Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

27.03.2002. Die FAZ stellt uns den teuersten Autor der Welt vor, den christlichen Fundamentalisten Tim LaHaye, für den Bertelsmann ganz 51 Millionen Euro springen lässt. In der taz porträtiert Uri Avnery den Bulldozer Ariel Scharon. Die FR befasst sich mit dem Fall Peter Müller. Die NZZ berichtet über neue Spekulationen zum Tod Primo Levis. In der Zeit macht sich Martha Nussbaum gen-ethische Gedanken.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2002

Hannes Hintermeier stellt uns Tim LaHaye, den Autor christlich-fundamentalistischer Besteller, die in den USA rasende Erfolge feiern - um die Startauflage seines letzten Romans 'Desecration' auszuliefern, brauchte sein Verlag 126 Lastwagen. "Die römisch-katholische Kirche und der Papst sind ihm genauso verhasst wie außerehelicher Sex, Homosexuelle, Abtreibung, die Vereinten Nationen, Israel und so weiter." Und "der zum Bertelsmann-Konzern gehörende Verlag Bantam Dell soll LaHaye für vier Romane den sagenhaften Vorschuss von umgerechnet 51 Millionen Euro gezahlt haben; damit ist LaHaye der teuerste Autor der Welt."


Dietmar Polaczek hat die erneuerten Giotto-Fresken in der paduanischen Scrovegni-Kapelle (Bilder hier und hier) besucht, ist aber ein wenig enttäuscht, weil man die Kapelle nicht mehr durch den Haupteingang betreten darf und so um die Dramaturgie des Gemäldezyklus gebracht wird. Sehr oft wird man sich die Fresken ohnehin nicht ansehen können: "Um die Atemfeuchtigkeit und das Gedränge in Grenzen zu halten, darf man nur in Gruppen zu 25 Personen und nur für fünfzehn Minuten eintreten. Beim stolzen Eintrittspreis von elf Euro wird sich ein Familienvater den Besuch überlegen. Die Besuchszeit für mehr als fünfzig Einzelbilder (auch die Gerichtswand nur als ein Bild gerechnet) ergibt maximal achtzehn Sekunden pro Szene."

Weiteres: Ute Diehl porträtiert den umstrittenen Kulturstaatssekretär Berlusconis, Vittorio Sgarbi. Paul Ingendaay hat den peruanischen Übersetzer Juan Jose del Solar besucht, der Canetti ins Spanische übersetzt und nun von einem Schlaganfall niedergestreckt wurde. Matthias Ehlert liefert Impressionen von der Lesung eines Moritz-Rinke-Stücks im Kanzleramt in Gegenwart des Bundeskanzlers. Andreas Rossmann berichtet über den Fund mittelalterlicher Handschriften in Düsseldorf. Gernot Wolfram berichtet von einer Stftungsgründung des Zentrums für Bucherhaltung, in der es um die Rettung von Bach-Manuskripten geht. Zhou Derong berichtet, dass die chinesische Regierung bereits ausgelieferte Bücher über die desolate Lage der Arbeitschaft im Land wieder kassiert.

Auf der Medienseite schickt Michael Hanfeld eine Reportage vom ersten Fernsehfestival in Venedig. Hingewiesen wird auf David Tebouls Yves-Saint-Laurent-Film, der den Meister bei der Verfertigung seiner letzten Haute-Couture-Kollektion zeigt und heute Abend im WDR läuft.

Auf der letzten Seiten verfasst Pia Reinacher ein kleines Porträt des Autors Jörg Steiner, der gerader den Max-Frisch-Preis, den höchsten Schweizer Literaturpreis erhalten hat. Dietmar Dath erklärt uns, "warum die 'cantos', Ezra Pounds episches Großgedicht, am Ende reine Liebedichtung wurden". Und Siegfried Stadler meldet, dass Riccardo Chailly ab 2005 dem Leipziger Gewandhausorchester vorstehen wird.

