Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

28.02.2004. Die Sensation ist nicht nur, das Martin Walser Suhrkamp verlässt, sondern dass er sein  Gesamtwerk mit zu Rowohlt nimmt, weiß die SZ. Die NZZ informiert, dass Walser im nächsten Spiegel einen Abschiedsbrief veröffentlicht. Die FR stellt Suhrkamps neuen Pressechef vor, weiß aber noch nichts von Walsers Abgang, die FAZ dito. Und die Welt versteht Walser: Rowohlt sei die "einzig ebenbürtige Option".

Süddeutsche Zeitung, 28.02.2004

Gleich doppelt kommentiert wird der Wechsel Martin Walsers zu Rowohlt. Im Politik-Teil informiert Ijoma Mangold, dass der Autor mit Sack und Pack, mit Kind und Kegel vom Main an die Elbe zieht: "Wie die Süddeutsche Zeitung erfuhr, hatte Walser im Jahre 1997 mit Unseld eine Regelung getroffen, wonach er die Rechte an seinem Gesamtwerk zurückfordern kann, sobald Unseld nicht mehr Geschäftsführer des Verlages ist. Eine solche Regelung ist beispiellos. Während sich ein Verlagswechsel sonst in erster Linie auf die künftigen Bücher eines Autors bezieht, kann Walser nun auch alle bisher erschienenen Werke von Suhrkamp zu Rowohlt transferieren." Im Feuilleton kommentiert dann Thomas Steinfeld: "Martin Walsers Abgang trifft den Verlag härter, als Suhrkamp seinen abtrünnigen Autor je wird treffen können." Gemeldet wird zudem, dass die Pressechefin und "graue Eminenz" des Verlags Heide Grassnick Suhrkamp nach 33 Jahren gleichfalls verlassen wird. Der einstige Lektor des Jüdischen Verlags Thomas Sparr kehrt dafür zurück.


Weitere Artikel: Gabor Mues und Bastienne Müller sind der Meinung, dass Deutschland manches braucht, eines aber nicht: noch mehr Studenten, denn "die Luft im Bereich Jobs für Akademiker wird immer dünner". Das Menschenbild der "Neuen Mitte", findet Alexander Kissler, führt zur "Unterdrückung der Minderheit" und wird von der Klonforschung "konsequent zu Ende" gedacht. Ausführlich porträtiert Christine Dössel den Oberpfälzer Dramatiker Werner Fritsch (hier seine Seite bei Suhrkamp), der gerade spät, aber gründlich von den deutschen Theatern entdeckt wird. Als eher gekränkt denn krank erweist sich endgültig Christof Schlingensief: Während er in Zürich - Attest, Attest - ausfällt, tritt er in Berlin - "Atta, Atta" - auf und auch in Wien. In Zürich inszeniert dafür Stefan Pucher zum Abschied die "Orestie". Jürgen Berger zeigt sich wenig beeindruckt. Der Kunsthistoriker Werner Hofmann gratuliert dem Kunsthistoriker Willibald Sauerländer (mehr hier) in epischer Breite zum achtzigsten Geburtstag.

Außerdem: Die Oscar-Verleihung wirft in Gestalt von Fritz Göttlers Spekulationen ihre Schatten voraus. Entzückt ist Rainer Gansera vom Regiedebüt "Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr..." (mehr)der Schauspielerin Valeria Bruni-Tedeschi. Eine Ausstellung zu "Design und Kunst" gibt es in Köln. Im Berliner Jüdischen Museum führt eine Sonderausstellung die "Macht der Zeichen" vor Augen. Besprochen werden unter anderem die Memoiren des Musil-Herausgebers Adolf Frise und Michael Frayns "Spionagespiel" (mehr in der Bücherschau ab 14 Uhr).

In der SZ am Wochenende wirft Gerhard Matzig einen Blick in die Zukunft und ihn schaudert: "Ja, gut, ein Ruck geht durch das Land, aber leider: ruck-wärts. Es rockt nicht, es wimmert und weint und zagt und zaudert." Anne Siemens erzählt die Geschichte von Maren, die von ihrem Cousin vergewaltigt wurde und ihr Leben erst wieder in den Griff bekommen musste. Von der jüngsten Mode bunter Drucke berichtet Joachim Bessing - und er prophezeit die Wiederkehr der Fototapete. Helmut Schödel gratuliert der Schauspielerin und Sängerin Erika Pluhar mit einem Porträt zum 65. Geburtstag. In der literarischen Erzählung der Wochenendbeilage gibt es einen Text von Angelika Klüssendorf über eine Jugend in der DDR. Über den "Massengeschmack" unterhält sich Rebecca Casati mit dem Mode-Designer Sid Mashburn.

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Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2004

Joachim Güntner zeigt sich unterdes bestens informiert über den Weggang Martin Walsers von Suhrkamp: "Einen offenen Abschiedsbrief Martin Walsers an die Mitarbeiter des Suhrkamp-Verlages wird der Spiegel in seiner nächsten Ausgabe publizieren. Was darin nicht steht, ist, wie gründlich dieser Abschied möglicherweise ausfällt. Denn Walser strebt an, sein gesamtes Werk, also auch alle früher bei Suhrkamp erschienenen Titel, in den Rowohlt-Verlag zu überführen. Wieso dieser harte Schnitt? Im neuen Roman ("Der Augenblick der Liebe" soll demnächst als erstes Buch bei Rowohlt erscheinen, der Perlentaucher) gibt es eine aufschlussreiche Passage, wo der Held Gottlieb Zürn, ein begeisterter Leser des Philosophen La Mettrie, davon berichtet, wie einst Lessing und Diderot gegen La Mettrie pöbelten. Dann wird die Historie Gegenwart: 'Das gibt es ja noch heute', kommentiert Zürn-Walser, 'dass Intellektuelle, die es zu Ansehen, also Einfluss, also Macht gebracht haben, einen anderen Intellektuellen, der ihnen nicht liegt, aus der Branche ausschließen möchten.'" Leider wusste Spiegel.de heute morgen noch rein gar nichts vom Weggang Walsers oder einem Brief des Autors. Vielleicht sollte man später noch mal nachsehen.


Roman Bucheli knüpft einige Reflexionen über den Erfolg von Christoph Heins Roman "Landnahme" bei der Kritik: Was Suhrkamps ehemaliger Nummer 1 Martin Walser mit seinem Roman "Ein springender Brunnen" noch nicht gegönnt wurde - ein subjektives Erzählen der Vergangenheit, in dem zum Beispiel das Wort "Auschwitz" nicht fällt - das sei Suhrkamps neuer Nummer 1 Christoph Hein heute selbstverständlich erlaubt: "Haben Sebald und Kempowski, haben die Bücher der Anonyma oder von Jörg Friedrich einen Damm gebrochen? Denn seither ist die Geschichte als erlebte Geschichte vermehrt in den Vordergrund gerückt worden. Und das Geschichtsbewusstsein mit seinen festen Rollenverteilungen - hier die Täter, dort die Opfer - ist seit längerem aufgeweicht und von den Erzählungen der Einzelschicksale vielleicht nicht verdrängt, aber doch ergänzt und also modifiziert worden.

Weitere Artikel: Barbara Villiger Heilig bespricht Stefan Puchers Inszenierung der "Orestie" des Aischylos in Zürich. Besprochen werden außerdem eine Ausstellung des Plastikers Constatin Brancusi in der Tate Modern und einige Bücher, darunter Uwe Jochums "Kritik der neuen Medien" aus theologischer Sicht.

Doris Lessing erzählt in einem schönen Gespräch in Literatur und Kunst mit Bernadette Conrad  von ihrem London und ihrem Afrika: "Ich bin mehrmals nach Simbabwe zurückgekehrt. Ich sah es unter Mugabe auf dramatische Weise kaputtgehen. Abgesehen von der ruinierten Infrastruktur ist das geistige Klima vergiftet. Die Leute hungern auf den verschiedensten Ebenen: Da bringt eine Hilfsorganisation eine Bücherkiste in ein Dorf, und sie wird unter Freudentränen in Empfang genommen - von Leuten, die seit drei Tagen nichts gegessen haben. Auch die Gleichgültigkeit, die fatalen Missverständnisse, die zwischen England und Afrika bestehen, beschäftigen mich; sie sind ein Hauptthema meines letzten Romans, 'Ein süßer Traum'."

