Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
- Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Essay
Die Hits des Heiligen Heine
Von Georg Klein
16.02.2006. Die Hits des Heiligen Heine. Eine spirituelle Spruchparade aus doppelt gegebenem Anlass. Zusammengestellt von Georg Klein
Platz 10: HEILIGE BÜCHER
"Das Buch, das neben mir lag, war nicht der Koran, Unsinn enthielt es freilich genug."
Platz 9: HEILIGE GESETZE
"Teurer Leser, wenn Du mal nach Amsterdam kömmst, so lass dir (...) die spanische Synagoge zeigen. Diese ist ein schönes Gebäude, und das Dach ruht auf vier kolossalen Pfeilern, und in der Mitte steht die Kanzel, wo einst der Bannfluch ausgesprochen wurde über den Verächter des mosaischen Gesetzes, den Hidalgo Don Benedikt de Spinoza. Bei dieser Gelegenheit wurde auf einem Bockshorne geblasen, welches Schofar heißt. Es muss eine furchtbare Bewandtnis haben mit diesem Horne. Denn wie ich in dem Leben des Salomon Maimon gelesen, sucht einst der Rabbi von Altona ihn, den Schüler Kants, wieder zum alten Glauben zurückzuführen, und als derselbe bei seinen philosophischen Ketzereien halsstarrig beharrte, wurde er drohend und zeigte ihm den Schofar, mit den finsteren Worten: "Weißt du, was das ist?" Als aber der Schüler Kants sehr gelassen antwortete: "Es ist das Horn eines Bockes!" da fiel der Rabbi rücklings zu Boden vor Entsetzen."
Platz 8: DEUTSCHE HEILIGKEIT
"In keiner anderen Sprache hätte die Natur ihr geheimstes Wort offenbaren können, wie in unserer lieben deutschen Muttersprache. Nur auf der starken Eiche konnte die heilige Mistel gedeihen."
Platz 7: GOTT UND HÜHNER
Was ist Gott? Was ist seine Natur? So frug ich schon als kleines Kind: Wie ist Gott? Wie sieht er aus? Und damals konnte ich ganze Tage in den Himmel hinaufsehen, und war des Abends sehr betrübt, dass ich niemals das allerheiligste Antlitz Gottes, sondern immer nur graue, blöde Wolkenfratzen erblickt hatte. Ganz konfus machten mich die Mitteilungen aus der Astronomie, womit man damals in der Aufklärungsepoche, sogar die kleinsten Kinder nicht verschonte, und ich konnte mich nicht genug wundern, dass alle diese tausend Millionen Sterne, eben so große, schöne Erdkugeln seien, wie die unsrige, und über all dieses leuchende Weltengewimmel ein einziger Gott waltete. Einst im Träume, erinnere ich mich, sah ich Gott, ganz oben in der weitesten Ferne. Er schaute vergnüglich zu einem kleinen Himmelsfenster hinaus, ein frommes Greisengesicht mit einem kleinen Judenbärtchen, und er streute eine Menge Saatkörner herab, die, während sie vom Himmel niederfielen, im unendlichen Raum gleichsam aufgingen, eine ungeheure Ausdehnung gewannen, bis sie lauter strahlende, blühende, bevölkerte Welten wurden, jede so groß, wie unsere eigene Erdkugel. Ich habe dieses Gesicht nie vergessen können, noch oft im Traume sah ich den heiteren Alten aus seinem kleinen Himmelsfenster die Weltensaat herabschütten; ich sah ihn einst sogar mit den Lippen schnalzen, wie unsere Magd, wenn sie den Hühnern ihr Gerstenfutter zuwarf.
Platz 6: HEGEL, GOTT & ICH
Eines schönen hellgestirnten Abends saßen wir beide, Hegel und ich, neben einander am Fenster, und ich, ein zweiundzwanzigjähriger junger Mensch, ich hatte eben gut gegessen und Kaffee getrunken, und ich sprach mit Schwärmerei von den Sternen, und nannte sie den Aufenthalt der Seligen. Der Meister aber brümmelte vor sich hin: "Die Sterne, hum, hum! die Sterne sind nur ein leuchtender Aussatz am Himmel!" - "Um Gotteswillen!", rief ich, es gibt also droben kein glückliches Lokal, um dort die Tugend nach dem Tode zu belohnen? Jener aber, indem er mich mit seinen bleichen Augen stier ansah, sagte schneidend: "Sie wollen also noch Gottes Trinkgeld dafür haben, dass sie Ihre kranke Mutter gepflegt und Ihren Herrn Bruder nicht vergiftet haben?"