Besprochen werden Lasse Hallströms Film "Schiffsmeldungen", Eugene O'Neills Stück "Gier unter Ulmen" im Thalia Theater Hamburg, die Münchner Ballettwoche, die Whitney Biennale (mehr hier), der Überblick "De Grote Projecten" im Rotterdamer Architketurzentrum NAI, "Drei Schwestern" in Oberhausen und eine Austellung über die Kulturgeschichte des Hundes im Westfälischen Museum für Naturkunde in Münster.

nach oben

Die Zeit, 27.03.2002

Aus The New Republic druckt die Zeit einen Essay (hier das Original vom April 2000) der Philosophin Martha Nussbaum nach, die sich mit dem Buch "From Chance to Choice" (hier eine Leseprobe, pdf) auseinandersetzt, einem "Standardwerk" (so die Zeit), in dem renommierte Philosophen nach der Chancengleichheit im Zeitalter gen-optimierbarer Menschen fragen. "Wir fangen gerade erst an", schreibt Nussbaum dazu, "eine Gesellschaft zu schaffen, in der Kinder mit Down-Syndrom als Individuen geachtet werden. Wir müssen diese Entwicklungen gegen die absehbare Flut von Forderungen nach genetischer Behandlung unterstützen. Wir sollten genetische Chirurgie nicht verbieten, doch zugleich sollten wir eine Kultur fördern, in der ein breites Spektrum vermeintlicher Behinderungen respektiert und als wertvolle Form menschlichen Lebens gesehen wird."


Die Tatsache, dass der ehemalige Berlinale-Chef Moritz de Hadeln "sozusagen vom Arbeitsamt direkt in die Chefetage" des Filmfestivals von Venedig zurückbefördert wurde, macht ihn Katha Nicodemus nicht sympathischer: "Fünf Monate vor Beginn der 59. Mostra Internazionale del Cinema zieht de Hadeln jetzt für eine Regierung den Karren aus dem Dreck, deren Mitglieder und Anhänger das Festival noch im vergangenen Jahr als 'hässlich, schmutzig und böse' beschimpften, als 'kulturelle Schande', die Staatsgeld ohne Gegenleistung kassiere."

Weiteres: Diedrich Diedrichsen denkt zum Neustart des Films noch einmal über E.T. nach ("Visionär wird E.T. dadurch, dass er so formelhaft und abstrakt durch das Kinderzeimmer eiert und überall emphatisch andockt, wo ein loses emotionales Ende herumhängt"). Jens Jessen sieht die letzte Rettung für Kirchs Bezahlfernsehen in der Pornografie. Volker Hagedorn porträtiert den "letzten lebenden Vertreter der alten deutschen Dirigentengeneration", Kurt Sanderling. Hanno Rauterberg stellt Stephan Braunfels' Haus für die neue Pinakothek der Moderne in München vor. Und in den Zeitläuften schreibt Klaus Günzel über Friederike Brion, die Goethe liebt.

Besprechungen gelten der Ausstellung "Ebenbilder" im Ruhrlandmuseum Essen, Jon Fosses Stück "Winter" in Jossi Wielers Zürcher Inszenierung, Wang Xiaoshuais Film "Beijing Bicycle" und der Michael-Sweertz-Ausstellung im Amsterdamer Rijksmuseum.

Aufmacher des Literaturteils ist ein von Andreas Nentwich verfasstes Porträt des Schriftstellers Hartmut Lange. Besprochen werden unter anderem "Leichte Verfehlungen", der neue Roman von Elke Schmitter und Ian Burumas Buch "Anglomania". (Siehe unsere Bücherschau ab 14 Uhr.)

nach oben

Frankfurter Rundschau, 27.03.2002

Mit dem Fall Peter Müller befasst sich auch Peter Michalzik in der FR. Allerdings ist er sich nicht so sicher, ob es wirklich Müller gewesen ist, der in Saarbrücken von "politischem Theater" gesprochen hat. Ergreift nicht die Allgemeinheit zuweilen vom Individuum Besitz und spricht durch seinen Mund? In diesem Fall womöglich sogar die Wahrheit, wie Michalzik glaubt: "Das politische Urteil wird nicht mehr von sachlichen Erwägungen dominiert. Woher sollten dafür auch die Kriterien kommen? Die haben sich uns längst entzogen, das Urteil ist ästhetisch geworden." Und der Bundesrat zur politischen Bühne. "Die Rede Peter Müllers im Saarbrücker Staatstheater wäre dann nur der sachgerechte Kommentar zur aktuellen Entwicklung gewesen. Er hätte mal wieder die Regeln kenntlich gemacht, denen Politik, die sich medial artikulieren muss, unterliegt. Wahrscheinlich musste es einfach mal wieder gesagt werden."


Na das passt ja wie angegossen! Robert Misik nämlich stellt uns einen Politikertypus vor, der sich auf Schaustellerei bestens versteht: den Rechtspopulisten. "Haider, Berlusconi, Fortuyn (Bossi, Kjaersgard, Blocher, Schill, ließe sich ergänzen), sie sind erst in der Pose ganz bei sich selbst. Sie verfügen über einen Authentizitätsbonus, der durch ihren Narzissmus getragen wird. Ihre Macken, ihre Sucht nach Aufmerksamkeit, ihre Respektlosigkeit, ihr Vorwitz, ihre Ignoranz gegenüber Gepflogenheiten und Realitäten, mit einem Wort, all jene Charaktereigenschaften, in denen sich ihre Exzentrik erweist, heben sie vom Typus des politischen Funktionärs ab, der im schlimmsten Fall nicht mehr ist als das Amt, das er bekleidet."

Außerdem: die "Times mager"-Kolumne kritisiert Wolf Biermanns Polemik gegen Saddam Hussein in der Welt, und Besprechungen widmen sich der Ausstellung "Mirroring Evil: Nazi Imagery / Recent Art" im Jewish Museum, New York, Jan Hrebejks schwarzer Kollaborateurs-Komödie "Wir müssen zusammenhalten", Marina Carrs skurriles Stück "Am Katzenmoor" im Theater Dortmund, einer Schau über "Das Geheimnis des Schattens", am Deutschen Architektur Museum in Frankfurt sowie Eugene O'Neills "Desire" am Hamburger Thalia Theater.

nach oben

Die Tageszeitung, 27.03.2002

Rasen wir im Höllensturz auf die Inflation zu? Helmut Höge jedenfalls sieht die Menetekel überall: Die Damen in den Bordellen nehmen nur noch harte Dollars, und, was schlimmer ist: die Lichtbildsammlungen werden wieder teurer. "Die bekam man in den Achtzigern bei den Trödlern noch fast geschenkt, wobei die durchschnittliche Lebensleistung einer Familie bei 5.000 bis 10.000 Dias lag, die zumeist der Mann geknipst hatte, weswegen auch fast immer seine Ehefrau den Vordergrund ausfüllte. Ich habe das dann umgedreht, indem ich die Dias aus der Zeitlichkeit raus zu neuen Serien zusammenfasste, in denen der Hintergrund gleich ungültig wird. Der Obertitel dafür heißt nun 'Frauen am Geländer', weil dies die häufigste Pose ist, gefolgt von 'Frauen mit Auto', 'Frauen, die Vögel füttern', 'Frauen mit Blumen' und 'Männer, die den Frauen was Neues zeigen'."


Außerdem: Katrin Bettina Müller liefert Eindrücke von der Ausstellung "Die griechische Klassik - Ideal und Wirklichkeit" im Berliner Martin-Gropius-Bau, Christiane Kühl hat sich in Janec Müllers "Product Placement" aus der Scirocco-Projekt-Trilogie am Theaterhaus Weimar über Konsumverwirrung aufklären lassen, Marcel Malachowski bespricht David Tebouls aufwendigen Bildband zum künstlerischen Werk Yves Saint Laurents (siehe auch unsere Bücherschau um 14 Uhr), und Niels Werber teilt seine bitteren Erfahrungen bei der Wohnungssuche in Innsbruck mit (trau keiner Garconniere!).

Auf der Medienseite kommentiert Gaby Hartel die Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden an das Duo Ammer/FM Einheit für "Crashing Aeroplanes" - eine Produktion, die unmittelbar nach 09/11 sicher gar nicht gut angekommen wäre.

