Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

12.07.2006. Die NZZ stellt die Kämpferinnen des Gender Jihad vor, die Islam und Emanzipation unter einen Hut, aber nicht unter ein Kopftuch bringen wollen. In der taz bedauert Hans-Ulrich Wehler 20 Jahre nach dem Historikerstreit, dass die Osteuropa-Historiker seinerzeit nicht auf die Opferzahlen des Stalinismus aufmerksam machten. Die SZ zieht eine doch recht positive Bilanz von Berlins umstrittenem Kultursenator Thomas Flierl. Die FAZ weist nach: Es zählt eben doch für die Chinesen, wenn in Europa ein Blatt vom Baume fällt.

Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2006

Alfred Hackensberger stellt eine Bewegung gläubiger Musliminnen vor, die sich dem Kampf um Gleichberechtigung der Frauen im Islam verschrieben hat. Eine von ihnen ist die amerikanische Buchautorin Asra Nomani. "'Islam und Feminismus sind kein Widerspruch', sagt Asra Nomani. 'Im Gegenteil, Emanzipation passt sehr gut zu den frühen Lehren unserer Religion und gibt Hoffnung, den Extremismus zu überwinden.' Die Journalistin kämpft in den USA für die 'Seele des Islams'. Andere Frauen sind in Pakistan (Asma Barlas), in Iran (Ziba Mir- Hosseini) oder in Libanon (Azizah al-Hibri) aktiv. Als Feministinnen wollen diese Frauen allerdings nur ungern bezeichnet werden - verständlicherweise, da Feminismus ein säkularer, westlicher Begriff ist. Man bevorzugt den Terminus 'Gender Jihad'."


Weiteres: Marc Zitzmann erinnert an den jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus, der nach zwölf Jahren falscher Anklagen und Komplotte heute vor hundert Jahren in Paris rehabilitiert wurde. Urs Schoettli schreibt zum Tod des indischen Schriftstellers Raja Rao. Gemeldet wird, dass Andreas M. Spillmann interimistisch Direktor der Musee-Suisse-Gruppe wird.

Besprochen werden die mit einem Jugendprojekt verbundene Show "Fuerzabruta" im Londoner Roundhouse und Bücher, darunter Gary Schwartz' Monografie "Das Rembrandt-Buch", Stefan Weinfurters Abhandlung "Canossa" und Gabriele Weingartners Roman "Fräulein Schnitzler" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 12.07.2006

Auf den Tagesthemenseiten lesen wir ein Gespräch mit dem Historiker Hans-Ulrich Wehler, über den Historikerstreit, den Ernst Nolte vor zwanzig Jahren mit seiner Relativierung des Holocaust ausgelöst hatte. "Auch wenn die ganze Sache wissenschaftlich nicht produktiv war - es ging damals darum, Flagge zu zeigen. Heute noch denke ich, dass es sich gelohnt hat, bei dieser Debatte über das Selbstverständnis der Bundesrepublik noch einmal Kontra zu geben." Allerdings bedauert Wehler auch, dass sich die Osteuropa-Historiker damals sich nicht an der Debatte beteiligten: "30 oder 60 Millionen Opfer des Stalinismus, 30 Millionen des Maoismus, das sind doch erschreckende Größen."


Weitere Artikel: Tobias Rapp fragt sich anlässlich des Dresdner Brücken-Problems, warum eigentlich der Status des Weltkulturerbes eine Stadt daran hindern kann, eine Brücke zubauen: "Tatsächlich funktioniert dies bloß, weil sich die Verantwortlichen bei der Unesco darauf verlassen können, dass bewahren als kulturell wertvoll durchgeht, während verändern als barbarisch gilt." Ira Mazzoni stellt eine Ausstellung im Münchner Haus der Kunst vor, für die Kinder und Jungendliche aus einer Favela von Rio de Janeiro ein Modell ihres Spiels "Morrinho" nachgebaut haben. Andreas Klaeui berichtet aus Avignon, wo zum 60. Mal das noch immer größte Theaterfestival der Welt stattfindet. Besprochen wird außerdem Wolfgang Petersens "katastrophaler Katastrophenfilm" "Poseidon".

Schließlich Tom.

