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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
04.04.2005. Nachrufe! In der FAZ erinnert Harald Hartung daran, wie Thomas Kling aus der Zertrümmerung der Worte Poesie schlug. Und natürlich Johannes Paul II. In der NZZ beschreibt der polnische Historiker Wlodzimierz Borodziej, wie der Papst das Weltsystem ins Wanken brachte. In der FAZ schreibt Dorota Maslowska über die Wehrlosigkeit der Popkultur gegenüber diesem Tod. In der SZ beschreibt Adam Krzeminski einen Richtungskampf in der Kirche. Die taz würdigt den Papst als Repräsentationsgenie.
Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Berliner Zeitung | Der Tagesspiegel | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 04.04.2005
Der polnische Journalist Adam Krzeminski streicht die anhaltende Bedeutung von Johannes Paul II. für die Kirche und vor allem die Gesellschaft seines Landes heraus. Ihr "hinterlässt Karol Wojtyla ein gewaltiges Erbe, das allerdings von einigen grundsätzlichen Widersprüchen der polnischen Wirklichkeit unterminiert wird. Denn in der Kirche schwelt ein - von der Autorität des Papstes jahrelang kaum überdeckter - tiefgreifender Richtungskampf. Während die weltoffenen Krakauer Katholiken um die ehrwürdige Wochenzeitung Tygodnik Powszechny, für die auch der junge Karol Wojtyla schrieb, nach einer päpstlichen Schelte vor zehn Jahren ins Hintertreffen gerieten, ist das xenophob-national gerichtete Radio Maryja (mehr) zu einem Sprachrohr der antieuropäischen Gruppierungen Polens geworden. Bis jetzt konnten die polnischen Intellektuellen und Politiker immer wieder zu ihrem Petrus aufblicken, sich von ihm schelten lassen beziehungsweise eine Investitur bekommen - durch einen Handschlag oder eine öffentliche Umarmung des Papstes. Nun stehen sie alleine da."
Den Schriftsteller Joachim Lottmann ekelt sich bei der Echoverleihung (hier die Gewinner) nicht nur vor den "Geschmacksdespoten der Ewiggestrigen". Der Papst interessiert niemanden. "Sie finden den Gestorbenen nur lächerlich, nicht der Rede wert. Weil er das hat, was sie am meisten verabscheuen: Meinungen, eine geistige Haltung, einen Widerstand zum totalen Konsumismus. Für sie ist das 'alt'. Dabei ist es jung, und sie, die jetzt mit viel Appetit in die Lachscroissants beißen, sind viel älter als der Papst."
Der Soziologe Heinz Bude ehrt Johannes Paul II. als Vertreter des Unironischen in der ironischen Moderne. "Damit hat er sich im Laufe seiner Amtszeit zur Avantgardefigur der postsäkularen Gesellschaft gemacht, in der die Fragen des Glaubens nicht länger auf die des Wissens, des Geschäfts, des Rechts oder des Vergnügens reduziert werden können." Alexander Kissler konzentriert sich auf den Papst als Dichter. "Im Sommer 1940 gab es wohl niemanden, der die berufliche Zukunft des Lyrikers, Dramatikers und Schauspielers Karol Wojtyla nicht in der Kunst sah." Der Philosoph und Religionswissenschaftler Remi Brague erinnert daran, wie Karol Wojtyla den Glauben gegenüber des in der Moderne als absolut gesetzten wirtschaftlichen und sozialen Unterbaus wieder zu seinem Recht verholfen hat. "Er distanzierte sich von einer vermeintlich selbstverständlich gewordenen Sicht, die in Tat und Wahrheit nichts anderes war als das Erbe eines nur schlecht überwundenen Marxismus."
