Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 22.03.2010, 09.02 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

05.06.2002. Der Streit um Walser geht weiter. In der SZ findet Joachim Kaiser "keinerlei Antisemitismus" in seinem Roman "Tod eines Kritikers" und lobt statt dessen den "herzlichen Walser-Sound". Die taz schildert die Zerreißprobe im Hause Suhrkamp. Die FAZ sieht dessen Zukunft durch den Stiftungsrat aber bestens bestellt. Die FR legt den "performativen Kern" des Massakers von Erfurt frei. Die NZZ gedenkt der Trockenhaube.

Süddeutsche Zeitung, 05.06.2002

Ist Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers" nun antisemitisch? Marcel Reich-Ranicki lancierte gestern Nacht in seinem "Solo" noch einmal eine heftige Attacke auf den Autor, wiederholte den Antisemitismusvorwurf und forderte, dass der Suhrkamp Verlag das Buch nicht verlegt. Die Artikel, die bisher in der SZ zur Debatte erschienen, nannte er zwar intelligent - aber ihre Autoren seien ja alles ehemalige FAZler, die im Streit von Frank Schirrmacher geschieden sind.


Für Joachim Kaiser gilt das allerdings nicht. Er bekennt sich als Duz-Freund Walsers, aber auch Reich-Ranickis und versucht zu beschwichtigen. Der neue Walser sei doch ganz der Alte: "Beginnt man den Roman beklommen, abwehrbereit, dann atmet man schon nach wenigen Seiten auf: da ist wieder jener beschwingte, persönliche, bildungs-vergnügte, herzliche Walser-Sound, der gerade in ganz frühen Texten dieses Autors mit Charme und Witz amüsierte ... ob Walser nun einem Kritiker-Typus, der vieles von Reich-Ranicki hat (aber auch manches ganz andere), gerecht oder schadenfroh ungerecht gegenübersteht: man kann immer nur blinde oder überscharfsichtige Wut aus manchen Worten herauslesen. Doch keinerlei Antisemitismus." Auch Arno Widmann lobt das Buch (allerdings im Perlentaucher): "'Tod eines Kritikers' ist eines der besten Bücher nicht nur von Martin Walser. Es ist nicht damit zu rechnen, dass diesen Sommer noch ein Witzigeres, Böseres und Schöneres erscheint..."

Genug, meint auch Gustav Seibt. Walser und der Suhrkamp Verlag seien Opfer eines "in der Verlagsgeschichte beispiellosen Vertrauensbruches" geworden. Niemand, auch Reich-Ranicki nicht, könne erwarten, dass Suhrkamp auch noch einen Vertrag bricht. "Wer meint, dass 'Tod eines Kritikers' nicht erscheinen darf, muss den normalen Weg gehen: Anzeige wegen Volksverhetzung oder der Verletzung von Persönlichkeitsrechten. So sind die normalen und ausreichenden Regeln einer freien Öffentlichkeit."

In einem anderen Artikel deutet Jan Pauer das bedenkliche Gezerre zwischen Österreich, Deutschland und Tschechien um die Benes-Dekrete und versichert, dass es zur infrage gestellten Umsiedlung der Sudetendeutschen nach 1945 keine Alternative gegeben habe und Benes bei weitem nicht so entscheidend gewesen sei wie gemeinhin angenommen. "Die Umsiedlung der deutschen Minderheiten aus Ost-, Südost- und Zentraleuropa war eine Entscheidung, die die Alliierten nicht einfach auf Betreiben eines Exilregierungschefs getroffen haben." Entschieden aber habe man sich schließlich, "um nicht bald wieder in den Strudel nationaler Probleme zu geraten."

Außerdem berichtet Stefan Koldehoff, dass Sotheby's-Haupteigner Alfred Taubman ins Gefängnis muss und seine Aktienmehrheit abstößt. Jürgen Berger liefert erste Eindrücke vom soeben gestarteten Festival Theaterformen. Heiko Zwirner hat Kylie Minogue, die "Queen of Trash", bei einem Konzert beobachtet. Verena Auffermann war auf einer Frankfurter Tagung über "Pathos, Affekt, Gefühl". Helmut Schödel porträtiert den legendären Wiener Barpianisten Bela Koreny, der in Luc Bondys "Anatol"- Inszenierung im Wiener Akademietheater mitspielt. Jörg Heiser und Holger Liebs kommen einem akuten Problem der Kunstkritik auf die Schliche und erstellen "die schwarze Liste der kunstkritischen Phrasendrescherei". Und der Star-Architekt Frank Gehry (mehr hier) spricht über sein neues Projekt "Fertighäuser für Deutschland".

Besprochen werden Frank Darabonts Film "The Majestic", Sam Raimis Film "Spider-Man", Lorin Maazels Dirigat von Mahlers VII. Symphonie in der Münchner Gasteig-Philharmonie und Lektüre: Essays von Bruno Latour ("Iconoclash") und von Vittorio Magnago Lampugnani (über die Zukunft der telematischen Stadt) sowie Roberto Bolanos hinreißender Literaturbetriebs-Roman "Die wilden Detektive" (auch in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 05.06.2002

Heute entscheidet Suhrkamp über die Drucklegung des neuen Walser-Romans. Dirk Knipphals erörtert die verlagsinternen Umstände: "Was nun ansteht, ist die erste große Entscheidung der Nach-Unseld-Ära; und nach allem, was man hört, steht der Verlag dabei vor einer Zerreißprobe. Auf der einen Seite der Verlagsleiter Günter Berg, er hält fest zu Walser ... Auf der anderen Seite steht wohl der neue Stiftungsrat um Jürgen Habermas, Hans Magnus Enzensberger, Adolf Muschg und Alexander Kluge." Sollte es tatsächlich zu einer Ablehnung des Buches kommen, meint Knipphals, käme das einer Opferung des Autors gleich: "Auch seine noch kommenden Romane würden, egal welcher Verlag nun die Veröffentlichung besorgt, nur noch im Modus des Verdachts gelesen werden."


Weitere Artikel: Anlässlich des Thron-Jubiläums beobachtet Harald Fricke die Trivialisierung der Verhältnisse im royalen backyard: "Pop saves the Queen". Besprechungen widmen sich Karin Beiers Urinszenierung von Albert Ostermaiers "99 Grad" in den Münchner Kammerspielen, der Ausstellung "Ebenbilder" im Ruhrlandmuseum Essen sowie Sam Raimis "Spider-Man"-Film.

Und in den Tagesthemen erklärt der für seine gewaltverherrlichenden Texte bekannte Rap-Star Eminem im Interview, dass die Kontrolle von Musik oder Computerspielen nicht das richtige Mittel ist, um Ereignisse wie "Erfurt" zu verhindern, "weil den Kids Schuldgefühle eingetrichtert werden, mit denen sie nicht klarkommen". Die armen Schäfchen!

Zu guter Letzt TOM.

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Frankfurter Rundschau, 05.06.2002

In der FR regt Martin Altmeyer an, im Fall des Amoklaufs von Erfurt anstatt nach Ursachen zu fahnden den "performativen Kern" des Ganzen freizulegen. Das Massaker, schreibt er, sei "eine fantastische Installation mit ihm (dem Täter) selbst im Zentrum, eine soziale Plastik der narzisstischen Art: Ich, Robert S., kehre an den Ort meiner unerträglichen Schande zurück und verwandele ihn zum Heldenplatz - und die ganze Welt schaut zu!" In den Kostümen der Postmoderne, so Altmeyer, erleben wir hier "die Wiederkehr der romantischen Idee einer ästhetischen Selbsterfindung". Stockhausen lässt grüßen.


In einem anderen Beitrag kombiniert Harry Nutt die gegenwärtige Konjunktur von Antipolitik, das Auftauchen eines neuen Populisten-Typus und "parteipolitisches Strategiedesign" bei der FDP. Der Populist dieser Tage verstehe sich besonders aufs Frame-switching, das alerte Wechseln von Bezugsrahmen und Bedeutungssystemen, und was zur Zeit noch als Antisemitsmusstreit verhandelt werde, so Nutt, "ist der Proband für ein gesellschaftliches Steuerungsinstrument, das sich die die Aggregatzustände des Sozialen anzueignen weiß".