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Die Welt, 12.07.2006

In Schwerin wird demnächst die erste Einzelausstellung mit Werken von Arno Breker eröffnet. Der Kurator Rudolf Conrades rechtfertigt gegenüber Uta Baier im Interview die Schau mit Arbeiten von Hitlers Lieblingsbildhauer. "Ich glaube nicht, dass eine Kunstausstellung je Leute in die Arme der Rechten getrieben hat. Ich habe zwar auf einer Internetseite gelesen, dass unser Vorhaben von diesen Kreisen gelobt wird. Zum Text war das Bild einer angeblich typischen Breker-Plastik gestellt. Es zeigt aber 'Mutter und Kind' von Josef Thorak (Abbildung). Das ist es eben, was ich meine: Alle reden von Breker, aber keiner kennt ihn wirklich. Das wird nach der Ausstellung anders sein."


Weitere Artikel: Hans Kollhoff gratuliert seinem Mentor Oswald Mathias Ungers zum Achtzigsten. Thomas Hajduk erinnert an den vor 200 Jahre gegründeten Rheinbund als Keimzelle des deutschen Föderalismus. Michael Pilz erlebt mit 80.000 Zuschauern Robbie Williams' Auftritt in Dresden und grübelt erfolglos, für was der Superstar denn nun steht. Wolfgang Petersens Katastrophenfilm "Poseidon"  geht bei Peter Zander sang- und klanglos unter. "Das eigentliche Desaster dieses Films ist das Drehbuch".

Im Magazin besucht Wieland Freund das 1,7 Millionen Bücher schwere Bestsellerehepaar Lorentz, und sieht sie als Vorboten der aufziehenden Herrschaft der Konsumenten. "Elmar Lorentz und seine Frau Iny sind Dilettanten - das 18. Jahrhundert konnte das noch positiv fassen -, sie schreiben für die Fans, die sie selber einmal waren."

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Berliner Zeitung, 12.07.2006

Birigt Walter erklärt, warum der Berliner Tränenpalast nun schließen muss. "Die Sache ist einfach - das Land musste einen Millionen-Schaden begrenzen, den es selbst verschuldet hat. Berlin nämlich hat dem Bau-Investor Harm Müller-Spreer im Jahr 2000 ein Stück Land vor dem Bahnhof Friedrichstraße verkauft, das ihm nicht gehörte, jedenfalls nicht vollständig. Auf einem Teil davon - es handelt sich unter anderem um einen S-Bahn-Eingang - lag ein Restitutionsanspruch der Bahn, der 2001 erwartungsgemäß erfüllt wurde. Berliner Finanzbeamten war also ein unfassbar grober Fehler passiert. Der Käufer indes ist nicht dumm. Er durfte nicht bauen auf seinem neuen Eigentum, doch er verhielt sich lange ruhig und wartete ab. Nach vier Jahren präsentierte er eine Summe: 45 Millionen Euro Schadenersatz standen im Raum für ein Grundstück, das einmal 17 Millionen gekostet hatte - Anwaltshonorare, Planungsarbeit, Mietausfälle. Ein finanzielles Desaster drohte, das sich schlecht hätte vertuschen lassen. Das Land war in der Bringschuld, sofort. Es diente dem Käufer die Rückerstattung des halben Kaufpreises an (8,7 Millionen Euro), dazu angrenzende Grundstücke als Geschenk. Auf Kosten des Steuerzahlers, versteht sich."

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Frankfurter Rundschau, 12.07.2006

Angesichts der offenbar immer noch nicht gelösten Frage, ob es sich bei Kathrin Passig "absolut unpeinlichem" Klagenfurt-Auftritt um einen "gemeinen Coup" oder "genialen Streich" handelt, schreibt Ina Hartwig über die Klagenfurt-Gewinnerin und deren "Zentraler Intelligenz Agentur" (ZIA). "Kathrin Passig hätte man also längst kennen können, man hätte nur die taz-Wahrheit-Seite regelmäßig zu lesen brauchen... Passig ist nicht identisch mit der taz, aber die taz ist das Milieu, in dem man sie und die ZIA versteht, vielleicht sollte man von fließenden Übergängen sprechen. Die Verblüffung in Klagenfurt war offenkundig so groß, weil dieses Wahlberliner Milieu dort weitgehend unbekannt ist. Es wäre sicherlich wünschenswert, wenn die Jury hier mal nacharbeitete, dann blieben dem Wettbewerb einige Peinlichkeiten erspart"