Platz 5: ICH ALS GOTT
Ich war jung und stolz, und es tat meinem Hochmut wohl, als ich von Hegel erfuhr, dass nicht, wie meine Großmutter meinte, der liebe Gott, der im Himmel residierte, sondern ich selbst hier auf Erden der liebe Gott sei. (...) Aber die Repräsentationskosten eines Gottes, der sich nicht lumpen lassen will und weder Leib noch Börse schont, sind ungeheuer; um eine solche Rolle mit Anstand zu spielen, sind besonders zwei Dinge unentbehrlich: viel Geld und viel Gesundheit. Leider geschah es, dass eines Tages - im Februar 1848 - diese beiden Requisiten mir abhanden kamen, und meine Göttlichkeit geriet dadurch sehr ins Stocken. (...) seit ich zu den Frommen gehöre, gebe ich fast gar nichts mehr aus für die Unterstützung von Hilfsbedürftigen; ich bin zu bescheiden, als dass ich der göttlichen Fürsehung wie ehemals ins Handwerk pfuschen sollte, ich bin kein Gemeindeversorger mehr, kein Nachäffer Gottes, und meinen ehemaligen Klienten habe ich mit frommer Demut angezeigt, dass ich nur ein armseliges Menschengeschöpf bin, eine seufzende Kreatur, die mit der Weltregierung nichts mehr zu schaffen hat, und sie sich hierfüro in Not und Trübsal an den Herrgott wenden müssten, der im Himmel wohnt, und dessen Budget ebenso unermesslich sei wie seine Güte ist, während ich armer Exgott sogar in meinem göttlichen Tagen, um meinen Wohtätigkeitsgelüsten zu genügen, sehr oft den Teufel an dem Schwanz ziehen musste. Geständnisse.
Platz 4: SPOTT GOTTES
Ach der Spott Gottes lastet schwer auf mir. Der große Autor des Weltalls, der Aristophanes des Himmels, wollte dem kleinen irdischen, sogenannten deutschen Aristophanes recht grell dartun, wie die witzigsten Sarkasmen desselben nur armselige Spöttereien gewesen im Vergleich mit den seinigen, und wie kläglich ich ihm nachstehen muss im Humor, in der kolossalen Spaßmacherei.
Ja, die Lauge der Verhöhnung, die der Meister über mich herabgeußt, ist entsetzlich und schauerlich grausam ist sein Spaß. Demütig bekenne ich seine Überlegenheit und ich beuge mich vor ihm im Staube. Aber wenn es mir auch an solcher höchsten Schöpfungskraft fehlt, so blitzt doch in meinem Geiste die ewige Vernunft, und ich darf sogar den Spott des Gottes vor ihr Forum ziehen und einer ehrfurchtsvollen Kritik unterwerfen. Und da wage ich nun die untertänigste Andeutung auszusprechen, es wolle mich bedünken, als zöge sich jener grausame Spaß , womit der Meister den armen Schüler heimsucht, etwas zu sehr in die Länge; er dauert schon über sechs Jahre, was nachgerade langweilig wird. Denn möchte ich ebenfalls mir die unmaßgebliche Bemerkung erlauben, dass jener Spaß nicht neu ist und dass ihn der große Aristophanes des Himmels schon bei einer anderen Gelegenheit angebracht, und also ein Plagiat hoch an sich selbst begangen habe.
Platz 3: ZUKUNFT GOTTES
"Ich trug an Bord meines Schiffes die Götter der Zukunft."
