Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
- Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Große Aufregung in der Sigmund-Freud-Nervenklinik in Graz: Einer der Hoffnungslosen, ein Selbstmörder, ist aus dem Koma noch einmal zum Leben erwacht. Doch warum weigert sich dieser Simon Brenner, ein Privatdetektiv, so stur, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen? Warum behauptet er steif und fest, die Kripo wollte ihn ermorden? Und das, obwohl die Tage vor dem Kopfschuss restlos aus seinem Gedächtnis gestrichen sind? Für den Psychiater liegt der Fall ganz klar: akute Depressionen, ausgelöst durch die Rückkehr in die Heimatstadt Graz ...
Rezension Perlentaucher
Nicht vielen Krimis merkt man so an, dass der Verfasser die Sprache liebt, und noch seltener wird sein Werben so üppig erhört. Man muss in einem fort laut lachen; blättert zurück und lacht noch mal. Man nickt sogar: Doch, so ist das Leben, ich leider auch. Hier schreibt ein weiser Mann, zum Glück mit Understatement...
Lesen Sie mehr von Michael Schweizer in 'Mord und Ratschlag'
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.06.2003
Ein bisschen traurig stimmt es den Rezensenten Tobias Gohlis schon, dass der Krimi-Autor Wolf Haas seinen Kommissar Brenner in diesem Buch seine letzte Geschichte erleben lässt - Haas' Protagonist scheint ihm ganz schön ans Herz gewachsen zu sein. Für den finalen Plot führt Haas seinen Protagonisten zurück in dessen Heimatstadt Graz, wo Brenner just eine Kugel in den Kopf bekommt - doch es ist kein Selbstmordversuch, wie zunächst alle glauben. Die Suche nach dem Killer gibt Brenner Gelegenheit, dem Leser noch einiges aus seiner Biografie mitzuteilen, dann ist die Geschichte zu Gohlis Bedauern auch schon wieder zu Ende. Der Krimi ist übrigens, wie der Rezensent uns wissen lässt, eine Auftragsarbeit für die Europäische Kulturhauptstadt Graz.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.02.2003
Franz Haas widmet sich dem neuen Krimi seines Namensvetters Wolf Haas. Dessen sechster und letzter Band der Brenner-Krimis zeigt laut Rezensent "das ganze Können" des Autors. Der Privatdetektiv Simon Brenner hat seinen schwierigsten Fall zu lösen - seinen eigenen. Doch auch diesmal spielt die Zeit gegen den ehemaligen Polizisten, und "überhaupt ist es spät in seinem Leben", stellt Franz Haas fest. Ihm gefällt es, dass Wolf Haas kein fulminantes Ende für seine Serie braucht, sondern einfach aufhört. Da Simon Brenner keine Zukunft mehr habe, und Wolf Haas alle Geheimnisse aufdecke, sei eine Fortsetzung nicht mehr nötig. Eines dieser Geheimnisse ist die Person des Erzählers. Franz Haas findet es zwar plausibel, dass sich ein ehemaliger Untermieter der Großeltern Brenners als "volksmundiger Schwadroneur" entpuppt, der den Leser durch die vorhergehenden Romane geführt hat, kritisiert aber den logischen Bruch, den Wolf Haas mit dieser Enthüllung begeht. Denn wie sollte dieser Nebendarsteller die Erlebnisse des Detektivs Brenner so allwissend schildern können? Diese kritische Anmerkung kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Rezensent schon gespannt auf zukünftige Arbeiten Haas' wartet und sich bis zur nächsten Veröffentlichung noch am "überdimensionalen visuellen Gedicht" des Erzählers erfreut.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.02.2003
Statt eine Inhaltsangabe von Wolf Haas neuen Krimi "Das ewige Leben" zu liefern, führt Rezensent Ijoma Mangold lieber einige "technische Daten" an, um den Kennern vor Augen zu führen, warum "der neue Wolf Haas" wieder von "so ausgezeichneter Markenqualität" sei. Nicht weniger als vierzehn Gründe fallen dem Rezensenten ein, die für "Das ewige Leben" sprechen. Hier in geraffter Form: 1.) Serie. Auch in Haas' sechstem Krimi spielt Simon Brenner, der Ex-Polizist, die Hauptrolle. 2.) Lokalkolorit. Alle typisch österreichische Motive wie Weltschmerz, Selbstmord und Sigmund Freud sind präsent. 3.) Todesbewusstsein (vgl. auch Lokalkolorit). 4.) Vertrauen. Obwohl erst zum Schluss aufgelöst wird, wer sich hinter der Stimme des Ich- Erzählers verbirgt, stehe der Leser mit dieser Phantomstimme, die ihn ständig mit "du" anspricht, von Anfang an auf vertrautem Fuß. 5.) Soziologie. Haas erweist sich als ein "Empiriker der feinen, aber auch der groben Unterschiede". 6.) Weisheit. Fast immer in der Form von Lebensweisheit, denn Brenner sei "quasi Philosoph". 7.) Bildverarbeitung. Der Rezensent würdigt hier die "absolute Präzisionsarbeit - gerade im extravaganten Manierismus". 8.) Stil. Einerseits von schwelgerischem Selbstgenuss, andererseits auch von großer Prägnanz. 9.) Logik. Sie ist immer verschoben, aber systematisch verschoben. 10.) Spannung. 11.) Lektorat. "Eins a". 12.) Gesellschaftskritik: "absolut vorhanden". 13.) Lektüre-Verhalten. "Überaus geschmeidig", freut sich Mangold, "doch weder ölig noch von konfektionierter, widerstandsloser Glätte." 14.) Kultstatus. Haas ist in Österreich ein Kultautor, in Deutschland noch ein Geheimtipp. Vierzehn Gründe also, warum man das Buch lesen muss.
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