Bücherschau der Woche
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- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
03.05.2005. In der SZ fragt Ulrich Beck, ob postnationale Demokratien möglich sind. Die SZ bringt auch einen Aufruf deutscher Intellektueller an das französische Volk. Die FR untersucht rätselhafte Biografien von Juden in der SS und SSlern, die sich als Juden ausgaben. Die taz stellt eine neue Generation israelischer Comedians vor, deren Witze nicht mal vorm Holocaust halt machen. In der FAZ interpretiert Hans Christoph Buch die Verwüstung des Goethe-Instituts von Togo als Symptom der "Somalisierung" Afrikas.
Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Welt | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Die Tageszeitung, 03.05.2005
"Nicht unsere Witze sind geschmacklos, euer Faschismus war es." Robin Alexander beobachtet in Tel Aviv eine neue Generation junger Comedians, die auch beim Holocaust kein Tabu mehr gelten lässt. "Das wird beim Betrachten der wöchentlichen Sendung 'Pini Agadol' (wörtlich: 'Der große Penis') rasch klar. Hier singt Adolf Hitler ('Böser Diktator, guter Freund unserer Show') mit Anne Frank ein Duett zum alten Sonny-und-Cher-Hit: 'I Got You, Babe', hier gibt es eine Gastrokritik des jüdischen Restaurants Chez Mengele ('Sehr teuer, typisch Juden'). Mit so einem Programm würde man in den USA auf dem Index landen und in Deutschland im Gefängnis. In Israel, dem Land der Opfer, wird man damit Kult." Der subtile Witz der schwachen Minderheit hat ausgedient, sagt der Komiker Gil Kopatch. Das neue Selbstbewusstsein hat auch den Humor verändert. "Überhaupt nicht ängstlich, sondern geradeaus, laut und sogar aggressiv: 'Wer uns nervt', meint Kopatch, 'den stellen wir nicht mehr mit feinen Wortspielen bloß. Den treten wir feste in den Arsch.'"
Zum Abschluss der diesbezüglichen taz-Reihe fordert der Politologe Claus Leggewie fast leidenschaftlich die überfällige Historisierung der 68er-Bewegung. "Über 68 muss, bitte, nicht länger in dem beleidigten Tonfall geredet werden, den etwa die Tochter Ulrike Meinhofs (aus nachvollziehbaren Gründen) anschlägt; und rote Großväter sollten nicht länger vom Barrikadenkampf schwadronieren, bei dem die meisten ohnehin nur nachträglich zugegen waren. Historisierung kann 'Kampfgefährten' anregen, wohl gehütete Geheimnisse zu verraten, und 'Renegaten' zum Nachdenken bringen, bevor sie sich zum x-ten Male an der Regierungs- oder Bewegungslinken abarbeiten."
Im weiteren Feuilleton stellt Tobias Rapp den umstrittenen Berliner Rapper Fler vor, der seine Bekanntheit der im Genre bisher unerhörten Verwendung deutscher Symbole zu verdanken hat. Jan-Hendrik Wulf erfährt aus der Zeitschrift Vorgänge mehr über die Krise des Qualitätsjournalismus, die Vermischung von PR und Berichterstattung sowie die unaufhaltsame Trivialisierung. An den neuen Unterschichten sind nicht nur die Konservativen schuld, betont Robert Misik, auch die linken Theoretiker haben die Gleichheit schon lange verraten. Allerdings sieht er den Diskurs über die Ungleichmacherei auch schon wieder am Abflauen. Clemens Niedenthal glaubt in der zweiten taz nicht, dass irgendjemand Angst vor Münteferings sogenannter "schwarzer Liste" hat. Und Bernhard Pötter verwertet die Erlebnisse mit seinen Kindern für die Kolumne.
Im Medienteil weist Barbara Oertel zum Tag der Pressefreiheit darauf hin, wie schlimm die Zustände in Osteuropa immer noch sind. Nur die Ukraine lässt hoffen. In der einzigen Besprechung verfällt Katrin Bettina Müller bei der Eröffnung des Wolfsburger Tanzfestivals Movimentos durch die Compagnie Montalvo-Hervieu "schönen Träumen über Bewegungsähnlichkeiten von Mensch und Tier".
