Bücher der Saison
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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
04.07.2002. In der Zeit meditiert Salomon Korn über das "Unbehagen am Unbehagen" zwischen Deutschen und Juden. In der FAZ gibt Jan Philipp Reemtsma zu, dass er sich an der falschen Nase kratzte. In der SZ veröffentlicht Julian Nida-Rümelin seine Gedanken zur Filmförderung. In der FR erklärt Herfried Münkler, wie der Krieg zum Geschäft wurde. Die taz spricht mit dem südkoreanischen Regisseur Park Chan-Wook, dessen Film "Joint Security Area" heute anläuft.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Zeit, 04.07.2002
Salomon Korn, Präsidiumsmitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland, findet das Wort Antisemitismus künstlich und missverständlich und sieht hinter dem falschen Gegensatz zwischen "latentem" und "manifestem" Antisemitismus ein anderes Phänomen: das "deutsche Schweigen": Nach dem Krieg "hat sich die Latenzzeit des Schweigens häufig zu dauerhaftem Schweigen verfestigt. (…) So entstand aus dem Fortdauern eines lange nicht verbalisierten Unbehagens ein sekundäres Unbehagen: ein Unbehagen am Unbehagen."
Thomas E. Schmidt wundert sich, dass der Managerbetrug in Amerika zwar die Börse erschüttert hat, aber nicht den Glauben an den Kapitalismus. "Solange die Menschen nachweisen, warum der Kapitalismus zusammenbrechen müsste, wird er leben. Solange das Wirtschaften auf freien Märkten nicht nur Angst und Empörung auslöst, sondern auch Hoffnungen weckt, sind die Kräfte seiner Erhaltung verlässlich." Er ist umso unbeherrschbarer, als sein Wesen seltsam undefinierbar scheint: "Der Kapitalismus ist nicht bloße Natur, scheint aber auch nichts Zivilisiertes zu sein, er wird von Interessen getrieben und bleibt doch ein Geschehen, er ist Quelle des Elends und des allgemeinen Wohlstands, kurz: eine höchst vieldeutige Tatsache in der Zeit - und deswegen auch Fläche für wechselnde kulturelle Projektionen."
Weitere Artikel: Bildungsmisere, mag sein, aber bei der älteren Generation steht der Pisa-Turm noch wacker, meldet Petra Kipphoff und berichtet über Generationenkonflikte unter Studenten und Lösungsvorschläge für die Zukunft. Der Autor Martin Mosebach hat sich auf die Spuren des Dichters Rudolf Borchardt gemacht, der im italienischen Exil die Nazis überlebte. In der Reihe "Auf der documenta" sieht die Romanistin Barbara Vinken die documenta 11 und deren Inszenierung der Globalisierung im Zeichen der Vergänglichkeit alles Irdischen. Christoph Siemes war auf dem internationalen Festival Theater der Welt in Duisburg, Düsseldorf, Köln und Bonn und führt uns durch eine Fülle von Inszenierungen, die nach wahren Momenten suchen. Für Andreas Merkel und Thomas Groß hat Oasis eine neue Variante des Rock'n'Roll-Klichees entdeckt. Den Ausdruckstanz des Folkwang-Studios Essen unter der Leitung von Kurt Joss feiert Evelyn Finger als das neue deutsche Tanztheater. Claudia Herstatt berichtet, dass das berühmte Londonder Auktionshaus Sotheby's den dritten Anlauf zum Internetauktionsbetrieb startet - diesmal in Zusammenarbeit mit ebay. Das Letzte sieht mit den Berliner Seiten der FAZ auch die Generation Golf beerdigt.
Besprochen werden Opern - Daniel Libeskinds Inszenierung von Messiaens "Saint Francois d'Assise" an der Deutschen Oper in Berlin und Hans-Jürgen von Boses Literaturoper "K-Projekt 12/14" am Münchner Cuvillies-Theater -, Tonträger - Kammermusikwerke von Hindemith, Berg, Poulenc und Prokofieff und das neue Album vom belgischen DJ-Duo Soulwax -, Kinofilme - der koreanische Thriller "Joint Security Area" von Park Chan-Wook, Avi Mograbis "August" und Richard Linklaters "Waking Life" - und Franz Xaver Kroetz’ Inszenierung von Ferdinand Raimunds Theaterstück "Der Bauer als Millionär" am Münchner Residenztheater.
Aufmacher des Literaturteils ist Peter Schöttlers Besprechung von Felix Hartlaubs "Kriegsaufzeichnungen" (mehr hier).
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 04.07.2002
Gerhard Matzig ruft verzweifelt in die ästhetische Wüste, als die er den Bundestag ausgemacht hat. Er vermutet, "dass jene Volksvertreter, die am heutigen Nachmittag von 16.15 Uhr an im Reichstag nach all den langen Jahren der Debatte endlich über Gestalt und Form des Berliner Schlosses befinden sollen, dass diese Frauen und Männer von der Architektur der Gegenwart, vom Moderne-Begriff oder von baukultureller Zeitgenossenschaft, von stadträumlicher Situierung, Kubatur oder Stereometrie, von Proportion und Material auch nicht mehr verstehen als andere Büromenschen, Milch-Schnitte-Esser oder sogar Werbeclip-Produzenten." Also: eigentlich sollten sie die Finger von der Entscheidung lassen. Aus Architektensicht ist die Sache ohnehin eindeutig: "Eine Entscheidung für die Rekonstruktion ist eine Entscheidung gegen die Architektur."
Julian Nida-Rümelin erklärt, wie das deutsche Filmfördersystem zu verbessern ist. Gestärkt werden sollen etwa die Produzenten, sehr interessant aber auch, wie in Zukunft kommerzieller und künstlerischer Erfolg gegeneinander aufgewogen werden: "Nur Filme, die mehr Zuschauer oder/und vor allem einen künstlerischen Erfolg aufweisen, erhalten zukünftig mehr Geld: (...) Konkret bedeutet dies, dass zum Beispiel ein Film, der einen Hauptpreis in Cannes, Berlin, Venedig erhält, ebenso viel an Referenzmitteln erhält wie ein Film mit 300.000 Zuschauern." Das dreifache "erhalten" täuscht übrigens nicht: ein in schauderhaft bürokratischem Stil geschriebener Text.
Außerdem: In der Pariser Fondation Cartier gibt es den Künstler (und Kurator) Takashi Murakami (hier ein langes Interview) zu bewundern, den neuen Star des japanischen Neopop. Henning Klüver berichtet von konservativem Gegenwind für das Mailänder Piccolo Teatro (hier die Website). Ein wenig nostalgisch ging es zu beim Theaterfestival Eurothalia in Bratislava. Am Berliner Zentrum für Literaturforschung (Website) tagte man zum Thema "Generation". Das neueste Heft der Zeitschrift Du wird vorgestellt, gewidmet ist es der Polaroid-Fotografie. Einen kurzen Geburtstagsglückwunsch sendet Fritz Göttler an Gina Lollobrigida zum 75: "Mens sana in corpore sensazionalissime sano!" (Sehen Sie selbst.) Dazu eine Gratulation zum 80. an die dtv-junior-Verlegerin Maria Friedrich. Thomas Steinfeld schreibt einen Nachruf auf den Jazz-Bassisten Ray Brown.
Der Filmblock: Hans Schifferle ist, beim Münchner Filmfest (Website), begeistert von amerikanischen Independent-Filmen; kommentiert wird auch die "halbe Retrospektive", die dem Regisseur Goran Paskaljevic gewidmet ist. Dazu gibt's Tipps und ein Interview mit dem deutschen Regisseur Chris Kraus, dessen Film "Scherbentanz" für Diskussionen sorgt. Der Hollywood-Mainstream kommt aber auch nicht zu kurz, es gibt eine Besprechung zu "Mord nach Plan" mit Sandra Bullock und eine andere zu "Wir waren Helden" mit Mel Gibson.
