Bücherschau der Woche
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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- Google Fraktur
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- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
06.07.2002. Heute kommentieren alle die Stadtschloss-Entscheidung - mit Ausnahme der taz, die neue deutsche Landschaftsliteraten vorstellt. Walser-Nachwehen gibt es in der FAZ und in der NZZ.
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2002
Auftritt des Geistes der dahingegangenen Berliner Seiten im Feuilleton, in Gestalt von deren Miterfinder Florian Illies, der sich mächtig über die Stadtschloss-Entscheidung des Bundestags freut und den Möchtegern-Schlossherrn Wilhelm von Boddien lobt: "Mit seiner Idee, das Schloß in Form einer aufgemalten Attrappe ins Bewußtsein zurückzuholen, hatte er den ideellen Grundstein der Diskussion gelegt. Seine Aktion war zugleich die erste Demonstration jenes bügerlichen Engagements, das in der Rekonstruktion der Dresdner Frauenkirche zur Zeit seine erste große Blüte erlebt und das am Ende, mit einem auch privat finanzierten rekonstruierten Stadtschloß in Berlin, seinen Höhepunkt finden könnte." Für die Gegner der Rekonstruktion hat Illies nichts als Hohn und Spott übrig, der Kommentar zu Klaus Wowereit gehört noch zu den freundlicheren: "Wie eine beleidigte Leberwurst teilte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit später mit, daß der Bund, wenn er das Schloß unbedingt wolle, es nun auch finanzieren müsse."
Das Interview Joachim Kaisers mit der Jungen Freiheit in Sachen Walser ist natürlich ein gefundenes Fressen für Patrick Bahners: "Kaiser stellt nun die Anstandsregel einer gesitteten Öffentlichkeit auf den Kopf, daß nur das gesprochene Wort gilt und nicht der vermutete Hintergedanke." Jürgen Kaube kommentiert - kritisch - das Kopftuchurteil des Bundesverwaltungsgerichts. Einen für Dieter Wedel nicht ganz billigen Vergleich gab es, wie Andreas Platthaus zu berichten weiß, im Streit um die Urheberrechte an Semmeling-Drehbuchpassagen.
Außerdem: Damian Dambrowksi erzählt, wie Giorgio De Chirico sich gehörigen Ärger mit den Vorkämpfern der Moderne einhandelte. In Sausalito, Vorstadt von San Francisco, feierten die letzten Hippies den amerikanischen Unabhängigkeitstag auf ihre Art, Heinrich Wefing war dabei. Georg Imdahl schreibt zur Wiedereröffnung der Düsseldorfer Kunsthalle. Gratuliert wird dem "Bergsteiger, Abenteurer und Forscher" Heinrich Harrer zum 90. und Rosel Zech zum 60. Geburtstag. Wolfgang Sandner schreibt zum Tode des Komponisten Earle Browne. Im Medienteil findet sich ein ausführliches Interview mit Stefan von Holtzbrinck.
Rezensionen: Andreas Kilb bespricht Männerfilme, nämlich "Das Haus am Meer" und "Wir waren Helden", auf der Schallplatten-und-Phono-Seite lobt Edo Reents das neue Oasis-Album "Hindu Times" und Gerhard R. Koch die Einspielung von Helmut Lachenmanns Oper "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" ("ein Ereignis"). Besprochen werden eine Reihe von Büchern, darunter ein neu übersetzter Roman von Anthony Trollope, und "Eine Welt für Julius" des Peruaners Alfredo Bryce Echenique (Siehe unsere Bücherschau Sonntag ab 11).
Abgedruckt wird - leicht gekürzt - Peter Glasers Bachmann-Gewinner-"Geschichte vom Nichts" (hier ist sie - im pdf-Format - immer noch vollständig zu lesen). In der Frankfurter Anthologie bespricht Wolfgang Brenneisens Hermann Hesses "Landstreicherherberge":
"Das alles steht und hat Bestand / Wir aber ruhen eine Nacht / Und gehen weiter über Land, / Wird uns von niemand nachgedacht."
Apropos Bestand: Ganz verschwunden scheint nun auch der Rest der Bilder und Zeiten.
