Stöbern nach Themen

Durchsuchen Sie unsere Bücherdatenbank nach Themen, Ländern, Epochen, Erscheinungsjahren oder Stichwörtern.

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

28.08.2004. In der Welt demontiert Fritz J. Raddatz den spanischen Romancier Javier Marias. Die Berliner Zeitung verrät, was das präziseste und perfideste ist, das je über den Ersten Weltkrieg geschrieben wurde: "La Valse" von Ravel. Die SZ besucht die Passionsfestspiele von Oberjammergau. Die taz besucht Fatih Akin in Istanbul. Und Björks neue CD wird allenthalben viel besprochen. In der NZZ schreiben Louis Begley, Kurt Flasch, Paula Fox und viele andere übers Altern.

Welt, 28.08.2004

"Die Literaturgeschichte weiß von vielen Misskennungen", weiß Fritz J. Raddatz und hat noch eine weitere erkannt: den allseits gepriesenen spanischen Autor Javier Marias: "In gewisser Weise muss jedes Kunstwerk klüger sein als sein Schöpfer, dessen Teil sie zugleich sind, Haut von seiner Haut, Herz von seinem Herz, Blut von seinem Blut. Ob Komponist, Maler oder Schriftsteller: was er unternimmt, ist eine Bluttransfusion, und kein Buch - von Peter Handke bis Philip Roth - wird ohne diese geschaffen... Marias hat das umgekehrte Verfahren gewählt. Es ist anämisch. Er hat wunderbare Gedanken - etwa über die verstreichende Zeit, das Alter -, aber er pappt sie farblosen Sprechpuppen an. Es gibt in diesem knapp 500-Seiten-Roman nicht einen einzigen Menschen, dem er Leben einhaucht."

"Sogar wir Israelis haben noch ein Recht auf Intimsphäre und Privatleben, auf Liebe und Eifersucht", stellt der Schriftsteller David Grossmann im Interview über sein neues Buch "Das Gedächtnis der Haut" dar, in dessen beiden Geschichten es nicht um Besatzung und Terror, sondern persönliche Verletzungen geht. "Wir leben seit einigen Jahren in einer Realität, die uns die Zerbrechlichkeit aller Körper vor Augen führt. Wir haben Menschen gesehen, die in Stücke zerrissen wurden. Wir haben Enthauptete gesehen. Alles erscheint uns so fragil, so unsicher. Es gibt nicht einmal mehr die Illusion, dass wir einem anderen menschlichen Wesen trauen oder an etwas glauben können."

nach oben

Berliner Zeitung, 28.08.2004

"Was immer über den Ersten Weltkrieg geschrieben worden sein mag - weniges ist so knapp und klug, präzis und perfide wie Maurice Ravels 'La Valse' von 1920", behauptet Jan Brachmann in der Berliner Zeitung. "Durch die Wolken der dreifach geteilten Kontrabässe beginnt der Landeanflug auf Wien. Wir schreiben das Jahr 1855, zwei Jahre bevor man die alten Stadtmauern schleifte und mit der Ringstraße das moderne Wien entstand. Die folgende Viertelstunde jagt, eins-zwei-drei, durch sechzig Jahre Geschichte. Prachtvoll reiht sich Walzer an Walzer. Die Bratschen bekommen einen Schluckauf vom Champagner. Alles dreht sich: immer schöner, immer schneller, immer lauter. Johann Strauß' 'Schatz-Walzer' holt orkanischen Schwung, rast, jauchzt und dann - ein Bacchanal aus Senfgas und Schrapnell."

Stichwörter: Wien

nach oben

SZ, 28.08.2004

Unterm Titel "In Oberjammergau" setzt die SZ-Redaktion das Jammern über das von ihr allenthalben wahrgenommene Gejammer fort. Alex Rühle hat 16 Thesen zum Jammern verfasst, hier Nummer 13: "Helmut Kohl hat es schon vor Jahren gewusst: 'Die Deutschen sind auf sehr unsympathische Weise Weltmeister im Jammern'. So ist es eigentlich merkwürdig, dass das Wort noch nicht in den internationalen Wortschatz eingegangen ist wie etwa the Leitmotiv oder le Waldsterben: The German Jammer." Gerahmt ist die Jammer-Seite mit Jammer-Sätzen zu den verschiedensten Jammer-Themen, von Olympia bis Bayreuth.

Weitere Artikel: Fritz Göttler erzählt, wie es dazu kommt, dass es nun gleich zwei Versionen der dritten Fortsetzung des "Exorcist" gibt - wenn auch nur eine davon gerade in die US-Kinos gelangt ist (hier die Übersicht über die denkbar schlechten Kritiken). C. Bernd Sucher jammert über Peter Ruzicka, der die Salzburger Festspiele nach Gerard Mortiers Ära mit großem Publikumserfolg in die Langeweile geführt habe. In einem großen Interview stellt sich Christian Thielemann der Leserschaft vor, der künftige Chef der Münchner Philharmoniker. Nicht sehr freudig begrüßt, ja geradezu bejammert ("Chaos voran") wird die neueste Auflage des Duden. Robin Detje hat im Flughzeughangar Neuhardenberg Martin Wuttkes "Solaris"-Version gesehen und den "Raureif der deutschen Reformdepression" dazu. Holger Gertz berichtet von zwei Olympia-Begleitausstellungen.

Auf der Literatur-Seite informiert Lothar Müller über Goethes Autografen-Manufaktur. Jens Bisky referiert die hitzige Debatte um Goethes Plädoyer für die Todesstrafe für eine Kindsmörderin. Den Doppel-Goethe gibt's im übrigen zu seinem heutigen 255. Geburtstag. Im Interview geht es um die nun wohl gesicherte Zukunft der rotfuchs-(Kinderbuch)-Sparte bei Rowohlt. Besprochen wird Martin Pollacks "Der Tote im Bunker" (mehr in der Bücherschau ab 14 Uhr.)

Im Aufmacher der SZ am Wochenende klagt, schimpft und jammert Hans-Jürgen Jakobs über das "Doof-TV" der Gegenwart und Zukunft: "Ja, wir zeigen wirklich alles: Kein größerer Privatsender kann sich mittlerweile dem Echte-Menschen-Zoo entziehen. Alle sind vom selben Virus erfasst und kommen so fast zur gleichen Zeit auf ähnliche Programmsensationen. In der Provokation zeigt sich die Zunft gleichmacherisch - ein einmal gefundener Trend wird von allen so flugs ausgebeutet, dass bald nichts mehr davon übrig bleibt." Kurt Kister jammert, ein Bundesrats-Handbuch aus dem Jahr 1976 in der Hand, über Deutschland, vor allem im August: "Im August schläft man schlecht, hat Autounfälle und beneidet all jene, die mit ihren kleinen Kindern am Meer sind. Der August ist ein böser Monat."

Außerdem: Marc Fischer klettert auf einen Briefkasten. Bernd Graff feiert den i-Pod und dessen Designer Jonathan Ive. Oliver Storz erzählt vom "Leid der heißen Tage" und von "Muschi, dem Wischer" - eine Freibadgeschichte. Im Interview berichtet der Schriftsteller und Dauerläufer Günter Herburger, wie er, ein einziges Mal in seinem Leben, einen Marathon auf Zeit gelaufen ist: "Jedenfalls, in Berlin dachte ich, an der Gedächtniskirche steht mein schöner Sohn unter den Zuschauern, der will doch den tollen Papa sehen, da habe ich alle vor mir aufgerollt und hetzte den Kudamm hinauf... Es hat nichts genützt. Geschämt hat er sich, weil ich so erschöpft war im Ziel. Ich schwitzte und fror und hab mich auf dem Kudamm nackt ausgezogen, was einem ja wurscht ist, wenn man völlig von Sinnen ist."

Anzeige

Twitterfeed der Verlage

nach oben

TAZ, 28.08.2004

Jürgen Gottschlich hat Fatih Akin besucht - und zwar auf dem Set des Dokumentarfilms, den der Bärengewinner gerade in Istanbul dreht. Über dreizehn Musiker und Bands, im Grunde aber über die Stadt selbst: "'Istanbul brennt schon jetzt, der Trend läuft auf die Stadt zu.' Zweifellos wird Akin dazu beitragen, dass dieser Trend auch von anderen entdeckt wird. Im Film werden insgesamt 13 Istanbuler KünstlerInnen porträtiert. Er zeigt sie jeweils in ihrer Umgebung, in ihrem Stadtteil, und wird also en passant ein Mosaik der Stadt entwerfen. 'Wir zeigen kein Postkarten-Istanbul, aber auch nicht die neue globalisierte Stadt. Es wird ein Film über das Istanbul an der Schwelle zum Umbruch. Die Stadt vor einem EU-Beitritt, die Stadt vor dem angekündigten großen Erdbeben. Eine Stadt, die es so wahrscheinlich bald nicht mehr geben wird.'"

Weitere Artikel: Brigitte Werneburg berichtet von der Baden-Badener Ausstellung "Gegen den Strich" über neue Tendenzen der Zeichnung. Besprochen werden Martin Wuttkes Neuhardenberger "Solaris"-Inszenierung und der "Metallica"-Dokumentarfilm  "Some Kind of Monster".

In der zweiten taz schimpft Jan Feddersen sehr über die öffentlich-rechtliche Olympia-Berichterstattung: "Denn allen Quoten zum Trotz ist ja die öffentlich-rechtliche Olympiaberieselung, die seit gut zwei Wochen waltet, eine Verdummungsmaschine. Rund um die Uhr nur Schnipsel - beachtet wird fast nur, was deutsche Siege verheißt." Robin Alexander macht sich Gedanken zum Medaillenspiegel: "Was sagt uns diese Statistik? Genau: gar nichts." Über neue Internet-Protestformen berichtet Martin Reichert.

Für das taz mag hat Anita Blasberg einen Sweatshop besucht - mitten in London: "Die New Economy von Betsy Jones, 43, befindet sich hinter einer Stahltür im dritten Stock eines schäbigen Mehrzweckbaus. Sie ist voll gestellt mit Sperrmüll, und ihre Fensterscheiben sind mit Pappe beklebt. Sie ist laut und kalt, und sie stinkt nach Pisse. Etwa fünfzehn dunkelhäutige Menschen sitzen hinter Nähmaschinen. Betsy Jones ist weiß, sitzt mitten in dem Rattern und dem Müll. Mit geschwollenen Fingern näht sie Knöpfe an Blusen, ein paar hundert pro Stunde. Die Blusen kosten im Laden fünfzig Pfund, drei Pfund die Stunde sind für Betsy Jones."

Außerdem: Mia Raben interviewt den Schriftsteller Hussain Al-Mozany, der nach fünfundzwanzig Jahren das erste Mal wieder seine Heimat, den Irak besucht hat. Ob er Erfreuliches gesehen hat: "Eigentlich nur, dass die Iraker wieder ihre Meinung sagen dürfen. Ansonsten gibt es nichts Fröhliches in diesem Land. Die Besatzung hat ein hässliches Gesicht. Die Regierung ist korrupt. Die Menschen sind verwahrlost. Sie werden bombardiert, umgebracht - und niemand kümmert sich." Gesine Kulcke informiert über humanitären Glamour-Export in Krisengebiete. Izabela Jopkiewicz erinnert daran, dass der Flughafen Tempelhof einst ein beliebtes Ziel polnischer Flugzeugentführer war.

In der Rezensionsabteilung: An politischen Büchern werden Giorgio Agambens Studie zum "Ausnahmezustand", Neues vom Neokonservatismus aus der Feder Hermann Lübbes besprochen, an Belletristischem unter anderem Erzählungen von Andre Dubus III. (Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.)

Und Tom.

nach oben

FR, 28.08.2004

Thomas Venker bespricht sehr ausführlich "Medulla", die neue CD von Björk. Er hat die Künstlerin zudem zum Interview getroffen, in dem man Dinge wie diese erfährt: "'Ich war plötzlich von den instrumentalen Parts gelangweilt wie ein Teenager. Wenn ich in den letzten zwei Jahren betrunken in Bars war, hat mich die elektronische Musik immer genervt. Sie war überall. Also haben wir oft die Musik ausgemacht und zusammen gesungen: einer den Beat, der andere die Bassline. Es war sehr lustig, betrunken alte Rave-Klassiker oder Techno-Tracks zu singen.' Ihr Produzentenduo Matmos ahnte es zuerst: Das neue Album würde nur aus Stimme bestehen, Björk war zu radikalsten Mitteln bereit. Und so klingt Medulla genau so, wie man sich das jetzt vorstellt: schwierig goutierbar."

