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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

19.08.2004. In der Zeit entlarvt Dieter E. Zimmer die Rechtschreibdebatte als rührende Veranstaltung von Leuten, die noch schreiben können. Die NZZ meldet bereits österreichische Separationsbestrebungen. Die SZ vermisst die gute alte alte Linke mit ihrem hübschen blutroten Farbenspektrum. Die FAZ ruft auf, die Versprechen der westlichen Zivilisation endlich einzulösen. Die FR meldet: Berlin von Kapitalismus voll erfasst.

Zeit | NZZ | TAZ | SZ | Welt | FR | FAZ

Zeit, 19.08.2004

"Die neue Rechtschreibung ist kein finsteres Bürokratenwerk und vergewaltigt nicht die deutsche Sprache." Im Aufmacher des Feuilletons fegt Dieter E. Zimmer die Argumente der "Konterreformer" vom Tisch und macht auf ein ganz anderes Problem aufmerksam: "Wer sich die Mühe macht, im Internet nachzuforschen, wie 'das Volk' tatsächlich schreibt, wenn ihm dabei niemand auf die Finger sieht, dem werden die Augen übergehen. Wir ziselieren verbissen an der Orthografie von 1901 herum, zerraufen uns die Haare, ob man 'Delphin' vielleicht auch 'Delfin' schreiben kann, und draußen im Leben schreiben sie ihn 'Dälfihn' oder 'dell Fien', wie es gerade kommt, weil dort schon vor der Reform das Bewusstsein verloren zu gehen begann, dass es überhaupt eine Orthografie gibt und man sich an sie halten sollte. Abhanden aber kommt es nicht wegen irgendeiner Rechtschreibreform, sondern weil die Leute aus der Schrift- in die Bildkultur abwandern und immer weniger, immer unwilliger, immer unaufmerksamer lesen. Um die weitere Ausbreitung der Schreibschwäche zu stoppen, müsste diese Leseschwäche überwunden werden, sonst sind alle Orthografien perdu."

Illustriert ist der Artikel mit zwei wunderbaren Zeichnungen des Karikaturisten Manfred Deix. Und es gibt es eine kleine Typenkunde der Reformgegner.

Weitere Artikel: "Rettet den Palast der Republik", fordert Hanno Rauterberg in der Leitglosse. Denn erstens sei der Abriss viel zu teuer und zweitens würde für Jahrzehnte eine hässliche Leerstelle bleiben. Der Philosoph Manfred Frank widmet dem vor 150 Jahren verstorbenen Friedrich Wilhelm Schelling eine ganze Seite. Der Schriftsteller Günter Herburger testet die 42 Kilometer lange historische Route des olympischen Marathonlaufs; daneben finden Sie im Internet eine Fotoserie von Rainer Rehfeld, der auf jedem Kilometer ein Bild gemacht hat. Jens Jessen hat beim Festival in Pesaro begriffen, warum Rossini in Italien so viel besser gespielt wird als bei uns: "Das liegt vor allem an den Sängern ... Vielleicht wachsen die Tenöre und die Mezzosoprane in Italien wie die Oleander auf dem Mittelstreifen der Autobahn." Volker Ullrich schreibt zum Tod des Historikers Wolfgang J. Mommsen, Werner Sewing zum Tod des Architekten Josef Paul Kleihues.

Besprochen werden Pitofs Film "Catwoman", Jim Jarmuschs Film "Coffee and Cigarettes", Jacques Rivettes Film  "Die Geschichte von Marie und Julien" und Björks neues Album "Medulla" ("Das lateinische Wort, das direkt aus der Naturlehre der Hildegard von Bingen zu stammen scheint, bezeichnet das Mark von Mensch, Tier und Pflanze, also das Innerste aller Lebewesen", informiert Thomas Groß und führt uns daneben auch noch in die neueste Entwicklung der Sampling-Technik ein.)

Im Literaturteil stellt Elisabeth von Thadden drei neue Verlage vor, die der Krise des Buchmarkts "trotzen": der Verlag Heinrich von Berenbergs, das "Ein-Mann-Unternehmen" Matthes & Seitz Berlin und Siedler Junior. Buchbesprechungen widmen sich unter anderem Jeremy Rifkins "Der Europäische Traum" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Im Politikteil erklärt Dan W. Brock, Leiter der Abteilung für medizinische Ethik an der Harvard Medical School, auch den Klon für frei geboren. Das Dossier ist dem fatalen Siegeszug des Mais gewidmet. Im Wirtschaftsteil untersucht Wolfgang Uchatius die weibliche Seite der Globalisierung: das ausländische Dienstmädchen. Jim O'Neill, Chefsvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs, kritisiert im Interview die Dogmengläubigkeit deutscher Volkswirte, die eine Ankurbelung des Konsums verhindert: "Die Bundesregierung sollte an alle Haushalte Schecks verteilen, die sofort eingelöst werden können. In Amerika hat die Fiskalpolitik so das Wachstum unterstützt, als es notwendig war. Der Effekt auf den Konsum und damit auf das Wachstum ist deutlich größer, als wenn man zum Beispiel die Unternehmenssteuern senkt. Dafür müssten die deutschen Ökonomen nur ein bisschen mehr Einfallsreichtum entwickeln."

Auf der Wissensseite finden wir ein ganzseitiges Interview mit dem Paläobiologen und religiösen Darwinisten Simon Conway Morris über das Entstehen intelligenter Wesen - im Himmel wie auf Erden. Niels Boeing stellt die 35-jährige amerikanische Chemikerin Angela Belcher vor, der "die fantastische Synthese von Biologie und Halbleitertechnik" gelingt. Und im Leben spricht der Schriftsteller Erich Loest über Montagsdemonstrationen und die SPD. Der, meint er, fehlt vor allem "ein Gespür dafür, wie es Massen von benachteiligten Leuten geht".

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NZZ, 19.08.2004

Paul Jandl stellt das österreichische Manifest zur Rechtschreibung vor, in dem Autoren wie Robert Schindel und Marlene Streeruwitz ein Ende der "Parameter aus Mannheim" fordern. Doch sie wollen noch mehr als nur die Rechtschreibreform verweigern: Österreichisch soll endlich als eigenständige Sprache anerkannt werden. Wo das hinführen könnte, malt sich Paul Jandl aus: "Wenn alles klappt mit der Forderung 'Österreichisch als eigene Sprache' (Unterschriftenlisten liegen auf), könnte eines Tages zu den unzähligen EU-Dolmetschern ein weiterer kommen. Er würde Wörter wie 'Spompernadeln', 'Pamperletsch', 'Simandl' oder 'Gspasslaberln' womöglich in 'mudelsauberes' Deutsch bringen. Der österreichische Eros, dem Karl Kraus in einer aphoristischen Skizze mit den genannten Wörtern ein Denkmal gesetzt hat, könnte über den Sprachbürokraten strahlen."

Weitere Artikel: Nick Liebmann spricht mit Nikolaus Troxler, dem Veranstalter des Willisauer Jazzfestivals. Ulrich M. Schmidt sammelt betrübte polnische Stimmen zum Tode von Czeslaw Milosz. Iso Camartin schreibt zum Tod des rätoromanischen Schriftstellers Clo Duri Bezzola.

Besprochen werden eine Ausstellung mit Werken Zoltan Kemenys im Pariser Centre Pompidou, das neue Album von Arrested Development sowie Bücher, darunter eine Monografie über den Künstler und Architekten Max Bill und der Roman "Der letzte Bolero" von Manuel Vazquez Montalban (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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TAZ, 19.08.2004

"Jarmusch also ist seit 25 Jahren bei sich, egal welche Vergangenheiten sich seitdem auf- resp. abgebaut haben, welche Zukunft ihre Bedeutung gewonnen resp. verloren hat. Der Welt ist er vielleicht abhanden gekommen, aber als Resonanztransformator und hochfrequenter Energiespender ist er der, von dem ich sage: Er ist mein Mann", huldigt Dietrich Kuhlbrodt Jim Jarmusch und seinem neuen Film "Coffee and Cigarettes", den er sehr genossen hat.

"Diese 'Wir sind das Volk'-Rufe, ich kann sie nicht mehr hören." stöhnt Barbara Bollwahn in der tazzwei. "Der Satz ist mir schon damals nicht über die Lippen gekommen." Zwar will sie sich nicht die Verzweiflung arbeitsloser Menschen in strukturschwachen Regionen kleinreden: "Aber es bringt mich auf die Palme, wenn Menschen glauben, man müsse nur mit den Füßen aufstampfen, größtmögliche Verzweiflung in vier Worte legen, und schon wird alles gut."

Im Übrigen fragt tazzwei: "Ist Deutschland am Ende?" Und Redakteure antworten. Jan Feddersen beispielsweise mit einem klaren "Nein": "Die deutsche Misere spiegelt sich in der Medaillenausbeute: Man bekommt nichts mehr geschenkt - und nimmt übel. Daran kann übrigens auch Merkel nichts ändern." Sonst gähnt uns aus dem Feuilleton das Sommerloch an: Morten Schwarzkopf berichtet von der 40-Jahr-Feier des Wagenbach-Verlags im sonnigen Garten des Literarischen Kolloquium in Berlin-Wannsee.

Besprochen werden Antoine Fuquas Film  "King Arthur" und Kai S. Piecks Film über den Kindermörder Jürgen Bartsch "Ein Leben lang kurze Hosen tragen", den Dietmar Kammerer allerdings ein bißchen enttäuschend fand.

Und selbstredend Tom.

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SZ, 19.08.2004

"Wo ist das alte Spektrum hin, wo jeder seinen Platz und seinen Nachbarn kannte", fragt Burkkhard Müller, inspiriert vom scheinbar großen Abtrünnigen dieses Sommers, Oskar Lafontaine. Jenes Spektrum, "das sich einst von der Gewerkschaft über die Jusos zu den diversen K-Gruppen erstreckte und darüber hinaus ins Infarot der RAF? .... Den Abstand zwischen Links und Rechts misst heute ein Seufzer der Wehmut aus, der nicht frei ist von einem wohligen Unterton. Und das ist nicht bloß kleinlauter Pragmatismus vor der Übermächtigkeit der leeren Kassen. Die Achse selbst ist verloren. Man wende die Handfläche um, und schon ist der Daumen rechts, der eben noch links war."

Weitere Artikel: Joost Smiers, Politikwissenschaftler an der Kunsthochschule Utrecht, berichtet von den Bemühungen der Unesco um eine Konvention der kulturellen Vielfalt. Sollte das Abkommen "zustande kommen, könnte es Kultur und Künste aus dem von der Welthandelsorganisation (WHO) vorgegebenen Kontext ausschließlich kommerzieller Betrachtung befreien." Mit dem Kunstfest kehrt  Weimar in die "Kultur der Gegenwart zurück", meldet Jens Bisky und feiert Organisatorin Nike Wagner. Lothar Müller befasst sich mit der Rolle der Kunstgeschichte im modernen Kriminalroman und den Rückschlüssen, die man daraus auf den jeweiligen Zustand dieser Wissenschaft ziehen kann.

Alexander Menden berichtet über Pläne des britischen Innenministers David Blunkett, einen biometrischen Personalausweis einzuführen und die Proteste dagegen. Marcus Rothe unterhält sich mit dem Regisseur Yann Samuel über Kindheit, Kino und seinen gelobten Erstlingsfilm "Liebe mich, wenn Du Dich traust". Werner Burkhardt gratuliert dem Jazzpianisten Michael Naura zum siebzigsten Geburtstag. Harald Eggebrecht verabschiedet den Time/Life-Fotografen Carl Mydans, der jetzt 97-jährig gestorben ist. Aus Liverpool, der Kulturhauptstadt des Jahres 2008, erfahren wir, dass dort dem Taxi als "Kulturtaxi" nun Bildung zuwachsen soll. Außerdem wird die löbliche Gründung eines Filmclubs Berlin-Bagdad gemeldet, der DVDs von Filmen sammeln und zeigen will, die bislang im Irak nicht erhältlich waren.

