Stöbern nach Themen

Durchsuchen Sie unsere Bücherdatenbank nach Themen, Ländern, Epochen, Erscheinungsjahren oder Stichwörtern.

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

05.08.2004. In der Zeit teilt Flick-Schwester Dagmar Ottmann präzise Hiebe an alle Seiten aus. Die SZ malt ein Bild schäbiger Realität vom Düsseldorfer Prozess gegen Jörg Immendorff. Der FR erscheint George Bush in einer Aura des Glaubens. In der taz erwartet der libanesische Journalist Michael Young nicht viel von der eingebildeten UNO. Die FAZ beschreibt die sechsstufige Choreografie der Fliegenbalz.

Zeit, 05.08.2004

In einem äußerst differenzierten Offenen Brief an Salomon Korn (mehr) und Michael Fürst (mehr) teilt Dagmar Ottmann, Literaturwissenschaftlerin und Schwester Friedrich Christian Flicks, auf das Höflichste formulierte, präzise Hiebe an die jüdische Gemeinde, ihren Bruder, Journalisten und Museumsverantwortliche aus. Letztere kritisiert sie dafür, dass sie die Zurschaustellung der Sammlung als eine Art Wiedergutmachung feiern - "Schwerter zu Konzeptkunst" -, während ihnen kein Wort "des Verständnisses für die Empfindungen der - noch lebenden - Flick-Opfer über die Lippen" gekommen sei. Statt "der Geschichte ins Auge zu sehen", richteten die Museumsleute ihren Blick "'ersatzweise' auf die Kunst". Doch niemand hat das Recht, den Opfern "vorzuschreiben, wie sie ihres Leidens gedenken sollen und welche Erinnerungen sie haben dürfen, wenn ihnen in Berlin eine 'Flick'-Sammlung als 'Mahnmal' präsentiert wird", findet Ottmann, die die Weglassung "des symbolbelasteten Familiennamens" vorschlägt. Aber lesen Sie doch den ganzen Brief selbst.

Weitere Artikel: Peter Kümmel liefert "Schlachtnotizen" von den Salzburger Festspielen, wo ihm der Videohimmel auf den Kopf gefallen ist. Werner Bloch stellt in einer - leider viel zu kurzen - Reportage die "Informationsstelle" des Goetheinstituts im nordkoreanischen Pjöngjang vor: 140 Quadratmeter Lesesaal, "sämtliche Medien der Bibliothek sind elektronisch erfasst und stehen nun im nordkoreanischen Intranet, sind also landesweit zugänglich - ein absolutes Novum für Nordkorea", das nur einen einzigen Autor von Rang aufweist, den "verehrten Herrn Staatsführer, Kim Il Sung". In der Leitglosse nimmt Evelyn Finger Kardinal Ratzingers neuesten Versuch aufs Korn, die Frauen vom Priesteramt fernzuhalten. Mathieu von Rohr wurde nicht so recht glücklich mit der Doku-Soap "Die Helden von Olympia" auf Arte.

Eva Schweitzer porträtiert den Ombudsmann der New York Times, Daniel Okrent, der darauf bestanden hat, seinen Vertrag auf 18 Monate zu befristen, denn "ich wollte nicht in die Lage geraten, nett zu Times-Leuten zu sein, nur um meinen Job zu behalten". Thomas Groß stellt die Hip-Hop-Band "The Roots" vor: "Die Mienen verschlossen bis finster, die Sonnenbrillen spiegeln dem Amerika der Mehrheit das Fremde im eigenen Land, und ausuferndere Afros hat man seit Black-Power-Zeiten nicht gesehen. Immer noch geistert das Gespenst eines schwarzen Separatismus durch ihre Selbstdarstellung: ein Stamm verwegener Straßendenker, der den Lehren des Malcolm X nicht abgeschworen hat und kaum verhohlen den Umsturz fordert." 

