Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

13.08.2004. Die FAZ staunt über ein musikalisches Wunder, das sich ausgerechnet in Venezuela ereignete. In einem Welt-Interview hält Uwe Tellkamp am Unteschied zwischen Ost und West fest. In der Berliner Zeitung plädiert der Typograph Martin Z. Schröder für die gemäßigte Kleinschreibung. Die NZZ schildert den Internetboom in Russland. Die FR resümiert die amerikanische Debatte um Nicholas Bakers Roman "Checkpoint". Santiago Calatravas Umbau des Olympiastadions von Athen stößt auf gemischte Reaktionen.

FAZ, 13.08.2004

Über nicht weniger als ein musikalisches Wunder berichtet Caroline Vongries aus Caracas, Venezuela. In die Wege geleitet wurde es von Jose Antonio Abreu, dem ehemaligen Kulturminister des Landes, der die staatliche Stiftung Fesnojiv ins Leben rief - die "Stiftung des nationalen Systems venezolanischer Kinder- und Jugendorchester und ­chöre". Abertausende junger Venezolaner auch aus den ärmsten Schichten haben seitdem eine musikalische Ausbildung bekommen. Auch Simon Rattle musizierte hier jüngst mit Schülern: "Zweihundertfünfzig Instrumentalisten und sechshundert Chorsänger standen auf der Bühne und widmeten sich Mahlers 'Auferstehungssymphonie' so präzise und unprätenziös, spielten so lebendig und farbenreich, dass der Dirigent anschließend bekannte, ihm habe sich die tiefere Bedeutung dieser zweiten Symphonie noch nie derart erschlossen wie bei diesem Konzert."

Niklas Maak begeht Santiago Calatravas (mehr hier) Umbau des Olympiastadions in Athen, der wider Erwarten doch noch fertig wurde. Aber der Ingenieurs-Ästhetizismus des spanischen Architekten stimmt ihn eher skeptisch: "In den feuchten Wintern wird es hier zugig sein, im Sommer unerträglich heiß. Aber angesichts neuerer Sportarenen muss man ohnehin das Gefühl haben, dass die Stadien nicht mehr für deren Besucher gebaut werden, sondern in erster Linie als ästhetische Kulisse für die Millionen, die das Gebäude vor dem Fernseher erleben."

Weitere Artikel: Patrick Bahners schreibt zum Tod des Historikers Wolfgang J. Mommsen. In der Leitglosse prangert Andreas Platthaus einen britischen Richterspruch an, der von Folter erzwungene Aussagen zulassen will, sofern die Folter nicht von Briten in Großbritannien ausgeübt wurde. In einer Meldung werden Kompromissvorschläge, die nicht stracks in die ehemalige Rechtschreibung führen, als Weg in die Beliebigkeit kritisiert. Der Lyriker Reiner Kunze redet Fraktur mit der Hamburger Kultursenatorin, die frech an der bewährten Rechtschreibung festhalten will ("Armes Hamburg, das eine solche Kultursenatorin hat! Armes Deutschland, das ein solches Hamburg hat!"). Nils Minkmar erklärt Montaignes "Essais" zu seinem Lieblingsbuch. Regina Mönch begeht zum Jahrestag des Mauerbaus das Pflasterband zwischen Reichstag und Brandenburger Tor, das den Verlauf der Grenze markiert. Heinrich Wefing hat einem Vortrag des Neokonservativen Richard Perle (hier ein Artikel über ihn von Seymour Hersh) an der Bucerius Law School gelauscht. Stephan Sahm fürchtet bei einem Blick in bioethische Zeitungen und angesichts britischer Klon-Experimente, dass der Streit um das Klonen wieder aufflammen könnte. Dirk Schümer gratuliert dem Historiker Jens Petersen vom Deutschen Historischen Institut in Rom zum Siebzigsten.

Auf der Medienseite meldet Erna Lackner, dass die österreichische Zeitung Die Krone die Rückkehr zur ehemaligen Rechtschreibung fordert. Andreas Platthaus ist sich sicher, dass uns die Olympischen Spiele unvergessliche Momente bescheren werden. Gina Thomas meldet, dass der Scotsman auf Tabloid-Format umstellt.

Auf der letzten Seite berichtet Andreas Rossmann, dass der NRW-Kulturminister Michael Vesper gegen die von der Welterbekommission der Unesco kritisierte Hochhausplanung der Stadt Köln vorgeht, indem er eine Arbeitsgruppe gründet. Und Paul Ingendaay porträtiert den Architekten Boris Micka, dessen Firma GDP ganz Spanien mit Museen vollstellt.

Besprochen werden Alexander Sokurows Film "Vater und Sohn" (der Nach Andreas Kilb "in pompösen Andeutungen" stecken bleibt), eine Mona-Hatoum-Ausstellung im Kunstmuseum Bonn und Sachbücher, darunter Norbert Schneiders "Geschichte der Genremalerei".

