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- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Peter Nadas: Parallelgeschichten

Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
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- Canfora, Stalin, Le Goff
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- Adam Michnik
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- Der biedere Untergang
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- Das Kempowski-Dossier
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- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
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- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
05.01.2006. Die Zeit bringt einen Schwerpunkt über den Kind-Gott-Engel-Mensch und Witz-Ernst-Sonnen-Nacht-Künstler Mozart. Die FAZ macht sich Sorgen um Europa nach dem Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine. Die Welt hofft, dass Angela Merkel uns aus der von Gerhard Schröder verursachten Schopenhauerschen Willenlosigkeit herausholt. Und in der SZ spricht Daniel Barenboim über sein israelisch-palästinensisches Orchester.
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Die Zeit, 05.01.2006
Das gesamte Feuilleton verehrt, feiert und umjubelt Mozart, dessen 250. Geburtstag am 27. Januar unaufhaltsam näherrückt.
Ein "Mann wie Schießpulver": Claus Spahn beschreibt die explosive Mischung, die Mozart in sich vereinigt hat: "Mozart ist ein Einfach-Schwieriger. Ist ein Kind-Gott-Engel-Mensch. Ist ein Witz-Ernst-Sonnen-Nacht-Künstler. Ist ein Bewahrer-Vollender-Erneuerer. Ist ein Salzburger-Wiener-Deutscher-Europäer." Aber: "Mozart war kein dialektisch in sich verknoteter Eierkopf. Seine künstlerischen Absichten hat er mit großer Geradlinigkeit verfolgt, und seine Musik ist von bestechender Klarheit. Wie man es auch dreht und wendet, das Dilemma bleibt bei allen Zuschreibungen gleich: 'Gemeint und geschissen ist zweyerlei' (Mozart)."
"Für mich ist dieses verniedlichende Mozart-Bild, dass er schöne Musik für schöne Anlässe geschrieben hat, ein Albtraum", bekennt in einem Interview der Regisseur Peter Sellars, der im Herbst das Mozart-Festival "New Crowned Hope" mit Künstlern aus aller Welt in Wien ausrichten wird. "Mozart war einer der klügsten und gebildetsten Köpfe seiner Zeit. Ein Intellektueller an der Spitze seiner Generation, die ein Europa ohne Könige vor Augen hatte. Diese Generation hat die Vision von einem neuen Europa ohne autokratische Herrschaft zum Leben erweckt, bewusst und wagemutig."
Der Pianist Maurizio Pollini erklärt in einem Interview, warum er bisher so wenig Mozart gespielt hat: "Sie erinnern sich vielleicht an den Satz von Wilhelm Kempff: Die Sonaten von Mozart sind zu leicht für Amateure und zu schwer für professionelle Musiker. Vielleicht ist das der Grund... Ich glaube man kommt Mozart eher mit zunehmenden Alter näher. Vielleicht weil man die Subtilität von Mozarts Musik erst richtig zu schätzen weiß, wenn man ein erwachsener Musiker ist."
Weiteres: Der niederländische Schriftsteller Maarten 't Hart erzählt, wie er "Mozartianer" wurde ("Wenn es auf Erden überhaupt etwas gibt, das vollkommen ist, dann KV 488"). Volker Hagedorn besucht den umtriebigen Sammler von Mozart-Kostbarkeiten, der tatsächlich Jürgen Köchel heißt. Christof Siemens besichtigt Mozarts Geburtsstadt Salzburg, die versucht, mit den Feiern in Wien Schritt zu halten. Der Musikwissenschaftler Ulrich Konrad erklärt, warum die "Kleine Nachtmusik" so berühmt geworden ist. Jens Jessen will in Mozarts Musik überhaupt nichts vollendet Klassisches entdecken, sondern vor allem "höchst eigenartige Experimente". Thomas Assheuer feiert die Oper "La Clemenza di Tito" als Lehrstück über "die Macht der Ohnmacht".
Im Literaturteil feiert Hubert Winkels Martin Amis' Familienchronik "Hauptsachen". Im Dossier befasst sich Roland Kirbach mit dem Verkauf von Millionen Sozialwohnungen an internationale Investmentfonds, mit dem die deutschen Städte den "Traum vom humanen Wohnen" verraten haben. Und im Leben unterhält sich Georg Diez mit dem amerikanischen Schriftsteller Bret Easton Ellis über schnellen Sex, schnellen Ruhm und dessen neues Buch "Lunar Park".
