Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

24.05.2005. Endlich passiert was! ruft Heinz Bude in der SZ. Die Dinge treiben auf eine Lösung zu! verkündet Frank Schirrmacher in der FAZ. Die taz findet die Dramatisierung des politischen Lebens überflüssig. Die FR tröstet rot-grüne Wähler: Es gibt ja immer noch die EU. Der Tagesspiegel kritisiert die faulen Intellektuellen für ihre unterlassene Kritik an der Regierung. Außerdem: In der Welt erhebt der irakische Schriftsteller Hussain Al-Mozany schwere Vorwürfe gegen den syrischen Dichter Adonis. Die NZZ staunt über die romanische Kunst unter den Kapetingern.

Süddeutsche Zeitung, 24.05.2005

Der Soziologe Heinz Bude ist total aus dem Häuschen über Schröders machiavellistischen Überraschungscoup. "Dieses eine Mal war die Politik allen Kommentatoren voraus, kraft ihrer Einsicht in die eigene Lage. Es war zu studieren, wie ein Schachzug aus politischer Leidenschaft das gesamte eingespielte Kalkül der Berücksichtigung politischer Interessen aus den Angeln hebt. Nicht der politische Unternehmer, der wie alle anderen nur an sich und seinen Vorteil denkt, sondern der politische Virtuose, der sich an Fortuna misst, war der Sieger des Abends - und zwar ein politischer Virtuose, der an einem noch so unwahrscheinlichen Ausweg aus einer hoffnungslosen Lage mehr interessiert war als an einem Erfolg für seine Partei." Aber auch politisch findet Bude das ganze höchst spannend. "Was also steht zur Entscheidung? Was links und was rechts zu wählen ist, müsste sich einer neuen und nachhaltigen Prüfung unterziehen. Aber was auch immer zur Wahl steht und wie auch immer die Entscheidung am Ende ausgeht, bereits die Vorziehung des Wahltermins wird im Lande einen Knoten lösen und eine Bresche schlagen. Schon dafür wird das Wahlvolk Schröder dankbar sein. Endlich passiert was, endlich wird was aufs Spiel gesetzt, endlich dauert nicht mehr alles."


Andrian Kreye beschreibt am Beispiel New Yorks den amerikanischen Immobilienboom, "der bei den Investoren und Spekulanten inzwischen zu ähnlich hysterischen Zuständen führt, wie die Dotcom-Aktien der neunziger Jahre". Wenn die Blase eines Tages platzt, wird New York davon vermutlich kaum etwas spüren. Dort leben nämlich 1931 Milliardäre. Und "als Millionär gilt in New York längst niemand mehr, der über ein sieben- bis achtstelliges Privatvermögen verfügt. Nein, wer hier noch zum Geldadel zählen will, der muss diese Summe schon pro Jahr verdienen. Die europäische Unsitte des Sozialneides ist den New Yorkern dabei prinzipiell fremd. Die Nähe zu so viel Geld wird keineswegs als Ungerechtigkeit empfunden. Im Gegenteil - je mehr Geld im Umlauf ist, desto eher bekommt man etwas davon ab. Da muss man gar nicht von den Millionen an der Wall Street träumen. In welcher Stadt kann ein Kellner, Portier oder Chauffeur sonst 120 000 Dollar pro Jahr verdienen? Wo sonst auf der Welt gibt es Schuhputzer und Tellerwäscher, die bis zu 60 000 Dollar im Jahr kassieren? Es ist ja auch nicht so, dass New Yorks Superreiche ihr Geld nicht teilen. Das Spendenaufkommen der Stadt wird auf zweistellige Milliardensummen geschätzt."

Weitere Artikel: In einem Interview spricht der Leiter der nächsten Documenta Roger M. Bürgel über die Aufgabe der Kunst, neue Werte für die Gesellschaft zu erarbeiten. Arnd Wesemann berichtet vom zweitägigen Performancemarathon "Gifted Generation" in Berlin mit der "Großmutter der Performance-Kunst" Marina Abramovic. Christina Jostmann resümiert eine Münchner Tagung über Jenseitsvorstellungen der Neuzeit. Der Tübinger Lyriker und Leiter des Studios Literatur und Theater Uwe Kolbe beschreibt uns seinen perfekten Tag. In der Kolumne Zwischenzeit räsoniert Claus Heinrich Meyer über die verdächtige Flut farbigen Bildmaterials aus der Nazizeit. Und in einer Randspalte philosophiert jby über die literarische Anmutung einer Hohlspiegel-Meldung.

Besprochen werden Calixto Bieitos Inszenierung von Verdis "Macbeth" in Frankfurt als "banales B-Movie im Heuschreckenmilieu", Louis Leterroiers Film "Unleashed" mit Jet Li, Morgan Freeman und Bob Hoskins sowie Bücher, darunter "Race" von Vincen Sarich und Frank Mile, in dem die Autoren einen genetischbedingten IQ-Unterschied der Rassen behaupten (Burkhard Müller hat eine höchst lesenswerte Rezension dazu geschrieben), und Anna Hahns DDR-Roman "Dreizehn Sommer" (siehe dazu unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2005

"Die Dinge treiben auf eine Lösung zu", meint Frank Schirrmacher in seinem Kommentar zu den von Rot-Grün anvisierten Neuwahlen. Schröders Ankündigung setzt einen Nullpunkt, von dem aus Deutschland alles neu und alles besser machen kann. Die Stimmungsdemokratie der Vergangenheit hat ein Ende. "Unsere Lage ist dadurch gekennzeichnet, dass jetzt jeder einzelne Kassensturz machen wird, und zwar an erster Stelle gerade jene kapitalismusfeindlichen bürgerlichen Schichten, die über Jahrzehnte bei guter materieller Grundversorgung ideologisch oder ästhetisch, am Ende wohl nur noch ästhetisch wählten. Der lange Lauf der Wähler zu sich selbst endet jetzt bei ihren eigenen materiellen Interessen. Sie werden bewaffnet mit Papier und Bleistift buchstäblich ausrechnen, welche Regierung sie sich leisten können."


Patrick Bahners ist sich da nicht ganz so sicher. "Kann man das mittragen?", fragt er und erörtert mit Carl Schmitt und Roman Herzog die in seinen Augen zweifelhafte Legitimität und Legalität des Schröderschen Coups. Schließlich aber gibt er auf. "Sicher, sicher, es ist alles ganz legal." Und Michael Hanfeld beschreibt, wie besonders das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit der überraschenden Ankündigung zu kämpfen hatte.

Faszinierend an der französischen Debatte zur europäischen Verfassung findet Joseph Hanimann nicht die Sachentscheidung, denn Europa kommt, so oder so. Mit Baudrillard gesagt sei das mögliche Nein nämlich kein Nein zu Europa, sondern ein Protest gegen die herablassende Selbstverständlichkeit der Europapolitiker. Auf der Medienseite sekundiert Jürg Altwegg mit der Beobachtung, wie gehässig die großen französischen Blätter und Sender auf die Neinsager losgehen. Allerdings seien die Franzosen nun auch so informiert wie niemand sonst.

Weitere Artikel: Andreas Rossmann schreibt den Nachruf auf den Architekten Paul Schneider-Esleben, der unter anderem das Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf entworfen hat. "Kurz ist die Lehre, lang der Genuss." Oliver Jungen hält die vermehrte Einrichtung von befristeten Gastprofessuren für notwendig und produktiv. Durch die "Mobilmachung der Propheten" kommt mehr Bewegung in den Universitätsalltag.

Auf der letzten Seite stellt Andreas Rosenfelder eine wahre Jugendbewegung vor. Die Parkour-Anhänger turnen sich durch die Stadtlandschaften. Daniela Gregori berichtet, dass der Leiter des Kunsthistorischen Museums Wien die mittlerweile auch vom Rechnungshof bestätigte Kritik an der Finanzpolitik seines Hauses unbeschadet überstehen wird. Und Joseph Hanimann hat Milan Kunderas neuen Essayband "Le rideau", der im August auf Deutsch erscheinen wird, schon gelesen und für "substanziell" befunden.

Besprochen werden Calixto Bieitos "von gelblichem Höllenfeuer illuminierte" Version von Verdis "Macbeth" an der Oper Frankfurt, Riccardo Chaillys letzter Auftritt mit seinem Orchestra Sinfonica di Milano in der Frankfurter Alten Oper, eine Ausstellung über die Karikatur in der DDR im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, die Ausstellung "Frauen mit Visionen" mit Fotografien von Bettinas Flitner, eine Schau zur Bodendenkmalpflege im Römisch-Germanischen Museum in Köln, Choreografien von Hans van Manen und Martin Schläpfer in Mainz und ein Buch, nämlich Gernot Wolframs Roman "Samuels Reise".

