Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.03.2005. Bei der FR und anderen Zeitungen hinterlässt die Leipziger Buchmesse eine "freundlich gelaunte Gelangweiltheit". Die taz begegnete immerhin einem neuen literarischen Heiland (zumindest wenn man seinen Jüngern glaubt). In der FAZ erklärt Gerhard Stadelmaier, warum er viele "Wilhelm Tells" gesehen hat, aber den Tell, den sieht er nirgends. Und für die SZ läutet die große Bernhard Heisig-Ausstellung in Leipzig eine neue Epoche ein.
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Frankfurter Rundschau, 21.03.2005
Christoph Schröder resümiert die Leipziger Buchmesse und berichtet von "freundlich gelaunter Gelangweiltheit" allerorten. Und von den großen Problemen der vielbestaunten Klein- und Neuverlage. "Nicht hauptsächlich die Konkurrenz untereinander dreht an der Finanzschraube und bringt die Kleinverlage in Schwierigkeiten, sondern, so erzählt es Daniela Seel, die wachsende Macht der Barsortimenter, die ihren Neukunden Konditionen anböten, die inakzeptabel seien. Wer das Spiel nicht mitspielt, liegt nicht nur nicht in den Buchhandlungen aus - er existiert für die Buchhändler schlichtweg nicht."
In Times mager spottet sich Michael Rudolf über "gefühlte Temperaturen" und all ihre "gefühlten" Schwestern. Auf der Medienseite enttarnt Sebastian Moll den verdeckten Frontmann Armstrong Williams (hier entschuldigt er sich für die Interessensverquickung im Zusammenhang mit Bushs Kinderbildungsprogramm) und die immer dreisteren Bemühungen der amerikanischen Regierung, "Propaganda" und Journalismus zu vermengen. Stephan Hilpold protokolliert Nicolas Stemanns bilderreiche Uraufführung von Elfriede Jelineks "Babel" in Wien. Am Ende meint Hilpold "Quaquaqua". Zu Beginn fühlt er sich wie auf der eigenen Fernsehcouch. "Es war noch ziemlich am Anfang, noch bevor sich die Jungs ganz splitternackt, frech und schamlos vor das Publikum stellten und 'hinschauen!' riefen, da lief die Sitcom Die Jelineks. Aus dem Off wurde geklatscht und gejohlt, wie das eben so ist bei diesem Fernsehformat, und auf der Bühne machten sich die Darsteller gegenseitig fertig. Besprochen wird außerdem Sam Shepards Stück "Fool for Love" in Corinna von Rads Inszenierung am Schauspiel Frankfurt.
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Die Tageszeitung, 21.03.2005
Gerrit Bartels wird von dieser "unspektakulären, nicht wirklich zwingenden" Ausgabe der Leipziger Buchmesse vor allem die fanatischen Kritikerjünger des Uwe Tellkamp im Gedächtnis behalten, die ihm mit Pathos jeglicher Coleur das Fürchten lehren. "Ein neuer literarischer Heiland ist uns geboren! Und nicht nur ein literarischer, sondern ein ordentlich nationalbewusster dazu, und mit diesem können wir sie endlich hinwegfegen, die Spaßguerilla, die Ironiker, die alten 68er mit ihren 'Wohlstandshintern'!"
"Unwirklich, sinnlos, aber berauschend schön wie ein Akkord von Richard Wagner." Niklaus Hablützel kann aus Bernd Eichingers Fassung des "Parsifal" an der Berliner Staatsoper zur eigenen Verwunderung keine Bedeutung herauspressen und gibt sich schließlich Musik und Bildern hin. "Barenboim hat keine Hemmungen, jeden noch so trivialen Reiz dieser Partitur auszukosten, und Bernd Eichinger hat zumindest den Kern der Sache ebenso gut verstanden. Er sucht keinen tieferen Sinn in dem Gefasel der Gralsritter, er sucht Einstellungen für die richtigen Bilder zu dieser Endlosmusik. Und er findet sie dort, wo er herkommt. In Hollywood, im großen Kino aus den großen Studios. Das ist sehr gut, enttäuscht jedoch systematisch alle Erwartungen der Wagner-Gemeinde, und zwar sowohl der Anhänger wie der Feinde. Kein Skandal, nirgends, keine Nazis und keine Schwulen, nicht mal ein bisschen kritische Dekonstruktion".
