Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 08.37 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

26.06.2002. Das Ereignis des Tages: Martin Walsers neuer Roman "Tod eines Kritikers" erscheint heute - und keiner bespricht ihn. SZ und FR widmen sich dafür dem Lektorat und der Debatte. In der SZ denkt Frank Böckelmann über die Züchtigung des Körpers nach. In der taz erklärt Richard Powers, warum das Erzählen digitalisiert werden wird. Die FR hofft auf einen gebrochenen Kanzler Schröder. FAZ und SZ kommentieren die Aufhebung von Todesurteilen in den USA durch den Supreme Court.

Süddeutsche Zeitung, 26.06.2002

Hat er gestrichen oder nicht, der Walser, in seinem neuen Roman, der heute endlich den gemeinen Leser erreicht? Thomas Steinfeld sagt's uns: Er hat (geht das eigentlich jetzt immer so weiter mit dem Vorauspreschen?), und am auffälligsten sind die Änderungen am Sprachduktus des Kritikers Ehrl-König, der nun nicht mehr 'doitsch' sagt, sondern schlicht 'deutsch'. Die Kritiker Walsers, meint Steinfeld, werden nun behaupten, "die Änderungen am Inhalt des Romans seien eine unmittelbare Folge der öffentlichen Debatte, die um ein noch nicht veröffentlichtes Buch geführt worden ist - die Vorabverurteilung habe also als ideelles Lektorat funktioniert und die Leser durch präventive Literaturkritik vor antisemitischen Einflüssen bewahrt. Diese Kritiker werden das gedruckte Buch für eine Flucht vor dem Manuskript halten, und ihre hastige Suche wird erfolgreich sein. Sie werden ihre Belegstellen finden. Aber um den Preis, dass sie nun auch den Vorgang des Lektorierens der Normalität entziehen und zu einem Skandalon machen. Lohnen wird sich ihr Eifer nicht. Denn das einzige, was zählt, und das einzige, wofür ein Autor haftet, ist der veröffentlichte Text. Der Rest ist rückwärts gewandte Hermeneutik." (Siehe zur Walser-Debatte auch unser Link des Tages.)


Warum wir nationale Bildungsstandards brauchen, erläutert Peter Glotz in einem Beitrag: Das in den sechziger Jahren so stolze Schiff der deutschen Bildungspolitik, schreibt er, sei inzwischen "ein ziemlich verdreckter Seelenverkäufer". Das sei gemeinsame Schuld. "Die Linke hat versucht, in den Sechzigern und Siebzigern mit Hilfe der Schulen Klassenkampf zu treiben. Die konservative Seite hat erbarmungslos zurückgeschlagen und hat mit dem Zurückschlagen gar nicht mehr aufgehört. Die Opfer sind die Kinder der Unterklasse, der Einwanderer, der Randlagen."

Der Kommunikationsforscher Frank Böckelmann untersucht in einem langen Text die unauffällige Züchtigung der Körper in unsrer Gesellschaft: "Die mobilen Asketinnen verharren in einem Zustand tranceartiger Selbstkontrolle. Nur ganz wenige von ihnen zeigen noch Verlegenheit über den angeschafften Körper. Fleisch, das unkontrolliert zittern könnte, ist ausgemustert."

Weiteres: Götz-Friedrich Opitz kommentiert in einem langen Artikel die neuen Urteile des Supreme Court zur Todesstrafe. Harald Hordych berichtet vom "extrem-satirischen" Feldzug, den Christoph Schlingensief bei "Theater der Welt" gegen Jürgen Möllemann führt (direkt zu Schlingensiefs Aktion 18 geht es hier). Volker Breidecker war auf einer Tagung zum Thema "Italien im Umbruch?", die die Katholische Akademie in Bayern veranstaltete. Alexander Kissler notiert die Gründung einer Max-Stirner-Gesellschaft in Bayreuth, und Reinhard J.Brembeck plaudert mit dem Architekten Daniel Libeskind (interessante homepage), der gerade an der Deutschen Oper Berlin Messiaens Oper "Saint Francois d?Assise" inszeniert, über den Segen der Spiritualität in Zeiten des Turbo-Kapitalismus.

Besprochen werden Rod Luries Film "Rufmord - The Contender", Vinko Globokars Musikdrama "L?armonia drammatica" in Bielefeld sowie viel Musik, u.a. von der Avantgarde-Institution Arto Lindsay (neue CD "Invoke") und von David Bowie ("Heathen"), und natürlich Lesefutter: Ein Sammelband zum Thema Ethnizität, ein Buch zum publizistischen Werk des Architekten Hermann Muthesius sowie ein Bild- und Dokumentationsband über das Berliner Bundeskanzleramt (siehe auch unsre Bücherschau um 14 Uhr).

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Frankfurter Rundschau, 26.06.2002

Heute erscheint er also, Walsers "Tod eines Kritikers". Ursula März resümiert noch einmal die Debatte vor dem Buch und gibt ihnen Saures, den Schriftstellern, Feuilletonisten und Kritikern, "die sich nun von einem Roman aufschäumen lassen, der ein überholtes, aber offensichtlich unerledigtes Kapitel bearbeitet, die sich nun beim Thema Kritikmoral in den Haaren liegen" und allesamt jener Generation angehörten, "die, weil sie es nicht wolle oder nicht vermochte, es verpasst hat, ein Gegenmonopol zum Reich-Ranicki-Monopol ins Werk zu setzen und eine Gegenfigur zu ermächtigen."


Was macht eigentlich der Kanzler? Jochen Schimmang überlegt schon, ob das Bild vom Medienkanzler vielleicht nie gestimmt hat und Schröder in Wahrheit so etwas wie ein modernisierter Henri Quatre mit dem Programm "Modernisierung und praktische Humanität" ist, der nach drei Jahren Regierungszeit eine viel differenziertere, humanere, auch müdere Gestalt ist als sein machthungriger Herausforderer. "Wünschen würde ich mir ihn allerdings auch nach dem 22. September als aktiven Staatsmann. Erst der gebrochene, differenzierte Kanzler, der Schröder jetzt zu werden scheint, könnte das Angefangene zur Reife bringen. Der gute König Henri Quatre hat auch nicht nur vier Jahre regiert."

Weitere Artikel: Rolf C. Hemke begleitet Christoph Schlingensief mit dem "Möllemobil" bis vor Möllemanns Firmenbüro, wo das Möllehaus schlingensiefmäßig mit stinkenden Mölleheringen eingeseift wurde. Ina Hartwig stellt die "Große kommentierte Frankfurter Ausgabe" der Werke Thomas Manns vor und ist entzückt von der Meinung des Mitherausgebers Heinrich Detering, TM habe zeitweise die Identität einer "Schriftstellerin" gehabt. Monika Tibbe berichtet vom ethnomusikalischen "Masala"-Festival in Hannover. Kai Bremer war auf einer Tagung zum hundertsten Geburtstag des Germanisten Richard Alewyn an der Uni Osnabrück. Michael Rüsenberg besucht das Festival der Klangkunst .wav in der europäischen Kulturhauptstadt Brügge. Peter Scharf annonciert die Renaissance des Lee Hazlewood (mehr hier) mit zwei neuen Alben. Auf der documenta probiert Silke Hohmann John Bocks Aktionstheater aus, und "Times mager" schließlich hat Kunde von einer "Abmachung" zwischen einem Schriftsteller mit buschigen Augenbrauen und einem Kritiker... tsts.

Und eine einsame Kritik gibt?s zu Jonathan Glazers Film "Sexy Beast" mit Ben Kingsley.

