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Essay

Das Dilemma der Wirklichkeitsverweigerer

Von Matthias Küntzel

06.09.2011. Lässt sich Anders Breiviks Attentat tatsächlich als "spiegelsymmetrische Entsprechung" zu 9/11 betrachten? Und warum wird ausgerechnet Henryk Broder dafür in Haftung genommen? Eine fällige Nachbetrachtung aus Anlass eines Jahrestags

Unmittelbar nach den Morden von Oslo und Utöya verbreitete sich das 1.500-seitige "Manifest" des Attentäters rund um die Welt - ein obskures Sammelsurium aus Fremdbeiträgen, Zitaten, widerspruchsvollen Bekenntnissen und Visionen. Die antimuslimischen Passagen dieser Erklärung kamen in der Öffentlichkeit ausführlich zur Sprache, ein anderer wichtiger Aspekt wurde jedoch übersehen: Die Hoffnungen, die der Mörder in die djihadistischen Bewegungen setzt und die ihn veranlassen, die "symbiotische Wechselbeziehung" zwischen seinem Kreuzrittertum und dem Djihadismus zu betonen.

"Machen wir uns nichts vor", ermahnt Anders Breivik die Leserinnen und Leser seines Papiers. "In unserem Kampf gegen das Establishment ist die Europäische Islamische Ummah unsere wirkungsvollste Waffe. Unser Ziel wird darin bestehen, diese Kraft zu manipulieren, in dem wir dazu beitragen, einzelne Muslime zu radikalisieren, ? damit sie den Weg des Djihad verfrüht einschlagen." Als Folge neuer islamistischer Attentate würde, so Breivik, "die Situation eskalieren". Es würden "mehr und mehr Menschen sowohl den kulturkonservativen Bewegungen wie auch den Djihadgruppen zuströmen." Breiviks Resümee: "Die Zukunft der konservativen Bewegungen ist mit der Entwicklung der djihadistischen Bewegungen und/oder dem islamischen Einfluss in den westlichen Gesellschaften direkt verbunden. Es handelt sich um eine symbiotische Wechselbeziehung." (PDF-Version, S. 922)

Schon die Auswahl der von Breivik Ermordeten verdeutlichte, wen er für seine eigentlichen Gegner hält: Nicht die Muslime, sondern die Mitglieder der sozialdemokratischen Jugendorganisation, die er als "Kulturmarxisten" attackiert. Diese Feindbestimmung kennzeichnet auch den Langzeitplan seines Manifests. Die ersten beiden Maßnahmen, die  seine Bewegung nach der erhofften Machtergreifung zu ergreifen gedenkt, beschreibt Breivik so:

"Exekution der Kulturmarxisten/Multikulturalisten (Verräter der Kategorien A und B) in die Wege geleitet. Deportationen der Muslime in die Wege geleitet." (S. 803)

Breivik listet die Personengruppen, die er hinrichten will, akribisch auf: Verräter der Kategorie A seien "Hard-core Marxisten", die fünf Prozent seiner Gegner ausmachen, sowie "Kulturmarxisten" (20 Prozent). Zu den Verrätern der Kategorie B gehörten die Multikulturalisten, die er in Selbstmord-Humanisten ("Suicidal Humanists") und Karrierezyniker ("Career Cynicists") unterteilt und die zusammen 65 Prozent seiner Gegner stellen. Zur Kategorie C zählt er die "Capitalist globalists" (fünf Prozent seiner Gegner). Letztlich soll auch Verräterkategorie C sterben: "Es wird für die Verräter der Kategorien A, B und C keine Gnade geben. Die Bestrafung für Hochverrat wird gleich sein." (S. 805) Die Muslime kommen demgegenüber mit dem Leben davon, sollen sie doch "lediglich" deportiert werden.

Diese Passagen zwingen uns, bestimmte Grundannahmen über die Motive des Täters zu überdenken. So galt bisher als unstrittig, dass Breivik mit seiner Tat ein Fanal gegen die vermeintlich brandgefährliche "Islamisierung Europas" setzen wollte. "Die Vorstellung allein war so stark , dass sich Breivik bedroht fühlte. Dass er zum Mörder wurde", schrieb beispielsweise der Stern (32/2011). In Wirklichkeit fühlte sich Breivik keineswegs bedroht, sondern fieberte einem Zulauf für Djihadisten und der Eskalation djihadistischer Terrorakte entgegen. Sein primäres Tatmotiv scheint die zwanghafte Sehnsucht nach dem apokalyptischen Endkampf gewesen zu sein - nach einer Kulisse, die seinem Einsatz als weltenrettender Tempelritter historische Größe verleihen würde.