Besprochen werden Jim Jarmuschs neuer Episodenfilm  "Coffee and Cigarettes", Antoine Fuquas Sommerkinospektakel  "King Arthur" und Bücher, darunter Band 6 der Frieda-Grafe-Werkausgabe (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Welt, 19.08.2004

Auf den Forumsseiten stellt der Literaturkritiker Carlin Romano fest: Wenn "Akademiker und Kulturkritiker von 'den Griechen' sprechen, dann meinen sie nicht Melina Mercouri, Costa-Gavras oder irgendjemanden, der in den letzten 2000 Jahren in Griechenland gelebt hat." Wenn wir also "hier über die Menschen sprechen, deren kulturelles Erbe wir zu den Fundamenten der westlichen Zivilisation rechnen, wie kommt es, dass die Experten immer nur bis Phoenix (von Kolophon, circa 285 v. Chr.) kommen, und dann lässt das Interesse schlagartig nach? ... Ist seit Hippias niemand mehr hip gewesen?" So ruft er die Leser auf: "Nehmen Sie diesen Monat zum Anlass, mehr als Nikos Kazantakis ("Alexis Sorbas") und das neueste Yanni-Konzert zur Kenntnis zu nehmen. Nerven Sie den Chefredakteur Ihrer Lieblingszeitung mit dieser Informationslücke. Vergessen Sie Paris."

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FR, 19.08.2004

Wo, bitteschön, kann "man fern drückender Marktverhältnisse seinen eigenen Neigungen derart ungehindert nachgehen und dabei trotzdem gut (über-)leben", fragt Thomas Medicus. Natürlich in Berlin! "Ob man gemäß hier ohnehin immer fragwürdiger bürgerlicher (oder auch realsozialistisch-kleinbürgerlicher) Maßstäbe als Verlierer galt, war in Berlin Nebensache. Zeit war hier jahrzehntelang kein Geld, sondern gleichbedeutend mit einem maximalen Gewinn erfüllter Lebenszeit." Doch wehe: "Die Ökonomie des Durchwurschtelns, das die Selbstinszenierung Berlins als künstlerisch-kulturelles Energiezentrum bis heute nachhaltig bestimmt, ist dabei zu erlöschen."

Nein, die westliche Zivilisation wird nicht vom Islam bedroht, meint der in den USA lehrende ägyptische Jurist Abou El Fadl (mehr hier) in einem Interview mit Monika Jung-Mounib. "In meinen Augen ist die islamische Zivilisation auch ein Teil der westlichen Zivilisation. Der Islam hat in vielerlei Hinsicht zur Entstehung der christlich-jüdischen Zivilisation in Europa beigetragen, seine Ideen haben auch die Reformation und die Aufklärung beeinflusst. Wenn die Neokonservativen den Islam als Teil des christlich-jüdischen Erbes betrachteten, wäre ihre Einstellung gegenüber der muslimischen Welt eine ganz andere. Sie würden einsehen, dass Osama bin Laden die muslimische Welt stärker bedroht als den Westen."

Weiteres: Jürgen Otten sieht das Berliner "Total Music Meeting" endgültig im Versinken begriffen. In der Kolumne Times Mager meditiert Stefan Kaufer über die plötzliche britische Leidenschaft für Birkenstock und Edward Hopper.

Besprochen werden die Ausstellung "After Images" im Neuen Museum Weserburg in Bremen und Bücher, darunter Oliver Hilmes Alma Mahler-Werfel-Biografie (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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FAZ, 19.08.2004

Dietmar Dath liest die Krise der Science-Fiction-Literatur als Symptom der Krise unserer westlichen Zivilisation, die ihre Ideale nicht mal mehr als verglimmende in Raum und Zeit zu projizieren vermag, um in bewegenden Worten zu Einhalt und Rückkehr aufzurufen: "Die universalistischen Versprechen der Westler, der Weißen, der Aufgeklärten an den Rest der Welt sind teils nicht erfüllt, teils gar gebrochen worden. Es kommt, weil das so ist, nicht darauf an, ihre Totalität deshalb katastrophenlüstern zu verabschieden, sondern darauf, sie mit allen vom reichen Westen bereitgestellten Mitteln - politischen, sozialen, ästhetischen - zu erneuern, bis sie eingelöst werden. Das ist eine gigantische Aufgabe, bei der auch universalistische Kunstformen wie der Roman oder die historische Spekulation ihre Rolle spielen können."

