Bücherschau der Woche
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Von Lesern empfohlene Bücher

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Peter Nadas: Parallelgeschichten

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
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- Politkowskaja
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- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
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- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
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- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
30.04.2002. Die FAZ gibt Linktipps für gewaltinteressierte Leser. Die SZ analysiert argumentative Schnellschüsse gegen das Kino. Die FR vermutet, dass die Liebe des Erfurter Attentäters gekränkt wurde. In der taz schilt Bertrand Tavernier die französischen Jugendlichen, weil sie zu viel fernsehen. Die NZZ weiß, was Amokläufe strukturiert: Videofilme.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2002
Aus gegebenem Anlass nimmt die FAZ die Popkultur heute ernst, zumindest sofern sie Jugendliche zu Straftaten motiviert.
Frank Schirrmacher erblickt im Internet ein Gewaltmedium für junge Männer: "Alles spricht sich aus und erreicht erst gar nicht den Status der Ideologie, gar des Weltbildes. Eine Mischung aus Song, Newsgroup, Chatroom und Online-Baller-Spiel ersetzt das, was noch vor ein paar Jahren 'Bewegung', Weltbild, Gang, Ideologie war." Und Schirrmacher nennt eine Internetadresse des Journalisten Raymond A. Franklin mit einem achtzigseitigen Hassverzeichnis.
Auf der Seite 3 des Feuilletons gibt die Redaktion eine Menge weiterer Linktipps für gewaltinteressierte Leser. Eine der Inspirationen für jugendliche Amokläufer ist das Videospiel The Doom. Genannt werden ferner das vom Erfurter Täter Robert Steinhäuser präferierte Spiel Counterstrike, die "Schockrocker" von Slipknot, die Comicfigur "The Punisher", der Film "The Basketball Diaries", eine wichtige Quelle für die Amokläufer von Littleton, sowie populäre Figuren von Serienmördern a la Zodiackiller und der Fernsehsender MTV.
Jürgen Kaube fand unterdes keinen Rat auf dem Buchmarkt: " Für die einfachsten Umgangsweisen in den einfachsten Situationen existiert inzwischen eine Legion von Ratgebern. In den Buchhandlungen stapeln sich die Erziehungsbücher, die den Eltern mal Stärke, mal gut plazierte Schwäche, mal Autorität und mal Laissez-faire anraten. Und man muss fürchten, dass die Produkte dieser Verständnisindustrie auch gelesen werden."
Mehr zur Gewalt: Michael Hanfeld schreibt über die Vorladung von Fernsehchefs durch Gerhard Schröder und berichtet über eine Studie, die den Zusammenhang von Fernsehkonsum und Gewalt nachweist. Richard Kämmerlings empfiehlt auf der Bücher-und-Themen-Seite Romane, die die Gewalt an Schulen zumThema machen wie Marc Höpfners "Pumpgun" Norbert Niemanns "Schule der Gewalt".
Und Heinrich Wefing empfiehlt auf der Medienseite ein juristisches Vorgehen gegen Gewaltfilme wie es etwa John Grisham gegen Oliver Stones Film "Natural Born Killers" versuchte. "Wenn Studios, Produzenten, Autoren mit Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe rechnen müßten, so die Hoffnung, würden sie ziemlich schnell zu einem sehr viel vorsichtigeren Umgang mit Gewalt kommen. Eine Hoffnung, die nicht nur naiv ist."
(Zwischenfrage: Sollte man nicht für weiterreichende Verbote plädieren? Der Pop ist ja noch vergleichsweise harmlos. Die Bibel und der Koran, aber auch Marx, Darwin und Nietzsche verführten gebildete junger Männer zu Amoktaten ganz anderen Formats!)
Weiteres: Joseph Croitoru erzählt die Geschichte der großen alten israelischen Chansonniere Jaffa Jarkoni, deren Geburtstagsehrungen abgesagt wurden, weil sie einen Rückzug der Israelis aus den besetzten Gebieten forderte. Christian Schwägerl enthüllt, dass die vor zwei Jahren von der FAZ veröffentlichten Gensequenzen aus den Genen von Craig Venter persönlich stammten - Venter hatte das übrigens im Gespräch mit der FAZ schon vor zwei Jahren zugegeben, aber in den USA gibt es darum jetzt Debatten. Klaus Englert schildert den Umbau einer Fabrik bei Barcelona zum Museum für La Caixa durch Arata Isozaki. Auf der Medienseite schildert Jörg Hahn, "was der Fußball im Fernsehen verloren hat". Felicitas von Lovenberg stellt den Autor Charles Frazier vor, der nach seinem Bestseller "Cold Mountain" nun von Random House einen der höchsten Vorschüsse aller Zeiten auf sein nächstes Buch bekam - irgendetwas zwischen fünf und elf Millionen Dollar.
Auf der Bücher-und-Themen-Seite legt Hans Ulrich Gumbrecht einen längern Essay über amerikanische Sexbücher vor. Auf der letzten Seite erzählt Lisa Zeitz vom Kampf der Söhne von George Grosz um den Nachlass ihres Vaters. Jürg Altwegg zeichnet ein Profil des Japanologen Bruno Gollnisch, der die Wahlkampagne von Jean-Marie Le Pen leitete. Und Andreas Rossmann berichtet von der Kölner Veranstaltung "Colonia Corrupta".
Besprochen werden Jaan Tätes Stück "Brücke" in Stuttgart, Gerhard Stäblers Stück "Madame la peste" in Duisburg, ein Auftritt von Polt und der Biermösl Blosn in München, das Medienkunstfest in Osnabrück und der Film "Die Mothman Prophezeiungen".
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Frankfurter Rundschau, 30.04.2002
Auch die FR widmet sich noch einmal der Erfurter Tragödie. Manfred Schneider interpretiert die allgemeine Rat- und Hilflosigkeit der Reaktionen und die Tat als Spiegelung: "Der Täter, dem sich die Alternativen zum Mord und zum Tod verschlossen hatten, und die Welt, die mit der Sinnlosigkeit dieser Tat konfrontiert ist und der auch alle Erklärungen verloren gegangen sind, stehen sich in entfernter Ähnlichkeit gegenüber. Denn alles, was uns im Anschluss an die Tat zunächst einfällt, das ist die Serie ähnlicher Taten in der Welt und in den Medien, die Namen von Orten ähnlicher Schulmordserien... Und dabei fällt auf, dass wir tatsächlich nur noch die Orte und nicht mehr die Namen der Täter wissen. Wir können nur aufzählen, in welche Serie diese Tat gehört." Der Hass des relegierten Schülers aber zeige, "welche Liebe gekränkt worden ist. Vermutlich müssen wir unsere Ratlosigkeit noch bis zu diesem Punkt steigern, dass wir sagen: Die Schule hat alles richtig gemacht".
Konrad Lischka beschäftigt sich mit dem jetzt erneut behaupteten Reiz-Reaktionsschema von medialer Gewaltdarstellung und realer Gewalttätigkeit. Lischka zitiert neben mehreren Untersuchungen zum Thema, die diesbezüglich allesamt zu anderen Schlüssen kommen, auch mehrere CSU-Politiker mit wohlwollenden Worten zu Schützenvereinen. Sein Text schließt mit der Feststellung: "Ein Mitglied der Charles-Manson-Gang rechtfertigte vor Gericht den Mord an Sharon Tate so: 'Wir sind, wozu ihr uns gemacht habt. Wir sind mit Gunsmoke, Have Gun, Will Travel, FBI, Combat im Fernsehen aufgewachsen.' Würde das stimmen, wäre in den Vereinigten Staaten heute kaum jemand am Leben."
Außerdem: Reinhart Wustlich wirft einen Blick auf das immer noch in Bau befindliche große Konzerthaus (Bild), das Robbrecht und Daems in Brügge bauen. Thomas Fechner-Smarsly erinnert an den spanischen Hirnforscher (er erhielt 1906 den Nobelpreis) und Erzähler Santiago Ramon y Cajal, der vor 150 Jahren geboren wurde. Sascha Michel berichtet von einer Tagung über das "Ereignis", und Dirk Fuhrig hat Jugendkultur-Forschern zugehört, die sich in Mannheim über "Identitätsbildungen in der HipHop-Kultur" austauschten. In der Kolumne "Times mager" geht es um Bildung und möbelgewordene Geistesgrößen.
Besprechungen: Maßvoll gelobt wird die Uraufführung von Michael Laubs "Porträts 360 Sekunden" am Hamburger Schauspielhaus (mehr hier), ebenso wie die Uraufführung von Andrea Breths Inszenierung des neuen Stücks von Albert Ostermaier in Wien und eine "Zauberflöte" von Achim Freyer bei den fünfzigsten Schwetzinger Festspielen (mehr hier). Vorgestellt wird schließlich noch der Film "Jazz Seen" über den Cover-Künstler William Claxton von Julian Benedikt.
