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Bücherschau der Woche

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Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Wsewolod Petrow

Die Manon Lescaut von Turdej

Roman
Cover: Die Manon Lescaut von Turdej
Weidle Verlag, Bonn 2012
ISBN 9783938803486
Gebunden, 124 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Daniel Jurjew. Mit einem Kommentar von Olga Martynova und einem Nachwort von Oleg Jurjew. Ein sowjetischer Lazarettzug auf dem Weg von einer Front zur anderen. Darin ein Petersburger Intellektueller: Gepeinigt von Herzanfällen und Todesangst, liest er den Werther (auf deutsch). Aber in die Lektüre drängt sich die Geschäftigkeit der Militärärzte, Apotheker, Krankenschwestern um ihn herum. Es ist eine seltsame Gemeinschaft, hervorgebracht zwar vom Krieg, doch bestimmt von ganz alltäglichen Sorgen und kleinen Freuden. Bei einem längeren Aufenthalt trifft er auf ein Mädchen, das anders scheint als alle anderen: Vera Muschnikowa, ruhelos und romantisch, grazil und ungestüm - und sie ist jederzeit zur Liebe bereit. Der Feingeist erliegt ihrem vulgären Zauber, erkennt in ihr seine "sowjetische Manon" und erahnt damit bereits den dunklen Weg, den ihre Liebe nehmen wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2013

Als entzückende, "atmosphärisch-bukolische Trouvaille" würdigt Rezensent Jörg Plath Wsewolod Petrows nun auch auf Deutsch erschienene Liebesgeschichte "Die Manon Lescaut von Turdej" aus dem Jahre 1946. Ganz hingerissen liest er die Geschichte um einen namenlosen Arzt, der sich in einem Eisenbahnwaggon der Roten Armee nicht nur mit Goethes "Werther" und Rousseauismus beschäftigt, sondern sich auch in die junge Krankenschwester Vera verliebt, die ihm als Wiedergängerin der Manon Lescaut erscheint. Der Kritiker folgt Petrows eigensinnigem Helden bei seinen Versuchen der Kriegsgegenwart durch seine Träume vom 18. Jahrhundert zu entfliehen und seine Geliebte nach eben jenen Vorstellungen zu formen. Der russische Autor, der als Belletrist kaum in Erscheinung trat, habe aus seiner Novelle fast alle historischen Spuren - etwa Sowjetisches oder militärische Rituale - getilgt, berichtet der Rezensent. Auch wenn ihm die im Zweiten Weltkrieg spielende Geschichte bisweilen allzu sehr in die Vorstellungswelt des 18. Jahrhunderts abgleitet, kann Plath diese wunderbare Novelle nicht zuletzt aufgrund der exzellenten Übersetzung und des informativen Nachwortes nur unbedingt empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.01.2013

2012 war ein gutes Jahr für Liebhaber der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts, meldet Alexander Cammann mit Blick auf Gaito Gasdanows "Das Phantom des Alexander Wolf", M. Agajews "Roman mit Kokain", Vladimir Jabotinskis "Die Fünf" und die Neuübersetzung von Michail Bulgakows "Meister und Margarita" - doch "ein schmaler Band übertrumpft sie jetzt alle, so unwahrscheinlich das klingen mag". Gemeint ist die Novelle "Die Manon Lescaut von Turdej", das, wie der Rezensent weiß, einzige belletristrische Werk des Petersburger Kunsthistorikers Wsewolod Petrow. Die Geschichte um eine unmögliche Liebe zwischen einem Offizier und einer leichtlebigen Krankenschwester entstand 1946, doch eine Veröffentlichung des Stoffs kam in der Sowjetzeit nicht in Frage, berichtet Cammann und bedankt sich für die deutsche Ausgabe beim Verleger Stefan Weidle und insbesondere dem Autorenehepaar Olga Martynowa und Oleg Jurjew sowie deren Sohn Daniel Jurjew, der die Novelle "glanzvoll" übersetzt hat. Cammanns begeistertes Fazit: "Selten hat eine kleine Geschichte trotz ihres traurigen Schlusses so viel Hoffnung auf die Kunst geweckt."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2012