Besprochen werden (im Aufmacher) drei Kunstausstellungen über Afrika - "New Identities" im Museum Bochum, "Africa Screams" im Iwalewa-Haus der Uni Bayreuth und "Africa Remix" im Museum Kunst Palast in Düsseldorf - letztere findet Hanno Rauterberg am gelungensten, denn "hier befruchten die Widersprüche dank einer geschickten Komposition, die dem Besucher alle Gewissheiten über das, was an der Kunst afrikanisch sei, austreibt". Weiter ein Gastspiel des  Klarinettisten Woody Allen in Berlin, Alex Proyas "begriffsstutziger" Film  "I, Robot" und Abderrahmane Sissaskos Film  "Warten auf das Glück".

Den Aufmacher des Literaturteils widmet Verena Auffermann den "Geheimen Tagebüchern" von Samuel Pepys (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr). Unbedingt lesenswert außerdem im Dossier die Reportage von Kerstin Kohlenberg über zwei Hauptschülerinnen und im Wirtschaftsteil das Interview mit der Ökonomin Loretta Napoleoni ("Die Ökonomie des Terrors", ausführliche Leseprobe) darüber, wie Al Qaida die westliche Wirtschaft für ihre Zwecke nutzt.

nach oben

SZ, 05.08.2004

"Ein Bild, das schäbige Realität in zynischer Pointierung zurechtverzerrt - es muss noch gemalt werden", schildert G.K. die Düsseldorfer Szenerie im Verfahren gegen Jörg Immendorff, der gestern zu einer Geldstafe und elf Monaten auf Bewährung verurteilt wurde. "Oben, hinter einem massiven Eichenholztresen verschanzt, der süffisant lächelnde Vorsitzende Richter, der seine spitze Zunge nicht zwischen den Zähnen halten kann; unter ihm, kaum mehr greifbar, in seinem korrekt gebügelten Anzug, der zum Gerippe abgemagerte, kranke Künstler; rings an den Tischen, auf den Hockern hechelndes Volk, das sich um die vom Tresen fallenden Pointen balgt. Ein Gemälde wie aus der legendären satirisch-kritischen Bildserie 'Cafe Deutschland', die der Düsseldorfer Maler Jörg Immendorf in den 80er Jahren begonnen hat - es ist bislang noch nicht gemalt worden, doch aufgeführt worden ist die geschilderte Szene mit all ihren abstoßenden Details. In einem Saal des Düsseldorfer Landgerichts hat der Richter Jochen Schuster dem wegen Rauschgift-Delikten und 'Sexparties mit Prostituierten' angeklagten 'Künstlerfürsten' Jörg Immendorff einen Schauprozess geliefert, wie er in ähnlich obzönem Detailfanatismus wohl selten in Deutschland veranstaltet worden ist."

"Mit diesen Äußerungen wird Ottman unweigerlich den moralischen Druck auf ihren Bruder erhöhen", kommentiert Holger Liebs einen in der heutigen  Zeit veröffentlichten offenen Brief der Flick-Schwester Dagmar Ottmann an Salomon Korn und Michael Fürst.

Weiteres: Alex Rühle berichtet von der freundlichsten Übernahme der Wirtschaftsgeschichte: dem massenhaften Ausschwärmen der Playmobilfiguren in Wohnungen, Sofaritzen und Staubsaugerbeutel, deren Markteinführung sich in diesen Tagen zum 30. Mal jährt. "Wo verlaufen die Grenzen des Weltkulturerbes, und wo beginnt die sich normal entwickelnde Stadt von 2004?" fragt Jörg Häntzschel mit Blick auf den Streit um den Kölner Dom, der wegen geplanter Hochhäuser in Köln von der UNESCO auf die Rote Liste der gefährdeten Kulturstätten gesetzt wurde. Barbara Wünschisch stellt die Rassismusforscherin Eske Wollrad und ihre Studien zum "Weißsein" (mehr hier) vor. Jens Malte Fischer würdigt den vorgestern verstorbenen Germanisten Helmut Kreuzer.

Besprochen werden Anne Fontaines "erotisches Kammerspiel" "Natalie" (außerdem gibt es ein Interview mit Fanny Ardant, die neben Gerard Depardieu und Emmanuelle Beart, die Hauptrolle spielt), Antoine Fuquas Film "Lightning in a bottle" und Bücher, darunter Wenedikt Jerofejews Jugendtagebuch aus den fünfziger Jahren "Aufzeichnungen eines Psychopathen", das Sonja Zekri als "Fingerübungen eines kommenden Virtuosen" feiert (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

nach oben

TAZ, 05.08.2004

"Für jene im Nahen Osten", schreibt der libanesische Journalist Michael Young (mehr hier) auf der Meinungsseite, "die sich als Liberale betrachten und die den größten Teil ihres Lebens damit verbracht haben, sich durch Diktaturen und das Ersticken demokratischer Freiheiten zu bewegen, repräsentiert der Irak die erste reale Gelegenheit, einen mächtigen arabischen Staat in eine pluralistische Ordnung zu überführen. Dies ist immer noch der Fall - wenn die USA nicht von einer Situation davonlaufen, die sie seit 2003 systematisch falsch gehandhabt haben.... Viele hoffen auf ein Scheitern der USA und glauben, dass der gespaltenen und eingebildeten UNO gelingt, was der Bush-Regierung verwehrt bleibt. Bedauerlich ist, dass die Amerikaner dies selbst zu glauben beginnen. Der Schein internationaler Legitimität könnte schon bald im Irak wiederhergestellt sein. Aber es wäre schade, wenn alle Hoffnung auf breiten demokratischen Wandel in der arabischen Welt mit ihr verflöge."

Weiteres: Im Kulturteil legt uns Dirk Knipphals Schleswig-Holstein als zukünftiges Rentner-Paradies ans Herz. Veronika Rall schreibt vom Internationalen Filmfestival Locarno. Auf der Suche nach einem neuen Kursbuch-Verlag empfiehlt die taz heute Bertelsmann-Tochter Random House ("Dem Feind ins Auge blicken und kämpfen, kämpfen, kämpfen!"), und in einem Gespräch mit Harald Fricke stellt "I,Robot"-Produktions-Designer Patrick Tatopoulos die entscheidende Frage:"Braucht man ein Gehirn, um Mensch zu bleiben?" In der tazzwei befasst sich Brigitte Werneburg mit dem Prozess gegen Jörg Immendorff, in dem gestern das Urteil gesprochen wurde.

Besprochen werden Everett Lewis Dennis-Cooper-Adaption "Luster-Lust", Anne Fontaines Film  "Nathalie" und Antoine Fuquas Bluesfilm  "Lightning in a Bottle".

Und schließlich Tom.

Anzeige

Twitterfeed der Verlage

nach oben

FR, 05.08.2004

"Besser eine fanatische Anhängerschaft, die etwas mehr als die Hälfte der Wählerschaft ausmacht, so das Kalkül, als durch politisches Manövrieren die Wankelmütigen zur Zustimmung zu bringen", charakterisiert Helmut Müller-Sievers (mehr hier) in seinen Betrachtungen zum US-Wahlkampf die Positionierung von George W. Bush. "Angetrieben wird der Prozess der Fanatisierung durch die Auseinandersetzung über Werte statt über Sachverhalte. Man kann von einer Abtreibung der Politik gerade insofern sprechen, als die oft blutigen Auseinandersetzungen um das Recht auf Abtreibung in den 90er Jahren das Modell abgeben. Nicht so sehr in den offiziellen Verlautbarungen, dafür umso mehr in der Rhetorik werten die Republikaner jedes politische Problem in ein moralisches oder gar religiöses um und versuchen so, es der eigentlichen Entscheidung zu entziehen."

"Was ich verkaufe, ist das für mich essentielle Element des Lebens", sagt Will Smith, dessen neuer Film "I, Robot" jetzt in die Kinos kommt, in einem sehr lesenswerten Interview mit Daniel Kothenschulte. "Ich verkaufe die Hoffnung. Und ich glaube, das, wofür amerikanische Filme am meisten kritisiert werden, ist diese Idee der Hoffnung. Ja, es kann einmal alles gut werden, es kann sich alles wenden am Ende, wenn man die Hoffnung nicht aufgibt."

Weiteres: In der Kolumne Times Mager beschäftigt sich Peter Michalzik noch einmal mit Schlingensiefs Bayreuther Parsifal beziehungsweise mit dem ihm wenig gewogenen Sänger der Titelpartie (und Katharina-Wagner-Gefährten) Endrik Wottrich. Nachdem die "Popkomm" nach Berlin abgewandert ist, versucht man jetzt in Köln mit "c/o pop" neue Kräfte zu bündeln, berichtet Oliver Tepel. Auf der Medienseite lästert Jürgen Roth ausgiebig über den Literaturkritiker der Bild-Zeitung, Alex Dengler.

Besprochen werden zwei Bände zu Olympia und eine kleine Sozialgeschichte des Spitzelwesens (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

nach oben

NZZ, 05.08.2004

Markus Jakob hat einige seltsame Ausstellungen beim Weltkulturforum 2004 in Barcelona gesehen: "Eine merkwürdige Gesellschaft ist es, in die man in der Kapelle Santa Agata gerät: Da steht einem Kentauren aus den Vatikanischen Museen, auf dessen Kruppe ein Eros hockt, Paul McCarthys kaninchenköpfiger 'Spaghetti Man' mit seinem endlos langen Nudelpenis gegenüber, und Auge in Auge mit einem kambodschanischen Buddha, der einen Elefantenrüssel trägt, starrt Paul Klees 'Angelus Novus' auf den Trümmerhaufen der Weltgeschichte."

Weitere Artikel: Hanno Helbling macht sich Gedanken über das katholische Abendmahl, das dank allzu kreativer Pfarrer und deren ökumenischen "Grenzüberschreitungen" in die "Krise" geraten ist. Eine Broschüre des Vatikan soll das nun wieder "beheben". Joachim Güntner kommentiert das "vernichtende" Gutachten, das der Wissenschaftsrat der Stiftung Weimarer Klassik ausgestellt hat. Gemeldet wird, dass Henri Cartier-Bresson verstorben ist.

Die Buchbesprechungen widmen sich heute unter anderem Georg Kleins Schauerroman "Die Sonne scheint uns" sowie einem Band zur deutsch-jüdischen Literaturgeschichte (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Stichwörter: Markus Jakob, Vatikan

nach oben

Weitere Medien, 05.08.2004

Die Netzeitung bringt heute ein Interview mit Perlentaucher Thierry Chervel über unseren kommenden englischsprachigen Dienst.

nach oben

FAZ, 05.08.2004

Peter Fromherz vom Max-Planck-Institut für Biochemie oder Bruce Baker von der Stanford-Universität schaffen es, bioelektrische Prozesse wie etwa das Balzverhalten der Fruchtfliege gewissermaßen "filmisch" festzuhalten, berichtet Joachim Müller-Jung: "Die ganze sechsstufige Choreographie der Fliegenbalz, angefangen von der Wahrnehmung des weiblichen Dufts bis zum Vibrieren der Flügel und dem typischen 'Minnegesang' der Männchen bis zur Kopulation ist in der Aktivität von genau sechzig Nervenzellen festgelegt. Sechzig Zellen im Manneshirn, die in ihrem elektrischen und biochemischen Zusammenspiel über das Wohl und Wehe einer ganzen Spezies entscheiden." Da geht's ja wilder zu als in Bayreuth! Christian Geyer stellt in einem zweiten Artikel zum Thema unter Hinweis auf einige Neuerscheinungen zentrale erkenntnistheoretische Fragen.

In Frankreich haben die "Intermittents du spectacle" schon Ärger gemacht. Die freie Dramaturgin Claudia Steinseifer legt dar, dass sich die ohnehin missliche Lage freier Schauspieler und Theaterschaffender in Deutschland durch "Hartz IV" noch verschlimmern wird, denn sie werden sehr schnell als "langzeitarbeitslos" gelten: "Viele Talente werden sich, diesem Druck unterworfen, erst gar nicht mehr entfalten können. Ganz zu schweigen von den persönlichen Konsequenzen für jeden einzelnen Betroffenen. Neben finanziellen Einbußen droht der Verlust der Wohnung, wenn diese ein paar Quadratmeter zu groß, die Miete nicht den Sozialmietsätzen entspricht."

Weitere Artikel: Jordan Mejias unterhält sich mit Jeremy Rifkin, der überzeugt ist, dass Europa die Zukunft gehört - und zwar wegen seiner Sozialsysteme (Rifkins neues Buch "Der europäische Traum" erscheint in den nächsten Tagen). Dirk Schümer erzählt in der Leitglosse, dass man in einem Museum in Tirana die "mythische Knarre" aufgestöbert hat, mit der Benito Mussolini erschossen wurde. Hans Magnus Enzensberger erinnert sich in der Kolumne "Mein Lieblingsbuch" an sein Kinderbuch "Hatschi Bratschis Luftballon" von Franz Karl Ginzkey und Erwin Tintner. Wiebke Huster stellt das Programm von "Tanz im August" in Berlin vor. Hans-Peter Riese berichtet über einen Streit um die amerikanische Präsenz auf der nächsten Kunstbiennale in Venedig, nachdem sich Sponsoren zurückzogen und das State Department schlicht das Guggenheim-Museum mit der Auswahl des nächsten Künstlers betraute. Robert von Lucius meldet, das im dänischen Sonderburg eine Skulptur von Günter Grass durch die Kronprinzessin Mary enthüllt wurde.

Auf der Medienseite spießt Jörg Thomann das Verschwinden der Silbe "un-" im Kopf der gestrigen FR auf, das die Konkurrenzzeitung zur "abhängigen" Tageszeitung machte - die Auslieferung dieser Sammlerexemplare wurde leider gestoppt. In der Reihe Stimmen schreibt die Brigitte-Redakteurin Anne Petersen über die Stimme von Karl Lagerfeld. Jürg Altwegg berichtet, dass der grandiose französische Plan eines mit 70 Millionen Euro finanzierten Staatssenders, der als internationaler Newskanal CNN Konkurrenz machen sollte, zu scheitern scheint ("Der Sommer ist die Zeit, in der schlechte Nachrichten verkündet und Abwicklungen ohne große Widerstände vorgenommen werden können.")

Auf der Filmseite unterhält sich Michael Althen mit Emmanuelle Beart, die unter anderem erzählt, wie sie sich auf die Nacktszenen in ihrem neuen Film "Nathalie" vorbereitete. ("Natürlich hat sie auch in Wirklichkeit jenen Blick, dem man erst einmal standhalten muss, wenn man ihn nicht als Mitleid mit den Männern interpretieren will", schreibt Althen übrigens im Vorspann) Andreas Kilb bedauert, dass die Grenzlandfilmtage von Selb vor dem Aus stehen. Und Johanna Adorjan durfte Heike Makatsch zu Dreharbeiten in die Karibik begleiten.

Auf der letzten Seite lässt der iranische Romancier Amir Hassan Cheheltan in einer Tour d'horizon alle Themen Revue passieren, die zur Zeit in Teheran diskutiert (oder auch gerade nicht diskutiert werden), wie drohende Erdbeben, Frauenhandel und Aids. Regina Mönch berichtet, dass die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten einen Katalog über die in der Kriegszeit verlorenen und geraubten Kunstschätze vorlegt. Tilman Spreckelsen erinnert an den Schriftsteller und Droste-Hülsoff-Freund Levin Schücking, dem 1997 im emsländischen Sögel ein Museum eingerichtet wurde, das nun wegen Geldmangels vor dem Ende steht.

Besprochen werden die Ausstellung "Die Thraker - Das goldene Reich des Orpheus" in der Bundeskunsthalle Bonn und der Dokumentarfilm "Die Thuranos" über eine Artistenfamilie von Kerstin Stutterheim und Niels Bolbrinker.

nach oben

Drucken | Empfehlen auf Facebook | Twittern | Share on Google+

Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

Gesamtes Archiv Heute in den Feuilletons