Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 11.20 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

05.01.2006. Die Zeit bringt einen Schwerpunkt über den Kind-Gott-Engel-Mensch und Witz-Ernst-Sonnen-Nacht-Künstler Mozart. Die FAZ macht sich Sorgen um Europa nach dem Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine. Die Welt hofft, dass Angela Merkel uns aus der von Gerhard Schröder verursachten Schopenhauerschen Willenlosigkeit herausholt. Und in der SZ spricht Daniel Barenboim über sein israelisch-palästinensisches Orchester.

Die Zeit, 05.01.2006

Das gesamte Feuilleton verehrt, feiert und umjubelt Mozart, dessen 250. Geburtstag am 27. Januar unaufhaltsam näherrückt.


Ein "Mann wie Schießpulver": Claus Spahn beschreibt die explosive Mischung, die Mozart in sich vereinigt hat: "Mozart ist ein Einfach-Schwieriger. Ist ein Kind-Gott-Engel-Mensch. Ist ein Witz-Ernst-Sonnen-Nacht-Künstler. Ist ein Bewahrer-Vollender-Erneuerer. Ist ein Salzburger-Wiener-Deutscher-Europäer." Aber: "Mozart war kein dialektisch in sich verknoteter Eierkopf. Seine künstlerischen Absichten hat er mit großer Geradlinigkeit verfolgt, und seine Musik ist von bestechender Klarheit. Wie man es auch dreht und wendet, das Dilemma bleibt bei allen Zuschreibungen gleich: 'Gemeint und geschissen ist zweyerlei' (Mozart)."

"Für mich ist dieses verniedlichende Mozart-Bild, dass er schöne Musik für schöne Anlässe geschrieben hat, ein Albtraum", bekennt in einem Interview der Regisseur Peter Sellars, der im Herbst das Mozart-Festival "New Crowned Hope" mit Künstlern aus aller Welt in Wien ausrichten wird. "Mozart war einer der klügsten und gebildetsten Köpfe seiner Zeit. Ein Intellektueller an der Spitze seiner Generation, die ein Europa ohne Könige vor Augen hatte. Diese Generation hat die Vision von einem neuen Europa ohne autokratische Herrschaft zum Leben erweckt, bewusst und wagemutig."

Der Pianist Maurizio Pollini erklärt in einem Interview, warum er bisher so wenig Mozart gespielt hat: "Sie erinnern sich vielleicht an den Satz von Wilhelm Kempff: Die Sonaten von Mozart sind zu leicht für Amateure und zu schwer für professionelle Musiker. Vielleicht ist das der Grund... Ich glaube man kommt Mozart eher mit zunehmenden Alter näher. Vielleicht weil man die Subtilität von Mozarts Musik erst richtig zu schätzen weiß, wenn man ein erwachsener Musiker ist."

Weiteres: Der niederländische Schriftsteller Maarten 't Hart erzählt, wie er "Mozartianer" wurde ("Wenn es auf Erden überhaupt etwas gibt, das vollkommen ist, dann KV 488"). Volker Hagedorn besucht den umtriebigen Sammler von Mozart-Kostbarkeiten, der tatsächlich Jürgen Köchel heißt. Christof Siemens besichtigt Mozarts Geburtsstadt Salzburg, die versucht, mit den Feiern in Wien Schritt zu halten. Der Musikwissenschaftler Ulrich Konrad erklärt, warum die "Kleine Nachtmusik" so berühmt geworden ist. Jens Jessen will in Mozarts Musik überhaupt nichts vollendet Klassisches entdecken, sondern vor allem "höchst eigenartige Experimente". Thomas Assheuer feiert die Oper "La Clemenza di Tito" als Lehrstück über "die Macht der Ohnmacht".

Im Literaturteil feiert Hubert Winkels Martin Amis' Familienchronik "Hauptsachen". Im Dossier befasst sich Roland Kirbach mit dem Verkauf von Millionen Sozialwohnungen an internationale Investmentfonds, mit dem die deutschen Städte den "Traum vom humanen Wohnen" verraten haben. Und im Leben unterhält sich Georg Diez mit dem amerikanischen Schriftsteller Bret Easton Ellis über schnellen Sex, schnellen Ruhm und dessen neues Buch "Lunar Park".

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Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2006

Peter Kraut freut sich über die Reunion der berüchtigten Industrial Band Throbbing Gristle, die aber ihren bösen Humor abgelegt zu haben scheint. Dickes Lob vergibt Annalis Leibundgut an die Macher der Ausstellung "Ägypten, Griechenland, Rom" im Frankfurter Städel, die auf "höchstem Niveau" das Beziehungsgeflecht zwischen den antiken Kulturen zu entwirren versucht.