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Die Tageszeitung, 06.07.2002
Wie lässt sich über Natur schreiben, wenn Konsens ist, dass jeder Versuch, Natur in Kunst zu verwandeln, vor die Wand gelaufen ist? fragt Susanne Messmer in einem Beitrag und nimmt sich drei Romane neuer Landschaftsliteraten vor (Andreas Maiers "Klausen", Henning Ahrens' "Lauf Jäger lauf" und Michael Lentz' "Muttersterben"). Alle drei Autoren, erklärt Messmer, beschreiben die Beziehung zur Natur als zerrissen. "Andreas Maier und Henning Ahrens folgern daraus, dass man sich an nichts annähern kann, was man nicht versteht, und entwickeln raffinierte Erzählstrategien, die Natur nur indirekt schildern. Michael Lentz versucht genau das Gegenteil. Er tastet sich an das Unantastbare heran. Damit schafft ausgerechnet er es - der störrischste, sperrigste, schwierigste dieses Trios -, den Bruch mit der Natur sinnlicher zu beschreiben als seine beiden Kollegen ... er versucht es trotzdem, schreibt sich heran, zieht sich zweifelnd zurück, schreibt sich wieder heran. 'Und nicht zu vergessen himbeer johannis- und stachelbeer die aus dem boden stakten mauerlinks', schreibt er."
Der Rest der Kulturredaktion ist wohl lieber baden gegangen. Besprochen immerhin werden Richard Linklaters Animationsfilm "Waking Life" und drei DVDs mit wiederaufgelegten Techno-Videos vom Plattenlabel !K7. Und in den Tagesthemen singt Waltraud Schwab den Blues auf das Kreuzberger Prinzenbad (die größte WG der Stadt), das neuerdings Preise verlangt wie ein Kaiserbad.
Schließlich TOM.
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Frankfurter Rundschau, 06.07.2002
Christian Thomas kritisiert den Bundestagsbeschluss zum Berliner Stadtschloss und vermutet, dass die verantwortlichen Parlamentarier ("weitgehend Repräsentanten der 68er-Generation") im Reichstagsgebäude, "das nicht allein wegen der Kuppel Norman Fosters zu einem fulminanten Beispiel für eine Architekturcollage geworden ist", bis heute nicht angekommen sind: "Mit dem Beschluss, der einen Architekturwettbewerb kategorisch ausschließt, wurden nicht zuletzt die großen Leistungen der Architekturmoderne auch in Deutschland in Misskredit gebracht. Dieses auf den ersten Blick fatale ästhetische Urteil kann für die Mentalität in der Republik nicht hoch genug veranschlagt werden." Eine Mentalität, so Thomas, die ein bisher übersehenes Kapitel der Dialektik der Aufklärung liefert.
In einem anderen Beitrag erzählt Marius Meller, wie Thomas Mann den jungen Teddy Wiesengrund-Adorno für seinen "Doktor Faustus" einspannte und wie Adorno sich trotzdem gebauchpinselt fühlte: "Adorno stutzte einen Moment, als er sich und seine Gedanken auch in der Figur der zweiten Mutation der Teufelsfigur im berühmten 25. Kapitel des Romans, im Teufelsgespräch, wiederfand ... Aber Adorno hat sich offenbar mit der Camouflage angefreundet, denn einen der folgenden Briefe unterschrieb er mit: 'in treuer Verehrung, Ihr alter Teufel'. Geschmeichelt fühlte er sich deshalb, weil in der Teufelserscheinung die negative Dialektik auf ihr Urprinzip in der Schöpfung, auf den Typus des vom Allerhöchsten eingesetzten 'Verneiners' zurückgeführt wird."
Außerdem erinnert Thomas Medicus an eine weitere geschichtspolitische Frage, die der Bundestag diskutierte (aber nicht klären konnte): Soll das geplante "Zentrum gegen Vertreibungen" in Breslau stehen oder in Berlin? Auf der documenta 11 (Website) erwägt Ulf Erdmann Ziegler ein mögliches "Ende" der Fotografie in der Sphäre des digitalen Medienapparats, und in ihrer neuen Kolumne spürt Renee Zucker den Veränderungen nach, die Kahn und Co. übers Land gebracht haben: Frohsinn, Siegeswillen, Kaugummis.
