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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Die Buchmacher
Die Buchmacher
Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
07.11.2005. In dieser Woche: Wie Thalia mit Hilfe der Verlage weiter expandieren will. Und was die Verlage von der Online-Volltextsuche in ihren Büchern erwarten. Von Sandra Evertz
buchreport.express, 03.11.2005
Es ist erst wenige Monate her, dass der finanziell angeschlagene Karstadt-Konzern die Verlage zur Rettung seiner Buchsparte zur Kasse gebeten hat. Erwartungsgemäß ohne Erfolg (siehe Archiv). Spannender könnte die Reaktion der Verlage auf den gerade ausgesprochenen Wunsch des Branchenprimus Thalia ausfallen: Das Hamburger Unternehmen will Beihilfe zur Expansion und hat in Briefen an die wichtigsten Publikumsverlage um Prämien - in einer Größenordnung bis zu 5.000 Euro - für jede neu eröffnete Filiale gebeten. Außerdem hätte Thalia gern den ersten Zugriff auf Reste und Autoren-Veranstaltungen sowie eine höhere Beteiligung an den Werbekosten. "Spielen die Verlage mit, könnten sich die Zuschüsse rasch zum siebenstelligen Thalia-Unterstützungsfonds summieren", rechnet der Buchreport vor. Aber: Spontan haben sich die Vertriebsleiter der angeschriebenen Verlage eine Ablehnung des Thalia-Vorstoßes zugesichert.
Was die deutschen Verleger aktuell in Aufregung versetzt, ist seit Jahren Usus in den USA und Großbritannien. "Dort lassen sich die führenden Buchhändler nicht nur ihre Werbung zu großen Teilen von Random House & Co. bezahlen", weiß der Buchreport. Freundliche Zuschüsse, nicht unbedingt in bar, sondern in Form von Sonderkonditionen, verlängerten Zahlungszielen und Preisnachlässen selbst auf Kleinstbestellungen würden in diesen Ländern von den Lieferanten vorausgesetzt. Wie viel Geld auf diese Weise von Verlagsseite in die Buchhandelskassen fließt, bleibt unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit.
Die drei von Random House Deutschland einverleibten FAZ-Verlage DVA, Manesse und Kösel sollen programmverantwortlich autark und mit eigener Ergebnisverantwortung agieren. Das erklärte Random House-Geschäftsführungsmitglied Klaus Eck im Buchreport-Interview. Die neuen Verlage müssten sich auch gegenüber den Hausmarken im Wettbewerb verantworten, sagte Eck. Der Wink geht in Richtung DVA, die sich aufgrund der thematischen Nähe vom Sachbuchprogramm der älteren Verlagsschwester Siedler abgrenzen muss. Aber, gab sich Eck überzeugt, Konkurrenz belebt das Geschäft.
Die Verwirrung um die digitalen Volltextsuchen (siehe auch Börsenblatt) ist komplett. Jede Woche, so scheint es, springen neue Anbieter auf den fahrenden Zug auf. Diesmal kündigen die Verlagsauslieferung Prolit und die Brockhaus Commission ein eigenes Angebot an, bei der Open Content Alliance (u.a. Yahoo) steigt Microsoft ein und Random House in München informiert vage, dass möglicherweise die New Yorker Zentrale an einer Lösung für alle Bertelsmann-Buchverlage arbeite. Und während die einen noch überlegen und planen, profitieren die anderen schon von ihrer Weitsicht und dem Mut, vor der Konkurrenz mit einer Online-Volltextsuche am Markt gewesen zu sein. Von Amazon-Geschäftsführer Ralf Kleber hat der Buchreport erfahren, dass der Absatz von Titeln mit Amazons "Search inside!"-Funktion um durchschnittlich acht Prozent gesteigert werden konnte.
Personalien: Der Buchreport spekuliert über den Wechsel von DVA-Geschäftsführer Jürgen Horbach zur Kölner Verlags- und Mediengesellschaft AG (VEMAG).
Meldungen: Wer mit der Endsilbe "-ix" einen Markennamen kreiert, schädigt nicht unweigerlich die "Asterix"-Familie, urteilte der Europäische Gerichtshof - geklagt und verloren hatten "Asterix"-Vater Albert Uderzo und sein französischer Hausverlag Albert Rene gegen die dänische Handymarke "Mobilix" (nicht zu verwechseln mit "Obelix"). Billigbuch.de, das ehemalige Zanolli-Internetportal, geht unter neuer Geschäftsführung und mit den im September gekündigten Mitarbeitern wieder online. Die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) wird künftig einen festen Geschäftssitz beim Börsenverein in Frankfurt bekommen und einen Geschäftsführer einstellen. Der Piper Verlag startet im kommenden Frühjahr eine Reihe mit Schwerpunkt auf nordischen Literaturen. Zum Schluss: die Bestsellerlisten.