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Die Tageszeitung, 30.04.2002
Wer hat Le Pen stark gemacht? Über sozial Vernachlässigte und Versäumnisse der Linken sprach Dorothea Hahn mit dem französischen Filmregisseur Bertrand Tavernier. Der glaubt nicht, dass Le Pen wirklich Präsident wird, sondern hält die "Sache" für einen möglicherweise "heilsamen Elektroschock" für die "eingeschläferte" und "verblödete" französische Jugend, von der er nicht viel zu halten scheint: "Ich verbringe viel Zeit mit Schulklassen, die eine Ignoranz gegenüber der Geschichte kultivieren. Sie werfen mir vor, dass ich sie mit Filmen über den Ersten Weltkrieg nerve und über den Algerienkrieg. Ich sage ihnen, dass sie Le Pen nicht verstehen können, wenn sie den Algerienkrieg nicht kennen. Sie sind nicht in der Lage, eine Rede zwischen den Zeilen zu analysieren. Sie lesen keine Zeitungen, sie machen Videospiele und gucken Fernsehen. Die reale Welt interessiert sie nicht." Im Übrigen glaubt er aber, "dass es weniger die Rechtsextreme ist, die Fortschritte gemacht hat, sondern die Linke und die republikanischen Parteien, die ihre Arbeit nicht anständig gemacht haben."
Weitere Artikel: Harald Peters hat auf Europas größtem asiatischen Filmfest, dem Far-East-Festival im italienischen Udine, japanische Sexfilme (sogen. Pink Eigas, mehr hier) gesehen und dabei eine "überraschende Abseitigkeit" entdeckt: "die relative Abwesenheit von Sex". Auf der "Wahrheit"-Seite porträtiert Ralf Sotscheck den irischen Schriftsteller John McGuffin, der vorgestern, zwei Tage vor seinem 60. Geburtstag, starb.
Besprochen wird die Uraufführung von Albert Ostermaiers Flughafendrama "Letzter Aufruf" im Wiener Arsenal des Burgtheaters, Rezensionen gibt es zu Ulrike Draesners Roman "Mitgift", vier Frauenkrimis (hier), einer "bösen" Parabel von B.S. Johnson, einem Essay des Philosophen Giorgio Agamben über den "Homo sacer" und einer Studie zu Wehrmacht und Prostitution im besetzten Frankreich (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Und hier TOM.
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Neue Zürcher Zeitung, 30.04.2002
Joachim Güntner stellt einen "Gestaltwandel des Amoklaufs" in jüngster Zeit fest: " Der Amoklauf als Wutausbruch - das wäre immer noch schrecklich, aber nicht mehr schrecklich rätselhaft. Doch gegen die Deutung des Erfurter Dramas als Affektunfall spricht eines: die sorgfältige Planung. Planung braucht Zeit. Die Wut, die den Attentäter treibt, muss kalt werden: Sie muss sich als Hass auf Dauer stellen. Der Amoklauf an der Grenze vom 20. zum 21. Jahrhundert tobt nicht in hitziger Raserei, sondern mit nüchterner Kälte." Videospiele sind für Güntner keine Auslöser: "Sie verursachen den Amoklauf nicht, doch sie strukturieren ihn."
Weiteres: Urs Hafner stellt das interdisziplinäre Forschungsprojekt "Translating Seen into Scene" des Schweizerischen Nationalfonds vor, "das unter der Leitung von Susanna Burghartz (Basel) die frühneuzeitliche Repräsentation der Fremden, des Anderen, wie auch die Konstruktion des Eigenen, der europäischen Identität" anhand von zeitgenössischen Reiseberichten untersucht.