Weitere Artikel: Peter Neitzke, Herausgeber der Reihe "Bauwelt Fundamente" gratuliert dem Architekten Oswald Mathias Ungers zum 80. Geburtstag und nimmt ihn vor den Leuten in Schutz, die ihn "als Repräsentanten einer neoklassisch mutierten Moderne" feiern wollen. Daland Segler war beim Auftaktkonzert der Deutschlandtournee von Robbie Williams in Dresden. Und in Times mager kommentiert Martina Meister das Drama um den Kopfstoß von Zinedine Zidane, der ihm in Frankreich indes offenbar nichts anhaben kann. Die New York Times hatte ihn schließlich schon lange zum "coolsten Mann des Planeten" gekürt.

Besprochen werden eine CD mit Texten von Oskar Pastior mit dem schönen Titel "Frösche und Teebeutel", dargebracht von der Sängerin Gabriele Hasler und dem Holzbläser Roger Hanschel, und Bücher, darunter der Briefwechsel von Hermann Hesse mit seinem Psychoanalytiker Josef Bernhard Lang und eine Biografie Heinrich Manns von Manfred Flügge (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2006

Es macht eben doch einen Unterschied für die Chinesen, ob in Europa ein Blatt vom Baume fällt: Mark Siemons zitiert leider ohne Quellenangabe die Äußerung eines chinesischen Webloggers oder Talkshow-Diskutanten über Zidanes Kopfstoß: "Ich möchte nur sehen, wie sich der einsame und gealterte Schatten allmählich wie ein fallendes Blatt entfernt - als wäre es das Ende eines französischen Kunstfilms. Unvollendet, das ist doch die schönste Schönheit."


In der FAZ-Familienserie beklagt Heinrich Wefing, dass Frauen in großen Anwaltskanzleien - schon gar auf Leitungsebene! - kaum Chancen haben (Dank den FAZ-Herausgeberinnen, die die Sensibilität ihrer Mitarbeiter für solche Themen schärfen!). Joseph Hanimanns Leitglosse entnehmen wir, dass sich die Reflexionen französischer Intellektueller über Zidanes Kopfstoß bereits auf höchstem Pariser Theorie-Niveau bewegen. Edo Reents schreibt zum Tod des Pink Floyd-Mitbegründers Syd Barrett. Dieter Bartetzko gratuliert dem Architekten Oswald Mathias Ungers zum Achtzigsten. Kerstin Holm berichtet, dass Norman Foster eine ehemalige Werft in Sankt Petersburg denkmalgerecht umbauen wird. Alexandra Kemmerer verfolgte eine Würzburger Konferenz über 200 Jahre bayerischer Rechtsgeschichte. Mark Siemons stellt uns eine neue Schaffensphase des bisher für seine lachenden Klone bekannten chinesischen Malers Yue Minjun vor - nun malt er Suchbilder, die an die politische Aktualität anknüpfen.

Auf der Medienseite unterhält sich Nils Minkmar mit dem NDR-Intendanten Jobst Plog, von dem wir erfahren, wie er Günther Jauch als Ablösung für Sabine Christiansen gewinnen konnte. Heike Huptertz empfiehlt eine Dokumentation über Gottfried Benn heute Abend in 3sat. Auf der letzten Seite berichtet Katarzyna Tuszynska, dass sich die ehemalige Kranführerein und Solidarnosc-Aktivistin Anna Walentynowicz, deren Geschichte Volker Schlöndorff in seinem jüngsten Film aufgreift, weiterhin gegen den Film wehrt. Andreas Rossmann freut sich, dass die Unesco den Kölner Dom von der Roten Liste der gefährdeten Kulturdenkmäler gestrichen hat. Und Jürgen Kaube stellt den Archäologen Luca Giuliani vor, der an die Spitze des Wissenschaftskollegs gewählt wurde.