Breiviks Eskalationsszenario relativiert zugleich die Bedeutung islamfeindlicher Internetportale als vermeintliche Auslöser seiner Tat. "Niemand hat geahnt, wie gefährlich solche [Internet-]Seiten werden können. Doch Anders Breivik hat bewiesen, dass das Netz sehr wohl ein Hirn verdrehen kann", behauptete ganz in diesem Sinne der Stern. Während aber die Blogs der Islamkritiker und Muslimfeinde die Eskalation des Djihadismus keineswegs ermutigen, sondern sich ganz im Gegenteil vom Leib halten wollen, ist es bei Breivik umgekehrt.

Breiviks "symbiotische Wechselbeziehung" mit dem Djihadismus wurde in der öffentliche Debatte ignoriert. Man schlachtete stattdessen sein Manifest für eine Abrechnung mit Islamkritikern aus. Besondere Aufmerksamkeit fand hierbei der Umstand, dass Breivik in seiner umfangreichen Zitatencollage einige Dutzend Zeitgenossen zustimmend zitiert, darunter den Autor Henryk M. Broder (S. 696) den FAZ-Journalisten Lorenz Jäger (S. 35), den Rostocker Historiker Egon Flaig (S. 292) und BND-Chef Ernst Uhrlau (S. 791). Kein Mensch hat sich allerdings für die Namen der drei Letztgenannten interessiert.

Der Sündenbock

Es konnte schwerlich überraschen, dass der Oberkommandierende der iranischen Streitkräfte das "zionistische Regime" für Breiviks Massenmorde verantwortlich macht. Dass die deutsche Publizistik auf den "jüdischen Publizisten" Henryk M. Broder (so Hans-Ulrich  Jörges am 4. August 2011 im Stern) als dem vermeintlichem "Stichwortgeber" der Attentate eindrosch, kam hingegen unerwartet.

"Broder & Co haben sich der Mittäterschaft schuldig gemacht? Wenn der Begriff vom 'geistigen Mittäter' je einmal Sinn gemacht hat, dann hier", erklärte Robert Misik am 27. 7. in der taz. Am Folgetag spekulierte Christian Bommarius in der Frankfurter Rundschau, "dass Anders Breivik in Broders ? islamfeindliche(m) Gerede jenen 'extra Kick', nämlich die Bestätigung gefunden haben könnte", die ihn zu seiner Tat trieb. "Broder und Breivik (kritisieren) das angebliche Zurückweichen der Europäer vor dem Islam", erklärt Christian Bommarius am 5. 8. auch in der Berliner Zeitung. "Die Perspektive, die sie einnehmen, die Worte, die sie dafür finden, ähneln sich zum Teil auf verblüffende Weise". Als Gaudi präsentierte Bommarius seinen Leserinnen und Lesern ein Zitate-Ratespiel mit Auflösung: Hier wurden Zwanzig durcheinandergeworfene Ausschnitte aus Texten von Broder und Auszüge aus Breiviks Zitatencollage dokumentiert und die Leserschaft aufgefordert zu raten, wer wohl was geschrieben habe. Zwar sei Broder "nicht schuld am Terror von Oslo", räumt Daniel Bax am 10. 8. in der taz ein, "aber es sollte doch erlaubt sein darauf hinzuweisen, wo zwei Menschen diesselbe Weltsicht verbindet". Knut Mellenthin sah sich im Neuen Deutschland (17.8.) gar genötigt, Anders Breivik mit Adolf Hitler und den jüdischen Publizisten mit Gobineau, Chamberlain und Treitschke zu vergleichen: "Das Problem der geistigen Mitverantwortlichkeit" sei in beiden Fällen gleich. 

Während die vielen prominenten Zeitgenossen, die Broder bei der Verleihung des Ludwig-Börne-Preises 2007 in der Frankfurter Paulskirche noch mit Standing ovations gefeiert hatten, verschreckt ihre Köpfe einzogen, ergriff eine Handvoll Kollegen für ihn Partei: Matthias Matussek (hier) und Jan Fleischhauer (hier) bei Spiegel-Online, Ulf Poschardt (hier) in der Welt und Albrecht von Lucke (hier) in der taz. Gleichwohl versuchten andere Journalisten, selbst noch diese Dissidenz  abzustrafen. Jetzt von "Gesinnungshatz" oder "Sympathisantenjagd" zu sprechen, sei "lächerlich" und "weinerlich" und nichts anderes als der Versuch, "nach Kräften diese Debatte zu unterbinden", schäumte Daniel Bax in der taz. In derselben Zeitung mahnte Robert Misik die "überfällige Schubumkehr" in der Islamdebatte an und warnte vor dem Versuch der "geistigen Brandstifter ? sich davonzustehlen. Man sollte sie nicht einfach so damit durchkommen lassen."