Weitere Artikel: Aus Berlin-Dahlem berichtet Christian Schlüter von einer spärlich besuchten Veranstaltung im Ethnologischen Museum, wo Francis Fukuyama sein neues Buch "Das Ende des Menschen" vorstellte. Petra Kohse betrachtet die Heilsarmee im Zeichen einer sich wandelnden staatlichen Fürsorge. Robert Kaltenbrunner erkennt in der Gartenstadt Falkenberg in Berlin von Quick/Bäckmann/Quick viel Traditionsverbundenheit. Stephan Hilpold besucht die Diskussions-Reihe "forumfestwochen ff" innerhalb der Wiener Festwochen. Und K. Erik Franzen liefert einen bitteren Erfahrungsbericht von einer "Freddy Mercury"-Lasershow im Forum der Technik in München.

Besprechungen gibt es zu Gabriela Davids Film "Taxi - eine Nacht in Buenos Aires" und zu der Ausstellung "Die Fotografie und der amerikanische Traum, 1840-1940" im Pariser Hotel de Sully.

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Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2002

Ulrike Draesner (mehr hiererinnert sich im "Kleinen Glossar des Verschwindens" an die Trockenhaube: "Sie hiess Loretta, Elegance oder Goldilocks und galt als Mercedes für Frauen. Ihr Körper folgte den Wölbungen der Kotflügel, ihre Farbe dem zarten Hautton der Nylonstrümpfe, ihre Henkel dem Design von Kühlschrankgriffen. Ein Behältnis der Extraklasse, golden-beige, halb durchsichtig, Schneewittchens Sarg, aber nur für den Kopf. Am Ende erschien der Prinz, dies war sicher, löste die Klappe und entliess die aufgestaute Hitze. Doch er küsste nicht, er kämmte."


Weiteres: Helmut Mayer resümiert einen kunsthistorischen Kongress über "Pathos, Affekt, Gefühl" in Frankfurt. Besprochen werden die Ausstellung "Living in Motion" in Weil am Rhein, Beethovens Klavierkonzerte mit Mikhail Pletnev in Zürich, das Tanzstück "Borderline" von Blanca Li in Berlin und einige Bücher, darunter Hans Ulrich Gumbrechts Porträtband "Vom Leben und Sterben der grossen Romanisten" (mehr hier), Paulus Hochgatterers als "vortrefflich" gelobter Roman "Über Raben", eine Studie von Ulrich Sieg über "Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg" (meher hier) und Mick Jacksons Roman "Der Bienenkönig". (Siehe unsere Bücherschau ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2002

Trotz des fortgeschrittenen Alters der beteiligten Herren sieht Richard Kämmerlings in der Einrichtung des Stiftungsrats für den Suhrkamp Verlag die Zukunft des Hauses gesichert. "Mit Habermas, Kluge und Enzensberger hat man die Vertreter der vielbeschworenen und ebenso oft totgesagten Suhrkamp-Kultur berufen und setzt damit ein unübersehbares Signal der Kontinuität. Mehr als jeder in der Vergangenheit denkbare direkte Nachfolger Unselds bürgt der Rat für Kontinuität; der Einfluss des Hirnforschers Singer wird auch die immer wichtigere Reflexion auf die Veränderungen unserer Welt durch die Naturwissenschaften gebührend zur Geltung bringen."


Martin Kämpchen sieht die Ursache für den jetzigen Konflikt zwischen Pakistan und Indien im Trauma der Vertreibungen von Moslems und Hindus bei der Gründung der beiden Staaten, und er zitiert die indische Schriftstellerin Urvashi Butalia: "Das Leid und die Trauer der Teilung wird durch keinen öffentlichen Akt der Erinnerung an der Grenze oder anderswo in Indien, Pakistan und Bangladesch aufgefangen. Eine Million Menschen sind bei der Teilung gestorben, doch haben sie keine Denkmäler. Einzig Geschichten halten die Erinnerung wach, Geschichten, die selten die Grenzen der Familie und der Religionsgemeinschaft überschreiten." (Hier ein Text von Butalia über "Partition and Memory" und ein weiterer Essay von ihr aus dem empfehlenswerten "Little Magazine": "It's a Man's War".)

Weiteres: Mark Siemons hat einem Auftritt des Philosophen Boris Groys als Künstler in Berlin zugesehen. Oliver Tolmein resümiert eine Diskussionsveranstaltung über bioethische Fragen, welche von der Enquete-Kommission des Bundestags in Karlsruhe abgehalten wurde. Tilman Spreckelsen berichtet, dass Joanne K. Rowling ihre "Harry Potter"-Reihe vom Schulunterricht fernhalten möchte und darum gegen einen deutschen Verlag klagt, der Unterrichtsmaterialien zu ihren Büchern verkaufen möchte. "Ack." erzählt, wie ein Silberteller zurück in die Pfoten jenes ausgestopften Bären gelangte, der einst bei Thomas Mann die Visitenkarten entgegennahm. Joseph Hanimann berichtet von einer Friedensidee des französischen Philosophen Bernard-Henri Levy für den Nahen Osten - er schlägt vor, dass sich Israel einseitig aus den besetzten Gebieten zurückzieht (hier sein Vortrag, der in Le Monde publiziert wurde). Dietmar Polaczek freut sich, dass das Kunsthistorische Institut in Florenz unter die Fittiche der Max-Planck-Gesellschaft genommen wurde. Peter Körte schreibt zum Tod des Hollywood-Moguls Lew Wasserman. Caroline Neubaur resümiert die Tagungen der beiden deutschen psychoanalytischen Standesvertretungen DPG und DPV.

Auf der letzten Seite lässt Zhou Derong die Veränderungen in China seit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni 1989 Revue passieren. Arnold Bartetzky lobt den Stadtumbau im sächsischen Freiberg, der entgegen den entsprechenden Programmen ohne Abrissbirne auskam - jetzt blüht die Stadt wieder auf. Patrick Bahners schreibt ein kleines Porträt über Fritz Stern, der den Orden Pour le merite erhält. Auf der Medienseite porträtiert Jörg Thomann den Schauspieler Axel Prahl. "rso." meldet dass die fusionierten Sender von Berlin und Brandenburg künftig origineller Weise "Rundfunk Berlin Brandenburg" heißen sollen.

Besprochen werden Sam Raimis weithin (und auch von FAZ-Filmchef Michael Allmaier) gelobte "Spider Man"-Verfilmung (mehr hier), Molieres Stück "Dom Juan" in Paris und in Straßburg, ein Konzert von Kylie Minogue, die sich auf Deutschlandtournee befindet, die Ausstellung "Die Pyramide - Haus für die Ewigkeit" im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, Igor Bauersimas Stück "Tattoo" in Düsseldorf und Blanca Lis Tanzstück "Borderline" an der Komischen Oper in Berlin.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Geheimsache des Heiligen Offiziums

22.03.2010. Doe FR übernimmt Christopher Hitchens' Slate-Artikel zur Verantwortung Benedikts XVI. an der Vertuschung der Sexualdelikte in seiner Kirche. Auch die FAZ kritisiert den Papst. Der Tagesspiegel besucht den Kölner Ground Zero um das versehentlich geschleifte Stadtarchiv und stößt auf das schiere Nichts. In der SZ erklärt der Philosoph Wolfram Eilenberger sein Misstrauen gegen den allseits komaptiblen Begriff der Nschhaltigkeit. Die Meldung vom Tod Wolfgang Wagners kam zu spät für die Zeitungen. Mehr lesen

Muss ich etwas zu sagen haben?

20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen

Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche

19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen

Arrondierte Männergruppen

18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach

17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten.  Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und  des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen

Ein Mann wie Winnetou

16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz  von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen

Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert

15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen

Ich war verstört

13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas.  Mehr lesen

Zeitung lebt

12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen

Damals war die Zukunft heute

11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen

Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen

10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter,  meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In  taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen

Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel

09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen

Schwirren und fliegen und sausen

08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen

Denken Sie an Klaviersaitendraht

06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen

Antipathie gegen Beton und Stahl

05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen

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