In der zweiten taz kommentiert Bettina Röhl das geplante Anti-Diskriminierungsgesetz (hier der Gesetzesentwurf als pdf). Jan Feddersen registriert, dass nicht mal das "alternative Milieu" dem angezählten rot-grünen Parteienbündnis eine Träne nachweint. Außerdem meldet er, dass der Libanon nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen darf, weil er Israels Beitrag ignorieren wollte. Peter Unfried denkt über den Beitritt zu den weinschlürfenden "Gastro-Linken" nach. Im Medienteil schildert Jenni Zylka den Abend der Grimme-Preis-Verleihung in Marl, das so überhaupt nicht Hollywood ist. "Statt angesäuselte Filmstars in schummerigen Ecken knutschen zu sehen, diskutiert man hier auch nach drei Uhr noch lieber über Qualitätsfernsehen."
Und Tom.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2005
Gerhard Stadelmaier, der große Theaterkritiker, ist mal wieder verzweifelt. 2005 ist Schillerjahr, und das deutsche Theater bringt nur unernste Aktualisierungen. Doch den Tell zum Beispiel, den würde Stadelmaier gern mal sehen: "Diese große, einsame, mit sich, seiner Wut, seiner Ohnmacht, seiner Welt völlig allein gelassene Figur, diesen Tell, der auf das eigene Kind schießen muss, der nirgends mitmachen will, aber zum Meuchelmörder werden muss, damit andere, die ihm herzlich egal sind, ihre Freiheitsschäfchen ins trockene bringen, diesen Eigenbrötler, diesen Mann, der sich seine Welt, seine Berge, seine Existenz zusammendichtet wie ein Bauernlyriker, der aus dem schönsten Versmaß heraus den Pfeil zum Tyrannenmord zieht, diesen Kerl, durch den plötzlich ein Riss geht: zwischen Fühlen und Müssen, Geschichte und Subjekt, diesen zerrissenen Modernen..."
Weitere Artikel: Christian Geyer verfasst der Buchmesse erbauliche Betrachtungen zum Abschluss der Leipziger Buchmesse. Jordan Mejias liest amerikanische Zeitschriften, die sich mit der restrikiven Informationspolitik der amerikanischen Regierung befassen. (Er zitiert hier unter anderem einen Artikel von Lori Robertson in der American Journalism Review).
Auf der Medienseite porträtiert Karen Krüger Annette Ernst, einst Wetterfee beim Hessischen Rundfunk, die jetzt für "Kiss and Run", ihren ersten Spielfilm, den Grimme-Preis erhielt. Michael Seewald stellt die junge Schauspielerin Pauline Knof vor, die heute Abend im ZDF-Film "Durch Liebe erlöst" mitspielt. Und Michael Stabenow berichtet, dass deutschsprachige Medien in Belgien an Terrain verlieren.
Auf der letzten Seite erinnert Frank-Rutger Hausmann daran, dass der spätere bosnische Nobelpreisträger und Künder der Harmonie Jugoslawiens Ivo Andric zur Zeit des Zweiten Weltkrieg Botschafter in Berlin war und auch Beziehungen zu Carl Schmitt unterhielt. Dieter Bartetzko meditiert über Donald Trump, den heraufziehenden Manchesterkapitalismus und Hochhausbauten in Frankfurt am Main. Und Peter Brosche stellt richtig, dass Johann Sebastian Bach nicht am 21. März, sondern - nach heutiger Rechnung - am 31. März geboren wurde, denn seinerzeit galt noch der julianische Kalender.
Besprochen werden die Uraufführung der Choreografie "Frank Bridge Variations" von Hans van Manen in Amsterdam, ein Auftritt des Autors Tad Williams auf der lit.Cologne, Bernd Eichingers "Parsifal"-Inszenierung unter Daniel Barenboim an der Berliner Staatsoper ("Fast alle Partien sind aus dem Hausensemble besetzt. Es wird, bis in die Nebenrollen hinein, hinreißend klangschön und sauber gesungen, dazu genau artikuliert", versichert Eleonore Büning und auch, dass Eichinger als Opernregisseur nicht geeignet sei), Elfriede Jelineks neue "Textfläche" (so Erna Lackner) "Babel" in Wien, die Ausstellung "Jüdische Identität in der zeitgenössischen Architektur" im Jüdischen Museum Berlin und Sachbücher, darunter ein Buch über den Vatikan und die Juden.
