Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
05.01.2006. Die Zeit bringt einen Schwerpunkt über den Kind-Gott-Engel-Mensch und Witz-Ernst-Sonnen-Nacht-Künstler Mozart. Die FAZ macht sich Sorgen um Europa nach dem Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine. Die Welt hofft, dass Angela Merkel uns aus der von Gerhard Schröder verursachten Schopenhauerschen Willenlosigkeit herausholt. Und in der SZ spricht Daniel Barenboim über sein israelisch-palästinensisches Orchester.
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Die Zeit, 05.01.2006
Das gesamte Feuilleton verehrt, feiert und umjubelt Mozart, dessen 250. Geburtstag am 27. Januar unaufhaltsam näherrückt.
Ein "Mann wie Schießpulver": Claus Spahn beschreibt die explosive Mischung, die Mozart in sich vereinigt hat: "Mozart ist ein Einfach-Schwieriger. Ist ein Kind-Gott-Engel-Mensch. Ist ein Witz-Ernst-Sonnen-Nacht-Künstler. Ist ein Bewahrer-Vollender-Erneuerer. Ist ein Salzburger-Wiener-Deutscher-Europäer." Aber: "Mozart war kein dialektisch in sich verknoteter Eierkopf. Seine künstlerischen Absichten hat er mit großer Geradlinigkeit verfolgt, und seine Musik ist von bestechender Klarheit. Wie man es auch dreht und wendet, das Dilemma bleibt bei allen Zuschreibungen gleich: 'Gemeint und geschissen ist zweyerlei' (Mozart)."
"Für mich ist dieses verniedlichende Mozart-Bild, dass er schöne Musik für schöne Anlässe geschrieben hat, ein Albtraum", bekennt in einem Interview der Regisseur Peter Sellars, der im Herbst das Mozart-Festival "New Crowned Hope" mit Künstlern aus aller Welt in Wien ausrichten wird. "Mozart war einer der klügsten und gebildetsten Köpfe seiner Zeit. Ein Intellektueller an der Spitze seiner Generation, die ein Europa ohne Könige vor Augen hatte. Diese Generation hat die Vision von einem neuen Europa ohne autokratische Herrschaft zum Leben erweckt, bewusst und wagemutig."
Der Pianist Maurizio Pollini erklärt in einem Interview, warum er bisher so wenig Mozart gespielt hat: "Sie erinnern sich vielleicht an den Satz von Wilhelm Kempff: Die Sonaten von Mozart sind zu leicht für Amateure und zu schwer für professionelle Musiker. Vielleicht ist das der Grund... Ich glaube man kommt Mozart eher mit zunehmenden Alter näher. Vielleicht weil man die Subtilität von Mozarts Musik erst richtig zu schätzen weiß, wenn man ein erwachsener Musiker ist."
Weiteres: Der niederländische Schriftsteller Maarten 't Hart erzählt, wie er "Mozartianer" wurde ("Wenn es auf Erden überhaupt etwas gibt, das vollkommen ist, dann KV 488"). Volker Hagedorn besucht den umtriebigen Sammler von Mozart-Kostbarkeiten, der tatsächlich Jürgen Köchel heißt. Christof Siemens besichtigt Mozarts Geburtsstadt Salzburg, die versucht, mit den Feiern in Wien Schritt zu halten. Der Musikwissenschaftler Ulrich Konrad erklärt, warum die "Kleine Nachtmusik" so berühmt geworden ist. Jens Jessen will in Mozarts Musik überhaupt nichts vollendet Klassisches entdecken, sondern vor allem "höchst eigenartige Experimente". Thomas Assheuer feiert die Oper "La Clemenza di Tito" als Lehrstück über "die Macht der Ohnmacht".
Im Literaturteil feiert Hubert Winkels Martin Amis' Familienchronik "Hauptsachen". Im Dossier befasst sich Roland Kirbach mit dem Verkauf von Millionen Sozialwohnungen an internationale Investmentfonds, mit dem die deutschen Städte den "Traum vom humanen Wohnen" verraten haben. Und im Leben unterhält sich Georg Diez mit dem amerikanischen Schriftsteller Bret Easton Ellis über schnellen Sex, schnellen Ruhm und dessen neues Buch "Lunar Park".
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2006
Peter Kraut freut sich über die Reunion der berüchtigten Industrial Band Throbbing Gristle, die aber ihren bösen Humor abgelegt zu haben scheint. Dickes Lob vergibt Annalis Leibundgut an die Macher der Ausstellung "Ägypten, Griechenland, Rom" im Frankfurter Städel, die auf "höchstem Niveau" das Beziehungsgeflecht zwischen den antiken Kulturen zu entwirren versucht.
Besprochen werden außerdem die Schau frühitalienischer Bildwerke "Reunion" in der Londoner National Gallery, die Jessye-Norman-Collection (auf der die Dive Kurt Malisch vor allem als Liedinterpretin überraschte), eine Gesamteinspielung der Bamberger Symphoniker und Bücher, darunter Edgardo Cozarinskys Erzählungen "Die Braut aus Odessa", Alex Capus' Roman "Reisen im Licht der Sterne" sowie ein Hörbuch mit Texten von Hanns Dieter Hüsch (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2006
Sehr politisch heute, das FAZ-Feuilleton: Im Aufmacher schreibt Kerstin Holm über Russland nach dem Gasstreit mit der Ukraine: "Als Präsident Putin jetzt .. zum Jahreswechsel den russischen G-8-Vorsitz antrat, empfahl er sein Land als Garant einer zuverlässigen Energieversorgung für Europa. Parallel dazu brach des Kremls Ehepartner Gasprom jenen Preispoker vom Zaun, welcher im Winter und im Vorfeld des ukrainischen Parlamentswahlkampfes einem 'kalten Krieg' mit energiewirtschaftlichen Mitteln ähnelte. Für die zuverlässige Energiepartnerschaft, wie sie nicht zuletzt die Ostseepipeline unter des deutschen Exkanzlers Oberaufsicht bekräftigen soll, sind das rote Alarmlämpchen. Nach der europäischen Philosophie soll die Energiepartnerschaft Russland nach Westen einbinden. Doch warum soll nicht Russland ein Europa einzubinden versuchen, das sich von russischen Ressourcen abhängig macht?"
Weitere Artikel: Paul Ingendaay beschreibt die sich verschärfende Auseinandersetzung zwischen katalanischen Regionalisten und dem spanischen Zentralstaat. Ludger Fittkau hat einer Veranstaltung über Sterbehilfe am Rande eines Kongresses zum Thema "Anti-Aging" beigewohnt und dort erfahren, dass Frauen häufiger als Männer von aktiver Sterbehilfe Gebrauch machen wollen, was ihn dazu veranlasst, Sterbehilfe als "beklemmende Form eines Anti-Aging-Präventivschlags" zu beschreiben. Der Wirtschaftsforscher Gert G. Wagner greift in die Debatte um die Notwendigkeit einer neuen Volkszählung ein, die er aber abstreitet, weil zuverlässiges Datenmaterial auch in anderer Weise zu bekommen sei. Und in der Leitglosse amüsiert sich Heinrich Wefing über den Fall eines Berliner Denkmalschützers, der wegen Korruption bei der Restaurierung der Reiterstatue des Alten Fritz Unter den Linden angeklagt wurde.
Auf der Filmseite interviewt Peter Körte den Filmregisseur Sam Mendes, dessen Kriegsfilm "Jarhead" auf Seite 1 des Feuilletons von Verena Lueken recht kühl besprochen wird. Patrick Bahners gratuliert Diane Keaton zum Sechzigsten. Und Michael Althen erklärt uns, warum wir auch dieses Jahr kaum noch ins Kino gehen müssen: Hollywood liefert sowieso nur Remakes.
Auf der Medienseite schreibt Werner Linster in der Reihe "Stimmen" eine Hommage auf die legendäre ägyptische Sängerin Oum Kalsoum.
Auf der letzten Seite berichtet Thomas Seibert von der Hilfsorganisation medico international über Sri Lanka ein Jahr nach dem Tsunami. Andreas Platthaus mokiert sich über eine Internetabstimmung, welche die heutigen sieben Weltwunder definieren soll. Und Gerhard Rohde porträtiert den Cellisten Lucas Fels, der beim Arditti Quartett die Position Rohan de Sarams übernimmt.
Besprochen werden eine Ausstellung über Rock in der DDR in Bonn und die Ergebnisse eines deutsch-israelischen Comicprojektes.
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Die Welt, 05.01.2006
Auf den Forumsseiten konstatiert Reinhard Mohr, dass sich mit dem Pragmatismus der Angela Merkel der lange Abschied vom "alten deutschen Glauben" vollende, dass Politik etwas Grundlegendes ändern könne: "Schröder hat für sie ungewollt die (Drecks-)Arbeit der radikalen Desillusionierung erledigt. Nun glaubt fast niemand mehr an irgend etwas, was die Politik verspricht. Die rot-grüne Achterbahnfahrt hat eine tiefsitzende politische Erschöpfung, eine fast Schopenhauersche Willenlosigkeit hervorgebracht, die nun zum Fundament eines erneuerten Pragmatismus werden kann, der aus dem Keller kommt. Oder durch die Hintertür. Dass in diesen Wochen neue Hoffnung aufkeimt in Deutschland, ist nicht nur eine Ironie der Geschichte, sondern auch logisch konsequent. Frei nach Hölderlin: Wo der Pessimismus ist, wächst der Optimismus auch."
Im Feuilleton verkündet Hans-Arthur Marsiske hoffnungsfroh den Beginn des solaren Zeitalters: "Vielleicht haben mit dem Beginn des Weltraumzeitalters nicht nur das Feuer und die Schriftkultur ihre Daseinszyklen vollendet, sondern auch unsere bisherigen Formen des Wirtschaftens. Die historische Leistung des Kapitalismus bestand darin, immer größere kollektive Kräfte zu bündeln und die kulturelle Beschleunigung auf die Spitze zu treiben - bis zum Sprung ins All. Damit könnte die kapitalistische Mission aber auch erfüllt sein."
Peter Dittmar berichtet, dass der norwegische Millionär Fred Olson bei Sotheby's Munch-Gemälde versteigern lässt, die sein Vater einst von Nazis zum Schnäppchenpreis ergatterte. Michael Pilz kündigt das neue Album "Akustik Sessions" der Hamburger Band Kante an, das nicht auf Tonträger, sondern nur als MP3 auf Download-Plattformen erscheint: "Damit darf Kante sich als erste deutsche, an die Plattenindustrie gebundene Popband feiern, die CD-Märkte auf diese Weise ignoriert."
Besprochen werden Sam Mendes' Golfkriegsfilm "Jarhead", Dean Parisots Bankräuber-Komödie "Dick und Jane" und Richard Claus' "enttäuschende" Verfilmung von Cornelia Funkes "Herr der Diebe".
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Rundschau, 05.01.2006
Inspiriert vom koreanischen Klonfälscher Hwang meditiert Harry Nutt über Fälschungen, Desinformation und Unübersichtlichkeit. Stefan Schickhaus gratuliert dem Pianisten Alfred Brendel zum 75. Geburtstag. In der Kolumne Times Mager gelingt es Daniel Kothenschulte, in einem akrobatischen Gedankenlooping Orson Welles und das Berliner Stadtschloss zusammenzudenken.
Besprochen werden die Ausstellung "Schrumpfende Städte 2" in Leipzig, Sam Mendes' Film "Jarhead", Sally Potters Film "Yes", (den Sascha Westphal als "avantgardistisches Experiment und großes filmisches Welttheater" feiert) und Nicolas Vaniers Dokumentarfilm "Der letzte Trapper".
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Die Tageszeitung, 05.01.2006
Das Unglück von Bad Reichenhall deutet Clemens Niedenthal in der zweiten taz als Symbol für den Niedergang des Vertrauens in Staat und Politik. "Letztlich egal, was die Archäologen dieser Katastrophe nun als eigentliche Unfallursache ermitteln werden, das Krisenthermometer zeigt es bereits an: Es ist die schützende Hand der Gemeinschaft, der man nicht mehr so recht trauen mag... Und so mag man auch in der Bewegung der Katastrophe selbst eine letzte Metapher sehen: Die Halle knarzte oben im Gebälk. Das schützende Dach wurde zur tödlichen Last."
Im Feuilleton: Dirk Knipphals hat den Fragekatalog für die Einbürgerung muslimischer Antragsteller gelesen und findet ihn entwürdigend. Ansonsten dreht sich alles um Film: Anke Leweke schreibt über Andreas Dresens Berlin-Film "Sommer vorm Balkon" und seinen der Realität verpflichteten Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase ("Berlin-Ecke Schönhauser", "Solo Sunny"). Nicole Hess hat Sally Potter (mehr hier) zu ihrem neuen Film "Yes" befragt - ein Film in Versen, eine Putzfrau gibt den Chor. Besprochen werden Southan Morris' Dokumentarfilm "George Michael - A Different Story" und Zhang Yangs Film "Badehaus".
Schließlich Tom.
Die Zeit | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Welt | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 05.01.2006
Joachim Kaiser ist nach Berlin gefahren, um mit Daniel Barenboim über dessen israelisch-palästinensisches Orchester, das "West-Eastern Divan Orchestra" (mehr) zu sprechen. "Als wisse er nicht, wie provokant seine Analogie wirken könnte, erklärt Barenboim die Sache so: Mit der Mischung aus Beständigkeit und gewählten Neuzugängen in seinem Orchester verhalte es sich etwa so 'wie beim Orchester in Bayreuth'. Doch müssen junge Palästinenser oder Ägypter nicht viel Courage aufbringen, wenn sie es wagen, sich mit einem prominenten Israeli zusammenzutun? Von irgendwelchen familiären Zwängen wisse er nichts, sagt Barenboim, gesellschaftlichen Druck aber gebe es schon. Dem seien auch die Israelis ausgesetzt, wenn sie sich dafür entscheiden, mit Arabern zu musizieren. Ein gravierendes Problem scheint das für Barenboim nicht zu sein. Stolz sagt er: 'Mit dem Feind zusammenzuleben (bei Konzertreisen) und zusammen zu musizieren, das ist eine existentielle Erfahrung.' Jeder, der sie mache - und das gelte auch für ihn selber - erfahre dabei eine beträchtliche Veränderung."
Im Pop gibt es wieder Freaks, freut sich Karl Bruckmaier. "Überall erscheinen wieder Platten von politisierten Kollektiven: Freak-Reste wie Godspeed You Black Emperor oder Silver Mount Zion, die sich im kanadischen Abseits in Abbruchhäusern herumgedrückt hatten, erhalten Verstärkung, die sich gar als Hitparaden-kompatibel erweist: Ein Konzert von Arcade Fire aus Toronto ist ein euphorisierendes Erlebnis, ein kollektiv abgebranntes Feuerwerk, abgebrannt von quasi anonymen Teilnehmern am Gesamtvergnügen, die in ständig wechselnden Besetzungen die Bühne entern, die Bühne verlassen, dass nach zwei Stücken jedermann den Überblick verloren hat und der notorisch namensversessene New Musical Express 'den Typen mit dem Motorradhelm' in seine Jahresliste der coolsten Menschen auf diesem Planeten mit aufnehmen muss."
Weiteres: Christiane Schlötzer berichtet, dass der künstlerische Leiter der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas, Patras, der Komponist und Ex-Kulturminister Thanos Mikroutsikos, seinen Posten fluchtartig verlassen hat, weil die Regierung die versprochenen Gelder nicht bereit gestellt hat. Für Stefan Koldehoff wirft die als "Scoop" angekündigte Auktion von einigen Edvard-Munch-Gemälden Fragen auf. Die Bilder waren von den Nazis als "entartete Kunst" an den norwegischen Sammler und Reeder-Erben Fred Olsen verkauft worden (mehr hier). "Wer beherrscht den Menschen?" ist die offizielle Frage des Jahres, wie Andrian Kreye aus dem amerikanischen Online-Forum edge erfährt. Fritz Göttler präsentiert die neueste Kritik an Steven Spielbergs Olympia-1972-Film "Munich". Christina Maria Berr gratuliert dem Leipziger Aktfotografen Günter Rössler zum achtzigsten Geburtstag.
Auf der Filmseite unterhält sich Anke Sterneborg mit Nadja Uhl und Inka Friedrich, den Hauptdarstellerinnen von Andreas Dresens neuem Film "Sommer vorm Balkon", dem Marina Knoben eine "angenehme Leichtigkeit" bescheinigt.
Besprochen werden weiter Dean Parisots Komödie "Dick und Jane", Sally Potters neuer Film "Yes" ("All die Kunstgriffe, die in ihren Filmen bisweilen künstlich und prätenziös wirkten ... schaffen hier eine wunderbare Poesie", schwärmt Anke Sterneborg.) und Bücher, darunter Peter Müllers Band über die Ostberliner Zentrumsplanung "Symbolsuche", von dem Jens Bisky meint: "Wer über den Berliner Schlossplatz redet, muss dieses Buch kennen!" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages)
Archiv: Heute in den Feuilletons
Geheimsache des Heiligen Offiziums
22.03.2010. Die FR übernimmt Christopher Hitchens' Slate-Artikel zur Verantwortung Benedikts XVI. an der Vertuschung der Sexualdelikte in seiner Kirche. Auch die FAZ kritisiert den Papst. Der Tagesspiegel besucht den Kölner Ground Zero um das versehentlich geschleifte Stadtarchiv und stößt auf das schiere Nichts. In der SZ erklärt der Philosoph Wolfram Eilenberger sein Misstrauen gegen den allseits kompatiblen Begriff der Nachhaltigkeit. Die Meldung vom Tod Wolfgang Wagners kam zu spät für die Zeitungen. Mehr lesen
Muss ich etwas zu sagen haben?
20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen
Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche
19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen
Arrondierte Männergruppen
18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
2010123456789101112200912345678910111220081234567891011122007123456789101112200612345678910111220051234567891011122004123456789101112200312345678910111220021234567891011122001123456789101112
Archiv: Heute in den Feuilletons
Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach
17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten. Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen






