Bücherschau der Woche
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- Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
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- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
11.12.2003. In der Zeit prangert Leon de Winter den europäischen Antisemitismus an. Außerdem will die Zeit den Buchmarkt mit einem Spargelschäler reparieren. In der taz outet Michael Rutschky den Negativisten Theodor W. Adorno als Philosophen des Glücks. In der FR beruhigt sich die Frankfurter Büergermeisterin Petra Roth über die Mindestgröße ihrer Stadt. Die FAZ fand J. M. Coetzee bei den Nobel-Feierlichkeiten recht umgänglich.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Zeit, 11.12.2003
"Israel ist die größte Gefahr für den Weltfrieden", lautet das Ergebnis einer Umfrage der EU. Für den niederländischen Schriftsteller Leon de Winter ist das schlichter europäischer Antisemitismus, der sehr gut zum derzeit grassierenden Antiamerikanismus passt. "Die amerikanische Außenpolitik wird aufgrund der Präsenz von als Juden identifizierbaren Politikern wie Richard Perle und Paul Wolfowitz sowohl in populären Komplott-Theorien als auch in seriösen Medien als Ausfluss israelischer, also jüdischer Interessen bezeichnet." Europa, das während des Zweiten Weltkriegs gleichgültig der Vernichtung der europäischen Juden zugesehen hat, sei heute froh, Juden als Täter brandmarken zu können. Das entlastet und praktisch ist es auch, höhnt de Winter: "Am 11. September 2001 erklärten bin Laden und seine Islamisten dem Westen, dem Land von Kreuzrittern und Juden, den Krieg. Es scheint, als habe sich Europa seither schon fast panisch darum bemüht, ihm pazifizierend zu verdeutlichen, dass nicht Europa das Haus der Kreuzritter sei, sondern Amerika, und dass man auch in Europa die wahre, böse Natur der Juden kenne."
Im Interview erklärt der neue Leiter der Documenta Roger M. Buergel, welche Pläne er für 2007 hat. Auf keinen Fall will er eine "voll gestopfte unverdauliche" Ausstellung machen: "Viele Kuratoren nehmen die Besucher nicht wirklich ernst, sie halten Sitzbänke für überflüssig, sie muten den Leuten zehnstündige Filme zu und muffige Videokammern. Für mich sind das kuratorische Katastrophen. Man muss darauf achten, dass sich die Kunstwerke nicht überstrahlen."
Weitere Artikel: Im Aufmacher skizziert Christof Siemes die Krise des Buchhandels - das Geschäft ist auch in diesem Jahr wieder zurückgegangen - und beschreibt Vorschläge zur Belebung der Branche: "zum Spargelbuch den Spargelschäler". Simon Rattle macht Ernst mit einen angekündigten Reformen, berichtet Claus Spahn anlässlich der Amerika-Tournee der Philharmoniker. Statt Brahms, Beethoven, Bruckner und Mahler spielten die Philharmoniker in der Carnegie Hall Haydn, Debussy, Ligeti, Bartok und Heiner Goebbels. In der Leitglosse "verdrießt es" Michael Naumann, dass Walter Jens, der "so schneidend zu urteilen wusste", zu einer "ganz klaren Auskunft" über seine Vielleicht-Mitgliedschaft in der NSDAP nicht bereit ist. Ulrich Greiner hat genug vom Gerede über den Suhrkamp Verlag und will jetzt sehen, wie Ulla Berkewicz den Verlag leitet. Peter Kümmel schreibt den Nachruf auf Will Quadflieg. Volker Hagedorn schreibt zum 200. Geburtstag Hector Berlioz'. Claudia Herstatt schildert die Versteigerung der mittelalterlichen Handschriften aus dem Nachlass des Antiquars Hans P. Kraus in New York.
Besprochen werden John Neumeiers Ballett "Tod in Venedig" und Rudolf Thomes Film "Rot und Blau" mit Hannelore Elsner und Hanns Zischler als Bürger aus dem Westberliner Charlottenburg ("Der Charlottenburger ist bei Thome ein sozusagen philosophisch rundum erschlossenes Wesen", schreibt Katja Nicocemus über das Filmpersonal.). Den Aufmacher der letzten Literaturbeilage des Jahres widmet Iris Radisch einem Gedichtband von Lars Gustafsson: "Auszug aus Xanadu".