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Welt, 13.08.2004

Elmar Krekeler unterhält sich mit dem Gewinner des Bachmann-Preises Uwe Tellkamp, der unter anderem die ganz andere Lebenserfahrung der DDR beschwört: "Viele machen sich die prinzipielle Fremdheit der Lebenserfahrungen von Ost und West immer noch nicht klar. Das macht sich an kleinen Dingen fest, über die ich dann immer ganz erstaunt bin. Die Notiz 'Wehrdienst als Panzerkommandant in der NVA' in der Klagenfurter Kurzbiografie zum Beispiel. Viele im Westen lesen das, als wolle ich das als Leistung herausstreichen. Denen im Osten ist sofort klar, dass es keine Leistung, sondern ein Stigma ist. Ich bin weder Militarist, noch stolz darauf, auf diesem Bock gesessen zu haben. Das war alles andere als eine freiwillige Entscheidung."

Stichwörter: DDR

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TAZ, 13.08.2004

Nö, außer Feuilleton ist heute nichts - jedenfalls nichts Zwingendes. Im Kulturteil empfiehlt Marcus Woeller "kühlen Kopf bewahren und durch" - und meint damit die Edward Hopper- Retrospektive in der Tate Modern. Denn: "Hopper lässt sich nur ebenso wenig wie seine Bildprotagonisten aus der Reserve locken. Und das ist die Grundidee aller coolen Strategien."

Ansonsten erklärt und propagiert Arno Frank "die Rückkehr des Progrocks" (vielen Dank auch - dessen Geburt und/oder Ankunft hatten wir glatt verpasst). Bert Rebhandl erinnert an John Cassavetes' Debüt "Shadows" (1959), das sich "am Jazz und dem Improvisationstheater" orientierte. Und Dirk Knipphals bringt in der Kursbuch-Waisenkind-Elternsuch-Serie heute den Wallstein-Verlag ins Spiel.

Und hier Tom.

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Stichwörter: Edward Hopper, Jazz

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FR, 13.08.2004

In Nicholson Bakers Roman "Checkpoint" plant ein junger Mann, Jay, den Präsidenten zu ermorden. Das Buch hat in den USA eine erregte Debatte ausgelöst, berichtet Sebastian Moll. Bakers Romane - wie etwa der 1992 erschiene Roman "Vox" - seien immer auch autobiografisch gewesen, doch zu Jay hält der Schrifsteller nach Ansicht vieler Kritiker nicht genug Distanz: "Waren der Telefonsex-Dialog in 'Vox' zu witzig und die Dialogpartner zu komplex, als dass man das Werk zur Pornografie hätte zählen können, schreibt etwa Timothy Noah im Online-Magazin Slate, so sei 'Checkpoint' zu direkt und zu persönlich, als dass man es für Kunst halten darf. 'Checkpoint', so Noah, sei der wirkliche Porno, hier werde alles entblößt: 'Das Werk ist pornografisch, weil es den krudesten Vorurteilen seiner Leser zuspielt. Der lüsterne Dialog zwischen Ben und Jay über etwas, das moralisch falsch ist, übertüncht dabei ihre völlige Übereinstimmung über die Schlechtigkeit der Bush-Regierung. Es gibt keine Diskussion. Da war das Masturbieren in 'Vox' noch wesentlich erhebender.'"

Gabriele Hoffmann berichtet, dass bei der Esslinger Fototriennale in der Villa Merkel auf Fotografien oft verzichtet wird. "Man schöpft aus einem eigenen Fundus von reproduzierten Bildern oder bedient sich in letzter Konsequenz einer negierten Autorschaft bei Bildagenturen, deren Stock-Fotos sich dadurch auszeichnen, das sie in unterschiedlichsten Kontexten verwendbar sind."

Weitere Artikel: In einem ausführlichen Nachruf würdigt Ulrich Speck den Historiker Wolfgang J. Mommsen als "eminent politischen Historiker". Dann viel Berlin: Oliver Tepel empfiehlt die DVD "Berlin digital" über die Berliner Elektronikszene als "beispielhalfte Kulturdokumentation". Ulrich Clewing diskutiert das Für und Wider der Pläne für eine Rekonstruktion von Schinkels Bauakademie, die ein Architekturzentrum beherbergen soll, und Dirk Fuhrig informiert über letzte Aktivitäten im Palast der Republik vor seinem Abriss. Udo Feist stellt schließlich anlässlich eines Konzerts bei der Essener RuhrTriennale die Musik des amerikanischen Sängers Vic Chesnutt vor. Und in Times mager kommentiert K. Erik Franzen die Münchner Posse um einen goldenen Wohnwagen, den der Performancekünstler Wolfgang Flatz behördenwidrig in einer Kastanie untergebracht hatte.

