Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

11.09.2003. Alles 11. September heute: In der Zeit erzählt Jorge Edwards, wie die radikale Linke zu Chiles Untergang beitrug. Die SZ präsentiert Minima Memorabilia zu Adorno. Die FAZ bemerkt zu Vorstellungen von einem aufgeräumten, patriotischen, New York: "Fuhgeddaboudit!" Und die FR verbindet alles mit einem Text von Adorno übers Fliegen.

Zeit | SZ | FR | NZZ | TAZ | FAZ

Zeit, 11.09.2003

In einem ausgesprochen lesenswerten Interview erinnert sich der chilenische Diplomat und Schriftsteller Jorge Edwards (mehr auf Spanisch hier) an den Putsch vom 11. September 1973, genauer gesagt, an die Zeit davor: "Bis heute wird der Einfluss Moskaus auf Allende überschätzt - wie umgekehrt der Einfluss Washingtons auf die Putschisten. Nein, da hilft alles nichts: Das Dilemma war hausgemacht. Wobei Kuba natürlich tatkräftig die extreme Linke innerhalb und außerhalb der Sozialistischen Partei unterstützte. Diese oft auch paramilitärisch bewaffneten Gruppierungen taten alles, um sich den Mittelstand zum Feind zu machen und beispielsweise die Nationalisierungen und Landreformen, die nur die Oligarchie betreffen sollten, maßlos auszuweiten. Einen schlimmeren Bärendienst hätte man dem eigentlich doch luziden Präsidenten Allende nicht erweisen können... Anstatt Gerechtigkeit zu schaffen, gelang es diesen Leuten, das Land in atemberaubender Schnelligkeit herunterzuwirtschaften. Endlose Autoschlangen vor den Tankstellen, leere Metzgerläden in der Hauptstadt, selbst Mangel an so etwas Banalem wie Zahnpasta: eine Alltagsmisere nach der anderen und ein Dilettantismus, der es mit geradezu lehrbuchhafter Konsequenz fertig brachte, auch viele der so genannten kleinen Leute gegen die Regierung aufzubringen."

Zum Fall Günter Wallraff erinnert Jörg Lau an den westdeutschen Selbsthass, der damals nicht nur Wallraffs Arbeiten durchzog: "Wer das für eine Errungenschaft hält, muss aber auch über die weit verbreitete strategische Kumpanei mit der SED-Diktatur reden, über die politische Blindheit, die derselben Quelle entsprang. Günter Wallraffs Fall gibt einen guten Anlass dazu, auch wenn er nicht 'vom Osten gesteuert' war. Er zeigt, dass es der Steuerung gar nicht bedurfte."

Zum Tod von Leni Riefenstahl seufzt Jens Jessen: "Dass das Schöne notwendig zum Guten strebt, ist ein frommer Aberglaube, den Leni Riefenstahl zerstört hat; aber nicht mit luzider Bosheit, sondern einem merkwürdig dumpfen, unbewussten inneren Gesetz folgend. Diese Dumpfheit und das Unbewusste, zum Letzten, sind das Anstößigste an dem großen Werk dieser unzugänglichen Frau."

Weiteres: Unter dem recht hochgegriffenen Titel "Der kurze Sommer der Anarchie" schwärmt jetzt auch Peter Kümmel von den Flash Mobs, "die aufgekratzte Kehrseite der brütenden, feindseligen Alltagsmasse". Katja Nicodemus bilanziert die Fimfestspiele von Venedig. Der Historiker Norbert Frei springt dem Kollegen Martin Broszat zur Seite, dem vorgeworfen wird, seine NSDAP-Mitgliedschaft verschwiegen zu haben. Nach einer Rekonstruktion der Umstände hält Frei es für denkbar, dass Broszat von seiner quotierten Kollektiv-Aufnahme tatsächlich nichts erfahren hat. Claus Spahn weiß noch nicht, ob er Erfurts Opern-Neubau als "mutiges Zeichen wider den Kulturverfall" preisen oder als "geistlose, landesfürstliche Macht- und Repräsentationsgebaren" verteufeln soll. Christof Siemes gibt einen Ausblick auf das von Andre Heller organisierte Kulturprogramm der Fußball-WM 2006. Vom Kunstmarkt meldet Claudia Herstatt, dass der Handel mit Uhren floriert.

Den Literaturteil eröffnet Jochen Jung mit einer Eloge auf Raoul Schrotts Roman "Tristan da Cunha".

Hinzuweisen ist auf das Dossier, in dem Andrea Böhm schildert, wie die Regierung Bush in den USA das abbaut, was sie im Irak einführen wollen: die demokratischen Grundrechte.

