Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
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- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
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- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
12.01.2004. In der SZ echauffiert sich Hans Mommsen über die Unausgegorenheit der von der Regierung lancierten Elite-Debatte. Die taz weiß: Das islamische Kopftuch ist kein traditionelles Kleidungsstück. Die NZZ annonciert die Entstehung einer bürgerlichen Gesellschaft in China. Die FAZ schraubt zu Heiner Müllers 75. Geburtstag eine 25-Watt-Birne in den Berliner Himmel.
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.01.2004
Am Wochenende wurde der 75. Geburtstag Heiner Müllers gefeiert, und in der heutigen FAZ finden sich einige Splitter aus diesen Festivitäten. Niklas Maak begab sich zum Beispiel in die Plattenbausiedlung Lichtenberg, wo auch Müller wohnte, und wo die jetzt verwaltende Gesellschaft eine Plakette an das betreffende Hochhaus anbrachte, die allerdings kleiner ist als das Schild: "Dieses Haus ist videoüberwacht." Das Berliner Winterwetter beschreibt Maak so: "Der Januar ist die traurigste Zeit des Jahres in Berlin; der Himmel sieht auch mittags aus, als habe jemand 25-Watt-Birnen hineingeschraubt."
Den Sommer brachte dann Antonio Negri, der Mit-Autor von "Empire", der bei den Müller-Festivitäten in der Akademie der Künste einen Vortrag hielt. Mark Siemons berichtet: "Anfangs war das Auditorium noch etwas unruhig, doch mit der Zeit erzeugte die sich ausdehnende Stille zwischen den Worten zusammen mit dem unaufgeregten Vortragsstil eine Art meditativer Trance, in die die notorischen Vokabeln von 'Biomacht' und 'Immanenz' wie ein sanfter Sommerregen tropften."
Weitere Artikel: Die FAZ setzt ihre Hirndebatte fort. Der Philosoph Lutz Wingert will nicht einsehen, dass ihn in seiner Verteidigung des freien Willens auch wieder nur die Neuronen lenken. Henning Ritter schreibt zum Tod Norberto Bobbios. Jürgen Kaube fragt in der Leitglosse, warum die Leute die SPD verlassen. Matthias Pabsch würdigt den architektonischen Neokonservatismus des neu eröffneten Beisheim-Zentrums am Potsdamer Platz
Auf der letzten Seite freut sich Tilman Spreckelsen über eine neue Prachtausgabe des Prinzen Eisenherz (nebenbei erfahren wir aus Spreckelsens Artikel, dass das Epos unverdrossen fortgesetzt wird). Und Paul Ingendaay porträtiert den spanischen Schauspieler und Melancholiker Luis Tosar, der in dem Film "Montags in der Sonne" ab Donnerstag auch in deutschen Kinos zu sehen ist. Auf der Medienseite porträtiert Michael Hanfeld den Filmemacher Manfred Karremann, der sich um Tier- und Kinderschutz verdient macht. Und Zhou Derong berichtet, wie die chinesische Regierung Journalisten zusetzt, die über die Sars-Epidemie schreiben wollen.
Besprochen werden Edward Albees neues Stück "Die Ziege oder Wer ist Sylvia" am Burgtheater, der deutsch-mongolische Film "Die Geschichte vom weinenden Kamel" (in dem eine Kamelmutter mit ihrem Fohlen versöhnt wird), ein Konzert mit einigen exhumierten Punkbands in Düsseldorf, ein Auftritt der jungen Geigerin Julia Fischer (ausführliche Hörproben) mit der Academy of Saint-Martin in the Fields in Frankfurt, Ulrich Mühes Inszenierung von Heiner Müllers "Auftrag" in Berlin (von Irene Bazinger nach Kräften verrissen) und Sachbücher, darunter Klaus Roths "Genealogie des Staates", besprochen von Herfried Münkler.
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Frankfurter Rundschau, 12.01.2004
Andrea Breth hat Edward Albees "Die Ziege oder Wer ist Sylvia?" im Wiener Burgtheater inszeniert, und Stephan Hilpold muss berichten, dass es ihm fast den Boden weggezogen hat angesichts der "verzweifelten Regie". Oder liegt es doch an dem in Amerika schon so erfolgreich gelaufenen Stück selbst? "'Ich mochte es, weil es so leer war', diesen Satz hat Andy Warhol einmal über ein frühes Albee-Stück gesagt. Vielleicht gab es vierzig Jahre später wieder aus einem ähnlichen Grund so viel Applaus in Wien."
Carl Wilhelm Macke trauert um den italienischen Philosophen Norberto Bobbio, der "laizistische Papst", Senator auf Lebenszeit und einer der letzten Vertreter des ehrwürdigen alten bürgerlichen Italiens. Rudolf Walther warnt, dass der eben fertig gestellte französische Gesetzentwurf zu Kopftuch, Kreuz & Co in der Schule den Fanatikern unter den Muslimen Vorschub leistet. Hans Jürgen Linke nutzt Times mager, um sich zusammen mit dem Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e.V (mehr) zu fragen, wie sich Trauer anhören sollte. Gemeldet wird, dass Tom Tykwer Regie führen soll bei der Verfilmung des "Parfüms".