Platz 2: SEEHUNDE
"Der Autor gewöhnt sich am Ende an sein Publikum, als wäre es ein vernünftiges Wesen. auch dich scheint es zu betrüben, dass ich Dir valet sagen muss, du bist gerührt, mein teurer Leser, und und kostbare Perlen fallen aus deinen Tränensäckchen. Doch beruhige dich, wir werden uns wiedersehen in einer besseren Welt, wo ich dir auch bessere Bücher zu schreiben gedenke. Ich setze voraus, dass sich dort auch meine Gesundheit bessert und dass mich Swedenborg nicht belogen hat. Dieser erzählt nämlich mit großer Zuversicht, dass wir in der anderen Welt das alte Treiben, ganz wie wir es in dieser Welt getrieben, ruhig fortsetzen, dass wir dort unsere Individualität unverändert bewahren und dass der Tod in unserer organischen Entwicklung gar keine sonderliche Störung hervorbringe. Swedenborg ist eine grundehrliche Haut, und glaubwürdig sind seine Berichte über die andere Welt, wo er mit eigenen Augen die Personen sah, die auf unserer Erde eine Rolle gespielt. (...) So närrisch sie auch klingen, so sind diese Nachrichten eben so bedeutsam wie scharfsinnig. Der große skandinavische Seher begriff die Einheit und Unteilbarkeit unserer Existenz, so wie er auch die unveräußerlichen Individualitätsrechte des Menschen ganz richtig erkannte und anerkannte. Die Fortdauer nach dem Tode ist bei ihm kein idealer Mummenschanz, wo wir neue Jacken und einen neuen Menschen anziehen; Mensch und Kostüm bleiben bei ihm unverändert. In der anderen Welt des Swedenborg werden sich auch die armen Grönländer behaglich fühlen, die einst als die dänischen Missionare sie bekehren wollten, an diese die Frage richteten: ob es im christlichen Himmel auch Seehunde gäbe? Auf die verneinende Antwort erwiderten sie betrübt: der christliche Himmel passe alsdann nicht für Grönländer, die nicht ohne Seehunde existieren könnten.
Wie sträubt sich unsere Seele gegen den Gedanken des Aufhörens unserer Persönlichkeit, der ewigen Vernichtung! Der horror vacui, den man der Natur zuschreibt, ist vielmehr dem menschlichen Gemüte angeboren. Sei getrost, mein teurer Leser, es gibt eine Fortdauer nach dem Tode, und in der anderen Welt werden wir auch unsere Seehunde wiederfinden."
Platz 1: OHNE TITEL
"Der Teufel ist ein Logiker."
Nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt von Georg Klein
Archiv: Essay
Monotheismus-Debatte im Perlentaucher
17.05.2013. Alle Artikel der von Jan Assmann angestoßenen Debatte zu Monotheismus und Gewalt im Perlentaucher, aktualisiert am 17. Mai. Mehr lesen
Jan Assmann: Monotheismus der Treue
17.05.2013. Die Frage ist nicht, ob der Monotheismus die Welt grausamer gemacht hat, sondern ob er neue Argumente geliefert hat, Gewalt und Grausamkeit zu legitimieren. Für die Humanisierung gewaltlegitimierender Texte könnte die jüdische Auslegungstradition ein Vorbild sein. Mehr lesen
Ralf Bönt: Als mir die Energie zum Schlafen fehlte
07.05.2013. Die Fernsehmoderatorin Vanessa Blumhagen feiert große Erfolge mit ihrem Buch über die Hashimoto-Krankheit - aber sie liegt wahrscheinlich falsch. Trotzdem offenbart ihre Geschichte viel über das erodierende Arzt-Patient-Verhältnis und über die Segnungen des Netzes. Reflexion am eigenen Beispiel
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Marcia Pally: The Hebrew Bible is a problem set
02.05.2013. The idea that one should look to Judaic monotheism for the root of anti-Semitism (or other violence) is a key confusion in this discussion, especially since Jan Assmann has no intention to blame Jews. Some ways out of an unproductive circle. Mehr lesen
Micha Brumlik: Respektabel, aber falsch
11.04.2013. Ein historischer Rundblick zeigt, dass es keine "mosaische Unterscheidung" brauchte, um im Namen einer Religion die eigenen Leute und andere zu massakrieren: eine Widerlegung der Assmann-Sloterdijk-Hypothese. Mehr lesen
Rolf Schieder: Mose, der Politiker
09.04.2013. Die wirkliche Sensation der Sinaierzählung besteht in der Transformation eines Königskults in eine Volksreligion, im Bundesschluss zwischen Gott und seinem Volk - ohne Vermittlung durch einen König. Nach der von Jan Assmann lancierten Debatte wäre eine erinnerungsgeschichtliche Rekonstruktion der Mosefigur als internationales Projekt anzuregen. Mehr lesen
Peter Mathews: Europa Jetzt und Immer
02.04.2013. Die verzagte Europa-Rede des Bundespräsidenten Joachim Gauck zeigte, dass sich die europäische Idee ihrer eigenen Geschichte nicht bewusst ist. Aber die bis zum Überdruss wiederholte Formel vom "fehlenden Gründungsmythos" ist falsch. Europa muss sich nur trauen - und an das "Junge Europa" erinnern.
