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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Willem Frederik Hermans

Die Tränen der Akazien

Roman

Cover: Die Tränen der Akazien

Gustav Kiepenheuer Verlag, Berlin 2005
ISBN-10 3378006641
ISBN-13 9783378006645
Gebunden, 518 Seiten, 24,90 EUR

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Klappentext

Aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert. Das letzte Jahr des Zweiten Weltkriegs: Deutsche Truppen besetzen die Niederlande. Der sensible Student Arthur, verstört durch den Krieg, versucht verzweifelt zu begreifen, was um ihn herum geschieht: Ist sein bester Freund Oskar Widerstandskämpfer, Opportunist oder Kollaborateur? Und seine Halbschwester Carola eine Heldin der Resistance oder eine "Deutschendirne"? In diesen Zeiten, in denen nur das Überleben und Weiterleben zählen, sind Missverständnisse und Betrügereien an der Tagesordnung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.08.2005

Der Zorn des Autors rettet seinen Roman "Die Tränen der Akazien" vor dem Kitsch, stellt Robin Detje fest, und überhaupt zeigt der Rezensent sich tief erregt von diesem frühen Roman des niederländischen Schriftstellers Willem Frederik Hermans. Als ein "erstaunliches, ein ungestümes Buch" sieht der Rezensent dieses Werk an, das die Zeit des Kriegsendes in Amsterdam beschreibt, zwischen den deutschen Besatzern und kanadischen Befreiern. Hermans zeichnet eine Welt aus Lügen und Schmutz und Verrat, in der jeder für sich einen sicheren Ort sucht, auch der "junge Antiheld Arthur Muttah", der zornig und postexpressionistisch durch den Roman taumelt, dabei den deutschen Liebhaber seiner Schwester erschlägt - sie hilft ihm dann, die Leiche in einem Kanal zu versenken - und bei seiner eigenen haltlosen Jagd nach Liebe tragisch scheitert. Auch auf die Zeitlosigkeit des "schaurig-schönen Wälzers" weist der Rezensent hin: Detje fühlte sich durch die Lektüre an andere Schauplätze des Nach-Kriegs versetzt, nach Belgrad etwa oder nach Bagdad.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2005

Wie auch seine anderen Bücher hat der Niederländer Willem Frederik Hermans seinen Roman "Die Tränen der Akazien" ganz unter die programmatischen Begriffe "schöpferischer Nihilismus, aggressives Mitleid, vollständige Misanthropie" gestellt, warnt Dorothear Dieckmann. "Die Tränen der Akazien" sei ein depremierender Anti-Entwicklungsroman, charakterisiert Dieckmann das Buch, voller Hass, Zynismus, dunkler Motive, Irrwege, kurz eine Fahrt durch die Hölle und kein moralisch aufbauendes Buch. Im Gegenteil, es zeige, bestätige Verwirrung und Orientierungslosigkeit, wisse zwischen Feind und Freund, Gut und Böse, Kollaboration und Widerstand nicht mehr zu unterscheiden. So heiß die Wut, so verzweifelt der Ton, meint Dieckmann bewundernd, so glasklar seien auch die Ängste formuliert, die den Menschen zusetzten und sie dazu verurteilten, "gegen sich selbst Krieg zu führen".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2005

Nachdem der niederländische Schriftsteller Willem Frederik Hermans in Deutschland vor ein paar Jahren mit "Die Dunkelkammer des Damokles" erstmals übersetzt wurde, versucht nun der Verlag mit einem frühen Roman von Hermans an diesen Erfolg anzuknüpfen. Leider sei der Roman, bedauert Wolfgang Schneider, nicht so gelungen wie die späteren Bücher. Schneider sieht kompositorische Schwächen, schiefe Metaphern, die ihm den Roman wie ein Vorübung für das spätere Meisterwerk erscheinen lassen. Trotzdem ist die Geschichte des Romans interessant und aus gegebenem Anlass - dass sich das Kriegsende zum sechzigsten Male jährt - hochaktuell, da er während und nach der deutschen Besatzung Hollands spielt. Der jugendliche Protagonist tötet einen Deutschen - nicht als bewusst politischen Akt, sondern eher zufällig -; Schneider bemerkt bei Hermans einen an Camus erinnernden existenzialistischen Zug. Der Roman entstand übrigens 1949 und habe damals völlig mit den Konventionen gebrochen, meint der Rezensent, weil Hermans seine Geschichte nicht in das klassische Opfer-Täter- oder Held-Verräter-Schema pressen wollte. Die Zeitung, die den Vorabdruck des Romans übernahm, überlebte den Käuferboykott übrigens nicht, merkt Schneider noch an.

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