Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

09.05.2005. Der Tagesspiegel bringt sämtliche aktuellen Gedenktage mit der Frage "Was hätte Schiller zu 'Speer und er' gesagt?" zur Kernschmelze. Die FAZ löst sich von der allgemein grassierenden Rückschau und sagt eine neue Revolution an: Aber wird Rolf Hochhuth sie noch erleben? Hans Magnus Enzensberger sieht das im Spiegel ganz anders. Die FR stellt nach eingehender Klassiker-Obduktion fest: Schiller ist tausendmal toter als Hitler. Die SZ hat das erste Hakenkreuz-Graffito am Holocaust-Mahnmal gesichtet.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2005

Richard Kämmerlings sagt in einem interessanten Aufmacher die Revolution an und zitiert die entsprechenden Hoffnungen einiger, zumeist aber auffällig betagter Intellektueller wie Andrea Breth und Rolf Hochhuth, um zu konstatieren: "Die Kapitalismusdebatte wurde nicht nur aus durchsichtigen wahltaktischen Gründen vom Zaun gebrochen. Vielmehr zeigt die Geschwindigkeit, mit der viele Stellungnahmen in eine Fundamentalkritik umschlugen, dass hier sehr genau kalkuliert eine tiefer liegende Zeitgeistströmung angezapft wurde. Es gibt ein Wiedererstarken einer Haltung radikaler 'außerparlamentarischer' Opposition, die sich bislang freilich vor allem theoretisch äußert." Kämmerlings' Schlussfolgerung allerdings ist unbestimmt: "Der Zweifel ist die revolutionäre Haltung unserer Tage."


Gerhard Stadelmaier hat sich in Frankfurt im Beisein der besten dortigen Gesellschaft von Peter Stein den "Wallenstein" vorlesen lassen und war nicht zufrieden: "Zunächst dringt in unsere Köpfe der Hauptfehler der meisten deutschen Theaterleute ein: Sie sind zu schnell. Und zu schnell fertig. Mit dem Text. Mit den Figuren. Stein ist - das lässt sich nach zwei Abenden 'Lager' und 'Piccolomini' feststellen, die man getrost fürs Ganze nehmen darf - besonders schnell fertig."

Weitere Artikel: In der Leitglosse schildert Andreas Kilb die Stadt Berlin am gestrigen 8. Mai mit ihren Demonstrationen und Feierlichkeiten und lobt die Rede Horst Köhlers als "Musterbeispiel demokratischer Eloquenz". Patrick Bahners war dabei, als die Stadt Moers den achtzigsten Geburtstag ihres Ehrenbürgers Hanns Dieter Hüsch feierte. Andreas Rossmann nimmt Abschied vom Bochumer Intendanten Matthias Hartmann. Kerstin Holm hörte in Moskau die Chöre und Orchester der Roten Armee die stalinistischen Hymnen auf den großen vaterländischen Krieg schmettern und entwickelt an dieser Musik ein Psychogramm der russischen Seele. Die Kunsthistorikerin Birgit Schwarz interpretiert die von Speer ausgewählte Gemäldesammlung, die einst Hitlers Reichskanzlei zierte. Martin Otto berichtet als Sensation, dass in Kopenhagen eine bisher unbekannte Episode der Comicreihe "Petzi" (dänisch: "Rasmus Klump") des dänischen Zeichners Vilhelm Hansen aufgefunden wurde.

Auf der Medienseite feiert Michael Jeismann den heute mit Teil 1 beginnenden Mehrteiler "Speer und er" von Heinrich Breloer als fernsehgeschichtliches Ereignis. Und Jorfan Mejias berichtet, dass die Auflage amerikanischer Zeitungen sinkt.

Auf der letzten Seite schildert Dietmar Dath Impressionen von einer vom Staat Isreael veranstalten Journalistenreise zur Vorbereitung der Ausstellung "100 Jahre Kunst in Israel", die demnächst im Martin-Gropius-Bau eröffnet wird. Katja Gelinsky porträtiert den Bush nahestehenden Juristen C. Boyden Gray, der mit seinem "Committee for Justice" gegen linke Kollegen zu Felde zieht. Und Peter Jochen Winters erzählt, wie Walter Ulbricht die Problematik der Vergewaltigungen deutscher Frauen durch sowjetische Soldaten offiziell verdrängen ließ.

Besprochen werden Ferruccio Busonis Oper "Faust" in Stuttgart, die Operette "Phoenix - Wem gehört das Licht?" der Komikergruppe "Studio Braun" in Hamburg und die große Schiller-Gedenkausstellung im Marbacher Schiller-Nationalmuseum.

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Spiegel Online, 09.05.2005

Hans Magnus Enzensberger reagiert im Spiegel auf die Kapitalismus-Debatte und sieht das mit der Revolution ganz anders als die FAZ: "Hoch die internationale Solidarität! Nieder mit der Bourgeoisie! Enteignung! Revolution! Leider ist dieses Rezept schon ein paarmal ausprobiert worden, und es gibt wenige Leute, die Lust darauf hätten, den Versuch zu wiederholen."

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Die Tageszeitung, 09.05.2005

In Russland muss die Freiheit der Kunst erst noch erstritten werden, kommentiert Sandra Frimmel mit Blick auf die Auseinandersetzungen um die Ausstellung "Vorsicht, Religion!", die im Januar 2003 von sechs ultraorthodoxen Gläubigen gestürmt und beschädigt wurde. Die Vandalen wurden freigesprochen, die Kuratoren verurteilt (mehr). "Vor diesem Hintergrund scheint sich hier der Wunsch des Staates - gestützt von großen Teilen der Bevölkerung- auszudrücken, sein Monopol auf die Kontrolle des künstlerischen Geschmacks zurückzugewinnen, so wie er es zu Sowjetzeiten durch die Künstlerverbände innehatte, die die gesamte offizielle Kunstproduktion kontrollierten. Russland befindet sich 14 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion immer noch, und das ist nach dieser relativ kurzen Zeit letztendlich nicht weiter verwunderlich in einer Situation, in der zahlreiche Grenzen erst noch ausgelotet werden müssen. Hierzu zählen wesentlich die Grenzen der Kunst, die zu Sowjetzeiten eben nicht frei, sondern staatlich gelenkt war - und mit ihnen der Publikumsgeschmack."


In der zweiten taz sieht Robert Misik keine Alternative zu Rot-Grün. Denn die Konservativen sind keineswegs aufgeklärt, sondern "wie eh machtgierige, böse Typen". Bloß, Roten wie Grünen fehlt es an Elan und Sprache. Susanne Lang begleitet Karl-Josef Laumann aus dem "agrophilen Münsterland", den neuen arbeitspolitischen Sprecher der Union. "Ohne Kameras ist er definitiv in Form." Albert Hefele belauscht ein Gespräch von Angela Merkel mit ihrem Friseur Udo Walz. Auf der Medienseite enttarnt Steffen Grimberg die Seilschaften des Geschichtsfernsehens.

Besprechungen widmen sich Bahman Ghobadis "authentischem" Spielfilm "Schildkröten können fliegen" sowie dem von Marc Amann herausgegebenen Reader "go.stop.act! Die Kunst des kreativen Straßenprotestes".

Und Tom.

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Frankfurter Rundschau, 09.05.2005

Schiller ist "tausendmal toter als Hitler", schließt der Literaturwissenschaftler Manfred Schneider aus dem Gedenktagswettbewerb der vergangenen Monate. Idealismus ist heute schwer aus der Mode. "Hitler gilt uns als der Totengräber des Idealismus, er hat den guten Willen und den Glauben einer ganzen Kultur gnadenlos vernichtet. Daher schauen ihm die Liebhaber der Geschichte so gerne noch zu. Er hat uns zur Vernunft gebracht, die uns jetzt aus den kühlen Augen der Konzernchefs und Fondsmanager anblickt. Leider sind es unsere eigenen Blicke, die diese Gänsehaut machen. Schiller sprach in seiner Abhandlung über die ästhetische Erziehung den Gedanken aus, dass der Mensch nur da ganz Mensch sei, wo er spielt, dass also der gute alte homo ludens das so genannte Humane zum Ausdruck brächte, der Künstler zumal. Unsere Vernunft liest das Wort so, dass der global player der zukünftige Prototyp der Menschheit sei."