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Die Tageszeitung, 24.05.2005

Die Neuwahlen sind das Thema in der taz. Auf den Tagesthemenseiten geht es um die Programmsuche der SPD (hier), den Solo-Wahlgang der Grünen (hier), die offenen Inhalte der CDU (hier), Verfassungsfragen (hier) und das Alles-oder-Nichts für die Linke (hier). In tazzwei erklärt Christian Schneider Schröders "Vorwärtsverteidigung" als eine Form der Rationalität, um "alle Mittel zur Sicherung der eigenen Macht und des eigenen Projekts auszuschöpfen".


Im Kulturteil analysiert Ralph Bollmann die Kanzlerstrategie als Überdruss an der Ermattungsstrategie und neuerliche Suche nach der Entscheidung - diese "Dramatisierung der Politik" schaffe sich ihre "Enttäuschungen" freilich selbst. "Kein Kanzler hat in der Geschichte der Bundesrepublik so sehr auf die Niederwerfungsstrategie gesetzt wie Schröder, keiner hat so oft die Entscheidungsschlacht gesucht wie er, keiner hat das politische Leben der Demokratie derart dramatisiert. Wenn von Schröders ablaufender Kanzlerschaft ein Bild in Erinnerung bleibt, dann ist es der Regierungschef vor der grauen Wand im Presseraum des pompösen Kanzleramts, wie er in dramatischen Stunden wagemutige Entscheidungen verkündet."

Dirk Knipphals denkt derweil darüber nach, was sich nach einem Regierungswechsel wohl kulturpolitisch ändern könnte und vermutet, dass dies die mögliche schwarz-gelbe Koalition selber noch nicht weiß. Außerdem beantworten unter anderem Christoph Schlingensief, Friedrich Küppersbusch und Klaus Harpprecht die Frage: Wo waren Sie, als Rot-Grün unterging?

Weiteres: David Denk diagnostiziert auf der Musikmesse Leipzig Pop Up, dass Indie zur Attitüde verkommen ist. Besprochen werden heute ausschließlich Bücher, darunter der neue Roman von Peter Schneider "Skylla", eine Studie zur Qualität deutschsprachiger Literatur von Thomas Kraft und eine Neuauflage von Joel Sternfelds Fotoband-Klassiker "American Prospects". (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)

Und Tom.

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Frankfurter Rundschau, 24.05.2005

Die Neuwahlen sind auch dem dem FR-Feuilleton zwei Einlassungen wert. In einem klugen Essay erklärt Ina Hartwig, warum das nordrhein-westfälische Wahlergebnis "die rot-grüne Mentalität gar nicht so dramatisch in Frage stellt". Schließlich habe Europa "etliche Richtlinien übernommen, die der rot-grünen (resp. links-liberalen) Mentalität entstammen, wie beispielsweise Gleichstellung, Umweltschutz, Antidiskriminierung. Was also auf nationaler und Bundesland-Ebene wegzubrechen scheint, das Vertrauen in ein rot-grünes Projekt, ist zu großen Teilen im neuen Europa aufgegangen. Auch aus diesem Grund kommt kein wirklich dramatisches Sentiment auf, wenn sich im eigenen Land die Mehrheitsverhältnisse verschieben. Ebenfalls konservative Regierungen sind gezwungen, die EU-Richtlinien zu respektieren. Eine CDU-Regierung in Berlin hätte beispielsweise die Antidiskriminierungsvorgaben aus Brüssel genauso in deutsches Gesetz überführen müssen wie eine rot-grüne Regierung, die dafür schwer kritisiert wurde." Hartwigs Folgerung: "So konservativ, wie die Konservativen sich im eigenen Land gerieren, können sie auf europäischer Ebene gar nicht handeln."


Im zweiten Text zum Thema analysiert Harry Nutt den Wähler als "wechselkompetenten Souverän", der Mandate nicht mehr "für lange Zeit" gewähre.

Weiteres: Christian Schlüter berichtet über eine Bielefelder Tagung zum prekären Verhältnis von Urheberschaft und Kunst. Und in der Kolumne Times mager resümiert Markus Göres die Leipziger Musikmesse PopUp.

