Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

19.08.2004. In der Zeit entlarvt Dieter E. Zimmer die Rechtschreibdebatte als rührende Veranstaltung von Leuten, die noch schreiben können. Die NZZ meldet bereits österreichische Separationsbestrebungen. Die SZ vermisst die gute alte alte Linke mit ihrem hübschen blutroten Farbenspektrum. Die FAZ ruft auf, die Versprechen der westlichen Zivilisation endlich einzulösen. Die FR meldet: Berlin von Kapitalismus voll erfasst.

Die Zeit, 19.08.2004

"Die neue Rechtschreibung ist kein finsteres Bürokratenwerk und vergewaltigt nicht die deutsche Sprache." Im Aufmacher des Feuilletons fegt Dieter E. Zimmer die Argumente der "Konterreformer" vom Tisch und macht auf ein ganz anderes Problem aufmerksam: "Wer sich die Mühe macht, im Internet nachzuforschen, wie 'das Volk' tatsächlich schreibt, wenn ihm dabei niemand auf die Finger sieht, dem werden die Augen übergehen. Wir ziselieren verbissen an der Orthografie von 1901 herum, zerraufen uns die Haare, ob man 'Delphin' vielleicht auch 'Delfin' schreiben kann, und draußen im Leben schreiben sie ihn 'Dälfihn' oder 'dell Fien', wie es gerade kommt, weil dort schon vor der Reform das Bewusstsein verloren zu gehen begann, dass es überhaupt eine Orthografie gibt und man sich an sie halten sollte. Abhanden aber kommt es nicht wegen irgendeiner Rechtschreibreform, sondern weil die Leute aus der Schrift- in die Bildkultur abwandern und immer weniger, immer unwilliger, immer unaufmerksamer lesen. Um die weitere Ausbreitung der Schreibschwäche zu stoppen, müsste diese Leseschwäche überwunden werden, sonst sind alle Orthografien perdu."


Illustriert ist der Artikel mit zwei wunderbaren Zeichnungen des Karikaturisten Manfred Deix. Und es gibt es eine kleine Typenkunde der Reformgegner.

Weitere Artikel: "Rettet den Palast der Republik", fordert Hanno Rauterberg in der Leitglosse. Denn erstens sei der Abriss viel zu teuer und zweitens würde für Jahrzehnte eine hässliche Leerstelle bleiben. Der Philosoph Manfred Frank widmet dem vor 150 Jahren verstorbenen Friedrich Wilhelm Schelling eine ganze Seite. Der Schriftsteller Günter Herburger testet die 42 Kilometer lange historische Route des olympischen Marathonlaufs; daneben finden Sie im Internet eine Fotoserie von Rainer Rehfeld, der auf jedem Kilometer ein Bild gemacht hat. Jens Jessen hat beim Festival in Pesaro begriffen, warum Rossini in Italien so viel besser gespielt wird als bei uns: "Das liegt vor allem an den Sängern ... Vielleicht wachsen die Tenöre und die Mezzosoprane in Italien wie die Oleander auf dem Mittelstreifen der Autobahn." Volker Ullrich schreibt zum Tod des Historikers Wolfgang J. Mommsen, Werner Sewing zum Tod des Architekten Josef Paul Kleihues.

Besprochen werden Pitofs Film "Catwoman", Jim Jarmuschs Film "Coffee and Cigarettes", Jacques Rivettes Film  "Die Geschichte von Marie und Julien" und Björks neues Album "Medulla" ("Das lateinische Wort, das direkt aus der Naturlehre der Hildegard von Bingen zu stammen scheint, bezeichnet das Mark von Mensch, Tier und Pflanze, also das Innerste aller Lebewesen", informiert Thomas Groß und führt uns daneben auch noch in die neueste Entwicklung der Sampling-Technik ein.)