Soviel Rachegefühl macht perplex. Die Wut lässt sich mit keinem wie auch immer gearteten Text Henryk Broders erklären, da Kritik oder Polemik etwas anderes sind als Massenmord. Es scheint, als habe Breiviks Massaker ein Fenster geöffnet, als hätten sich lang aufgestaute Emotionen jetzt erst ihre Bahn brechen können.

Es ist leichter, diesen Affekt zu beschreiben, als ihn zu erklären. Sicher aber ist, dass er Wirkung erzielt: Die ohnehin viel zu schwache Kritik am Islamismus ist in Deutschland seit Oslo und Utöya noch leiser geworden, so als fürchte man, mit Stichworten wie "Scharia" oder "Djihad" weitere Attentate zu provozieren. Oguz Ücüncü, der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, klagt, dass die Bundeskanzlerin überhaupt "noch vom 'islamistischen Terror' spricht. ? Spätestens nach den Anschlägen in Norwegen sollte klar sein, dass Terrorismus ? keine Religion hat."

Mit der Entrüstungswelle tauchte zugleich eine neue Wortschöpfung, das Schimpfwort "Anti-Islamismus" auf. Es geht auf Wolfgang Benz, den ehemaligen Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung, zurück. Dieser hatte am 4. 11. 2010 in der Jüdischen Allgemeinen erstmals vor den "strukturellen Ähnlichkeiten zwischen Antisemitismus und Anti-Islamismus" gewarnt. Seit Breiviks Massaker haben große Tageszeitungen wie die Süddeutsche, die Frankfurter Rundschau und der Tagesspiegel nachgezogen und ihren Wortschatz um den Begriff des "Anti-Islamismus" als Synonym für Muslimfeindschaft ergänzt.

Dabei käme es angesichts des polarisierte Streits zwischen "Freunden" und "Feinden" der Muslime eben darauf - auf mehr Anti-Islamismus - an: Islamisten bedrohen, unterdrücken, quälen, vergewaltigen, foltern und töten hauptsächlich Muslime. Wie will man für oder gegen "den Muslim" Partei ergreifen, wo sich die Frontlinie zwischen Freiheit und Barbarei doch inmitten durch muslimische Gesellschaften zieht? Kann dieser Streit den emotionalen Affekt, der die Angriffe gegen Broder auszeichnet, erklären?


Ich und die Muslime


Auf den ersten Blick scheinen sich die Antipoden der in Deutschland geführten Islamdebatte unversöhnlich gegenüber zu stehen. Dabei haben "Muslimfreunde" und "Muslimfeinde" mehr, als ihnen bewusst ist, gemein. So existiert in beiden Lagern die kulturalistische Fiktion eines "homo islamicus", wie man sie in Deutschland seit der Begegnung mit Hadschi Halef Omar - dem Antipoden zu Kara Ben Nemsi in den Schriften Karl Mays - lieb gewonnen hat.

Dies beginnt schon damit, dass man erbarmungslos jeden Muhammad und jede Fatima - mal gönnerhaft, mal ungehalten - zum Moslem erklärt, während man dem Christian und der Mariana zutraut, in Glaubensfragen unabhängig oder gar Atheist zu sein.

Es setzt sich in der Überzeugung fort, dass der "Kulturkreis des Islam" grundverschiedene Formen des Selbstverständnisses und der Lebensweise der Völker ausgebildet habe, weshalb es nicht nur zwecklos, sondern geradezu anmaßend wäre, jenen "Völkern" dieselben zivilisatorischen Maßstäbe zuzumuten, die für uns ganz selbstverständlich sind.