Und Tom.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2005
In Togo wurde das Goethe-Institut abgebrannt, und nach Hans Christoph Buch (mehr hier) war das kein spontaner Wutausbruch, "sondern der Versuch eines politisch bankrotten Regimes, den Volkszorn aufs Ausland zu lenken und neutrale Vermittler zum Sündenbock eigener Verfehlungen zu machen." Buch interpretiert die Ereignisse als Symptom einer in Afrika grassierenden "Somalisierung": "Ein diktatorisches Regime tritt ab, doch statt der vom Volk erhofften Demokratie breiten Chaos und Anarchie sich aus - nicht im Sinne der fröhlichen Utopie von 1968, sondern als Kampf aller gegen alle, den nur der Stärkste überlebt. In diesem Kampf werden alte Rechnungen beglichen und totgeglaubte ethnische Konflikte wiederbelebt, wobei der Bürgerkrieg zum Stammeskrieg degeneriert. Der dabei zutage tretende Hass ist freilich nicht naturgegeben, sondern ist von machtgeilen Warlords zuvor künstlich erzeugt worden."
Weitere Artikel: Im Aufmacher unternimmt die Kinderbuchexpertin Monika Osberghaus eine tour d'horizon durch den Markt und fordert die Verlage auf, nicht nur fantasielose Fantasy im Gefolge der Harry-Potter-Romane zu publizieren. Der Zoologe Cord Riechelmann erklärt den Antikapitalisten, was es mit der Heuschrecke und besonders der Locusta migratoria auf sich hat. In der Leitglosse belehrt uns "rm.", dass es Gulasch und keinesfalls Goulasch und dass es eigentlich sogar Pörkölt heißt. Eberhard Rathgeb besucht für die Serie "Aus deutschen Hörsälen" eine Vorlesung über die Vegetation Mitteleuropas des Professors Klaus Dierßen in Kiel. Andreas Kilb bespricht eine Ausstellung über das Kriegsende im Deutschen Historischen Museum, und Jürgen Kaube vergnügte sich bei der Jahrestagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Salzburg, wo es um den immer größeren Einfluss der englischen Sprache ging.
Auf der Medienseite prangert Matthias Rüb die Serbien- und Kosovo-Berichterstattung im ZDF, besonders des Redakteurs Hans-Ulrich Gack und des freien Journalisten Franz Josef Hutsch als revisionistisch im Sinne der serbischen Nationalisten an. Heike Hupertz fand die Schiller-Balladen in der Schiller-Nacht bei 3sat genauso langweilig, wie sie laut Vorurteil immer schon waren. Und Jürg Altwegg berichtet, dass beim französischen Sender Canal Plus mit Hilfe des französischen Geheimdienstes die Telefone abgehört werden und dass einzelne Mitarbeiter sogar mit Hilfe von Prostituierten und platzierten Rauschgifttütchen desavouiert werden sollten.
Auf der letzten Seite berichtet Jordan Mejias, dass das berühmte New Yorker Plaza Hotel zu einem banalen Luxusappartmenthaus umgewandelt werden soll. Monika Osberghaus erlebte bei einer neuen Gripstheater-Produktion den Terror der Pädagogik und rät Eltern und Kindern dringend vom Besuch ab. Und Hubert Spiegel wundert sich, dass der letzten Band der großen Hesse-Gesamt-Ausgabe vor schütterem Publikum und in Abwesenheit der Verlegerin stattfand: "Zu Lebzeiten Unselds wäre das vollkommen undenkbar gewesen. Wer nach Veränderungen bei Suhrkamp fragt, bekommt hier ein Indiz geliefert. Man muss es nur noch deuten."
Besprochen werden Alessandro Scarlattis Oper "Telemaco" zur Eröffnung der Festspiele in Schwetzingen, Gerhart Hauptmanns Stück "Vor Sonnenaufgang" in Armin Petras' Münchner Inszenierung, und eine Ausstellung mit Fotos von Michael Bry in Regensburg.
