswehrarzt Reinhard Erös, der eine Verletzung der Gefühle bei den Taliban diagnostiziert. Ebehard Rathgeb bekennt in der Leitglosse sein Schlottern und Zähneklappern angesichts der kommenden Winterzeit. Edo Reents hofft auf neue Förderer für die Kafka-Ausgabe des Stoemfeld-Verlags, nachdem die DFG abgesagt hat. Claudia Bröll stellt den Komiker Sascha Baron Cohen vor, dessen Film "Borat - Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen" auch in Deutschland anläuft. Der Rechtshistoriker Michael Stolleis schlägt in einem ganzseitigen Artikel vor, die bereits 1946 verabschiedete Verfassung des Landes Hessen gründlich zu renovieren. Claudia Stapp spricht mit dem indischen Regisseur Karan Johar, dessen Bollywood-Film "Kabhi Alvida Naa Kehna - Never Say Goodbye" jetzt auch in Deutschland anläuft. Gemeldet wird, dass Salman Rushdie seine Archive - darunter die Tagebücher aus der Fatwa-Zeit - an die amerikanische Emory-Universität verkauft hat.
Auf der Medienseite unterhält sich Franziska Bossy mit dem Schauspieler Rudolf Kowalski, der im ZDF einen neuen Fernsehkommissar spielt. Jordan Mejias berichtet über einen Werbespot, in dem der Parkinsonkranke Schauspieler Michael J. Fox zur Wahl von Politikern aufruft, die die Stammzellforschung unterstützen. Und Jürg Altwegg berichtet, dass ein Vorabdruck aus den Memoiren des Altkanzlers Gerhard Schröder nicht im Ringier-Verlag (wo Schröder Bezüge erhält), sondern in der Weltwoche erschienen ist (kann man hier lesen). Auf der letzten Seite schreibt Joachim Müller-Jung über die erste Transplantation eines ganzen Gesichts in Großbritannien. Und Andreas Kilb staunt über den Wirbel um die Memoiren des Altkanzlers Gerhard Schröder.
Besprochen werden William Forsythes Choreografie "Heterotopia" in Zürich, ein "Fidelio" in Valencia und das Videospiel "Just Cause".
Drei Seiten weisen überdies auf Veranstaltungen im November hin.
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
201212345678910111220111234567891011122010123456789101112200912345678910111220081234567891011122007123456789101112200612345678910111220051234567891011122004123456789101112200312345678910111220021234567891011122001123456789101112
Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