Die rechtspopulistische Variante der Kulturkreisthese betont den Antagonismus im Kampf um Sein oder Nicht-Sein: "Die Staats- und Glaubensordnungen des Islam und des Westens stehen sich in einer so konsequenten Gegensätzlichkeit gegenüber, dass ? im direkten Konflikt das jeweilige Überleben nur durch die jeweilige Verdrängung der Antikomponente sichergestellt werden kann", heißt es zum Beispiel bei Hans-Peter Raddatz. (P. Widmann, Der Feind kommt aus dem Morgenland, in: W. Benz (Hg.), Jahrbuch für Antisemitismusforschung 17, Berlin 2008, S. 56.) Eine gemäßigte Variante finden wir bei Ralph Giordano, der in einem Beitrag für Bild (4. 12. 2009) die "aufeinander stoßenden Kulturkreise" so beschreibt: Hier "der abendländisch-christliche Kreis, der in den letzten fünfhundert Jahren ? einen gewaltigen Sprung nach vorn getan hat", dort "der islamische Kreis ? (der) auf verstörende Weise stagniert."

Derartige Pauschaldiagnosen ignorieren gesellschaftliche Realität. Ich verweise auf die Tatsache, dass Länder mit den weltweit größten muslimischen Gesellschaften (Indonesien, Pakistan, Türkei) frühzeitiger von einer Frau regiert wurden als die Bundesrepublik Deutschland. Auch der Umstand, dass vor fünfzig Jahren die Kommunistische Partei im muslimischen Indonesien mit mehr als zwei Millionen Mitgliedern zu den größten der Welt gehörte, zeigt, wie eigensinnig der Umgang mit dem Koran sein kann.

Demgegenüber nimmt der Kulturalismus in seiner links orientierten Variante die Scharia als Ausdruck von Authentizität oder als Symbol antiwestlicher Widerständigkeit in Schutz. So fühlte sich Sabine Schiffer, die Leiterin des Erlangener "Instituts für Medienverantwortung" berufen, in ihrer Doktorarbeit selbst noch die konservativsten Formen der Scharia zu verteidigen. Sie "fordert dazu auf, die in einigen islamischen Ländern immer noch angewendeten Hadd-Strafen (Körperstrafen) nicht zu scharf zu verurteilen. Sie schreibt: 'Betrachtet man jedoch die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit ein solches Urteil [Handabhacken für Diebstahl, F.B.] vollstreckbar wird, fällt die Einschätzung der Gesetzgebung differenzierter aus: so darf es keinen Hunger und keine Krise geben.' Wenn, so das implizite Argument, satten Dieben außerhalb von Krisen die Hand abgehackt wird, ist dies nur halb so schlimm." (Floris Biskamp, Das Reden über das Reden über den Islam. In: Opferberatung des RAA Sachsen e.V.: Tödliche Realitäten. Der rassistische Mord an Marwa El-Sherbini. Hoyerswerda 2011, S. 141.)

Folgerichtig wird den westlich orientierten Muslimen, die sich um "Kulturkreise" nicht scheren, sondern ihre Religion als Privatsache betrachten, von linken wie von rechten Kulturalisten vorgeworfen, keine "echten" Muslime zu sein. Während Hans-Peter Raddatz einen säkularisierten Muslim wie Bassam Tibi mit Schmähworten überzieht, verlacht Patrick Bahners die Anhänger eines "liberalen Islam" als "Muslime, die als Vermittlungstheologen nach dem Geschmack von Annette Schavan zur Verfügung stehen" (FAZ, 18. August) und Sabine Schiffer macht der muslimischen Feministin Fatima Mernessi den Vorwurf, sich für eine "antiislamische Frauenrechtsbewegung" zu engagieren, weshalb sie im Westen viel zu viel Aufmerksamkeit erfahre. (F. Biskamp, a.a.O.)

Beide Seiten überlassen die vom Terror der Islamisten Betroffenen sich selbst: Während die Muslimfreunde den Gegensatz zwischen islamistischen Tätern und muslimischen Opfern unter dem Deckmantel der "Religionsfreiheit" herunterspielen, schieben die Muslimfeinde ihn beiseite, da ihnen die Fundamentalkritik aller Gläubigen wichtiger ist.

Beispiel Iran: Die Tatsache, dass Teheran jeden Keim muslimischer Säkularität in Kabul, Bagdad, Beirut und Damaskus, vom eigenen Land ganz zu schweigen, unterdrückt, ist zweitrangig, liefert sie doch keine Munition im deutschen Richtungsstreit. Folgerichtig wird auch der Umstand ignoriert, dass Deutschland alle internationalen Versuche, Teheran zu isolieren, mehr als jede andere westliche Macht unterläuft.

Als sich im Frühjahr dieses Jahres die Bundesbank unmittelbar für Teheran verwendete, um bei einem Milliardendeal zwischen Indien und Iran zu vermitteln, war vom ehemaligen Vorstandsmitglied der Bundesbank, Thilo Sarrazin, ebenso viel zu hören wie von seinem Kontrahenten in der FAZ, Patrick Bahners: Nichts. Nicht die Lage der Muslime, sondern die eigene Befindlichkeit zählt.

Seit Oslo hat sich das Befinden der Muslimfreunde erheblich verbessert. Man nutzt die Gunst der Stunde, um mit den Muslimfeinden gleichzeitig auch die Islamkritiker zu marginalisieren. So lassen sich die Attacken auf Broder, den prominentesten dieser Kritiker, verstehen. Erklären lassen sie sich damit aber nicht. Das paradoxe Gefühlsgemisch aus Schreck und Schadenfreude, Entsetzen und Erleichterung, Trauer und Triumph, das so viele Nach-Oslo-Kommentare auszeichnete, verweist auf einen tieferen Grund. Mein zweiter Erklärungsversuch setzt am 11. September an.

"War man jahrelang nach 9/11 moralisch in der Defensive, so konnte man jetzt endlich mit gutem Gewissen und mit voller moralischer Wucht zurückschlagen", bemerkte treffend das Bremer "Aktionsbündnis gegen Wutbürger". ("Der Islamneid des Anders B." 27. Juli 2011) Was aber ist mit "moralisch in der Defensive" und mit "zurückschlagen" gemeint?


Balsam für 9/11

Jens Jessen verknüpfte am 4. 8. den Anschlag auf das World Trade Center und das Massaker von Oslo in der Zeit wie folgt: "Was ein Mohammed Atta, inspiriert von einem wahnhaft entstellten Islam, aus Hass auf den Westen vollzog, konnte auch ein Anders Behring Breivik, inspiriert von einem wahnhaft entstellten Christentum, aus Hass auf den Islam vollziehen - in kleinerem Maßstab, aber mit der gleichen mörderischen Konsequenz. Die spiegelsymmetrische Entsprechung der Terrorakte verschlägt einem fast den Atem." Ich gebe zu: Mir verschlug Jessens Rede von der "spiegelsymmetrischen Entsprechung" fast den Atem.

Jessen ignoriert nicht nur das radikalislamistische Netzwerk, das Mohammed Atta anwarb und finanzierte, sondern auch die über siebzigjährige Geschichte der islamistischen Bewegung, ohne die das neunzehnfache Selbstmordattentat des 11. September nicht erklärt werden kann. Während der Massenmord von Manhattan bei Islamisten öffentliche Beifallsbekundungen auslöste, wurde das Massaker von Utöya nirgendwo gefeiert. Wenn wir von der rasch widerrufenen Erklärung eines EP-Abgeordneten der italienischen Lega Nord absehen, existiert auch kein Statement, das Breiviks Kurs verteidigt. Anders als bei den Islamisten existiert bis heute kein Blog und keine Homepage, um potenzielle Breivikianer zu sammeln; selbst die europäische Nazi-Szene wandte sich geschlossen ab.

Psychologisch betrachtet ist Jessens Behauptung einer "Spiegelsymmetrie" etwas leichter zu verstehen. Immerhin hatte das Attentat des 11. September nicht nur unsere an Vernunftkriterien orientierte Vorstellungskraft widerlegt. Gleichzeitig war es für aufgeklärte Menschen ein Anschlag auf die bis dato übliche Vorstellung einer Welt, in der der Westen für die Übel verantwortlich ist;  ein Anschlag, dessen scheinbarer Widersinn den intellektuellen Bedarf nach "Rache" und "Zurückschlagen" bereits in sich trug.

Doch erst jetzt, mit einer Verspätung von zehn Jahren, tauchte mit Anders Breivik endlich jene "christliche" Entsprechung auf, die geeignet scheint, die durch Osama bin Laden aus den Fugen geratene Welt wieder ins Lot zu bringen. "Nun hat der religiös legitimierte islamistische Terror ein fundamentalistisch-christliches Pendant, das ihm an Grausamkeit und Irrationalität nicht nachsteht", konstatiert Gerd Althoff, der Sprecher des Exzellenzclusters "Religion und Politik" an der Universität Münster (Berliner Zeitung, 1. 8.) und man meint, sein Aufatmen mit wahrzunehmen zu können.

Wer den Terror von 9/11 wirklich verstehen wolle, müsse "die Nestwärme des Gewohnten aufgeben und Einsichten in Kauf nehmen, die einen zwar frösteln lassen, aber gleichwohl durchzubuchstabieren sind", schrieb ich 2002 in der Einleitung meines Buchs "Djihad und Judenhass". Demgegenüber zeigen die oben zitierten Reaktionen auf das Massaker von Utöya vor allem eins: Dass von einer solchen Annäherung auch heute noch keine Rede sein kann.


Kreuzritter und Koranretter


Nachdem sich das erste Entsetzen über die Anschläge des 11. September gelegt hatte, ruckelten sich die alten Weltbilder schnell wieder zu recht. Die Linke bekämpfte in erster Linie George W. Bush und den Krieg in Afghanistan, die Rechte warnte, die Gefahren des "Terrorismus" zu unterschätzen. Wer aus dem Lager der Linken kommend den Versuch unternahm, die Ideologie des Islamismus zu kritisieren und sie als einen Ausdruck einer bestimmten Islam-Interpretation ernst zu nehmen, sah sich mit dem Vorwurf des Lagerwechsels und der Anschuldigung, Bush-Propaganda zu betreiben, konfrontiert. Ab 2003 geriet der Islamismus nach Beginn des Krieges gegen Saddams Irak weiter aus dem Blick.

Die Kette der Attentate und Morde riss jedoch nicht ab. 2002 wurde der amerikanische Journalist Daniel Pearl entführt und vor laufender Kamera geköpft. Noch im selben Jahr wurden 221 Menschen bei den Anschlägen auf die Synagoge im tunesischen Djerba und eine Diskothek in Bali getötet. 2003 folgten Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Istanbul mit 57 Toten, 2004 das Attentat von Madrid mit 191 Toten und 2005 das Londoner U-Bahn-Attentat mit 56 Toten. Besonderes Aufsehen erregte der Ende 2004 auf offener Straße begangene Mord an dem niederländischen Filmemacher Theo van Gogh sowie der internationale Streit um die Mohammed-Karikaturen der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten, der Ende 2005 entbrannte und 2006 eskalierte.

Erst jetzt begann sich die diffuse intellektuelle Strömung der Islamkritik zu formieren, der das Verdienst gebührt, das westliche Zurückweichen vor dem Islamismus angeprangert zu haben. So hatten sich die meisten deutschen Zeitungen gescheut, die dänischen Mohammed-Karikaturen, über die man monatelang redete, auch nur zu dokumentieren. Broders sarkastische Streitschrift "Hurra - wir kapitulieren!" brachte 2006 die überfällige Reflexion über die Konsequenzen jener Selbstzensur mit in Gang. Als Resultat zeichnete die Bundeskanzlerin im September 2010 den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard, der einem islamistischen Mordanschlag nur knapp entkommen war, mit einem Medienpreis aus - ein notwendiger, aber leider auch isolierter Beitrag zur Verteidigung der Meinungsfreiheit und eine Geste der Solidarität.


Gegen die Gleichsetzung von Islamismus und Islam


Gleichzeitig begannen Kritiker des Islam das Vorgehen der Islamisten als eine unausweichliche Konsequenz aus den Vorgaben von Sunna und Koran zu interpretieren. Es stimmt zwar, dass viele Aussagen der religiösen Texte zu dieser Interpretation förmlich einladen und es trifft auch zu, dass zwar ein Islam ohne Islamismus denkbar ist, nicht aber ein Islamismus ohne Islam. Gleichwohl halte ich die Gleichsetzung von Islamismus und Islam für falsch.

Erstens vermittelt sie den Eindruck, als hätten allein die Islamisten mit ihrer Koranauslegung recht, während in Wirklichkeit andere Koranauslegungen nicht nur möglich sondern gang und gäbe sind.  Zweitens setzt dieser Ansatz die Doktrin der religiösen Texte absolut, während er die davon abweichende Praxis in den muslimischen Gesellschaften herunterspielt oder ignoriert. Das ist, als würde man die Hinrichtung von Schwulen zur unausweichlichen Konsequenz aus Thora und Altem Testament erklären ("Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, ?sollen beide des Todes sterben", 3. Buch Mose, 20, 13) anstatt die reale Lebenssituation schwuler Männer in Israel oder Deutschland zu bedenken. Last but not least ist der Islamismus als globale Ideologie und Bewegung eine reale und hochgradig akute Gefahr. Sie zu bekämpfen und noch rechtzeitig zu stoppen wird nur mit der Mehrheit der Muslime möglich sein.