Rezensentin Kerstin Holm ist dankbar, dass mit Wsewolod Petrows "Die Manon Lescaut von Turdej" nun ein "Juwel" der Weltliteratur in einer "asketisch-edlen" deutschen Ausgabe erschienen ist. Für die Kritikerin ist dieser im Jahre 1946 verfasste, einzige belletristische Text des Leningrader Kulturwissenschaftlers eine der "schönsten" Liebesnovellen des zwanzigsten Jahrhunderts. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der - von Erstickungsanfällen geplagt und in "Werther"-Lektüre vertieft - mit einem Lazarettzug der Sowjetarmee von einem Kriegschauplatz zum nächsten zieht, bis er sich an der Haltestelle Turdej in eine junge Krankenpflegerin verliebt, die ihn bis zu ihrem Tod munter betrügt. Petrow konzentriere sich weniger auf kriegsrelevante Details wie Dienstgrade oder Kampfmoral; vielmehr lege er Wert auf die Schilderung der für die damalige Gesellschaft "inakzeptablen" Liebe seiner Protagonisten, berichtet die Rezensentin, die diesen Kurzroman in einem Atemzug mit Iwan Turgenjews "König Lear der Steppe" nennt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.11.2012

Gleich mehrfacher Grund zur Freude ist dem Rezensenten Mathias Schnitzler diese Novelle des russischen Autors Wsewolod Petrow aus dem Jahr 1946. Bei einem Verlag hat Petrow den antisowjetischen Text nie eingereicht, er ließ ihn unter Freunden zirkulieren, und erst 2006 erschien "Die Manon Lescaut von Turdej" offiziell in Russland. Gebührend dankt der Rezensent dem Weidle Verlag, der diese "mittelschwere Sensation" nun auch in Deutschland herausbringt, denn für Schnitzler ist die Novelle "von existenzieller Eleganz und reizender Tragik", ein Zug fährt in ihr von Front zu Front, "aus dem Nichts ins Nirgendwo", an Bord die Krankenschwester Vera und ein sowjetischer Offizier, der aber wenig Anteil am Kriegsgeschehen nimmt. Er ist der Protagonist der Novelle und setzt alles daran, der flatterhaften Krankenschwester, seiner Manon Lescaut, den Kopf zu verdrehen. Dass Daniel Jurjew den Text übersetzt hat, freut Schnitler ebenfalls, geht damit das literarische Talent der Familie Jurjew/Martynova doch in die zweite Generation.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.10.2012

Freudig begrüßt Ina Hartwig die nun vorliegende deutsche Übersetzung von Wsewolod Petrows Novelle "Die Manon Lescaut von Turdej" aus dem Jahr 1946. Die Geschichte um einen gebildeten Offizier, der während des Kriegs in einem Eisenbahnwagen des Militärspitals einer hübschen Krankenschwester, einem Mädchen aus dem Volk, begegnet und mit ihr ein kurzes Liebesglück erlebt, ist für sie ein "wahres Kleinod" der russischen Literatur: essentiell, berührend, "rätselhaft schön". Zudem liest sie den Text als Gegenstück zu allem offiziell Sowjetischen, zu Heldenkult, Kriegspropaganda, Klassenkampf und die Idee vom Neuen Menschen. Mit viel Lob bedenkt sie auch das kenntnisreiche, enthusiastische Nachwort des Schriftstellers Oleg Jurjew.
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Wsewolod Petrow

Wsewolod Petrow (1912-1978) entstammte einer Petersburger Adelsfamilie, er war Kunsthistoriker und arbeitete vor dem Zweiten Weltkrieg am Russischen Museum. Nach dem Krieg, als Offizier in der Roten Armee demobilisier t, ... mehr lesen

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