Essay

Respektabel, aber falsch

Peter Sloterdijks Verschärfung von Jan Assmanns "mosaischer Unterscheidung" Von Micha Brumlik
11.04.2013. Ein historischer Rundblick zeigt, dass es keine "mosaische Unterscheidung" brauchte, um im Namen einer Religion die eigenen Leute und andere zu massakrieren: eine Widerlegung der Assmann-Sloterdijk-Hypothese.
Micha Brumlik wendet sich gegen die von Jan Assmann (hier) und Peter Sloterdijk (hier) formulierten Thesen über die "mosaische Unterscheidung" und die Gewalt des Monothismus. Hier eine Übersicht über den Verlauf der Debatte. (D.Red.)



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Vorbemerkung


Jan Assmanns These von der mosaischen Unterscheidung sowie Peter Sloterdijks Verschärfung dieser These, wonach die mosaische Unterscheidung - in den von ihr geprägten historischen Religionen Judentum, Christentum und Islam - von "autogenozidaler Selbstexklusion" in der Ethnogenese zur intoleranten Bildung von Zwangsmitgliedschaften und - in den politischen Religionen von Nationalsozialismus und Stalinismus - zu den katastrophalen Massenmorden der Moderne geführt hätte, ist respektabel und anregend. Respektabel deshalb, weil beide damit in einer Tradition der Selbstkritik jener westlichen Moderne stehen, die spätestens in Horkheimer/Adornos "Dialektik der Aufklärung" einen ersten Höhepunkt erreicht hat. Anregend, weil sie dazu provoziert, erneut über die Grundlagen unserer Kultur nachzudenken. Bei alledem wird man weder Assmann noch Sloterdijk gerecht, wenn man ihre Thesen für identisch hält, gleichwohl sei im folgenden, um der Stringenz der Debatte willen von einer aus drei Teilen bestehenden "Assmann-Sloterdijk-Hypothese" gesprochen. Deren erster Teil behauptet (mit Jan Assmann), dass die "mosaische Unterscheidung" - also die Unterscheidung von wahr und falsch in der Religion - eine emergente, welthistorische Singularität gewesen sei, ihr zweiter Teil behauptet, dass diese Unterscheidung Legitimationsmuster zur Ausübung von Gewalt bereit halte, zumal gegen die Angehörigen der eigenen Gruppe, ein Umstand, den Peter Sloterdijk drittens pointiert, wenn er behauptet, dass damit ein "Master Narrative", ein Deutungsmuster entstanden sei, das entsprechend Gläubige in ganz besonderer Weise zu unerträglichen, unfasslichen Grausamkeiten und zu Handlungsdispositionen "autogenozidaler Selbstexklusion" geführt habe.

Ich versuche im Folgenden, die "A.S.-Hypothese" in drei Argumentationsgängen zu widerlegen: Erstens gehe ich der Frage nach, ob Assmann und Sloterdijk den methodischen und methodologischen Hypotheken ihrer Hypothese gerecht werden und überhaupt gerecht werden können; Zweitens nehme ich den von Sloterdijk inaugurierten, universalhistorischen Blick auf Grausamkeit und Intoleranz zumal gegen die eigene Gemeinschaft auf, verdichte diesen Blick zu einer angeregten Vorstellung einer universalhistorischen Grausamkeitslehre ("Atrozitologie") und versuche zu zeigen, dass gerade in ihrem Rahmen die "A.S.-Hypothese" nicht zutrifft, während ich drittens mit einigen Bemerkungen zum Judentum, das mit der vermuteten israelitischen Religion de facto nichts zu tun hat, möglichen missverständlichen antijudaistischen und antisemitischen Lesarten der "A.S.-Hypothese" zuvorkommen will.


1. Methodisches, Methodologisches


Die "A.S.-Hypothese" lässt sich grundsätzlich zweifach verstehen:
a. als eine universalhistorische Hypothese über den realen Verlauf der Weltgeschichte, die der Übernahme des singulären mosaischen Narrativs kausale Wirksamkeit beim Ausüben von Intoleranz und Grausamkeit zuschreibt. Und zwar in dem Sinne, dass dort, wo dieses Narrativ nicht vorliegt, die Geschichte weniger grausam verlaufen ist.
b. als eine im Wesentlichen hermeneutisch und textualistisch, bei Assmann deutlicher als bei Sloterdijk gedächtnisgeschichtlich orientierte Annahme, die den textuellen Spuren dieses Narrativs in weiteren Texten folgt, damit aber ihre religionskritische Brisanz verliert.

1.1. Glaube und Wahrheit in der Achsenzeit
Beiden Varianten aber liegt Assmanns offensichtlich als realgeschichtlich missverstandene Annahme von der Entstehung der mosaischen Unterscheidung im Ägypten der Echnaton-Zeit zugrunde, die er in der Auseinandersetzung mit Rolf Schieder nun ausdrücklich zurückgezogen und für Unsinn erklärt hat. Das "echnatonische" Missverständnis dürfte dem Umstand zuzuschreiben sein, dass Jan Assmann sehr wohl über die fatale Tradition einer letztlich antijudaistischen bis antisemitischen Altorientalistik informiert ist, weshalb er es vermieden hat - historisch stimmig und politisch sensibel - die mosaische Unterscheidung einem im vierzehnten Jahrhundert vor der Zeitrechnung ohnehin noch nicht existierenden "Frühjudentum" zuzuschreiben. Dem aber scheint - im Unterschied zu Assmann - Peter Sloterdijk zuzuneigen, wenn er einmal das freilich eher unübliche Attribut "altjüdisch" benutzt. Zu fragen ist daher vor allem, ob die ursprüngliche, anfängliche Synthese von Glauben und (unbedingtem) Wahrheitsanspruch einzig den mosaischen Narrativen zuzurechnen ist. Das scheint mir mit Blick auf die "Achsenzeit" nicht der Fall zu sein. Dafür im folgenden einige Beispiele:

1.1.1. Griechische Antike
So schrieb Parmenides (ca. 549 - 500 v.d. Zeitrechnung):
"Denn keinerlei schlechte Fügung entsandte dich, diesen Weg zu kommen,... sondern Gesetz und Recht. Nun sollst Du alles erfahren", sagt die Göttin [!!!] im Lehrgedicht des Parmenides, "sowohl der wohlgerundeten Wahrheit unerschütterlich Herz wie auch der Sterblichen Schein-Meinungen."[1]

Das ist Assmann bekannt, freilich neigt er dazu, den im engeren Sinn "religiösen" Anteil dieser "Philosophie" herabzuspielen, um so mehr Profil für die "mosaische Unterscheidung" zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund muss man sich verdeutlichen, dass die "mosaische Unterscheidung" von (praktischer) Wahrheit und Glauben zunächst deren Differenzierung voraussetzt, eine Differenzierung, die dann wieder aufgehoben wird. Ob das der Religion der "Griechen", der "Götter Griechenlands" (Walter F. Otto) entspricht, ist durchaus strittig: So stellt etwa Henning Ottmann zurecht fest, dass "Themis" und "Dike" als göttliche Mächte von Recht und Gerechtigkeit (also von praktischer Wahrheit!) das Denken der Hellenen zumal bei der Begründung, inneren Ordnung und Verteidigung ihrer politischen Gemeinschaften entschieden motiviert hat.[2] Wurde im Namen dieser Religion auch Gewalt gegen Mitglieder der eigenen Gemeinschaft ausgeübt? Sokrates jedenfalls wurde wegen angeblicher Gottlosigkeit in Athen zum Tode verurteilt; ein klarer Fall von religiös juridifizierter Gewalt gegen innere Abweichler.

1.1.2. Persische Antike
Wann genau Zarathustra lebte, ist nach wie vor ungeklärt. Neuere Schätzungen datieren seine Lebenszeit von 618 bis 541 vor der Zeitrechnung[3] In der ersten Gatha aber heißt es:
"Mit ausgestreckten Händen vor ihm, der mich stützt, erflehe ich von allen Göttern, oh Weiser, zuallererst den Wohltätigen Geistzustand, lebensspendend durch Wahrheit."[4]

Zudem liegen - wenn auch nur dünn belegte - Traditionen vor, wonach Anhänger dieses Glaubens, sogar Angehörige eines Königshauses, bereit waren, in einem Glaubenskrieg ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Angehörigen aufs Spiel zu setzen, um diesem Glauben treu bleiben zu können. So schrieben die achaemenidischen Könige Persiens ihre Erfolge der Größe ihres Gottes zu.[5]

1.2. Erstes Zwischenergebnis
Die Verbindung von Religion und Wahrheit einschließlich der Ermächtigung zur Ausübung von Gewalt zumal gegen Angehörige der eigenen Gruppe wurde in der Achsenzeit keineswegs nur in den mosaischen Narrativen artikuliert und schließlich im sechsten Jahrhundert, unter Esra und Nehemia folgenreich kodifiziert, sondern fand nachweislich auch in anderen Kulturen statt. Zu vermuten ist, dass dies eine allgemeine, evolutionäre Eigentümlichkeit des Übergangs zu voll entwickelten Hochkulturen war.[6]