Und in den Tagesthemen porträtiert der israelische Schriftsteller Uri Avnery den "Bulldozer" alias Ariel Sheinermann alias Ariel Scharon: "Seine Einstellungen sind primitiv, aber konsequent. Er hat die Engstirnigkeit des Dorfbewohners, kennt die Welt kaum. Darum hat er die Fähigkeit, weltumfassende Pläne aufzustellen, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben." Und Steffen Grimberg und Ralf Sotscheck kommentieren den Einstieg Rupert Murdochs ins Kirch-Geschäft. "Gesunde Unruhe im dualen System", erwartet der eine, Kirch sei das kleinere Übel, behauptet der andere.

Schließlich TOM.

nach oben

Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2002

Es gibt neue Spekulationen über den Tod Primo Levis, schreibt Franz Haas. In der britischen Viking Press ist unter dem Titel "The Double Bond" eine 900-Seiten-Biografie des Autors von Carole Angier erschienen (mehr hier). Darin entwickelt die Autorin nach Haas eine neue These über Levis Selbstmord: "Die Depression, die Primo Levi in den Selbstmord trieb, rühre nicht von Auschwitz her, sondern von einer ödipalen Bindung an die Mutter, die ihm jegliches Glück anderswo verwehrt habe. 'Sein gequältes Verhältnis zu Frauen' sei schon vor dem Lageraufenthalt evident gewesen, und auch danach sei er eher der Gefangene eines privaten, intimen Gefängnisses gewesen. - Carole Angier beruft sich auch auf bisher unbekannte Schriften aus dem Nachlass, die nur teilweise überzeugen: 'Ich glaube, dass ich nie von meiner Mutter umarmt worden bin', schreibt Levi. So erschwerend das für ein ganzes Leben sein kann, es sollte die Biografin nicht dazu berechtigen, von Auschwitz abzusehen. Denn fraglich ist, ob der Terror einer kalten Mutterliebe konkurrieren kann mit dem eines Todeslagers." Nebenbei sei vermerkt, dass der Hanser-Verlag "Das periodische System", Levis schönstes Buch wieder auflegt.


Im weiteren geht es heute in der NZZ um Kinderbücher. Wir erfahren von der Gründung eines Schweizer Instituts für Kinder- und Jugendmedien. Christina Thurner befasst sich mit der Aufarbeitung der Vergangenheit in Mädchenromanen. Gerda Wurzenberger stellt Kinderbücher aus Holland vor. Ursula Sinnreich präsentiert Neues aus Schweizer Bilderbuchverlagen. Buchbesprechungen widmen sich ferner einem Band mit Sigmund Freuds Reisebriefen und einer Anthologie mit "Lock- und Liebesgedichten". (Siehe unsere Bücherschau ab 14 Uhr.)

Andere Besprechungen gelten der großen Surrealismus-Ausstellung in Paris, einem Konzert Jonathan Notts und der Bamberger Symphoniker in Zürich, Jan Fabres "Schwanensee"-Choreografie in Brügge, und "Il pirata" von Bellini in Biel.

Und im "Kleinen Glossar des Verschwindens" erinnert sich Joachim Güntner an die Eisblumen seiner Kindheit: "Ihren Namen fand ich immer verfehlt. Farne sah ich in ihnen, keine Blumen. Ihre filigranen Muster bestachen den optischen Sinn, doch es war eine kalte Pracht, deren Erstarrung sich auch atmosphärisch mitteilte. Vielleicht habe ich sie darum lange Zeit nicht vermisst und erst spät mit Bedauern bemerkt, dass sie aus meinen Wintermorgen seit Jahren verschwunden sind."

nach oben

Süddeutsche Zeitung, 27.03.2002

Die SZ druckt die gekürzte Fassung der Saarbrücker Rede, mit der Saarlands Ministerpräsident Peter Müller am vergangenen Sonntag einen Eklat verursachte. Müller untersucht das Verhältnis von Politik und medialer Inszenierung am Beispiel der Bundesratssitzung über das Zuwanderungsgesetz und der offenen Empörung seiner Partei über die Abstimmungsergebnisse. "Das war kein Zufall. Die dort geäußerte Empörung hinsichtlich der Feststellung des Bundestagspräsidenten entstand nicht spontan. Die Empörung haben wir verabredet ... es ist ein Theater, das in einer Kommunikationsgesellschaft unverzichtbar ist, um die Aufmerksamkeit für diese Sachverhalte zu erreichen."


Das sieht denn auch Gerhard Matzig ein. Zwar sei es fürchterlich, schreibt er, "wenn man sieht, wie dumm so ein Polit-Motor im Grunde konstruiert ist - es nützt nur nichts, daraufhin nach dem Krisenstab zu rufen". Und so richtig kompliziert, meint Matzig, würde es ja auch erst dann, "wenn einer von jenen, die jetzt so lautstark ihre Empörung über die 'inszenierte Empörung' inszenieren, wenn da einer aufstünde und zugeben würde, dass auch die Empörung über die Empörung nur ein relativ berechenbarer Teil jenes Phänomens ist, das die einen als Trickserei und die anderen als Politik bezeichnen".

Burkhard Müller-Ullrich untersucht die neueste Verschwörungstheorie zum 11. September. "L'effroyable imposture"- Die erschreckende Täuschung, heißt das Buch, in dem der Franzose Thierry Meyssan den Nachweis zu führen sucht, kein Flugzeug, sondern eine von US-Streitkräften gezündete Autobombe habe das Pentagon getroffen. Dass ausgerechnet Meyssan, der sich durch seinen Kampf gegen französische Holocaustgegner einen Namen gemacht hat, auf so eine Idee verfällt, findet Müller-Ullrich symptomatisch. "Denn sein negationististisches Geschäft ist angesichts der vielen Toten des Fluges AA77, deren Verschwinden er bloß durch ein Komplott ihrer Familien erklären kann, nicht minder menschenverachtend, als es die Tiraden der Shoah-Zweifler sind. So kippt wieder einmal die Aufklärung, extremistisch zugespitzt, ins Gegenteil."

Weitere Artikel: Marianne Heuwagen berichtet von einem weiteren Kulturtee in Kanzler Schröders "Sky-Lobby", diesmal: eine szenische Lesung von Moritz Rinkes "Republik Vineta". Alexander Menden liefert einen Lagebericht vom Haller "Osterfestival" für Neue Musik nach den Einsparungen, und Jörg Häntzschel annonciert den heute beginnenden arabischen Gipfel in Beirut.

Besprochen werden der Teeniefilm "Crossroads" mit Britney Spears, Enttäuschendes von George Balanchine, Giorgio Mancini und Saburo Teshigawara am Ballett des Grand Theatre Geneve, Volker Brauns "Limes. Mark Aurel" am Kasseler Theater, eine Werkschau des Malers Michael Sweerts im Rijksmuseum Amsterdam, Debussy, Ravel und Chausson, dirigiert von Christian Thielemann in der Münchner Gasteig-Philharmonie, zwei Mutter-Courage-Aufführungen am Theatre de la Colline in Paris und am Schauspiel Hannover im Vergleich, schließlich Lesefutter: Ulf Poschardts Merve-Bändchen über Sportwagen, eine gleichfalls rasende Biographie über die Rennfahrerbraut Clärenore Stinnes und Hermann Pauls Deutsches Wörterbuch in neuer Auflage (auch in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

nach oben

Archiv: Heute in den Feuilletons

Notschrei eines blutjungen Originalgenies

09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis.  Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen

Härteste Türpolitik

08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen

Verhängt die Fenster

06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen

Pneumatische Prozesse

05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten.  Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Wie Einbrecher in der Nacht

04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen

So viel wie ein junges Nashorn

03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen

Irgendwo in einer fernen Wolke

02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur.  Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen

Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio

01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen

Circa anderthalb goddamns pro Seite

30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt.  Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen

Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit

29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen

Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie

28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen

Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor

27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen

Mit einem Martini und einem Orden

26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen

Menschenfreundliche Wortwundverbände

25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann.  Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen

Tempel des digitalen Zeitalters

23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen

Gesamtes Archiv Heute in den Feuilletons