So scharf die Trennlinie zwischen einer Islamkritik im Namen säkularer Werte, wie sie Henryk Broder oder Necla Kelek vertreten, und einer rechtspopulistischen oder gar -extremen Muslimfeindschaft zu ziehen ist - die Gleichsetzung von Islamismus und Islam, die auch manche Islamkritiker vertreten, zieht falsche Freunde an: Im Nu sahen sich die Islamkritiker von fremdenfeindlichen Stammtischen umarmt. Rechtspopulistische Organisationen wie "Pax Europa" oder "Wir Köln" erkannten, dass die Muslimfeindschaft äußerst wirksam an die allgemeinen Muster des Rassismus anknüpfen und Wähler mobilisieren kann.

Diese Entwicklung diskreditierte Islamkritik und arbeitete Islamisten in die Hände. Wer darauf aus ist, die Einwanderung von Muslimen nach Europa zu verhindern, verhindert auch die Flucht der vom Islamismus verfolgten Muslime in die EU. Gleichzeitig erleichtert der antimuslimische Rassismus die islamistische Mitgliederwerbung was wiederum die europäischen Rassisten stärkt und vice versa. Allerdings wurde im September 2008 das Mobilisierungsdefizit der rechtspopulistischen Bewegungen offenbar: In Köln wurde eine lang angekündigte Großkundgebung der Islamfeinde durch Tausende von Gegendemonstranten ("Köln stellt sich quer") blockiert.

Für die Muslimfreunde, den politischen Gegenpol, bot diese Entwicklung Entlastung und Gewinn. Es handelt sich auch hier um eine diffuse intellektuelle Sammelbewegung, deren Autoren sich in der Auseinandersetzung um die dänischen Mohammed-Karikaturen trafen. Man war sich einig, jene Karikaturen als "Hetzwerk" zu betrachten und griff den Standpunkt, dass die Meinungsfreiheit "höher einzustufen ist als die Verletzung des religiösen Empfindens und damit der Menschenwürde vieler Muslime" heftig an. (A. Königseder, Feindbild Islam, in: W. Benz, Hg., Jahrbuch für Antisemitismusforschung 17, Berlin 2008, S. 32). Während die Muslimfreunde der Erforschung des Islamismus auch weiterhin keine Bedeutung beimaßen, wurden die analytischen Anstrengungen und publizistischen Projekte auf ein neues Thema konzentriert: Bücher und Konferenzen über das neue "Feindbild Muslim" und "Islamophobie" schossen wie Pilze aus dem Boden. Antirassismus im Lager der Linken, Rassismus im Lager der Rechten - die Welt schien wieder in Ordnung zu sein.

Natürlich hielt das die Prediger der Hamas nicht davon ab, auch weiterhin die islamistische Weltherrschaft zu propagieren: "Wir haben zuvor die Welt beherrscht und, bei Gott, es wird der Tag kommen, an dem wir die gesamte Welt erneut beherrschen." Während die Muslimfeinde derartige Äußerungen auf die Mehrzahl der Muslime übertrugen, um mit dem Argument der Geburtenrate Stimmung zu machen, blieben die Muslimfreunde ihrer seit dem 11. September eingeübten Haltung treu: Sie schlossen Ohren und Augen, um solchen Zumutungen der Realität auch weiterhin aus dem Weg gehen zu können.

Allerdings toben sich die Muslimfeinde vornehmlich auf Internet-Portalen aus und sitzen nur in seltenen Fällen mit auf der Regierungsbank oder in den Institutionen der europäischen Nationen. Bei den Muslimfreunden ist es eher umgekehrt. Nehmen wir als Beispiel Svein Sevje, den norwegischen Botschafter in Israel, der dem Terror der Hamas - im Unterschied zum Terror des Anders Breivik - rationale Ziele unterstellt und damit die Position seiner Regierung vertritt. Zwar seien beide Arten von Attentaten "moralisch unannehmbar", doch würden die Palästinenser ihre Attentate immerhin "wegen eines klar umgrenzten Ziels verüben, das in Beziehung zur israelischen Besatzung steht." (Jewish Telegraph Acency, 26. Juli) 

Äußerungen wie diese zeigen: Man blendet die Geschichte und Programmatik des Islamismus aus und klammert sich stattdessen an die Hoffnung, eine andere Politik Israels und der USA beendete den islamistischen Spuk.

Tatsächlich aber nimmt das Dilemma der Wirklichkeitsverweigerer täglich weiter zu. Die Hoffnung, bei den Reden des iranischen Präsidenten Ahmadinejad lediglich "Übersetzungsfehler" gehört zu haben, entpuppte sich als Selbstbetrug. Die Erwartung, mit der "Yes we can"-Politik des neuen amerikanischen Präsidenten Teheran zu beeinflussen, wurde enttäuscht. Man redet von der Friedlichkeit des Islam, dabei rückt der islamistische Terror unablässig vor: In Afghanistan, im Irak, im Libanon, in Indonesien, Nigeria und Iran.