Besprochen werden Rossinis "Il Turco in Italia" im Opernhaus Zürich, das Theatertreffen in Bern, schwedische Architektur und Kunst im Bard Graduate Center in New York, Zürcher Konzerte zum zehnten Todestag von Olivier Messaen und einige Bücher, darunter zwei biografische Studien über Sandor Marai und Gedichte von Kurt Drawert (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 30.04.2002
Viel zu lesen heute. Noch einmal beschäftigen sich zwei Texte mit Erfurt. Fritz Göttler analysiert die "argumentativen Schnellschüsse" gegen das Kino: "weil die normalen Erklärungen in diesem Fall nicht greifen, sucht man Deutungsmuster im Bereich der Medien - und packt gleich noch die Schuldfrage drauf." Dabei mache es einem das Kino "nicht besonders schwer, in ihm den Sündenbock zu sehen ... weil es sich immer zu seinen schockhaften Komponenten bekannt hat. ... Der Bunuelsche Schnitt durchs Auge, im 'Chien andalou', ist ihm wesentlich." "Für heute reicht?s, Herr Heise ..." - dieser Szene sei "vielleicht die schrecklichste Erkenntnis von Erfurt: dass der Täter sein finales Glücksmoment gefunden hat, seine Erlösung, als er einen traf, der auf sein Spiel einging. Als aus dem Gewalt-Monolog, den er inszenierte, ein Dialog wurde, eine Interaktion."
Bernd Graff kommentiert die Forderung des bayrischen Innenministers Günther Beckstein, sogenannte "Killerspiele" zu verbieten. "Becksteins Logik verkehrt Symptom und Krankheit, verkennt, dass es nicht die Spiele sind, die Menschen gewalttätig machen, sondern dass es gewaltbereite Menschen gibt, die unter anderem auch vor ihren Computern sitzen und massenhaft Aliens abschlachten. Somit bleibt es die oft genug grausam durchlittene Wirklichkeit, welche sich auch in der Virtualität der Bilder austobt. Nicht die Spiele sind darum gefährlich, sondern mancher ihrer zutiefst gedemütigten Spieler."
Weitere Themen: Gerd Krumeich berichtet von den Vorbereitungen der Linken, Le Pen am 1. Mai - vier Tage vor der Wahl - Paroli zu bieten. Mit gleich drei Texten begeht die SZ die Eröffnung der "Alexandrina"-Bibliothek. Lothar Müller erinnert an die antike Bibliothek von Alexandria, Sonja Zekri porträtiert das Konzept der neuen, und Chris Lower lobt die Architektur des "genialen Neubaus". Vorgestellt wird eine "Kollektion von 50 Alltagsgegenständen fürs Volk" von Philippe Starck, die in der amerikanischen Kaufhauskette Target verkauft werden sollen. Berichtet wird von der achten Jahrestagung der "Europäischen Totentanz-Vereinigung", die sich mit "Gestalten des Todes in der Kulturgeschichte" beschäftigte, außerdem von einer Tagung am Berliner Marc Bloch-Institut zum Thema Regimegegner und Stasi. Joachim Kaiser erzählt, wie er sich im Briefwechsel Theodor W. Adorno - Thomas Mann wiederfand, und Danielle Darrieux zum wird 85. Geburtstag gratuliert. Krisenberichte erreichen uns von den Hamburger Kammerspielen (hier) und der Deutschen Oper Berlin (hier). Hingewiesen wird auf das diesjährige Programm für den 1. Mai in Berlin und das Programm der Bonner Biennale im Juni mit vielen neuen Stücken aus Osteuropa. Schließlich meldet die SZ noch den Tod von Elsbeth Wolffheim, der stellvertretenden Präsidentin des Pen- Zentrums Deutschland.
Weiter geht es recht jugendmusikalisch: in einem Interview mit dem englischen Musiker und Produzenten Joseph Malik sowie Kurzbesprechungen neuer CDs von Angelika Köhlermann und Casiotone (hier), Bernadette La Hengst (hier), Nico (hier), Eileen Rose (hier), Charlie Haden (hier) und Rocket From the Tombs (hier).
Besprochen werden außerdem Michael Laubs "Porträts. 360 sek" am Schauspielhaus Hamburg (mehr hier), eine Münchner "Creme Bavaroise" von und mit den Biermösl Blosn und Gerhard Polt sowie James Mangolds Filmkomödie "Kate und Leopold".Bücher:der neue Roman von Jose Saramago und Louis Menands politische Geschichte des Pragmatismus (hier). (Siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr.)
Archiv: Heute in den Feuilletons
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen
Die Augenbrauen des Holofernes
25.01.2012. Die Welt lernt das Alphabet des Umsturzes. Die Frankfurter Rundschau fürchtet, dass die Berliner High Society nicht mit der Provinz mithalten kann. Die Japaner verlieren ihren Glauben an die Technik, beobachtet die NZZ. Die SZ konstatiert: Leistung lohnt sich nicht, wenn keiner hinsieht. Die FAZ versammelt Beispiele der französischen Liebe zu Amerika. Mehr lesen