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SZ, 11.09.2003

Alles Adorno am heutigen 11. September: "Was blieb von Adornos Glanz", fragt beispielsweise sein Ex-Student Joachim Kaiser. "Blendendes Charisma ging von Adornos Erscheinung nicht aus. Dazu war er wohl zu pummelig-rundlich, zu klein. Gleichermaßen weit entfernt von Wagners Siegfried wie von Michelangelos Moses. Sonst hätten seine Freunde oder seine Schüler ihn auch gewiss nicht 'Teddie' genannt. Freilich überwältigte die Lebendigkeit seiner Augen, die werbende Herzlichkeit seines Blicks und die Angst, welche sich dahinter wie auch in den Falten um seinen Mund zu verbergen schien... Als ich irgendein Referat gehalten hatte, sagte er (und ich begriff nicht gleich, welch tödlich massiven Vorwurf er damit verband): 'Kaiser, Ihre Referate klingen wie Nachrufe'." Und hier erzählen Studenten und Weggefährten ihre Adorno-Lieblingsanekdoten.

"Kein New Yorker mag mehr hinschauen," schreibt Andrian Kreye über die endlosen Bildschleifen von der Katastrophe, die das Fernsehen zum zweiten Jahrestag von "Nine Eleven" wiederholt. "Trotzdem ist das Unbehagen geblieben. Es sind nicht die ostinaten Bilder, Filme und Artikel. Es ist der Spätsommerhimmel, der exakt so blau strahlt wie an jenem Vormittag vor zwei Jahren. Es sind die silbergleißenden Jets, die in der Schneise über Manhattan längst wieder im Tiefflug in den Landeanflug drehen. Es ist der Blick nach Downtown, der wie ein Phantomschmerz die Lücke in der Skyline erfasst."

Weitere Artikel: Jürgen Berger vermutet, dass Matthias Hartmann als Intendant von Bochum nicht ans Hamburger sondern ans Zürcher Schauspielhaus wechseln wird. Martin Urban schreibt zum Tod von Edward Teller (mehr hier), dem Erfinder der Wasserstoffbombe, der 95-jährig in Kalifornien gestorben ist. Klaus Dermutz singt ein Loblied auf die anarchischen Freien Theatergruppen und Laientheater, die in den Theaterferien die Szene bevölkern. Von Stefan Koldehoff erfahren wir, dass das verschwunden geglaubte Ehrenbuch der Reichs-Messe Leipzig wieder aufgetaucht ist. Und Evelyn Vogel beschreibt die Aufbruchstimmung in der kambodschanischen Filmindustrie.

Besprochen werden Ron Sheltons Film "Hollywood Cops", Alexander Riedels Streifen "Nachtschicht", Gaspar Noes Skandalfilm "Irreversible" ("eine Null-Geschichte", wie Susan Vahabzadeh findet), eine Ausstellung des fotografischen Werkes von Roland Fischer in der Münchner Pinakothek der Moderne, die (von Gideon Kremer gespielte) Uraufführung des ersten Violinkonzertes des Greenaway-Filmkomponisten Michael Nymans beim Schleswig-Holstein Musik-Festival und Bücher, darunter Adornos Briefe an seine Eltern und die an seine Frankfurter Verleger (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

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FR, 11.09.2003

Die FR verbindet die Nine-Eleven-Jubiläen des Tages, und druckt einen Adorno-Text von 1954 übers Fliegen: "Beim Tagflug über den amerikanischen Kontinent von Los Angeles nach New York, der etwa zehn Stunden währt, scheinen alle gänzlich an das gewöhnt, was sich abspielt.... Kein Schauder: das Bild des Fluges ist stumpf, einfarbig geworden ...Auch der lange zu fliegen zögerte, bleibt frei von Angst. Der Luftdruck in den riesigen Aeroplanen ist ausgeglichen; Luftkrankheit gibt es in ihnen nicht mehr. Die Luftlöcher, von denen gefabelt wird, sind nicht zu merken. Nicht einmal der Augenblick, in dem man die Erde verlässt, lässt mit Sicherheit sich angeben. Vielleicht ist er übertönt von dem unmäßigen Tosen der Motoren, die unmittelbar vorher entfesselt werden, und denen man sich ausgeliefert fühlt so ohne alles Verhältnis zum eigenen Körper, dass man sich fügt, ohne recht fürchten zu können."

Den Text, der schon einmal vor 49 Jahren in der FR erschien, dürfen alsdann verschiedene FR-Redakteure kommentieren und interpretieren.

"Wer heute fernsieht... sieht, dass er in der Regel kaum etwas sieht, das er nicht schon gesehen hätte", schreibt Jürgen Roth auf der Medienseite. "Das ist kein Lamento, sondern ein objektiver Befund, und die halbwegs rasante Abfolge mehr oder weniger skurriler oder obszöner Formate und 'Innovationen' ändert daran nichts. Und der Hinweis auf die Inseln des 'Bildungsfernsehens' vermag schon gar nicht daran zu rütteln, dass das Fernsehen zum Inbegriff dessen wurde, was Adorno unter dem Begriff der Kulturindustrie fasste - Inbegriff des Gleichförmigen, Schematisierten, Effekthascherischen, kurzum und mit Posaune: ein Verblendungsapparat, der seine Fixierungen und Vorurteilsmuster bis ins Innerste der Konsumenten transportiert."

Weitere Artikel: Hannes Gamillscheg schreibt über verspätete dänische Versuche, die eigene Rolle während der NS-Besatzung zu reflektieren, und in der Kolumne Times Mager wendet sich Christian Thomas einigermaßen schaudernd vom frisch eingeweihten und möbilierten Frankfurter Theodor-W.-Adorno-Platz ab.

Besprochen werden Michael Frayns neues Stück "Democracy" (über Willy Brandt) am National Theatre in London, eine Libeskind-Ausstellung im von Libeskind entworfenen Berliner Jüdischen Museum und Joel Schumachers Filmdrama "Die Journalistin" (das Jan Distelmeyer "allzu stringent" gefunden hat).

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NZZ, 11.09.2003

Ueli Bernays singt das Klagelied über die Jugend, den Pop und den Niedergang der beiden: "Hendrix gegen Mozart, Dylan gegen Adorno: Das waren noch harte Kämpfe zwischen Vater und Sohn, zwischen kulturellem Establishment und Pop. Heutige Generationenkonflikte aber werden allenfalls innerhalb der Popkultur selbst ausgetragen - etwa zwischen Punks und Techno-Freaks. Schwer also lasten ältere Poptraditionen auf den Jungen, die die Popkultur als Konsumenten zwar noch immer tragen, sich aber in Pop und Popmusik kaum mehr auf eine originäre Weise zu artikulieren vermögen. Stattdessen spielen sie die Musik früherer Generationen. Gelingt es ihnen, diese aufzufrischen, ist das schon viel."

Weiteres: Ein hübsches Zitat von Günther Anders liefert Uwe Justus Wenzel in seinem Adorno-Geburtstagsartikel. Der nämlich hat von Adornos Texten gesagt, sie seien sämtlich in His-Dur notiert. George Waser staunt, welche - nun, ja - Bandbreite die britische Presse in ihrer Berichterstattung zur Hutton-Untersuchung aufweist.

Besprochen werden eine Schau niederländischen Kunsthandwerks in Den Haags Gemeentemuseum und Bücher, darunter neue französische Publikationen über die Intellektuellen in der Geschichte, Peter Stamms Erzählungen "In fremden Gärten" sowie Birgit Vanderbekes neues Buch "Geld oder Leben" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Stichwörter: Geld, Mozart, Musik, Pop, Popkultur, Popmusik

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TAZ, 11.09.2003

"Die 'Bürger der Stadt': Sie sind zu einer gefragten Figur auf der Bühne der Auseinandersetzung zwischen Sparpolitik und Verteidigung der Theater geworden", schreibt Katrin Bettina Müller in ihrem Bericht über eine Veranstaltung der Berliner Heinrich Böll-Stiftung zu den Perspektiven des Stadttheaters. "Sie sind das neue Phantom, der steinerne Gast, der als Verkörperung von Gewissen und Geschichte beschworen wird. Ein neues Bewusstsein muss her, was das Theater wert ist, sagte Antje Vollmer, nicht zum ersten Mal.... Sie versuchte es mit einer historischen Herleitung aus dem fürstlichen Mäzenatentum. Da wird aus dem Theater so etwas wie die vergessene Prinzessin im Aschenputtelgewand."

Weitere Themen: Ulf Poschardt liefert den obligatorschen Adorno-Geburtstagsartikel, der Rest ist Kulturindustrie: "Zerstörerischer und menschenverachtender ist Kino selten gewesen", bemerkt Andreas Busche zu Gaspar Noes Film "Irreversible". Dietmar Kammerer hat Tom Schreibers Spielfilmdebüt "Narren" gesehen. Dietrich Kuhlbrodt bespricht Joel Schumachers Film "Die Journalistin" und Harald Peters zeigt sich entäuscht von Bruno Barretos Film "Flight Girls".

Und hier Tom

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FAZ, 11.09.2003

"Fuhgeddaboudit!" ruft Jordam Mejias zusammen mit News Yorks Einwohnern all jenen entgegen, die sich nach 9/11 einen Big Apple voll Herzenswärme, Güte und Patriotismus gewünscht haben. New York ist schon wieder zur gewohnten Schnoddrigkeit zurückgekehrt, berichtet er beruhigt. "Die Stadt verschmuddelt. Obdachlose tauchen in ihren ehemaligen Refugien auf, durch die Straßen weht mehr Unrat als gewohnt. Ein New Yorker mit längerem Gedächtnis kann sich aber über trübe Wolken aus Papierfetzen und Plastiktüten, die durch die Straßenschluchten wehen, nicht anständig ereifern. Wer die Stadt in den siebziger Jahren kennenlernte, als die Einwohnerzahl rapide sank und die Verbrechensrate in schwindelerregende Höhen kletterte, als nur Tollkühne oder Lebensmüde nach Mitternacht in die U-Bahn stiegen, ganze Stadtteile verfielen oder in Rauch aufgingen und die Stadtverwaltung leerstehende Hausruinen für fünfundzwanzig Dollar feilhielt, wird das heutige New York immer noch mit dem Paradies verwechseln."

Auf einer eigenen Bildseite zeigt die FAZ stolz die Adorno-Bilder ihrer Hausfotografen. Andreas Platthaus reicht dazu ruhmreiche Anekdoten, unter anderem jene, als Barbara Klemm wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen wurde. "Die Beamten versuchten ihr die Beine wegzutreten, an ihrem Mantel war am Ende des Tages kein einziger Knopf mehr vorhanden."

Weitere Artikel: Wird der ermordete Nationaldichter Garcia Lorca nun aus seinem Massengrab exhumiert oder nicht, siegt also Neugier oder Pietät , fragen sich Spanien wie Paul Ingendaay. Dietmar Dath porträtiert Edward Teller (ein Interview über seine Arbeit in Los Alamos hier) als Riesen der Erkenntnis, voller Leidenschaft, Erschrecken und Mitleid. Außerdem erfahren wir, dass sein Enkel Astro heißt. Mit Lust ist Gina Thomas durch das neue kesse biomorphe Selfridges-Kaufhaus (so sieht es aus) in Birmingham spaziert. Jetzt fehlen nur noch die Selbstmörderbilder auf den Werther-Ausgaben, meint "kau" zu den geplanten abstoßenden Bildern zerstörter Lungen auf Zigarettenpackungen. Freddy Langer stellt die fotografischen Arbeiten Brigitte Maria Mayers zum 11. September vor, in denen sie etwa Modelle in Renaissanceposen vor Originalaufnahmen montiert.

Im Kinoteil gibt Bert Rebhandl einen Überblick über Filme zur Geschichte Chiles. Michael Althen hat sich Ray Müllers dreistündige Riefenstahl-Dokumentation "Die Macht der Bilder" noch einmal auf DVD angesehen. Andreas Kilb verliert ein paar Gemeinheiten über die neue Deutsche Filmakademie und ihre Preisvielfalt. Auf der letzten Seite schlendert Kerstin Holm über die Moskauer Buchmesse. Hans Dieter-Seidel hält Günter Rohrbach für den idealen ersten Präsidenten der Deutschen Filmakademie. Scheinwerfer wie Seifensieder und andere gestalterischen Geistesblitze hat Thomas Wagner bei seinem designkritischen Spaziergang über die IAA bemerkt. Klaus Ungerer weiß, dass die Plakatkampagne der Regierung für die Agenda 2010 eigentlich Schröders Merkzettel sind. Nach "Steuern runter" erwartet er demnächst "Ulla entlassen".

Auf der Medienseite beobachtet Heike Hupertz ein nur mäßiges Medieninteresse am zweiten 9/11-Jahrestag. Die Amerikaner sind schon wieder weiter. Alexander Bartl empfiehlt eine ARD-Dokumentation mit dem gnadenlos-investigativen Titel "Die Abzocker aus dem World Trade Center". Walter M. Straten, BILD-Ghostwriter von Franz Beckenbauer, bestätigt im Kurzinterview dagegen nur, was wir schon wussten: Beckenbauer und BILD arbeiten "wunderbar" zusammen.

Einzig und allein Bücher werden heute besprochen, darunter "Fümms bö wö tää zää Uu", der von Christian Scholz und Urs Engeler herausgegebene Versuch einer Anthologie der Lautpoesie sowie eine gelehrte Untersuchung über Juden in der Renaissance (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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