Eigentlich müssten die Islamfreunde einräumen, dass die Kritiker des Islamismus mit ihren düsteren Prognosen Recht behalten haben. Stattdessen aber verschanzen sie sich in ihrer Wunschwelt und klammern sich an ihren Lebenslügen fest. Um sich aus dieser Kalamität, aus dieser "moralischen Defensive", für einen Moment zumindest zu befreien, kam das Massaker von Oslo und Utöya gerade recht. War damit nicht bewiesen, dass es Muslimfeinde und Islamkritiker sind, die einen neuen Terrorismus bewirken, der die Linke bedroht?

Broder, das Enfant terrible unter den deutschen Publizisten, der Intimfeind aller Appeaser, war schwer zu packen und hatte häufig Recht. Jetzt aber reichte bereits die Erwähnung seines Namens in einem telefonbuchschweren Konvolut. Jetzt hatte man ihn am Wickel; jetzt war er dran.

Jetzt konnte endlich auch Zeit-Autor Jens Jessen die Anti-Djihadisten zur eigentlichen Gefahr und sich selbst zum eigentlichen Opfer stilisieren: "Seit dem Attentat von Oslo wissen sie [die Muslimfreunde] genau, dass sie nach den Muslimen als Nächste auf der schwarzen Liste stünden." Sein Beitrag mit der Überschrift "Unsere Kreuzritter" endet so: "Die Anschläge von New York haben die Anhänger der offenen Gesellschaft tatsächlich unter Druck gesetzt. Den Druck üben aber nicht die Islamisten aus, sondern ihre heimlichen Gesinnungsgenossen im Herzen des Westens." 

In Wirklichkeit bog sich Jens Jessen die Wahrheit über die Attentate von Oslo und Utöya ebenso zurecht, wie man sich die Wahrheit über die Ursprünge des 11. September zurechtgebogen hat. Sonst hätte man nicht nur Breiviks "symbiotische Wechselbeziehung" mit dem Djihadismus, sondern auch die weitreichende Übereinstimmung seines Feindbildes mit dem Feindbild der Islamisten entdeckt: Breiviks Ekel vor der gleichberechtigten Frau, seinen Hass auf die "zersetzenden" Einflüsse der Juden ("75 Prozent der europäisch/amerikanischen Juden unterstützen den Multikulturalismus, ebenso 50 Prozent der israelischen Juden"), seine Polemik gegen das Holocaust-Gedenken ("Die 'Holocaust-Religion' ist eine extrem destruktive Kraft in Europa"), sein Ressentiment gegen die offene Gesellschaft und sein Kreuzritterideal. Doch man will es nicht sehen: Ein weiteres Mal setzte sich der Wunsch, gegen jede Erfahrung der Realität Recht behalten zu wollen, durch.

Matthias Kuentzel

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05.11.2013 . Deutsche Theater kritisieren sehr gern den Kapitalismus. Die Arbeitsbedingungen an den Häusern zeigen aber, dass Ausbeutung auch ohne geht. Nun regt sich Unmut unter Künstlern. Mehr lesen

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16.09.2013 . Die Kulturzerstörer finden sich nicht unter denjenigen, die das Internet auch publizistisch verwenden, sondern eher unter denjenigen, die sich ihm unter dem Deckmantel des Bewahrenwollens verweigern. Mehr lesen

Monotheismus-Debatte im Perlentaucher

10.09.2013 . Alle Artikel der von Jan Assmann angestoßenen Debatte zu Monotheismus und Gewalt im Perlentaucher, aktualisiert am 10. September. Mehr lesen

Reinhard Schulze: Religion, Wahrheit und Gewalt

09.09.2013 . Religion als Wahrheitsordnung übernahm ein Prärogativ der Götter, nämlich zornig zu sein und strafen und vergelten zu können. Der Islam ging hier einen eigenen Weg. Mehr lesen

Dorothea Weltecke: Müssen Religionen intolerant sein?

26.08.2013 . Die "mosaische Unterscheidung" ist nicht statisch. In der Praxis haben Religionen gelernt, miteinander zu leben. Nur atheistische und religiöse Fundamentalisten suchen noch nach dem "Eigentlichen". Mehr lesen

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