Peter Iden lässt sich im Frankfurter Schauspiel von Peter Stein den ersten Teil des Wallensteins vorlesen und lehnt sich zufrieden zurück, hofft aber auf eine veritable Stein'sche Inszenierung in vielleicht zwei Jahren. In Times mager bekundet Jenni Zylka ihre Sympathie für das auf Liedern der Punkband Ramones basierende Musical "Gabba Gabba Hey - A Lower East Side Love Story", dessen deutsche Fassung vom Splatterfilmer Jörg Buttgereit inszeniert wird, fragt sich aber, wer dort hingehen soll. Und Daniel Kothenschulte feiert Robert Thalheims Film "Netto" als "echte deutsche Kino-Überraschung".

Im Medienteil beschreibt Schauspieler Sebastian Koch, der heute als Speer in Heinrich Breloers Dreiteiler "Speer und Er" zu sehen ist, im Interview mit Jan Freitag die notwendige Liebe zur Figur während der Dreharbeiten. "Die Zeit des Spielens ist definitiv eine verteidigende." Christian Thomas identifiziert "Konfrontation und Zuspitzung" als wichtigste dramaturgische Mittel Breloers.

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Neue Zürcher Zeitung, 09.05.2005

Andrea Köhler hängt Gedanken über St. Louis nach, den Ort, "an dem bemerkenswert viele Familienkatastrophen zu einem erfolgreichen Schriftstellerleben führten: T. S. Eliot, Mark Twain, Theodore Dreiser, Tom Wolfe, Kate Chopin und Marianne Moore haben hier gelebt und geschrieben. Für Tennessee Williams hatte die Stadt seiner Kindheit 'die Farbe getrockneten Bluts'." 1870 noch die viertgrößte Stadt Amerikas, 1904 Schauplatz der Weltausstellung, 1927 Namenspatronin der Maschine, die Lindbergh über den Atlantik trug, hat sich der "Spirit of St. Louis" seither mehr und mehr verflüchtigt. "1980 war St. Louis auf Platz siebenundzwanzig der amerikanischen Großstädte gerutscht. 'Die Stadt war krank', heißt es in Jonathan Franzens Roman 'Die 27ste Stadt'. Doch wenn die Stadt krank ist, dann ist ihre Krankheit schleichend. Es ist, als sei dieser Ort vor sich selbst auf der Flucht."


Weiteres: Claudia Schwartz kommentiert die Zukunft der Berliner Erinnerungslandschaft mit ihren Gedenkstätten, Denkmälern und Museen: "Man muss nicht so weit gehen wie Götz Aly, der in der Süddeutschen Zeitung den Berliner Erinnerungsorten 'Verwahrlosung' vorwirft. Dennoch ist die geschichtspolitische Debatte mehr als fällig." Roman Bucheli klagt, dass das Literaturfestival mit Buchmesse in Basel nicht nur größer, sondern auch lauter geworden ist. Besprochen werden Ferruccio Busonis "Doktor Faust" in der Stuttgarter Produktion von Jossi Wieler und Sergio Morabito, Werner Düggelings Inszenierung von Molieres "Der Geizige" am Schauspielhaus Zürich und Xavier Dayers "Memoires d'une jeune fille triste" in Genf.

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Die Welt, 09.05.2005

Die Welt hat Schauspieler und Regisseure befragt, warum auf deutschen Bühnen kein Schiller mehr gespielt wird. Hübsch, wie sich alle gegenseitig den Schwarzen Peter zuspielen. Schauspieler Ulrich Mühe: "Schauspieler können Schiller durchaus noch sprechen. Nur fehlen die Regisseure, die sich dafür interessieren." Regisseur Peter Stein: "Seit Jahren biete ich eine 'Wallenstein'-Inszenierung an wie sauer Bier. Niemand will sie. Das Problem bleibt, daß es keine Schiller-Sprecher mehr gibt."