Besprechungen gibt es unter anderem zu einem Band mit Gerhard-Schröder-Floskeln und zum griechischen Roman "Die Kiste" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Tageszeitung, 04.07.2002
Im Interview erzählt der südkoreanische Regisseur Park Chan-Wook von den Dreharbeiten für seinen Erfolgsfilm "Joint Security Area" über eine tragische Freundschaft zwischen süd- und nordkoreanischen Grenzsoldaten. Die Herstellung des Films wurde von der Geschichte überholt, als das Gipfeltreffen zwischen den Führern Nord- und Südkoreas im Juni 2000 plötzlich Entspannung brachte: "Wir waren vor dem Gipfel nicht ganz fertig mit der Produktion, wollten noch Propaganda aus dem Norden an der Grenze aufnehmen. Doch plötzlich stellte der Norden nach dem Gipfel die Lautsprecher ab, und wir mussten sie dann für unseren Film nachmachen."
Weitere Artikel: Jan Engelmann stellt die jüngste Ausgabe der "Deutschen Zeitschrift für Philosophie" vor, die Foucaults Verständnis von Kritik befragt (funken soll sie, die Kritik, wünschte sich der Philosoph). Besprechungen gibt es zu Rachid Boucharebs Film "Little Senegal" und zu Gabriel Baurs Dragkings-Doku "Venus Boyz".
Auf der Medienseite konstatiert Roland Hofwiler besorgt den Rechtsruck der Schweizer Zeitschrift "Weltwoche" (homepage hier), und in den Tagesthemen kritisiert der Göttinger Historiker Rudolf von Thadden (mehr hier) den Kanzlerkandidaten der Union für seine Reden vor den Vertriebenen: Der sicherste Weg, Deutschland zu isolieren, meint er.
Schließlich TOM.
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Frankfurter Rundschau, 04.07.2002
Nicht mit Aufgeklärtheitsdefiziten, nicht mit einem kulturalistischen Ansatz seien Krieg und Gewalt heute noch zu erklären, schreibt der Politologe Herfried Münkler (homepage) in der FR und schlägt vor, die strukturellen Bedingungen dieser Kriege einmal in den Blick zu nehmen: "Nicht selten geht es um ganz zweckrationale Formen der Interessenverfolgung. Die Entscheidung manches Jugendlichen im Südsudan, im Kongo, in Afghanistan oder wo auch immer, sich der bewaffneten Gefolgschaft eines Warlords anzuschließen, dürfte selbst im Lichte ihrer Überprüfung durch rationale Entscheidungstheorien Bestand haben. Und genau das ist das Problem ... Die wohl größte sicherheitspolitische Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist die Verbindung von Schattenglobalisierung und Kriegsverbilligung. Sie hat den Krieg für private Unternehmer wieder zu einem lukrativen Geschäft werden lassen."
Außerdem begrüßt Thomas Medicus den Rauswurf Lorenzo Rudolfs als Chef der Frankfurter Buchmesse. Ralf Grötker berichtet von einer Preisverleihung bei der Jungen Akademie in Berlin, zu beantworten war die Preisfrage "Was ist es, das in uns schmerzt?", "Times mager" philosophiert über den kleinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Gert Loschütz gratuliert dem Verleger, Theaterförderer und Stückeentdecker Karlheinz Braun zum siebzigsten Geburtstag, und Christian Broecking schreibt zum Tod des Jazzbassisten Ray Brown (mehr hier).
Besprechungen widmen sich Rachid Boucharebs Film "Little Senegal", dem neuen Album "Heathen Chemistry" von Oasis (homepage, und hier kann man was hören), und Büchern, darunter Wendelin Schmidt-Denglers Buch über Nestroy, Jannis Ritsos' letztem Gedichtband "Die Umkehrbilder des Schweigens" sowie zwei Romanen: Elke Naters "Mau Mau" und Nadine Gordimers "Ein Mann von der Straße" (auch in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 04.07.2002
Die NZZ bespricht heute vor allem Bücher, darunter Juan Filloys Roman "Op Oloop", Stefan Sullivans Abenteuerroman "Sibirischer Schwindel" und Konrad Paul Liessmanns Essay "Kitsch!" (mehr hier). (Siehe unsere Bücherschau ab 14 Uhr.) Ferner schildert Gerhard Gnauck in einem "Schauplatz Ukraine" die Folgen eines Erlasses in der Ukraine, nach dem der Kirchenbesitz endgültig restituiert werden soll. Christoph Funke resümiert die Berliner Theatersaison. Anne Huffschmid porträtiert die auf Tournee befindliche Sängern Lila Downs, welche amerikanische und mexikanische Einflüsse verbindet. Knut Henkel stellt eine Big Band-CD des kubanischen Posaunisten Generoso Jimenez vor. Und Stephan Hentz schreibt zum Tod des Jazzbassisten Ray Brown.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2002
Patrick Bahners kritisiert den CSU-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber, der es wagte, die ledige Mutter Katharina Reiche als Familienexpertin in sein Kompetenzteam aufzunehmen: "Auf die 'Basis des christlichen Menschenbildes' stellt sich die Union im 'Regierungsprogramm'. Sie verpflichtet sich nicht auf das Apostolische Glaubensbekenntnis. Gleichwohl würde sie zum Beauftragten für Kirchenfragen kein Mitglied machen, das sich als Christ versteht, aber keiner Konfession angehören möchte."
Jan Philipp Reemtsma gibt in Antwort auf einen Artikel von Joachim Güntner in der gestrigen NZZ zu, dass er sich verlesen hat. Es geht um den Roman "Tod eines Kritikers". Die "feine Nase", die Reemtsma als einen perfiden Beweis für Martin Walsers Antisemitismus gelesen hatte, gehört gar nicht der Kritikerfigur Andre Ehrl-König, sondern dem Schriftsteller Hans Lach. Aber "an dem Urteil ändert das nichts."
Weiteres: Joachim Müller-Jung resümiert zwei Wiener Kongresse über die Fortschritte der Reproduktionsmedizin. In einem zweiten Artikel berichtet Joachim Müller-Jung von Bedenken gegen die sogenannten "Spermienspritze", mit der unfruchtbaren Männern zum Kind verholfen wird. In einer Meldung erfahren wir, dass Lorenzo Rudolf als Geschäftsführer der Frankfurter Buchmesse geschasst wurde und vorerst vom Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Harald Heker ersetzt wird. Mark Siemons schildert am Beispiel des Helmholtzplatzes die Lage im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, der immer mehr gentrifiziert wird. Gerhard R. Koch gratuliert dem Frankfurter Theaterenthusiasten Karlheinz Braun zum Siebzigsten. Thomas Gädeke schreibt zum Tod des Kunsthistorikers Frank Neidhart Steigerwald. Edo Reents würdigt den Bebop-Kontrabassisten Ray Brown, der ebenfalls gestorben ist. In seiner Kolumne über sein "Leben in Venedig" berichtet Dirk Schümer von der Schwierigkeit, in Venedig einen Friseur zu finden.
Auf der letzten Seite legt Dietmar Dath dar, dass nach längeren mathematischen Forschungen die "Catalansche Vermutung" als bestätigt gelten darf: "8 und 9 sind, so darf man fortan gerechtfertigt behaupten, als 2 hoch 3 und 3 hoch 2 die beiden einzigen aufeinanderfolgenden echten Potenzen im Reich der natürlichen Zahlen." Andreas Rossmann resümiert das "Theater der Welt"-Festival, das in Köln und drei anderen Städten stattfand. Und Heinrich Wefing porträtiert den Berliner Stadtschloss-Aktivisten Wilhelm von Boddien. Auf der Filmseite kommentiert Peter Körte das Karriereende des selbstherrlichen Vivendi-Universal-Chefs Jean-Marie Messier. Michael Althen berichtet vom Münchner Filmfestival, das mehr ein Fernsehfestival war. Abgedruckt wird eine Rede des Regisseurs Michael Haneke, der gegenüber über dem österreichischen Parlament für eine Beibehaltung der österreichischen Filmförderung plädierte.
Besprochen werden eine Ausstellung altniederländischer Meisterzeichnungen im Antwerpener Rubenshaus, der koreanische Film "Joint Security Area", der sich mit der Situation an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea auseinandersetzt, eine Ausstellung der Fotosammlung des amerikanischen Landschaftsmalers Frederic Church im New Yorker Dahesh Museum.
Archiv: Heute in den Feuilletons
Muss ich etwas zu sagen haben?
20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen
Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche
19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen
Arrondierte Männergruppen
18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen
Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach
17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten. Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen
Ein Fingernagel in ihrer Suppe
04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen. Mehr lesen



