Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
06.07.2002. Heute kommentieren alle die Stadtschloss-Entscheidung - mit Ausnahme der taz, die neue deutsche Landschaftsliteraten vorstellt. Walser-Nachwehen gibt es in der FAZ und in der NZZ.
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2002
Auftritt des Geistes der dahingegangenen Berliner Seiten im Feuilleton, in Gestalt von deren Miterfinder Florian Illies, der sich mächtig über die Stadtschloss-Entscheidung des Bundestags freut und den Möchtegern-Schlossherrn Wilhelm von Boddien lobt: "Mit seiner Idee, das Schloß in Form einer aufgemalten Attrappe ins Bewußtsein zurückzuholen, hatte er den ideellen Grundstein der Diskussion gelegt. Seine Aktion war zugleich die erste Demonstration jenes bügerlichen Engagements, das in der Rekonstruktion der Dresdner Frauenkirche zur Zeit seine erste große Blüte erlebt und das am Ende, mit einem auch privat finanzierten rekonstruierten Stadtschloß in Berlin, seinen Höhepunkt finden könnte." Für die Gegner der Rekonstruktion hat Illies nichts als Hohn und Spott übrig, der Kommentar zu Klaus Wowereit gehört noch zu den freundlicheren: "Wie eine beleidigte Leberwurst teilte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit später mit, daß der Bund, wenn er das Schloß unbedingt wolle, es nun auch finanzieren müsse."
Das Interview Joachim Kaisers mit der Jungen Freiheit in Sachen Walser ist natürlich ein gefundenes Fressen für Patrick Bahners: "Kaiser stellt nun die Anstandsregel einer gesitteten Öffentlichkeit auf den Kopf, daß nur das gesprochene Wort gilt und nicht der vermutete Hintergedanke." Jürgen Kaube kommentiert - kritisch - das Kopftuchurteil des Bundesverwaltungsgerichts. Einen für Dieter Wedel nicht ganz billigen Vergleich gab es, wie Andreas Platthaus zu berichten weiß, im Streit um die Urheberrechte an Semmeling-Drehbuchpassagen.
Außerdem: Damian Dambrowksi erzählt, wie Giorgio De Chirico sich gehörigen Ärger mit den Vorkämpfern der Moderne einhandelte. In Sausalito, Vorstadt von San Francisco, feierten die letzten Hippies den amerikanischen Unabhängigkeitstag auf ihre Art, Heinrich Wefing war dabei. Georg Imdahl schreibt zur Wiedereröffnung der Düsseldorfer Kunsthalle. Gratuliert wird dem "Bergsteiger, Abenteurer und Forscher" Heinrich Harrer zum 90. und Rosel Zech zum 60. Geburtstag. Wolfgang Sandner schreibt zum Tode des Komponisten Earle Browne. Im Medienteil findet sich ein ausführliches Interview mit Stefan von Holtzbrinck.
Rezensionen: Andreas Kilb bespricht Männerfilme, nämlich "Das Haus am Meer" und "Wir waren Helden", auf der Schallplatten-und-Phono-Seite lobt Edo Reents das neue Oasis-Album "Hindu Times" und Gerhard R. Koch die Einspielung von Helmut Lachenmanns Oper "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" ("ein Ereignis"). Besprochen werden eine Reihe von Büchern, darunter ein neu übersetzter Roman von Anthony Trollope, und "Eine Welt für Julius" des Peruaners Alfredo Bryce Echenique (Siehe unsere Bücherschau Sonntag ab 11).
Abgedruckt wird - leicht gekürzt - Peter Glasers Bachmann-Gewinner-"Geschichte vom Nichts" (hier ist sie - im pdf-Format - immer noch vollständig zu lesen). In der Frankfurter Anthologie bespricht Wolfgang Brenneisens Hermann Hesses "Landstreicherherberge":
"Das alles steht und hat Bestand / Wir aber ruhen eine Nacht / Und gehen weiter über Land, / Wird uns von niemand nachgedacht."
Apropos Bestand: Ganz verschwunden scheint nun auch der Rest der Bilder und Zeiten.