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Jens-Martin Eriksen , Frederik Stjernfelt: Der Voldemort unter den politischen Themen
18.03.2013. Die Fernsehserie "Borgen" beansprucht, einen präzisen Blick in die dänische Politik zu werfen: Aber das Thema, das Dänemark traumatisierte wie kein anderes, kommt in ihr nicht vor: Der Karikaturenstreit und die Islam-Debatte. Es gibt aber eine andere dänische Serie zum Thema: "Cellen", gedreht Regisseur und Komiker Omar Marzouk. Nur will sie keiner senden! Mehr lesen
Jan Assmann: Monotheismus ohne Mose?
07.03.2013. Als nicht revolutionär, sondern evolutionär beschreibt Markus Witte die israelitische Religionsgeschichte. Doch der Widerspruch zwischen einer evolutionären Entwicklung und den revolutionären Ideen von Bruch und Stiftung findet in der Bibel selbst statt und beschreibt eine innerbiblische Spannung und Dynamik. Mehr lesen
Markus Witte: Von der Weisheit des Glaubens an den einen Gott
04.03.2013. Die bisherige Debatte über den biblischen Monotheismus ist zu sehr auf die Figur des Mose und die Exodus-Überlieferung fixiert. Ein ganz anderes Bild des altisraelitischen Eingott-Glaubens ergibt sich, wenn man die anderen Bücher der Bibel, insbesondere die Weisheitsliteratur, heranzieht. Mehr lesen
Peter Sloterdijk: Im Schatten des Sinai
21.02.2013. Die Erzählung vom Bundesbruch durch den Tanz um das Goldene Kalb und die darauf durch Mose entfesselte Schlächterei ist grundlegend für das Judentum, aber auch für Christentum, Islam und säkulare Religionen. Dieses "Sinai-Schema" konfrontiert Gläubige mit der Forderung, Vertrauen in Gottes Gnade zu fassen, da er sie sonst gnadenlos vernichten wird. Wie umgehen mit den Intoleranz-Resten von Religion? Mehr lesen
Klaus Müller: Plädoyer für das Sowohl als auch
11.02.2013. Es geht Jan Assmann nicht primär um die Gewalthaltigkeit des Monotheismus, sondern um das Projekt der Aufklärung, das "wahr/falsch" der mosaischen Unterscheidung in einem höheren "Sowohl - als auch" aufzuheben. Dies stellt aber keine Gegenposition zur christlichen Theologie dar, sondern bildet einen in ihr seit je präsenten Tiefenstrom. Mehr lesen
Bernhard Lang: Mose und der zornmütige Gott
06.02.2013. Ist es überhaupt sinnvoll, von einer "mosaischen Unterscheidung" zu sprechen? Nur die Lektüre der Bibel gibt hierüber Aufschluss. Ein Beitrag zur Monotheismus-Debatte. Mehr lesen
Bernhard Giesen: Identität und Transzendenz
31.01.2013. Poly- und Monotheismus lösen sich nicht nur ab in der Religionsgeschichte; in komplexen Gesellschaften existieren sie auch als Perspektiven unterschiedlicher Trägerkreise nebeneinander. Die Gewaltneigung der monotheistischen Perspektive ergibt sich aus der spannungsreichen Grenzsituation zum Polytheismus und anderen Monotheismen. Mehr lesen
Jan Assmann: Monotheismus und Gewalt
29.01.2013. Mit dem Monotheismus entstand die Unterscheidung von wahr und falsch in der Religion - und damit eine spezifische Form der Gewalt. Erzählt wird von ihr in der Geschichte vom Exodus aus Ägypten. Und es bleibt dabei: Der "mosaischen Unterscheidung" können nur die Religionen selbst begegnen - mit einem "Sowohl als auch". Eine Antwort auf Rolf Schieder Mehr lesen
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Wolfgang Herrndorf: Tschick
"Ich muss dir ein Geheimnis verraten", sagte ich. "Ich bin der größte Feigling unter der Sonne. … mehr lesen
Robert Louis Stevenson: Die Ebbe
Aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Klaus Modick. Herrick, Huish und Davis, drei zerrüttete … mehr lesen
Petter Lidbeck: Vinnie macht Ferien
Aus dem Schwedischen von Kathrin Hägele. Mit Bildern von Barbara Nascimbeni. In den Sommerferien besucht Vinni ihren … mehr lesen