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Frankfurter Rundschau, 03.05.2005
60 Jahre nach Kriegsende entdeckt man in Deutschland Lebensgeschichten, die sich jeder "historischen Eindeutigkeit entziehen", schreibt Harry Nutt. Als Beispiel nennt er Eliah Goldberg, den SS-Mann, der sich nach dem Krieg eine jüdische Kaufmannsbiografie zulegte (seine Geschichte wurde von Dani Levy verfilmt), den "liberalen Germanisten Hans Schwerte, der erst 1995 als Hans Schneider, SS-Hauptsturmführer im 'Ahnenerbe', enttarnt wurde", und Eleke Scherwitz, vermutlich ein Balte jüdischer Herkunft, der bei der SS Karriere machte und das Rigaer Lager Lenta leitete. Anita Kugler hat ihm eine ausführliche Biografie gewidmet (Leseprobe). "Die klaren Konturen der nationalsozialistischen Machtstrukturen beginnen an den osteuropäischen Rändern zu verschwimmen. Zu keinem Zeitpunkt ist Scherwitz ein Repräsentant der 'Generation des Unbedingten' wie sie der Historiker Michael Wildt in seinem Porträt der nationalsozialistischen Macht entwirft. Als Leiter der Lenta, in der Luxusgüter für SS-Offiziere hergestellt werden, beschäftigt Scherwitz jüdische Handwerker, die er, so lange es ging, vor den Schrecken eines Lagerdaseins bewahrte." Dennoch bleibt Scherwitz "trotz aller Einzelheiten, die Kugler zutage gefördert hat, widersprüchlich und rätselhaft", nicht mal sein richtiger Name steht unzweifelhaft fest.
Weitere Artikel: Robert Kaltenbrunner denkt über den Wert historischer Bausubstanzen nach: "Erhalten und Modernisieren stellen eine dialektische Einheit dar, deren Antipoden nicht einseitig betont oder vernachlässigt werden dürfen." In Times Mager staunt Adam Olschewski über die Wiedergeburt des Bassisten Henry Grimes, eine Schlüsselfigur des Free Jazz, der 1967 verschwand und 2002 von einem Journalisten in einem "abgeschabten Hotelzimmer" in LA gefunden wurde.
Besprochen werden die 3. Triennale der Fotografie in Hamburg, die Ausstellung "Dubuffet und Art Brut" im Düsseldorfer Museum Kunst Palast und die "abenteuerlich schlechte" Uraufführung von "Das Dunkel im Glas des Polen Tomasz Urbanski" in Bremen.
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Die Welt, 03.05.2005
Im Feuilleton beschreibt Wolf Lepenies, welche Vorstellungen nach 1945 über die Zukunft Deutschlands herrschten. Henry Morgenthau etwa plädierte für eine komplette De-Industrialisierung Deutschlands. "Die deutschen Emigranten in den USA beurteilten den Morgenthau-Plan unterschiedlich. Hannah Arendt nannte es einen Sieg der Nazi-Ideologie, wenn die Alliierten ohne Skrupel das 'Recht des Stärkeren' praktizieren sollten. Albert Einstein sprach sich nicht nur für die Entindustrialisierung Deutschlands aus. Er sah in einer Verringerung der deutschen Bevölkerungszahl die gerechte Strafe für die systematische Entvölkerung großer Teile Europas. 'Mir fällt nicht viel ein, was dagegen zu sagen wäre', schrieb Thomas Mann zurück an Einstein." Mann hatte noch eine andere Idee. "Als die Deutschen mit dem Ende des Nationalsozialismus ihre Freiheit verspielt und durch den Holocaust ihre Nation moralisch zu Grunde gerichtet hatten, erinnerte Thomas Mann an Goethes Worte, die Deutschen müssten wie die Juden in alle Welt zerstreut werden ... 1945 wünschte er die endgültige Entpolitisierung Deutschlands."
