Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
22.09.2005. Wegen eines Server-Problems sind wir heute zu spät gekommen - pardon! In der Zeit beschreibt Juli Zeh die Nachteiligkeit unseres treuherzigen Blicks nach oben. In der taz rät Alfred Grosser zu einer großen Koalition ohne Schröder und Merkel. In der SZ sucht Heinz Bude nach einem geistigen Gesicht für die SPD. Die Welt wirft schon einen Blick auf die große Immendorff-Ausstellung in Berlin. Die FAZ erkundet den zweitwichtigsten Wirtschaftszweig Spaniens: die Prostitution.
Die Zeit | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Zeit, 22.09.2005
Die Schriftstellerin Juli Zeh beschleicht der Verdacht, dass die Fixierung der Parteien auf die Wirtschaftspolitik nicht Teil der Lösung, sondern des Problems sein könnte. "Schließlich steigert die rhetorische Konzentration auf Arbeitsplätze-Schaffen und Wachstum-Fördern die ohnehin vergleichsweise hohe Staats- und Obrigkeitshörigkeit in diesem Land. Die Nachteiligkeit unseres treuherzigen Blicks nach oben für das gesellschaftliche und ökonomische Fortkommen ist gerade in letzter Zeit verstärkt ins Bewusstsein gelangt. Solange aber durch wirtschaftliche Versprechungen der Politiker und die einfordernde Haltung der Medien der Eindruck erzeugt wird, 'die da oben' könnten und müssten die ökonomische Sache für uns in den Griff kriegen, wird die gebetsmühlenartige Aufforderung zu mehr Eigenverantwortung keine Früchte tragen."
Der Nobelpreisträger und Espede-Wahlhelfer Günter Grass gibt Christof Siemes gutgelaunt zu Protokoll: "Für mich ist klar, dass niemand auf einen so starken Bundeskanzler wie Gerhard Schröder verzichten kann."
Weiteres: Zum fünfzigsten Todestag von James Dean erzählt Georg Diez noch einmal eine "der großen Geschichten, die sich die westliche Welt von sich selbst erzählt, die "vom verlorenen Sohn, von Trotz, Auflehnung und Vergebung". Michael Skasa beäugt Matthias Hartmanns Einstand als Intendant am Zürcher Schauspielhaus mit einer kühlen Ibsen-Inszenierung von Barbara Frey und einer gutgelaunten Botho-Strauß-Aufführung. Peter Kümmel betrauert den Tod des Karikaturisten und "Universalkünstlers F.K. Waechter. Louise Brown überlegt, ob Marc Quinn mit seiner Trafalgar-Square-Skulptur der körperbehinderten Künstlerin Alison Lapper ebendiese zur "Spielmasse der Medien" gemacht habe. Claudia Herstatt berichtet vom Kunstmarkt über den Saisonauftakt bei den Wiener Auktionshäusern.
Besprochen werden die große Jörg-Immendorff-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie Berlin (die laut Hanno Rauterberg von herrlich leichtfertigen Bildern bis hin zum großen Drama alles auffährt, was Immendorff zu bieten hat), Sibylle Tiedemanns "poetischer" Dokumentarfilm "Estland, Mon Amour", das neue Album der Magic Numbers, "Klavierimpressionen" von Marco Stroppa und Eric Rohmers Klassiker "Pauline am Strand".
Im Aufmacher des Literaturteils preist Fritz J. Raddatz die Erinnerungen des Literaturwissenschaftlers Peter Wapnewski "Mit dem anderen Auge". Für das Dossier besucht Kerstin Kohlenberg den pakistanischen Briten Moazzam Begg, dessen fundamentalistischer Sohn in Guantanamo inhaftiert war.
Im Leben riskiert der Schriftsteller Tom Wolfe nach dem Untergang von New Orleans eine "chauvinistische" Vermutung hinsichtlich des vermeintlichen Rassismus in den USA: "Der Bürgermeister von New Orleans ist ein Schwarzer, der Polizeichef ist ein Schwarzer, die meisten Polizisten und Feuerwehrleute sind Schwarze - ganz einfach, weil der größte Teil der Bevölkerung schwarz ist. Dasselbe passierte in Miami mit den Kubanern. Innerhalb einer halben Generation übernahmen sie viele Ämter und Positionen. Das geht nur in diesem Land und nirgendwo sonst auf der Welt. Wenn eine Gruppe groß genug ist, hat sie früher oder später politischen Einfluss. Eine Frage: Wie viele Türken sitzen im Deutschen Bundestag? Wie viele Algerier sitzen im Pariser Stadtparlament?"
Die Zeit | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Rundschau, 22.09.2005
Das unentschiedene Ergebnis der Bundestagswahl zwingt nach Ansicht von Dieter Rulff die Sozialdemokraten nun mit Macht in genau die innere Auseinandersetzung, "der sie auf dem Wege der Neuwahl eigentlich zu entgehen hoffte. Es kämpfen nicht länger mehr zwei Seelen in der Brust des SPD-Abgeordneten. Nun kann er sich entscheiden, wem sie sich an die Brust wirft. Er gibt keine neue Mitte mehr sondern zwei Pole dirigieren die sozialdemokratische Bewegung. Merkel oder Lafontaine, Macht oder Moral, Angebots- oder Nachfragepolitik, kalt oder warm, rechts oder links. Bereits Schröders Kampf um die Wiederwahl war nicht der eines Regenten sondern der eines Opponenten gegen Lafontaine und Merkel. Das lässt die Sozialdemokraten im Moment ihres Sieges als Getriebene dastehen."
Weitere Artikel: In der Kolumne Times Mager befasst sich Peter Michalzik mit möglichen Koalitionen zwischen unmöglichen Partnern. In der Beilage FR Plus Kultur (nur als epaper im Netz lesbar) schreibt Silke Hohmann über Andre Hellers neues Zirkusprojekt "Afrika! Afrika!". Ursula März porträtiert an gleicher Stelle den Räuber und Schriftsteller Ludwig Lugmeier, und Franz Dobler erklärt uns, warum der jüdische Country-Veteran und Krimiautor Kinky Friedman Gouverneur von Texas werden will.
Besprochen werden die Ausstellung "Spinnwebzeit" im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, zwei Konzerte in Luzern und Frankfurt zu Ehren des 70. Geburtstags des Komponisten Helmut Lachenmann, der Dokumentarfilm "Horst Buchholz - Mein Papa" (mehr), Walter Salles' Film "Dark Water" (mehr) und Jacques Audiards neuer Film "Der wilde Schlag meines Herzens" (mehr).
Die Zeit | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Tageszeitung, 22.09.2005
Brauchen wir eine große Koalition, damit Reformen angepackt werden können? "Ich hasse das Wort Reform in diesem Zusammenhang", erklärt der Politologe Alfred Grosser in einem Interview auf der Meinungsseite. "Reformen sind strukturelle Veränderungen, hier geht es aber um Einschränkungen, die nur auf Kosten von unten gehen. An oben wird nicht gerührt. In Frankreich wie in Deutschland sieht man oben nach Amerika und will dasselbe verdienen wie die amerikanischen Kollegen, und die Belegschaft soll verdienen wie in Südkorea oder in Ungarn. Da gibt es kaum Unterschiede zwischen Rot und Schwarz." Trotzdem wäre eine große Koalition das Vernünftigste - aber ohne Merkel und ohne Schröder, meint Grosser.
Christian Semler reflektiert den Weg der Grünen zur Macht. Die taz-zwei dokumentiert hämische, fröhliche und weniger fröhliche Stimmen zum Abgang Joschka Fischers. "Man muss sich ja aber nicht jede Fantasie an die Macht wünschen", kommentiert Dirk Knipphals im Kulturteil Jamaika-Spekulationen über Grüne und FDP.
Christoph Huber freut sich über eine umfassende Retrospektive des Filmregisseurs Uchida Tomu im Japanischen Kulturinstitut in Köln und erklärt, warum der Mann im Westen so unbekannt ist: "Er ist schwer einzuordnen, politisch wie ästhetisch. Er ist offensichtlich ein virtuoser Stilist, doch ohne einen einheitlichen Stil. Ideologisch ist es noch komplizierter: Geboren in eine wohlhabende Familie, wuchs Uchida Tomu augenscheinlich mit idealistisch-progressiven Tendenzen auf. Seine prononcierte Liebe zu allem Westlichen äußerte sich nicht zuletzt in der Wahl des Künstlernamens Tomu, einer Übertragung seines West-Spitznamens Tom, die in etwa 'Der Traumwürger' heißt. Aber schon sein Vorkriegsschaffen, das ohnehin nur so bruchstückhaft erhalten ist, dass sich schwer ein Gesamturteil fällen lässt, ist voller Kompromisse und Ambivalenzen, demonstriert Uchida Tomus lebenslange Neigung zu Erzählungen von den Ausgegrenzten der Gesellschaft ebenso wie seine Faszination für Japans Totalitarismus.
Weitere Artikel: Silvia Fehrmann erinnert sich an ihr Kino der Kindheit in Buenos Aires. Besprochen werden eine Antonin-Artaud-Schau im Düsseldorfer Museum Kunst Palast, Jacques Audiards "Fingers"-Remake "Der wilde Schlag meines Herzens" ("Diese Kamera hat nur ein Ziel. Bring mir den Kopf von Romain Duris", eröffnet Diedrich Diederichsen seine Kritik) und Walter Salles' Film "Dark Water" (mehr).
Schließlich Tom.
Die Zeit | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 22.09.2005
Marc Zitzmann berichtet aus der Pariser Musikszene, wie der Staat Geld sparen will: Die Opera-Comique setzt wegen anhaltender Finanzprobleme einen neuen Direktor ein, der "endlich eine stimulierende künstlerische Vision für das Haus" bringt, und die Salle Pleyel wird ab jetzt privat betrieben.
Weitere Artikel: Roman Hollenstein besucht das Gesamtwerk des Luxemburger Architekten Rob Krier im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt, Joachim Güntner überlegt, inwieweit Ampeln wirklich mit Koalitionen zusammen hängen und Nick Liebmann spricht mit dem Drummer Manu Katche (mehr hier) über dessen Debütalbum 'Neighbourhood'.
Besprochen werden die drei neuen Aufnahmen des "Jazzmusikers als der rebellische Ritter der Ekstase" Joachim Kühn und die Aufsätze "Antike Dispositionen" und das Poem auf den Untergang Dresdens "Porzellan" von Durs Grünbein (siehe auch unsere Bücherschau ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 22.09.2005
Nach Ansicht des Hamburger Soziologen Heinz Bude (mehr hier) hat es die SPD unter Gerhard Schröder versäumt, der Sozialdemokratie ein "neues geistiges Gesicht" zu geben. "Eine Bedingung der Meisterung dieses schwierigen ideologischen Manövers ist die Einführung einer dezidierten Differenz zwischen einer 'alten' und der 'neuen' Sozialdemokratie. Das hat in erster Linie Tony Blair betrieben. 'New Labour' ist heute das klassische Modell einer beherzten Weiterführung der sozialdemokratischen Erzählung. Auf eine ähnliche innerparteiliche Aufräumaktion hat Gerhard Schröder in der SPD verzichtet. Deshalb gibt es im Augenblick auch niemanden, der die Rolle eines scharfen Unterscheiders spielen könnte."
Thomas Thiemeyer stellt die Thesen der französischen Historikerin und Anthropologin Sophie Wahnich vor, die in der Zeitschrift Etudes eine Entheroisierung und Mitleidsversessenheit der zeitgenössischen Geschichtsvermittlung diagnostiziert hat: "Eine 'entheroisierende Ästhetik', die den Helden vergisst und statt dessen der Opfer gedenkt, erscheint Wahnich als Ausdruck einer veränderten französischen Darstellungsweise der Kriegsgräuel des 20. Jahrhunderts in den neueren Ausstellungen. Das dahinter stehende Geschichtsverständnis lehne den Kampf für eine gerechte Sache, wie ihn der Held verkörpert, als legitimes Mittel der Politik ab und verdamme statt dessen jede Form der Gewalt."
Weiteres: Petra Steinberger denkt darüber nach, nach welchen Vorgaben New Orleans wieder aufgebaut werden soll. Helmut Mauro informiert über die eklatante Finanznot der Dresdener Semperoper: Trotz einer Auslastung von 95 Prozent hat die Oper in den letzten Jahren über sieben Millionen Euro Schulden angehäuft. Hamburgs neue Opern-Chefin Simone Young stellt im Interview ihr Programm vor. Holger Liebs empfiehlt fünf Ausstellungen zum 100. Geburtstag des Malers Fritz Winter. Norbert Blüm bewirbt prominent Band drei der SZ-Klassikerreihe, Willi Fährmanns "Der lange Weg des Lukas B." Ijoma Mangold beschreibt einen Leseauftritt von Jonathan Safran Foer im Hamburger Literaturhaus: "ein blitzgescheiter Schriftsteller mit einem stupenden Erzähltalent als Rampensau und Alleinunterhalter, das ist - zumindest in Deutschland - ein rares Genre." Auf der Medienseite erinnert Michael Jürgs an den Verleger Axel Springer, der vor zwanzig Jahren starb.
Besprochen werden Jacques Audiards "Fingers"-Remake "Der wilde Schlag meines Herzens", (dazu gibt es ein Interview mit Audiard), Sandra Hackers und Christopher Buchholz' Dokumentarfilm "Horst Buchholz - Mein Papa" ("das eigenwilligste, persönlichste Vater- und Künstler-Porträt, das es gibt", freut sich Rainer Gansera), Wayne Wangs Kinderfilm "Because of Winn-Dixie", Ruedi Häusermanns Theaterstück "Schutzraum" und Tom Kühnels und Jürgen Kuttners Bühnenadaption von Harun Farockis "Die Schöpfer der Einkaufswelten" am Theater Basel, Hans Werner Henzes Oper "Die Bassariden" in Köln, und der von Gert Theile herausgegebene Band zur Vorgeschichte des Menschen nach Maß "Anthropometrie" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Die Zeit | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Welt, 22.09.2005
Gabriela Walde hat schon einen Blick auf die große, in quietschroten Kuben präsentierte Immendorff-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie Berlin geworfen. Sie wird heute eröffnet. "Die Schau verschiebt das gängige Immendorff-Bild. Sie zeigt den 'alten' Polit-Kommentator und Geschichtenerzähler neben dem 'neuen', privaten, filigranen Immendorff. Seine gesellschaftspolitischen Ambitionen sind einer eskapistischen, beinahe elitären Privatmythologie der Gegenwart gewichen."
Weiter Artikel: Matthias Heine gibt seine Ideen zu den drei berühmten Metzgerssöhnen Uli Hoeneß, Stefan Raab und Joschka Fischer bekannt.
Besprochen werden Jürgen Goschs Inszenierung von Tschechows "Drei Schwestern" in Hannover, eine Ausstellung über deutsch-österreichische Beziehungen in Bonn und Filme, darunter Jacques Audiards Drama "Wilder Schlag meines Herzens" und die Verfilmung von Günter Grass' späten Danzig-Roman "Unkenrufe".
Die Zeit | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2005
Den Aufmacher bestreitet Paul Ingendaay mit einem Feature über Prostitution in Spanien, die immer sichtbarer und brutaler wird und ein hässliches Zerrbild der spanischen Gesellschaft abgibt: "Sex in allen Formen und Maskierungen ist in Spanien der wichtigste Geschäftszweig neben dem Tourismus. Zu wessen Lasten das geht, sagt schon das Wörterbuch der spanischen Sprache. Ein hombre publico ist ein Mann, der in der Politik oder im Geschäftsleben öffentlich agiert. Die Entsprechung dagegen, mujer publica, bedeutet 'Prostituierte'."
Weitere Artikel: Patrick Bahners staunt in der Leitglosse über die Frechheit, mit der Gerhard Schröder seinen Kanzlerbonus ausspielt. Dokumentiert wird eine Dankrede Walter Moers' für den Phantastikpreis der Stadt Wetzlar, die er einer seiner Figuren in den Mund gelegt hat. Heinrich Wefing stößt bei der Lektüre eines älteren New-Yorker-Artikels von Adam Gopnik über Frankreich auf unheimliche Parallelen zwischen der französischen und der deutschen Politik. Joseph Croitoru stellt uns das Amt des "Staatskontrolleurs" in Israel vor, der jährlich auf Missstände in der israelischen Politik hinweist. Oliver Jungen resümiert eine Erlanger Tagung über den Begriff der Frühen Neuzeit. Hans-Peter Riese besucht die Judd-Foundation und die Chinati-Foundation in Marfa, Texas, die sich beide um Donald Judds Nachlass und die Minimal Art verdient machen. Timo John stellt ein Dokumentationszentrum jüdischen Lebens in Breisach Südbaden vor, das über die besondere Kultur des Landjudentums in der Region informiert.
Auf der Kinoseite resümiert Verena Lueken das Filmfestival von San Sebastian. Michael Althen und Peter Körte interviewen den französischen Regisseur Jacques Audiard zu seinem neuen Film "Der wilde Schlag meines Herzens". Und Michael Althen stellt den Detroiter Englisch-Professor Nicholas Rombes vor, der David Lynchs Film "Blue Velvet" Bild für Bild analysieren will, wofür er 473 Jahre brauchen wird.
Auf der Medienseite erklärt uns Michael Hanfeld in einem ausführlichen Porträt, "warum es ein Glück ist, dass Anne Will nicht beim Radio blieb". Und Gerd Gregor Feth stellt das Moderatorenpaar Kirsten Girschik und Richard Gutjahr vor, mit dem das Bayerische Fernsehen punkten will. Gemeldet wird, dass die New York Times 500 Stellen streicht.
Für die letzte Seite streift Hannes Hintermeier über die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt. Und Regina Mönch porträtiert den Prinzen Michael von Sachsen-Weimar, der den Maecenas-Preis erhielt, weil er sich für die Abtretung seiner Kunstsammlungen an den Staat mit einer Entschädigung von 15 Millionen Euro begnügte.
Besprochen werden Konzerte des Chicago Symphony Orchestras unter Daniel Barenboim in Luzern, David Edgars Theatersatire "Playing with Fire" in London, Ferzan Ozpeteks Film "Das Fenster gegenüber" und eine Ausstellung über Seuchen der Frühen Neuzeit in Wolfenbüttel.
Archiv: Heute in den Feuilletons
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen
Ein Fingernagel in ihrer Suppe
04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen. Mehr lesen
Ein Trost am Rand meines Grabes
03.03.2010. Liao Yiwu schickt seinen deutschen Lesern einen Trauergesang für die Dongxiao - die taz bringt ihn. Philip Gourevitch trägt außerdem im New Yorker einige sehr interessante Links zu Liao bei. Der NZZ geht das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug: Sie fragt, was aus dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung geworden ist. In Sachen Leistungsschutzrechte spielt die Bundesjustizminsterin im Magazin promedia auf Zeit.In der FR schreibt der chilenische Autor Ariel Dorfman über das Erdbeben. Mehr lesen
Ich saß bereits im Flugzeug
02.03.2010. Die Debatte über Ryszard Kapuscinski geht weiter. Laut Welt war er ein parteilicher Autor, der es mit der Wahrheit nicht so genau nahm. In der NZZ erklärt Martin Pollack, warum er die Biografie nicht übersetzen will - nicht wegen ihrer Wahrheiten, sondern wegen ihres Tons. Die FAZ beklagt den Einfluss der Sammler auf den heutigen Kunstbetrieb. In der SZ fordert Ulrich Johannes Schneider: Digitalisiert die Bücher! Die taz präsentiert die furiose Geigerin Patricia Kopatchinskaja und NPR das neue Album der Gorillaz. Mehr lesen
Eine Kultur der Jetzigkeit
01.03.2010. Die SZ berichtet über die Demontage eines Denkmals in Polen: Ryszard Kapuscinski wird vorgeworfen, dass er nicht nur dem Regime recht nahe stand, sondern auch ganz schön geflunkert hat. Die NZZ ist auf dem Quivive und hat herausgefunden, dass Brooklyn inzwischen angesagter ist als Manhattan, vor allem bei den "Helicopter Moms". Die FAZ liest mit Staunen Cory Doctorows Roman "Little Brother". Das Blog Carta meldet, dass die SZ 21 Stellen in der Redaktion streicht. Mehr lesen
Tack, und der Ton ist weg
27.02.2010. In der NZZ erklärt der Pianist Krystian Zimerman den Unterschied zwischen Lautstärke und Dynamik. Die taz war dabei als Frank Schirrmacher Martin Walser pathologisch nannte und Walser Schirrmacher quotensüchtig. In der Welt polemisiert Sonja Margolina gegen die Gesinnungskontrolle der liberalen Mainstream-Medien. Sascha Anderson (im ND) und Josef Haslinger (im Standard) nehmen Stellung zu Helene Hegeman. Die FR beobachtet, wie She She Pop auf der Bühne mit ihren Väter diskutieren. In der FAZ erklärt die "Human-Resources-Managerin" Anke Maruschka, wie man seinen Mitarbeitern kündigt. Die SZ weiß auch nicht, warum sie gerade beim Computerspiel "Heavy Rain" Probleme hat, jemanden zu erschießen. Mehr lesen