Ein Schwerpunkt in Literatur und Kunst beschäftigt sich mit Büchern zu Israel und Palästina: Carsten Hueck liest neue Literatur zum israelisch-palästinensischen Konflikt. Angela Schader nimmt sich eine Anthologie moderner palästinensischer Lyrik vor. Joachim Schlör liest die Briefe Lea Goldbergs, die vor den Nazis nach Palästina emigrierte.

Außerdem legt Thomas David ein Werkportärt Elizabeth Bowens vor. Und Ludwig Muth macht "einige theoretische Anmerkungen über ein traumhaftes Vergnügen" - das Lesen.

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Die Tageszeitung, 28.02.2004

In der tazzwei plädiert der Soziologe Christian Schneider für Schwarz-Grün: "Tatsächlich wäre ernsthaft zu prüfen, ob die Schnittmengen zwischen dem neuen und dem alten Konservatismus nicht stärker sind als die zwischen den 'alten und neuen sozialen Bewegungen' - der Formel, unter der sich Rot-Grün formierte. Viele Wähler der Hamburger Grünen, etwa, sind so bürgerlich und so einkommensstark, dass ein Bündnis mit Ole von Beust und der CDU nach der morgigen Bürgerschaftswahl zwar nicht zwingend ist, aber grundsätzlich denkbar sein wird." Und er prophezeit: "Schwarz-Grün, die heimliche politische Traumkonstellation der Deutschen, wird kommen."


In der Kultur erzählt der Autor Norbert Zähringer (mehr) von falschen Bildern, von Mond- und Marslandungen: "Jeder von euch kann das tun! Zu Hause, wenn er gerade Lust dazu hat! Und wenn ihr das könnt, können die es erst recht. Und viel besser als ihr! Versteht ihr? Es gibt keine Wahrheit mehr! Jeder kann alles zu einem Filmchen zusammenschnipseln, dabei Bier trinken und essen und hinterher alles behaupten! Merkt euch das! Und denkt daran, wenn ihr das nächste Mal die Glotze anschaltet!"

Außerdem: Katharina Teutsch zeigt sich beeindruckt von der Ausstellung "Macht der Zeichen" im Jüdischen Museum. Vom Copyright-Coup des Produzenten Dangermouse weiß Tilman Baumgärtel zu berichten: Der hat das "White Album" der Beatles mit dem "Black Album" von JayZ zu einem "Grey Album" zusammengemixt, ohne sich um die Rechte zu kümmern.

Besprochen werden die Filme "B.Aires"  (mehr) und der wiederaufgeführte "The Killing of a Chinese Bookie" (mehr) von John Cassavetes. An Büchern rezensiert werden unter anderem Maxim Billers neuer Erzählungsband "Bernsteintage", Martin Suters "Lila, lila" und - in der politischen Abteilung - die Abrechnung des Milliardärs George Soros mit George W. Bush (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Der große Aufmacher des tazmag ist ein Interview mit Deutschlands Supersoziologen Heinz Bude (mehr), der die Nase wie immer im Wind hat. Die Familie kehrt zurück, konstatiert er: "Kinder sind die einzig unkündbaren Beziehungen - und das wird im linksliberalen, im rot-grünen Milieu inzwischen auch realisiert. Die Leute beginnen, ein positives Bewusstsein für Beziehungen zu bekommen, die nicht dem Belieben des Einzelnen unterliegen. Dahinter steckt die Ermüdung von dem romantischen Modell der Liebe. Die reine Liebe ist ein ziemlich unverlässlicher Garant für persönliche Beziehungen. Deshalb wollen die Leute heiraten. Und zwar nicht allein aus Liebe." Und, nichts zu machen, Angela Merkel wird Kanzlerin. Außerdem wälzen Pascal Beucker und Frank Überall Für und Wider des Berufsbeamtentums.

Und Tom.