1.3. Kausalistische Beweislasten
Um die volle kulturkritische Beweislast der "A.S.-Hypothese" zu erhärten, müssten Assmann und Sloterdijk universalhistorisch anhand eng geführten realen, nicht nur mythischen Quellenmaterials zeigen, dass das mosaische Narrativ in den Köpfen und Schriften grausamer Täter tatsächlich "vorhanden" war, bzw. - abstrakter - dass es tatsächlich eine durch das mosaische Narrativ - und nicht durch andere (textuelle) Ursachen - geprägte Handlungsdisposition war, die zu Intoleranz bis zum Mord (gegen Mitglieder der eigenen Gruppe) führte. In diesem Fall hätte die "A.S.-Hypothese" etwa den methodologischen Status von Max Webers Hypothese über den Ursprung des Kapitalismus aus der calvinistischen Prädestinationslehre oder Werner Sombarts Vermutung über den Ursprung des Kapitalismus aus dem Geist des Judentums. Diese positiven Belege aus den Quellen aber sind, soweit ich es überblicke, von Assmann und Sloterdijk bisher nicht erbracht worden. Zumindest aber - dazu mehr in Abschnitt 2, "Atrozitologie" - müssten sie nachweisen, dass Intoleranz und Grausamkeit im Namen Gottes oder der Götter (auch gegen Mitglieder der eigenen Gruppe) in Kulturen, die die mosaische Unterscheidung nicht kennen, ausgeblieben sind.

1.4. Hermeneutische Naivität
Indem vor allem Peter Sloterdijk wider besseres Wissen ("All die genannten Vorgänge haben ihren wahren Ort in den Erzählungen selbst") die mosaischen Erzählungen gegen eine holistische, kontextualistische und religionshistorische aufgeklärte Lektüre isoliert, ja geradezu herauspräpariert ("Urszene der altjüdischen Anti-Vermischungspolitik") und sie nach Isolation von anderen biblischen Schriften als untergründiges Zentralmotiv der "altjüdischen" Religion behauptet, übergeht er die denn doch entscheidende Frage, wie in den historisch entfalteten Texten und Liturgien von Judentum, Christentum und Islam seit der späten Antike auf diese Narrative Bezug genommen wurde. Darauf ist in Abschnitt 3, "Mosaismus und Judentum" noch einmal einzugehen. Zunächst aber ist zu überprüfen, ob es tatsächlich nur diese Tradition war, die Grausamkeiten bis in die Gegenwart generierte.


2. Atrozitologie


Dem Linguisten und evolutionären Anthropologen Steven Pinker verdanken wir "Eine neue Geschichte der Menschheit", die auf weit mehr als eintausend Seiten empirisch belegt und statistisch plausibilisiert aus der Perspektive der Soziobiologe auf den für eine westliche Selbstkritik durchaus ganz und gar nicht intuitiven Umstand hinweist, dass über den geschichtlichen Verlauf die "Grausamkeit" abgenommen hat: nämlich dann, wenn man als Maßzahl den Quotienten von Bevölkerungsgröße und Tötungshandlungen zugrunde legt. Im ersten Kapitel setzt sich Pinker mit den auch von Assmann und Sloterdijk thematisierten Grausamkeiten auseinander, um - nachdem er eingeräumt hat, dass die Autoren der Bibel in den erwähnten Grausamkeiten, auch dann, wenn sie tatsächlich nur Fiktionen waren, einem "Kadavergehorsam gegenüber Sitten und Autoritäten" gehuldigt hätten - festzustellen:
"In den letzten Jahrtausenden und Jahrhunderten wurde die Bibel schöngeredet, zur Allegorie erklärt, durch weniger gewalttätige Texte (bei den Juden der Talmud, bei Christen das Neue Testament) verdrängt oder diskret ignoriert. Und genau darum geht es. Die Empfindlichkeit gegenüber der Gewalt hat sich so stark verändert, dass religiöse Menschen ihre Einstellung zur Bibel heute unterteilen. Sie legen Lippenbekenntnisse für die Bibel als Symbol der Moral ab, beziehen ihre Moral aber in Wirklichkeit aus moderneren Prinzipien."[7]

2.1. Megatötungen - Dschingis Khan

Im Jahr 2011 schrieb Pinker ein Vorwort zu einem nicht ins Deutsche übersetzten Buch von Matthew White unter dem zynisch klingenden Titel "Atrocitology. Humanity's 100 Deadliest Achievements".[8] Am Ende seiner umfangreichen Studie publiziert der Verfasser ein "Ranking: The One Hundred Deadliest Multicides". An der Spitze dieser Liste steht der Zweite Weltkrieg mit 66 Millionen Toten, auf Platz 2 aber schon die Feldzüge des Dschingis Khan mit 40 Millionen Toten, auf Platz 3 die Politik Mao Zedongs mit ebenfalls 40 Millionen Toten, auf Platz 4 die Hungersnöte in Britisch-Indien mit ebenfalls 40 Millionen Toten und auf Platz 5 schließlich der Untergang der chinesischen Ming-Dynastie mit 25 Millionen Toten.
Für unseren Zusammenhang sind insbesondere die Fälle 2 - die Feldzüge des Dschingis Khan - sowie 4 - der Untergang der Ming-Dynastie - von Interesse, und zwar deshalb, weil bei ihnen zuverlässig ausgeschlossen werden kann, dass das mosaische Narrativ irgendeine Rolle gespielt hat. Machtergreifung und Angriffskriege von Dschingis Khan aber wurden durch seine schamanistische Religion legitimiert: Die wiederkehrende Formel zu all seinen Verlautbarungen hieß: "In der Kraft des Ewigen Himmels, im Schutze großer Macht und Erhabenheit."[9]
Aber sogar dann, wenn man den Blick von global- und universalhistorischen Kontexten abwendet und sich auf die Achsenzeit im Mittelmeerraum und Vorderem - evtl. auch fernem - Orient bezieht, wird man auf eine Fülle grausamer Narrative und Geschehnisse stoßen, die in polytheistischen Kulturen stattfanden.