Weitere Artikel: Rene Aguigah macht sich nach dem Rowohlt-Abschied vom Kursbuch Gedanken über Gegenwart und Zukunft der Kulturzeitschriften. Es gibt Erklärungen für die Krise, aber es bleiben auch offene Fragen: "'Es gibt einen neuen Hunger nach vertiefenden Texten', davon ist Elisabeth von Haebler, Redakteurin von Ästhetik & Kommunikation, überzeugt. 'Deshalb dürfte es den Zeitschriften nicht so schlecht gehen, wie es ihnen geht.'" 

Außerdem: Kirsten Liese interviewt Kirsten Harms, die erste Intendantin der Deutschen Oper in Berlin. Thomas Medicus berichtet von der Fotoausstellung "China. Change" im Berliner Fotografiezentrum c/o Berlin. Rudolf Maria Bergmann stellt das im fränkischen Thalmässing errichtete Pfarr- und Jugendheim des Architekten Andreas Meck vor. In Times Mager geht es um Tattoos und Rudis Ruhestand. 

nach oben

NZZ, 28.08.2004

Pünktlich zum Goethe-Geburtstag wartet der ukrainische Essayist Juri Andruchowytsch (mehr hier) mit hübschen Reminiszenzen an den Deutschunterricht seiner frühen Jahre und eben Goethe auf: "Faust hieß der riesige schwarze Kater unserer Nachbarn, ein äußerst mystisches Geschöpf. Endlich verstand ich! Über jemanden wie ihn sein wichtigstes Lebenswerk zu schreiben, war wirklich eine Aufgabe, der nur ein Genius gerecht werden konnte."

Samuel Herzog berichtet, dass es nach längerem Hin und Her nun doch zur ersehnten Erweiterung des Kunstmuseums Bern kommen kann. Gabriele Detterer begeht die vom Architekten Claudio Silvestrin gestaltete Luxusbäckerei Princi, Bread & Breakfast in Mailand.

Besprochen werden eine Installation von Isa Genzken in München, Beethoven-Konzerte mit Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin beim Lucerne Festival und einige Bücher.

Die Beilage Literatur und Kunst sammelt nach einem Editorial Martin Meyers " Stimmen, Ideen, Anekdoten zu einem Thema, dessen Aktualität keiner umständlichen Nachweise bedarf", nämlich zum Altern.

György Konrad rät im Aufmacher: "Langsamer werden bis zur Kontemplation." Louis Begley schildert, wie er in "Versandhausparka, Manchesterhosen und Freizeitschuhen durch die Fifth Avenue" bummelt und wie ihn die Sorge, dass ehemalige Anwaltskollegen ihn so sehen könnten, immer weniger umtreibt. Paula Fox klingt weniger heiter: " Sogar wenn man von körperlichen Übeln verschont ist, kann sich das Alter selbst wie eine Krankheit anfühlen." Adolf Muschgs Text beginnt scheinbar harmlos: " Älterwerden finde ich schön." Michael Hamburger insistiert, dass die Beschränkungen des Alters auch als Befreiung gesehen werden können: "Dazu gehört das Aufräumen im Kopf, das Vergessen der zu vielen Namen und Daten, jene Amnesie, die ich in einem Gedicht als 'Muse des Alters', nicht ohne Ironie, gefeiert habe." Kurt Flasch zeigt, dass man auch im Alter noch zu kleinen Bosheiten fähig sein kann: "Philosophie selbst ist ins Greisenalter gekommen, daher leben Greise gut mit ihr. Was speziell die deutschen Denker angeht, so sind viele Beobachter froh, dass sie auf diese Weise nicht, wie einige ihrer Vordenker, größeren Schaden anrichten." Heinz Berggruen konstatiert: "Was mich erschreckt, ist, dass ich immer häufiger von einer Minute zur anderen nicht mehr weiß, was ich tun oder was ich sagen wollte." (Verdammt, das geht mir doch auch schon so!) Der Psychoanalytiker Paul Parin rät zu höherem Drogenkonsum. Und Hans Maier fühlt sich auch "nach 70" ganz wohl.