Im Literaturteil stellt Elisabeth von Thadden drei neue Verlage vor, die der Krise des Buchmarkts "trotzen": der Verlag Heinrich von Berenbergs, das "Ein-Mann-Unternehmen" Matthes & Seitz Berlin und Siedler Junior. Buchbesprechungen widmen sich unter anderem Jeremy Rifkins "Der Europäische Traum" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Im Politikteil erklärt Dan W. Brock, Leiter der Abteilung für medizinische Ethik an der Harvard Medical School, auch den Klon für frei geboren. Das Dossier ist dem fatalen Siegeszug des Mais gewidmet. Im Wirtschaftsteil untersucht Wolfgang Uchatius die weibliche Seite der Globalisierung: das ausländische Dienstmädchen. Jim O'Neill, Chefsvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs, kritisiert im Interview die Dogmengläubigkeit deutscher Volkswirte, die eine Ankurbelung des Konsums verhindert: "Die Bundesregierung sollte an alle Haushalte Schecks verteilen, die sofort eingelöst werden können. In Amerika hat die Fiskalpolitik so das Wachstum unterstützt, als es notwendig war. Der Effekt auf den Konsum und damit auf das Wachstum ist deutlich größer, als wenn man zum Beispiel die Unternehmenssteuern senkt. Dafür müssten die deutschen Ökonomen nur ein bisschen mehr Einfallsreichtum entwickeln."

Auf der Wissensseite finden wir ein ganzseitiges Interview mit dem Paläobiologen und religiösen Darwinisten Simon Conway Morris über das Entstehen intelligenter Wesen - im Himmel wie auf Erden. Niels Boeing stellt die 35-jährige amerikanische Chemikerin Angela Belcher vor, der "die fantastische Synthese von Biologie und Halbleitertechnik" gelingt. Und im Leben spricht der Schriftsteller Erich Loest über Montagsdemonstrationen und die SPD. Der, meint er, fehlt vor allem "ein Gespür dafür, wie es Massen von benachteiligten Leuten geht".

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Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2004

Paul Jandl stellt das österreichische Manifest zur Rechtschreibung vor, in dem Autoren wie Robert Schindel und Marlene Streeruwitz ein Ende der "Parameter aus Mannheim" fordern. Doch sie wollen noch mehr als nur die Rechtschreibreform verweigern: Österreichisch soll endlich als eigenständige Sprache anerkannt werden. Wo das hinführen könnte, malt sich Paul Jandl aus: "Wenn alles klappt mit der Forderung 'Österreichisch als eigene Sprache' (Unterschriftenlisten liegen auf), könnte eines Tages zu den unzähligen EU-Dolmetschern ein weiterer kommen. Er würde Wörter wie 'Spompernadeln', 'Pamperletsch', 'Simandl' oder 'Gspasslaberln' womöglich in 'mudelsauberes' Deutsch bringen. Der österreichische Eros, dem Karl Kraus in einer aphoristischen Skizze mit den genannten Wörtern ein Denkmal gesetzt hat, könnte über den Sprachbürokraten strahlen."


Weitere Artikel: Nick Liebmann spricht mit Nikolaus Troxler, dem Veranstalter des Willisauer Jazzfestivals. Ulrich M. Schmidt sammelt betrübte polnische Stimmen zum Tode von Czeslaw Milosz. Iso Camartin schreibt zum Tod des rätoromanischen Schriftstellers Clo Duri Bezzola.

Besprochen werden eine Ausstellung mit Werken Zoltan Kemenys im Pariser Centre Pompidou, das neue Album von Arrested Development sowie Bücher, darunter eine Monografie über den Künstler und Architekten Max Bill und der Roman "Der letzte Bolero" von Manuel Vazquez Montalban (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 19.08.2004

"Jarmusch also ist seit 25 Jahren bei sich, egal welche Vergangenheiten sich seitdem auf- resp. abgebaut haben, welche Zukunft ihre Bedeutung gewonnen resp. verloren hat. Der Welt ist er vielleicht abhanden gekommen, aber als Resonanztransformator und hochfrequenter Energiespender ist er der, von dem ich sage: Er ist mein Mann", huldigt Dietrich Kuhlbrodt Jim Jarmusch und seinem neuen Film "Coffee and Cigarettes", den er sehr genossen hat.


"Diese 'Wir sind das Volk'-Rufe, ich kann sie nicht mehr hören." stöhnt Barbara Bollwahn in der tazzwei. "Der Satz ist mir schon damals nicht über die Lippen gekommen." Zwar will sie sich nicht die Verzweiflung arbeitsloser Menschen in strukturschwachen Regionen kleinreden: "Aber es bringt mich auf die Palme, wenn Menschen glauben, man müsse nur mit den Füßen aufstampfen, größtmögliche Verzweiflung in vier Worte legen, und schon wird alles gut."

Im Übrigen fragt tazzwei: "Ist Deutschland am Ende?" Und Redakteure antworten. Jan Feddersen beispielsweise mit einem klaren "Nein": "Die deutsche Misere spiegelt sich in der Medaillenausbeute: Man bekommt nichts mehr geschenkt - und nimmt übel. Daran kann übrigens auch Merkel nichts ändern." Sonst gähnt uns aus dem Feuilleton das Sommerloch an: Morten Schwarzkopf berichtet von der 40-Jahr-Feier des Wagenbach-Verlags im sonnigen Garten des Literarischen Kolloquium in Berlin-Wannsee.

Besprochen werden Antoine Fuquas Film  "King Arthur" und Kai S. Piecks Film über den Kindermörder Jürgen Bartsch "Ein Leben lang kurze Hosen tragen", den Dietmar Kammerer allerdings ein bißchen enttäuschend fand.

Und selbstredend Tom.

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Süddeutsche Zeitung, 19.08.2004

"Wo ist das alte Spektrum hin, wo jeder seinen Platz und seinen Nachbarn kannte", fragt Burkkhard Müller, inspiriert vom scheinbar großen Abtrünnigen dieses Sommers, Oskar Lafontaine. Jenes Spektrum, "das sich einst von der Gewerkschaft über die Jusos zu den diversen K-Gruppen erstreckte und darüber hinaus ins Infarot der RAF? .... Den Abstand zwischen Links und Rechts misst heute ein Seufzer der Wehmut aus, der nicht frei ist von einem wohligen Unterton. Und das ist nicht bloß kleinlauter Pragmatismus vor der Übermächtigkeit der leeren Kassen. Die Achse selbst ist verloren. Man wende die Handfläche um, und schon ist der Daumen rechts, der eben noch links war."


Weitere Artikel: Joost Smiers, Politikwissenschaftler an der Kunsthochschule Utrecht, berichtet von den Bemühungen der Unesco um eine Konvention der kulturellen Vielfalt. Sollte das Abkommen "zustande kommen, könnte es Kultur und Künste aus dem von der Welthandelsorganisation (WHO) vorgegebenen Kontext ausschließlich kommerzieller Betrachtung befreien." Mit dem Kunstfest kehrt  Weimar in die "Kultur der Gegenwart zurück", meldet Jens Bisky und feiert Organisatorin Nike Wagner. Lothar Müller befasst sich mit der Rolle der Kunstgeschichte im modernen Kriminalroman und den Rückschlüssen, die man daraus auf den jeweiligen Zustand dieser Wissenschaft ziehen kann.

Alexander Menden berichtet über Pläne des britischen Innenministers David Blunkett, einen biometrischen Personalausweis einzuführen und die Proteste dagegen. Marcus Rothe unterhält sich mit dem Regisseur Yann Samuel über Kindheit, Kino und seinen gelobten Erstlingsfilm "Liebe mich, wenn Du Dich traust". Werner Burkhardt gratuliert dem Jazzpianisten Michael Naura zum siebzigsten Geburtstag. Harald Eggebrecht verabschiedet den Time/Life-Fotografen Carl Mydans, der jetzt 97-jährig gestorben ist. Aus Liverpool, der Kulturhauptstadt des Jahres 2008, erfahren wir, dass dort dem Taxi als "Kulturtaxi" nun Bildung zuwachsen soll. Außerdem wird die löbliche Gründung eines Filmclubs Berlin-Bagdad gemeldet, der DVDs von Filmen sammeln und zeigen will, die bislang im Irak nicht erhältlich waren.

Besprochen werden Jim Jarmuschs neuer Episodenfilm  "Coffee and Cigarettes", Antoine Fuquas Sommerkinospektakel  "King Arthur" und Bücher, darunter Band 6 der Frieda-Grafe-Werkausgabe (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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Die Welt, 19.08.2004

Auf den Forumsseiten stellt der Literaturkritiker Carlin Romano fest: Wenn "Akademiker und Kulturkritiker von 'den Griechen' sprechen, dann meinen sie nicht Melina Mercouri, Costa-Gavras oder irgendjemanden, der in den letzten 2000 Jahren in Griechenland gelebt hat." Wenn wir also "hier über die Menschen sprechen, deren kulturelles Erbe wir zu den Fundamenten der westlichen Zivilisation rechnen, wie kommt es, dass die Experten immer nur bis Phoenix (von Kolophon, circa 285 v. Chr.) kommen, und dann lässt das Interesse schlagartig nach? ... Ist seit Hippias niemand mehr hip gewesen?" So ruft er die Leser auf: "Nehmen Sie diesen Monat zum Anlass, mehr als Nikos Kazantakis ("Alexis Sorbas") und das neueste Yanni-Konzert zur Kenntnis zu nehmen. Nerven Sie den Chefredakteur Ihrer Lieblingszeitung mit dieser Informationslücke. Vergessen Sie Paris."

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Frankfurter Rundschau, 19.08.2004

Wo, bitteschön, kann "man fern drückender Marktverhältnisse seinen eigenen Neigungen derart ungehindert nachgehen und dabei trotzdem gut (über-)leben", fragt Thomas Medicus. Natürlich in Berlin! "Ob man gemäß hier ohnehin immer fragwürdiger bürgerlicher (oder auch realsozialistisch-kleinbürgerlicher) Maßstäbe als Verlierer galt, war in Berlin Nebensache. Zeit war hier jahrzehntelang kein Geld, sondern gleichbedeutend mit einem maximalen Gewinn erfüllter Lebenszeit." Doch wehe: "Die Ökonomie des Durchwurschtelns, das die Selbstinszenierung Berlins als künstlerisch-kulturelles Energiezentrum bis heute nachhaltig bestimmt, ist dabei zu erlöschen."


Nein, die westliche Zivilisation wird nicht vom Islam bedroht, meint der in den USA lehrende ägyptische Jurist Abou El Fadl (mehr hier) in einem Interview mit Monika Jung-Mounib. "In meinen Augen ist die islamische Zivilisation auch ein Teil der westlichen Zivilisation. Der Islam hat in vielerlei Hinsicht zur Entstehung der christlich-jüdischen Zivilisation in Europa beigetragen, seine Ideen haben auch die Reformation und die Aufklärung beeinflusst. Wenn die Neokonservativen den Islam als Teil des christlich-jüdischen Erbes betrachteten, wäre ihre Einstellung gegenüber der muslimischen Welt eine ganz andere. Sie würden einsehen, dass Osama bin Laden die muslimische Welt stärker bedroht als den Westen."

Weiteres: Jürgen Otten sieht das Berliner "Total Music Meeting" endgültig im Versinken begriffen. In der Kolumne Times Mager meditiert Stefan Kaufer über die plötzliche britische Leidenschaft für Birkenstock und Edward Hopper.

Besprochen werden die Ausstellung "After Images" im Neuen Museum Weserburg in Bremen und Bücher, darunter Oliver Hilmes Alma Mahler-Werfel-Biografie (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2004

Dietmar Dath liest die Krise der Science-Fiction-Literatur als Symptom der Krise unserer westlichen Zivilisation, die ihre Ideale nicht mal mehr als verglimmende in Raum und Zeit zu projizieren vermag, um in bewegenden Worten zu Einhalt und Rückkehr aufzurufen: "Die universalistischen Versprechen der Westler, der Weißen, der Aufgeklärten an den Rest der Welt sind teils nicht erfüllt, teils gar gebrochen worden. Es kommt, weil das so ist, nicht darauf an, ihre Totalität deshalb katastrophenlüstern zu verabschieden, sondern darauf, sie mit allen vom reichen Westen bereitgestellten Mitteln - politischen, sozialen, ästhetischen - zu erneuern, bis sie eingelöst werden. Das ist eine gigantische Aufgabe, bei der auch universalistische Kunstformen wie der Roman oder die historische Spekulation ihre Rolle spielen können."


Weitere Artikel: Hubert Spiegel stellt den nächsten Feuilletonroman der FAZ vor - es handelt sich um Aufzeichnungen Carl Zuckmayers für das amerikanische Kriegsministerium aus dem zerstörten Deutschland nach dem Krieg. Jürgen Kaube notiert in der Leitglosse die komische Differenz zwischen Medaillen-Erwartungsdruck unserer Sportreporter und den tatsächlichen Resultaten unserer Sportler. Andreas Rosenfelder berichtet aus dem Kölner Arbeitsamt, wo Hartz IV in Feldversuchen bereits erprobt wird. Dirk Schümer erinnert an den "italienischen Adenauer" Alcide de Gaspari, der vor fünfzig Jahren gestorben ist. (Zur Sicherheit bringt auch der politische Teil der FAZ einen ganzseitigen Gedenkartikel über de Gaspari von Prof. Dr. Rudolf Lill.) Wolfgang Sandner gratuliert dem Jazzpianisten Michael Naura zum Siebzigsten. Jürgen Tietz stellt (leider ohne jede Illustration, die wir hier nachliefern) fünf architektonisch innovative Holzhäuser der Architekten Nägeli und Sack in Berlin vor. Mechthild Küpper begrüßt die Renovierung des Abtsgartens im barocken Klostergarten in Neuzelle bei Eisenhüttenstadt nebst historischer Passionsdarstellung. Auf Seite 1 des politischen Teils versucht Christian Geyer in einem Gedenkartikel den "Nutzen Schellings für das Leben" zu ermessen.

Auf der Filmseite begrüßt Hans-Jörg Rother eine Filmreihe des Berliner Arsenalkinos mit Filmen aus den neuen EU-Mitgliedsländern. Bert Rebhandl lässt eine Filmreihe Anne-Marie Mievilles Revue passieren, die ebenfalls in Berlin lief. Und Dirk Schümer berichtet über Dreharbeiten zu einem Casanova-Film in Venedig.

Auf der Medienseite schreibt Oliver Jungen in der Reihe "Stimmen" über die Stimme des Sportreporters Hannes Stein. Roland Zorn führt sich die Olympia-Berichterstattung von ARD und ZDF auf eigens freigeschalteten digitalen Kanälen zu Gemüte. Gemeldet wird, mit welcher Empörung die ARD eine Studie zurückweist, die frech behauptet, dass die Nachrichten in sportreichen Zeiten zurückstehen müssen.

Auf der letzten Seite bereichert Klaus Ungerer die große Traditionen des FAZ-Gedenkjournalismus mit einem Artikel über den hundertsten Jahrestag des ersten Briefbombenattentats der Geschichte, der ohne diesen Artikel womöglich unbemerkt ins Land gezogen wäre. Frank Pergande berichtet aus der ehemaligen NS-Ärzteschule auf dem Gut Alt Rehse, welche zur Gedenkstätte gemacht werden soll. Und Felicitas von Lovenberg porträtiert den Märchen- und Erzählforscher Isidor Levin, der jede Sprache östlich von Frankreich und westlich von China zu beherrschen scheint.

Besprochen werden Jim Jarmuschs kompilierte "Coffee and Cigarettes"- Kurzfilme, die ab heute im Kino laufen, eine Ausstellung über die thüringische Geschichte seit der Renaissance in Schloss Sondershausen, neue Choreografien beim Berliner Festival Tanz im August und ein Konzert des auf Deutschlandtournee befindlichen und offensichtlich legendären Balkanklarinettisten Ivo Papasov in Frankfurt.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Spiele zuerst einmal drei Akkorde

24.05.2013. In britischen Medien wird nach der Abschlachtung eines britischen Soldaten durch einen islamistischen Fanatiker darüber diskutiert, wieviel man davon zeigen soll. Die NZZ erläutert anhand des preisgekrönten Fotos von Paul Hansen aus Gaza die Tücken der digitalen Fotografie und ihrer Manipulierbarkeit. Die taz ergründet den Begriff der "Critical Whitness". Die Welt beklagt die grassierende Verniedlichung der DDR. Die BBC bringt verwirrende Umfrage-Ergebnisse: Demnach ist Deutschland das beliebteste Land der Welt. Mehr lesen

Darling flüstert die Amsel

23.05.2013. Die Zeit klärt über die Legitimationskrise der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf. Im Freitag erzählt Terry Eagleton, wie es sich anfühlt, wenn man als letzter eine Mao-Jacke trägt. In der taz konstatiert der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz: "Obama ist ein Versager für mich." Die NZZ lässt sich von Matthias Lilienthal durch Beirut führen. Die SZ findet die Kritik der FAZ an Georg Baselitz ziemlich daneben. Alle Zeitungen erinnern an Sarah Kirsch - auch an ihre Liebeslyrik. Mehr lesen

Die vervielfältigte Stimme des Heiligen Geistes

22.05.2013. Heute vor 200 Jahren kam in Leipzig ein klitzekleiner Richard Wagner zur Welt. Die Zeitungen  bringt er bis heute in große Form. Im Tagesspiegel zählt Norbert Miller all jene Autoren auf, denen wir es verdanken, dass wir ihn noch ertragen. Eleonore Büning stockt der Atem bei einem unbekannten Frühwerk Wagners, das wir in ganzer Länge als Video einbinden. Die Berliner Zeitung empfiehlt die französische Wagner-Rezeption gegen die festgefahrene deutsche Debatte. Außerdem: Ai Weiwei hat ein Heavy Metal-Video gemacht, in dem er seine Inhaftierung nachspielt. Der Guardian berichtet, wir binden es ein. Mehr lesen

In Grün und Orange, in Rot, Blau und Gelb

21.05.2013. Ja, ist es etwa das Empire latin, in dem wir zu posthistorischen Tieren werden, fragt die NZZ. Die Welt trifft Urs Widmer zum Werkstattgespräch. Die SZ feiert den Maler Hans Hofmann. Die FAZ wirft Georg Baselitz vor, den Wirtschaftseliten nahe zu stehen. Viele Zeitungen (und der Perlentaucher) berichten aus Cannes über Claude Lanzmanns Film "Le dernier des Injustes". Und wir zünden ein Licht an für Ray Manzarek. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Das nenne ich totalitär

18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen

Tagtäglich dem Leser zugemutet

17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen

Ist Gott jetzt zufrieden?

16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen

Samples der Oberflächenwelt

15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen

Filzhaltige Kunstzeichen

14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen

Es zeichnet sich der Morgenstern ab

13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen

Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht

11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen

Was öffentlich ist und was nicht

10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen

Hegemoniale Metaerzählung

08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen.  Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen  bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen

So sehr haben die Chefs Angst

07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen

Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung

06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald  zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen

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