Auf der Medienseite erfahren wir, dass der mit jeweils 10 000 Euro dotierte Leipziger Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien in diesem Jahr an den amerikanischen Kriegsfotografen James Nachtwey, an die Organisation "Journalisten helfen Journalisten" und an die spanische Tageszeitung "La Voz de Galicia" geht.
Zwei Buchrezensionen widmen sich Katajun Amirpurs zu hastig geschriebenem Porträt der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi und Michel Wieviorkas bestechender Studie über "Kulturelle Differenzen und kollektive Identitäten".
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Die Tageszeitung, 12.01.2004
In einem Grundsatzartikel erklärt Daniel Bax im Feuilleton, warum das französische Kopftuchverbot der Integration schadet und die Fixierung auf Äußerlichkeiten für Deutschland der falsche Weg ist. Denn "das moderne Kopftuch ist in diesem Zusammenhang das, was der Historiker Eric Hobsbawm eine 'erfundene Tradition' genannt hat. Als globalisiertes Zeichen für den Islam in der Moderne hat er vielerorts lokale Variationen des traditionellen Schleiers verdrängt. Statt wie das traditionelle Kopftuch etwa in der Türkei, das locker unter dem Hals geknotet wurde und stets ein paar Haarsträhnen frei ließ, rahmt dieses moderne Tuch das Gesicht fast luftdicht ein." Zugleich sei das Kopftuch heute für viele junge Frauen "so etwas wie der Stoff gewordene Kompromiss zwischen eigenen Karriere-Ambitionen und den Erwartungen des familiären Umfelds, mit dem man nicht brechen möchte. Als bedeckte Muslima, die mit ihrem Kopftuch zeigt, dass sie die Prinzipien von Anstand und Tugendhaftigkeit verinnerlicht hat, können muslimische Frauen und Mädchen aus konservativen Elternhäusern ihren Aktionsradius erweitern, an der Universität studieren und öffentlich in Erscheinung treten."
Weitere Artikel: Jan-Hendrik Wulf zweifelt im Feuilleton an der universellen Moral, die Amitai Etzioni (mehr) in Potsdam gegen die multikulturelle Indifferenz in Stellung brachte. Ira Mazzoni unterzieht die nördliche Bannmeile der Architektur in München einer etwas abschätzigen Revision. Andreas Merkel sehnt sich nach seinem Besuch der trostlosen "Hochzeitswelt" nach dem nass-grauen Berliner Schmuddelwetter. Ein einsames Buch wird besprochen, "Das Gesagte kommt vom Gesehenen", eine aufschlussreiche Sammlung von Gesprächen mit Jean-Luc Godard.
Die taz zwei hat einen neuen Trend ausgemacht: die "Landverschickung" von Künstlern und Schriftstellern. Aus diesen "Agronauten" lässt sich natürlich prima eine Serie für die zweite taz machen, wie Helmut Höge zur Einführung erläutert. Um dann im Anschluss den "Agrocineasten" Detlev Buck mit einer Art Monolog über Ernährung und Unterhaltung zu Wort kommen zu lassen. "Während auf einem Dorffest Bauern über Getreide und Schweinepreise reden, reden auf einer gelungenen Premiere alle über mögliche Filmpreise, wirklich! Also da unterscheiden sich diese beiden Branchen gar nicht."
Auf der Meinungsseite fordert der bildungspolitische Publizist Reinhard Kahl mehr Beachtung für Vorschule und Grundschule. Einen Ratgeber für die Globalisierungsdiskussion stellt Hannes Koch anlässlich des Weltsozialforums für die Tagesthemen zusammen. Erster Punkt: "Glauben Sie nicht den Leuten von Attac". Weitere begleitende Artikel zu der Veranstaltung im indischen Bombay sind geplant.
Und schließlich TOM.
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Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2004
"Atemberaubend und epochal" findet Urs Schoettli die jüngste Entwicklung Chinas und vergleicht sie mit der industriellen Revolution in England im 19. Jahrhundert. Er hat in Schanghai ein Land beobachtet, dass sich nach einer Zeit der Selbstzerstörung auf "seine schöpferischen Fähigkeiten besonnen habe und sogar an der Schwelle zu einer "bürgerlichen Gesellschaft" stehe, "die sich ihre Bewegungsspielräume nicht mehr durch untertänige Parteikader diktieren lässt". China stehe mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern "am Anfang eines der gewaltigsten Experimente des Homo faber, über dessen Ausgang sich heute nur spekulieren lässt", schreibt Schoettli sichtlich beeindruckt von der Geschwindigkeit der "Transformation Chinas zur Werkstätte der Welt". Er kann einem chinesischen Pragmatismus, der Luxus und Armut nebeneinander bestehen lasse, Gutes abgewinnen und meint, dass "eine Nivellierung, ein Krieg der Hütten gegen die Paläste (...) letztlich nicht die Befreiung und Bereicherung der vielen, sondern die Verarmung und Unterdrückung aller" bringe.
Weitere Artikel: Paul Jandl porträtiert den Kurator der Documenta 2007, Roger Martin Buergel: Dieser wolle keinem "Welterklärungswahn" erliegen und empfinde als Auftrag, was schon die erste Documenta des Jahres 1955 versucht habe, "nämlich durch die ästhetische Negativität der Kunst den Zusammenhang zwischen Moderne und Gewalt zu zeigen", fasst Jandl die Gedanken Buergels zusammen. Aldo Keel schreibt über den revolutionären dänischen Romancier Martin Andersen Nexö, der 1922 mit George Grosz nach Russland reiste: "George Grosz, der das kritische Auge und den skeptischen Blick des Satirikers besaß, und der Optimist Nexö schätzten die Lage in Russland grundverschieden ein. Grosz hatte den Eindruck 'direkten körperlichen Hungers'. Nexö schrieb, die Versorgung sei knapp - 'aber die Russen haben dem gefüllten Essnapf in Knechtschaft die Brotrinde in Freiheit vorgezogen, und die Brotrinde ernährt sie und lässt sogar einen kleinen Überschuss für den Frohsinn des Gemüts'."
Besprochen werden eine Werkschau des Architekten Mario Botta im Palazzo della Ragione in Padua und die Aufführung von Edward Albees "Die Ziege oder Wer ist Sylvia?" im Wiener Akademietheater.
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Süddeutsche Zeitung, 12.01.2004
Der Historiker Hans Mommsen (mehr) ärgert sich heftig über ein Ablenkungsmanöver der Regierung, die Debatte über Eliteuniversitäten. "Die Unausgegorenheit und der Mangel an Sachkenntnis, der den Beratungen der SPD-Bildungsexperten anhaftet, ist erschreckend. Die Universitäten benötigen statt ständiger bürokratischer Umstrukturierungen Bestandgarantien und dauerhafte Ausstattungen. Eben das schlägt man ihnen, nicht nur wegen der schwindenden Etats, sondern auch wegen der verhängnisvollen Neigung, um jeden Preis Synergieeffekte zu erzielen, aus den Händen."
Gustav Seibt schreibt einen schönen Nachruf auf den italienischen Philosophen Norberto Bobbio (mehr), der Fanatismus schon aus Geschmacksgründen verachtete. "Italien hat zweimal im 20. Jahrhundert gelehrte Intellektuelle von trockenster Nüchternheit hervorgebracht, denen gleichwohl eine überragende Autorität in ihrer Zeit zugewachsen ist: Benedetto Croce in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Norberto Bobbio in dessen zweiter Hälfte." Ergänzend dazu registriert Henning Klüver die große Anteilnahme, die der Tod des "Neu-Aufklärers" in Italien hervorruft.
Weitere Artikel: Thomas Steinfeld zieht im Aufmacher gegen die Unsitte des Wir-Sagens zu Felde, diesem "Abfallprodukt der historisierenden Hochstapelei". Der Komponist Helmut Lachenmann (mehr, natürlich auf einer verdienstvollen amerikanischen Seite) antwortet auf den Artikel über das "Jammerland der Kultur" vom 2. Januar (haben wir anscheinend übersehen): "Kunst muss nichts, außer einem - an das erinnern, was man Geist nennt." Fritz Göttler lässt uns wissen, dass Martin Scorsese und Robert de Niro ihre Memoiren als Gemeinschaftsprojekt veröffentlichen. Ira Mazzoni berichtet, dass die Diskussion um die zivile Nachnutzung der monströsen Nazi-Ordensburg Vogelsang in der Eifel nun begonnen hat. Ralf Berhorst weiß nach einer Berliner Tagung über "Transnationale Risiken", dass es überall gefährlich ist. Gemeldet wird, dass der Nachlass des früheren deutschen Außenministers Walther Rathenau nun doch in Russland bleiben soll.
Auf der Medienseite besucht Titus Arnu einen Psychotherapeuten, der sich auf die zunehmende Anzahl von Medienopfern spezialisiert hat. Und Hans Hoff legt RTL-Chef Gerhard Zeiler einen ergreifenden Hilferuf in den Mund.
Besprochen werden Ulrich Mühes Inszenierungsversuch von Heiner Müllers Drama "Auftrag" in Berlin, Andrea Breths zu Beginn leider humorfreie Version von Edward Albees Boulevard-Komödie "Die Ziege oder Wer ist Sylvia?" am Wiener Burgtheater, James Foleys temporeicher Noir-Film Confidence, die eindrückliche Ausstellung "Sehnsucht des Kartografen" im Kunstverein Hannover, und Bücher, darunter ein Hörbuch mit Gedichten von Anna Achmatowa und Marina Zwetajewa, "mit dem strohhalm trinkst du meine seele", Choderlos de Laclos’ Teufelswerk "Gefährliche Liebschaften" in einer neuen Übersetzung sowie Rainer Prätorius' vorbildhafte Untersuchung zum Verhältnis von Religion und Politik in den USA, "In God We Trust" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Muss ich etwas zu sagen haben?
20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen
Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche
19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen
Arrondierte Männergruppen
18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen
Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach
17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten. Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen
Ein Fingernagel in ihrer Suppe
04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen. Mehr lesen