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Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2005
Als den F. Scott Fitzgerald unserer Tage hat die Washington Post den amerikanischen Schriftsteller Colson Whitehead schon bezeichnet. Thomas Leuchtenmüller, der Whiteheads neuen Essayband "Der Koloss von New York" rezensiert, sieht aber auch Parallelen zu John Dos Passos' "Manhattan Transfer" von 1925: "Nochmals darf man, einem Neuankömmling gleich, an der Hand eines Erfahrenen durch Straßen des 'Big Apple' ziehen und Häuser betreten, um in Köpfe und Töpfe der Einheimischen zu schauen. Und erneut signalisiert das scheinbar beliebig Kombinierte den steten Kreislauf von Sein, Werden und Vergehen des Molochs am Hudson River. Dos Passos und Whitehead plädieren für die Autonomie des Individuums, indem sie kollektive Formen der Narration offerieren. Ihr New York ist eher anonyme Bedrohung als zu bewältigende Herausforderung."
Sabine Haupt feiert mit dem Genfer Kinder- und Jugendtheater "Am Stram Gram" dessen 30-jähriges Bestehen. Ursprünglich ein Kind der antiautoritären Pädagogik der siebziger Jahre, hat es sich mittlerweile "zu einem im französischen Sprachraum führenden Haus entwickelt. Ein Grund für diese beeindruckende Bilanz ist das ständige Bemühen um eine Synthese von pädagogischen und künstlerischen Ansprüchen."
Besprochen werden die Ausstellung "International Arts and Crafts" im Londoner Victoria & Albert Museum, ein Erzählband von Dimitre Dinev sowie Willem Frederik Hermans' Roman "Die Tränen der Akazien" (mehr dazu in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 03.05.2005
"Stemmt Euch dagegen, dass Frankreich den Fortschritt verrät!", rufen deutsche Intellektuelle ihren französischen Kollegen in einem Offenen Brief zu, den die SZ in Auszügen druckt und der auf Französisch in Le Monde erschien. "Europa fordert Mut. Ohne Mut kein Überleben. Nicht für Frankreich. Nicht für Deutschland. Nicht für Polen." Unterzeichnet haben unter anderem Klaus Harpprecht, Wolf Biermann, Günter Grass, Jürgen Habermas und Gesine Schwan.
Der Soziologe Ulrich Beck wendet sich im Aufmacher gegen das, was er als neonationale Lebenslügen bezeichnet: Die Vorstellung, dass Demokratie nur nationalstaatlich und deshalb nicht in Europa möglich ist, wie es etwa Ralf Dahrendorf mit seinem Diktum "Je mehr EU, desto weniger Demokratie" formulierte. "Europa bedarf der Kritik, zweifellos, aber keiner realitätsblinden, nostalgischen Kritik, die auf Lebenslügen aufbaut. Wir benötigen eine kritische Theorie der Europäisierung, die zugleich radikal neu ist und doch in der Kontinuität europäischen Denkens und europäischer Politik steht. Eine solche Theorie muss die schlichte Einsicht zu Ende denken: Gemeinsame Lösungen bringen mehr als nationale Alleingänge. Das Europa der Differenz gefährdet nicht, sondern erneuert, verwandelt, öffnet die europäischen Nationen und Staaten für das globale Zeitalter. Ein solches Europa kann sogar zu einer Hoffnung für die Freiheit in einer turbulenten Welt werden."
Holger Liebs will noch abwarten, ob sich hinter Label Leipzig mehr als "steigende Öl-auf-Leinwand-Preise" verbergen, ist aber von dem neuen Domizil der Leipziger Galerien in der Baumwollspinnerei im Stattteil Plagwitz überzeugt: "Überall blättert hier der Putz ab, die rostigen Träger aus dem Gründerjahr 1884 stehen wie klapprige Skelette in den Hallen, so manche Scheibe ist noch eingeschlagen. Und auf dem Dach von Halle 14 blüht Schnittlauch."
Weiteres: Der Philosophie-Professor Julian Nida-Rümelin umreißt Perspektiven der Universitäten. In einem Interview mit Alexander Menden empfiehlt der Dirigent Lorin Maazel seine Oper "1984", die heute in London uraufgeführt wird, als 100 Jahre umfassendes Musik-Panorama. Jörg Häntzschel berichtet, dass nun auch die New Yorker Polizei Bedenken gegen die ground-zero-Pläne angemeldet hat.
Bernd Graff begutachtet das aufgepeppte Apple-Betriebssystem Mac OS X , genannt Tiger (unleashed): das Amaturenbrett ist ihm zu bunt, in Ordnung der "Automator", begeistert ist er von der neuen Suchfunktion "Spotlight". Ira Mazzoni betrachtet neueste Trends der Landschaftsarchitektur ("Wild ist toll"). Caroline Neubaur war auf einer Tagung zu "Raum und Zeit" in der Psychoanalyse. In der "Zwischenzeit" huldigt Harald Eggebrecht dem Trenchcoat.
Besprochen werden eine "kongeniale" Ausstellung zu Walter Kempowskis "Echolot" im Kieler Stadtmuseum und Bücher, darunter Jan Kjärstads Roman "Der Entdecker" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
In Grün und Orange, in Rot, Blau und Gelb
21.05.2013. Ja, ist es etwa das Empire latin, in dem wir zu posthistorischen Tieren werden, fragt die NZZ. Die Welt trifft Urs Widmer zum Werkstattgespräch. Die SZ feiert den Maler Hans Hofmann. Die FAZ wirft Georg Baselitz vor, den Wirtschaftseliten nahe zu stehen. Viele Zeitungen (und der Perlentaucher) berichten aus Cannes über Claude Lanzmanns Film "Le dernier des Injustes". Und wir zünden ein Licht an für Ray Manzarek. Mehr lesen
Das nenne ich totalitär
18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen
Tagtäglich dem Leser zugemutet
17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen
Ist Gott jetzt zufrieden?
16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Samples der Oberflächenwelt
15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen
Filzhaltige Kunstzeichen
14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen
Es zeichnet sich der Morgenstern ab
13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen
Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht
11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen
Was öffentlich ist und was nicht
10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen
Hegemoniale Metaerzählung
08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen. Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen
So sehr haben die Chefs Angst
07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen
Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung
06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen
Die Empörung ist eine europäische Sünde
04.05.2013. In der Welt spricht Kevin Powers über seinen Roman "Die Sonne war der ganze Himmel". Daily Mail stellt kleidsame Wollkappen für Schildkröten vor. Die taz trauert um die einst so angesagte Clubszene von Berlin. Für die FAZ legt die Psychoanalytikerin Julia Kristeva ganz Europa auf die Couch. Und alle gedenken Søren Kierkegaards. Mehr lesen
Steile Hierarchien, Massenproduktion, Akkordarbeit
03.05.2013. In Foreign Policy rät Arch Puddington zum heutigen Tag der Pressefreiheit von der Reise in die zehn schlimmsten Länder für Journalisten ab. Die NZZ stellt die Designerin Inga Sempé vor. Mit Longform.org verlinken wir auf die "2013 National Magazine Awards Winners" mit Texten aus dem Atlantic und Texas Monthly. In der NYRB schreibt Ian Buruma über David Bowie. Die FAZ liest den Briefwechsel zwischen Grass und Brandt und empfiehlt Telekom-Kunden die Exhumierung ihrer Akustikkoppler. Die SZ besucht eine Ausstellung über die Geburt der neusten Technik aus dem Geist des Hippietums. Mehr lesen
Abkehr vom Mainstream der Alltagsheringe
02.05.2013. In Spiegel online fordert Sascha Lobo viel mehr Investitionen in ein schnelles Internet - und zwar von der Regierung. Im Tagesspiegel stellt Achim Freyer mit Richard Wagner ein Notgleichgewicht her. Die taz beleuchtet die Rolle von Gewerkschaften und SPD in der Nazi-Zeit. In der Zeit spricht Cecila Bartoli über tragische und weniger tragische Frauenrollen. Die FAZ übernimmt Salman Rushdies Aufruf für die Anerkennung von Freiheitshelden als Freiheitshelden. Das WWW ist zwanzig Jahre alt. Das CERN stellt die allerallererste Website wieder online. Mehr lesen