Stichwörter: Musik, Pornografie, USA

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NZZ, 13.08.2004

Auf der Medien- und Informatikseite beschreibt Alexander Schrepfer-Proskurjakov in einem interessanten, mit Informationen und Zahlen gespickten Artikel den Internet-Boom in Russland, der von der Regierung nach Kräften gefördert wird: "Die Moskauer User sind besonders verwöhnt. Bald werden ihnen an zahlreichen Stellen der Stadt Internet-Automaten zugänglich sein. Kürzlich wurde im Hotel 'Zentrales Haus der Touristen' am Leninski-Prospekt der erste Automat vorgestellt, an dem die Benutzer für bescheidene zwölf Rubel fünf Minuten lang E-Mails verschicken können. Inwieweit die russischen Regionen - besonders klimatisch schwierige und abgelegene Gebiete Sibiriens, des Fernen Ostens und des russischen Südens - zu einem Anschluss ans Informationszeitalter fähig sind, bleibt offen. Gewisse Parallelen zu Indien sind zu beobachten. So plant die indische Regierung in jedem der 600.000 Dörfer des Subkontinents einen öffentlichen Internet-Zugang zu installieren."

Im Feuilleton sucht Margarita Sanoudo architektonische Akzente im Stadtbild Athens und findet drei "enblematische Orte". Christoph Jahr schreibt den Nachruf auf den verstorbenen Wolfgang J. Mommsen. Besprochen werden die Ausstellung "Sehnsucht nach dem Paradies" in der Kunsthalle Krems, eine Schau mit Werken von Felicien Rops in dem ihm gewidmeten Museum in Namur sowie eine Monografie über das Gebäude des Bundesverfassungsgerichts.

Auf der Filmseite resümiert Martin Girod die Retrospektive "Newsfront" beim Filmfestival in Locarno. Besprochen werden der Film  "King Arthur", Michael Moores Anti-Bush-Film "Fahrenheit 9/11" und die Dokumentation "Damen und Herren ab 65" über eine Tanztheater-Inszenierung, die Pina Bausch-Tänzerinnen mit einer betagten Laiengruppe erarbeitete.

Stichwörter: Automat, Pina Bausch, Indien

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Berliner Zeitung, 13.08.2004

In der Berliner Zeitung plädiert der Typograph und Schriftsteller Martin Z. Schröder für die gemäßigte Kleinschreibung: "Wenn wir einmal eine beliebige deutsche buchseite neben eine englische oder französische legen, wird die unregelmäßigkeit des textgewebes auffallen. Während die fremdsprachigen textzeilen gleichmäßige bänder bilden, die nur gelegentlich durch schmückende großbuchstaben unterbrochen werden, wirken die deutschen zeilen knotig durch häufung der großbuchstaben."

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SZ, 13.08.2004

Dirk Peitz unternimmt einen "letzten Versuch", die "gern geschmähte" Sängerin Anastacia zu verstehen. Dabei fand er die Formel "Krankheit als Weg". "Die ikonische Figur der im Leid über sich selbst hinauswachsenden, gegen ihr Schicksal ankämpfenden Frau wurde durch Anastacia in eine moderne popkulturelle Form überführt. Nur der ursprüngliche Auslöser für das Leid ist nun ein anderer, nicht der schlagende Ehemann, sondern die Hinfälligkeit des eigenen Körpers."

Weitere Artikel: Ulrich Raulff schreibt in seinem Nachruf auf den Historiker Wolfgang Mommsen: "Die Politik war sein Milieu und die Luft, in der er atmete." Gottfried Knapp besichtigt den Athener Olympiapark des spanischen Architekten Santiago Calatrava. Petra Steinberger berichtet über die Wiederbelebung eines alten Komitees durch amerikanische Neokonservative, das" Committee on the Present Danger". Die Historikerin Claudia Brosseder, die die Kolonialgeschichte Perus aufarbeiten will, schildert ihre Erfahrungen beim Stöbern in südamerikanischen Archiven. Der ARD-Korrespondent in Warschau, Peter Bender, kommentiert das derzeitige deutsch-polnische Verhältnis. Hans-Jörg Heims informiert über die Bildung einer Arbeitsgruppe zur Rettung des Kölner Doms als Weltkulturerbe. Gemeldet wird schließlich, dass die Kunstbiennale 2005 in Venedig von zwei Spanierinnen geleitet wird; außerdem, dass die Stadt Denver ein Museum für den Abstrakten Expressionisten Clyfford Still bauen will.

Besprochen werden Brechts "Heilige Johanna der Schlachthöfe" als Gastspiel aus Barcelona beim "Young Directors Project" in Salzburg, eine Berliner Ausstellung über Robert Mapplethorpe und den Manierismus in Berlin, Ulli Lommels Film "Daniel - Der Zauberer" mit Daniel Küblböck, eine Ausstellung der "Designvisionen" von Luigi Colani im Wittelsbacher Schloss Friedberg und Bücher, darunter eine Studie über "Kybernetische Anthropologie. Eine Geschichte der Virtualität", Schnitzlers Urfassung des "Reigen", Band IV der Hesse-Gesamtausgabe mit Rezensionen und Aufsätzen, eine Untersuchung über Religionen im vereinten Europa, ein Band zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der Südostforschung und eine bisher nur in Englisch vorliegende Studie über den deutschen Imperialisten Carl Peters (1856-1918). (Siehe auch unsere Bücherschau ab 14 Uhr.)

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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