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Der Tagesspiegel, 09.05.2005

Was hätte Schiller zu Heinrich Breloers "Speer und er" gesagt, fragt Christina Tilmann und bringt damit die Themen des Tages in einen Satz. "Wie geht man mit negativen Helden um? Hitler als Mensch, Goebbels als Ästhet, Speer als Familienvater - geht das? Und was bringt es? Schiller hat es vorgeführt: Fiesco, ein Intrigant, Verschwörer, einer, der sich durch Macht korrumpieren lässt. Posa, der Idealist, der für seine Ideale eine Freundschaft, eine Welt zu opfern bereit ist. Wallenstein, der abtrünnige Feldherr. Oder der Despot Philipp II. als schwacher Mensch: 'Der König hat geweint' lautet der Schlüsselsatz einer Schlüsselszene in 'Don Carlos'.

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Süddeutsche Zeitung, 09.05.2005

Erhaben wird das Denkmal für die ermordeten Juden Europas (mehr) nie, meint Gerhard Matzig, eher ein Schauplatz im Krieg der Zeichen. Der Krieg hat schon begonnen. "Das Hakenkreuz ist so groß wie die Hand eines Mannes, befindet sich etwa anderthalb Meter über dem Boden und wurde mit blauem Kugelschreiber offensichtlich in Hast auf die östliche Breitseite einer der größeren, beinahe haushohen Stelen gekritzelt. Wenn man vom langgezogenen südwestlichen Eck des trapezförmig verformten Areals zwischen Ebertstraße und Hannah-Arendt-Straße ausgeht, dann findet man die solcherart herausragende Betonscheibe in der 19. Reihe in östlicher und in der 22. Reihe in nördlicher Richtung."


Auf der ersten Seite, die ganz dem Mahnmal gewidmet ist, befürchtet Gustav Seibt, dass sich das zu klein geratene unterirdische Informationszentrum zum "wunden Punkt" der Anlage entwickeln könnte. Holger Liebs gefällt die Offenheit, die das Mahnmal vermittelt und selbst darstellt. "Wie bei der abstrakten Kunst des Minimalismus wird im Berliner Stelenfeld allein durch die Formation der steinernen Blöcke ein theatralischer Ort definiert, in dem man selbst zum einzigen Darsteller wird." Und Lothar Müller lässt noch einmal die Diskussion über das Mahnmal Revue passieren.

"Was für ein grandioser Abend!" Freudentrunken besingt Reinhard J. Brembeck Jossi Wiehlers Inszenierung der Oper "Doktor Faust" des Musikvisionärs Ferruccio Busoni an der Staatsoper Stuttgart. "Das ist erzählende Musik, und sie erzählt nur von Einem: von Faust. Nicht vom Goethe-Faust, sondern vom Faust des Puppenspiels. Den hat sich Busoni in seinem eigenen, etwas verquast auf Deutsch geschriebenen Libretto anverwandelt, und Gerd Grochowski ist stimmlich wie darstellerisch der ideale Mann für dieses Stück, das Regisseur Jossi Wieler und Dramaturg Sergio Marabito konsequent als Künstlerdesaster im Heute verankern. Ein alternder Sonnyboy ist dieser Faust, der in einem heruntergekommenen Atelier haust."

Weitere Artikel: "Auf diese Phrasen können sie bauen." Zum 200. Todestag Friedrich Schillers versammelt die Redaktion geflügelte Worte des Dichters auf einer Seite und kommentiert sie. Peter Burghardt treibt die sorge um, dass Spanien wieder auseinanderbrechen könnte - der Ton zwischen Sozialisten und Nationalkonservativen verschärft sich. "Es ist wie ein zweiter Übergang, drei Jahrzehnte nach dem ersten." Nach einer Tagung zu den Enteignungen in der DDR rät Arne Boecker den Alteigentümern, sich auf den politischen Lobbyismus statt auf die Gerichte zu konzentrieren. Stefan Koldehoff sorgt sich, dass im Kölner Wallraf-Richartz-Museum die Sponsoren die Macht übernehmen. Tobias Timm wirbt für den Designmai in Berlin. "Aus der Leistungsschau der Berliner Bastler ist eine richtige Messe geworden." Auf der Medienseite kolportiert Klaus Ott, dass Anke Schäferkordt Ende des Jahres zur RTL-Chefin gekrönt werden soll.