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Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2005
Lilo Weber unterhält sich mit Regisseur Woody Allen über seinen neuen Film "Melinda und Melinda" und die Tragik des Lebens: "Es gibt nicht so etwas wie das Tragische und das Komische - alles ist tragisch. Die einen Menschen sehen das Leben als Tragödie und halten Tragödien aus, andere sehen das Leben so tragisch, dass sie darüber Witze machen - weil sie nichts anderes zu tun wissen. Das Leben ist tragisch für beide. Dasselbe gilt für Filme. Man kann sich 'Ladri di biciclette' von Vittorio De Sica oder 'Das siebte Siegel' von Ingmar Bergman anschauen und sieht einen traurigen Film über Leben und Tod, dann schaue ich mir einen Fred-Astaire-Film an und sehe eine wunderbare Flucht davor. Beide sind tragisch. Einer versucht der Tragödie zu entfliehen, aber das gelingt nur für kurze Zeit. Der andere flieht nicht, sondern entwickelt das Drama aus der Tragödie heraus. Im Endeffekt ist alles Tragödie."
Weiteres: Trotz aller Wachstumszahlen hat Roman Bucheli auf der Leipziger Buchmesse "viele lange Gesichter und hängende Mundwinkel" erblickt, was er sich mit der generellen "Gemütslage in Deutschland im Jahr sechzehn nach der Wende" erklärt. Und für Roman Hollenstein geht die Verleihung des Pritzker-Preises, des Nobelpreis für Architektur, an den Amerikaner Thom Mayne vom Büro Morphosis völlig in Ordnung.
Besprochen wreden die Ereignisse vom Wochenende: "Speziell lustig ist es nicht. Intelligent und - bei aller Drastik - subtil schon", schreibt Barbara Villiger Heilig über Nicolas Stemanns Inszenierung von Elfriede Jelineks "Babel" in Wien, die sie als brillantes Moralkunstwerk erlebt hat. "Endlich wieder einmal Oper, wie man sie sich erträumt, aber so selten mehr bekommt", seufzt Peter Hagmann behaglich nach der Aufführung von Benjamin Brittens "Peter Grimes" bei den Osterfestspielen Salzburg. Außerdem besprochen wird Samuel Schwarz' "Andorra"-Inszenierung in Basel.
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Der Tagesspiegel, 21.03.2005
Auch Christine Lemke-Matwey hat Bernd Eichingers "Parsifal" an der Berliner Staatsoper gesehen - und fand ihn fürchterlich: "Wo Leute vom Fach wie Wieland Wagner, Ruth Berghaus oder Peter Konwitschny im Angesicht des 'Parsifal' noch Weltpakete schnürten und mit roten Backen nach verborgenen Botschaften buddelten, da gibt sich der Kinomensch Eichinger schlicht naiv. Man kann das ehrlich nennen oder feige oder dumm. In jedem Fall führt dieser andere, vermeintlich unbescholtene und freie, ja gleichsam 'erlösende' Blick, der Blick des Dilettanten nämlich - und das ist eine sich wiederholende Beobachtung zum Thema 'Filmemacher in der Oper' -, schnurstracks dorthin zurück, wo die Opernregie vor gut einem halben Jahrhundert begonnen hat, ihr sprichwörtliches Bärenfell abzuschütteln. Das wiederum interessiert alle selbsternannten Opern-Piraten herzlich wenig. Die Welt, sagt Eichinger, und das scheint für das Musiktheater ebenso zu gelten wie fürs Kino, für den 'Untergang' wie für Richard Wagner, sie bedeutet nichts, sondern sie ist. Weg also mit dem rezeptionsgeschichtlichen Müll und Schmus! Back to the facts!"