2.2. Assyrer
Die übrigens auch und gerade von Erich Zenger immer wieder hervorgehobene Gewalttätigkeit der assyrischen Herrscher war die von ihnen so verstandene Verpflichtung, im Auftrag ihres aus vielen Göttern bestehenden Pantheons ihren Feinden Unheil anzutun:
"Dann möge Assur, der König der Götter [...] euch ein schlimmes, unglückliches Los festsetzen und [euch] Vaterschaft, Altwerden, das Erreichen hohen Alters verweigern. Möge Ninlil, seine geliebte Gemahlin, ihn veranlassen, Unheil für Euch zu verkünden und keine Fürsprache für euch einlegen. [...] Möge Ninurta, Anführer der Götter, euch mit seinem grimmen Pfeil niederstrecken, das Feld mit euren Leichen füllen und euer Fleisch den Adlern und Geiern zum Fraß hinwerfen."[10

Die diesem Pantheon verpflichteten assyrischen Könige zögerten nicht, im Namen dieser Götter Gewalt auszuüben: So gab der gewiss polytheistische assyrische König Sargon II. über seinen Feldzug gegen Urartu zu Protokoll:
"Ein furchtbares Gemetzel richtete ich in seinem Heere an, die Leichen seiner Krieger zerstreute ich wie Malz, die Niederungen des Gebirges füllte ich mit ihnen an. Ihr Blut ließ ich wie einen Strom die Spalten und Terrassen herabfließen, Niederungen und offenes Land und Hänge färbte ich rot wie Anemonen. Seine Krieger, das Elitekorps seiner Truppen, die Bogenschützen und Lanzenträger schlachtete ich wie Schafe zu seinen Füßen dahin und schnitt ihre Köpfe ab."[11]

Dass Sargon II. unter Einfluss eines mosaischen Narrativs im engeren Sinne gehandelt hat, dürfte auszuschließen sein - eine Einflussnahme der israelitischen Religion auf die im Namen des assyrischen Pantheons verübte Gewalt ist definitiv auszuschließen. Vielmehr spricht alles dafür, dass mindestens die blutigen Landeroberungs- und Vertreibungsphantasien etwa des Buches Josua literarisch-projektive Reaktionen auf assyrische Kriegshandlungen waren. Freilich: Sargon II. und andere richteten ihre intolerante Gewalt - soweit dies den vorhandenen Quellen zu entnehmen ist - nicht gegen Mitglieder der eigenen Gemeinschaft.

2.3. Ugarit
Ganz und gar im polytheistischen Pantheon verwurzelt ist auch die ugaritische Göttin Anat, von der eine singuläre Freude an äußerster Grausamkeit berichtet wird und von der es in einem Lobgesang heißt:
"Es metzelt und freut sich Anat. Ihr Inneres weitet sich vor Jauchzen; Es füllt sich ihr Herz mit Freude. Das Innere Anats jubelt, als sie ihre Knie eintaucht in das Blut der Soldaten, ihre Knöchelringe in den Lebenssaft der Knappen. Bis sie satt ist, mordet sie im Hause, metzelt sie zwischen den Tischen."[12]

2.4. Homer
Der Odyssee wird gewiss niemand nachsagen können, monotheistisch geprägt zu sein, und womöglich wird man sogar Verständnis dafür aufbringen, dass Odysseus die seine Frau behelligenden Freier umbrachte; indes, auch die Geliebten der Freier - Frauen, die lediglich Lust genossen haben - erwartete ein grausames Schicksal, das über bloße Vergeltung hinausgeht. Handelte es sich um "Mitglieder der eigenen Gruppe"? Lag gar ein göttlicher Auftrag vor? Oder handelte es sich lediglich um die rein private Rache eines - von Adorno und Horkheimer in der "Dialektik der Aufklärung" so charakterisierten - frühen Bürgers? Odysseus, der die Freier hinmetzelte, ist in dieser Hinsicht zwiespältig: einerseits untersagt er seiner alten Pflegerin, nicht ob der getöteten Freier zu frohlocken, andererseits gibt er kund: "Diese vertilgte der Götter Gericht und ihr böses Beginnen."[13] Ob das auch für den Mord an zwölf der Hurerei mit den Freiern verdächtigen Frauen galt, den Telemachos beging, muss gleichwohl offen bleiben:
"Doch wenn ihr im ganzen Hause Ordnung geschaffen habt, so führt die Mägde aus der guterstellten Halle und haut sie zwischen dem Rundhaus [...] mit den langschneidigen Schwertern zusammen bis ihr ihnen allen den Lebensodem geraubt habt."
Am Ende freilich droht ihnen der Erstickungstod:
"So sprach er und band das Tau [...] an den großen Pfeiler. [...] Und wie flügelstreckende Drosseln oder Tauben sich in einem Netz verfangen, das aufgestellt ist in einem Busch, wenn sie zu ihrer Ruhestatt streben, jedoch ein bitteres Lager hat sie aufgenommen: so aufgereiht hielten diese ihre Köpfe, und Schlingen waren um alle ihre Hälse, damit sie auf erbärmlichste Weise stürben. Und sie zappelten mit den Füßen, ein weniges nur, nicht gar sehr lange."[14]

2.5. Die Gita
Das "hinduistische" Lehrgedicht "Bhagavadgita", zweifelsohne ebenfalls "polytheistisch" geprägt, zu datieren, ist schwierig; nach derzeitigem Forschungsstand dürfte es - fernab aller jüdischen, monotheistischen Einflüsse - zwischen dem fünften und zweiten Jahrhundert vor der Zeitrechnung entstanden sein.[15] Dieses Lehrgedicht thematisiert zunächst die Pflicht zur Überwindung des Mitleids bei Angehörigen der eigenen Gemeinschaft, um zu dem Schluss zu kommen, dass insbesondere die Ermordung der eigenen Sippe unethisch ist und es darauf ankommt, diesen Mordimperativen zu widerstehen. Indem Arjuna sich weigert, seine Verwandten zu töten, gibt er gleichwohl zu Protokoll, dass derlei - ganz ohne Monotheismus - üblich gewesen sein muss:
"Wenn auch jene, von Habgier in ihrem Bewusstsein getrübt, in der Zerstörung ihrer Sippe keine Schuld erkennen und kein Verbrechen in der Feindschaft gegen Freunde, warum sollten wir nicht die Weisheit besitzen, vor solch einer Sünde zurückzuschrecken, o Janardana, die wir erkennen, dass die Vernichtung der Sippe von Übel ist."[16]

Doch ist dies nicht das letzte Wort des Lehrgedichts zu dieser Frage. Mit Verweis auf die Unwandelbarkeit und Unsterblichkeit der Seele ergeht schließlich doch die göttliche Weisung, in die Schlacht zu ziehen - auch und gerade gegen Mitglieder der eigenen Gemeinschaft:
"Es gibt kein höheres Gut für den Ksahtrya als die gerechte Schlacht. Wenn sich ihnen eine solche Schlacht von selbst anbietet wie das offene Tor zum Himmel, sind die Kshatryas glücklich."[17]

Zwar ist hier der Begründungszusammenhang ein ganz anderer als im mosaischen Narrativ: geht es doch hier nicht um die Entgegennahme einer Weisung und deren lebensdienliche Prinzipien, sondern darum, sich den Anforderungen des Lebens durch Weltenthaltung zu entziehen, so bleibt es doch auf der Handlungsebene dabei, dass auf göttlichen Befehl Angehörige der eigenen Gruppe umgebracht werden sollen.

2.6. Zweites Zwischenergebnis
Es mag sein, dass das isolierte mosaische Narrativ zu den grausamsten Texten der Religionsgeschichte gehört, dass 2. Mose 32 - so Sloterdijk - "einen der schlimmsten Sätze der Religionsgeschichte" enthält, indes: die Religionsgeschichte weist, wie die wenigen Beispiele gezeigt haben, viele derartiger Sätze auf; mit einer "mosaischen Unterscheidung" oder "Monotheismus" haben sie alle nichts zu tun.


2.7. "Auto-Genozidalität" oder: Peter Sloterdijk und die Makkabäer
Als ob Sloterdijk dies gesehen hätte, versucht er sein Konstrukt einer "altjüdischen Anti-Vermischungspolitik" durch halbwegs überprüfbare, historische Quellen zu belegen, nämlich durch die Makkabäerbücher, die angeblich "Vernichtungsaktionen gegen assimilationsbereite Mitbürger" thematisieren. An diesen historischen Ereignissen will Sloterdijk das verhängnisvolle Erbe der im mosaischen Narrativ angelegten "Auto-Genozidalität" nachweisen. Freilich: die historische Forschung zu den Makkabäern gibt dieses Ergebnis nicht her. Zunächst unterschlägt Sloterdijk, dass den Feldzügen der Makkabäer die für die damalige, polytheistisch geprägte Kultur der Diadochen in der Tat ungewöhnlich intolerante und grausame Politik des seleukidischen, "polytheistischen" Königs Antiochos Epiphanes gegen das Judentum vorherging. Auf die äußerst verwickelten Vorgänge des innerjüdischen Bürgerkrieges zwischen hellenistisch und jüdisch gesonnenen Judäern, in den der seleukidische König auf Seiten der Hellenisten eingriff, ist hier nicht weiter einzugehen; es genügt, einem ausgewiesenen Experten bezüglich der Ursachen der makkabäischen Erhebung das Wort zu geben:
"Der genaue Ablauf der Ereignisse um die 'Religionsverfolgung' des Antiochos ist sicher nicht in allen Einzelheiten geklärt und ihre Bewertung wird wohl auch immer kontrovers bleiben, wenngleich die von Bickermann und Hengel begründete Sicht in der heutigen Forschung dominiert."[18]
 
Diese Lesart (Bickermann, Hengel) aber geht davon aus, dass es die Intoleranz der judäischen Hellenisten (der "assimilationsbereiten Mitbürger") war, die den Aufstand der Makkabäer provozierte. Einen schlüssigen Beweis für ein mosaisches, auto-genozidales Erbe im Judentum liefern die Makkabäerbücher und verwandte Quellen jedenfalls nicht.

2.8. Drittes Zwischenergebnis
Weder kann die "A.S.-Hypothese" zeigen, dass die Synthese von Glaube und Wahrheit lediglich in der biblischen Überlieferung angelegt ist, noch, dass von göttlichen Kräften aufgegebene extreme Grausamkeiten gegen Mitglieder der eigenen Gemeinschaft ausschließlich in dieser Tradition artikuliert und auch tatsächlich verübt wurden. Damit ist die "A.S.-Hypothese" im Wesentlichen widerlegt.



3. Mosaische Tradition und rabbinisches Judentum


So ist endlich, aber das kann jetzt nicht mehr in ausreichender Ausführlichkeit geschehen, nur noch darauf hinzuweisen, dass das Judentum, das als die Religion, die wir kennen, kaum vor der Mitte des dritten Jahrhunderts als "rabbinisches Judentum" seine heutige Form angenommen hat,[19] die von der "A.S.-Hypothese" kritisierten Narrative ganz bewusst zurückstufte, sie in andere Traditionen einbettete und liturgisch - im Bewusstsein ihrer Grausamkeit - bearbeitet hat. Es ist weder eine Verdrängung noch eine Projektion, wenn das wichtigste Gebet im jüdischen Gottesdienst, das sogenannte "Achtzehnbittengebet" eben nicht mit einer Anrufung von Moses, sondern mit den Vätern, im konservativen und liberalen Judentum auch den Müttern, Abraham und Sarah, Isaak und Rebekka, Jakob und Rachel und Lea beginnt. Moses aber gilt im Judentum als "Moshe Rabenu" - als Moses unser Lehrer, als Mensch mit all seinen Fehlern - und nicht als quasi göttlicher Vorfahre und Stifter. Schon dem Judentum der augustäischen Zeit kam alles darauf an, Moses nicht zu vergöttlichen (eine Gefahr, die in der samaritanischen Religion vorhanden war), d.h. - anders als in Christentum und Islam - einer, einer einzigen Person den Vorzug zu geben.[20] Im Übrigen hat die rabbinische Theologie die Spannung zwischen der Erwählung Israels und dem Anspruch Gottes, Gott aller Völker zu sein, durch die Lehre von den noahidischen Gebote gelöst, in denen Gott einen Bund mit allen Völkern der Welt geschlossen hat in dem bemerkenswerter Weise neben allerlei Verboten götzendienerischer Betätigung eine einzige positive Weisung besteht: unter Rechtsverhältnissen zu leben.[21] Vor allem aber hat sich die rabbinische Theologie bewusst der Problematik der Überlieferung sowie dem auch von Sloterdijk benannten Problem der "Einzäunung" gestellt. Im dazu entscheidenden Traktat der "Mischna", einer im zweiten Jahrhundert bekannt gewordenen Offenbarungsschrift eigenen Ranges, heißt es gleich zu Beginn:
"Moses empfing die Tora vom Sinai und überlieferte sie Josua, Josua den Ältesten und diese den Propheten. Und die Propheten überlieferten sie den Männern der großen Versammlung. Sie sagten drei Worte: 'Seid bedachtsam beim Richten, sorgt für viele Schüler und macht einen Zaun um die Tora.'"[22]
 
Später dann heißt es im selben Traktat: "Auf drei Dingen ruht die Welt: Auf Recht, auf Wahrheit und auf Frieden". Einen Zaun um die Lehre zu machen, kommt in diesem zentralen Text überhaupt erst an dritter Stelle - nach dem Üben der Gerechtigkeit und der Weitergabe der Tradition. Dieser Vorschlag besagt in aller Harmlosigkeit, weitere Weisungen deshalb aufzustellen, damit man erst gar nicht in Gefahr gerät, die Weisungen Gottes vom Sinai zu übertreten. Schließlich war es - noch vor den entsprechenden christlichen Adaptionen - die rabbinische Theologie, die eine Lehre von der Unantastbarkeit und Würde des Menschen entwickelt hat, eine Lehre, die ihre Wurzeln in der schon alttestamentlichen - zwei Jahrhunderte vor den mosaischen Narrativen entstandenen - prophetisch begründeten Lehre universeller Menschenrechte, vor allem beim Propheten Amos hat.[23]

Und was endlich jene - nach Sloterdijk angeblich die "altjüdische" Religion auszeichnende und schließlich auf Christentum und Islam übergehende - Phobokratie mit ihrer spezifisch israelitischen (jüdischen?) Neigung zur "Autogenozidalität" ob nicht eingehaltener sinaitischer Weisungen betrifft, so hat die rabbinische Theologie an deren Stelle die Institution des Versöhnungstages gesetzt, dessen zentrales Prinzip lautet: "Übertretungen zwischen einem Menschen und Gott sühnt der Versöhnungstag. Übertretungen zwischen einem Menschen und seinem Nächsten sühnt der Versöhnungstag nur, wenn er sich vorher mit seinem Nächsten versöhnt hat."[24]
 
Die in der "altjüdischen" Religion angeblich - wenn auch nur spurenweise vorhandene - autogenozidale Phobokratie ist hier - im Text und in der Liturgie - vollständig in eine Lehre anerkennender, normativer Intersubjektivität überführt und vollständig in die Institutionen des Versprechens und Verzeihens transformiert. Nichts könnte vom Geist eines Gemetzels weiter entfernt sein. Gewiss: auch dies sind nur Texte und ihre symbolische Inszenierung, Liturgien - ob und wie weit sie tatsächliches Handeln und Verhalten von Jüdinnen und Juden im sozialen, politischen und ökonomischen Bereich geprägt haben, ist eine völlig andere - nur durch historische Quellenforschung entscheidbare Frage.

3.1. Ergebnis
Die "A.S.-Hypothese" wurde falsifiziert. Weder konnte sie - philosophiegeschichtlich - nachweisen, dass die Verbindung von Glaube und praktischer Wahrheit alleine dem mosaischen Narrativ zuzurechnen ist, noch hat sie den nur durch realhistorische Quellenforschung nachzuweisenden Beleg erbracht, dass Intoleranz und Grausamkeit auf Geheiß Gottes oder der Götter auf eine ausschließlich dem mosaischen Narrativ zugrundeliegende Disposition zurückzuführen ist. Vielmehr konnten umgekehrt instruktive Beispiele aus der Religionsgeschichte dafür angeführt werden, dass polytheistische Kulturen allemal so grausam (und intolerant) auch gegen Angehörige der eigenen Gemeinschaft waren wie die phantasierten Akteure des nur textuell vorhandenen mosaischen Narrativs.

Ich erkenne in der "A.S.-Hypothese"
a. einen Mangel an Dialektik bei der Betrachtung geistiger Positionen, d.h. ein Verkennen des Umstandes, dass gerade (!) in der Abarbeitung und Umarbeitung abgelehnter und anstößiger Positionen neue, geradezu entgegengesetzte Positionen entstehen;
b. einen Mangel an materialistischer Perspektive, d.h. ein Übergehen und Übersehen des Umstandes, dass auch (keineswegs nur!) Begehren und Begierden nach Gütern aller Art Intoleranz und Grausamkeit motivieren; sowie
c. ein pseudokausalistisch orientiertes wirkungsgeschichtliches Bewusstsein, d.h. eine Einstellung, die glaubt, aus nur holistisch verstehbaren Textzusammenhängen einzelne Passagen isolieren zu können und diese dann als kausal wirkende Faktoren ohne weiteren Nachweis behaupten zu können.


Kritische Religionsgeschichte könnte auch anders betrieben werden.

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[1] Parmenides, Fragmente, in: H. Diels, Die Fragmente der Vorsokratiker, Reinbek 1957, S.44.

[2] H. Ottmann, Geschichte des politischen Denkens, Die Griechen von Homer bis Sokrates, Stuttgart 2001, S. 31 f.

[3] M. Stausberg, Zarathustra und seine Religion, München 2005, S. 23.

[4] a.a.O.

[5] a.a.O. S.34.

[6] R.N. Bellah/H. Joas (Ed.), The Axial Age and Its Consequences.
 Cambridge, MA 2012.

[7] S. Pinker, Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit. Ffm. 2011, S. 38.

[8] Edinburgh 2011.

[9] M. Weiers, Geschichte der Mongolen, Stuttgart 2004, S. 65.

[10] W. Beyerlin (Hg.), Religionsgeschichtliches Textbuch zum Alten Testament, Göttingen 1985, S. 154.

[11] E. Cancik-Kirschbaum, Die Assyrer. Geschichte, Gesellschaft, Kultur, München 2003, S. 70.

[12] W. Beyerlin (Hg.) Religionsgeschichtliches Textbuch zum Alten Testament, Göttingen 1985, S. 214.

[13] Odyssee, 22. Gesang, 415 f.

[14] Homer, Die Odysse, deutsch von Wolfgang Schadewaldt, Reinbek 1958, S. 295 (22, 440-473).

[15] Bhagavad Gita, Der Gesang des Erhabenen, aus dem Sanskrit übersetzt und herausgegeben von Michael von Brück, Ffm . 1993.

[16] Die Bhagavadgita, In der Übertragung von Sri Aurobindo, Freiburg 1998, S. 49.

[17] a.a.O. S. 55.

[18] P. Schäfer, Das Judentum in der Antike, Stuttgart 1983, S. 61; E. Bickermann, Der Gott der Makkabäer, Berlin 1937; M. Hengel, Judentum und Hellenismus, Tübingen 1973.

[19] S.J.D. Cohen, The Beginnings of Jewishness, Berkeley 1999; D. Boyarin, Borderlines. The Partition of Judaeo-Christianity, Philadelphia 2004.

[20] "Moses", in: Encyclopedia Judaica, Vol. 12, Jerusalem o.J. S. 393 - 298.

[21] Babylonischer Talmud, Trakatat Synhedrin 56 f.

[22] Mischna, Sprüche der Väter I, 1.

[23] Prophetisches Völkerrecht und Heiligung des Menschen - Jüdische Wurzeln der Würde des Menschen, in: S.J.  Lederhilger (Hrsg.) Gott verlassen - Menschenwürde und Menschenbilder, Ffm. 2007, S. 77 - 90.

[24] Mischna, Traktat Joma VIII 9b.
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24.09.2014. Bei der Vernissage waren Ropac und Gagosian. Sein Haus ist von Herzog und de Meuron. Auf dem Thron sitzt er zwischen Richter und Polke. Und schwankt zwischen konkret und abstrakt. Aber das ist nur ein Missverständnis. Georg Baselitz im Haus der Kunst.
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Florian Kessler: Der Druck der nächsten feinen Sache

10.09.2014. Neben dem Deutschen Buchpreis wirbt in Frankfurt auch die "Hotlist" der unabhängigen Verlage mit alternativen Lektüren um Aufmerksamkeit: Ein Streitgespräch zwischen Daniela Seel und Axel von Ernst über die Vermittlung von Literatur in Zeiten radikalen Wandels. Moderiert Mehr lesen

Gerbert van Loenen: Du sollst mich töten

30.07.2014. Die Diskussion über Sterbehilfe in den Niederlanden in den letzten dreißig Jahren zeigt, dass eine Grenze immer schwieriger zu finden ist: Wie weit reicht die Liberaliserung? Mehr lesen

Ina Hartwig: Fesselt Euch nicht

10.04.2014. Bilder nackter Kinder haben gerade einen ganz schweren Stand. Sie sind zur politischen Obsession geworden. Plädoyer gegen ein Denkverbot. Mehr lesen

Ralf Bönt: Vom Frontalen ins Virale

27.03.2014. Das Netz versprach, uns zu Herren unserer Biografie zu machen. Nun werden unsere Daten an die Regierung verkauft. Das geht aber nur, solange wir es nicht wahrnehmen. Danach wehren wir uns, und an dieser Stelle sind wir jetzt. Mehr lesen

Ilja Braun: Für eine neue Netzökonomie

10.03.2014. Forderungen nach Datenschutz und Urheberrechten basieren beide auf der Vorstellung, dass man Eigentum an seinen Daten hat. Kann das bedingungslose Grundeinkommen eine Antwort auf die Krise des Urheberrechts und des Datenschutzes im Digitalzeitalter sein? Mehr lesen

Daniele Dell'Agli: Die rhapsodische Kamera

05.02.2014. Das einzige Kollektiv, das Miklós Jancsó mit utopischer Energie aufladen wollte, waren die Cinéasten. Sie lehrte der große Virtuose der Plansequenz, dass jede Veränderung der Verhältnisse mit einer Veränderung der Wahrnehmung beginnen muss. Dem großen ungarischen Regisseur zum Gedächtnis. Mehr lesen

Pascal Bruckner: Für eine wohlwollende Indifferenz

12.11.2013. Der Begriff der "Islamophobie" rückt Kritik an einer Doktrin in Rassismus-Verdacht. Gestraft sind mit dem Begriff vor allem liberale Muslime. Mehr lesen