Besprochen werden eine "routinierte" Inszenierung von Verdis "Macbeth" durch Calixto Bieito und Paolo Carignani in der Oper Frankfurt, Jorinde Dröses Inszenierung von "Effi Briest" am Hamburger Thalia Theater, die Ausstellung "Die neuen Hebräer - 100 Jahre Kunst in Israel" im Berliner Martin-Gropius-Bau, Robert Luketics Generationenkomödie "Das Schwiegermonster" mit Jane Fonda und Jennifer Lopez, die Europapremiere der Choreografie "Connect Transfer" von Shen Weis beim Festival Movimentos in Wolfsburg und Bücher zu einem neuen Trendthema: die religiöse mund sexuelle Repression junger Muslimas (siehe dazu unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)

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Der Tagesspiegel, 24.05.2005

Rüdiger Schaper sieht einen Grund in der Misere der Regierung auch im Schweigen der Intellektuellen. "Kultur in diesem Land ist in erster Linie auf Sicherung und Versorgung aus. Daran haben die rot-grünen Jahre nichts geändert, im Gegenteil. Geradezu beschwörend appellierte Bundespräsident Horst Köhler am Wochenende bei der Eröffnung der Berliner Akademie an die Künstler und Schriftsteller, sie mögen sich doch einmischen, kritisch sein. Das spricht Bände. Man war es bei den Kreativen lange Zeit zufrieden, das rot-grüne Projekt. Bis die Erkenntnis dämmerte, dass Schröder und Fischer weder den Irak-Krieg noch die Globalisierung aufhalten können. Nun stehen sie ganz unten, und die Steine rollen ins Tal."

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Die Welt, 24.05.2005

Der irakische Schriftsteller Hussain Al-Mozany erhebt schwere Vorwürfe gegen den syrischen Dichter Adonis, dem er vor allem seine abschätzigen Bemerkungen über die Iraker übelnimmt - und eine unangenehme Nähe zur syrischen, aber auch saudischen Herrscherclique. "In all seinen Auseinandersetzungen mit den Irakern drückt sich Adonis geschickt um die Tatsache herum, dass eigentlich das alawitisches Baath-Regime neben einer Reihe anderer Nachbarn für die blutigen Anschläge mitverantwortlich ist. Nicht nur die Amerikaner, sondern auch die irakische Regierung beschuldigt Syrien, Selbstmordattentäter in den Irak einzuschleusen. Zahlreiche Attentäter gaben öffentlich zu, dass sie direkt vom syrischen Geheimdienst trainiert wurden, mit dem Ziel, den Irak dermaßen zu destabilisieren, dass die Amerikaner keine Atempause bekämen, um Syrien anzugreifen. Der namhafte Dichter erwähnt die Aktivitäten seines Landes mit keinem Wort, die sektiererische Herrschaft von Baschar el-Assad wird weitgehend geschont."


Reinhard Wengierek schimpft noch einmal über die krasse Fehlentscheidung auf dem Berliner Theatertreffen, Volker Löschs "Weber"-Inszenierung aus Dresden nicht einzuladen. Dass Andrea Breth ihren "Don Carlos" nicht aushäusig spielen wollte, kreidet er indirekt auch den Veranstaltern an: "Doch offenbart dieser Skandal aus Ignoranz wieder einmal, was heftigst abgestritten wird: dass nämlich doch insgeheim ein gewisser Lobbyismus bezüglich sowohl der einzuladenden Theater (was deren Intendanten stärkt) als auch der einzuladenden Regisseure (was deren Marktwert hebt) das Auswahlgremium inspiriert. Deshalb auch die notorische Konzentration auf den nahezu immergleichen Blütenkranz metropolitaner Bühnen zwischen Hamburg, Berlin, München, Zürich, Wien."

Und auf den Forumsseiten verübelt Tobias Dürr Rot-Grün, die Chance verpasst zu haben, eine Regierung der liberalen Mitte zu werden.