Besprochen werden ein Konzert Justin Timberlakes in Köln, Wolfgang Petersens Remake des Katastrophenfilms "Poseidon" und John Neumeiers Nijnsky-Gala in Hamburg.

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Süddeutsche Zeitung, 12.07.2006

Jens Bisky zieht insgesamt eine recht positive Bilanz der Arbeit von Berlins umstrittenen Kultursenator Thomas Flierl (PDS). Fehler gab's natürlich auch. "Der Ost-West-Gegensatz prägt die Stadt immer noch deutlicher, als es die neudeutschen Bezirke Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain vermuten lassen. Das hat auch mit dem schwersten Versäumnis dieser Koalition und dieses Kultursenators zu tun: der Vernachlässigung der Kommune Berlin. In der Beschäftigung mit Hauptstadtkultur und Gedenkstätten, sind die städtischen Institutionen zu kurz gekommen. Dass Berlin Hauptstadt sein kann, hat es zur Genüge bewiesen, als Kommune aber ist die Stadt eine bankrotte Ansammlung von Kiezen geblieben." Die SPD würde Flierl nach der nächsten Wahl allerdings gern loswerden. Mit dem für sie typischen Einfallsreichtum überlegt sie, einfach sein Ressort aufzulösen.


Der polnische Publizist Konstanty Gebert kommentiert den durch einen taz-Artikel ausgelösten Satirestreit: "Der deutsche Humor über Polen bewegt sich oft auf dem Niveau von 'Kommen Sie nach Polen, Ihr Auto ist schon da'. Da sind die Polen empfindlich geworden. Andererseits gibt es einen deutschen Kabarettisten in Polen, Stefan Möller, der grauenvoll Polnisch spricht und wirklich fiese Witze macht, aber die Polen lieben ihn: Weil er ihre Sprache gelernt hat und weil er denselben Humor hat."

Nach dem Tod von Schamil Bassajew hatte die russische Regierung verkündet, die Arbeit ihres Statthalters Ramsan Kadyrow habe Ordnung im Land geschaffen. Nichts als Propaganda, meint die tschetschenische Publizistin Mainat Abdulajewa. "In Wahrheit regiert eine totale, allumfassende, irre Angst... Solange Putin im Kreml regiert, wird es keinen Frieden geben."

Weitere Artikel: Midt berichtet von einer heftige Diskussion in einem Weblog des Guardian über den Nutzen von Kulturkritikern. Gottfried Knapp berichtet, das Welterbekomitee der Unesco habe das Dresdner Elbtal wegen der geplanten Waldschlösschenbrücke auf die Rote Liste der gefährdeten Denkmale gesetzt. Henning Klüver beschreibt den Parco Culturale in Piemont. Johannes Willms erinnert an Alfred Dreyfus. Karl Bruckmaier schreibt den Nachruf auf Pink-Floyd-Gitarrist Syd Barrett. Oliver Tepel rühmt den Kunstraum der Sammlerfamilie Grässlin in St. Georgen als "konzeptuelles Meisterstück". Peter Rumpf gratuliert dem Architekten Oswald Mathias Ungers zum Achtzigsten.

Besprochen werden Wolfgang Petersens Film "Poseidon", Lortzings "Zar und Zimmermann" in Bremen, der thailändische Film "Revenge of the Warrior" und Bücher, darunter Stefan Collinis bisher nur auf Englisch erschienene Studie "Absent Minds" über Intellektuelle in Großbritannien und Mirko Bonnes Shackleton-Roman "Der eiskalte Himmel" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Muss ich etwas zu sagen haben?

20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen

Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche

19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen

Arrondierte Männergruppen

18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen

Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach

17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten.  Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und  des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Ein Mann wie Winnetou

16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz  von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen

Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert

15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen

Ich war verstört

13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas.  Mehr lesen

Zeitung lebt

12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen

Damals war die Zukunft heute

11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen

Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen

10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter,  meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In  taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen

Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel

09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen

Schwirren und fliegen und sausen

08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen

Denken Sie an Klaviersaitendraht

06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen

Antipathie gegen Beton und Stahl

05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen

Ein Fingernagel in ihrer Suppe

04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen.  Mehr lesen

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