Besprochen werden Heinz Strunks Stück "Phoenix", eine Bühnenadaption seines Romans "Fleisch ist mein Gemüse" im Hamburger Schauspielhaus, Claus Peymanns Inszenierung von Max Frischs "Andorra" am Berliner Ensemble ("Ein trauriger Abend, weil Claus Peymann sich selbst demontiert", seufzt C. Bernd Sucher), Nicole Kassells Film The Woodsman, in dem Kevin Bacon einen verstörend ambivalenten Triebtäter gibt sowie Robert Thalheims Film "Netto".

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Darling flüstert die Amsel

23.05.2013. Die Zeit klärt über die Legitimationskrise der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf. Im Freitag erzählt Terry Eagleton, wie es sich anfühlt, wenn man als letzter eine Mao-Jacke trägt. In der taz konstatiert der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz: "Obama ist ein Versager für mich." Die NZZ lässt sich von Matthias Lilienthal durch Beirut führen. Die SZ findet die Kritik der FAZ an Georg Baselitz ziemlich daneben. Alle Zeitungen erinnern an Sarah Kirsch - auch an ihre Liebeslyrik. Mehr lesen

Die vervielfältigte Stimme des Heiligen Geistes

22.05.2013. Heute vor 200 Jahren kam in Leipzig ein klitzekleiner Richard Wagner zur Welt. Die Zeitungen  bringt er bis heute in große Form. Im Tagesspiegel zählt Norbert Miller all jene Autoren auf, denen wir es verdanken, dass wir ihn noch ertragen. Eleonore Büning stockt der Atem bei einem unbekannten Frühwerk Wagners, das wir in ganzer Länge als Video einbinden. Die Berliner Zeitung empfiehlt die französische Wagner-Rezeption gegen die festgefahrene deutsche Debatte. Außerdem: Ai Weiwei hat ein Heavy Metal-Video gemacht, in dem er seine Inhaftierung nachspielt. Der Guardian berichtet, wir binden es ein. Mehr lesen

In Grün und Orange, in Rot, Blau und Gelb

21.05.2013. Ja, ist es etwa das Empire latin, in dem wir zu posthistorischen Tieren werden, fragt die NZZ. Die Welt trifft Urs Widmer zum Werkstattgespräch. Die SZ feiert den Maler Hans Hofmann. Die FAZ wirft Georg Baselitz vor, den Wirtschaftseliten nahe zu stehen. Viele Zeitungen (und der Perlentaucher) berichten aus Cannes über Claude Lanzmanns Film "Le dernier des Injustes". Und wir zünden ein Licht an für Ray Manzarek. Mehr lesen

Das nenne ich totalitär

18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Tagtäglich dem Leser zugemutet

17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen

Ist Gott jetzt zufrieden?

16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen

Samples der Oberflächenwelt

15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen

Filzhaltige Kunstzeichen

14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen

Es zeichnet sich der Morgenstern ab

13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen

Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht

11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen

Was öffentlich ist und was nicht

10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen

Hegemoniale Metaerzählung

08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen.  Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen  bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen

So sehr haben die Chefs Angst

07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen

Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung

06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald  zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen

Die Empörung ist eine europäische Sünde

04.05.2013. In der Welt spricht Kevin Powers über seinen Roman "Die Sonne war der ganze Himmel". Daily Mail stellt kleidsame Wollkappen für Schildkröten vor. Die taz trauert um die einst so angesagte Clubszene von Berlin. Für die FAZ legt die Psychoanalytikerin Julia Kristeva ganz Europa auf die Couch. Und alle gedenken Søren Kierkegaards. Mehr lesen

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