nach oben

FAZ, 28.08.2004

Der Rechtschreibkritiker Theodor Ickler (mehr hier) entlarvt im vierspaltigen Aufmacher den neuen Duden als "Desaster für den Schulunterricht". Als Leitglosse wird pünktlich zum Geburtstag des großen Dichters eine Textpassage Goethes über das "tapfere Wollen" der Jugend präsentiert. Gerhard Rohde blickt zurück auf Salzburg 2004. In einer Meldung wird zugleich das Programm der Salzburger Festspiele für 2005 bekannt gegeben - unter anderem wird die Oper "Die Gezeichneten" von Franz Schreker aufgeführt. In einer weiteren Meldung wird aus einer Liste der bedeutendsten Afrikaner zitiert, die in einer Umfrage des Magazins New African ermittelt wurden. Jürgen Dollase denkt in seiner Gastrokolumne unter Zuhilfenahme Kants und weiterer Philosophen über den Begriff des Geschmacks nach. Jordan Mejias empfindet die Amerikaner bei den Olympischen Spielen als glanzlose Sieger. Tobias Döring ernennt Joseph Conrads "Herz der Finsternis" zu seinem Lieblingsbuch. Ferner wird ein deutsch-argentinisches Kulturfestival annonciert, das parallel in Berlin und Buenos Aires startet. "tens" stellt die Skulptur "Global Balance" von Josef Hack vor, die während der Olympischen Spiele in Athen zu besichtigen ist. Sebastian Klusak präsentiert einen an der Uno erarbeitetem Entwurf für eine bindende Menschenrechtskonvention zum Schutz Behinderter. Jörg Albrecht resümiert das European Science Open Forum in Stockholm, mit dem europäische Wissenschaftler erstmals den so bedeutenden Jahrestagungen der AAAS in den USA Konkurrenz machten.

In der ehemaligen Tiefdruckbeilage präsentiert Iring Fetscher ein historisches Denkstück über die Bedeutung des orientalischen Despoten Timur Leng (mehr hier) bei Goethe und bei Marx. Hans-Christian von Herrmann und Christoph Hoffmann erinnern an den Philosophen Max Bense, der den " geistigen Menschen und die Technik" in Einklang bringen wollte.

Auf der Schallplatten-und-Phonoseite werden empfohlen: Chatschaturians Violin- und Cellokonzerte, Hörstücke nach Grimm von Rolf Riehm und Heiner Goebbels, eine elektronisch experimentelle CD der Kölner DJ-Combo Mouse On Mars, eine CD der im deutschen Feuilleton sehr angesagten Libertines und eine CD mit Violinwerken von Penderecki.

Auf der Medienseite schreibt "acba" mit der seltsamen Unterzeile "Der italienische Reporter Enzo Baldoni fand im Irak den Tod" über den Mord an dem Journalisten, der von den frommen Tätern auf einem Snuff Video festgehalten wurde.

Auf der Literaturseiten werden Peter Careys Roman "Mein Leben als Fälschung", Lars Gustafsson Roman "Der Dekan" und William Gibsons Roman "Mustererkennung" besprochen (siehe unsere Bücherschau ab 14 Uhr).

Besprochen werden außerdem ein Dvorak-Konzert der Tschechischen Philharmonie beim Schleswig-Holstein Musik Festival und die Installation "My Madinah" von Jason Rhoades in der Lokremise Sankt Gallen.

In der Frankfurter Anthologie stellt Walter Jens ein humoristisches Gedicht von Theodor Fontane vor - "Summa Summarum:

Eine kleine Stellung, ein kleiner Orden
(Fast wär ich auch mal Hofrat geworden),
Ein bisschen Namen, ein bisschen Ehre,
eine Tochter "geprüft", ein Sohn im Heere,
Mit siebzig 'ne Jubiläumsfeier,
Artikel im Brockhaus und im Meyer...

nach oben

Drucken | Empfehlen auf Facebook | Twittern | Share on Google+

Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

Gesamtes Archiv Heute in den Feuilletons