Weitere Artikel: Helmut Mauro sieht den Streit Riccardo Mutis mit dem Personal der Mailänder Scala, der nun zum Rücktritt des Chefdirigenten führte, als Stück in bester Tradition von Don Camillo und Peppone. Carmen Stephan notiert verwundert, dass der große 97-jährige Architekturrevoluzzer Oscar Niemeyer ein Spaßbad für Potsdam plant. Auf der Literaturseite schreibt Thomas Steinfeld den Nachruf auf den Lyriker Thomas Kling. Er "war ein Dichter auf der Suche nach einem Ton, der die Welt zum Widerhallen bringen sollte." Joseph Hanimann berichtet über die Welle an französischen Veröffentlichungen zu Bernard-Henri Levy, vor der Levy erst floh und die er jetzt befördert.
Besprochen werden die Uraufführung von Christian Tschirners Bühnenversion der Erzählung "Der Test" von Stanislaw Lem am Nationaltheater Mannheim, Enda Walsh' selbstinszeniertes Stück "Chatroom" an den Münchner Kammerspielen, das gemeinsame Konzert von Wiener und Berliner Philharmonikern, eine "animierende" Ausstellung erotischer Grafiken der Kunstgeschichte "Mannes Lust & Weibes Macht" im Residenzschloss Dresden, Hideo Nakatas Horrorfilm Ring 2 und Bücher, darunter Patricia Cloughs Pferdehistorie "In langer Reihe über das Haff".
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Frankfurter Rundschau, 04.04.2005
Markus Brauck zieht eine kirchenpolitische Bilanz aus 26 Jahren Papst Johannes Paul II: "Karol Wojtyla hat gewissermaßen wieder dafür gesorgt, aus der Kirche eine CDU zu machen. Zumindest so, wie sie zu Kohls Zeiten noch aussah. Der Chef bestimmt, wo es langgeht. Wer es anders machen will, muss erst einmal selbst an der Spitze stehen. Im Bild des Fensters: Johannes Paul II. hat dafür gesorgt, dass der Wind nicht mehr in die Kirche hinein, sondern aus ihr heraus bläst. Sie musste, das war ihm klar, mit einer Stimme sprechen, um Macht zu erlangen. Aus Karol Wojtyla wäre ein toller Fraktionsführer geworden."
Ina Hartwig trauert um den Lyriker und Performancekünstler Thomas Kling, der an Lungenkrebs gestorben ist. "Er war ein Schelm, ein Spieler, ein virtuoser Sprachkünstler." Klings gerade erschienener Gedichtband "Auswertung der Flugdaten" hat bisher alle Kritiker überzeugt. Harry Nutt zeigen die vier öffentlichen Todesfälle vom Wochenende, dass es kein humanes Sterben gibt. Ihn erinnerte der leidende Papst an ein (womöglich dieses) Bild von Francis Bacon. In der noch nicht eröffneten, aber schon benutzten Berliner Akademie der Künste setzt sich nun eine Ausstellung mit dem Gebäude auseinander, berichtet Thomas Medicus in Times mager. Auf der Medienseite lobt Papstexperte Markus Brauck den Sender Phoenix für das wohltuende Schweigen beim Tod des Kirchenoberhaupts. Auf der Medienseite weiß Moritz Küpper von einem 29-jährigen Deutschen, der der arabischen Welt mit dem selbstgegründeten Sender Citruss TV Luxusgüter vermitteln will.
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Die Tageszeitung, 04.04.2005
"Nie hätte ich gedacht, dass Johannes Paul II. wichtig werden könnte in meinem Leben", beichtet Philip Gessler in der zweiten taz und spricht damit für das ganze Blatt. Nirgendwo ist mehr Papst. Auf Titelblatt und den folgenden sechs Seiten erfährt man alles von Karol Wojtylas Lebenswerk bis zu den Strippenziehern bei der Nachfolgerwahl.
Den Papst wieder zum direkten Repräsentanten Gottes gemacht zu haben, darin liegt eine der größten Leistungen Johannes Pauls II., notiert Isolde Charim dann im Feuilleton. "Es ist ihm gelungen, das Selbstverständnis der Kirche mit ihrer Außenperspektive in Einklang zu bringen. Es wurde oft geschrieben, dieser Papst sei eine äußerst politische Figur. Wodurch aber ist ein Papst heute, da er keine reale Macht hat (zumindest in staatlicher und militärischer Hinsicht) politisch wirksam? Durch seine Präsenz. Und darin war dieser Papst, der 'eilige' Vater, ein Meister. So, wie die Anwesenheit des Papstes immer doppelt zu verstehen war - als Realpräsenz von Karol Wojtyla und als jene Johannes Pauls II, Repräsentant Christi -, so waren seine öffentlichen Auftritte auch immer doppelt: als Präsenz vor Ort und als Medieninszenierungen. Letztere wurden damit quasi zur Repräsentation der Repräsentation Christi."
Tim Gorbauch schreibt ein wohlmeinendes Porträt des Opernregisseurs Christof Loy, der das Etikett des Konservativen mit Haltung trägt. "Mein Konzept ist erst einmal altmodisch. Ich will, dass ein Sänger auf der Bühne glaubwürdig agiert, dass sein Gesang als sinnvolle, besser noch: als in diesem Augenblick einzig mögliche Ausdrucksform anerkannt wird. Dirk Hagen warnt Essen und Görlitz vor der Leere nach dem Kulturhauptstadttrubel. "pu" meldet, dass eine "Koalition europäischen Denkens und Fühlens" die UEFA-Präsidentschaft Franz Beckenbauers verhindern will. Die einzige Besprechung widmet sich Von hier an blind, dem neuen Album der Musikgruppe "Wir sind Helden".
Und Tom.
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Neue Zürcher Zeitung, 04.04.2005
Auch in der NZZ beherrscht alles der tote Papst. Der polnische Historiker Wlodzimierz Borodziej erinnert daran, wie Johannes Paul II. mit seinem Besuch in Polen 1979 das Weltsystem ins Wanken brachte. "Schon die ersten Historiker der Solidarnosc wie Timothy Garton Ash und Jerzy Holzer waren sich einig, dass man sich den Sommer 1980 ohne die Massenerfahrung des Juni 1979 kaum vorstellen kann. Nicht nur, dass die 'Macht der Symbole' über die 'Symbole der Macht' gewonnen hatte. Die Polen - bis Herbst 1980 sollten sich in der Solidarnosc, die damit zur grössten Organisation in der Geschichte des Landes wurde, zehn Millionen von ihnen wiederfinden - erfuhren, dass ihre persönliche Enttäuschung über das System keine singuläre Haltung war, sondern von der Mehrheit ihrer Landsleute geteilt wurde. Die Ruhe, das Selbstbewusstsein und die Disziplin, mit denen dann im Sommer 1980 die Arbeiter den Funktionären entgegentraten, sind ohne das im Juni 1979 plötzlich gewachsene Rückgrat ebenfalls schwer vorstellbar."
Außerdem beleuchten mehrere Autoren die verschiedenen "Facetten des Pontifikats", darunter Basler Bischof Kurt Koch, Hans Küng, Peter Nadas, Adolf Muschg.
Michael Braun verabschiedet schweren Herzens den "Sprachekstatiker" und "zweifellos bedeutendsten Dichter seiner Generation", Thomas Kling: "Im Dichterclan der nunmehr mittleren Generation war und ist Thomas Kling der Verantwortliche für das Sprachgedächtnis. Nach seiner Wiener Premiere begann er mit wachsendem Erfolg, Sprach-Räume mit seiner Stimme zu gestalten und die Wörter seines Gedichts mit allen nur denkbaren Formen der Deklamation zu dynamisieren und bis zu ihrem Siedepunkt zu erhitzen: So begann die Ära der 'Sprachinstallation', die kein Lyriker seiner Generation so mitreissend zu inszenieren verstand wie eben Thomas Kling. Seine Gedichtbücher mit ihren technizistischen und schrillen Titeln - auf das 1986 vorgelegte Debut 'erprobung herzstärkender mittel' folgte 1991 'brennstabm' und 1993 'nacht.sicht.gerät' - wurden zu Grundbüchern seiner Generation. Da hatte ein Wörteralchemist die Büchse der Pandora geöffnet und ließ daraus alle Wirkungsmöglichkeiten der Sprache auffliegen."
Gieri Cavelty berichtet von den Rauriser Literaturtagen. Besprochen werden Kylie Minogues Konzert in der St.-Jakobs-Halle Basel und eine Aufführung von Händels "Giulio Cesare" im Opernhaus Zürich.
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Berliner Zeitung, 04.04.2005
"Sind die Deutschen denn an allem schuld", fragt leicht genervt der Historiker H.D. Kittsteiner nach der Lektüre von "Okzidentalismus". "Wer das Buch von Ian Buruma und Avishai Margalit liest, möchte es am Ende meinen. Zwar beginnt es im japanischen Kyoto, wo man 1942 darüber debattierte, wie die 'Moderne', die 'Maschinenzivilisation' und der 'Amerikanismus' zu überwinden seien. Doch schon wenige Seiten später sind die Autoren in Europa und in Deutschland angelangt. Und in den Anmerkungen findet sich unter Verweis auf Fritz Sterns 'Kulturpessimismus als politische Gefahr' der Hinweis, dass Deutschland mehr als jede andere europäische Nation 'Schlachtfeld und Ursprung dieser Ideen' gewesen ist."
Eine "beeindruckende" Aufführung von Mahlers Sechster hat Peter Uehling gehört. Unter Simon Rattle spielten die Wiener und Berliner Philharmoniker erstmals zusammen. Das freilich, so der Rezensent, hörte man eher nicht. "Das riesige, mit knapp 90 Streichern besetzte Orchester vermochte Rattle zuweilen sehr frei zu führen, aber auch die Präzisionseinbußen, die mit der Masse an Menschen zwangsläufig einhergehen, waren in Gestalt aufgeweichter Akzente bemerkbar. Ein Wienerischer Klang war allerdings auch hier nicht zu hören. Und das stimmt bedenklich: Da erklären alle fusionsbedrohten Orchester, wie einzigartig ihr Klang, wie unmöglich eine Fusion mit anderen Klängen sei, die Presse unterstützt das nach Kräften - und dann kommen zwei wirklich einzigartige Orchester und zeigen, wie problemlos so eine Fusion funktioniert: Einer schluckt, der andere wird verschluckt."
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Der Tagesspiegel, 04.04.2005
Ausgesprochen unglücklich kam Christine Lemke-Matwey aus Mahlers Sechster mit den Wiener und Berliner Philharmonikern: "Je entschlossener Simon Rattle seinen mächtigen Unterkiefer vorstreckte, je emsiger er die Musiker antrieb, je unerbittlicher er den Tambourmajor mimte - desto weniger Mahler ereignete sich. Der Kopfsatz: ein lärmig verhetzter Hexentanz. Das Andante: atmete nie wirklich aus. Das Scherzo: eine Zirkusnummer irgendwo zwischen Orffschem Schulwerk und der 'Salome' von Richard Strauss. Das Finale: grob, roh, pastos und vor allem maßlos laut. Von Spannung und Schmerz, von einem halbwegs differenzierten Steigerungswillen etwa im Innehalten zwischen den drei Hammerschlägen keine Spur. Selten zuvor hat einen das 'furchtbar Autobiografische' dieser Symphonie dermaßen kalt gelassen, ja gelangweilt."
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2005
Nachrufe!