Besprechungen widmen sich dem Thriller "Joint Security Area" (deutsche Website) des Südkoreaners Park Chan Wook, Richard Linklaters Animationsfilm "Life", Thornton Wilders "Wir sind noch einmal davon gekommen" am Schlosstheater Moers, dem Album "Footprints Life!" des Jazz-Saxofonisten und Komponisten Wayne Shorter, dem Fotoband "Kosmos. A Portrait of the Russian Space Age" von Adam Bartos, Jan Costin Wagners Debütroman "Nachtfahrt", einer neuen Erzählung von Raoul Schrott sowie einem Buch über die Geburt der Kybernetik (auch in unserer Bücherschau Sonntag um 11).
Und im Magazin-Gespräch versichert Karin Stoiber, sie könne sich inzwischen "wirklich gut vorstellen, mir auch in Berlin ein Zuhause zu schaffen", ehrlich, sogar im "sehr futuristisch" wirkenden Kanzleramt...
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Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2002
Verschwinden wird nun auch das "Kleine Glossar des Verschwindens", in der letzten Folge winkt heute Andrea Köhler, ganz passend, mit dem Taschentuch: "Bei jeder Trennung gibt es ja immer zwei Abschiede, den Abschied dessen, der geht, und den desjenigen, der bleibt. Die mit dem Taschentuch hatten meistens den trostbedürftigen Part; das Taschentuch war das Unterpfand des Zurückbleibens. Mit seinem Verschwinden hat auch das Abschiednehmen eine andere Gestalt angenommen; und dies nicht nur, weil heute auch Frauen gehen und man sich nicht mehr aus dem Zugfenster lehnen kann." Mach's gut, kleines Glossar, wir werden dich vermissen.
Paul Jandl gratuliert dem Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen (hier die Website) zum 20. Geburtstag. Claudia Schwartz kommentiert die Berliner Stadtschloss-Entscheidung: "So hüllt die deutsche Hauptstadt ihr Herz in Barock, während Anhänger der hohen Baukunst unserer Zeit auch in Zukunft nach Bilbao oder Sydney pilgern." Maja Turowskaja stellt in der Reihe "Russland, persönlich" den Patriarchen unter den russischen Modemachern vor, Slawa Saizew.
Besprochen werden unter anderem Sybille Tönnies' Buch über den Weltstaat und Jürgen Lodemanns Siegfried-Roman. (Siehe auch unsere Bücherschau ab Sonntag um 11 Uhr)
In Literatur und Kunst geht es heute zum einen um das Geschäft bzw. die Kunst der Kritik. Günter Rühle etwa erzählt, wohl nicht ganz ohne Nostalgie, von Kritikerfehden im Berlin der 20er Jahre, deren Protagonisten Alfred Kerr und Herbert Jhering waren: "Kerr liebte Leichtigkeit, Jhering sprach in Basaltblöcken. Kerr war spielerisch, Jhering kämpferisch, Kerr ironisch, Jhering programmatisch, Kerr provozierend, Jhering deklarierend, Kerr extrovertiert, Jhering introvertiert. Es gab keine grösseren Gegensätze." Hanno Helbling bringt (allzu) berühmte Beispiele aus der Geschichte des "leidenschaftlichen Verstehenwollens". Bernd Witte rollt den garstigsten Literaturstreit des 19. Jahrhunderts noch einmal auf, den zwischen Heinrich Heine und August Graf von Platen - mit einem Schlenker in die Gegenwart: "Nicht um Gesinnung oder moralische Urteile geht es in seiner Kritik, geht es in der Literaturkritik überhaupt, im Gegensatz zu dem, was Ullrich Raulff neulich in der 'Süddeutschen Zeitung' glaubte konstatieren zu müssen, sondern um Wirkung in der Öffentlichkeit, also im politischen Raum." Und Roman Bucheli schreibt zum endlichen Erscheinen von Walsers "Tod eines Kritikers", aber Neues erfährt man nicht.
In einem weiteren Schwerpunkt gibt es zwei große Artikel zum Thema Ethos der Wissenschaften: Der Philosoph Jürgen Mittelstraß (hier seine Homepage) schreibt dazu (recht tautologisch): "Wissenschaft ist nämlich Ausdruck universaler Geltungsansprüche, und zwar erstens in einer besonderen Form der Wissensbildung, eben der wissenschaftlichen Wissensbildung, zweitens unter dem hier hervorgehobenen Gesichtspunkt eines wissenschaftlichen Ethos, das auch die moralische Form von Wissenschaft ausmacht." Uwe Justus Wenzel sekundiert in der Besprechung zweier neuer Bücher zum Thema, Peter Weingarts "Die Stunde der Wahrheit" und das nur in englischer Sprache erschienene "Re-Thinking Science" von Helga Nowotny, Peter Scott und Michael Gibbons.
Und zum Abschluss nehmen wir noch ein Bad im Luganer See, mit Franz Kafka, im Sommer 1911.
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Süddeutsche Zeitung, 06.07.2002
Berlin! Schloss! Warum die barocken Befürworter gewonnen haben? Die Kraft des Traums ist schuld, schreibt Jens Bisky, der von der Unfähigkeit der "Modernen" und Schlossgegner enttäuscht ist, dagegen anzustinken: "Eigentümlich lustlos wiederholten sie die bekannten Argumente für einen offenen Wettbewerb zwischen Schlüter und seinen Herausforderern." Die Stärke der Schlossfreunde indessen lag darin, "dass sie nicht triumphierend auftraten - weder gegenüber der inzwischen kleinen Schar der Palast-Anhänger noch gegenüber zeitgenössischen Architekten. Sie haben gelernt, den fundamentalistischen Ton zu vermeiden ... Sie konnten auf die Kraft des Bildes setzen, das auch Laien überzeugt."
In einem eilig zusammengestellten Meinungsdossier kitzelt Robert Gernhardt allerdings auch einen echten Vorteil der Entscheidung heraus: "Es wird die Japaner bündeln, und im Rest von Berlin wird Ruhe sein." Und Daniel Libeskind findet wahre Worte: "Das ist eine sehr traurige Entscheidung für Berlin und ein schlechtes Omen für seine Zukunft. Das Parlament lässt zu, dass Geschichte gefälscht wird und führt die Öffentlichkeit in die Irre. Die Gegenwart wird von der Zukunft abgeschnitten. Selbst Las Vegas ist authentischer."
Ferner erklärt Wolfgang Koydl, wie ein jetzt postum veröffentlichter Polit-Thriller Robert Ludlums den virulenten Anti-Europäismus in den USA bedient, Ira Mazzoni begutachtet das Festspielhaus Hellerau (Website) nach der Instandsetzung und beklagt einen denkmalpflegerischen Trauerfall, Fritz Göttler läutet das Filmfinale in München ein, 70. Geburtstag feiern der Jazzer Joe Zawinul (hier der Geburtstagsartikel) und der holländische Architekt Herman Hertzberger (hier das Ständchen), und unterwegs in Sachen Globalisierung beobachtet Alexander Kissler rheinische Anarchokapitalisten bei der Arbeit, während Tobias Timm das in Vancouver produzierte Magazin "Adbusters" vorstellt, das den Kapitalismus mit dessen eigenen Waffen bekämpft.
Besprochen werden die große Lucian-Freud-Werkschau in der Londoner Tate Britain, Richard Linklaters Film "Waking Life", Bodo Kirchhoffs "Schundroman", der Briefwechsel zwischen Sandor Marai und Tibor Simanyi, ein Sammelband zur Komparatistik des europäischen Mittelalters sowie drei Bücher, die sich mit Muslimen in Deutschland befassen (siehe auch unsre Bücherschau Sonntag um 11).
Die SZ am Wochenende schließlich bringt eine Kurzgeschichte von David Wagner über die Wonnen des Zusammenlebens, und Thomas Steinfeld erzählt die Geschichte vom Rausch und Ruin des Barons Jacques von Adelswärd-Fersen auf Capri.
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