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Frankfurter Rundschau, 28.02.2004

Dank zu frühem Redaktionsschluss weiß die Rundschau viel von einem Zugang, (fast) nichts von einem Abgang bei Suhrkamp zu berichten. Der Neuzugang ist der Rückkehrer Thomas Sparr - bis 1999 Lektor beim Jüdischen Verlag -, offiziell wird er für Presse und Öffentlichkeitsarbeit zuständig sein, jedoch: "Ohne das klare Eingeständnis, dass Thomas Sparr im komplexen Suhrkamp-Gefüge, das ihm bestens vertraut ist, letztlich die Rolle eines Superministers einnehmen soll, Mediator und Schrittmacher zugleich, wird er sie auch nicht erfüllen können." Das Interview mit Sparr bietet wenig Konkretion: "Es handelt sich ja um eine neu strukturierte Abteilung, die ich übernehme. Ihre Kompetenzen müssen wir noch genau bestimmen. Es wird sich auch in der Praxis erweisen müssen, welche Aufgaben dazu gehören."


Außerdem: Daniel Kothenschulte erkennt in den nun in einer neuen CD-Edition zugänglichen Werken des George Harrison aus den Jahren 1976 bis 1992 "musikalische Gartenbaukunst". In die Geschichte der Institution Kirche eingeordnet wird Mel Gibsons "The Passion of the Christ". Von einer Gedenkfeier in New York zur Erinnerung an den in Pakistan ermordeten Journalisten Daniel Pearl berichtet Martin Altmeyer. Zu Stefan Puchers Zürcher Orestie-Inszenierung meint Tobi Müller: "Der Abend ist oversexed but underfucked." Renee Zucker hat sich in Indien einen Mann erfunden, der erst in Europa zurückgeblieben ist und jetzt tot. Genützt hat es wenig.

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Die Welt, 28.02.2004

Tilmann Krause kommentiert Walsers Weggang von Suhrkamp: "Rowohlt muss sich in den Augen eines über 70-Jährigen als Suhrkamp einzig ebenbürtige Option darstellen. Denn was Ledig-Rowohlt nach dem Krieg in Reinbek bei Hamburg aufbaute, stand geradezu prototypisch für die andere, die Suhrkamp ergänzende Seite jener internationalen Moderne, an welche die junge Bundesrepublik nun den Wiederanschluss suchte."


Im Essay der Literarischen Welt erzählt der Jung-Romancier Marko Martin von "Sansibar als Sehnsuchtsziel". Und Andrea Seibel liest die Märchen von Nelson Mandela.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2004

Peter Zadek hat "Peer Gynt" am Berliner Ensemble inszeniert. Gerhard Stadelmaier kommen die Tränen: "Es ist Mode geworden im Theater, das Theater zu verachten und nur noch vom sogenannten Leben zu reden. Alle wollen es. Alle quälen sich damit. Keiner kriegt es. Weil keiner mehr ans Theater denkt. Nur Zadek feiert unnachahmlich und locker und gewissenlos das Leben - weil er an nichts anderes denkt als an Theater. Und bekommt das Leben wie ganz natürlich und nebenbei geschenkt."


Weitere Artikel: Dieter Bartetzko schreibt noch einmal über Mel Gibsons "Jesus"-Film und hebt vor allem drei Nebenfiguren hervor, deren "Handeln den Film mehrdeutig (macht) und damit zu einem Werk von weit mehr als altkatholischem Wert": Maria, Simon von Kyrene und Satan. Die französischen Kulturminister sind auch nicht mehr, was Jacques Lang einmal war, berichtet Joseph Hanimann. Der neue, Renaud Donnedieu de Vabres, räumt endgültig auf "mit der Künstlerillusion, der Minister sei irgendwie einer der Ihren. Er ist fortan ein Politiker wie seine Kabinettskollegen." Martin Thoemmes meldet triumphierend, dass Ernst Jüngers "Burgunderszene", die vielen ein Beweis für seine Kriegsverherrlichung war, neu gelesen werden muss: Der Philologe Tobias Wimbauer soll in einem Aufsatz, der bald in der Reihe "Das Luminar - Schriften zu Ernst und Friedrich Georg Jünger" erscheinen wird, darlegen, dass der von Jünger beschriebene Fliegerangriff auf Paris nie stattgefunden hat, weshalb von "irgendeinem Entzücken Jüngers über die Bombardierung" nicht die Rede sein könne: alles nur Literatur - und Erotik.

Claudius Seidl schreibt zum Tod von Victor Argo, einem Schauspieler, der "für New Yorker Regisseure in New Yorker Filmen die New Yorker Typen" spielte. Jürg Altwegg meldet nach einem Blick in französische Zeitschriften eine George Steiner-Renaissance. Gemeldet wird, dass das französische Urteil über die Auslieferung des italienischen Terroristen Cesare Battisti auf den 12. Mai verschoben wurde. Und dass Hans Magnus Enzensberger in der tschechischen Zeitung Mlada fronta Dnes den Irak-Krieg verteidigt hat: "Das erste, das mich in solchen Situationen freut, ist stets der Sturz eines Diktators. Wenn zum Beispiel ein Stalin-Denkmal zerbrochen wird, empfinde ich grundsätzliche politische Freude."

In der ehemaligen Tiefdruckbeilage erklärt uns xy den äußerst schwammigen Paragraphen 266 StGB (Untreue), und warum es besser wäre, wenn im Mannesmann-Prozess die Angeklagten nicht verurteilt würden: "Man mag ein paar 'Große' hängen, für die 'Kleinen' stehen dann aber Galgen in noch größerer Zahl als bisher bereit!" Und xy beschreibt den Einfluss von Ingres auf das Werk Picassos: "Der Exorzismus des Sexuell-Gefährlichen, den der Künstler halb aus Angst vor Geschlechtskrankheiten und halb aus Faszination" in seinen "Les Demoiselles d'Avignon" betreibt, "greift auf den Warencharakter des exhibitionistischen Überangebots der Leiber bei Ingres zurück. Die Haremszene verwandelt sich nun in die Vitrine eines Bordells."

Besprochen werden Tim Burtons Film "Big Fish" ("kraftlos und blass" findet ihn Michael Althen), Christine Mielitz' Inszenierung des "Parsifal" an der Wiener Staatsoper (zumindest von den Sängern ist Eleonore Büning hingerissen), Anselm Webers Inszenierung von Grabbes "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" in Frankfurt, das Konzert von "Kraftwerk" in Frankfurt, Dominique de Rivaz' Film "Mein Name ist Bach", die Ausstellung "A Minimal Future? Art as Object 1958-1968" im Museum of Contemporary Art in Los Angeles und Bücher, darunter Elisabeth Edls Neuübersetzung von Stendhals "Rot und Schwarz" ("historisch korrekt und zugleich so frisch wie nie zuvor") und Viola Roggenkamps Debütroman "Familienleben" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Auf der Schallplatten- und Phono-Seite geht's um Einspielungen von Metastasios' und Salieris Passionsoper mit dem Neuen Orchester und dem Chorus Musicus Köln unter Christoph Spering, Beethovens Streichquartette - einmal mit dem Gewandhaus-Quartett und einmal mit dem Philharmonia Quartett Berlin, eine CD mit schwedischen Liedern gesungen von Anne Sofie von Otter und Bengt Forsberg, eine Aufnahme der Krenek-Sonaten mit dem Pianisten Till Alexander Körber und die neue CD des Pedal-Steel-Gitarristen Robert Randolph.

In der Frankfurter Anthologie erklärt uns Robert Gernhardt ein Gedicht von Gottfried Benn:

"Hör zu

Hör zu, so wird der letzte Abend sein, wo du noch ausgehn kannst: du rauchst die 'Juno', 'Würzburger Hofbräu' drei, und liest die Uno, wie sie der 'Spiegel' sieht, du sitzt allein

an kleinem Tisch, an abgeschlossenem Rund dicht an der Heizung, denn du liebst das Warme. Um dich das Menschentum und sein Gebarme, das Ehepaar und der verhasste Hund.
..."

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

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Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

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Der Graf von Sandwich war in Gefahr

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2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

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04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

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31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

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30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

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26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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