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Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2005

Vielleicht eine Spur zu nüchtern eingerichtet, aber dennoch ganz hervorragend findet Peter Kropmanns eine Ausstellung zur romanischen Kunst unter den Kapetingern im Pariser Louvre. "Zu sehen sind vor allem Kapitelle, Reliefs und Skulpturen, liturgische Geräte und Reliquiare, Buch- und Glasmalerei. Dazu gehören Werke, deren Grad an Archaik und Schwere, Naivität und Schematisierung frappiert, vor allem, wenn man sich dabei den verfeinerten Geschmack, die formale Strenge und die filigrane Eleganz der Gotik in Erinnerung ruft, zu denen sie führen. Der romanische Erfindungsreichtum wird nur von wenigen Grundprinzipien gebremst. Maß bei der Behandlung von Perspektive und Proportion spielt keine Rolle; gestischer Ausdruck wird favorisiert."


Patricia Benecke besucht den scheidenden Intendanten des Londoner Globe Theatre Mark Rylance, der aus der "wackeligen Operation" wieder ein florierendes Unternehmen gemacht hat. Besprochen werden außerdem eine Ausstellung zum Benediktinischen Mönchtum im Kloster St. Gallen, Karin Kerstens Roman "Die Aufgeregten", Christoph Dieckmanns Band "Rückwärts immer" und die Neuedition von Jakob Schaffners Roman "Johannes" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Die vervielfältigte Stimme des Heiligen Geistes

22.05.2013. Heute vor 200 Jahren kam in Leipzig ein klitzekleiner Richard Wagner zur Welt. Die Zeitungen  bringt er bis heute in große Form. Im Tagesspiegel zählt Norbert Miller all jene Autoren auf, denen wir es verdanken, dass wir ihn noch ertragen. Eleonore Büning stockt der Atem bei einem unbekannten Frühwerk Wagners, das wir in ganzer Länge als Video einbinden. Die Berliner Zeitung empfiehlt die französische Wagner-Rezeption gegen die festgefahrene deutsche Debatte. Außerdem: Ai Weiwei hat ein Heavy Metal-Video gemacht, in dem er seine Inhaftierung nachspielt. Der Guardian berichtet, wir binden es ein. Mehr lesen

In Grün und Orange, in Rot, Blau und Gelb

21.05.2013. Ja, ist es etwa das Empire latin, in dem wir zu posthistorischen Tieren werden, fragt die NZZ. Die Welt trifft Urs Widmer zum Werkstattgespräch. Die SZ feiert den Maler Hans Hofmann. Die FAZ wirft Georg Baselitz vor, den Wirtschaftseliten nahe zu stehen. Viele Zeitungen (und der Perlentaucher) berichten aus Cannes über Claude Lanzmanns Film "Le dernier des Injustes". Und wir zünden ein Licht an für Ray Manzarek. Mehr lesen

Das nenne ich totalitär

18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen

Tagtäglich dem Leser zugemutet

17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Ist Gott jetzt zufrieden?

16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen

Samples der Oberflächenwelt

15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen

Filzhaltige Kunstzeichen

14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen

Es zeichnet sich der Morgenstern ab

13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen

Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht

11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen

Was öffentlich ist und was nicht

10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen

Hegemoniale Metaerzählung

08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen.  Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen  bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen

So sehr haben die Chefs Angst

07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen

Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung

06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald  zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen

Die Empörung ist eine europäische Sünde

04.05.2013. In der Welt spricht Kevin Powers über seinen Roman "Die Sonne war der ganze Himmel". Daily Mail stellt kleidsame Wollkappen für Schildkröten vor. Die taz trauert um die einst so angesagte Clubszene von Berlin. Für die FAZ legt die Psychoanalytikerin Julia Kristeva ganz Europa auf die Couch. Und alle gedenken Søren Kierkegaards. Mehr lesen

Steile Hierarchien, Massenproduktion, Akkordarbeit

03.05.2013. In Foreign Policy rät Arch Puddington zum heutigen Tag der Pressefreiheit von der Reise in die zehn schlimmsten Länder für Journalisten ab. Die NZZ stellt die Designerin Inga Sempé vor. Mit Longform.org verlinken wir auf die "2013 National Magazine Awards Winners" mit Texten aus dem Atlantic und Texas Monthly. In der NYRB schreibt Ian Buruma über David Bowie. Die FAZ liest den Briefwechsel zwischen Grass und Brandt und empfiehlt Telekom-Kunden die Exhumierung ihrer Akustikkoppler. Die SZ besucht eine Ausstellung über die Geburt der neusten Technik aus dem Geist des Hippietums. Mehr lesen

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