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 11.12.2003
"Dies ist, man kann es nicht anders sagen, eine Zeit des Scheiterns. Gewaltige Kräfte werden mobilisiert, Millionen bewegt, hehre Ziele beschworen - und klägliche Ergebnisse präsentiert: Die Jagd auf Osama bin Laden, der Krieg im Irak, der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, selbst Toll Collect - wo Hybris war, herrscht Heulen und Zähneklappern. ..... Kein Wunder also, dass die Welt am Mittwoch besorgt nach Berlin blickte: Dort zog, eine Woche vor dem eigentlichen Kinostart, der 'Herr der Ringe' in seinen dritten und letzten Kampf - und als die Lichter im Saal der Europapremiere ausgingen, flog manches stille Stoßgebet zum Himmel: Bitte, ihr tapferen Neuseeländer, ihr Wahnsinnigen vom anderen Ende der Welt! Enttäuscht uns nicht! Beweist, dass so etwas überhaupt noch möglich ist, wenigstens im Reich der Fiktion: Ein großes Werk auch groß und in Würde zu Ende zu bringen.....Und ja, sie haben es geschafft", schreibt begeistert Tobias Kniebe über Peter Jacksons Film "Die Rückkehr des Königs", den dritten (und besten) Teil des "Herrn der Ringe".
Weitere Themen: Gustav Seibt hat sich noch einmal mit der Debatte um die NSDAP-Mitgliedschaft von Walter Jens befasst, und zu diesem Zweck dessen 1977, zur Hochzeit des Radikalenerlasses erschiene Geschichte der Tübinger Universität gelesen, in die Seibt auch Jens' Lehrer Wolfgang Schadewaldt aufgenommen fand, der ein "fachweit bekannter Anhänger des nationalsozialistischen Regimes" gewesen sei. Christine Dössel schreibt über die anhaltende Lust deutscher Theater auf Gegenwartsdramatik. Katharina Mütter beschreibt, wie in Birmingham der umstrittene Neubau des Kaufhauses Selfridges der Architekten Jan Kaplicky und Amanda Levete als "Zyklopenauge" nicht nur zum neuen Wahrzeichen der Stadt avancierte, sondern sogar als Motor stadträumlicher Erneuerung dient. "hera" bedauert ein wenig, dass die Wissenschaft gerade dabei ist, Edvard Munchs Bild "Der Schrei" den Mythos vom Künstler im Drogenrausch zu nehmen.
Besprochen werden Jim Sheridans neuer Film "In America" (hier noch ein Gespräch zwischen den Filmemachern Jim Sheridan und Hans-Christian Schmid), Rithy Panhs Film "S-21" über Todeslager der Roten Khmer in Kambodscha, Wim Vandekeybus neues Tanzstück "Sonic Boom", das er mit Schauspielern der Toneelgroep Amsterdam und Tänzern von Ultima Vez entwickelt hat, eine Werkschau des Barockmalers Guercino im Mailänder Palazzo Reale und Bücher, darunter Grischa Meyers Buch über die Brecht-Geliebte Ruth Berlau und Flann O'Briens Roman "Aus Dalkeys Papieren"(mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Rundschau, 11.12.2003
Die Frankfurter Oberbürgermeisterin und Präsidentin des Deutschen Städtetages, Petra Roth, macht sich Gedanken über die Funktion der Stadt im Zuge der Globalisierung. "Eine Stadt benötigt eine Mindestgröße, um weltweit wettbewerbsfähig zu sein... Nur eine kraftvolle Stadt kann Nährboden für die Humanitas bilden. Nur in ihr kann eine liberale Urbanität gedeihen, können soziale Absicherung und Daseinsvorsorge erarbeitet werden. In ihr werden Schlagwörter wie Solidarität oder Subsidiarität gelebt; sie benötigt dafür aber die Bewahrung einer sozialen Marktwirtschaft und die Berücksichtigung des Konnexitätsprinzips."
Weitere Artikel: Frank Keil untersucht Strategien der Körperpolitik bei Ole von Beust ("latente Steifheit"), Ronald Barnabas Schill ("durch und durch derangiert") und Thomas Mirow ("blässlich und bebrillt"). Petra Kohse schreibt über die Ankunft sozialer Unsicherheit im Bewusstsein. Ulrich Clewing war auf einer deutsch-iranischen Tagung in Berlin. In der Kolumne Times Mager befürchtet Jürgen Roth, dass Robbie Williams, entgegen sämtlicher Hymnen, in Wahrheit vielleicht auch bloß ein mediokres Medienei ist.
Besprochen werden John Neumeiers Choreografie zu Thomas Manns Novelle "Tod in Venedig" an der Hamburger Staatsoper.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Tageszeitung, 11.12.2003
Das Jahr ist fast um, das Adorno-Jahr mithin auch. Höchste Zeit, dass auch die taz-Geburtstagsserie "Teddy-Der Inkommensurable" zu Ende geht. Zum Abschied kommt Michael Rutschky zu Wort: "Er war ja ein Philosoph des Glücks, und seine Theorie handelt in aller Schwärze von nichts anderem als von dessen Abwesenheit, wie sie die gesellschaftliche Verfassung bedinge. Glück dachte er sich ohne Abstriche nach dem Vorbild des Geschlechtsverkehrs - hier folgte er neben Freud vor allem Karl Kraus und dem Jugendstil und den Bemühungen um Lebensreform, wie sie seit 1900 in seinen Kreisen angesagt waren. Das Leben, wie es in der repressiven Gesellschaft nicht lebt, im Geschlechtsverkehr - worin auch immer er bestehe - macht es die emphatische Erfahrung dessen, was Leben sein könnte... Jedenfalls ließ sich der Student, der ich einst war, dies alles gern gesagt sein. Er hatte sein eigenes Geschlechtsleben eben erst richtig begonnen, und dass jeder Nachmittag im Bett (statt Seminar) den höchsten Anforderungen der Kritischen Theorie entsprach: Au fein! Famos!"
Weitere Themen: Anne Kraume hat Rudolf Thome zu seinem neuen Film "Rot und Blau" befragt. Angesichts der Sottisen von Harald Schmidt über die "angeblich drohende Arbeitslosigkeit" seiner Mitarbeiter klärt uns Arno Frank über den Unterschied zwischen Zynismus und Zynismus auf.
Besprochen werden: Jim Sheridans neuer Film "In America", die Pubertätskomödie "Freaky Friday" und Elmar Fischers Film "Fremder Freund".
Remember TOM.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2003
Aram Lintzel hat nach Jahren der exzessiven Spezialisierung in der Musik einen neuen Trend aufgespürt: dass nämlich über das "Prinzip Radiosendung das Spartendenken der Electro-DJs aufweicht". Dies findet Lintzel insofern verblüffend, ist dorch das Radio "dem wahren Musikliebhaber heutzutage suspekt. Es gilt ihm als der Inbegriff des gleichgeschalteten Mainstreams mit seiner falschen Formatierung der unendlichen Vielfalt des Musikalischen. Das Radio sucht den gemeinsamen musikalischen Nenner der Massen. Das Radio, so scheint es, ist das Medium des Banalen, konsumiert von den Blöden. In letzter Zeit allerdings häufen sich die Anzeichen, dass das Radio gerade in freien und fortschrittlichen Szenen wie der Elektro-Bewegung neue Attraktivität gewinnt, mit anderen Ohren gehört wird. Genauer gesagt: die Idee des Radios als ästhetisches Modell."
Weitere Artikel: Stephan Templ beschreibt, wie der kommende EU-Beitritt Sloweniens die österreichische Steiermark und der slowenische Landesteil Stajerska wieder einander näherbringt. Franz Haas berichtet von der Messe der italienischen Kleinverlage in Rom. Gemeldet wird zudem, dass der Schriftsteller Harald Hartung mit dem Würth-Preis ausgezeichnet wird. Besprochen werden die leider nicht wirklich groovende Gruppenschau "One Planet under a Groove" in der Münchner Villa Stuck, in der die "Einflüsse der Hip-Hop-Kultur auf die zeitgenössische Kunst" beleuchtet werden, eine Ausstellung über "eines der schillerndsten Büros der Architekturszene", des Rotterdamer Duos Neutelings Riedijk, im Niederländischen Architektur-Institut in Rotterdam.
Und selbstverständlich Bücher: Jaques Roubauds schmaler Roman "55 555 Bälle", Vincent Humberts Buch "Je vous demande le droit de mourir", ein "Testament, Geständnis und politisches Mainfest" zugleich, das in Frankreich eine lebhafte Debatte über die Sterbehilfe ausgelöst hat, und Patrice Nganangs Roman "Hundezeiten" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.2003
Jürg Altwegg erzählt das tragische Schicksal Valery Giscard d'Estaings, der als einziger französischer Präsident sein Amt überlebte, der sich dann zur Gaudi der Kritiker aufs Schreiben verlegte ("Zu den Höhepunkten des Werks gehört die Beschreibung der Beine seiner Universitätsministerin") und dem Mitglieder der Academie francaise nun auch noch den für heute vorgesehenen Eintritt in die ehrwürdige Institution versagen wollen.
Robert von Lucius hat J. M. Coetzee bei den Nobelfeierlichkeiten beobachtet und fand den großen Schweiger einigermaßen umgänglich: "Beim Abendessen mit den achtzehn Mitgliedern der Schwedischen Akademie ging es vergnügt zu. Coetzee war bester Laune, obwohl er wie stets dem Alkohol entsagte." Sogar Bücher hat er sgniert: "Mitarbeiter berichteten anschließend, Coetzee habe mit vier Büchern in der Minute die Rekorde der meisten geschlagen, nur Monika Lewinsky habe noch rascher unterzeichnet. Es müssen nicht Bücher sein; er signiert auch Zeitungsausrisse und unterschrieb sogar auf einem Unterarm. Und schaute dabei jedem in die Augen und sagte: 'Danke.'"
Weitere Artikel: Christian Schwägerl wendet sich in der Glosse gegen das "Gewerkschaftsmärchen" vom Sozialabbau als Ursache für den Bildungsabbau. Gerhard Rohde hat sich verschiedene Inszenierungen der "Trojaner" zum 200. Geburtstag Hector Berlioz' angesehen. Andreas Rossmann meldet den bedeutsamen Fund einer Teststrecke für eine Schwebebahn in einer Kölner Industrieruine. Christian Schwägerl erläutert das Experiment George Daleys von der Harvard Medical School, der erstmals mit künstlichen Spermien Mäuse-Embryonen erzeugte. Andreas Platthaus hat einer Leipziger Diskussion über den Reichstagsbrand zugehört. Marta Kijowska berichtet, dass der berühmte Reporter Ryszard Kapuscinski in Polen zwei autobiografische Bücher vorlegt. Stefan Klöckner, Professor für Gregorianik und Liturgie in Essen, lauschte einem Vortrag Kardinal Ratzingers zum 40. Jahrestag des Zweiten Vatikanischen Konzils ("was der Kardinal über die theologische und spirituelle Dimension der Liturgie sagte, war von solcher Brillanz, Klarheit und Tiefe, dass sich keiner der Faszination zu entziehen vermochte" - eine solche Verehrung schlägt im, FAZ-Feuilleton allenfalls noch Harald Schmidt entgegen!) Wolfgang Sandner gratuliert dem Komponisten Elliott Carter zum Fünfundneunzigsten.
Auf der Kinoseite bespricht Andreas Kilb die Berliner Ausstellung über "Engel im Film". Joseph Hanimann stellt Alain Resnais' (bisher nur in Frankreich laufenden) Operettenfilm "Pas sur la bouche" vor. Bert Rebhandl sieht sich DVDs an, die zu Yasujiro Ozus hundertstem Geburtstag erschienen.
Die Medienseite setzt die intensive Harald-Schmidt-Berichterstattung mit neuen Zitaten bedeutender Zeitgenossen, einem großen Artikel von Michael Hanfeld über die schlimmen Zustände bei Sat.1 und einem Interview Reinhold Beckmanns mit Schmidt aus dem letzten Jahr fort.
Die letzte Seite bringt die Dankrede Walter Hincks für den Preis der Frankfurter Anthologie. Oliver Tolmein greift den Fall einer Abtreibung in Großbritannien auf, die noch nach dem sechsten Monat vorgenommen wurde, weil das Kind eine Hasenscharte hatte. Und Jürgen Kaube stellt den Demographen James W. Vaupel vor, der den heute Dreißigährigen prophezeit, dass sie im Schnitt mit hundert Jahren sterben werden.
Besprochen werden eine Ausstellung über Ernst Ludwig Kirchners frühe Davoser Jahre im Kunstmuseum Basel, ein Handlungsballett nach "Lulu" von Christian Spuck in Stuttgart, eine Hermann-Glöckner-Ausstellung in Dresden und Rudolf Thomes Film "Rot und Blau" mit Hannelore Elsner.
Archiv: Heute in den Feuilletons
Spiele zuerst einmal drei Akkorde
24.05.2013. In britischen Medien wird nach der Abschlachtung eines britischen Soldaten durch einen islamistischen Fanatiker darüber diskutiert, wieviel man davon zeigen soll. Die NZZ erläutert anhand des preisgekrönten Fotos von Paul Hansen aus Gaza die Tücken der digitalen Fotografie und ihrer Manipulierbarkeit. Die taz ergründet den Begriff der "Critical Whitness". Die Welt beklagt die grassierende Verniedlichung der DDR. Die BBC bringt verwirrende Umfrage-Ergebnisse: Demnach ist Deutschland das beliebteste Land der Welt. Mehr lesen
Darling flüstert die Amsel
23.05.2013. Die Zeit klärt über die Legitimationskrise der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf. Im Freitag erzählt Terry Eagleton, wie es sich anfühlt, wenn man als letzter eine Mao-Jacke trägt. In der taz konstatiert der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz: "Obama ist ein Versager für mich." Die NZZ lässt sich von Matthias Lilienthal durch Beirut führen. Die SZ findet die Kritik der FAZ an Georg Baselitz ziemlich daneben. Alle Zeitungen erinnern an Sarah Kirsch - auch an ihre Liebeslyrik. Mehr lesen
Die vervielfältigte Stimme des Heiligen Geistes
22.05.2013. Heute vor 200 Jahren kam in Leipzig ein klitzekleiner Richard Wagner zur Welt. Die Zeitungen bringt er bis heute in große Form. Im Tagesspiegel zählt Norbert Miller all jene Autoren auf, denen wir es verdanken, dass wir ihn noch ertragen. Eleonore Büning stockt der Atem bei einem unbekannten Frühwerk Wagners, das wir in ganzer Länge als Video einbinden. Die Berliner Zeitung empfiehlt die französische Wagner-Rezeption gegen die festgefahrene deutsche Debatte. Außerdem: Ai Weiwei hat ein Heavy Metal-Video gemacht, in dem er seine Inhaftierung nachspielt. Der Guardian berichtet, wir binden es ein. Mehr lesen
In Grün und Orange, in Rot, Blau und Gelb
21.05.2013. Ja, ist es etwa das Empire latin, in dem wir zu posthistorischen Tieren werden, fragt die NZZ. Die Welt trifft Urs Widmer zum Werkstattgespräch. Die SZ feiert den Maler Hans Hofmann. Die FAZ wirft Georg Baselitz vor, den Wirtschaftseliten nahe zu stehen. Viele Zeitungen (und der Perlentaucher) berichten aus Cannes über Claude Lanzmanns Film "Le dernier des Injustes". Und wir zünden ein Licht an für Ray Manzarek. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Das nenne ich totalitär
18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen
Tagtäglich dem Leser zugemutet
17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen
Ist Gott jetzt zufrieden?
16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen
Samples der Oberflächenwelt
15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen
Filzhaltige Kunstzeichen
14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen
Es zeichnet sich der Morgenstern ab
13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen
Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht
11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen
Was öffentlich ist und was nicht
10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen
Hegemoniale Metaerzählung
08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen. Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen
So sehr haben die Chefs Angst
07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen
Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung
06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen








