Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

02.12.2003. In der FR erklärt Georg Franck, was das schlimmste ist im Kapitalismus: nicht ausgebeutet zu werden. Die taz bringt einen Islam-Schwerpunkt. Laut Berliner Zeitung droht Sascha Waltz mit Weggang von der Schaubühne. Die SZ begibt sich auf die Suche nach einer "neuen sozialen Frage". Die FAZ besucht das Grab Masuds.

Frankfurter Rundschau, 02.12.2003

Der Wissenschaftler Georg Franck ("Die Ökonomie der Aufmerksamkeit") erklärt im Interview, was mentaler Kapitalismus ist: "Wertschöpfung entsteht dadurch, dass Menschen ihre Beachtung hergeben." Ausgebeutet werden dabei diejenigen, "die Beachtung für mediale Information geben, aber keine Beachtung zurückbekommen. Bei der unvermittelt zwischenmenschlichen Kommunikation, also wenn wir zwei jetzt miteinander sprechen, kriege ich ungefähr das zurück, was ich investiere. Diese Austauschbeziehung wird im Fall der medialen Kommunikation sehr einseitig. Die große Zahl der Leser und Seher gibt hier nur noch, ohne je selber ins Licht der Beachtung zu gelangen." Das führt laut Franck zu Reibungen nicht nur innerhalb einer Gesellschaft, sondern auch zwischen den Kulturen: "Im globalen Maßstab sind die Außenhandelsbilanzen in Sachen Kultur so unausgeglichen wie in Sachen des Geldes. Hier wie dort sind freilich diejenigen in der allerschlimmsten Lage, die nicht einmal mehr ausgebeutet werden." Afghanistan zum Beispiel.


Weitere Artikel: Andreas Hartmann meldet die Rückkehr von Jarvis Cocker (Ex-Pulp) als singender Zombie der Band Relaxed Muscle. Ernst Piper erinnert an das Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat vom 1. Dezember 1933. In Times Mager meditiert Mirja Rosenau über Aldi Süd, der jetzt handsignierte Kunstdrucke anbietet.

Besprochen werden eine Ausstellung der schönen Madonnen von Buoninsegna di Duccio in der Santa Maria della Scala und Museo dell Opera in Siena, Jon Fosses "Schönes" in Bochum, nebst einem "Rückblick auf die nachhaltige Jon-Fosse-Hausse hier zu Lande", eine Ausstellung der Fotografien von Dirk Reinartz im Gropius-Bau in Berlin und das Festival "Pianorama" im Funkhaus des WDR

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Die Tageszeitung, 02.12.2003

In einem sehr lesenswerten Artikel beschreibt der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze ("Geschichte der islamischen Welt im 20. Jahrhundert") die Anschläge islamistischer Terrorgruppen als Antwort auf das Vakuum, das die Verbürgerlichung der islamistischen Bewegungen hinterlassen hat: "Die vorherrschende, wertkonservative Tendenz innerhalb des islamistischen Milieus wird von einer Elterngeneration verkörpert, die in den Achtzigerjahren das politische Versagen ihrer Gesellschaftsutopien erleben musste, die durch die islamische Revolution im Iran 1979 angefacht worden waren. Doch weder dort noch in den arabischen Ländern hatte der Islamismus zu einer Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage beigetragen. Die Kinder dieser Generation von Islamisten, die von ihren Eltern auf eine puritanische Lebenshaltung hin erzogen wurden, mussten nun erleben, dass diese Ausbildung ihnen keinerlei soziale Karrieren mehr öffnete. Eine radikale Minderheit kritisierte ihre Elterngeneration und setzte sich von ihr symbolisch ab, indem sie sich einem 'Leben im Islam' verschrieb. Afghanistan, Bosnien oder der Nordkaukasus boten Ziele, wo ein solches Leben existenziell erfahren werden konnte."


Auf den Tagesthemenseiten stellen Jan Feddersen und Philip Gessler eine von der EU in Auftrag gegebene Studie über Antisemitismus in Europa vor. Danach üben nicht nur Rechtsextremisten, sondern auch Muslime in Europa Gewalt gegen Juden aus. Die EU hält die Ergebnisse für nicht repräsentativ und die Studie daher unter Verschluss. Werner Bergmann, Mitautor der Studie, protestiert im Interview: "Muslime tragen den Nahostkonflikt" nach Europa, erklärt er. Auf der Kommentarseite kritisiert Eberhard Seidel westliche Intellektuelle, die den Islamismus und seine Protagonisten nur in Opferrollen wahrnehmen wollen: "Um die radikalislamistische Herausforderung in ihrer ganzen Dimension zu begreifen, wäre es nützlich, sich eingehender mit den Gemeinsamkeiten zwischen Faschismus und Islamismus auseinander zu setzen."

Weitere Artikel: Anne Kraume berichtet, dass die im Aufbau Verlag erscheinende Literaturzeitschrift ndl (neue deutsche literatur) kurz vor dem Aus steht. Detlef Kuhlbrodt war beim "Lovepangs"-Kongress in der "Schmerzkapitale FFM 03". In der tazzwei porträtiert Reinhard Wolff den Norweger Jon Lech Johansen: Er entwickelt Computerprogramme, die Sicherheitskodes von DVDs knacken. Die erste Klage gegen Johansen haben Film- und Musikkonzerne verloren. Heute beginnt der zweite Prozess.

Besprochen werden Retrospektiven der Filmemacher Joao Cesar Monteiro und Nikos Panayotopoulos beim Thessaloniki International Filmfestival und die von Monica Bonvicini und Sam Durant produzierte Ausstellung "Break it/fix it" in der Wiener Secession.

Schließlich Tom.

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Berliner Zeitung, 02.12.2003

An der Schaubühne ist Sparkrise, meldet Michaela Schlagenwerth in der Berliner Zeitung. Die Choreografin Sasha Waltz, "die zuletzt mit dem großartigen 'insideout' zeigte, dass sie auch über 'Körper', ihrem Schaubühnen-Eröffnungsstück längst hinaus ist", droht mit Weggang. "Aber es geht nicht allein um die Compagnie von Sasha Waltz, die in diese Stadt gehört. Es geht um die gesamte Schaubühne."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.2003

Verena Lueken besucht das malerisch gelegene Grab von Ahmed Schah Masud, dem Führer der Nordallianz, der kurz vor dem 11. September von den Taliban ermordet wurde, und hat eine seltsame Begegnung: "Zwei schwarze Geländewagen rasen, umgeben von dichten Staubwolken, die Straße hinauf, bremsen vor dem Mausoleum scharf ab, die Fahrer springen heraus und öffnen die Tür für einen regelmäßigen Besucher. Abdullah Abdullah, Kampfgefährte Masuds und heute Außenminister Afghanistans, entsteigt elastisch dem Wagen, der Wind bläht seinen langen Mantel, erfasst den Schal, und so stolziert der Minister mit schnellem Schritt wie ein Fürst aus der Disney-Version von 'Tausendundeiner Nacht' auf das Grab seines Freundes zu. Als seien wir sein Empfangskomitee, schüttelt er uns die Hand, dann verschwindet er in der kleinen Grabmoschee, um zu beten."


Werner Spies bespricht die Gauguin-Ausstellung im Pariser Grand Palais, für das aus dem Bostoner Museum of Fine Arts auch das monumentale Bild "Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wer sind wir?" anreiste: "Nirgends sonst tritt in der Zeit die Linderung des Geschlechterkampfes, die androgyne Gleichsetzung der Leiber und Sinne auf so schamlos verlockende Weise in den Vordergrund."

Weitere Artikel: Andreas Rossmann besuchte eine Kölner Filiale von Aldi Süd, konnte aber keine handsignierten Drucke der Aldi-Kunstaktion (12,99 Euro im Rahmen) mehr erstehen. Jordan Mejias stellt das neueste Buch des umstrittenen und rechten Politologen Charles Murray vor: "Human Accomplishment: The Pursuit of Excellence in the Arts and Sciences, 800 B.C. to 1950", worin sich nach streng statistischen Ermittlungen herausstellt, das die größten kulturellen Leistungen von toten weißen Männern vollbracht wurden (am Sonnabend hat die New York Times das Buch besprochen, eine Leseprobe finden Sie hier, witzig auch ein Artikel aus Slate über die "Battle of the Genius-Rankers"). Gemeldet wird, dass Romuald Karmakars Film "Die Nacht singt ihre Lieder" als Wettbewerbsbeitrag bei den Berliner Filmfestspielen 2004 gezeigt wird. Wolf Koenigs schreibt den Nachruf auf den Archäologen Gottfried Gruben. Erna Lackner resümiert das zu Ende gehende Grazer Kulturhauptstadtjahr ("Sogar in Wien, der naturgemäß arroganten Hauptstadt, wurden leicht erstaunte bis neidische Ratschläge gegeben, doch einmal über den Semmering zu fahren: 'Lachen Sie nicht, Graz hat sich gemausert!'") Christoph Albrecht berichtet von einer Tagung zum sechzigsten Geburtstag des Mediävisten Achatz von Müller. Und Kunsthistoriker Werner Hofmann gratuliert Kunsthistoriker Thomas Zaunschirm zum Sechzigsten (wer sechzig ist und Professor, der hat's gut in der FAZ!)

Auf der Medienseite berichtet Jürg Altwegg über Stellenabbau beim Zürcher Tages-Anzeiger. Besonders das Feuilleton muss bluten, es scheint die Krise aber nicht ganz so fromm über sich ergehen zu lassen wie die meisten anderen Redaktionen: "Gegen die Entlassung des Ressortleiters hat die Redaktion in einer Stellungnahme, die sie ins eigene Blatt rückte, protestiert."

Auf der letzten Seite erinnert Frank Pergande an Alfred Wellms Roman "Pause für Wanzka", der vor 35 Jahren erschien und sich beißend über das Schulsystem der DDR mokierte. Jürgen Dollase würdigt den Kochbuch-Verleger Friedrich-Karl Sandmann (Verlag Zabert Sandmann), der vom Branchenmagazin Buchmarkt zum Verleger des Jahres ernannt wurde. Und Dietmar Dath meldet, dass Tony Blair in einer in England spielenden Folge der Simpsons drei Sätze lang seiner Figur die eigene Stimme leihen wird.

Besprochen werden Verdis "Macbeth" am Moskauer Bolschoi Theater, eine Ausstellung über die Bagdad- und Hedjazbahn im Nürnberger Museum der Deutschen Bahn, Jean Renshaws neues Tanztheaterstück "Marie Antoinette" in Erfurt, Elmar Goerdens Inszenierung von Lessings "Nathan" am Münchner Residenztheater und die große Ausstellung über Francis Bacon und seine Insirationsquellen im Kunsthistorischen Museum Wien ("Der Homoerotiker Bacon hat sich zeitlebens mit der weiblichen Körperform schwergetan", erfahren wir hier von Peter Gorsen).

Außerdem liegt der FAZ heute die dritte Literaturbeilage bei, die wir wie gewohnt in den nächsten Tagen auswerten werden.

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Neue Zürcher Zeitung, 02.12.2003

"Schatten über zwei Meisterwerken der Moderne" sieht Roman Hollenstein in Los Angeles aufziehen. Zwar sei die Stadt mit der Eröffnung von Frank Gehrys Disney Hall nun auch "architektonisch erwachsen" geworden, doch zumindest zweien der "gebauten Extravaganzen" der Moderne, sowohl Frank Lloyd Wrights Hollyhock House als auch Rudolf Schindlers Bungalow in West Hollywood, droht das Verschwinden in der Vergessenheit. So zeige sich Wrights Hollywood House seit dem Northridge-Erdbeben "in einem verwitterten Zustand, der eines Baudenkmals von Weltrang nicht würdig ist" und auch Schindlers Bungalow mitsamt der "stimmungsvollen Gartenhöfe" geraten durch anvisierte architektonische Projekte unter Druck.


Sieglinde Geisel meditiert über das Echte im Zeitalter des Falschen. Elisabeth Schwind berichtet von der Reise des Freiburger Ensembles Recherche (mehr hier) ins Heilige Land. Besprochen werden eine "literarische Ethnologie der Freikörperkultur": Ernst Augustins Roman "Die Schule der Nackten", weiter Jochen Hörischs Büchlein "Es gibt (k)ein richtiges Leben im falschen" und der Öko-Roman "Ghost of Chance" von William S. Burroughs (siehe unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 02.12.2003

Jens Bisky berichtet, dass das Hamburger Institut für Sozialforschung offenbar eine neue Ausrichtung gesucht und dabei die "neue soziale Frage" gefunden hat. Denn im Zuge der Verlustverteilung zeigt sich ein merkwürdiges Phänomen: "Der Sozialneid der Mittelschichten richtet sich weniger nach oben als nach unten." Dirk Peitz betrachtet noch einmal den Standortkrieg der Musikbranche. Andrian Kreye meldet, dass nun auch nach Joey Ramone eine Straßenkreuzung benannt ist: Second Street Ecke Bowery. H.G. Pflaum glaubt, dass die neue Lebendigkeit des Münchner Filmfests der Besinnung auf die Tradition geschuldet ist. In der "Zwischenzeit" schreibt Hermann Unterstöger über Cecilia Bartoli und innere Gesprächen mit dem Penis. Heinz-Günter Vester erinnert an die Uraufführung von Ernest Chaussons "Le Roi Arthus" vor hundert Jahren in Brüssel. Auf der Meinungsseite macht uns Nina Berendonk mit dem neuen Vendetta-Journalismus der Bild-Zeitung vertraut.


Außerdem ist die Dankesrede von Norbert Gstrein zu lesen, dem in Hamburg der Uwe-Johnson-Preis 2003 verliehen wurde. Darin überrascht Gstrein mit dem Bekenntnis: "Ich habe das, was als DDR-Literatur in die westdeutschen und österreichischen Buchhandlungen gekommen ist, lange Zeit genauso wenig gelesen wie alles andere, das mir durch die bloße Etikettierung auf ein besonderes Wohlwollen oder gar kritiklose Nachsicht bei einem bestimmten Publikum zu schielen schien, und kann jetzt nur das Versäumnis all dessen eingestehen, was mir dabei entgangen sein mag. Das ist um so bedauerlicher, als sich das Missverständnis geraume Zeit auch auf Uwe Johnson bezogen hat."

Besprochen werden Stefan Barths Film "Motown", die Ausstellung "fast foward" im ZKM in Karlsruhe, Elmar Goerdens beschwingte Inszenierung des "Nathan" im Münchner Residenztheater, ein Klavierabend mit Nikolai Tokarew in München, und Bücher, darunter Thornton Wilders "Unsere kleine Stadt" als Hörbuch und der Band "Botanisieren mit Jean Jacques Rousseau (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Das nenne ich totalitär

18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen

Tagtäglich dem Leser zugemutet

17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen

Ist Gott jetzt zufrieden?

16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen

Samples der Oberflächenwelt

15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Filzhaltige Kunstzeichen

14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen

Es zeichnet sich der Morgenstern ab

13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen

Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht

11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen

Was öffentlich ist und was nicht

10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen

Hegemoniale Metaerzählung

08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen.  Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen  bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen

So sehr haben die Chefs Angst

07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen

Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung

06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald  zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen

Die Empörung ist eine europäische Sünde

04.05.2013. In der Welt spricht Kevin Powers über seinen Roman "Die Sonne war der ganze Himmel". Daily Mail stellt kleidsame Wollkappen für Schildkröten vor. Die taz trauert um die einst so angesagte Clubszene von Berlin. Für die FAZ legt die Psychoanalytikerin Julia Kristeva ganz Europa auf die Couch. Und alle gedenken Søren Kierkegaards. Mehr lesen

Steile Hierarchien, Massenproduktion, Akkordarbeit

03.05.2013. In Foreign Policy rät Arch Puddington zum heutigen Tag der Pressefreiheit von der Reise in die zehn schlimmsten Länder für Journalisten ab. Die NZZ stellt die Designerin Inga Sempé vor. Mit Longform.org verlinken wir auf die "2013 National Magazine Awards Winners" mit Texten aus dem Atlantic und Texas Monthly. In der NYRB schreibt Ian Buruma über David Bowie. Die FAZ liest den Briefwechsel zwischen Grass und Brandt und empfiehlt Telekom-Kunden die Exhumierung ihrer Akustikkoppler. Die SZ besucht eine Ausstellung über die Geburt der neusten Technik aus dem Geist des Hippietums. Mehr lesen

Abkehr vom Mainstream der Alltagsheringe

02.05.2013. In Spiegel online fordert Sascha Lobo viel mehr Investitionen in ein schnelles Internet - und zwar von der Regierung. Im Tagesspiegel stellt Achim Freyer mit Richard Wagner ein Notgleichgewicht her. Die taz beleuchtet die Rolle von Gewerkschaften und SPD in der Nazi-Zeit. In der Zeit spricht Cecila Bartoli über tragische und weniger tragische Frauenrollen. Die FAZ übernimmt Salman Rushdies Aufruf für die Anerkennung von Freiheitshelden als Freiheitshelden. Das WWW ist zwanzig Jahre alt. Das CERN stellt die allerallererste Website wieder online. Mehr lesen

Wo es ernst wird, reicht das Netz nicht aus

30.04.2013. Die FAZ schreitet über die Stege des Mucem ins mediterrane Glitzerlicht der Kulturhauptstadt Marseille. Jürgen Habermas hat in Belgien über Europa gesprochen - und die Deutschen zu Opfern aufgefordert. Die NZZ erkundet die Möglichkeiten des Netzes als Medium des Protestes. Brigitte eröffnet die Berichterstattung über den NSU-Prozess. Und in der Welt hält Matthias Küntzel fest: Richard Wagner war ein Klassiker - und zwar des deutschen Antisemitismus. Mehr lesen

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