Bücher der Saison
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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
13.04.2006. In der FR zeichnet der irakische Autor Najem Wali ein düsteres Bild des Iraks drei Jahre nach Kriegsbeginn. In der FAZ wendet sich Frank Berberich von der Lettre International gegen die Literaturfonds-Subventionen für die Zeitschrift Volltext. Auf die SZ wirkt Bruno Ganz' Gesicht, als habe er sich morgens mit Schmirgelpapier abgetrocknet. Die NZZ verkündet das Ende der Prime Time und den Anbruch von My Time.
Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Rundschau, 13.04.2006
Der irakische Autor Najam Wali (der vor drei Tagen schon in der NZZ schrieb) zieht drei Jahre nach dem Beginn des Irak-Kriegs eine bittere Bilanz und äußert auch seine tiefe Enttäuschung über die Amerikaner: "Mal ganz ehrlich: Was haben wir gewonnen? Früher lebten die Iraker unter der Diktatur, heute in unberechenbarem Chaos. Mord und Grauen lauern an jeder Straßenecke. Das ist die schreckliche Bilanz der letzten drei Jahre. Und nichts bessert sich, im Gegenteil, es wird immer noch schlimmer. Die USA haben Irak zum Hauptschauplatz ihres Krieges gegen ihre erbitterten Feinde, die Al Qaida und Iran, erhoben, und gehen dabei über die Leichen der Iraker."
Weitere Artikel: Peter Iden erinnert an Samuel Becketts eigene Inszenierung des "Godot" am Berliner Schiller-Theater im Jahr 1975. Michael Rutschky fragt in einer kleinen Glosse: "Wie kommt es, dass seit dem Ende von Rotgrün die Stille des Abwartens herrscht?" In Times mager meditiert Harry Nutt über die Wahl der Stadt Essen zur Kulturhauptstadt, über die T-Frage und andere Probleme der jüngsten Vergangenheit.
Besprochen werden Achim Freyers Inszenierung von Luigi Cherubinis Oper "Medee" in Mannheim und regionale Kulturereignisse.
Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2006
Hanspeter Künzler glaubt, in der Popwelt - von Muse über Coldplay bis zu den Libertines - einen Trend zum Klangschmelz zu entdecken: "Echte Streichinstrumente verbreiten offenbar eine Wärme, die sich mit digitaler Technik nur schwer synthetisieren lässt. Doch Schmelz und Eleganz des satten Streicherklangs sind heute offensichtlich gefragt - Geigen, Bratschen und Celli garantieren für eine kuschlige Geborgenheit in der rückwärtsgewandten Popszene. Ihre suggestive Wirkung, die sie der klassischen Tradition verdanken, entfalten sie dabei - quasi als behaglicher Klang-Fremd-Körper - in ganz unterschiedlichen stilistischen Gefilden: vom Hip-Hop bis zum Techno, vom Jazz bis zum Rock'n'Roll."
Weiteres: Joachim Güntner porträtiert mit Görlitz die Unterlegene in der Entscheidung um den Titel der Kulturhauptstadt. James M. Robinson reklamiert, dass die National Geographic Society mit dem "Evangelium des Judas" allzu effektkalkulierend auf ein breites Publikum schielt: "Das Aufregendste an dem neuen Text allerdings ist sein Titel, der einen allzu leicht dazu verführen könnte, zu glauben, er gebe neue Auskünfte darüber, was wirklich 30 n. Chr. in der Karwoche geschah. Stattdessen geht es um eine gnostische Sekte aus der Zeit um 150 n. Chr., die bei dem Kirchenvater und Häresie-Chronisten Irenäus von Lyon um 180 erwähnt wird." Ekkehard W. Stegemann dagegen begrüßt die nüchtern-informative Publikation des Textes.
Besprochen werden die Filme "Requiem" von Hans-Christian Schmid, "Transamerica" mit der Hauptdarstellerin Felicity Huffman und die kirgisische Komödie "Saratan" von Ernest Abdyjaparow.
Auf der Medienseite informiert Tilmann P. Gangloff über die hohen Erwartungen, die die digitale Verwertung des Fernsehens auf der großen Branchenmesse in Cannes geweckt hat: "Man fühlt sich an die Internet-Euphorie zur Jahrtausendwende erinnert, als auch in Cannes Prognosen mit astronomischen Summen kursierten. Die Kundschaft, heißt es, wolle ihre gewohnten Sendungen in Zukunft völlig unabhängig vom heimischen Fernsehgerät konsumieren können. Für AOL-Chef Jonathan Miller ist der Begriff Prime Time Vergangenheit; der Nutzer sehe nur noch 'my time'."
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Die Welt, 13.04.2006
Der Schauspieler Matthias Heine erklärt zum hundertsten Geburtstag von Samuel Beckett den Regisseur und Autor Rene Pollesch zu dessen legitimen Erben. Pollesch selbst glaubt, dass Becketts Texte die einzigen sind, die ein wenig Abstraktion der Theaterfiguren lehren können: "Allein ein Text oder Drama wird das im Theater kaum erreichen können, solange mit dem Schauspielerkörper immer automatisch eine Vorstellung von Humanität die Bühne betritt, die einigen grundlegenden Aussagen über die menschlichen Leben bis heute immer im Wege steht."
Weiteres: Paul Badde erinnert daran, dass vor fünfhundert Jahren der Grundstein für den Petersdom gelegt wurde. Ein wenig deprimiert hat Peter Zander der Unicef-Film "Alle Kinder dieser Welt", für den namhafte Regisseure von Kinderschicksalen erzählen. Bedrückende und erschütternde Filme aus Osteuropa hat Kirsten Liese auf dem Wiesbadener "goEast"-Festival gesehen. Hendrik Werner vermutet, dass sich auch unter einem Ministerpräsidenten Prodi Italiens politische Kultur nicht sonderlich ändern wird.
Besprochen werden Chris Columbus Musical-Verfilmung "Rent" (von "kurzatmiger Schlichtheit", wie Manuel Brug meint), Ralf Huettners Film "Reine Formsache".
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.2006
Der Streit um die vom Literaturfonds mit 300.000 Euro subventionierte geplante Buchmessenausgabe der Zeitschrift Volltext geht weiter. Frank Berberich, Herausgeber der Lettre International, beklagt Willkür bei der Vergabe öffentlicher Gelder: "Wieder greift die Beamtenhand in die öffentliche Schatulle, um den eigenen publizistischen Ehrgeiz am Markt zu befriedigen - nur ein lächerliches Schauspiel, würde nicht ein ungleicher Wettbewerb betrieben und somit Schaden angerichtet, würden nicht Mittel verschwendet, die präziser, wirksamer, erfolgreicher eingesetzt werden könnten, würde man sie unabhängigen Akteuren zur Verfügung stellen. Aber jene, deren Aufgabe es sein sollte, als Ermöglicher des Besten zu wirken, lassen ihrer Ambition freien Lauf, als Selbermacher in Erscheinung zu treten."
Weitere Artikel: Christiane Hoffmann fürchtet in einem Artikel der FAZ-Familienserie, dass die heute Kinderlosen aus "Berührungsangst mit dem Leben" auf Nachwuchs verzichten. Heinrich Wefing fordert vom heute erwarteten Urteil im Berliner Ehrenmordprozess: "So etwas wie einen 'kulturellen Rabatt'... kann es auf Straftaten nicht geben." In der Leitglosse zeichnet Dirk Schümer ein Bild des milliardenschweren Mafiabosses Bernardo Provenzano, der jahrelang in kargster sizilianischer Umgebung versteckt lebte, bevor er jüngst festgenommen wurde. Patrick Bahners kritisiert Pläne des Goethe-Instituts, europäische Häuser zu schließen. Henning Ritter gratuliert dem ehemaligen Louvre-Chef Pierre Rosenberg zum Siebzigsten.
