Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

07.06.2002. Von Walser zur Antisemitismusdebatte: In der NZZ fordert Robert Schindels eine Diskussion über Tabus. In der SZ macht Jürgen Habermas den Anfang und erklärt: Was sich als Tabuverletzung ausgibt, ist Regression. In der FR stellt Micha Brumlik fest: Judenhass ist wieder zum anerkannten Bestandteil der politischen Kultur geworden. Die FAZ berichtet, wie der Nahost-Konflikt Amerika hysterisiert.

Süddeutsche Zeitung, 07.06.2002

"Eine semantische Anmerkung - Für Marcel Reich-Ranicki, aus gegebenen Anlässen", nennt Jürgen Habermas etwas umständlich seine schon erwartete Wortmeldung zum aktuellen Großeinsatz der Feuilletons. Die im Mittelpunkt der Diskussion stehende "Verletzung einer Wertorientierung", die in unserer politischen Kultur verankert sei, "Tabuverletzung" zu nennen, erklärt Habermas, sei eine Irreführung. "In der Bundesrepublik hat es eines zähen politischen Kampfes bedurft, um nach Jahrzehnten der Rückschläge, ja erst im Zuge eines Generationenwechsels, eine Liberalisierung der veröffentlichten Meinung, schließlich auch der Mentalität breiterer Bevölkerungsschichten zu erreichen. Die heute verbreitete Verurteilung des Antisemitismus ist deshalb kein Ausdruck einer blinden, affektstabilisierten Abwehrhaltung, sondern das Ergebnis von kollektiven Lernprozessen ...Wer die Errungenschaft eines solchen Zuwachses an liberaler Gesinnung zur Folge eines Tabus erklärt, das es abzuschütteln gilt, will Regression unter dem Deckmantel einer augenzwinkernd in Anspruch genommenen Emanzipation."


Gleichfalls zum Thema erklärt Andreas Zielke MRR zum doppelten Opfer (durch Walser und durch Schirrmacher, der ihn "einem Spießrutenlauf der üblen Mutmaßungen" ausgesetzt habe) und kritisiert, dass er "mit dem (in seiner "Solo"-Sendung gemachten) Versuch, die Artikel der SZ-Redakteure durch seinen Verdacht aus der Reihe der seriösen Reaktionen zu exkommunizieren, selbst nicht ernst zu nehmen ist". Sämtliche Beiträge sprächen mit Sorgfalt für sich und "die Sache", und die ihnen von Reich-Ranicki bescheinigte Intelligenz bewahre sie vor der Unterwerfung unter eine Ranküne.

In einem anderen Beitrag verrät der in den Staaten lehrende Germanist Gregor Hens, wie das "Walser-Gerücht" bei seinen Studenten ankommt. Ihr Vorschlag: "Vielleicht sollte man den Walser und diesen Kritiker, dessen Namen sie sich nicht merken können, mal in einen Big-Brother-Container stecken. Ein, zwei Wochen lang. Sehen, was dabei rauskommt." Gute Quoten, bestimmt. In einer kurzen Meldung wird übrigens darauf hingewiesen, dass Walser vom 10. bis 15. Juni im Deutschlandradio Berlin Auszüge aus seinem Roman "Tod eines Kritikers" lesen wird. Die Sendung beginnt täglich um 10.40 Uhr.

Ferner sammelt man fleißig Gegenbeispiele zu Reich-Ranickis Behauptung, die SZ stehe mit ihrem Eintreten für Walser alleine da (siehe auch hier). In einem Interview erklärt der Spieltheoretiker Walter Trockel, dass Fußball viel komplizierter sei als Schach (klar, es spielen ja 20 Spieler mehr mit). Christiane Schlötzer bedauert die Schließung des erfolgreichen türkischen Musiklabels Kalan, und Matthias Kross hörte Vorträge über die "Werkstätten des Möglichen 1930-1936" am Berliner Max-Planck-Institut.

Besprochen wird heute jede Menge: Luc Bondys Inszenierung von Schnitzlers "Anatol"-Zyklus bei den Wiener Festwochen, La Fura dels Baus' Hardcore-Stück "XXX" nach Marquis de Sade am Schauspiel Frankfurt, Michael Gutmanns Kinofilm "Herz im Kopf", die Schau "Hexenwahn" im Berliner Deutschen Historischen Museum, eine Retrospektive der Photojournalistin Margaret Bourke-White im C/O Berlin-Forum, die moderne "Tristan"-Variante des Schweizers Frank Martin in der Zeitgenössischen Oper Berlin, eine Ausstellung zur Geschichte der "Tableaux Vivants" in der Kunsthalle Wien sowie Lektüre: Ludger Lütkehaus' biografischer Essay über den Nietzsche-Freund Paul Ree, Thomas Langs Debüt-Erzählung "Than" und - sehr interessant - eine amerikanische Einführung in den Kulturbegriff (auch in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

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Frankfurter Rundschau, 07.06.2002

In der FR untersucht der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik den Antisemitismus als Phänomen und erklärt mit Blick auf Walser und Möllemann: "Antisemitismus, der als vulgäres Ressentiment, irrwitzige Ideologie oder als mörderische Praxis auftreten kann, reicht von dem Unwillen, Juden in den Golfclub aufzunehmen über Theorien jüdischer Allmacht bis hin zu verletzenden Taten ... Was Walser seit Jahren vorbereitet und mit der Beharrlichkeit des erfahrenen Autors Schritt um Schritt, Erzählung um Erzählung, Rede um Rede vorbereitet hat, setzt Jürgen Möllemann, dessen arabisch imprägnierte Judenfeindschaft eine beachtliche biographische Kontinuität aufweist, im Bereich der Politik um. Mit Scham und Bitterkeit ist zu registrieren: Judenhass ist wieder zum anerkannten Bestandteil der politischen Kultur geworden."


Dass das auch für Frankreich gilt, macht Roman Luckscheiter deutlich, wenn er in französischen Tageszeitungen blättert und schreibt: "Vertreter der jüdischen Gemeinden leiden zunehmend unter diffamierenden Äußerungen, auch seitens der pieds noirs, der Algerienfranzosen, die im Süden Frankreichs mit für ein gutes Abschneiden der Rechtsextremen gesorgt haben. Jüdisches Leben öffentlich zu führen wird immer schwieriger. Rabbiner raten, nicht mehr mit Kippa auf die Straße zu gehen, und nicht wenige Juden überlegen, ihren Namen zu französisieren."

In einem anderen Beitrag freut sich Stefan Keim über den Mülheimer Dramatikerpreis für Elfriede Jelineks "Macht nichts". "Times mager" verrät, wer am besten weiß, was ein Antisemit ist. Christian Schlüter zeigt uns den Infocontainer des Berliner Denkmals für die ermordeten Juden Europas von innen, und in einem zweiten Artikel resümiert er eine vom Potsdamer Einstein Forum veranstaltete Diskussion mit Richard Sennett über die Perspektiven der Soziologie.

Besprechungen gibt es zum Album "Storytelling" der schottischen Popisten Belle & Sebastian, zu Arthur Schnitzlers "Anatol" in Luc Bondys Wiener Inszenierung, zum Theater-Debüt ("Zeugenstand") des Filmregisseurs Andreas Dresen in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin, Berlioz' "Damnation de Faust" an der Leipziger Oper und "XXX" nach Marquis de Sade vom Theater-Kollektiv La Fura dels Baus in Frankfurt.

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Neue Zürcher Zeitung, 07.06.2002

Und noch einmal Walser. In einem Interview mit Paul Jandl erklärt der Wiener jüdische Schriftsteller Robert Schindel (der auch bei Suhrkamp veröffentlicht), er könne in Martin Walsers Roman keinen eindeutigen Antisemitismus entdecken, "erstaunlich sind allerdings die Verschiebungen, die bei Walser dazu führen, dass er mit gewissen Bildern operiert." Man müsse jetzt "aus diesem schlechten Buch das Beste machen. Und was wir jetzt haben, ist eben eine Diskussion über Tabus."


Joachim Güntner war beim Internationalen Forum zur Bioethik in Berlin und ist überrascht von so viel Eintracht. Doch hinter universalistischen Begriffen wie Menschenwürde wittert er kulturelle Differenzen - " allerdings weniger in den Ansichten der Wissenschaftler als in ihren Berichten von der heimischen Realität, von medizinischer Praxis, Recht und Religion."


Weiter Artikel: rbl. skizziert Gründung und Aufgaben der Unseld-Stiftung, die nach Unselds Tod die Kontinuität im Suhrkamp Verlag sicherstellen soll. Besprochen werden Luc Bondys Version von Schnitzlers "Anatol" in Wien, Jürgen Roses Inszenierung von Janaceks "Schlauem Füchslein" am Münchner Nationalthater und Francis Fukuyamas Buch "Das Ende des Menschen" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 07.06.2002

Ist die Institution Kunsthalle ein Auslaufmodell? fragt Ira Mazzoni in einem Beitrag, in dem sie insbesondre das krisengeschüttelte Münchner Haus der Kunst unter die Lupe nimmt. "Inzwischen sind sich die meisten Museen und Sammler der Transportrisiken bewusst und wägen sorgfältig ab, ob es sich wissenschaftlich oder auch pekuniär lohnt, die Schätze für ein bestimmtes Projekt auf Reisen zu schicken", schreibt sie. Weil erstklassige Leihgaben so für die selbst bilderlosen Kunsthallen fast unerreichbar geworden sind und inzwischen sogar Computermessen in den geweihten Räumen stattfinden, damit die Kasse stimmt, wagt Mazzoni eine düstere Prognose: Vielleicht gibt es in München ja bald ein Haus ohne Kunst.


Sonst eher Kultursparflamme in der taz. Besprechungen gibt's, zu Andreas Dresens Theaterregie-Debüt "Zeugenstand - Stadtguerilla-Monologe" am Deutschen Theater in Berlin, zum neuen Album "Raw Digits" des Elektronik-Duos Super_Collider, und Daniel Bax verreißt Neues von den Böhsen Onkelz ("Dopamin") und Joachim Witt ("Eisenherz").

Zu guter Letzt TOM.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2002

Heinrich Wefing berichtet mit deutlichem Unbehagen, wie der Nahost-Konflikt Amerika "hysterisiert": "Durch viele Kommentare zieht sich ein Alarmismus, ein Wille zur rhetorischen Eskalation. Mitunter blitzt gar etwas geradezu fahrlässig Kopfloses auf, das verstört - und das auf eine tiefe Verstörung hindeutet ... Unlängst warnte der angesehene Kolumnist Ron Rosenbaum vor einem 'Zweiten Holocaust'. Dies sei, schrieb er im April im New York Observer, ein Begriff, über den nachzudenken sei. Und 'eine Möglichkeit, die wir erwägen müssen'." Wefing zitiert Leon Wieseltier, der in seinem "bemerkenswerten" Essay "Hitler is dead" im New Republic vor Untergangsphantasien und Panik warnte: Weder in Israel und erst recht nicht in den Vereinigten Staaten stehe ein zweiter Holocaust bevor. 'Wir sind die glücklichsten Juden, die je gelebt haben', schrieb Wieseltier.


Gerhard Stadelmaier schwärmt von Schnitzlers "Anatol" in der Inszenierung von Luc Bondy im Wiener Akademietheater: "Wo Schnitzler eine opalschimmernde, schwül-schummrige rot-grüne Beleuchtung anknipst, schaltet Bondy das helle Licht ein. Und gewinnt dem süß-matten, sich von Liebeseinakt zu Liebeseinakt elegant voranplaudernden Stück eine witzige, intelligente Wucht. Von heute, nicht von 1893."

Weitere Artikel: Jordan Mejias stellt die Edison Schools in den USA vor. Die marktwirtschaftlich geführten Schulen waren 1992 mit dem Versprechen gegründet worden, bessere Erziehungsergebnisse zu liefern als das öffentliche Schulsystem. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass sie nicht nur keine Profite machen, sondern die Schüler bei Prüfungen auch schlechter abschneiden als die Schüler öffentlicher Schulen. Andreas Rosenthaler berichtet über eine Veranstaltung, auf der Abdallah Frangi, Palästinas Botschafter in Deutschland über "PR für Palästina in Deutschland" sprach. Michael Siebler meldet die Entdeckung des frühesten Zeus-Tempels in Olympia. Und auf der letzten Seite schreibt Jürgen Kestings anlässlich eines Themenabends auf Arte über Primadonnen.

Besprochen werden ein Konzert von Roger Waters, Michael Gutmanns Film "Herz im Kopf", die Göttinger Händelfestspiele (mehr hier), das Theaterstück "XXX" von "La Fura dels Baus" in Frankfurt, die Ausstellung "Samizdat" im tschechischen Nationalmuseum von Prag und eine Ausstellung mit Malerei der italienischen Moderne im Schlossmuseum Weimar.

Auf der Schallplatten- und Phono-Seite werden unter anderem CDs der spanischen Sängerin Rosa, des Rapstars Eminem und Schumann-Aufnahmen von Maurizio Pollini vorgestellt.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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