Besprochen werden außerdem die Schau frühitalienischer Bildwerke "Reunion" in der Londoner National Gallery, die Jessye-Norman-Collection (auf der die Dive Kurt Malisch vor allem als Liedinterpretin überraschte), eine Gesamteinspielung der Bamberger Symphoniker und Bücher, darunter Edgardo Cozarinskys Erzählungen "Die Braut aus Odessa", Alex Capus' Roman "Reisen im Licht der Sterne" sowie ein Hörbuch mit Texten von Hanns Dieter Hüsch (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2006

Sehr politisch heute, das FAZ-Feuilleton: Im Aufmacher schreibt Kerstin Holm über Russland nach dem Gasstreit mit der Ukraine: "Als Präsident Putin jetzt .. zum Jahreswechsel den russischen G-8-Vorsitz antrat, empfahl er sein Land als Garant einer zuverlässigen Energieversorgung für Europa. Parallel dazu brach des Kremls Ehepartner Gasprom jenen Preispoker vom Zaun, welcher im Winter und im Vorfeld des ukrainischen Parlamentswahlkampfes einem 'kalten Krieg' mit energiewirtschaftlichen Mitteln ähnelte. Für die zuverlässige Energiepartnerschaft, wie sie nicht zuletzt die Ostseepipeline unter des deutschen Exkanzlers Oberaufsicht bekräftigen soll, sind das rote Alarmlämpchen. Nach der europäischen Philosophie soll die Energiepartnerschaft Russland nach Westen einbinden. Doch warum soll nicht Russland ein Europa einzubinden versuchen, das sich von russischen Ressourcen abhängig macht?"


Weitere Artikel: Paul Ingendaay beschreibt die sich verschärfende Auseinandersetzung zwischen katalanischen Regionalisten und dem spanischen Zentralstaat. Ludger Fittkau hat einer Veranstaltung über Sterbehilfe am Rande eines Kongresses zum Thema "Anti-Aging" beigewohnt und dort erfahren, dass Frauen häufiger als Männer von aktiver Sterbehilfe Gebrauch machen wollen, was ihn dazu veranlasst, Sterbehilfe als "beklemmende Form eines Anti-Aging-Präventivschlags" zu beschreiben. Der Wirtschaftsforscher Gert G. Wagner greift in die Debatte um die Notwendigkeit einer neuen Volkszählung ein, die er aber abstreitet, weil zuverlässiges Datenmaterial auch in anderer Weise zu bekommen sei. Und in der Leitglosse amüsiert sich Heinrich Wefing über den Fall eines Berliner Denkmalschützers, der wegen Korruption bei der Restaurierung der Reiterstatue des Alten Fritz Unter den Linden angeklagt wurde.

Auf der Filmseite interviewt Peter Körte den Filmregisseur Sam Mendes, dessen Kriegsfilm "Jarhead" auf Seite 1 des Feuilletons von Verena Lueken recht kühl besprochen wird. Patrick Bahners gratuliert Diane Keaton zum Sechzigsten. Und Michael Althen erklärt uns, warum wir auch dieses Jahr kaum noch ins Kino gehen müssen: Hollywood liefert sowieso nur Remakes.

Auf der Medienseite schreibt Werner Linster in der Reihe "Stimmen" eine Hommage auf die legendäre ägyptische Sängerin Oum Kalsoum.

Auf der letzten Seite berichtet Thomas Seibert von der Hilfsorganisation medico international über Sri Lanka ein Jahr nach dem Tsunami. Andreas Platthaus mokiert sich über eine Internetabstimmung, welche die heutigen sieben Weltwunder definieren soll. Und Gerhard Rohde porträtiert den Cellisten Lucas Fels, der beim Arditti Quartett die Position Rohan de Sarams übernimmt.

Besprochen werden eine Ausstellung über Rock in der DDR in Bonn und die Ergebnisse eines deutsch-israelischen Comicprojektes.