Börsenblatt, 03.11.2005
In welcher Form wollen die Verlage an einer "Volltextsuche online" teilhaben? hat das Börsenblatt nachgefragt. Grundsätzlich waren die interviewten Verlagsmitarbeiter neugierig, aufgeschlossen gegenüber dem neuen Marketing-Instrument - und bereits mehr oder weniger aktiv. Auf den verlagseigenen Internetseiten durchsuchbar sind u.a. Bücher von Campus und Diaphanes, "Search inside!" und "Google Print" wird zurzeit von Hanser bzw. Schüren getestet. Durch die Bank unterstützenswert fanden die befragten Buchmacher das vom Börsenverein initiierte Projekt "unabhängige Digi-Plattform". Für "überaus sinnvoll" und "für kleinere und mittlere Verlage unentbehrlich" hält es zum Beispiel Verleger Wulf D. v. Lucius. Bemängelt wurden nach wie vor die Kosten. Dazu Verlegerin Annette Schüren: "Wir würden uns gern beteiligen, aber die bisherigen Modellrechnungen (rund 10.000 Euro bei 50 Novitäten im Jahr und einer Backlist von 500 Titeln) kommen für uns nicht in Frage." (In einem aktuellen Interview mit dem Börsenblatt berechnet Matthias Ulmer, Mitglied der Taskforce Volltextsuche beim Börsenverein, den Verlagen übrigens 3.000 Euro Minimum jährlich für Server und Backlist plus rund 30 Euro für jede Novität.)
Die Auszeichnung des Schriftstellers Orhan Pamuk mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels hat die türkische Öffentlichkeit gespalten. "Während liberale Zeitungen wie Radikal den gesamten Text der Dankesrede abdruckten, beschränkten sich andere Blätter auf kurze, unkommentierte Meldungen", berichtet das Börsenblatt. Hürriyet, die auflagenstärkste Tageszeitung, habe kritisiert, dass vor allem Pamuks Äußerungen zu den dunklen Punkten der Geschichte (Kurdenpolitik und Armenier-Genozid) in der Paulskirche für Beifall gesorgt hätten.
Büchner-Preisträgerin Brigitte Kronauer will nicht "schwierig" sein. Das sei ein ihr ewig anhaftendes Klischee, das wohl hauptsächlich von Leuten kolportiert werde, die nichts von ihr gelesen hätten, sagte sie im Gespräch mit dem Börsenblatt. Auch möchte sie nicht lesen oder hören, ihre Werke kämen, ganz postmodern, nicht aus dem Leben, sondern aus der Literatur. Kronauer: "Irrtum, Holzweg, Quatsch!"
Zur ersten Priorität des neuen Börsenvereins-Hauptgeschäftsführers, Alexander Skipis, ist die Lobbyarbeit für den Erhalt des reduzierten Mehrwertsteuersatzes bei Büchern geworden. Zwar haben sich vor der Bundestagswahl noch alle Parteien für die "sieben Prozent auf Bücher" ausgesprochen, einen Unsicherheitsfaktor sieht das Börsenblatt jedoch bei den beiden jetzigen Verhandlungsführern um die Sanierung der Staatsfinanzen, Roland Koch und Peer Steinbrück: Sie forderten seit längerem eine Anhebung auf acht Prozentpunkte, Koch habe sogar kürzlich in der Berliner Zeitung mit dem Gedanken gespielt, für Bücher den vollen Mehrwertsteuersatz einzuführen.
Den Zusammenbruch des Schweizer Buchmarkts fürchtet der Präsident des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbands, Men Haupt, gesetzt den Fall, dass den Forderungen des Preisüberwachers Rudolf Strahm nachgegeben wird. Strahm möchte erreichen, dass Bücher aus Deutschland zum paritätischen Wechselkurs umgerechnet und dann nur noch minimal erhöht werden. "Das bricht den meisten Sortimenten das Genick - selbst Großbuchhandlungen würden in die roten Zahlen schlittern", warnt Haupt.
Meldungen: Die Literaturagentin und Übersetzerin und Ray-Güde Mertin wurde zur "BücherFrau des Jahres" gewählt; ihr besonderes Engagement gilt der portugiesischen Literatur. Wladimir Kaminer erhält den mit 10.000 Euro dotierten erstmals verliehenen Literaturpreis der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt. Die Schweizer Buchhandlungen der W. Jäggi AG firmieren in Zukunft unter Thalia.