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Die Tageszeitung, 06.07.2002
Wie lässt sich über Natur schreiben, wenn Konsens ist, dass jeder Versuch, Natur in Kunst zu verwandeln, vor die Wand gelaufen ist? fragt Susanne Messmer in einem Beitrag und nimmt sich drei Romane neuer Landschaftsliteraten vor (Andreas Maiers "Klausen", Henning Ahrens' "Lauf Jäger lauf" und Michael Lentz' "Muttersterben"). Alle drei Autoren, erklärt Messmer, beschreiben die Beziehung zur Natur als zerrissen. "Andreas Maier und Henning Ahrens folgern daraus, dass man sich an nichts annähern kann, was man nicht versteht, und entwickeln raffinierte Erzählstrategien, die Natur nur indirekt schildern. Michael Lentz versucht genau das Gegenteil. Er tastet sich an das Unantastbare heran. Damit schafft ausgerechnet er es - der störrischste, sperrigste, schwierigste dieses Trios -, den Bruch mit der Natur sinnlicher zu beschreiben als seine beiden Kollegen ... er versucht es trotzdem, schreibt sich heran, zieht sich zweifelnd zurück, schreibt sich wieder heran. 'Und nicht zu vergessen himbeer johannis- und stachelbeer die aus dem boden stakten mauerlinks', schreibt er."
Der Rest der Kulturredaktion ist wohl lieber baden gegangen. Besprochen immerhin werden Richard Linklaters Animationsfilm "Waking Life" und drei DVDs mit wiederaufgelegten Techno-Videos vom Plattenlabel !K7. Und in den Tagesthemen singt Waltraud Schwab den Blues auf das Kreuzberger Prinzenbad (die größte WG der Stadt), das neuerdings Preise verlangt wie ein Kaiserbad.
Schließlich TOM.
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Frankfurter Rundschau, 06.07.2002
Christian Thomas kritisiert den Bundestagsbeschluss zum Berliner Stadtschloss und vermutet, dass die verantwortlichen Parlamentarier ("weitgehend Repräsentanten der 68er-Generation") im Reichstagsgebäude, "das nicht allein wegen der Kuppel Norman Fosters zu einem fulminanten Beispiel für eine Architekturcollage geworden ist", bis heute nicht angekommen sind: "Mit dem Beschluss, der einen Architekturwettbewerb kategorisch ausschließt, wurden nicht zuletzt die großen Leistungen der Architekturmoderne auch in Deutschland in Misskredit gebracht. Dieses auf den ersten Blick fatale ästhetische Urteil kann für die Mentalität in der Republik nicht hoch genug veranschlagt werden." Eine Mentalität, so Thomas, die ein bisher übersehenes Kapitel der Dialektik der Aufklärung liefert.
In einem anderen Beitrag erzählt Marius Meller, wie Thomas Mann den jungen Teddy Wiesengrund-Adorno für seinen "Doktor Faustus" einspannte und wie Adorno sich trotzdem gebauchpinselt fühlte: "Adorno stutzte einen Moment, als er sich und seine Gedanken auch in der Figur der zweiten Mutation der Teufelsfigur im berühmten 25. Kapitel des Romans, im Teufelsgespräch, wiederfand ... Aber Adorno hat sich offenbar mit der Camouflage angefreundet, denn einen der folgenden Briefe unterschrieb er mit: 'in treuer Verehrung, Ihr alter Teufel'. Geschmeichelt fühlte er sich deshalb, weil in der Teufelserscheinung die negative Dialektik auf ihr Urprinzip in der Schöpfung, auf den Typus des vom Allerhöchsten eingesetzten 'Verneiners' zurückgeführt wird."
Außerdem erinnert Thomas Medicus an eine weitere geschichtspolitische Frage, die der Bundestag diskutierte (aber nicht klären konnte): Soll das geplante "Zentrum gegen Vertreibungen" in Breslau stehen oder in Berlin? Auf der documenta 11 (Website) erwägt Ulf Erdmann Ziegler ein mögliches "Ende" der Fotografie in der Sphäre des digitalen Medienapparats, und in ihrer neuen Kolumne spürt Renee Zucker den Veränderungen nach, die Kahn und Co. übers Land gebracht haben: Frohsinn, Siegeswillen, Kaugummis.
Besprechungen widmen sich dem Thriller "Joint Security Area" (deutsche Website) des Südkoreaners Park Chan Wook, Richard Linklaters Animationsfilm "Life", Thornton Wilders "Wir sind noch einmal davon gekommen" am Schlosstheater Moers, dem Album "Footprints Life!" des Jazz-Saxofonisten und Komponisten Wayne Shorter, dem Fotoband "Kosmos. A Portrait of the Russian Space Age" von Adam Bartos, Jan Costin Wagners Debütroman "Nachtfahrt", einer neuen Erzählung von Raoul Schrott sowie einem Buch über die Geburt der Kybernetik (auch in unserer Bücherschau Sonntag um 11).
Und im Magazin-Gespräch versichert Karin Stoiber, sie könne sich inzwischen "wirklich gut vorstellen, mir auch in Berlin ein Zuhause zu schaffen", ehrlich, sogar im "sehr futuristisch" wirkenden Kanzleramt...
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Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2002
Verschwinden wird nun auch das "Kleine Glossar des Verschwindens", in der letzten Folge winkt heute Andrea Köhler, ganz passend, mit dem Taschentuch: "Bei jeder Trennung gibt es ja immer zwei Abschiede, den Abschied dessen, der geht, und den desjenigen, der bleibt. Die mit dem Taschentuch hatten meistens den trostbedürftigen Part; das Taschentuch war das Unterpfand des Zurückbleibens. Mit seinem Verschwinden hat auch das Abschiednehmen eine andere Gestalt angenommen; und dies nicht nur, weil heute auch Frauen gehen und man sich nicht mehr aus dem Zugfenster lehnen kann." Mach's gut, kleines Glossar, wir werden dich vermissen.
Paul Jandl gratuliert dem Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen (hier die Website) zum 20. Geburtstag. Claudia Schwartz kommentiert die Berliner Stadtschloss-Entscheidung: "So hüllt die deutsche Hauptstadt ihr Herz in Barock, während Anhänger der hohen Baukunst unserer Zeit auch in Zukunft nach Bilbao oder Sydney pilgern." Maja Turowskaja stellt in der Reihe "Russland, persönlich" den Patriarchen unter den russischen Modemachern vor, Slawa Saizew.
Besprochen werden unter anderem Sybille Tönnies' Buch über den Weltstaat und Jürgen Lodemanns Siegfried-Roman. (Siehe auch unsere Bücherschau ab Sonntag um 11 Uhr)
In Literatur und Kunst geht es heute zum einen um das Geschäft bzw. die Kunst der Kritik. Günter Rühle etwa erzählt, wohl nicht ganz ohne Nostalgie, von Kritikerfehden im Berlin der 20er Jahre, deren Protagonisten Alfred Kerr und Herbert Jhering waren: "Kerr liebte Leichtigkeit, Jhering sprach in Basaltblöcken. Kerr war spielerisch, Jhering kämpferisch, Kerr ironisch, Jhering programmatisch, Kerr provozierend, Jhering deklarierend, Kerr extrovertiert, Jhering introvertiert. Es gab keine grösseren Gegensätze." Hanno Helbling bringt (allzu) berühmte Beispiele aus der Geschichte des "leidenschaftlichen Verstehenwollens". Bernd Witte rollt den garstigsten Literaturstreit des 19. Jahrhunderts noch einmal auf, den zwischen Heinrich Heine und August Graf von Platen - mit einem Schlenker in die Gegenwart: "Nicht um Gesinnung oder moralische Urteile geht es in seiner Kritik, geht es in der Literaturkritik überhaupt, im Gegensatz zu dem, was Ullrich Raulff neulich in der 'Süddeutschen Zeitung' glaubte konstatieren zu müssen, sondern um Wirkung in der Öffentlichkeit, also im politischen Raum." Und Roman Bucheli schreibt zum endlichen Erscheinen von Walsers "Tod eines Kritikers", aber Neues erfährt man nicht.
In einem weiteren Schwerpunkt gibt es zwei große Artikel zum Thema Ethos der Wissenschaften: Der Philosoph Jürgen Mittelstraß (hier seine Homepage) schreibt dazu (recht tautologisch): "Wissenschaft ist nämlich Ausdruck universaler Geltungsansprüche, und zwar erstens in einer besonderen Form der Wissensbildung, eben der wissenschaftlichen Wissensbildung, zweitens unter dem hier hervorgehobenen Gesichtspunkt eines wissenschaftlichen Ethos, das auch die moralische Form von Wissenschaft ausmacht." Uwe Justus Wenzel sekundiert in der Besprechung zweier neuer Bücher zum Thema, Peter Weingarts "Die Stunde der Wahrheit" und das nur in englischer Sprache erschienene "Re-Thinking Science" von Helga Nowotny, Peter Scott und Michael Gibbons.
Und zum Abschluss nehmen wir noch ein Bad im Luganer See, mit Franz Kafka, im Sommer 1911.
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Süddeutsche Zeitung, 06.07.2002
Berlin! Schloss! Warum die barocken Befürworter gewonnen haben? Die Kraft des Traums ist schuld, schreibt Jens Bisky, der von der Unfähigkeit der "Modernen" und Schlossgegner enttäuscht ist, dagegen anzustinken: "Eigentümlich lustlos wiederholten sie die bekannten Argumente für einen offenen Wettbewerb zwischen Schlüter und seinen Herausforderern." Die Stärke der Schlossfreunde indessen lag darin, "dass sie nicht triumphierend auftraten - weder gegenüber der inzwischen kleinen Schar der Palast-Anhänger noch gegenüber zeitgenössischen Architekten. Sie haben gelernt, den fundamentalistischen Ton zu vermeiden ... Sie konnten auf die Kraft des Bildes setzen, das auch Laien überzeugt."
In einem eilig zusammengestellten Meinungsdossier kitzelt Robert Gernhardt allerdings auch einen echten Vorteil der Entscheidung heraus: "Es wird die Japaner bündeln, und im Rest von Berlin wird Ruhe sein." Und Daniel Libeskind findet wahre Worte: "Das ist eine sehr traurige Entscheidung für Berlin und ein schlechtes Omen für seine Zukunft. Das Parlament lässt zu, dass Geschichte gefälscht wird und führt die Öffentlichkeit in die Irre. Die Gegenwart wird von der Zukunft abgeschnitten. Selbst Las Vegas ist authentischer."
Ferner erklärt Wolfgang Koydl, wie ein jetzt postum veröffentlichter Polit-Thriller Robert Ludlums den virulenten Anti-Europäismus in den USA bedient, Ira Mazzoni begutachtet das Festspielhaus Hellerau (Website) nach der Instandsetzung und beklagt einen denkmalpflegerischen Trauerfall, Fritz Göttler läutet das Filmfinale in München ein, 70. Geburtstag feiern der Jazzer Joe Zawinul (hier der Geburtstagsartikel) und der holländische Architekt Herman Hertzberger (hier das Ständchen), und unterwegs in Sachen Globalisierung beobachtet Alexander Kissler rheinische Anarchokapitalisten bei der Arbeit, während Tobias Timm das in Vancouver produzierte Magazin "Adbusters" vorstellt, das den Kapitalismus mit dessen eigenen Waffen bekämpft.
Besprochen werden die große Lucian-Freud-Werkschau in der Londoner Tate Britain, Richard Linklaters Film "Waking Life", Bodo Kirchhoffs "Schundroman", der Briefwechsel zwischen Sandor Marai und Tibor Simanyi, ein Sammelband zur Komparatistik des europäischen Mittelalters sowie drei Bücher, die sich mit Muslimen in Deutschland befassen (siehe auch unsre Bücherschau Sonntag um 11).
Die SZ am Wochenende schließlich bringt eine Kurzgeschichte von David Wagner über die Wonnen des Zusammenlebens, und Thomas Steinfeld erzählt die Geschichte vom Rausch und Ruin des Barons Jacques von Adelswärd-Fersen auf Capri.
Archiv: Heute in den Feuilletons
Geheimsache des Heiligen Offiziums
22.03.2010. Die FR übernimmt Christopher Hitchens' Slate-Artikel zur Verantwortung Benedikts XVI. an der Vertuschung der Sexualdelikte in seiner Kirche. Auch die FAZ kritisiert den Papst. Der Tagesspiegel besucht den Kölner Ground Zero um das versehentlich geschleifte Stadtarchiv und stößt auf das schiere Nichts. In der SZ erklärt der Philosoph Wolfram Eilenberger sein Misstrauen gegen den allseits kompatiblen Begriff der Nachhaltigkeit. Die Meldung vom Tod Wolfgang Wagners kam zu spät für die Zeitungen. Mehr lesen
Muss ich etwas zu sagen haben?
20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen
Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche
19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen
Arrondierte Männergruppen
18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach
17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten. Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen