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2006
Peter Kraut freut sich über die Reunion der berüchtigten Industrial Band Throbbing Gristle, die aber ihren bösen Humor abgelegt zu haben scheint. Dickes Lob vergibt Annalis Leibundgut an die Macher der Ausstellung "Ägypten, Griechenland, Rom" im Frankfurter Städel, die auf "höchstem Niveau" das Beziehungsgeflecht zwischen den antiken Kulturen zu entwirren versucht.
Besprochen werden außerdem die Schau frühitalienischer Bildwerke "Reunion" in der Londoner National Gallery, die Jessye-Norman-Collection (auf der die Dive Kurt Malisch vor allem als Liedinterpretin überraschte), eine Gesamteinspielung der Bamberger Symphoniker und Bücher, darunter Edgardo Cozarinskys Erzählungen "Die Braut aus Odessa", Alex Capus' Roman "Reisen im Licht der Sterne" sowie ein Hörbuch mit Texten von Hanns Dieter Hüsch (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2006
Sehr politisch heute, das FAZ-Feuilleton: Im Aufmacher schreibt Kerstin Holm über Russland nach dem Gasstreit mit der Ukraine: "Als Präsident Putin jetzt .. zum Jahreswechsel den russischen G-8-Vorsitz antrat, empfahl er sein Land als Garant einer zuverlässigen Energieversorgung für Europa. Parallel dazu brach des Kremls Ehepartner Gasprom jenen Preispoker vom Zaun, welcher im Winter und im Vorfeld des ukrainischen Parlamentswahlkampfes einem 'kalten Krieg' mit energiewirtschaftlichen Mitteln ähnelte. Für die zuverlässige Energiepartnerschaft, wie sie nicht zuletzt die Ostseepipeline unter des deutschen Exkanzlers Oberaufsicht bekräftigen soll, sind das rote Alarmlämpchen. Nach der europäischen Philosophie soll die Energiepartnerschaft Russland nach Westen einbinden. Doch warum soll nicht Russland ein Europa einzubinden versuchen, das sich von russischen Ressourcen abhängig macht?"
Weitere Artikel: Paul Ingendaay beschreibt die sich verschärfende Auseinandersetzung zwischen katalanischen Regionalisten und dem spanischen Zentralstaat. Ludger Fittkau hat einer Veranstaltung über Sterbehilfe am Rande eines Kongresses zum Thema "Anti-Aging" beigewohnt und dort erfahren, dass Frauen häufiger als Männer von aktiver Sterbehilfe Gebrauch machen wollen, was ihn dazu veranlasst, Sterbehilfe als "beklemmende Form eines Anti-Aging-Präventivschlags" zu beschreiben. Der Wirtschaftsforscher Gert G. Wagner greift in die Debatte um die Notwendigkeit einer neuen Volkszählung ein, die er aber abstreitet, weil zuverlässiges Datenmaterial auch in anderer Weise zu bekommen sei. Und in der Leitglosse amüsiert sich Heinrich Wefing über den Fall eines Berliner Denkmalschützers, der wegen Korruption bei der Restaurierung der Reiterstatue des Alten Fritz Unter den Linden angeklagt wurde.
Auf der Filmseite interviewt Peter Körte den Filmregisseur Sam Mendes, dessen Kriegsfilm "Jarhead" auf Seite 1 des Feuilletons von Verena Lueken recht kühl besprochen wird. Patrick Bahners gratuliert Diane Keaton zum Sechzigsten. Und Michael Althen erklärt uns, warum wir auch dieses Jahr kaum noch ins Kino gehen müssen: Hollywood liefert sowieso nur Remakes.
Auf der Medienseite schreibt Werner Linster in der Reihe "Stimmen" eine Hommage auf die legendäre ägyptische Sängerin Oum Kalsoum.
Auf der letzten Seite berichtet Thomas Seibert von der Hilfsorganisation medico international über Sri Lanka ein Jahr nach dem Tsunami. Andreas Platthaus mokiert sich über eine Internetabstimmung, welche die heutigen sieben Weltwunder definieren soll. Und Gerhard Rohde porträtiert den Cellisten Lucas Fels, der beim Arditti Quartett die Position Rohan de Sarams übernimmt.
Besprochen werden eine Ausstellung über Rock in der DDR in Bonn und die Ergebnisse eines deutsch-israelischen Comicprojektes.