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Süddeutsche Zeitung, 21.03.2005
Jens Bisky freut sich über die differenzierte Auseinandersetzung mit dem als Staatskünstler der DDR verrufenen Bernhard Heisig im Leipziger Museum der bildenden Künste. "Mit dieser Ausstellung kann eine neue Epoche im Umgang mit Kunst aus der DDR beginnen. 1999 wurde sie in Weimar als Ramsch der Geschichte denunziert, im gleichen Jahr in Apolda nach Spuren des 'Westlichen' durchsucht. Die Ausstellung der Berliner Nationalgalerie 'Kunst in der DDR' wählte den Ausweg in Historismus und Ästhetizismus. Politische Verdammung wie Lob durch das Kunstsiegel scheinen zwei verwandte Möglichkeiten des Ausweichens, beide recht schulmeisterlich . In Leipzig, bald auch in Düsseldorf und Berlin, sind die Widersprüche zu besichtigen, das Ineinander von Größe und Kleinheit. Es war an der Zeit."
Johan Schloemann blickt zurück auf eine ebenso unspektakuläre wie stimmungsvolle Buchmesse in Leipzig. "Je mehr man sich umschaut, desto flüchtiger wird der bestimmende Trend, den die Kritik ebenso gerne ausmachen will wie - siehe oben - eine hin und her geschüttelte, aber im ganzen recht rüstige Buchbranche. Wer alle 2142 Ausstellerstände gesehen hat, wird vielleicht nur einen einzigen ganz unbestreitbaren Trend dieser Buchmesse ausmachen können: den, dass sich der milchkaffeefarbene Cord-Anzug bei jüngeren Freunden des geschriebenen Wortes ungebrochener Beliebtheit erfreut."
"Im leeren Raum zaubert er Welt, meist ohne Möbel, ohne Requisiten, selbst das Licht spielt eine untergeordnete Rolle." C. Bernd sucher gratuliert dem verehrten Theaterregisseur Peter Brook zum achzigsten Geburtstag. Alex Rühle besichtigt verschiedene Arten der Kunst der Abdankung. Arno Orzessek ist sich nach der Abschlusstagung der Kommission zur Mittäterschaft deutscher Wissenschaftler im Nationalsozialismus sicher, dass bald eine "denkbar umfassende Materialsammlung zur wechselseitigen Befruchtung von Wissenschaft und Verbrechen" vorliegen wird. Dank Stefan Raab ist die Grimme-Preis-Verleihung nicht zur reinen Familienfeier ausgeartet, meint Hans Hoff in seinem Report auf der Medienseite. Und auf der Literaturseite berichtet Gerald Schmickl von der wenig beachteten fünften Lit.Cologne.
Besprechungen gelten Bernd Eichingers Inszenierung von Richard Wagners "Parsifal" an der Berliner Staatsoper ("Beobachtungen, wonach Intendant Peter Mussbach und sein Haus bei dieser Aufführung künstlerisch 'baden' gegangen seien, wie die Deutsche Presseagentur gestern meldete, können nicht bestätigt werden, meint Wolfgang Schreiber), Nicolas Stemanns Uraufführung von Elfriede Jelineks "Babel" am Wiener Burgtheater ("die B-Seite der ewigen Jelinek-Leier", ächzt ein genervter Christopher Schmidt), Lasse Spang Olsenders Gangsterkomödie "Old Men in New Cars", der Auftritt John Fogertys von "Creedence Clearwater Revival" in Köln, und Bücher, darunter Jens Baumgartens Untersuchung zur katholischen Bildpropaganda "Konfession, Bild und Macht" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Geheimsache des Heiligen Offiziums
22.03.2010. Die FR übernimmt Christopher Hitchens' Slate-Artikel zur Verantwortung Benedikts XVI. an der Vertuschung der Sexualdelikte in seiner Kirche. Auch die FAZ kritisiert den Papst. Der Tagesspiegel besucht den Kölner Ground Zero um das versehentlich geschleifte Stadtarchiv und stößt auf das schiere Nichts. In der SZ erklärt der Philosoph Wolfram Eilenberger sein Misstrauen gegen den allseits kompatiblen Begriff der Nachhaltigkeit. Die Meldung vom Tod Wolfgang Wagners kam zu spät für die Zeitungen. Mehr lesen
Muss ich etwas zu sagen haben?
20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen
Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche
19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen
Arrondierte Männergruppen
18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach
17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten. Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen





