Bücherschau der Woche
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- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
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- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
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- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
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- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
08.06.2002. In der SZ empfiehlt Ilse Aichinger einen sparsamen Umgang mit dem Wort "Antisemitismus". Die taz betrachtet Walser im Lichte der "body politics". Die FAZ resümiert französische Debatten über den 11. September. In der FR erzählt Matthias Politycki einen obszönen Intellektuellenwitz. Die NZZ und alle anderen Zeitungen bereiten uns auf die Documenta vor.
Süddeutsche Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau
Süddeutsche Zeitung, 08.06.2002
Stichwort: Walser. Zusammen mit einer Kindheitserinnerung an einen Wiener Nazi-Arzt schickt Ilse Aichinger, selbst Jüdin, einen bemerkenswerten Vorschlag aus Österreich, einem Land, wo, wie sie schreibt, der Antisemitismus an Gasthaus- und Familientischen noch immer so selbstverständlich ist, "dass es von hier aus eigenartig wäre, im Buch eines nie zuvor antisemitischen deutschen Intellektuellen nach 'Stellen' zu suchen. Da hoffentlich nicht nur ich dazu neige, Irritationen, Gerüchte und ihre Details aus ihren Landschaften zu begreifen und so spät wie möglich global zu werden, ließe ich diese Diskussion in dem Umfeld, aus dem sie kam." Im übrigen meint sie: "Mit dem Wort 'Antisemitismus' sollte man sparsam umgehen."
Dorothee Müller (hier) und Holger Liebs (zusammen mit dem Kunsthistoriker Beat Wyss, hier) machen erste Rundgänge über die documenta 11. Eine Lehrstunde in 'Political Correctness', die gelegentlich an den "Kulturweltspiegel" erinnert, findet Müller. Lauter "Wimmelbilder der Weltprovinzen", meint Liebs.
Weitere Artikel: Marco Finetti berichtet von einem deutsch-amerikanischen Austausch über die Zukunft der Hochschulen im Bonner Wissenschaftszentrum. Jens Bisky teilt mit, dass die Berliner Schlossplatz-Debatte jetzt den Bundestag erreicht hat. Ulrich Kühne war auf einem Lichtbildvortrag (Thema: Macht der Bilder) des Hirnforschers Wolf Singer an der Uni München. Gerd Hammer erinnert an Gil Vicente, mit dem vor 500 Jahren das portugiesische Theater begann. Claudia Brosseder war Ohr, als der Historiker Robert Darnton ("Poesie und Polizei") in der Münchner Siemens-Stiftung über die Methoden der französischen Raubdrucker des 18. Jahrhunderts sprach.
Und im Interview philosophiert Richard Gere über Ehe, Treue und Vergebung: "Ich glaube, es gibt eine dunkle Macht, die plötzlich in uns wirksam werden kann, egal wie scheinbar gut unser Leben gerade verläuft. Und mit dieser Macht muss jede Ehe fertig werden."
Besprochen werden Alfred Brendels Mozart-Spiel im Münchner Herkulessaal, Andreas Dresens "Zeugenstand" am Deutschen Theater Berlin, die Uraufführung von Salvatore Sciarrinos Oper "Macbeth" bei bei den Schwetzinger Festspielen, die wunderbare Kino-Kompilation "99euro-films", ein Band mit Briefen und Fragmenten von Felix Hartlaub, Hans G. Helms' Studie über "Musik zwischen Geschäft und Unwahrheit" sowie ein Buch über die "Kunst des Nickerchens" (auch in unserer Bücherschau Sonntag um 11).
Die SZ am Wochenende bringt eine autobiografische Geschichte von Jonathan Franzen (mehr hier), ein spaßiges Gespräch mit Wolfgang Menge zum Thema "Gefühl" und einen Undercover-Bericht von Robin Eggar, der sich in Marlon Brandos Prominenten-Schauspielkurs schmuggeln konnte.