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Die Welt, 05.01.2006

Auf den Forumsseiten konstatiert Reinhard Mohr, dass sich mit dem Pragmatismus der Angela Merkel der lange Abschied vom "alten deutschen Glauben" vollende, dass Politik etwas Grundlegendes ändern könne: "Schröder hat für sie ungewollt die (Drecks-)Arbeit der radikalen Desillusionierung erledigt. Nun glaubt fast niemand mehr an irgend etwas, was die Politik verspricht. Die rot-grüne Achterbahnfahrt hat eine tiefsitzende politische Erschöpfung, eine fast Schopenhauersche Willenlosigkeit hervorgebracht, die nun zum Fundament eines erneuerten Pragmatismus werden kann, der aus dem Keller kommt. Oder durch die Hintertür. Dass in diesen Wochen neue Hoffnung aufkeimt in Deutschland, ist nicht nur eine Ironie der Geschichte, sondern auch logisch konsequent. Frei nach Hölderlin: Wo der Pessimismus ist, wächst der Optimismus auch."


Im Feuilleton verkündet Hans-Arthur Marsiske hoffnungsfroh den Beginn des solaren Zeitalters: "Vielleicht haben mit dem Beginn des Weltraumzeitalters nicht nur das Feuer und die Schriftkultur ihre Daseinszyklen vollendet, sondern auch unsere bisherigen Formen des Wirtschaftens. Die historische Leistung des Kapitalismus bestand darin, immer größere kollektive Kräfte zu bündeln und die kulturelle Beschleunigung auf die Spitze zu treiben - bis zum Sprung ins All. Damit könnte die kapitalistische Mission aber auch erfüllt sein."

Peter Dittmar berichtet, dass der norwegische Millionär Fred Olson bei Sotheby's Munch-Gemälde versteigern lässt, die sein Vater einst von Nazis zum Schnäppchenpreis ergatterte. Michael Pilz kündigt das neue Album "Akustik Sessions" der Hamburger Band Kante an, das nicht auf Tonträger, sondern nur als MP3 auf Download-Plattformen erscheint: "Damit darf Kante sich als erste deutsche, an die Plattenindustrie gebundene Popband feiern, die CD-Märkte auf diese Weise ignoriert."

Besprochen werden Sam Mendes' Golfkriegsfilm "Jarhead", Dean Parisots Bankräuber-Komödie "Dick und Jane" und Richard Claus' "enttäuschende" Verfilmung von Cornelia Funkes "Herr der Diebe".

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Frankfurter Rundschau, 05.01.2006

Inspiriert vom koreanischen Klonfälscher Hwang meditiert Harry Nutt über Fälschungen, Desinformation und Unübersichtlichkeit. Stefan Schickhaus gratuliert dem Pianisten Alfred Brendel zum 75. Geburtstag. In der Kolumne Times Mager gelingt es Daniel Kothenschulte, in einem akrobatischen Gedankenlooping Orson Welles und das Berliner Stadtschloss zusammenzudenken.


Besprochen werden die Ausstellung "Schrumpfende Städte 2" in Leipzig, Sam Mendes' Film "Jarhead", Sally Potters Film "Yes", (den Sascha Westphal als "avantgardistisches Experiment und großes filmisches Welttheater" feiert) und Nicolas Vaniers Dokumentarfilm "Der letzte Trapper".

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Die Tageszeitung, 05.01.2006

Das Unglück von Bad Reichenhall deutet Clemens Niedenthal in der zweiten taz als Symbol für den Niedergang des Vertrauens in Staat und Politik. "Letztlich egal, was die Archäologen dieser Katastrophe nun als eigentliche Unfallursache ermitteln werden, das Krisenthermometer zeigt es bereits an: Es ist die schützende Hand der Gemeinschaft, der man nicht mehr so recht trauen mag... Und so mag man auch in der Bewegung der Katastrophe selbst eine letzte Metapher sehen: Die Halle knarzte oben im Gebälk. Das schützende Dach wurde zur tödlichen Last."


Im Feuilleton: Dirk Knipphals hat den Fragekatalog für die Einbürgerung muslimischer Antragsteller gelesen und findet ihn entwürdigend.  Ansonsten dreht sich alles um Film: Anke Leweke schreibt über Andreas Dresens Berlin-Film "Sommer vorm Balkon" und seinen der Realität verpflichteten Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase ("Berlin-Ecke Schönhauser", "Solo Sunny"). Nicole Hess hat Sally Potter (mehr hier) zu ihrem neuen Film "Yes" befragt - ein Film in Versen, eine Putzfrau gibt den Chor. Besprochen werden Southan Morris' Dokumentarfilm "George Michael - A Different Story" und Zhang Yangs Film "Badehaus".

Schließlich Tom.