Auf der Filmseite resümiert Hans-Jörg Rother das "GoEast"-Festival in Wiesbaden. Und Michael Althen schreibt über die Schauspielerin Marianne Denicourt, die sich gegen die Verwendung von Geschehnissen aus ihrem Leben in einem Film ihres Ex Arnaud Desplechin gerichtlich wehrte und scheiterte. Auf der Medienseite schreibt Jordan Mejias über den New Yorker Klatschreporter Jared Paul Stern, der versucht haben soll, sich von einem Milliardär für vorteilhafte Berichterstattung bestechen zu lassen.
Auf der letzten Seite schreibt der katholisch-protestantische Theologe Klaus Berger nach seiner gestrigen Einlassung in der Welt einen zweiten Artikel über das neu aufgefundene "Judas-Evangelium". Andreas Rossmann berichtet über erfreut anpackende Politiker und Kulturfunktionäre im Ruhrgebiet nach der Kulturhauptstadtentscheidung für Essen. Und Frank Pergande betrachtet den Zeit-Verleger Gerd Bucerius, der demnächst hundert Jahre alt würde, auf einer ihm gewidmeten Briefmarke.
Besprochen werden Edward Bonds Stück "Wer da?" in der Regie Hermann Schmidt-Rahmers in Dortmund, eine Hans-Bellmer-Ausstellung im Centre Pompidou, ein Auftritt der kanadischen Band mit dem schlichten Namen "Stars" in Frankfurt und Wagners "Parsifal" in der Regie Roland Aeschlimanns in Leipzig.
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Die Tageszeitung, 13.04.2006
Auf der Meinungsseite beruhigt Marcia Pally die Europäer mit einem Blick auf die Anfangszeit der USA: Etwaige Spannungen, meint sie, sagen nichts über einen späteren Erfolg aus: "In den angeblich vereinigten Staaten brachen in den ersten 15 Jahren nach der Revolution drei gewalttätige Rebellionen aus. Kleine Handwerker und Bauern protestierten dagegen, dass ihre Steuergelder nach Washington flossen und dass es keine demokratische Kontrolle über die Steuerverwalter gab. Im Vergleich dazu nimmt sich die Verbitterung der Europäer über die Zahlungen an Brüssel nachgerade milde aus. Der früheste Aufstand, die Shays-Rebellion, führte zum Zusammenbruch der Regierung und zu einer neuen Verfassunggebenden Versammlung; die EU wurde selbst durch das 'Nein' der Franzosen und Niederländer nicht zum Zusammenbruch gebracht."
Im Feuilleton schreibt Dirk Knipphals zum erneuten Personalwechsel der Sozialdemokraten: "Kaum ist der alte Hoffnungsträger weg, ist der neue Hoffnungsträger auch schon da. Betrauern und bejubeln gehen nahtlos ineinander über. Und im aktuellen Übergang ist es sogar irgendwie so, dass das Hinterhertrauern erst nach dem Sicheinstellen auf den Neuen kommen kann. Nun will man ja der Sozialdemokratie nichts vorschreiben. Aber so viel sei festgehalten: Also, im normalen Leben ist das oft anders."
Weiteres: Julia Macher stellt den Studiengang "schöpferischer Dokumentarfilm" an der Pompeu-Fabra-Universität in Barcelona vor. Besprochen werden der Unicef-Film "Alle Kinder dieser Welt", zu dem Regisseure wie Spike Lee, Emir Kusturica und Ridley Scott Episoden beigesteuert haben, der israelische Episodenfilm "Shnat Effes - Die Geschichte vom bösen Wolf", das Album "At War with the Mystics" der Flaming Lips (auf dem es auch das Stück mit dem tollen Titel "Pompeii am Götterdämmerung" gibt) sowie das Album "Freaks R Us" des Technoproduzenten Johannes Heil.
Und schließlich Tom.
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Süddeutsche Zeitung, 13.04.2006
Christopher Schmidt besucht Bruno Ganz im Schauspielhaus Bochum, wo er für den Titus Andronicus in Botho Strauß' "Schändung" probt. "Jetzt, da Ganz wieder Uniform tragen muss, ist auch seine Haltung militärisch straff, das Haar kurz geschoren, und sein Gesicht wirkt, als habe er sich morgens mit Schmirgelpapier abgetrocknet. Er ist jetzt so sehr bei seiner Figur, dass man schon meint, er probiere auch außerhalb der Bühne bis in die Wortwahl hinein seine Rolle aus. Sogar die mal wie fernes Flakgewitter grollende, mal schnarrende Diktion seiner Hitler-Darstellung ist wieder da."