Archiv: Die Buchmacher
Rache für bleischwere Bücher
21.04.2008. Wie Buchhändler für Ladenhüter und blöde Bestseller an Autoren Vergeltung üben. Wer sich im Zeitalter des "funktionalen Analphabetismus" über die Ausdünnung des Buchhandelsnetzes Sorgen macht. Und worüber die Branche auf der London Book Fair diskutiert hat. Mehr lesen
Antipoden der Blödel- und Quasselkultur
14.04.2008. Warum literarsche Wucht-Wälzer so beliebt sind. Weshalb der Fall der Buchpreisbindung eine Buchhandelskatastrophe wäre. Welche Romane für Frühlingsgefühle sorgen. Und wieso HarperCollins auf Autoren-Vorschüsse und Remissionsrecht verzichten möchte. Mehr lesen
Ausweitung der Bilderzone
07.04.2008. Warum der Aufbau-Chef heilen oder klagen kann. Wie sich die Börsenvereinianer unter dem Damoklesschwert der Haftung winden. Wieso Brockhaus durch die Heye-Übernahme jetzt verstärkt in Kalender macht. Und weshalb Karstadt auf der Suche nach Buchhandelspartnern in der Klemme steckt. Mehr lesen
Riese in der Wachstumsfalle
31.03.2008. Warum die Branche eine konzertierte Marketing-Aktion benötigt. Wie Wikipedia Kleinverlage auslöscht. Inwiefern Amazon zu komplex und unflexibel ist. Und weshalb das Ehrenamt beim Börsenverein noch unattraktiver wird. Mehr lesen
Archiv: Buchmacher
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Archiv: Die Buchmacher
Freie Preise, freies Handeln
17.03.2008. Warum das Bundeskartellamt gegen die Preisbindung ist. Wer bester Verleger und Misthaufen in einer Person ist. Weshalb auf der Bestsellerliste so viel los ist. Und wie Fachhändler gegen Ketten kämpfen. Mehr lesen
Erfüllungsgehilfen der Filial-Fürsten
10.03.2008. Was die Ausbildung in den Buch-Ketten fragwürdig macht. Wer im Wettstreit mit den Filialisten auf Expansionskurs ist. Und warum Verlage zu defensiv sind. Mehr lesen
Einschussloch der Erinnerung
03.03.2008. Warum Daniel Cohn-Bendit "Die Wohlgesinnten" drei Mal gegen die Wand geworfen hat. Wie beliebt Buchhändler sind. Warum sich die Filialisierung im Buchhandel nicht verlangsamt. Und was Götz Aly bei seiner Recherche zu seinem Buch "Unser Kampf" besonders überrascht hat. Mehr lesen
Leiden mit Fuckoh
25.02.2008. Warum der Fall Brockhaus doch nicht für den Tod der gedruckten Enzyklopädie steht. Wo man Print-on-Demand-Bücher bald produzieren kann. Und was "Nazis in Dortmund" mit "Narziß und Goldmund" und "Foucault" mit "Fuckoh" zu tun haben. Mehr lesen
Print ist tot
18.02.2008. Warum die gedruckte Enzyklopädie Geschichte ist. Weshalb HarperCollins Bestseller verschenkt. Wieso Ratgeber nicht unter der Internet-Konkurrenz leiden. Und wer keine Lust mehr auf Untergangsszenarien und Nullsummenspiele hat. Mehr lesen
Flucht in den kulturellen Naturschutzpark
11.02.2008. Was die Kalender-Verleger besorgt. Warum die Branche von einer Audible-Amazon-Allianz profitiert. Wieso die eskapistischen Buchhandels-Azubis keine Ahnung von BWL und elektronischen Medien haben. Und weshalb Verleger demnächt ein Praktikum als Übersetzer absolvieren sollen. Mehr lesen
Stiefmütterliche Feuilletons
04.02.2008. Warum um Open-Access nicht mehr so scharf gestritten wird. Inwiefern der Wettstreit der Filialisten um Flächen dafür umso schärfer wird. Wieso "ThaliaPreise" verboten sind. Und wer sich darüber ärgert, dass Feuilletons zweite Bücher stiefmütterlich behandeln. Mehr lesen
Gefährliche Makulatur
28.01.2008. Warum Bücher zu billig sind. Welche Comics den Buchhandel erobern sollen. Wie sich Verlage gegen Schutzgeld wehren wollen. Und weshalb die große Ramscherei die Branche bedroht. Mehr lesen
Kollektives Krumenpicken
21.01.2008. Wo die Preisbindung wieder auf der Kippe steht. Weshalb die Hörbuch-Branche nicht mehr euphorisch ist. Warum die kleinen Verleger-Nager in Zukunft nur noch gemeinsam ein paar Krumen picken können. Und mit welchen Hilfen zwei Ex-Suhrkampianer in die Selbstständigkeit starten.
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Club der toten Sparte
14.01.2008. Warum unter der neuen Bertelsmann-Führung düstere Wolken über dem Buch-Club hängen. Welches Tempo die Jäger der Branche vorlegen. Wie der deutsche Buchhandel 2007 abgeschlossen hat. Und was Sortimenter an den Vorschauen der Verlage monieren. Mehr lesen
Angst vor dem Scheitern
07.01.2008. Wie Georg Klein radikal seine Bücher ausmistet - und damit eine Debatte auslöst. Was sich die neue Suhrkamp-Marketingleiterin vorgenommen hat. Und wer aus Angst vor dem Scheitern auf gute Vorsätze verzichtet und lediglich seinen Schreibtisch im neuen Jahr aufräumen will.
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