Harald Hartung, selbst Lyriker (mehr hier), schreibt zum Tod von Thomas Kling: "Für Gottfried Benn war das moderne Gedicht die schwarze Letter auf weißem Grund. Vorlesen war fast eine Verlegenheit, und Generationen deutscher Lyriker waren stolz darauf, mürrisch vor sich hin zu stümpern. Kling hatte dafür nur Hohn übrig. Sein Debüt 'erprobung herzstärkender mittel' (1986) zeigte, dass man auch aus der Zertrümmerung der Worte und der Aufhebung der Orthographie Poesie herausholen konnte. Solche Techniken waren für ihn 'geschmacksverstärker' (1989) - , ja sie waren 'brennstab' 1991. Kling wollte die Sprachgewohnheiten und Realitätsauffassungen aufschmelzen." Hören und lesen kann man Thomas Kling auf Lyrikline.
Und natürlich der Papst.
Die 22-jährige Autorin Dorota Maslowska schreibt hochpathetisch, kraftvoll und zerknirscht: "Die Leere der Popkultur ist völlig wehrlos gegen diesen Tod. Sie ist nicht darauf vorbereitet, etwas anzunehmen, das wirklich geschieht. Das Sterben des Papstes, seine Schwäche sind ein ästhetischer Schock für eine Welt, in der die Medien den Körper auf eine Verpackung reduzieren, eine Verpackung der Ware Mensch, der deshalb jung, dynamisch, sonnengebräunt und gesund sein muss, sonst findet er keinen Käufer. Was für ein Kontrast dazu war Johannes Paul II. - gekrümmt, geschlagen von Gebrechlichkeit und dennoch stets hellwach."
Martin Mosebach negiert nicht seine historische Größe, meldet aber auch Zweifel an, zum Beispiel am Musikgeschmack Johannes Pauls: "Die musikalische Kulisse Johannes Pauls II. kam vor allem aus dem Lautsprecher. Aufgeweichte Gregorianik, polnische Volkslieder, Gospelsongs und Sacre Pop dröhnten über den Stätten, an denen er das Opfer Jesu darbrachte. Wer den sich auf seinem Thronsessel zu dieser Musik rhythmisch mitbewegenden Papst sah, verstand, dass sie seinem persönlichen Geschmack entsprach."
Weitere Artikel: Christian Geyer sieht den Papst als Rationalisten. Edo Reents erinnert sich an Thomas Manns Papstroman "Der Erwählte". Andreas Rosenfelder begleitet das Kreuz der Weltjugend zum Weltjugendtag im August, zu dem der Papst noch persönlich erscheinen wollte. Sergiusz Michalski erinnert an den politischen Revolutionär, der den Kommunismus hinwegfegen half.
Auf der Medienseite kommentiert Dirk Schümer den Umgang der italienischen Medien mit dem Tod des Papstes. Eva-Maria Lenz stellt das Hörspiel des Jahres vor, Roland Schimmelpfennigs "Für eine bessere Welt" in Leonhard Koppelmanns Inszenierung. Und "kung" berichtet von der "Echo"-Verleihung.
Auf der letzten Seite zählt Hannes Hintermeier auf, was 1978 alles so geschah ("Breschnew führt die Sowjetunion, der DDR steht Honecker vor, der dem CDU-Vorsitzenden Kohl die Einreise verwehrt. Helmut Schmidt ist Kanzler der Bundesrepublik.") und macht damit deutlich, wie weit entrückt der Beginn von Johannes Pauls Konkordat liegt. Frank-Rutger Hausmann erinnert an die Vichy-Emigranten, die nach der Befreiung Frankreichs bis zur Besetzung Deutschlands in Sigmaringen ein Geisterleben führten. Und Eleonore Büning kommentiert den Rücktritt Riccardo Mutis als Musikdirektor an der Mailänder Scala.
Besprochen werden Händels "Giulio Cesare" mit Cecilia Bartoli in Zürich, eine Bearbeitung von Turgenjews Roman "Rauch" in Baden-Baden und Til Schweigers Film "Barfuß".
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