"So einen fetten Überblick" bekommt man nicht alle Tage zu sehen, staunt Merten Worthmann über die Ausstellung zu 900 Jahren russischer Kunst im Guggenheim-Museum in Bilbao. Dort "sind ein paar stalinistische Schinken zu sehen, die wie gewaltige Paukenschläge ohne Resonanzboden wirken. Sie sind in einem extrahellen Saal aufgereiht, der von den Kuratoren 'Märchenhalle' genannt wird. Hier hängt, zu Unrecht, Alexander Deinekas Abgeschossener Flieger von 1943; hier hängen, schon eher vertretbar, Deinekas 'Verteidigung von Sebastopol' (1942) und 'Flieger von morgen' (1938), zwei plakativere Bilder im Dienste des sowjetischen Fortschritts. Deineka gehört, mit fünf Werken, neben Malewitsch und Michail Wrubel (je sechs), zu den am häufigsten vertretenen Künstlern in der 275 Stücke zählenden Ausstellung."
Weiteres: Wolfgang Kemp analysiert das Golgatha-Bild des Rembrandtschülers Aert de Gelder. Im Interview mit Karl Lippegaus und Cecilia de Medeiros erklärt der siebzigjährige brasilianische Musiker Tom Ze, wie er es schaffte, aus dem eigentlich frauenfeindlichen Pagode-Pop eine Hymne an das weibliche Geschlecht zu machen. Thomas Urban versucht im Streit zwischen polnischen und internationalen Medien um den Begriff der "polnischen Lager" zu vermitteln: "Polnisch" werde nur als Ortsbestimmung gebraucht, "polnische Vernichtungslager gab es nicht". Jens Bisky fordert nach einer hitzigen Diskussion zwischen ehemaligen Stasi-Mitarbeitern und Stasi-Häftlingen in Berlin-Lichtenberg eine umfassende Darstellung der Arbeit der Staatssicherheit.
Auf der Filmseite resümiert Christine Dössel die 20. Bozener Filmtage. Vorgestellt werden Giovanni Veronesis "Handbuch der Liebe", das Gemeinschaftsprojekt Alle Kinder dieser Welt, zu dem unter anderem John Woo, Emir Kusturica und Ridley Scott beigetragen haben, Ralf Huettners Komödie "Reine Formsache" und Wayne Kramers Actionfilm Running Scared.
In kurzen Vignetten schreiben Redakteure auf der Literaturseite zu Samuel Beckett. Joachim Kaiser etwa erinnert sich an die fünfziger Jahre: "Man wurde damals von Beckett finster überfahren." Im Medienteil berichtet Andrian Kreye Historisches: Katie Couric ist als erste Anchorwoman beim amerikanischen Sender CBS verpflichtet worden. Gemeldet wird außerdem, dass RTL ntv nun doch ganz übernehmen darf.
Besprochen werden Stephan Rottkamps Bühnenfassung von Pierre Choderlos de Laclos' "Gefährlichen Liebschaften" in Stuttgart, Barrie Koskys "unbarmherzige" Inszenierung von Wagners "Holländer" am Essener Opernhaus sowie, in der SZ-Bibliothek, Annika Thors Roman "Eine Insel im Meer" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Notschrei eines blutjungen Originalgenies
09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis. Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen
Härteste Türpolitik
08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen
Verhängt die Fenster
06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen
Pneumatische Prozesse
05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Wie Einbrecher in der Nacht
04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen
So viel wie ein junges Nashorn
03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen
Irgendwo in einer fernen Wolke
02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur. Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen
Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio
01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen
Circa anderthalb goddamns pro Seite
30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt. Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen
Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit
29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen
Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie
28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen
Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor
27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen
Mit einem Martini und einem Orden
26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen
Menschenfreundliche Wortwundverbände
25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann. Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen
Tempel des digitalen Zeitalters
23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen