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Die Tageszeitung, 08.06.2002
Wieder Walser. Elke Brüns aber gräbt tiefer und fördert den Vorlauf zur Debatte zutage: Seit Jahrzehnten arbeite Walser am Phantasma eines kollektiven Körpers, glaubt sie. Das jüdische Thema sei eingebunden in eine literarische, um das Thema Wiedervereinigung (und ihre vermeintliche Verhinderung durch das Auschwitz-Trauma) kreisende Nationalisierung des Diskurses. "Mit 'Tod eines Kritikers' scheinen die literarischen body politics auf ihrem eigensten Feld angekommen zu sein: der Autor als 'Nationalreferent', dessen Gegenüber der jüdische Kritiker ist. Wieder markieren Körper Differenz. Dabei verdecken die abfällige Charakterisierung des jüdischen Kritikers als alter, widerlicher Lüstling und die von Walser im Text schon als Skandalon antizipierte und ausgestellte Ermordung eines Juden - hier wurde das Antisemitische des Romans gesehen - geradezu die bedenkliche Nähe dieses Textes zur kulturhistorischen Konstruktion des jüdischen Körpers als des anderen Körpers."
Florian Malzacher erkennt im Fall Frankfurt/Forsythe den Versuch eines konservativen Rollbacks im Mäntelchen des Sparzwangs, und Jenni Zylka schreibt einen Nachruf auf Dee Dee Ramone, Bassist der Punkband "The Ramones", der sich den goldnen Schuss gesetzt hat.
Im documenta-Dossier der Tagesthemen-Seite macht Harald Fricke einen ersten Rundgang über die Messe und sucht verzweifelt den Dialog im Überfluss der insgesamt 450 ausgestellten Arbeiten.
Im Magazin lesen wir Porträts zu zwei sehr unterschiedlichen Zeitgenossen: Mike Tyson, der heute Abend seinen großen Kampf hat (hier) und Günter Wallraff, der an einer neuen Rolle feilt (hier). Und Christian Schneider untersucht den Antisemitismus in seinen vielfältigen Erscheinungsformen und kommt zu dem ernüchternden Schluss: Antisemitismus ist eine soziale Krankheit ohne wirkliche Chance auf Heilung. Man kann ihn bekämpfen, aber weder verbieten noch abschaffen.
Zum Schluss TOM.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2002
Thomas Wagner bereitet uns auf die Documenta vor, die nun - nach vier "Plattformen" - endlich beginnt. Zentrum ist nicht das Fridericianum, sondern die ehemalige Binding-Brauerei am Stadtrand: "Das verschachtelte, nicht zu überblickende Innere des Areals bietet einer Kunst die ihr gemäßen Dimensionen und Lokalitäten, die weniger sich präsentieren als vielmehr Fremdes und Fernliegendes repräsentieren will. Vor allem hier weht ein frischer Wind, mischen sich auf anregende Weise multiple, nicht auf einen Nenner zu bringende Bildwelten, deren Schöpfer es sich oft zugute halten, keine Kunst machen zu wollen, Komfort und Kapital der Kunst aber trotzdem gern nutzen."
Joseph Hanimann resümiert französische Debatten zum 11. September und kommt unter anderem auf Andre Glucksmanns neues Buch "Dostoievski a Manhattan" zu sprechen. "Im Schatten des doppelten Trugschlusses von Francis Fukuyamas 'Ende der Geschichte' und Samuel Huntingtons 'Krieg der Kulturen' hat Glucksmann das Profil des technisch hochspezialisierten, politisch indifferenten Nihilisten ausgemacht, der das demokratische Leben der nächsten Jahre mitprägen werde. Hauptanliegen des - mitunter etwas pathetisch konfusen - Buchs ist es, diese Figur aus den philosophischen, soziologischen, historiographischen Koordinaten der Motivsuche zu lösen: Nicht aus einem verkehrten Moralverständnis, überspannten Idealperspektiven, selbstpeinigendem Visionsverlust oder dergleichen sei dieser neue Nihilist zu verstehen, sondern als Abenteurer einer reinen, skrupellosen, beinah autistischen Selbsterfahrung im Zerstörungsakt, wie nur die Romanautoren des neunzehnten Jahrhunderts ihn in seiner faktischen Positivität zu beschreiben verstanden."
Christian Geyer resümiert einen Vortrag Wolf Singers (mehr hier) über das Gehirn, das man sich immer weniger als eine Zentralinstanz unseres Bewusstseins vorstellen könne. In einer Meldung lesen wir, dass Brigitte Hamann, Autorin von "Hitlers Bayreuth" Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers" in der Zeitschrift Format scharf kritisierte. Gemeldet wird außerdem, dass die Frankfurter Verlagsanstalt Bodo Kirchhoffs "Schundroman" (in dem ebenfalls ein Kritiker, der ebenfalls MRR nachgebildet ist, ermordet wird) bereits Anfang Juli erscheinen lässt. Jürgen Kaube macht sich Gedanken über die Idee der Chancengleichheit nach der Pisa-Studie. Susanne Klingenstein hat einer Tagung in Harvard über Gewalt in den Schulen zugehört. Dieter Bartetzko gratuliert dem Architekten Ernst Gisel (dem Lehrer von Herzog und de Meuron, Zmthor und Diener) zum Achtzigsten. Paul Ingendaay stellt im Blick auf die spanische Nationalelf fest: "Der gesamtspanische Patriotismus mag zwar nur aus einer dünnen Schicht bestehen, diese jedoch ist leicht entflammbar." Ingolf Kern vermeldet eine Wende bei Julian Nida-Rümelin - in einer Bundestagsdebatte sprach er sich verklausuliert für einen Wiederaufbau des barocken Stadtschlosses aus. Rafael Ball stellt das Projekt "Bibliotheken 2007" der Bertelsmann-Stiftung vor, das die Zukunft des Bibliothekswesens in Deutschland einschätzen will. Jürg Altwegg blickt in Schweizer Zeitschriften, die sich mit der Perspektive eines wahscheinlich fallenden Bankgeheimnisses auseinandersetzen. Edo Reents schreibt zum Tod des Ramones-Bassisten Dee Dee Ramone.
Auf der Medienseite erfahren wir, dass das hessische Kulturradio in diesem Sommer aus Kostengründen acht Wochen lang auf Wortsendungen verzichten soll (hoffen wir dass keine neue Walser-Affäre dazwischenkommt!) Man fürchtet, dass ARD und ZDF wegen der Kirch-Pleite die Übertragungsrechte für die Fußball-WM verlieren könnten, und betrachtet die Berichterstattung der Bild-Zeitung über das Ereignis.
In den Überresten von Bilder und Zeiten lässt der Historiker Robert G. Moeller das Thema der Vertreibung im deutschen Film Revue passieren. Und Arno Lustiger macht Anmerkungen zu Alexander Solschenizyns Werk über Russen und Juden "Zweihundert Jahre gemeinsam".
Besprochen werden Salvatore Sciarrinos "Macbeth"-Oper in Schwetzingen ("atemraubend", schreibt Eleonore Büning), zwei Inszenierungen von Roberto Ando in Palermo (nämlich Viktor Ullmanns "Kaiser von Atlantis" und Wagners "Siegfried"), der Film "Flickering Lights" von Anders Thomas Jensen, Andreas Dresens Stück "Zeugenstand", der Dresdner Theaterabend "Töte die Liebenden" nach Xavier Durringer.
Und in der Frankfurter Anthologie stellt Karla Schneider ein Gedicht von Heine vor:
"Durch den Wald, im Mondenscheine,
Sah ich jüngst die Elfen reuten;
Ihre Hörner hört ich klingen,
Ihre Glöckchen hört ich läuten..."
Süddeutsche Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau
Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2002
Die 5. Plattform der Documenta 11 in Kassel zeigt endlich Kunst - und setzt Maßstäbe, meint Matthias Frehner. "Fast von Werk zu Werk wird der Trend zur Gewissheit: Die Kunst bezieht wieder Stellung, klagt an, zeigt Zusammenhänge auf, vermittelt Erkenntnis, steigert das Individuelle zur "Allegorie reelle". Der Krieg ist ein zentrales Thema, ebenso die Zerstörung des Planeten, die Chancenungleichheit, die Unterdrückung und die kulturelle Verarmung ... es gibt kein einziges selbstgenügsam inhaltloses "Bild". Die neunziger Jahre sind passe."
Der irische Staat hat für seine Nationalbibliothek anderthalb Jahre um einen Manuskriptenschatz von James Joyce gefeilscht, von dessen Existenz bisher niemand wusste, berichtet Martin Alioth. Jetzt hat Irland die Notizbücher, Entwürfe und Druckfahnen (mehr hier) für 18 Millionen Franken erstanden. "'Man sollte die Leute für un-irisches Verhalten vor Gericht stellen', poltert der Joyce-Experte David Norris in gespieltem Zorn ... Der Manuskriptschatz ist Aladins literarische Höhle; zum Mindesten für die verschworene Gemeinde der Joyce-Exegeten, die produktiver sind als irgendeine andere Gruppe von Wortspaltern."
Weitere Artikel: Stephan Templ beschreibt, wie in Prag die feierliche Enthüllung eines Denkmals zur Erinnerung an die Opfer des Kommunismus zur Wahlveranstaltung der Bürgerpartei von Vaclav Klaus wurde. Und Stefan Dornuf gratuliert Hans G. Helms zum Siebzigsten.
Besprochen werden ein "Macbeth" von Salvatore Sciarrino in Schwetzingen und die Ausstellung "Bismarcks Reichstag" mit Fotografien von Julius Braatz im Berliner Paul-Löbe-Haus.
Die Beilage Literatur und Kunst druckt Martin Meyers Laudatio auf den polnischen Schriftsteller Adam Zagajewski, dem am 2. Juni der Literaturpreis der Konrad-Adenauer- Stiftung verliehen worden war. Der Rest der Beilage ist ausschließlich Büchern gewidmet. Besprochen werden unter anderen drei Romane von Amit Chaudhuri, Charles Dickens Roman "Das Geheimnis des Edwin Drood", ein Gedichtband von Antonio Machado und Czeslaw Milosz' "Mein ABC". (siehe auch unsere Bücherschau Sonntag ab 11 Uhr).
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Frankfurter Rundschau, 08.06.2002
Die FR hat ihre aktuelle Feuilletonausgabe heute morgen noch nicht ins Netz gestellt. Deshalb hier nur eine Zusammenfassung in aller Kürze und ohne Links:
Elke Buhr liefert erste Eindrücke von der documenta 11, der belgische Schriftsteller Jean-Philippe Toussaint schreibt über die WM aus Japan, Daniel Kothenschulte schreibt den Nachruf auf Dee Dee Ramone, und Ulrich Speck gratuliert dem Historiker Eric J. Hobsbawm zum 85. Geburtstag.
Im Literaturteil liefert Matthias Politycki einen Erfahrungsbericht mit dem schönen Titel "Digitale Schriftstellerei - der selbstverschuldete Ausgang des Menschen aus seiner Mündigkeit" und liebt es dennoch, sein iBook. Über den schlimmen Anfang seines Artikels haben wir herzlich gelacht, können ihn aber nicht bestätigen. Gregor Eisenhauer erinnert an den Dichter Rudolf Borchardt, der vor 125 Jahren geboren wurde. Und Michael Buselmeier stellt jüngste Ausgaben vor der literarischen Periodika "Literaturen", "Euphorion" und "Akzente".
Besprechungen widmen sich einem Katalog zur aktuellen Werkschau Thomas Struths, einem Band mit Briefen von Djuna Barnes und einer Roadnovel von Arnaud Cathrine (siehe auch unsere Bücherschau Sonntag ab 11 Uhr).
Und das Magazin bringt ein Gespräch mit dem Psychologen und Bestsellerautor Daniel Goleman ("Emotionale Intelligenz"), der George Bush Jr. für einen guten Präsidenten hält, "weil er emotionale Intelligenz hat, nicht wegen eines besonders hohen Intelligenzquotienten. Führungsfähigkeiten, also die Fähigkeit zu emotionaler Intelligenz, sind von intellektuellen Fähigkeiten zu unterscheiden. Man braucht beides. Aber um eine gute Führungskraft zu sein, muss man nur so viel Intellekt haben, dass man seine Herausforderungen erkennen kann."
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