Weitere Artikel: Hubert Spiegel stellt den nächsten Feuilletonroman der FAZ vor - es handelt sich um Aufzeichnungen Carl Zuckmayers für das amerikanische Kriegsministerium aus dem zerstörten Deutschland nach dem Krieg. Jürgen Kaube notiert in der Leitglosse die komische Differenz zwischen Medaillen-Erwartungsdruck unserer Sportreporter und den tatsächlichen Resultaten unserer Sportler. Andreas Rosenfelder berichtet aus dem Kölner Arbeitsamt, wo Hartz IV in Feldversuchen bereits erprobt wird. Dirk Schümer erinnert an den "italienischen Adenauer" Alcide de Gaspari, der vor fünfzig Jahren gestorben ist. (Zur Sicherheit bringt auch der politische Teil der FAZ einen ganzseitigen Gedenkartikel über de Gaspari von Prof. Dr. Rudolf Lill.) Wolfgang Sandner gratuliert dem Jazzpianisten Michael Naura zum Siebzigsten. Jürgen Tietz stellt (leider ohne jede Illustration, die wir hier nachliefern) fünf architektonisch innovative Holzhäuser der Architekten Nägeli und Sack in Berlin vor. Mechthild Küpper begrüßt die Renovierung des Abtsgartens im barocken Klostergarten in Neuzelle bei Eisenhüttenstadt nebst historischer Passionsdarstellung. Auf Seite 1 des politischen Teils versucht Christian Geyer in einem Gedenkartikel den "Nutzen Schellings für das Leben" zu ermessen.

Auf der Filmseite begrüßt Hans-Jörg Rother eine Filmreihe des Berliner Arsenalkinos mit Filmen aus den neuen EU-Mitgliedsländern. Bert Rebhandl lässt eine Filmreihe Anne-Marie Mievilles Revue passieren, die ebenfalls in Berlin lief. Und Dirk Schümer berichtet über Dreharbeiten zu einem Casanova-Film in Venedig.

Auf der Medienseite schreibt Oliver Jungen in der Reihe "Stimmen" über die Stimme des Sportreporters Hannes Stein. Roland Zorn führt sich die Olympia-Berichterstattung von ARD und ZDF auf eigens freigeschalteten digitalen Kanälen zu Gemüte. Gemeldet wird, mit welcher Empörung die ARD eine Studie zurückweist, die frech behauptet, dass die Nachrichten in sportreichen Zeiten zurückstehen müssen.

Auf der letzten Seite bereichert Klaus Ungerer die große Traditionen des FAZ-Gedenkjournalismus mit einem Artikel über den hundertsten Jahrestag des ersten Briefbombenattentats der Geschichte, der ohne diesen Artikel womöglich unbemerkt ins Land gezogen wäre. Frank Pergande berichtet aus der ehemaligen NS-Ärzteschule auf dem Gut Alt Rehse, welche zur Gedenkstätte gemacht werden soll. Und Felicitas von Lovenberg porträtiert den Märchen- und Erzählforscher Isidor Levin, der jede Sprache östlich von Frankreich und westlich von China zu beherrschen scheint.

Besprochen werden Jim Jarmuschs kompilierte "Coffee and Cigarettes"- Kurzfilme, die ab heute im Kino laufen, eine Ausstellung über die thüringische Geschichte seit der Renaissance in Schloss Sondershausen, neue Choreografien beim Berliner Festival Tanz im August und ein Konzert des auf Deutschlandtournee befindlichen und offensichtlich legendären Balkanklarinettisten Ivo Papasov in Frankfurt.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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