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Die Welt, 05.01.2006
Auf den Forumsseiten konstatiert Reinhard Mohr, dass sich mit dem Pragmatismus der Angela Merkel der lange Abschied vom "alten deutschen Glauben" vollende, dass Politik etwas Grundlegendes ändern könne: "Schröder hat für sie ungewollt die (Drecks-)Arbeit der radikalen Desillusionierung erledigt. Nun glaubt fast niemand mehr an irgend etwas, was die Politik verspricht. Die rot-grüne Achterbahnfahrt hat eine tiefsitzende politische Erschöpfung, eine fast Schopenhauersche Willenlosigkeit hervorgebracht, die nun zum Fundament eines erneuerten Pragmatismus werden kann, der aus dem Keller kommt. Oder durch die Hintertür. Dass in diesen Wochen neue Hoffnung aufkeimt in Deutschland, ist nicht nur eine Ironie der Geschichte, sondern auch logisch konsequent. Frei nach Hölderlin: Wo der Pessimismus ist, wächst der Optimismus auch."
Im Feuilleton verkündet Hans-Arthur Marsiske hoffnungsfroh den Beginn des solaren Zeitalters: "Vielleicht haben mit dem Beginn des Weltraumzeitalters nicht nur das Feuer und die Schriftkultur ihre Daseinszyklen vollendet, sondern auch unsere bisherigen Formen des Wirtschaftens. Die historische Leistung des Kapitalismus bestand darin, immer größere kollektive Kräfte zu bündeln und die kulturelle Beschleunigung auf die Spitze zu treiben - bis zum Sprung ins All. Damit könnte die kapitalistische Mission aber auch erfüllt sein."
Peter Dittmar berichtet, dass der norwegische Millionär Fred Olson bei Sotheby's Munch-Gemälde versteigern lässt, die sein Vater einst von Nazis zum Schnäppchenpreis ergatterte. Michael Pilz kündigt das neue Album "Akustik Sessions" der Hamburger Band Kante an, das nicht auf Tonträger, sondern nur als MP3 auf Download-Plattformen erscheint: "Damit darf Kante sich als erste deutsche, an die Plattenindustrie gebundene Popband feiern, die CD-Märkte auf diese Weise ignoriert."
Besprochen werden Sam Mendes' Golfkriegsfilm "Jarhead", Dean Parisots Bankräuber-Komödie "Dick und Jane" und Richard Claus' "enttäuschende" Verfilmung von Cornelia Funkes "Herr der Diebe".
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Rundschau, 05.01.2006
Inspiriert vom koreanischen Klonfälscher Hwang meditiert Harry Nutt über Fälschungen, Desinformation und Unübersichtlichkeit. Stefan Schickhaus gratuliert dem Pianisten Alfred Brendel zum 75. Geburtstag. In der Kolumne Times Mager gelingt es Daniel Kothenschulte, in einem akrobatischen Gedankenlooping Orson Welles und das Berliner Stadtschloss zusammenzudenken.
Besprochen werden die Ausstellung "Schrumpfende Städte 2" in Leipzig, Sam Mendes' Film "Jarhead", Sally Potters Film "Yes", (den Sascha Westphal als "avantgardistisches Experiment und großes filmisches Welttheater" feiert) und Nicolas Vaniers Dokumentarfilm "Der letzte Trapper".
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Die Tageszeitung, 05.01.2006
Das Unglück von Bad Reichenhall deutet Clemens Niedenthal in der zweiten taz als Symbol für den Niedergang des Vertrauens in Staat und Politik. "Letztlich egal, was die Archäologen dieser Katastrophe nun als eigentliche Unfallursache ermitteln werden, das Krisenthermometer zeigt es bereits an: Es ist die schützende Hand der Gemeinschaft, der man nicht mehr so recht trauen mag... Und so mag man auch in der Bewegung der Katastrophe selbst eine letzte Metapher sehen: Die Halle knarzte oben im Gebälk. Das schützende Dach wurde zur tödlichen Last."
Im Feuilleton: Dirk Knipphals hat den Fragekatalog für die Einbürgerung muslimischer Antragsteller gelesen und findet ihn entwürdigend. Ansonsten dreht sich alles um Film: Anke Leweke schreibt über Andreas Dresens Berlin-Film "Sommer vorm Balkon" und seinen der Realität verpflichteten Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase ("Berlin-Ecke Schönhauser", "Solo Sunny"). Nicole Hess hat Sally Potter (mehr hier) zu ihrem neuen Film "Yes" befragt - ein Film in Versen, eine Putzfrau gibt den Chor. Besprochen werden Southan Morris' Dokumentarfilm "George Michael - A Different Story" und Zhang Yangs Film "Badehaus".
Schließlich Tom.
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 05.01.2006
Joachim Kaiser ist nach Berlin gefahren, um mit Daniel Barenboim über dessen israelisch-palästinensisches Orchester, das "West-Eastern Divan Orchestra" (mehr) zu sprechen. "Als wisse er nicht, wie provokant seine Analogie wirken könnte, erklärt Barenboim die Sache so: Mit der Mischung aus Beständigkeit und gewählten Neuzugängen in seinem Orchester verhalte es sich etwa so 'wie beim Orchester in Bayreuth'. Doch müssen junge Palästinenser oder Ägypter nicht viel Courage aufbringen, wenn sie es wagen, sich mit einem prominenten Israeli zusammenzutun? Von irgendwelchen familiären Zwängen wisse er nichts, sagt Barenboim, gesellschaftlichen Druck aber gebe es schon. Dem seien auch die Israelis ausgesetzt, wenn sie sich dafür entscheiden, mit Arabern zu musizieren. Ein gravierendes Problem scheint das für Barenboim nicht zu sein. Stolz sagt er: 'Mit dem Feind zusammenzuleben (bei Konzertreisen) und zusammen zu musizieren, das ist eine existentielle Erfahrung.' Jeder, der sie mache - und das gelte auch für ihn selber - erfahre dabei eine beträchtliche Veränderung."
Im Pop gibt es wieder Freaks, freut sich Karl Bruckmaier. "Überall erscheinen wieder Platten von politisierten Kollektiven: Freak-Reste wie Godspeed You Black Emperor oder Silver Mount Zion, die sich im kanadischen Abseits in Abbruchhäusern herumgedrückt hatten, erhalten Verstärkung, die sich gar als Hitparaden-kompatibel erweist: Ein Konzert von Arcade Fire aus Toronto ist ein euphorisierendes Erlebnis, ein kollektiv abgebranntes Feuerwerk, abgebrannt von quasi anonymen Teilnehmern am Gesamtvergnügen, die in ständig wechselnden Besetzungen die Bühne entern, die Bühne verlassen, dass nach zwei Stücken jedermann den Überblick verloren hat und der notorisch namensversessene New Musical Express 'den Typen mit dem Motorradhelm' in seine Jahresliste der coolsten Menschen auf diesem Planeten mit aufnehmen muss."
Weiteres: Christiane Schlötzer berichtet, dass der künstlerische Leiter der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas, Patras, der Komponist und Ex-Kulturminister Thanos Mikroutsikos, seinen Posten fluchtartig verlassen hat, weil die Regierung die versprochenen Gelder nicht bereit gestellt hat. Für Stefan Koldehoff wirft die als "Scoop" angekündigte Auktion von einigen Edvard-Munch-Gemälden Fragen auf. Die Bilder waren von den Nazis als "entartete Kunst" an den norwegischen Sammler und Reeder-Erben Fred Olsen verkauft worden (mehr hier). "Wer beherrscht den Menschen?" ist die offizielle Frage des Jahres, wie Andrian Kreye aus dem amerikanischen Online-Forum edge erfährt. Fritz Göttler präsentiert die neueste Kritik an Steven Spielbergs Olympia-1972-Film "Munich". Christina Maria Berr gratuliert dem Leipziger Aktfotografen Günter Rössler zum achtzigsten Geburtstag.
Auf der Filmseite unterhält sich Anke Sterneborg mit Nadja Uhl und Inka Friedrich, den Hauptdarstellerinnen von Andreas Dresens neuem Film "Sommer vorm Balkon", dem Marina Knoben eine "angenehme Leichtigkeit" bescheinigt.
Besprochen werden weiter Dean Parisots Komödie "Dick und Jane", Sally Potters neuer Film "Yes" ("All die Kunstgriffe, die in ihren Filmen bisweilen künstlich und prätenziös wirkten ... schaffen hier eine wunderbare Poesie", schwärmt Anke Sterneborg.) und Bücher, darunter Peter Müllers Band über die Ostberliner Zentrumsplanung "Symbolsuche", von dem Jens Bisky meint: "Wer über den Berliner Schlossplatz redet, muss dieses Buch kennen!" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages)
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
201212345678910111220111234567891011122010123456789101112200912345678910111220081234567891011122007123456789101112200612345678910111220051234567891011122004123456789101112200312345678910111220021234567891011122001123456789101112
Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





