Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Patricia B. McConnell: Das andere Ende der Leine

Michael Stolleis: Sozialistische Gesetzlichkeit

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
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- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
26.06.2002. Das Ereignis des Tages: Martin Walsers neuer Roman "Tod eines Kritikers" erscheint heute - und keiner bespricht ihn. SZ und FR widmen sich dafür dem Lektorat und der Debatte. In der SZ denkt Frank Böckelmann über die Züchtigung des Körpers nach. In der taz erklärt Richard Powers, warum das Erzählen digitalisiert werden wird. Die FR hofft auf einen gebrochenen Kanzler Schröder. FAZ und SZ kommentieren die Aufhebung von Todesurteilen in den USA durch den Supreme Court.
Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 26.06.2002
Hat er gestrichen oder nicht, der Walser, in seinem neuen Roman, der heute endlich den gemeinen Leser erreicht? Thomas Steinfeld sagt's uns: Er hat (geht das eigentlich jetzt immer so weiter mit dem Vorauspreschen?), und am auffälligsten sind die Änderungen am Sprachduktus des Kritikers Ehrl-König, der nun nicht mehr 'doitsch' sagt, sondern schlicht 'deutsch'. Die Kritiker Walsers, meint Steinfeld, werden nun behaupten, "die Änderungen am Inhalt des Romans seien eine unmittelbare Folge der öffentlichen Debatte, die um ein noch nicht veröffentlichtes Buch geführt worden ist - die Vorabverurteilung habe also als ideelles Lektorat funktioniert und die Leser durch präventive Literaturkritik vor antisemitischen Einflüssen bewahrt. Diese Kritiker werden das gedruckte Buch für eine Flucht vor dem Manuskript halten, und ihre hastige Suche wird erfolgreich sein. Sie werden ihre Belegstellen finden. Aber um den Preis, dass sie nun auch den Vorgang des Lektorierens der Normalität entziehen und zu einem Skandalon machen. Lohnen wird sich ihr Eifer nicht. Denn das einzige, was zählt, und das einzige, wofür ein Autor haftet, ist der veröffentlichte Text. Der Rest ist rückwärts gewandte Hermeneutik." (Siehe zur Walser-Debatte auch unser Link des Tages.)
Warum wir nationale Bildungsstandards brauchen, erläutert Peter Glotz in einem Beitrag: Das in den sechziger Jahren so stolze Schiff der deutschen Bildungspolitik, schreibt er, sei inzwischen "ein ziemlich verdreckter Seelenverkäufer". Das sei gemeinsame Schuld. "Die Linke hat versucht, in den Sechzigern und Siebzigern mit Hilfe der Schulen Klassenkampf zu treiben. Die konservative Seite hat erbarmungslos zurückgeschlagen und hat mit dem Zurückschlagen gar nicht mehr aufgehört. Die Opfer sind die Kinder der Unterklasse, der Einwanderer, der Randlagen."
Der Kommunikationsforscher Frank Böckelmann untersucht in einem langen Text die unauffällige Züchtigung der Körper in unsrer Gesellschaft: "Die mobilen Asketinnen verharren in einem Zustand tranceartiger Selbstkontrolle. Nur ganz wenige von ihnen zeigen noch Verlegenheit über den angeschafften Körper. Fleisch, das unkontrolliert zittern könnte, ist ausgemustert."
Weiteres: Götz-Friedrich Opitz kommentiert in einem langen Artikel die neuen Urteile des Supreme Court zur Todesstrafe. Harald Hordych berichtet vom "extrem-satirischen" Feldzug, den Christoph Schlingensief bei "Theater der Welt" gegen Jürgen Möllemann führt (direkt zu Schlingensiefs Aktion 18 geht es hier). Volker Breidecker war auf einer Tagung zum Thema "Italien im Umbruch?", die die Katholische Akademie in Bayern veranstaltete. Alexander Kissler notiert die Gründung einer Max-Stirner-Gesellschaft in Bayreuth, und Reinhard J.Brembeck plaudert mit dem Architekten Daniel Libeskind (interessante homepage), der gerade an der Deutschen Oper Berlin Messiaens Oper "Saint Francois d’Assise" inszeniert, über den Segen der Spiritualität in Zeiten des Turbo-Kapitalismus.
Besprochen werden Rod Luries Film "Rufmord - The Contender", Vinko Globokars Musikdrama "L’armonia drammatica" in Bielefeld sowie viel Musik, u.a. von der Avantgarde-Institution Arto Lindsay (neue CD "Invoke") und von David Bowie ("Heathen"), und natürlich Lesefutter: Ein Sammelband zum Thema Ethnizität, ein Buch zum publizistischen Werk des Architekten Hermann Muthesius sowie ein Bild- und Dokumentationsband über das Berliner Bundeskanzleramt (siehe auch unsre Bücherschau um 14 Uhr).
Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Rundschau, 26.06.2002
Heute erscheint er also, Walsers "Tod eines Kritikers". Ursula März resümiert noch einmal die Debatte vor dem Buch und gibt ihnen Saures, den Schriftstellern, Feuilletonisten und Kritikern, "die sich nun von einem Roman aufschäumen lassen, der ein überholtes, aber offensichtlich unerledigtes Kapitel bearbeitet, die sich nun beim Thema Kritikmoral in den Haaren liegen" und allesamt jener Generation angehörten, "die, weil sie es nicht wolle oder nicht vermochte, es verpasst hat, ein Gegenmonopol zum Reich-Ranicki-Monopol ins Werk zu setzen und eine Gegenfigur zu ermächtigen."
Was macht eigentlich der Kanzler? Jochen Schimmang überlegt schon, ob das Bild vom Medienkanzler vielleicht nie gestimmt hat und Schröder in Wahrheit so etwas wie ein modernisierter Henri Quatre mit dem Programm "Modernisierung und praktische Humanität" ist, der nach drei Jahren Regierungszeit eine viel differenziertere, humanere, auch müdere Gestalt ist als sein machthungriger Herausforderer. "Wünschen würde ich mir ihn allerdings auch nach dem 22. September als aktiven Staatsmann. Erst der gebrochene, differenzierte Kanzler, der Schröder jetzt zu werden scheint, könnte das Angefangene zur Reife bringen. Der gute König Henri Quatre hat auch nicht nur vier Jahre regiert."
Weitere Artikel: Rolf C. Hemke begleitet Christoph Schlingensief mit dem "Möllemobil" bis vor Möllemanns Firmenbüro, wo das Möllehaus schlingensiefmäßig mit stinkenden Mölleheringen eingeseift wurde. Ina Hartwig stellt die "Große kommentierte Frankfurter Ausgabe" der Werke Thomas Manns vor und ist entzückt von der Meinung des Mitherausgebers Heinrich Detering, TM habe zeitweise die Identität einer "Schriftstellerin" gehabt. Monika Tibbe berichtet vom ethnomusikalischen "Masala"-Festival in Hannover. Kai Bremer war auf einer Tagung zum hundertsten Geburtstag des Germanisten Richard Alewyn an der Uni Osnabrück. Michael Rüsenberg besucht das Festival der Klangkunst .wav in der europäischen Kulturhauptstadt Brügge. Peter Scharf annonciert die Renaissance des Lee Hazlewood (mehr hier) mit zwei neuen Alben. Auf der documenta probiert Silke Hohmann John Bocks Aktionstheater aus, und "Times mager" schließlich hat Kunde von einer "Abmachung" zwischen einem Schriftsteller mit buschigen Augenbrauen und einem Kritiker... tsts.
Und eine einsame Kritik gibt’s zu Jonathan Glazers Film "Sexy Beast" mit Ben Kingsley.