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Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2002

Rabat probt die Weltoffenheit: Beat Staufer sieht mit großer Freude Bewegung in das Kulturleben der marokkanische Hauptstadt kommen, die bisher im Ruf einer langweiligen Beamtenstadt stand: "Und jetzt dies: ein Festival, wie es Rabat noch nie gesehen hat. 'Mawazine - Rythmes du monde' soll von König Mohamed VI. persönlich veranlasst worden sein. Kenner der Rabater Kulturszene zweifeln nicht einen Moment daran, dass dieses neue, vierzehntägige Festival, das Ende Mai über die Bühne ging, dem Willen des jungen Königs entsprungen ist, im kulturellen Bereich neue Zeichen zu setzen: für eine Öffnung des Landes auch im Kulturbereich und für eine klare Abgrenzung gegenüber isolationistischen Strömungen, die auch in Marokko zusehends an Boden gewinnen. Mit einem international konkurrenzfähigen Festivalprogramm soll nicht nur das Image des Landes aufgewertet, sondern auch die Jugend erobert werden, die in beängstigendem Maß in Resignation versinkt."


Weitere Artikel: Wer wie seinen Geburtstag feiert, kann ethnologisch von großer Bedeutung sein: Sieglinde Geisel hat in Berlin beobachtet, wie Ostler verwesten und Westler verosten. Christoph Jahr berichtet von einer Tagung in Potsdam über "Zeitgeschichte als Streitgeschichte". Cl. hat eine exotische Blüte in der ansonsten kargen italienischen Theaterlandschaft unter Berlusconi entdeckt: das Ortigia-Festival.

Besprochen werden die Ausstellung von Donald Judds Frühwerk in der Kunsthalle Bielefeld, die Barock-Kompilation "Canzon del Principe. Musik um 1600 aus der Handschrift London British Library MS Add", Aufnahmen des Freiburger Ensembles Recherche, Neueinspielungen des tschechischen Komponisten Bohuslav Martin und einige Bücher: etwa neue Publikationen zur islamischen Geschichte und Gegenwart, Madeleine Bourdouxhes nachgelassener Roman "Vacances", Stuart Davids Debüt "Wie Nalda sagt", Anke Windgassens Porträtsammlung "Im Bund mit der Macht. Die Frauen der Diktatoren" (siehe auch unsere Bücherschau ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 26.06.2002

Im Interview mit Tilman Baumgärtel beklagt der amerikanische Schriftsteller Richard Powers ("Schattenflucht") den Mangel an einer wirklichen Literatur des Informationszeitalters. Viele Autoren seien misstrauisch gegenüber Technologie, Mathematik und Wissenschaft und glaubten, "dass man über die Menschheit schreiben kann, ohne die Veränderungen, die in Technologie und Wissenschaft stattfinden, zur Kenntnis zu nehmen". Allerdings hat Powers keinen Zweifel, dass das Erzählen sogar irgendwann digitalisiert wird: "Dann könnte man sich zum Beispiel Figuren mit ausgeprägten Charaktereigenschaften ausdenken und diese wie in einem Experiment in digitalen Welten aussetzen, wo sie dann mit anderen Charakteren interagieren können ... wenn es möglich wird, narrative Strukturen zu schaffen, die komplex sind, und der Verlauf dieser 'Levels' nicht vollkommen vordefiniert ist - dann wird es interessant."


Weitere Artikel: Kolja Mensing bespricht für uns Bodo Kirchhoffs heute erscheinenden "Schundroman" über den deutschen Literaturbetrieb und attestiert ihm den Charme einer aktuellen Ausgabe der "Tagesschau" nebst vergleichbarer Haltbarkeitsdauer (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr). Auf dem Festival Theater der Welt besucht Katrin Bettina Müller Einkaufszentren und Wohncontainer in Düsseldorf, und Hans Nieswandt erzählt von den Leiden des DJs als Vernissagist.

Schließlich TOM.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2002

Wenden sich die USA von der Todesstrafe ab? Der Oberste Gerichtshof schließlich hebt für mehrere hundert Häftlinge das Todesurteil auf, die Bundesstaaten Illinois und Maryland haben ein Moratorium verhängt, Gesetzesinitiativen sollen den Rechtsschutz der Todeskandidaten verbessern. Heinrich Wefing sieht die Zustimmung zur Todesstrafe bröckeln - aber auf hohem Niveau: "Denn sowenig die überparteilichen Gesetzesinitiativen auf die Abschaffung der Todesstrafe zielen, sowenig haben die obersten Richter die Praxis des capital punishment grundsätzlich in Frage gestellt. Sie haben lediglich ein paar Fehler im System ausgebessert. Nirgends in den Urteilsbegründungen findet sich der Gedanke, die staatlich angeordnete Tötung überführter Verbrecher könne an sich inhuman, menschenrechtswidrig oder nutzlos sein, eines Rechtsstaats jedenfalls unwürdig. Dergleichen europäisches Gedankengut bleibt den neun Richtern so fremd wie der Mehrheit ihrer Landsleute."


Andreas Kilb feiert Jacques Rivettes neuen Film "Va Savoir" als Proklamation der Republik des Kinos: "Hier ist die Kamera kein Despot, der über das Auge des Zuschauers gebietet. Stattdessen befreit sie den Blick zum reinen Schauen. Von dieser Freiheit bekommt man nie genug." Und natürlich halte der Film genau die Balance zwischen Aktion und Reflexion, Komödie der Liebe und Melodrama des Geistes.

Weitere Artikel: Anlässlich von Manfred Stolpes Rücktritt als Brandenburgs Ministerpräsident erinnert der Schriftsteller Günter Kunert noch einmal an dessen "Verstrickung" mit der Stasi. Renate Schostack legt dar, warum der Rektor der Münchner Maximilians-Universität, Andreas Heldrich, mehr Lehre und Forschung und deshalb weniger Studenten fordert. Heinz Berggruen fragt sich, warum es so schwer ist, ein deutscher Jude zu sein. Joseph Croitoru blättert in arabischen und israelischen Zeitungen. Jochen Winters berichtet vom Streit zwischen dem Berliner Centrum Judaicum und der Staatsanwaltschaft um ein beschlagnahmtes Bild des Malers Lesser Ury. Andreas Rossmann sinniert anlässlich von Christoph Schlingensiefs Möllemann-Aktion über die Seinsform von Medienfiguren: das umtriebige Erscheinen. Andreas Rossmann freut sich über das wahrscheinliche Aus des Musicals "Starlight Express". Jürg Altwegg sieht in dem Schiedsrichter Urs Meier (Bild) "die einzige helvetische Lichtgestalt im Weltfußball".

Auf der Medien-Seite fürchtet Heike Hupertz um die legendären Anchormen der amerikanischen Nachrichtensendungen, denen die TV-Anstalten das Leben immer schwerer machen. Nicht nur sie, sondern auch ihr Publikum sei zu alt geworden, im Umfeld der seriösen Nachrichtensendungen könne nur noch für Prostatamittel und Viagra geworben werden. Für die Stilseite hat Jürgen Dolasse im Pariser Drei-Sterne-Restaurant "Taillevent" gespeist. Und auf der Gegenwarts-Seite schreibt Winrich Kühne, Leiter der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, über die schwierigste Phase in der Geschichte Schwarzafrikas.

Besprochen werden eine Inszenierung von Webers "Euryanthe" im englischen Glyndebourne, eine Aufführung des Freischütz im russischen Provinzstädtchen Saratow, das letzte Drama im Düsseldorfer Antikenzyklus "Sieben gegen Theben", eine Ausstellung der Werke, die Alexander Dückers von 1996 bis 2002 für das Berliner Kupferstichkabinett erworben hat, und Bücher: die Werkausgabe Hermann Ungars und Valerio Aiollis Roman "Ich und mein Bruder" (siehe auch unsere Bücherschau ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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