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Süddeutsche Zeitung, 05.01.2006

Joachim Kaiser ist nach Berlin gefahren, um mit Daniel Barenboim über dessen israelisch-palästinensisches Orchester, das "West-Eastern Divan Orchestra" (mehr) zu sprechen. "Als wisse er nicht, wie provokant seine Analogie wirken könnte, erklärt Barenboim die Sache so: Mit der Mischung aus Beständigkeit und gewählten Neuzugängen in seinem Orchester verhalte es sich etwa so 'wie beim Orchester in Bayreuth'. Doch müssen junge Palästinenser oder Ägypter nicht viel Courage aufbringen, wenn sie es wagen, sich mit einem prominenten Israeli zusammenzutun? Von irgendwelchen familiären Zwängen wisse er nichts, sagt Barenboim, gesellschaftlichen Druck aber gebe es schon. Dem seien auch die Israelis ausgesetzt, wenn sie sich dafür entscheiden, mit Arabern zu musizieren. Ein gravierendes Problem scheint das für Barenboim nicht zu sein. Stolz sagt er: 'Mit dem Feind zusammenzuleben (bei Konzertreisen) und zusammen zu musizieren, das ist eine existentielle Erfahrung.' Jeder, der sie mache - und das gelte auch für ihn selber - erfahre dabei eine beträchtliche Veränderung."


Im Pop gibt es wieder Freaks, freut sich Karl Bruckmaier. "Überall erscheinen wieder Platten von politisierten Kollektiven: Freak-Reste wie Godspeed You Black Emperor oder Silver Mount Zion, die sich im kanadischen Abseits in Abbruchhäusern herumgedrückt hatten, erhalten Verstärkung, die sich gar als Hitparaden-kompatibel erweist: Ein Konzert von Arcade Fire aus Toronto ist ein euphorisierendes Erlebnis, ein kollektiv abgebranntes Feuerwerk, abgebrannt von quasi anonymen Teilnehmern am Gesamtvergnügen, die in ständig wechselnden Besetzungen die Bühne entern, die Bühne verlassen, dass nach zwei Stücken jedermann den Überblick verloren hat und der notorisch namensversessene New Musical Express 'den Typen mit dem Motorradhelm' in seine Jahresliste der coolsten Menschen auf diesem Planeten mit aufnehmen muss."

Weiteres: Christiane Schlötzer berichtet, dass der künstlerische Leiter der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas, Patras, der Komponist und Ex-Kulturminister Thanos Mikroutsikos, seinen Posten fluchtartig verlassen hat, weil die Regierung die versprochenen Gelder nicht bereit gestellt hat. Für Stefan Koldehoff wirft die als "Scoop" angekündigte Auktion von einigen Edvard-Munch-Gemälden Fragen auf. Die Bilder waren von den Nazis als "entartete Kunst" an den norwegischen Sammler und Reeder-Erben Fred Olsen verkauft worden (mehr hier). "Wer beherrscht den Menschen?" ist die offizielle Frage des Jahres, wie Andrian Kreye aus dem amerikanischen Online-Forum edge erfährt. Fritz Göttler präsentiert die neueste Kritik an Steven Spielbergs Olympia-1972-Film "Munich". Christina Maria Berr gratuliert dem Leipziger Aktfotografen Günter Rössler zum achtzigsten Geburtstag.

Auf der Filmseite unterhält sich Anke Sterneborg mit Nadja Uhl und Inka Friedrich, den Hauptdarstellerinnen von Andreas Dresens neuem Film "Sommer vorm Balkon", dem Marina Knoben eine "angenehme Leichtigkeit" bescheinigt.

Besprochen werden weiter Dean Parisots Komödie "Dick und Jane", Sally Potters neuer Film "Yes" ("All die Kunstgriffe, die in ihren Filmen bisweilen künstlich und prätenziös wirkten ... schaffen hier eine wunderbare Poesie", schwärmt Anke Sterneborg.) und Bücher, darunter Peter Müllers Band über die Ostberliner Zentrumsplanung "Symbolsuche", von dem Jens Bisky meint: "Wer über den Berliner Schlossplatz redet, muss dieses Buch kennen!" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages)

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Notschrei eines blutjungen Originalgenies

09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis.  Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen

Härteste Türpolitik

08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen

Verhängt die Fenster

06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen

Pneumatische Prozesse

05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten.  Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Wie Einbrecher in der Nacht

04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen

So viel wie ein junges Nashorn

03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen

Irgendwo in einer fernen Wolke

02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur.  Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen

Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio

01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen

Circa anderthalb goddamns pro Seite

30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt.  Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen

Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit

29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen

Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie

28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen

Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor

27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen

Mit einem Martini und einem Orden

26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen

Menschenfreundliche Wortwundverbände

25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann.  Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen

Tempel des digitalen Zeitalters

23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen

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