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Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2002
Rabat probt die Weltoffenheit: Beat Staufer sieht mit großer Freude Bewegung in das Kulturleben der marokkanische Hauptstadt kommen, die bisher im Ruf einer langweiligen Beamtenstadt stand: "Und jetzt dies: ein Festival, wie es Rabat noch nie gesehen hat. 'Mawazine - Rythmes du monde' soll von König Mohamed VI. persönlich veranlasst worden sein. Kenner der Rabater Kulturszene zweifeln nicht einen Moment daran, dass dieses neue, vierzehntägige Festival, das Ende Mai über die Bühne ging, dem Willen des jungen Königs entsprungen ist, im kulturellen Bereich neue Zeichen zu setzen: für eine Öffnung des Landes auch im Kulturbereich und für eine klare Abgrenzung gegenüber isolationistischen Strömungen, die auch in Marokko zusehends an Boden gewinnen. Mit einem international konkurrenzfähigen Festivalprogramm soll nicht nur das Image des Landes aufgewertet, sondern auch die Jugend erobert werden, die in beängstigendem Maß in Resignation versinkt."
Weitere Artikel: Wer wie seinen Geburtstag feiert, kann ethnologisch von großer Bedeutung sein: Sieglinde Geisel hat in Berlin beobachtet, wie Ostler verwesten und Westler verosten. Christoph Jahr berichtet von einer Tagung in Potsdam über "Zeitgeschichte als Streitgeschichte". Cl. hat eine exotische Blüte in der ansonsten kargen italienischen Theaterlandschaft unter Berlusconi entdeckt: das Ortigia-Festival.
Besprochen werden die Ausstellung von Donald Judds Frühwerk in der Kunsthalle Bielefeld, die Barock-Kompilation "Canzon del Principe. Musik um 1600 aus der Handschrift London British Library MS Add", Aufnahmen des Freiburger Ensembles Recherche, Neueinspielungen des tschechischen Komponisten Bohuslav Martin und einige Bücher: etwa neue Publikationen zur islamischen Geschichte und Gegenwart, Madeleine Bourdouxhes nachgelassener Roman "Vacances", Stuart Davids Debüt "Wie Nalda sagt", Anke Windgassens Porträtsammlung "Im Bund mit der Macht. Die Frauen der Diktatoren" (siehe auch unsere Bücherschau ab 14 Uhr).
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Die Tageszeitung, 26.06.2002
Im Interview mit Tilman Baumgärtel beklagt der amerikanische Schriftsteller Richard Powers ("Schattenflucht") den Mangel an einer wirklichen Literatur des Informationszeitalters. Viele Autoren seien misstrauisch gegenüber Technologie, Mathematik und Wissenschaft und glaubten, "dass man über die Menschheit schreiben kann, ohne die Veränderungen, die in Technologie und Wissenschaft stattfinden, zur Kenntnis zu nehmen". Allerdings hat Powers keinen Zweifel, dass das Erzählen sogar irgendwann digitalisiert wird: "Dann könnte man sich zum Beispiel Figuren mit ausgeprägten Charaktereigenschaften ausdenken und diese wie in einem Experiment in digitalen Welten aussetzen, wo sie dann mit anderen Charakteren interagieren können ... wenn es möglich wird, narrative Strukturen zu schaffen, die komplex sind, und der Verlauf dieser 'Levels' nicht vollkommen vordefiniert ist - dann wird es interessant."
Weitere Artikel: Kolja Mensing bespricht für uns Bodo Kirchhoffs heute erscheinenden "Schundroman" über den deutschen Literaturbetrieb und attestiert ihm den Charme einer aktuellen Ausgabe der "Tagesschau" nebst vergleichbarer Haltbarkeitsdauer (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr). Auf dem Festival Theater der Welt besucht Katrin Bettina Müller Einkaufszentren und Wohncontainer in Düsseldorf, und Hans Nieswandt erzählt von den Leiden des DJs als Vernissagist.
Schließlich TOM.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2002
Wenden sich die USA von der Todesstrafe ab? Der Oberste Gerichtshof schließlich hebt für mehrere hundert Häftlinge das Todesurteil auf, die Bundesstaaten Illinois und Maryland haben ein Moratorium verhängt, Gesetzesinitiativen sollen den Rechtsschutz der Todeskandidaten verbessern. Heinrich Wefing sieht die Zustimmung zur Todesstrafe bröckeln - aber auf hohem Niveau: "Denn sowenig die überparteilichen Gesetzesinitiativen auf die Abschaffung der Todesstrafe zielen, sowenig haben die obersten Richter die Praxis des capital punishment grundsätzlich in Frage gestellt. Sie haben lediglich ein paar Fehler im System ausgebessert. Nirgends in den Urteilsbegründungen findet sich der Gedanke, die staatlich angeordnete Tötung überführter Verbrecher könne an sich inhuman, menschenrechtswidrig oder nutzlos sein, eines Rechtsstaats jedenfalls unwürdig. Dergleichen europäisches Gedankengut bleibt den neun Richtern so fremd wie der Mehrheit ihrer Landsleute."
Andreas Kilb feiert Jacques Rivettes neuen Film "Va Savoir" als Proklamation der Republik des Kinos: "Hier ist die Kamera kein Despot, der über das Auge des Zuschauers gebietet. Stattdessen befreit sie den Blick zum reinen Schauen. Von dieser Freiheit bekommt man nie genug." Und natürlich halte der Film genau die Balance zwischen Aktion und Reflexion, Komödie der Liebe und Melodrama des Geistes.
Weitere Artikel: Anlässlich von Manfred Stolpes Rücktritt als Brandenburgs Ministerpräsident erinnert der Schriftsteller Günter Kunert noch einmal an dessen "Verstrickung" mit der Stasi. Renate Schostack legt dar, warum der Rektor der Münchner Maximilians-Universität, Andreas Heldrich, mehr Lehre und Forschung und deshalb weniger Studenten fordert. Heinz Berggruen fragt sich, warum es so schwer ist, ein deutscher Jude zu sein. Joseph Croitoru blättert in arabischen und israelischen Zeitungen. Jochen Winters berichtet vom Streit zwischen dem Berliner Centrum Judaicum und der Staatsanwaltschaft um ein beschlagnahmtes Bild des Malers Lesser Ury. Andreas Rossmann sinniert anlässlich von Christoph Schlingensiefs Möllemann-Aktion über die Seinsform von Medienfiguren: das umtriebige Erscheinen. Andreas Rossmann freut sich über das wahrscheinliche Aus des Musicals "Starlight Express". Jürg Altwegg sieht in dem Schiedsrichter Urs Meier (Bild) "die einzige helvetische Lichtgestalt im Weltfußball".
Auf der Medien-Seite fürchtet Heike Hupertz um die legendären Anchormen der amerikanischen Nachrichtensendungen, denen die TV-Anstalten das Leben immer schwerer machen. Nicht nur sie, sondern auch ihr Publikum sei zu alt geworden, im Umfeld der seriösen Nachrichtensendungen könne nur noch für Prostatamittel und Viagra geworben werden. Für die Stilseite hat Jürgen Dolasse im Pariser Drei-Sterne-Restaurant "Taillevent" gespeist. Und auf der Gegenwarts-Seite schreibt Winrich Kühne, Leiter der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, über die schwierigste Phase in der Geschichte Schwarzafrikas.
Besprochen werden eine Inszenierung von Webers "Euryanthe" im englischen Glyndebourne, eine Aufführung des Freischütz im russischen Provinzstädtchen Saratow, das letzte Drama im Düsseldorfer Antikenzyklus "Sieben gegen Theben", eine Ausstellung der Werke, die Alexander Dückers von 1996 bis 2002 für das Berliner Kupferstichkabinett erworben hat, und Bücher: die Werkausgabe Hermann Ungars und Valerio Aiollis Roman "Ich und mein Bruder" (siehe auch unsere Bücherschau ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Muss ich etwas zu sagen haben?
20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen
Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche
19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen
Arrondierte Männergruppen
18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen
Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach
17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten. Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen
Ein Fingernagel in ihrer Suppe
04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen. Mehr lesen



